Gedankenknoten – Naturphilosophie 05 | Von Bernd Lukoschik

Gedankenknoten sind kleine Texte, die philosophische Probleme erörtern, Fragestellungen aufwerfen und den Leser ins Grübeln bringen. Vom Altertum bis zur Moderne werden Begriffe besprochen, die zum Hinterfragen anregen und das philosophische Problematisieren schulen.

Das Thema heute: Naturphilosophie

Welle oder Teilchen? (3) – Das Durchschlagen des Doppelspaltknotens

Wenn das „Teilchen“ auf dem Bildschirm auftrifft, trifft es als Teilchen auf. So lässt sich dieses Auftreffphänomen am besten verstehen. Solange es unterwegs ist, also von seiner Quelle losfliegt, die Spalten passiert und dann mit anderen „Teilchen“ das Interferenzmuster der Flecken erzeugt, lässt es sich am besten als Welle deuten, und zwar jedes „Teilchen“ für sich.

Die Physiker interpretieren das Phänomen heute so, dass erst im und durch den Beobachtungs- bzw. Messprozess das „Teilchen“ die beobachtete Eigenschaft erhält, also z. B. einen bestimmten fest umrissenen Ort beim Messen bzw. Beobachten des Auftrefforts. Unbeobachtet hingegen mache es keinen Sinn, bestimmte Eigenschaften dem „Teilchen“ zuzusprechen. Es verfüge vielmehr lediglich über eine Wahrscheinlichkeit, diese Eigenschaft, etwa einen bestimmten Ort, einzunehmen, die erst durch den Messakt real werde.

Das trifft auch für den Weg zu, den das „Teilchen“ nimmt: Solange nicht gemessen wird, welchen Spalt das „Teilchen“ passiert, lässt sich nur sagen, es besitze eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, den Weg durch den ersten oder zweiten Spalt zu nehmen.

Und die Wahrscheinlichkeitsaussage ist nicht nur eine Sache unseres Wissens. Es darf auch nicht angenommen werden, es sei zwar unbeobachtet, fliege aber dennoch entweder durch den einen oder durch den anderen Spalt. Das wäre dann nämlich der Fall der ersten Versuchsanordnung, in dem einmal der rechte, einmal der linke Spalt geöffnet ist. Wobei sich dann kein Interferenzmuster ergäbe, sondern vielmehr die Summe bzw. Überlagerung der beiden Verteilungen der Lichtpunkte, wie sie sich hinter jedem Spalt bilden, wenn der andere Spalt zu ist.

Zu sagen, die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Orte oder Bahnen drückten nur unsere Unkenntnis oder beschränkte Kenntnis aus, ist also falsch. Wahrscheinlichkeiten werden vielmehr objektive Zustände der Mikroteilchen. Eine darüber hinausgehende Kenntnis, wo das „Teilchen“ nun „wirklich“ ist, ist nicht möglich, weil es, unbeobachtet, diese Wirklichkeit gar nicht hat.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Anastasios71 / shutterstock

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Kommentare (16)

16 Kommentare zu: “Gedankenknoten – Naturphilosophie 05 | Von Bernd Lukoschik

  1. Ursprung sagt:

    Mein Laientrost ist, dass offenbar auch dem beruehmten Denkgenie Albert Einstein nichts echt Erhellendes zu Plancks Quanten mit Heisenbergs Unschaerfen einfiel. Jedenfalls nicht per Logik. Also musste Steppke damals vermeintlich notgedrungen einen anderen Berufsweg als Theoretische Physik einschlagen. Ich hatte no idea.
    Heute, gegen Ende des Weges, bin ich aber doch noch weitergekommen:
    es geht nicht mit Logik oder was. Es ist vielmehr eine Mediums- keine Kongnitionsfrage, stupid.
    Als Medium steht Mensch, Katze, Wurm nur Hirn zu Verfuegung
    Aber egal wieviele Kilo wir davon haben: klar ist nur, dass Katze, wahrscheinlich auch Wurm, ihren Anteil an Welthirnen offenbar optimaler nutzen koennen als Nichtsapiens.
    Selbst Baeume, wo noch kein Botaniker je eine Hirnzelle fand, koennen ja Logik besser als wir.

