Leipziger Drohnenfund & Russland-Sanktionen
Das blitzschnelle Durchgreifen des Kabinetts gegen russische Einrichtungen erweist sich bei genauerer Betrachtung als reine politische Show. Wo bei Anschlägen auf die eigene Energieinfrastruktur weggeblickt und mit weiteren Milliardenpaketen reagiert wird, reicht ein vereitelter Sabotageversuch für die Eskalationsspirale. Die Leidtragenden dieser sprunghaften Diplomatie sind die Bürger durch steigende Preise und hohe Sicherheitsrisiken.
Ein Kommentar von Janine Beicht.
Der Regierungsapparat Deutschlands hat sich entschieden. Nicht nach einem rechtskräftigen Urteil, nicht nach einer öffentlichen Beweisakte, sondern nach drei Wochen politischer Reifezeit. Am 1. September 2026 erklärt die Bundesregierung Russland zum Verantwortlichen für den Drohnenfund am Flughafen Leipzig-Halle. Innenminister Alexander Dobrindt spricht von polizeilichen Ermittlungen, Tatmustern und nachrichtendienstlichen Erkenntnissen. Gegenüber der Presse sagte er (1):
„Zusammen betrachtet belegen polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse eine russische Verantwortung für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig. Die Bundesregierung kommt deswegen zum Schluss, dass Russland den hybriden Angriff in Leipzig am 4. August zu verantworten hat.“
Außenminister Johann Wadephul kündigt ein umfangreiches Sanktionspaket an. EU und NATO versichern Solidarität (2). Moskau weist jede Verantwortung zurück und kündigt Gegenmaßnahmen an (3). So weit die amtliche Choreografie.
Der Flughafen Leipzig-Halle ist ein Drehkreuz für Waffenlieferungen an die Ukraine (4). In der Nacht vom 4. auf den 5. August 2026, gegen 23:42 Uhr, wird im Sicherheitsbereich zwischen ukrainischen Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt. Der Zünder ist defekt. Das Gerät soll nach Ermittlungsangaben eine ukrainische Antonov treffen, die Rüstungsgüter transportiert. Die Drohne trägt keine Positionslichter, verfügt über eine Kamera, einen 5G-Router, zwei SIM-Karten und einen Zusatzakku. Das BKA geht davon aus, dass sie über das Mobilfunknetz steuerbar war, theoretisch von jedem Ort der Erde. Überwachungskameras sollen zeigen, dass sie gegen 19:30 Uhr zunächst auf einer Tragfläche einer geparkten Antonov aufschlug, vom Treibstofftank abprallte und auf dem Rücken liegen blieb. Neben dem Gerät finden Fahnder eine Konservendose mit rund 600 Gramm Semtex. Nur der defekte Zünder verhindert die Detonation (5).
Drei Geräte, zwei Sprengstoffe, eine politische Entscheidung
Die Behörden sprechen später von mehreren Drohnen. Eine erste liegt auf dem Flughafengelände. Berichte über eine Kollision einer zweiten Drohne mit einem DHL-Frachter um etwa 00:03 Uhr, nach dem Durchstarten der Maschine, werden später als unwahrscheinlich eingestuft. Die Ermittler halten dort einen Vogel für wahrscheinlicher, obwohl am Leitwerk in Hannover eine Beschädigung festgestellt und Vogelschlag ausgeschlossen worden war (6). Eine dritte Drohne wird am frühen Abend des 14. August auf einem Feld in Kabelsketal gefunden, unmittelbar westlich des Flughafens. Am Folgetag soll dort eine Substanz entdeckt worden sein, die nach erster Einschätzung rund 50 Gramm Hexogen gewesen sein könnte. Am 11. August finden Suchtrupps Motor und Rotor. In Kursdorf, nördlich des Airports, klebt an einem Baum eine Antenne mit Elektronik. Daneben verbrannte Erde und Metallteile.
