Im Gespräch: Felix Abt (Bericht aus Nordkorea)

Felix Abt, 1955 in der Schweiz geboren, ist Unternehmer und gilt als Fachmann für ausländische Investitionen und Geschäftstätigkeiten. Ab 1990 war Abt in verschiedenen Ländern ansässig und unternehmerisch tätig, u.a. in Vietnam, im Nahen Osten und in Afrika.

2002 wurde Felix Abt vom schweizerisch-schwedischen Konzern Asea Brown Boveri (ABB), einem Weltmarktführer auf dem Gebiet Energietechnik, als Repräsentant nach Pjöngjang entsandt und war damit einer der ersten ausländischen Geschäftsleute in Nordkorea.

Ende 2003 wurde er Handelsvertreter weiterer multinationaler Unternehmen in Geschäftsfeldern wie Bergbau, Textilien und mit PyongSu Pharma auch im Arzneimittelbereich und erzielte mit seiner Tätigkeit für die Unternehmen Millionenumsätze.

2004 war Felix Abt Mitgründer und Schuldirektor der von der Schweiz mitfinanzierten Pyongyang Business School, wodurch er sich in wirtschaftlicher Entwicklungshilfe hervortat. Aufgrund seiner Expertise wurde Abt oft von internationalen Medien zu Nordkorea interviewt und zitiert. Insgesamt war Felix Abt sieben Jahre dort.

Im Gespräch mit Dirk Pohlmann erläutert Felix Abt, was ihn als einer der ersten westlichen Geschäftsleute nach Nordkorea verschlagen hat, wie er die nordkoreanischen Verhältnisse persönlich wahrgenommen hat und wie die ausländische Sanktionspolitik seine persönliche Arbeit behindert und in konkreten Fällen sogar unterbunden hat.

Abt beschreibt eindrucksvoll und verständlich, welche geostrategischen Interessen hinter der Teilung Nord- und Südkoreas stecken könnten, nennt die Hintergründe, wie sich Nordkorea zu einer Nuklearmacht entwickeln konnte und wie groß die Chancen einer Wiedervereinigung sind.

Als einer der wenigen, die wirklich vor Ort waren, zeichnet Felix Abt ein Bild von Nordkorea, das die Darstellungen und Narrative, die von westlichen Medien verbreitet werden, doch stark relativiert.

Inhaltsübersicht:

0:00:00 Beginn und Einleitung

0:00:48 Warum ausgerechnet Nordkorea?

0:12:28 Entwicklungsprojekt durch Sanktionen gestoppt

0:18:40 Weitere Projekte unter erschwerten Bedingungen

0:24:09 Sanktionspolitik als Hungerwaffe

0:27:44 Geostrategische Interessen

0:35:22 Nuklearmacht Nordkorea

0:45:58 Lebensmittelsituation und Alltag in Nordkorea

0:56:43 Konfuzianismus und Wiedervereinigung

1:01:06 Reisen in Nordkorea

1:03:04 Schlussbetrachtung und Ausblick

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Kommentare (11)

11 Kommentare zu: “Im Gespräch: Felix Abt (Bericht aus Nordkorea)

  1. triple-delta sagt:

    Wie sagte Lenin: Sozialismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung.
    Es darf natürlich im Westen niemand wissen, dass die bösen kommunistischen Führer die Lebensbedingungen ihrer Völker verbessern wollen.

  2. Zivilistin sagt:

    Hallo miteinand, ich bin Zivilist's Quotenfrau, es konnte noch nicht geklärt werden, ob mich apolut rausgeschmissen hat oder die staatliche Verschwörung eines Geheimdienstes und es konnte auch noch nicht korregiert werden. Was ich zum Thema sagen wollte:

    Unter Rumsfeld hat doch ABB auch zwei AKWs in Nordkorea gebaut, danach hat Pohlmann gar nicht gefragt. Und wie war das überhaupt, waren Rumsfeld und Kim gleichzeitig in der Schweiz ? Kannten die einander ?

    Daß die USA den Fortschritt allüberall behindern, und wenn das nicht gelingt, zerstören, ist ja bekannt, vom Man Made River Projekt in Libyen zu Northstream. Aber was ist die Vision dahinter ? Die USA ganz oben, auf einem Müllhaufen, toll ! Und ist Israel dabei nur der Juniorpartner oder der Lehrmeister ?

    • Felix Abt sagt:

      Nordkorea verfügte 1994 über einen Reaktor, der Strom erzeugte, und zwei wesentlich größere Reaktoren, die sich in Yongbyon und Taechon im Bau befanden. Die USA wollten die Plutoniumproduktion Nordkoreas einfrieren, indem sie den bestehenden Reaktor außer Betrieb setzen und die Fertigstellung der neuen Reaktoren stoppen wollten. Dies war Teil des entsprechenden Rahmenabkommens zwischen den USA und Nordkorea. Im Gegenzug sollte Nordkorea zwei Leichtwasserreaktoren erhalten, mit denen kein waffenfähiges Plutonium produziert werden konnte.

      Die Vereinbarung wurde von der demokratischen Regierung Bill Clintons abgeschlossen, und der Republikaner Donald Rumsfeld, der zufällig Mitglied des Aufsichtsrates des ABB-Konzerns war, hatte keinen Einfluss auf deren Politik.

