Wortakrobatik in Coronazeiten | Teil 5/5

Von Dr. Bernd Lukoschik.

Gesundheit und Krankheit – was ist zuerst?

Der Begriff „Gesundheit“ hat sich spätestens mit der Coronakrise einem grundlegenden Bedeutungswandel unterzogen, besser: wurde einem solchen unterzogen.

Früher war man üblicherweise gesund, bis man krank wurde – heute ist man üblicherweise krank, auch wenn man sich wohlfühlt und keinerlei Krankheitssymptome oder Unwohlsein vorliegen. Man ist so lange krank, bis man gesund gemacht wird.

Ich wollte zunächst schreiben: … wieder gesund gemacht wird! Das wäre aber wegen des „wieder“ falsch, denn dies würde das längst vergangene Begriffsverständnis voraussetzen, dass man nämlich „eigentlich“ gesund ist und eben nur ab und zu krank wird und dann wieder gesund. Genau das trifft in der Moderne spätestens seit 2020 aber nicht mehr zu!

Diese Zeiten sind also vorbei, ebenso wie die „alte Normalität“. Wir sind immer schon krank. Genauso, wie wir immer schon zum Tod bestimmt sind, vor dem Leben tot waren, nach dem Leben wieder tot sein werden, das Totsein als Normalzustand.

Folgen für uns: übel

Und weil wir immer schon krank sind, dürfen wir uns auch nicht mehr selbst trauen. Unser eigenes Empfinden bzgl. unseres Körpers täuscht immer schon.

Mehr noch: Je wohler man sich fühlt, umso verdächtiger sollte man sich selbst gegenüber werden, aber vor allem bei den anderen müssen wir dann Verdacht erwecken: Mit dem stimmt was nicht, der fühlt sich gesund!

Keinesfalls darf man den Eindruck vermitteln, man fühle sich wohl. Das würde stark den Verdacht nahelegen, dass man entweder heuchelt oder verdrängt – schlimm genug – oder dass man besonders krank (und damit infektiös!) ist. Denn es gibt kaum Besorgniserregenderes als das Immer-schon-physisch-krank-Sein, gekoppelt mit überlagerndem Sich-blendend-Wohlfühlen. Das hieße zusätzliche Schizophrenie, gespaltene Persönlichkeit, also Geisteskrankheit – zusätzlich zu der schon immer im Alltag gelebten. Man sieht: ein nahezu hoffnungsloser Zustand.

Wenn es nicht die Retter gäbe!

Folgen für die Industrie: förderlich

Nun gibt es zu jedem Problem auch die Lösung. In der Industriegesellschaft kommt die Lösung in Form einer Ware auf uns zu. Es wird selbstverständlich nicht in Erwägung gezogen, dass der Kranke sich zum Beispiel seine Gesundheit aus sich heraus verschaffen könnte, etwa durch eine bessere Lebensweise und damit einhergehende Stärkung des Immunsystems. Dann bräuchte man die Unterstützung von außen nicht.

Diese Lösungsmethode wäre zwar für den Kranken kostengünstig – er könnte dabei sogar noch sparen, indem er etwa den Zigarettenkonsum absetzt, weniger Alkohol konsumiert, weniger Süßigkeiten usw. Das wäre aber schlecht für die, die am Erzeugen von Gesundwerdungswaren verdienen.

Es soll nicht um den heißen Brei herumgeredet werden: Statt dass jeder sich selbst um eine Stärkung seines Immunsystems kümmert, bietet die Pharmaindustrie den Impfstoff an. So soll also der Immer-schon-Kranke in den Zustand des Gesundseins überführt werden.

Folgen für die Industrie: sehr förderlich

Da aber krank zu sein der menschliche Normalzustand (geworden) ist, kann gesund zu sein immer nur vorübergehender Natur sein. Natürlich bietet dafür auch wieder die Impfindustrie eine glänzende Lösung, die auch dieser Industrie zufälligerweise hilft: Sie vermag immer von Neuem den neuesten Impfstoff zu liefern.

So ist allen Seiten gedient. Wir werden impfgesund gehalten, und die Impfstoffhersteller haben ein zuverlässiges Einkommen. Um im Sinne Theodor Fontanes nachzudichten:

So spendet Segen noch immer die Hand
des Pharmariesen dem Impfling im Land.

Alle vorangegangenen Teile zu “Wortakrobatik in Coronazeiten” gibt es hier zum Nachlesen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: yu_photo / shutterstock

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