Das Russland-Virus-Syndrom | Von Bernd Lukoschik

Oder: Russlandvirus-Syndrom, Russland-Virussyndrom

Ein Standpunkt von Bernd Lukoschik.

Das im Folgenden ist natürlich hochspekulativ. Da wird sich im geopolitischen Ideenhimmel herumgetrieben. Aber einiges wird schon dran sein, und oft war das Herumspekulieren ein erster Schritt, die Niederungen der schnöden Wirklichkeit zu verstehen.

Gemeinsamkeiten

Was haben die zurzeit stattfindende medizinische Aktion gegen das Virus und die politische Aktion der US-NATO gegen Russland gemeinsam?

Beide beruhen auf einem Feindbild. Unsere westliche Wertegemeinschaft scheint Feinde zu brauchen.

Natürlich kommen beide Male die Feinde auf uns zu, auf uns, die so Friedfertigen und Unschuldigen.

Beide Male bleibt uns nichts übrig, als zurückzuschlagen, weil der Feind nun mal keine andere Umgangsweise verstehen will.

Der Feind kommt …

auf uns zu. Klar, rein banal-historisch gesehen, war es die US-NATO, die nach Osten sich ausgedehnt hat. Das zeigt sich schon daran, dass die russische Grenze sich ja nicht bewegt hat.

Wenn dann die Distanz zwischen den NATO-Panzern und Russland dennoch abnimmt und sich zurzeit asymptotisch gegen null bewegt, dann kann man nur schließen – mir zumindest fällt keine logische Alternative ein –, dass sich der Westen nach Osten bewegt hat und nicht umgekehrt. Wer ist also der Aggressor?

Natürlich Russland, denn ein Bewertungskriterium unserer Wertegemeinschaft besagt: Entscheidend ist die nackte Distanzabnahme. Die Distanz nahm ab, also war es der Russe, natürlich mal wieder.

Das ist die sogenannte politische Relativitätstheorie: Schau dir die Situation an, ganz sachlich und objektiv, sieh ab vom Blick in die Geschichte, stell dich ganz dumm, und die Wahrheit wird dir offenbar.

Von wem die Bewegung – das würde der Blick in die Geschichte lehren – ausging, spielt für die US-NATO keine Rolle. Schuld oder Ursache – wenn zufällig die Frage nach der Ursache mal aufkommt – ist sowieso immer der andere!

Völlig analog beim Virus: Es kam zu uns – natürlich ebenfalls aus dem Osten, wenn auch nicht aus Russland, was eigentlich zu erwarten war, sondern aus Wuhan. Immerhin auch ein Feind der westlichen Lebensform.

Das, obwohl es auch Berichte gibt, die besagen, dass bereits 2019 so ein Ding Coronavirus oder Analoges in Frankreich beobachtet worden sein soll. Aber man braucht nicht weiter zu forschen, denn gemäß dem politischen Relativitätsprinzip nahm die Distanz des Feindes Virus zwischen China und uns ab, also kam der Feind auf uns zu! Was zu beweisen war!

Zurückschlagen

Nun steht also fest: Die NATO-Russland-Distanz hat abgenommen, also ist die russische Grenze bedrohlich auf uns zumarschiert. Viral ausgedrückt: Plötzlich sehen wir, dass wir alle hier im Westen infiziert sind – hypothetisch: vom Chinavirus, faktisch: Wir wissen es nicht, vermuten es aber, allerdings stark begründet, denn immerhin steckt ja China, der Feind, dahinter. Und wenn ein Virus marschiert, dann von China zu uns! Was zu beweisen war!

Was der Westen gelernt hat: Findest du etwas, was dir fremd ist, bei dir oder in dir vor, dann: Hau drauf! Das ist unser Vorgehen seit zwei/drei Jahrtausenden, als wir als Römisches Reich expandierten und fremdeste Völker quälten oder dann als Kolonialstaaten und dann als Imperialisten dasselbe praktizierten. So wenden wir das Gelernte wiederum an.

Wir schicken also NATO-Truppen in die baltischen Staaten, nach Polen, in die Ukraine, denn der Feind hat ja auf seinem eigenen Terrain tatsächlich eigene Truppen aufgefahren. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir, auf fremdem Boden, entsprechend reagieren müssen! Wir reagieren nur, angemessen und gerecht natürlich.