  2. Fritz B sagt:

    Welle oder Teilchen? Wen interessiert das. Wichtig ist der Effekt.

  3. hulli3 sagt:

    Das "Teilchen" in Anführungszeichen schreiben und dennoch als Teilchen behandeln ist die Lebenslüge der Physiker.

    • Nevyn sagt:

      Die Physiker-Verschwörung? :)))
      Könnte es nicht sein, dass etwas einfach aus praktischen Erwägungen heraus so behandelt wird, wie es erscheint? Makroskopisch spricht man von einem Teilchen und mikroskopisch von einer Welle. Warum soll man jedes Mal das Thema in seiner ganzen Komplexität ausrollen? Wenn ein einfaches Modell im konkreten Fall genügt, nimmt man das. Das heißt doch noch lange nicht, dass man glaubt oder glauben machen will, es handele sich dabei um die ganze Wahrheit. Die "ganze Wahrheit" kennt sowieso niemand. Wer das behauptet, lügt.
      Wissenschaft ist im besten Fall schlicht der neueste Stand des Irrtums und im schlechtesten eine Erfüllungsgehilfin der Politik.

    • Zara Trusta sagt:

      @Nevyn
      Missbrauch fliegt bei komplexer Betrachtung jedoch auf.
      Das ist eben die Tücke solcher Modelle.
      Siehe Cov19 -Erzählung . außerhalb der Sichtweise eines blinden ´Virologen´ macht sie keinerlei wissenschaftlichen Sinn.

  4. sandra beimer sagt:

    In der nächsten Folge zeigen wir, wie Zivilgesellschaften die Schutzgelderpressung der Sicherheitsindustrie durchbrechen können ('wir schützen euch vor der Gefahr die wir erzeugt haben, damit ihr uns euer Geld gebt!').

  5. Nevyn sagt:

    Es ist nicht möglich, mit Gläubigen über Wissenschaft zu reden.
    Es ist nicht möglich, mit Wissenschaftlern über Glauben zu reden.
    Und doch ist der Mensch immer beides, auch wenn er sich nur mit einem Pol identifiziert.
    Er muss glauben, um Wissenschaft betreiben zu können.
    Er muss Wissenschaft betreiben, um glauben zu können.
    Das ist zugegeben paradox. Wie alles im Leben.
    Solve et coagula. ☆
    Nicht umgekehrt.

    • How - Lennon sagt:

      Und sich nur mit einem Pol zu befassen ist eben falsch, das ist der Knackpunkt.
      Die Welt ist in der Tat bipolar. Hirn und Bauchhirn, also angeeignetes Wissen und Intuition, dazwischen das Herz, der Ausgleich, der zur Wahrheit führt.
      Dieses Dazwischen, der Ausgleich ist in ständiger Bewegung, niemals statisch, niemals "Schublade", die wir aber so lieben.

      Dazwischen ist also die Wahrheit, der Ausgleich, das Leben, die Liebe, die Farben, das Kind, die Erde usw.
      Die Erde befindet sich beispielsweise zwischen der Sonne und der äußeren Hülle des Sonnensystems, der Oortschen Wolke.
      Die lebenspendende Wärme zwischen tödlicher Hitze und Kälte, lebenspendendes Wasser zwischen gasförmig und fest.
      Farben zwischen blendendem Licht und absoluter Dunkelheit.

      Selbst das Gestein, also die Mineralien befinden sich immer wieder in einem lebendigen Zustand, nämlich im flüssigen Zustand hin zur Kristallisation mit Wachstum und "Fortpflanzung" (Kindeln).

  6. Zara Trusta sagt:

    Ein weiterer Versuch einen dynamischen komplexen Zusammenhang mit theoretischer Banalität zu erklären.
    Macht hinten und vorn keinen Sinn, sondern bildet nur ein erdachtes abstraktes Model ab, und wie wir es wahrnehmen.
    Sobald man dann anfängt daran zu glauben , fängt man an den Bezug zur Natur zu verlieren.