DNA-Spuren unterschiedlicher Qualität werden an Drohne, Sprengsatz und Tatortumfeld gesichert. Eine Spur führt offenbar nach Litauen. Ein Spur-zu-Spur-Treffer könnte mit einem anderen Fall zusammenhängen. Eine Verbindung zum früheren DHL-Plot wird ausdrücklich nicht bestätigt, Parallelen aber schon: Vor zwei Jahren ein Netzwerk angeworbener Wegwerfagenten von Litauen über Polen nach Deutschland, Brandsätze in Luftfracht, Steuerung nach Ermittlungsangaben durch den GRU, brennende Pakete in Leipzig, Birmingham und Warschau. Damals soll ein angeworbener junger Ukrainer auch nach Deutschland gereist sein und Drohnenteile, Halterungen und Konservendosen abgeholt haben.
Dobrindt ordnet Technik und Organisation als professionell ein, die Ausführung als Low-Level, als Wegwerfagenten. Einzelne Bauteile, Sprengstoff und Zündtechnik seien aus anderen russischen Operationen und dem Ukraine-Krieg bekannt. Nachrichtendienstliches Aufkommen weise auf Personen hin, die im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt hätten. Eine Person soll an einen russischen Geheimdienst angebunden sein. Festnahmen gelingen nicht. Nicht alle Erkenntnisse werden veröffentlicht, weil das Netzwerk weiter aktiv sei und weil ausländische Geheimdienstquellen nicht offengelegt werden könnten. Die Attribuierung bleibt am Ende eine politische Entscheidung (7). Dobrindt zufolge bewertet die Bundesregierung die Vorgänge in Leipzig nicht isoliert, sondern als Teil einer Reihe weiterer hybrider Aktivitäten. Deutschland müsse demnach damit rechnen, weiterhin Ziel russischer hybrider Angriffe zu werden. Zudem bestehe die Gefahr, dass solche Aktionen künftig auch darauf abzielen könnten, größere Schäden zu verursachen. Er stellte klar (8):
„Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.“
Indem die Politik von „hybrider Kriegsführung“ spricht, gleichzeitig aber Kernergebnisse zur Beweislage unter Verschluss hält und Unstimmigkeiten bei den Ermittlungen ausblendet, drängt sich der Verdacht auf, dass hier ein unklarer Vorfall vorschnell für das eigene Bedrohungsnarrativ instrumentalisiert wird, anstatt der Öffentlichkeit ehrliche und nachprüfbare Fakten vorzulegen (9).
Der Maßstab, der in der Ostsee ertrank
Hier beginnt die Doppelmoral, und sie ist nicht subtil. Derselbe Staat, der in Leipzig binnen Tagen den diplomatischen Hammer schwingt, hat bei der Sprengung von Nord Stream über Jahre hinweg die Ukraine nicht als Täter benannt, obwohl nach Darstellung mehrerer Vorlagen von niemandem ernsthaft bestritten wird, dass ukrainische Täter die Pipeline zerstört haben (10). Der frühere Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt lobt die Ermittlungsleistung der Bundespolizei unter Dieter Romann. Der Wall-Street-Journal-Reporter Bojan Pancevski schreibt auf Basis mehrerer hochrangiger Quellen, der frühere ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj habe Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich vor dem Anschlag informiert (11). Die deutsche Regierung liefert trotzdem weiter Milliarden und Waffen (12).
Fall A: Unbewiesene oder geheimdienstlich abgedichtete Verdachtsmomente gegen Russland erzeugen sofort Konsulatsschließung, Boykottgesten und Sanktionsrhetorik, die vor allem die eigene Industrie und den eigenen Verbraucher treffen.
Fall B: Ein Anschlag auf die Energieader der Republik wird mit juristischer Ladehemmung und weiteren Schecks belohnt.