Egal nun, ob angemessen oder gerecht, die Methode steht fest: Begegnet uns Fremdes, ist es Feindliches, und ist es Feindliches, muss ihm militärisch oder impfvirologisch begegnet werden.

Ein Syndrom

Wie kommt es zu diesen erstaunlichen Parallelitäten zwischen unsrer Russland- und Virustherapie?

Eine Antwort ist schon gegeben: unsere Methode, auf Fremdes sofort mit Abwehr und Beseitigung reagieren zu müssen.

Die Ursache liegt aber noch tiefer: Wir haben ja nicht nur gelegentlich, besser gesagt: regelmäßig Feinde, wir brauchen sie auch. Irgendetwas in uns muss immer wieder Böses ausfindig machen. Gäbe es nicht Russland oder China oder das Virus, man hätte sie erfinden müssen. Schon das Römische Reich, der Kolonialismus, der Imperialismus waren ja nicht selbstgenügsame, mit sich zufriedene Systeme, nein, zu ihrem Wesen, zu dem, was sie ausmachte, gehörte das Expansionsstreben.

Das wiederholt sich in Sachen Virus und Russland nur.

Warum Expansionsgelüste in Richtung Russland? Das ist leicht zu verstehen. Napoleon schon suchte sein Glück und das seiner Großen Armee im Osten – er ahnte in den Weiten des Landes die Ressourcen und die billige Arbeitskraft, die sich das erwachende Bürgertum im neuen Frankreich so sehr erträumte. Na ja, Hitler ersehnte Ähnliches: Die Riesenpotenziale des Landes, die der westlichen Wertegemeinschaft das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen. Und heute ist es auch nicht anders. Putin hatte dem Ausverkauf seines Landes, der unter Jelzin stattfand, den Riegel vorgeschoben. Und das darf einfach nicht sein! Wie kann es überhaupt sein, dass die Russen über „unsere“ Ressourcen dort in Russland so frei verfügen dürfen!!?

Aber auch in Sachen Virus gibt es Expansionsgelüste und zeigt sich unser Bestreben, Fremdem mit Vernichtungsabsicht entgegenzutreten. Wer setzt zurzeit sein Waffenarsenal gegen den Virusfeind in Gang? Die Pharmaindustrie. Sie braucht das Virus regelrecht. Gibt es ihr doch die Möglichkeit, die Biohightechwaffe „modifizierte RNA“ einzusetzen. Zudem ist diese Waffe so wunderbar, dass sie die Körperzelle selbst zur Waffenfabrik umfunktioniert, die dann im Auftrag der mRNA die kleinen Wäffchen Spikes entwickelt usw. Die Methode ist also die klassische der Wertegemeinschaft: Der Feind taucht auf, wir schlagen zurück.

Ein Symptom

Wenn ein stereotypes Verhalten in einem Menschen oder auch in einer Organisation vorliegt, dann ist das nicht selten ein Anzeichen, ein Symptom, dass da mit dem Menschen oder der Organisation etwas nicht stimmt. Wenn einer überall Feinde sieht oder meint, zurückschlagen zu müssen, dann könnte es doch auch sein, dass er eine Macke hat.

Warum brauchen wir den Feind Russland, den Feind China? Warum brauchen wir SARS-CoV-2 oder die Delta-Variante, Omikron, dessen Subtyp usw. Wo ist unsere Macke?

Mit der Beantwortung dieser Frage fühle ich mich überfordert. Aber ich wollte ja auch nur eine Anregung geben.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: World Day / shutterstock

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Kommentare (11)

11 Kommentare zu: “Das Russland-Virus-Syndrom | Von Bernd Lukoschik

  1. HarteEier sagt:

    Russland wird den Gashahn zudrehen.

    Warum?

    Aus zwei Gründen: erstens kann "der Westen" sowieso nicht bezahlen, wenn er Russland von SWIFT abkoppelt, und zweitens will der Westen auch gar NICHT mehr bezahlen, denn er hat bereits angekündigt, Russland für "alle Schäden haftbar zu machen", die sein Vorgehen angerichtet hat, also wird Europa Russland Milliarden oder sogar Billiarden (?) in Rechnung stellen (wollen) und das Geld für das Gas NIE an Russland überweisen.

