Das russische Fernsehen über die Reaktion in Europa auf den Putschversuch | Von Thomas Röper

“Der Mann ist das größte Geschenk!”

Der Putschversuch in Russland wurde weltweit genau beobachtet. Interessant ist, wie in Russland über die Reaktion in Europa berichtet wurde.

Ein Standpunkt von Thomas Röper.

Wie jeden Sonntag war der Bericht des Deutschland-Korrespondenten einer der interessantesten im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens. Er hat berichtet, wie der Putschversuch in Europa aufgenommen wurde, aber er hatte natürlich auch andere interessante Themen der Woche, die aus russischer Sicht ganz anders klingen als in deutschen Medien. Wie fast jeden Sonntag habe ich den Korrespondentenbericht aus Deutschland übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Aufstand und Gegenangriff: Die Reaktion Europas

Die Nachricht von dem bewaffneten Aufstand in Russland wurde von Europa mit reibenden Händen aufgenommen. Natürlich, schließlich ist jede Uneinigkeit bei uns eine Hoffnung auf Russlands Niederlage. Aus Europa berichtet unser Korrespondent.

In allen europäischen Hauptstädten werden die Ereignisse um Wagner seit Freitagabend mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, so die offiziellen Pressemitteilungen. Auch die Fernsehberichterstattung wird regelmäßig durch Breaking News unterbrochen, Eilmeldungen unter Einbeziehung verschiedener Experten, die ihren Jubel kaum verbergen können: Sie haben den Champagner noch nicht geöffnet, aber für alle Fälle schon mal kalt gestellt.

„Das ist eine großartige Gelegenheit für die Ukraine, sich die derzeitigen Unruhen und das Chaos in Russland zunutze zu machen“,

sagt Tobias Ellwood, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des britischen Parlaments.

Auf den Websites britischer Medien sind Karten mit Pfeilen aufgetaucht, die zeigen, wohin Prigoschins Gruppe vordringt. Der Name des Mannes ist in Europa wohlbekannt, aber es ist das erste Mal, dass er von solchen Worten begleitet wird, wie hier von der Bild:

„Völlig wahnsinnig. Russen-Söldnerchef Prigoschin beschuldigt das russische Verteidigungsministerium, einen Luftangriff auf eines seiner Lager verübt zu haben. Jetzt ruft er seine 25.000 Söldner zum Kampf gegen das russische Militär auf. Der Mann ist das größte Geschenk!“

Das ist keine Gegenoffensive, sondern ein blutiger Crash-Test, schreibt das Handelsblatt. Die – um es vorsichtig auszudrücken – nicht sehr erfolgreiche Offensive der Ukraine im südlichen Sektor der Militäroperation hat ihren Zweck erfüllt: selbst die glühendsten Anhänger der Idee einer strategischen Niederlage Russlands durch die Niederlage seiner Streitkräfte werden langsam davon überzeugt, dass das unmöglich ist. Jetzt sind sie verstummt. Die EU beschränkt sich auf die Feststellung, dass das, was geschieht, eine innere Angelegenheit Russlands ist: Sie haben Angst, ihr Glück zu verschrecken – die innere Destabilisierung der militärischen und politischen Führung gibt ihnen eine Chance auf dem Schlachtfeld. Die einzige Chance, denn eine andere wird es nicht geben.

Wie sagte es der polnische Präsident Duda diese Woche? Eine Chance, „Russland zu erschießen“?

„Wenn eine wilde Bestie einen Menschen verschlingt, sagt man gewöhnlich, dass sie einfach gejagt und erschossen werden muss. So ist es auch mit Russland“, so Duda.

Durch Duda hat der Westen seine Ziele so deutlich wie möglich verkündet. In dieser Woche beschrieb der ungarische Außenminister Szijjártó die Stimmung der transatlantischen Eliten als militärische Psychose: ein mentaler Zustand, eine verzerrte Wahrnehmung der Perspektive, und mancher mag denken, dass die Ziele näher sind, als sie tatsächlich sind. Diese Illusion überschattet heute alles andere, obwohl es in der vergangenen Woche sicherlich Ereignisse gab, die es wert sind, angeschaut zu werden.