  7. How - Lennon sagt:

    Wieso sollte es vor der Messung keine Realität geben? Das meine ich mit "kafkaeskem Geschwurbel". Da wir niemals allsehend sein werden, gibt es die "(heissenbergsche) Unschärfe", aber rein von der Logik her –für mich zumindest– gibt es nur Materie, Körper, Teilchen, die unendlich groß und klein sind und mit "unendlich" meine ich wirklich und wörtlich unendlich.
    Entsprechend bewegen sie sich unendlich langsam bzw. schnell. Dass nichts schneller ist als Licht, ist also unlogischer Quatsch.

    Wir sehen und messen den Makrokosmos mit seinen Galaxien und Sternsystemen und den Mikrokosmos mit seinen Atomen, größere und kleinere Kosmen können wir nicht mehr (direkt) messen, es muss sie aber geben, da alles auf Kleinerem aufbaut, das ist eben einfach logisch.
    Aufgrund der offensichtlichen Ähnlichkeit, denke ich sogar, dass sie sich systematisch gleichen.
    Es gibt also keinen "leeren Raum", kein Nichts. Das erklärt auch, wieso Alles mit Allem zusammenhängt.

  8. Maththth sagt:

    Meine Worte .. sag ich schon immer, na gut, seit ich denken kann. Wall Thornhill – verbannt aus Wikipedia.

  9. Gibt es vor der Messung bereits Realität?

    Zum Teil wird wohl in der Physik vertreten, dass die Realität erst durch die Messung entstünde. Ich bin da anderer Ansicht. Praktisch nachweisbar ist die Realität zwar erst durch die Messung. Das bedeutet aber nicht, dass es vorher keine Realität gibt, sondern, dass diese Frage vorher unklar/offen/schwebend/nicht entscheidbar ist, da sie ja erst durch die Messung entschieden werden kann. Dessen ungeachtet indizieren theoretische Gründe, dass es mitunter bereits vorher eine Realität gibt. Denn wenn es alles, was möglich ist, auch irgendwo gibt (wofür ich mehrere Indizien gefunden habe), dann müsste es sowohl Universen, wo die Realität erst durch die Messung entsteht, als auch Universen, wo bereits vorher eine Realität existiert, geben.

    • Nevyn sagt:

      Die Wahrheit ist: Wir wissen nicht, worum es sich bei unserer Welt dem Wesen nach handelt. Die Physik liefert dafür keine Erklärungen, sondern Modelle zur Beschreibung von Phänomenen, die wir wahrnehmen. Das macht sie sehr gut, aber mehr geht nicht.
      Wir wissen nicht, worum es sich bei dem, was wir Materie nennen, wirklich handelt. Daher wissen wir auch nicht, was Realität dem Wesen nach ist.
      Man hat am Beginn der Quanetentheorie versucht, den Welle-Teilche-Dualismus mit sogenannten Wellenfunktionen zu modellieren, bis klar wurde, dass diese Wellenfunktion gar nicht das Teilchen beschreibt, sondern nur seine Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Und was weiß ich denn wirklich über Carsten Leimert, wenn ich nur weiß, dass er sich wahrscheinlich gerade auf dem Planeten Erde aufhält? Vielleicht aber auch nicht?
      Statt aber eine gewisse Demut zu entwickeln, verfallen manche Zeitgenossen in das Gegenteil. Sie glauben Gott spielen zu können, weil sie ein paar Regeln der Natur erkannt haben. Aber wenn ich weiß, wie im Atomsilo das Licht angeht, habe ich noch lange keine Kontrolle über die Folgen eines versehentlich ausgelösten Raketenstarts.

    • Zara Trusta sagt:

      Mir sind bereits zig Definitionen begegnet , was man unter Teilchen uns Wellen überhaupt verstehen kann.
      Von Newton über Einstein und Tesla zur heutigen Cern – Forschungstand, ist die Quantenmathematik sehr viel komplexer geworden, und solche Modelle sind eher was zum im Sandkasten herumspielen.

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