    Daher würde Russland alles Gas, das ab jetzt fließt, nie bezahlt bekommen, also warum Weiterliefern??

    Lange wird es nicht dauern, bis er abschaltet, allenfalls noch bis es Friedensverhandlungen gibt und ein positives Ergebnis. Wenn es kein pos. Ergebnis bei Verhandlungen gibt, gibt es auch kein Gas mehr.

    Schwer zu verstehen? Ich glaube nicht …

  2. zivilist sagt:

    'unsere' Macke? Meine ist es nicht, aber es gibt einmige Soziopathen, die der Habgier verfallen sind, da wäre zunächst der Rockefeller Clan, der als Pharma Betrüger angefangen hat und mit der Rockefeller Foundation mit der 'spanischen' Grippe weitergemacht hat, die Details sind von Corbett (big oil) und Larry Romanoff im Netz publiziert. Na und dann folgen ihnen solche Nachwuchsganoven wie Gates u d Biden, die Details sind dank T Röper hinlänglich bekannt.

    NATO Stoltenberg ist übrigens für die Norweger eine ganz besondere Schande, Norwegen gibt es als souveränen Staat seit 1905, als 99,5% der Norweger dafür stimmten, Schweden hat das akzeptiert.

  3. Rulai sagt:

    "Diese Bilder erreichen uns in diesen Minuten: Donbass im Südosten der Ukraine feiert seine Unabhängigkeit und Anerkennung durch Russland.

    Wer nur Mainstream-Medien konsumiert, weiß nichts vom langen Sehnen der Ost-Ukrainer, die seit vielen Jahren Selbstbestimmung wünschen, weil sie den anti-russischen Kurs der USA- und EU-hörigen Regierung in Kiew nicht mittragen wollen. Für die meisten Bewohner der Ostukraine ist Russland näher als Washington, daher wollen sie frei und unabhängig vom Westen sein. Und sie wollen keinesfalls in einem Konflikt gegen ihre russischen Brüder kämpfen.

    Das will übrigens niemand, außer gewisse Machtzirkel. Niemand in Europa will Krieg mit Russland!"

    https://t.me/auf1tv/1538

    • palatinus liber sagt:

      Weil Putin sich sicher sein kann, dass diese Machtzirkel zwar vorhanden, aber nicht geschlossen und nicht mehr machtvoll genug sind, ist er nun zur Tat geschritten. Und damit meine diese Pressekonferenz und nicht nur die Anerkennung sowie die militärische Absicherung.

      Irgendwelche Laberköppe wollen Krieg, aber schon bei den Sanktionen wird sich nichts relevantes ergeben. Europa ist leer, die USA sowieso.

      Dieser Moment ist eine Chance für Putin die nationalen Interessen Russlands durchzusetzen. Ob das auch unser Vorteil werden wird?
      Die Nationen Europas müssen selbst aufstehen und sich der Verräter entledigen.

      Putin regelt sein Interessen. Er hat uns schon lange angeboten zu helfen, wenn genug Patrioten sich zeigen.
      Wenn wir mit der NATO, Greta und den grünen Kommunisten untergehen wollen, werden wir keine Hilfe bekommen.

      Mich macht ein wenig nervös, dass nun mit der beginnenden Wirkung von Straßenprotest ein anderen Impuls hineinkommt und hoffe, dass man das nicht gegeneinander ausspielen kann.

  4. Aladdin sagt:

    Wir veranstalten in München einen "Konferenz" wo ein Redner nach dem anderen den Eindruck vermittelt, dass es sich um einen Wettbewerb handelt, wer kann Russland am häftigsten bedrohen.
    Baerbock kann vom Zettel das Wort "inakzeptable" nicht mal fehlerfrei vorlesen.
    Selenskij "will in die NATO, jetzt, sofort!" "Sonst will Präsident Selenskij Atombomben entwickeln."
    zeigt, dass der "Chef" in Kiew nicht zurechnungsfähig ist.
    Wenn er könnte, würde uns garantiert in den Weltkrieg reinziehen.
    Gute Verbündete. Passt zu den politischen Genies in München.
    Vielleicht haben wir den Punkt erreicht wo – wie immer – die USA die Hände reiben kann.
    Vielleicht klappt es den alten Traum von Ronald Reagan zu verwirklichen: ein lokale Atomkrieg in Europa gegen den Russen.