„Das Haushaltsdefizit der Ukraine bis 2027 beträgt rund 60 Milliarden Euro. Der Bedarf für den raschen Wiederaufbau des Landes liegt bei etwa 50 Milliarden Euro. Der Gesamtbetrag beläuft sich auf 110 Milliarden Euro. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass die EU-Mitgliedstaaten 45 Prozent dieser Summe, also 50 Milliarden Euro, übernehmen“,

sagte die Chefin der EU-Kommission Ursula von der Leyen.

Am Dienstag fand in London eine Konferenz der Geberländer für das Kiewer Regime statt. Da die Konfiszierung der eingefrorenen russischen Vermögenswerte nach wie vor höchst problematisch ist, werden andere Quellen benötigt. Potenzielle Investoren wurden eingeladen, und man hat versucht, ihnen ein attraktives Bild von Investitionen in Projekte zum Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft zu vermitteln.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, weshalb Brüssel Geld für den aktuellen Bedarf bereitstellt. Zum Ärger Kiews gibt es das Geld nicht umsonst, sondern gegen Zinsen. Und weniger als die Hälfte von dem, was es braucht. Der EU-Haushalt, der ebenfalls bis 2027 gilt, ist bereits erschöpft, und selbst Deutschland, das die Waffen für die Ukraine durch die Erhöhung seiner eigenen Staatsverschuldung kauft, hat kein Geld, um den EU-Haushalt aufzufüllen.

„Einige Fahrzeuge, wie gepanzerte Brückenleger und Pionierfahrzeuge, werden Teil des 2,7-Milliarden-Euro-Pakets sein, das wir im Mai vorgelegt haben“, sagte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius.

Aus dem gleichen Paket stammen 20 Marder Schützenpanzer und mehrere Dutzend eilig aufgerüstete Leopard-1-Panzer. Die Leopard-2-Panzer sind bereits ausgegangen. Aber Macron und Meloni haben diese Woche das gemeinsame Flugabwehrsystem «Mamba» vorgestellt, ansonsten gibt es eigentlich wenig Gemeinsamkeiten zwischen ihnen.

„Das französisch-italienische Raketenabwehrsystem Mamba ist jetzt in der Ukraine stationiert und einsatzbereit. Wie ich gestern bereits sagte, stellt es einen wichtigen Beitrag zur Luftverteidigung des Landes dar“, erklärte Macron

„Wir sollten stolz darauf sein, dass wir so hart gearbeitet haben, um dieses Instrument in der kürzest möglichen Zeit anbieten zu können“, fügte Meloni hinzu.

Zum Thema Zeit gibt es einen auffälligen Trend: Europa lässt sich mit jedem neuen Paket anti-russischer Sanktionen mehr Zeit. Diese Woche wurde das elfte Paket endlich vorgestellt. Die Manager unseres Fernsehsenders Anton Slatopolskij, Andrej Kondraschow und Rifat Sabitow sowie die Journalisten Andrej Medwedew, Jewgenij Poddubnij und Alexander Sladkow sind von persönlichen Sanktionen betroffen. Die wichtigste wirtschaftliche Einschränkung betrifft erwartungsgemäß die Druschba-Pipeline: Der Transport von russischem Öl durch ihren nördlichen Zweig, der über Polen nach Deutschland führt, ist gesperrt. Das ist für sich genommen eine symbolische Maßnahme, die den aktuellen Stand der Dinge festschreibt. Und selbst von der Leyen räumt ein, dass man sich kaum etwas anderes ausdenken kann:

„Wir haben das elfte Paket von Wirtschaftssanktionen gerade beschlossen. Sie werden weiterhin eine starke Wirkung entfalten. Aber weiter zu gehen, ist schon schwierig.“