      Die Nordkoreaner hielten sich an die Vereinbarung, aber die USA lieferten nicht das versprochene Schweröl und die Leichtwasserreaktoren und erfüllten somit nicht ihre vertraglichen Verpflichtungen aus dem Rahmenabkommen mit Nordkorea. Der Kongress lehnte die Finanzierung ab, und die Clinton-Regierung glaubte, dass Nordkorea eher früher als später zusammenbrechen würde, auf jeden Fall bevor die USA ihren Teil des Abkommens hätte erfüllen müssen.

      Der Autor dieses Artikels sagt, dass "Pjöngjang den grundlegenden Zweck des Abkommens – das Einfrieren der Plutoniumproduktionskapazitäten der DVRK – erfüllt hat".

      https://www.38north.org/2015/05/jlewis051415/

  3. Rudolph sagt:

    Nachrichten* aus Nordkorea auf Deutsch: Stimme Koreas
    http://www.vok.rep.kp/index.php/home/main/ge

    * Nachrichten = Propaganda (Fast wie bei uns, aber anders…)

  4. lolTT sagt:

    Ich habe im 3. Klasse auf der middle school(9. Klasse in Deutschland) meinen Lehrer für Politik/Soziologie gefragt, warum nicht Japan, sondern unser Land Korea nach der 2. Weltkrieg geteilt wurde. Japan hat den Krieg geführt. Korea war ein Opferland von der japanischen Besatzung. Japan hat Korea 35 jahrelang(1910-1945) brutal ausgebeutet und koreanische Kultur und Sprache malträtiert. Mein Lehrer konnte auf meiner Frage nicht antworten und betonte nur, dass es in Jalta Konferenz so entschieden wurde.
    Nach vielen Jahren in der Uni wurde es mir klar, dass USA seine Militärbasis gegen China und Russland lieber auf koreanischen Halbinsel als auf japanischen Inseln einrichten wollten. Da wurde es mir auch klar, dass mein Land Korea niemals vereinigt wird, weil USA es nicht wollen. Noch vor 40 Jahren waren die Südkoreaner sehr wohl für eine Vereinigung. Mittlerweile ist es nicht so. Sie sehen Deutschland mit den armen 'verstahlten Ossis'. Südkoreaner wollen keine arme '북씨=Bukssi=Herr/Frau Buk=Nordis'. Sie wollen das Reichtum lieber für sich alleine.

    Wenn man eine Antwort haben will, warum Nordkorea unbedingt Atombombe haben will, dann muss man etwas vom Gedanken des Landesgründers Kim Il-Sung, des Großvaters von Kim Jung-Eun wissen. Es heißt 'Sutsche-Sasang', was als 'self-relience ideology' übersetzt wird. Kim Il-Sung wollte nicht, dass Korea wieder unter die Räder der großen kolonialen Mächte verfällt. So lehrt er, alles Fremdes zu verweigern und alles selber zu machen. Es ist ein absolutes Nationalismus, etwa wie Korean-Elitism. Dafür tun sie alles gegen die große Mächte, besonders gegen USA.
    Ich kann nicht sagen, dass es gut ist, weil viele Menschen dort an Mangelwirtschaft sehr leiden. Aber, dass Nordkorea nicht in dem Maßen einen Satelitenstaat von Russland und China geworden ist, wie Südkorea für USA., das ist dem 'Sutsche-Sasang' zu verdanken.

    Danke für die anregende Sendung.

    • Querdenker sagt:

      "Nach vielen Jahren in der Uni wurde es mir klar, dass USA seine Militärbasis gegen China und Russland lieber auf koreanischen Halbinsel als auf japanischen Inseln einrichten wollten."

      @lolTT: Genau! Und das Gleich mit Jugoslawien/Kosovo und Camp Bondsteel …

  5. Querdenker sagt:

    Danke Herr Pohlmann für diees wieder interessante Interview. Wenngleich auch der Felix Abt die Welt mitgewissen Scheuklappen wahrnimmt. Aber es ist ja wichtig die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu sehen und das ist halt eine davon.

    OT, apropos Scheuklappen Herr Pholmann: Sind Sie sich sicher, dass der Krieg in der Ukraine, jetzt etwa zwei Jahre schon geht?! Zumindest behaupten sie alle drei das unisono im letzten "Das 3. Jahrtausend" (1:46:00). Ich hatte da immer so 2014 als Kriegsbeginn im Kopf, das wären dann bereits zehn Jahre! Aber was weiß ich denn schon Herr Pohlmann …

  6. Querdenker sagt:

    Aber mal im Ernst, der Mann war sieben Jahre in Nord Korea und ist jetzt in Vietnam. Sein Erfahrungshorizont für Europa ist da wohl schon älter als sieben Jahre, sprich 2017. Und 2017 konnte man als gutgläubiger Europäer noch davon ausgehen, dass alle Arzneimittel erst getestet werden, bevor diese in den Handel kommen.

    Das traf ja z.B. auch auf Contergan zu und man erkannte sehr schnell die Risiken. Nur hat es eben Jahre gebraucht, bevor Contergan wieder aus dem Verkehr gezogen wurde, man wollte ja noch die "Kohle" machen …

  7. Watt??? Hüstel, räusper, röchel … geht gleich wieder … Gott sei Dank!

    Abt (25:50min): "Nordkorea ist das einzige Land, auf der Welt wo man den Verbrauchern es zumutet, dass Arzneimittel(!!!) und Lebensmittel nicht gründlich getestet werden und sicher sind."

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