    • Aladdin sagt:

      Deutschland soll Russland gegenüber amerikanische Interessen vertreten. Warum?
      Warum fängt man an uns hier in Deutschland zu verkaufen, dass wir "Opfer" bringen müssen. Ja, klar. Das Volk wird natürlich dazu nicht befragt. Das Volk soll Opfer bringen und den teueres amerikanischen, Umwelt zerstörenden, freakinggas teuer einkaufen. Wir kaufen kein billiges russisches Gas, um "nicht abhängig zu werden". Das Volk soll komplett dummverkauft werden.
      Peter Tiede von der "Bild" meinte, dass wir bereits zu sehr von Russland abhängig seien.
      Als ob auf der Weltmarkt nur dann würde man uns teures Gas verkaufen, wenn Nordstream 2 zu wäre. Lächerlich. Er schiebt die Kutsche der Amerikaner, das ist alles.
      Deutschlands Interesse besteht daran so viel Lieferanten zu haben wie es nur geht. Dann ist man unabhängig, nicht dannn wenn man Lieferanten absagt.
      Als ob Russland seiner Rohrstoffe dann nicht anderswo absetzen könnte.
      Diese ganze herbeigezauberte "Krieg" ist nichts anderes als Interesse der USA hier in Europa durchzusetzen.
      Deutsche Steuerzahler sollen die amerikanische Woitschaft durch "Sanktionen" gegenüber Russland unterstützen? Was für Sanktionen sind die, wo wir die Hauptverlierer sein werden?
      Vielleicht bringen wir uns um, dann kann Russland uns gar nichts mehr liefern.
      Wäre doch ein Heldentat.
      Jeder weisst, dass das Projekt Deutschland durch erneuerbare Energie zu versorgen ist gescheitert. Neue Atomkraftwerke, wie Frankreich, wollen wir nicht. Ok. Dann wollen wir jetzt, gerade jetzt, unsere Energie-Lieferanten mit Sanktionen fertigmachen?
      Vor der Inflation. Vor eine drohende Wirtschaftskriese. Da muss man schon echt dähmlich sein.
      Oder mache Politiker ist nicht zu teuer, das Volk, im Interesse der eigenen Karriere, wie eine Citrone auszuquetschen.

  5. HarteEier2 sagt:

    Es gibt 2 neue Länder in Europa: DPR und LPR !

    Putin schafft Fakten, ich freue mich für Rußland, die Russen in der DPR und LPR und natürlich auch die (Rest-)Ukraine. 💝💖💝

    👍👍👍👍

  6. Hartensteiner sagt:

    Ich würde sagen, Putin hat gewiss einen Weltrekord in Sachen Geduld aufgestellt.
    Nicht nur hat er zugeschaut, wie die Natotruppen an die russische Grenze herangeschlichen sind, die Augen fest auf die Ukraine gerichtet , er hat auch ca. 6 Jahre gewartet und gehofft, dass Kiew endlich beginnt, die Minsker Vereinbarung umzusetzen. Das wiederum hätte Minsk nur getan, wenn es vom Westen her "geschoben" und ermuntert worden wäre. Nichts ist passiert.
    Unterdessen lebten die Menschen im Donbas unter endlos prekären Verhältnissen und waren immer wieder ukrainischem Beschuss ausgesetzt.
    Jetzt hat Putin das Stoppzeichen hochgehalten und gesagt, dass JETZT eine Lösung gefunden werden muss. Gern mit dem Westen zusammen, wenn der endlich das Problem zu erkennen bereit ist, aber auch ohne den Westen, wenn es nicht anders geht.Und was macht der Westen? Fest in die Propagandatröten pusten und ein wenig schwafeln, ohne auch nur im Geringsten einem Plan zu folgen, auch nicht der Minsker Vereinbarung.
    Und nun?

  7. Die selben Leitmedien, die über die Situation der Pandemie befinden sind es auch, die über die Situation in der Ukraine befinden. Die einseitige Dauerberieselung zu den Themen ist eine weitere Gemeinsamkeit.