Genau diese Schieflage benennt der außenpolitische Sprecher der AfD, Markus Frohnmaier (13):
„Gegen Russland wird binnen Tagen eskaliert, gegenüber der Ukraine bleibt selbst nach Nord Stream praktisch alles folgenlos. Das ist keine konsistente Sicherheitspolitik, sondern Außenpolitik mit zweierlei Maß.“
Auch auf deutscher Seite stößt der Kurs der Bundesregierung auf entschiedenen Widerstand: BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht wirft Berlin eine gefährliche und unverhältnismäßige Reaktion vor. Selbst bei einer Bestätigung des Verdachts rechtfertige ein Vorfall mit unbewaffneten Drohnen ohne Sachschaden keine Maßnahmen, die das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland schüren. Scharf prangert sie zudem das aus ihrer Sicht Messen mit zweierlei Maß an: Während die Bundesregierung den mutmaßlich von der Ukraine verübten Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines weitgehend ohne Konsequenzen verhallen ließ, befeuere Bundeskanzler Friedrich Merz nun eine Eskalationsspirale. Damit treibe er das Land sehenden Auges in die Gefahr eines verheerenden Krieges: (14)
„Selbst wenn Russland dahinter stehen sollte, ist eine Drohne, die keinerlei Schaden angerichtet hat, kein Grund, eine brandgefährliche Eskalation anzuheizen, die in einem Krieg mit Russland enden kann, der Millionen Menschen das Leben kosten würde. Seltsam ist, dass die Russland zugeschriebenen Drohnen nie explodieren, während der einzige Anschlag, der massive Zerstörungen zulasten unseres Landes zur Folge hatte, der Terroranschlag auf Nordstream, nicht von Russland, sondern von der Ukraine ausging, und hier eine Reaktion der Bundesregierung bis heute auf sich warten lässt. Merz führt uns immer näher an einen Krieg mit Russland.“
Ulrich Siegmund fordert Diplomatie statt neuer Sanktionen und fragt nach dem Ertrag der bisherigen Waffen- und Geldpolitik für den Kriegsverlauf. Die Linke-Innenexpertin Clara Bünger verlangt unabhängig überprüfbare Belege statt reiner Geheimdienstlagen.
Merz droht, aber schickt zwei Minister vor
Kanzler Friedrich Merz hatte martialisch angekündigt, die Täter würden bezahlen (16).
„Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf – sie werden dafür bezahlen. Wir halten Kurs. Die Bundesregierung setzt die Unterstützung der Ukraine mit langem Atem fort. Wir sind heute ihr stärkster Unterstützer, nicht um den Krieg zu verlängern, sondern um Friedensgespräche zu erzwingen.“
Am entscheidenden Dienstagabend blieb er jedoch unsichtbar. Dobrindt und Wadephul sprechen (17). Aus Regierungskreisen gibt es zwei Lesarten. Man will sich schärfere Schritte der Regierungsspitze für den Fall eines gelungenen Folgeanschlags aufheben (18). Und Merz, mit historisch schlechten Umfragewerten im Wahlkampf, lasse lieber die populäreren Kabinettsmitglieder den Preis der Eskalation verkünden.
Artikel 4 des NATO-Vertrags wird bewusst nicht gezogen. Polen habe Raketeneinschläge ohne Artikel 4 verkraftet, heißt es intern (8). Deutschland müsse selbst zeigen, dass es reagieren könne. Merz telefoniert mit Mark Rutte und Ursula von der Leyen, auch mit den Amerikanern. Im September sollen weitere IRIS-T-Raketen, mehrere tausend Strike-Drohnen und intensivierte nachrichtendienstliche Zusammenarbeit folgen. Eine kinetische Reaktion, wie Nico Lange sie als militärische Aktion und als kinetische Sanktion analog zu ukrainischen Raffinerieangriffen fordert, bleibt aus. Roderich Kiesewetter verlangt Taurus und die Aktivierung von Artikel 4, nennt das verkündete Paket erwartbar und postet auf 𝕏 (19).