Die Sanktionen gegen Russland sind ihnen ausgegangen, deswegen ist die EU-Kommission besonders stolz darauf, dass es ihr gelungen ist, eine Art Mechanismus zur Berechnung und Bestrafung von Verstößen gegen das Sanktionsregime bei sich selbst und in Drittländern zu erfinden. In Anbetracht der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im Bereich der „grauen“ Importe ernsthafte Erfolge erzielt hat, ist Ärger vorhersehbar: Die Partei „Alternative für Deutschland“ ist in den Umfragewerten auf den zweiten Platz vorgerückt, gleich hinter der oppositionellen CDU.

Es ist sogar irgendwie erstaunlich: einzelne Vertreter von Merkels Partei interessieren sich nicht nur dafür, wie die Ermittlungen zum Anschlag auf die Nord-Streams verlaufen, sondern haben auch den gesunden Menschenverstand, um deren Reparatur zu fordern.

„Die Pipelines wurden infolge eines Anschlags, infolge eines Verbrechens gesprengt. Es gibt keinen Grund, warum wir die Pipelines jetzt nicht sichern und reparieren sollten. Ich glaube, dass die Menschen in Deutschland an den Ursachen der Explosionen interessiert sind. Alles, was wir hören, ist, dass die CIA gewarnt hat, dass jemand anderes gewarnt hat. Was ist denn dann letztendlich dort passiert?“, fragt Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen.

Die Antwort auf diese Frage scheint die Scholz-Regierung insgesamt und insbesondere ihre grüne Komponente nicht zu interessieren. Überhaupt ist es schwer zu verstehen, was sie will: Letzte Woche schloss Wirtschaftsminister Habeck noch nicht aus, dass die deutsche Industrie ohne russisches Gas ganz stillstehen müsse, und diese Woche sagt er plötzlich das Gegenteil:

„Ich bin sehr froh, dass wir kein Gas mehr aus Russland bekommen, ich finde, das sollte so bleiben.“

Heute so, morgen so. Das „grüne“ Experiment zielt nicht nur auf die deutsche Wirtschaft, es wird mit der klaren Absicht fortgesetzt, es global zu machen. Am Donnerstag versammelte Macron in Paris mehrere Dutzend Staats- und Regierungschefs, vor allem aus Afrika. Der Westen will sie durch eine Reform der Finanzinstitutionen – alle Arten von IWF und Weltbanken – gewissermaßen beglücken.

„Die Finanzinstitutionen der Welt sind heute zu klein und zu beschränkt, um ihr Mandat zu erfüllen, vor allem wenn es um die schwächsten Länder geht“, sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres.

Auf der Suche nach neuen Wachstumspunkten für sich selbst will der Westen den ehemaligen europäischen Kolonien unter dem Deckmantel der Armutsbekämpfung und des Klimaschutzes eine neue Form der Knechtschaft anbieten: die Abkehr von der traditionellen Wirtschaft und die Umstellung auf die „grüne Schiene“, die die ehemalige Dritte Welt in eine einzige Richtung führt: in eine noch größere Abhängigkeit von westlichem Geld und westlicher Technologie. Das passt nicht jedem.

„Es muss ein gerechter Übergang sein, der die existenzielle Situation verschiedener Gemeinschaften berücksichtigt, vor allem die der Arbeiter, die in der Industrie für fossile Brennstoffe arbeiten“, sagt Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa.

Die gesamte Geschichte der kolonialen und postkolonialen Welt zeigt eines: Die Leute aus dem Westen bauen keine Schulen, Krankenhäuser und Universitäten, sie hinterlassen eine Wüste von Pumpen, mit denen sie alle möglichen Bodenschätze abpumpen können, und eine durch und durch korrupte Elite, die ihnen das ermöglicht. Die Ukraine kann als neues Pilotprojekt betrachtet werden, das bereit ist, alles aufzugeben: Land, Bodenschätze, Industrie und Menschen, um einen Teil des Kuchens zu bekommen. Nun, zumindest irgendwann.