  8. Irwish sagt:

    TRANSGENERATIONALE WEITERGABE VON TRAUMATISIERUNGEN

    Der Autor fragt, wie » es zu diesen erstaunlichen Parallelitäten zwischen unsrer Russland- und Virustherapie« kommt. Die erste Antwort lautet: Der Autor hat diese in entsprechende Relation gesetzt, und das nicht zu Unrecht, denn er schreibt: »Eine Antwort ist schon gegeben: unsere Methode, auf Fremdes sofort mit Abwehr und Beseitigung reagieren zu müssen.«

    Damit ist jedoch lediglich das Symptom beschrieben. Alle sichtbaren Auswüchse wie Napoleon, Hitler, Nationen- und Bürgerkriege, hierarchische Befehlsstrukturen, ausgeprägte Gehorsamsbereitschaft, Obrigkeitshörigkeit, Konsumwahn, Rassismus, soziale Ausgrenzungen und Sündenbock-Rituale etc. – sind letztlich soziale und politische Verwerfungen, die sich seit Jahrtausenden wiederholen, und damit Symptome einer ebenfalls seit Jahrtausenden sich ausbreitenden und verfestigenden inneren Zerrissenheit des Großteils der Menschen.

    In ihrem Vortrag über »Transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen und ihre Folgen für die psychische Gesundheit« (1) geht Frau Prof. Dr. Angela Moré von der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover in die Tiefe. Sie erläutert nicht nur, wie und weshalb Traumata an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, sondern auch, was ein psychisches Trauma eigentlich ist:

    —– Zitat-Anfang —–
    Unter einem Trauma verstehe ich die Wechselbeziehung zwischen einem bedrohlichen Ereignis und der psychischen Reaktion der betroffenen Person auf dieses. Traumatische Folgen hat ein bedrohliches Ereignis erst dann, wenn sein Erleben mit einem Zustand bzw. Gefühl der vollständigen Hilflosigkeit und Ohnmacht verbunden ist. Dieses Ohnmachtsgefühl tritt dann ein, wenn die normalerweise aktivierten Schutzmechanismen von Gegenwehr oder Flucht (fight or flight) nicht mehr eingesetzt werden können. Dadurch werden zugleich die normalen psychischen Bewältigungsmechanismen völlig überfordert, so dass das Erlebte auch nachträglich nicht oder nur sehr spät – und häufig nur mit therapeutischer Hilfe – psychisch integriert werden kann. Anstelle der komplexen Vielfalt an Abwehr- und Bewältigungsmechanismen kommen in der traumatischen Situation automatisch und unbewusst sehr archaische Abwehrstrategien zum Zug: insbesondere die Abspaltung der Ereignisse – bis hin zur Aufspaltung des psychischen Selbstbildes, wir kennen als Folge davon verschiedene Grade der Dissoziation. Hinzu kommt häufig eine komplette Verdrängung des Ereignisses, wodurch eine Lücke im Zeiterleben entsteht. Dies gelingt jedoch eher bei einmaligen schrecklichen Erlebnissen, seltener, wenn sich diese häufiger wiederholen. Aber auch hier können bestimmte Details dem Vergessen anheimfallen. Im Fall der Verdrängung kann die abgewehrte Erinnerung zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Bewusstsein kommen, i.d.R. ausgelöst durch sog. Trigger. Geschieht dies, dann wird die Situation nicht als etwas Vergangenes erinnert, sondern so erlebt, als fände sie gerade im Moment statt. Wir sprechen hier von sog. Flashbacks. (2, S. 2-3)
    —– Zitat-Ende —–

    Der sogenannte Wiederholungszwang sorgt bei traumatisierten Menschen – und das betrifft nahezu alle Menschen in heutigen hierarchisch organisierten Gesellschaften – dafür, daß sie immer wieder nicht nur Situationen suchen, die den einstigen Hilflosigkeits- und Ohnmachtsszenarien ähneln, sondern sich unbewußt, aber dennoch gezielt Menschen zuwenden, mit oder an denen sie ihre Abwehrmuster und die damit verbundenen Ängste ausagieren können. Gerade in Liebes- bzw. Sexualbeziehungen wird dies immer wieder deutlich: Die Paare vertragen sich eine Weile, meist so lange, wie die Verliebtheit anhält. Danach beginnen sie Schritt für Schritt, sich gegenseitig zu mißtrauen, streiten sich immer häufiger, bis sie einsehen, sich besser zu trennen als diesen Streß weiter fortzuführen. Und wenn sie sonst nichts in der Beziehung gelernt haben, suchen sie sich den nächsten passenden Partner, der ihre traumatisierten Anteile triggert.

    Besonders fatal wirkt sich dieser Wiederholungszwang auf Kindern aus:

    —– Zitat-Anfang —–
    Zu einer direkten Weitergabe des Traumas an die Kinder kommt es nur unter zwei Bedingungen:

    1. Entweder dadurch, dass der traumatisierte Elternteil sein eigenes Trauma an seinem Kind manifest reinszeniert – z.B. wenn ein von seinem eigenen Vater misshandelter Vater sich mit dem verinnerlichten Aggressor (dem inneren Vaterbild) in der Form identifiziert, dass er nun an seinem eigenen Kind dieselben grausamen Strafprozeduren vollzieht.

    2. Oder dadurch, dass der traumatisierte Elternteil so stark psychisch leidet, dass er auf das Kind nicht eingehen, ihm kein Spiegel, kein mentalisierendes Gegenüber sein kann, wie ich bereits oben erwähnt habe. (2, S. 7)
    —– Zitat-Ende —–

    Den verlinkten Vortrag und das dazugehörige Script möchte ich allen wärmstens empfehlen, die mehr darüber wissen wollen, wo die Ursachen unserer anhaltenden Verwerfungen wirklich liegen. Da es sich längst um ein globales Phänomen handelt, das quasi alle Gesellschaften fest im Griff hat, ist der Vergleich mit einem starken Strom mehr als sinnvoll. Man kann – und sollte wohl auch – gegen einen solchen Strom ankämpfen, indem man aufwärts zur Quelle schwimmt statt sich mittreiben zu lassen, aber aufhalten läßt sich dieser Strom erst einmal nicht.

    Erst wenn weite Teile der Gesellschaften auf diesem Planeten damit aufgehört haben, ihre Nachkommen auf das Funktionieren der jeweils herrschenden Gesellschaft zu konditionieren und damit die Reproduktion ihrer Traumata fortzusetzen, haben wir eine Chance, diesem Teufelskreis zu entkommen. Dazu ist vor allem nicht nachlassende Aufklärung notwendig, damit diese Erkenntnisse, von denen nicht nur Angela Moré berichtet, nicht untergehen, sondern weitere Verbreitung finden und somit das Bewußtsein über diese Zusammenhänge steigt.

    (1) https://www.youtube.com/watch?v=pmJwEZ-mu4M

    (2) https://www.gesundheit-nds.de/images/pdfs/vortrag/More_Vortrag_2021-11-03.pdf

  9. Ursprung sagt:

    Nee, das Problem liegt tiefer als bloss Feindsuche und Habgier. Ist absurd schnoede: der Kult fehlt.
    Kult?
    Wir koennen nur falsch denken und davon entschieden zu viel. Mit unserer monstroesen, ueberkandidelten Birne auf unserem Hals.
    Baeume z. B. koennen nicht denken, weil sie gar kein Gehirn haben. Die koennen deshalb nie falsch denken. Deshalb gibts die ja schon 500 Mill. Jahre lang, und uns nur 300 T. Jahre.
    Wenn das Hirn aber solch eine destruktive Erblast wie der PCR-Test mit zwangslaeufig falschpositiven Ergebnissen ist, wie haben wir Menschen mit dem destruktiven Hirnballast es denn geschafft, immerhin 300 T Jahre lang evolutionaer heil ueber die Runden zu kommen?
    Wir hatten Kult als Gegengewicht zum Ballast Denken.
    Noch die Aborigins hatten life den Ahnenkult beispielsweise. Sie kultivierten die Vorstellung, dass ihre ganz persoenlichen Urahnen als weise Waechter life unter ihnen weiterlebten und sie kontrollierten. Damit nix Falsches zu tun, oder denken. Ein strenger Kult, sehr wirksam. Und wissenschaftlich nicht ganz unbegruendet, siehe Genvererbungstheorie. Und es ist toedlich, gegen die laufende Ahnenueberwachung zu verstossen.
    Buddhisten haben einen aehnlichen Kult mit ihrem ueblen moeglichen schlechtem Karma bei 100%iger Wiedergeburt.
    Nur wenn Du kultlos, ausgeschrieben "kulturlos" bist und deshalb an Feinde oder Genspritzen oder Geld oder an so`n Zeugs glaubst, dann bist Du dem Untergang geweiht.

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