Am Freitag sagte die Chefin der EU-Kommission, sie könne sich die Ukraine in 20 oder 30 Jahren kaum außerhalb der EU vorstellen. Das ist keine besonders schöne Perspektive. Auch eine Einladung in die NATO wird es nicht geben.

„Auf dem Gipfel in Vilnius und während der Vorbereitung des Gipfels diskutieren wir nicht über eine offizielle Einladung. Wir diskutieren darüber, wie wir die Ukraine näher an die NATO heranführen können“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Heranführen kann man sie. Und sie dort auch weiter halten – mit einem engen Halsband und an der kurzen Leine.

Es ist unwahrscheinlich, dass die aktuellen Ereignisse in Russland die Beziehungen Kiews zu seinen europäischen und transatlantischen Herren verändern werden.

Ende der Übersetzung

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 26. Juni 2023 auf dem Blog anti-spiegel.ru.

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Bildquelle:  Below the Sky / shutterstock 

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Kommentare (18)

18 Kommentare zu: “Das russische Fernsehen über die Reaktion in Europa auf den Putschversuch | Von Thomas Röper

  1. R u l a i sagt:

    " „Das ist eine großartige Gelegenheit für die Ukraine, sich die derzeitigen Unruhen und das Chaos in Russland zunutze zu machen“,

    sagt Tobias Ellwood, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des britischen Parlaments."

    Da betätigt sich der Schmutz als Putzmann.

    Unruhen und Chaos? Vielleicht erst mal vor der eigenen Haustür kehren?

    https://t.me/antiilluminaten/42317

    • R u l a i sagt:

      Metaphorisch gemeint. Selbstverständlich will ich die hier abgebildeten Menschen nicht als Schmutz verstanden wissen. Man muss ja gan.. genau sein heutzutage.
      Ich spreche lediglich von dem Presstituierten.

  2. Andreas I. sagt:

    Hallo,
    an der Geschichte von Prigoschins Putsch war alles konsistent, bis die Nachricht kam, er würde Asyl in Weißrussland bekommen. Aber naja, wir werden sehen, wie das weitergeht.

  3. Danke für die Infos, Schramm! Solcherart Darlegungen hinsichtlich der wirtschaftlich-/gesellschaftlichen Situation kommen gerade auch hier in den konzernunabhängigen Medien etwas (zu) wenig vor.
    Es ist ja auch nicht einfach, verständlich darzustellen, wie tief die feudalistische Sozialstruktur aus der Zarenzeit noch in der heutigen dortigen Gesellschaft verwurzelt ist, da ja der deutsche Leser gerne daran scheitert, die Entwicklung des eigenen Landes und seiner Gesellschaft dazu ins Verhältnis zu setzen. Will sagen: Man wird die Geschichte des Nachbarvolkes nicht verstehen, wenn man sich der eigenen nicht bewusst ist.

  4. Ursprung sagt:

    Halte die Wagner-story fuer zu irreal, als das so war, wie bisher kolportiert und unterschiedlichst interpretiert wird.
    Alina Lipps zufaellig in Rostow entstandene Lifesendungen auf Telegram (reihten sich authentisch zeitnah nacheinander auf) stuetzen mich da, wenngleich ich auch journalistischer und digitaler Laie bin.
    Da war was, richtig.
    Sah aber nach unwirklicher Show aus und ohne jede erkennbare Dramatik.
    Offene Schranken an Autobahn-Mautstellen?
    Eher Regiefehler…….

  5. Nevyn sagt:

    https://gegenstimme.tv/w/fj8nuyff1DbQKuFfiv4PkR
    Wagner group and Russia depiction

    Es geht das Gerücht, dass die C_A an das Wagner-Orchester 6,2Mrd. Dollar gezahlt hat, damit es Putin den Marsch bläst. Man spielte aber nur eine Operetten-Ouvertüre in Rostow am Don und einen kurzen Walzer nach Moskau. Als das Geld da war, ließ Dirigent Prigoschin den Taktstock fallen und verschwand.

  6. Schramm sagt:

    Aspekte der (ungeschminkten) Wirklichkeit unter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung der Russischen Föderation im 21. Jahrhundert. – Modifiziert gilt es so auch für die im deutschen EU-Westen GEZ-medial und demagogisch idealisierte Korruption-Gesellschaft der Ukraine.

    R.S.: Die ideologisch und demagogisch vereinten Schwurbler, auch der USA und NATO-EU-Apologeten, mögen mich auch auf »apolut« korrigieren:

    ▪ Russische Kommandeure identifizieren den allgegenwärtigen Alkoholmissbrauch als besonders schädlich für die Wirksamkeit des Kampfes.

    ▪ Militäranalysten zufolge rekrutiere die russische Armee oft aus den ärmsten und ärmeren Schichten der russischen Gesellschaft, die nicht selten durch Alkohol und Gewalt geprägt sei.

    ▪ Verwiesen wird auf eine „starke Trinkkultur unter Männern“, was zeitweise zu Gewalt auf dem Schlachtfeld führen würde; auch untereinander.
    Demnach würden sich die Männer auch mal das Notwendigste wie Matratzen oder Schuhe gegenseitig klauen. Es soll eine Massenschlägerei in einer russischen Militärstation gegeben haben.

    ▪ Angeblich 200.000 getötete oder verwundete russische Soldaten ist die bislang größte Zahl, die London in diesem Zusammenhang nannte. Unlängst wurde aus dem Vereinigten Königreich heraus noch die Zahl 170.000 geschätzt.

    Ein FR-Leser sagt: »Da es derartige Meldungen schon von mehreren Quellen gab und sogar innerhalb Russlands dieses Alkoholproblem der russischen Streitkräfte offen ausgesprochen wird, gibt es auch keinen Grund daran zu zweifeln.«

    PS: PS: Gewiss, das gesamtgesellschaftliche Problem des epidemischen Alkoholismus existiert seit dem 19. Jahrhundert. Auch während der Existenz der Sowjetunion wurde es nicht überwunden.

    Nach der Implosion der Sowjetunion, unter der politischen Administration des Alkoholikers Jelzin führte der epidemische Alkoholismus die ganze Gesellschaft zu katastrophalen Ausmaßen, die Lebenserwartung von großen Teilen der werktätigen Bevölkerung reduzierte dramatisch.
    Zeitgleich schlachtete die korrupte vormalige Nomenklatura und deren etablierten m/w. Komsomolzen, die auch heute noch etablierten Oligarchen und neue Bourgeoisie, die Wirtschaft und Produktionsmittel für die eigenen profitablen Interessen aus.

    ►Unter der politischen Administration und Führung Putins gelang es zwar, durch soziale Verbesserungen die Lebenserwartung der werktätigen Bevölkerung zu erhöhen; aber bisher nicht die Macht und Herrschaft der Oligarchen und korrupten Eliten in der russischen Wirtschaft und Gesellschaft zu beseitigen.

    ►Merke, die Russische Föderation ist kein Einmannbetrieb, sie reduziert sich nicht auf Putin und weitere, wenige Personen an der Staatsspitze.◄

    26.06.2023, R.S.

    • Andreas I. sagt:

      Hallo,
      "gelang es zwar … aber bisher nicht die Macht und Herrschaft der Oligarchen und korrupten Eliten in der russischen Wirtschaft und Gesellschaft zu beseitigen."

      Mal abgesehen davon, ob das das Ziel war …
      Es gelang allerdings eine stärkere Trennung von finanziell Reichen Leuten und politischer Macht, jedenfalls stärker als in westlichen Staaten.

  7. Einhorn_Inge sagt:

    Man sollte sich mal fragen wieso ein Prigoschin so etwas überhaupt machen kann.
    Eine solche mächtige Privatarmee kann in jedem Land für Probleme sorgen. Interessant ist auch dass Putins Aussagen in der Fernsehansprache am nächsten Tag schon wieder zurück genommen wurden. Russland scheint dem guten Willen Prigoschins ausgeliefert zu sein.

    Dass es überhaupt so weit kommen konnte zeigt doch nur die Unfähigkeit der russischen Regierung. Wie sich einzelne Privatpersonen bereichern und Macht aufbauen können und die Bevölkerung sehr arm bleibt und ihre Leben und vor allem die der Kinder für Oligarcheninteressen opfern.

    Diese dumme russische Regierung hat nicht begriffen dass Russland, zusammen mit Europa, die mächtigste Wirtschaftsmacht aufbauen könnte.
    Statt dessen spielt Russland China und USA in die Hände mit dem Krieg gegen die Ukraine.
    China zieht zudem zusätzlichen Nutzen daraus in dem es jetzt den russischen Markt komplett erobert aber Schlüsseltechnologien trotzdem nicht liefert. So wird die langfristige Abhängigkeit Russlands von China gesichert.

    • Nevyn sagt:

      Sie sollten sich mit ihren brillanten Analysen bei der RAND Corp. bewerben.

    • passant sagt:

      Gegen Abhängigkeit auf Augenhöhe ist nichts einzuwenden und kann durch Verträge, die eingehalten werden, sogar wünschenswert sein. Zwischen Russland und China wurde eine strategische Partnerschaft vereinbart. Die wirtschaftliche Ungleichheit Russlands gegenüber China wird durch die militärischen Fähigkeiten ausgeglichen.

      Einseitige Abhängigkeiten, in der ein Partner ohne Konsequenzen mehrfach gedemütigt werden kann, haben die unangenehme Eigenschaft sich mit der Zeit zu verschlimmern.

    • Andreas I. sagt:

      @ Einhorn_Inge Hallo,
      "Eine solche mächtige Privatarmee kann in jedem Land für Probleme sorgen. … Russland scheint dem guten Willen Prigoschins ausgeliefert zu sein."

      Und wer bezahlt diese "mächtige Privatarmee" und deren ehem. Chef Prigoschin?
      Bisher der russische Staat.
      Und wofür kämpfen Söldner?
      Für Geld.
      Sorry, ohne Geld machen die gar nix, außer vielleicht Kneipenschlägereien.

      "Wie sich einzelne Privatpersonen bereichern und Macht aufbauen können und die Bevölkerung sehr arm bleibt"

      Man kann von der Machtfülle des russischen Präsidenten halten, was man will, aber da besteht eine gewisse Trennung von finanzieller Macht und politischer Macht.
      Wir haben eine EU-Ursel mit Pfizer SMS und Preis der Gates-Stiftung.
      Wir haben einen Cum-Ex-Kanzler.
      Wir haben Energiepreise, an denen sich die Aktionäre der Energiekonzerne bereichern und die Bevölkerung verarmt.

      "und ihre Leben und vor allem die der Kinder für Oligarcheninteressen opfern."

      Wir kämpfen bis zum letzten Ukrainer.

      "Diese dumme russische Regierung hat nicht begriffen dass Russland, zusammen mit Europa, die mächtigste Wirtschaftsmacht aufbauen könnte."

      HAHAHA.
      Wladimir Putin – Rede am 25. September 2001 vor dem Deutschen Bundestag.

      "Statt dessen spielt Russland China und USA in die Hände mit dem Krieg gegen die Ukraine."

      Russland verkauft Öl an Indien für Rupien und an Pakistan für Yuan.
      China kauft Öl von Saudi-Arabien für Yuan.
      Beide arbeiten an der Lösung vom US-Dollar.

      "China zieht zudem zusätzlichen Nutzen daraus in dem es jetzt den russischen Markt komplett erobert"

      Und hat Russland die "Sanktionen" gegen sich selbst verhängt?!
      Da hat sich die EU und darunter besonders Deutschland ins eigene Knie geschossen.

      "aber Schlüsseltechnologien trotzdem nicht liefert"

      Silizium-Chips der neuesten Generation ist eine Technologie, die China gerne kaufen würde, aber USA verhindert das bisher.
      Mit der Herstellung von Düsentriebwerken für die neuesten Kampfflugzeuge hatte China bisher mehr Probleme als Russland, noch ist es China, was in diesem Bereich gerne die russische Schlüsseltechnologie kauft. (Aber sie holen auf, denn die Chinesen können da viel Geld reinstecken.)
      Ähnlich sieht es bei Luftabwehrsystemen aus (S-400/500) und bei Raketentechnoligie – und ja, das ist alles militärisch, aber sorry, Kühlschränke und andere Wärmepumpen sind nunmal kein High-Tech-Schlüsseltechnologien.

      "So wird die langfristige Abhängigkeit Russlands von China gesichert."

      Erstens; wenn es auf Gegenseitigkeit beruht, Russland liefert Rohstoffe und China liefert die weiterverarbeiteten Produkte ….
      Zweitens richten sich beide multipolar aus, was Russland betrifft ist Indien ein weiterer großer Markt für Öl, Gas und sonstige Rohstoffe (rund 1 Mrd. Bevölkerung und relativ stabiles Wirtschaftswachstum, Indien braucht auch viel Energie).
      Drittens bauen beide innerhalb der BRICS+ vielfältige Kooperationen auf.

  8. DerTiroler sagt:

    Ich weis zwar nicht was für Fake-Propaganda da von Schramm läuft, aber selbst Wikipedia (hust) gibt eine Lebenserwartung von 70,3 Jahren für Russland an …

    Die anderen Sachen scheinen mir auch recht weit hergeholt und eher aus dem Reich der Fanatsie zu kommen.

    Zum Bsp. sind die Tötungen bei 13000 / Jahr (2017) und seitdem ist die Mordrate gesunken. Immer noch sehr hoch (doppelt so viel manche westliche Staaten).

    • Schramm sagt:

      "DerTiroler", verbreiten Sie keine Fake-Propaganda gegen die sozialen Interessen der russischen Werktätigen und für die russischen Oligarchen und korrupten Eliten! – So analog auch in der korrupten Ukraine und Europäischen Union.

    • Andreas I. sagt:

      Hallo,
      die Zahlen mögen durchaus richtig sein, Schramm schreibt bzw. zitiert:

      "Die Lebenserwartung fiel stark (besonders bei Männern – 1990 lag sie bei 65,5 Jahren, 1994 nur mehr bei 57,3 Jahren)"

      So weit so gut.
      Nur war das vor 29 Jahren und seitdem ist die durchschnittliche Lebenserwartung auch wieder gestiegen.

  9. Schramm sagt:

    Die Spätfolgen der Beseitigung der Sowjetunion: 10 Prozent der Russen besitzen 83 Prozent des Vermögens.

    Gravierende Ungleichheit: Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Russland weiter auseinander. 10 Prozent der reichsten Russen besitzen 83% aller Vermögenswerte im Land, geht aus dem Global Wealth Report 2019 der Schweizer Bank Credit Suisse hervor. Zwischen Juni 2018 und Juni 2019 ist der Wert um 1% gestiegen. Der Anteil liegt damit höher als in den USA (76%) und China (60%). Die Anzahl der russischen Milliardäre ist von 74 auf 110 gestiegen. Im globalen Vergleich offenbaren sich große Unterschiede bei der Vermögensverteilung. Laut der Studie besitzen 79% der Russen weniger als 10.000 Dollar. Somit liegt der Wert knapp 20% höher als im Rest der Welt. 18% der Russen bewegen sich im Bereich zwischen 10.000 und 100.000 Dollar, weltweit sind es über 30%. Das globale Gesamtvermögen ist seit Juni 2018 um 2,6% auf 360 Bio. Dollar gestiegen. Eine Person besitzt durchschnittlich 70.849 Dollar. Doch nicht nur in Russland, auch weltweit ist die Verteilung extrem ungleichmäßig. Demnach befinden sich fast die Hälfte aller Vermögenswerte weltweit (45%) im Besitz von 1% der Superreichen – und auf die obersten 10% entfällt 82% des Vermögens.
    Quelle: Credit Suisse(EN),Vedomosti (RU),Kommersant(RU)
    Diese Meldung stammt aus dem Morgentelegramm der AHK Russland. Das Morgentelegramm ist ein exklusiver AHK-Newsletter mit einer kurzen Nachrichtenübersicht zur Wirtschaft in Russland.

    Aspekte der Folgen der Beseitigung der Sowjetunion und Enteignung der Werktätigen.

    „Nomenklaturdemokratie“

    Das Chaos der dem Umbruch folgenden „Nomenklaturdemokratie“ war ein Nährboden für Kriminalität, Korruption und mafiöse Strukturen. Im September 1997 schrieb die Moscow Times, 70% des privaten Sektors befänden sich in den Händen der Mafia. –

    Im Jahr 1998 war es nur in Kolumbien und El Salvador wahrscheinlicher, eines gewaltsamen Todes zu sterben, als in Russland, mit 53,7 Morden pro 100.000 EinwohnerInnen, in absoluten Zahlen über 85.000 Morde pro Jahr.

    Lebenserwartung reduzierte sich von 65,5 auf 57,3 Jahren (M)

    Die Lebenserwartung fiel stark (besonders bei Männern – 1990 lag sie bei 65,5 Jahren, 1994 nur mehr bei 57,3 Jahren), die Einkommensverteilung ging stark auseinander.

    [Ein Auszug, vgl. Quelle]

    Quelle: »Ausländische Direktinvestitionen und Lohnentwicklung in Russland« – Diplomarbeit – Verfasserin: Agnes Peterseil. Universität Wien. Wien 2009. – Vgl.:
    http://othes.univie.ac.at/4698/1/2009-04-30_0206183.pdf

    User-Kommentar

    »Was für ein seltsamer Krieg? Um was geht es, wer profitiert, wer hat welche Interessen, wem kann man glauben. Sind das alles Fakes? Das Einzige, auf das, worauf ich mich verlasse, sind die Aktienkurse der Rüstungsindustrie und dies betrifft alle am Krieg beteiligten Parteien. Zumindest im Natogebiet werden die Schrottplätze geleert und Kriegsgerät einer Secondhand zugeführt nach der Annahme 10 Uraltpanzer ersetze einen Leo. Schrott ist Schrott und den kann man immer noch einer 3 Verwertung Zuführung. Man könnte auch modernste Waffen im größeren Umfang liefern, aber dies würde den Krieg evtl. verkürzen und da sind die Interessen der Rüstungsindustrie gering.
    Ich denke dabei an das Lied über die Gräber im Mohnfeld.
    Mal anhören, würde nicht schaden (Hannes Wader, Reinhard May und andere).«

    26.06.2023, R.S. (Zusammenfassung)

    • Andreas I. sagt:

      Hallo,
      "10 Prozent der reichsten Russen besitzen 83% aller Vermögenswerte im Land"

      Das wäre nicht besonderes, wie Sie ja auch im Vergleich darstellen.
      Allerdings wäre da die Frage, ob und wenn ja wie man berücksichtigt, dass z.B. Gazprom und einige "kleinere" Gas- und Öl-Firmen zu min. 51 % Staatseigentum sind.

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