„Die mit großen Worten angekündigten Maßnahmen, mit denen der Terrorstaat Russland ‚bezahlen’ soll, bleiben weit hinter dem Erforderlichen zurück.“
Lange sagt hingegen, im Kreml werde niemand eine schlaflose Nacht haben (20).
Symbolpolitik ohne Wirkung: Warum der deutsche Sanktionskatalog zur Farce verkommt
Um der eigenen Bevölkerung Stärke und Entschlossenheit vorzugaukeln, verkündeten die Bundesminister ein Paket nationaler Maßnahmen gegen die Russische Föderation. Die Bundesregierung ordnete die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn zum 18. September an, kündigte den Vertrag für das seit 1984 in der Berliner Friedrichstraße ansässige Kulturinstitut „Russisches Haus“ und verschärfte die Einreisekontrollen für russische Staatsbürger. Zudem kündigte Außenminister Wadephul die Einbestellung des russischen Botschafters Sergej Netschajew an und versprach, den Druck auf die sogenannte Schattenflotte maroder Öltanker in der Ostsee zu erhöhen (21). Was wie eine harte Linie aussieht, bleibt in der Praxis vollkommen wirkungslos. Der einzige spürbare Effekt: Man schneidet sich von den letzten verbliebenen Diplomatiekanälen ab. Die Begründung des Außenministeriums fällt entsprechend drastisch aus (21):
“Das beschriebene gefährliche Verhalten der russischen Föderation fügt sich in eine lange Reihe von Versuchen der Destabilisierung, der Desinformation, der Drohungen, der Sabotage und der Aggression gegenüber Europa. Deutschland bildet leider keine Ausnahme. Russlands Führung tritt unserem Land mit offener Feindseligkeit entgegen. Ich möchte betonen: Dieser Zustand unserer Beziehungen liegt nicht im Interesse der Bundesregierung.“
Moskau wird auf die Ausweisung von Diplomaten und Konsulatsfragen gewohnheitsmäßig spiegelbildlich reagieren. Nachdem Deutschland in den Vorjahren bereits Konsulate in Hamburg, Leipzig, Frankfurt und München schließen ließ, steht nun das letzte verbliebene deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg vor dem Aus. Auch die Schließung des Kulturzentrums an der Friedrichstraße führt unweigerlich zur Gegenmaßnahme gegen das Goethe-Institut in Russland, womit der zivile Austausch vollends zum Erliegen kommt.
Wie der Sanktionswahn Europas eigene Grundlagen zerstört
Die obsessive Leidenschaft, mit der die Europäische Union nun bereits das 22. Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet, gleicht einem wirtschaftlichen Harakiri-Kommando. Seit Ausbruch des Konflikts dreht sich der Westen im Kreis und versucht, eine rohstoffreiche Großmacht durch Handelsverbote in die Knie zu zwingen. Die Bilanz dieser Strategie ist nach vier Jahren Ernüchterung pur: Russland hat seine Exportströme für Öl und Gas rasch umgeleitet, akquirierte neue Partner in Asien und steigerte seinen bilateralen Handel mit China bis 2025 auf ein Rekordvolumen von fast 230 Milliarden Dollar (22). Nach dem Ausschluss aus dem SWIFT-System nutzt Moskau mühelos das chinesische Zahlungssystem CIPS (23).
Die westlichen Strafmaßnahmen haben Russland nicht isoliert, sondern das Entstehen einer neuen eurasischen Sicherheits- und Wirtschaftsstruktur beschleunigt. Mit der Unterzeichnung des trilateralen Strategiepaks zwischen Iran, Russland und China im Januar 2026 (24) sowie Militärabkommen mit Nordkorea wurde eine Gegenallianz gefestigt, die diplomatische Lösungen erschwert (25). Zudem lassen sich die gesellschaftlichen Wirkungen beobachten: Der äußere Druck schweißt die Bevölkerung zusammen, wodurch die Zustimmungswerte für Wladimir Putin laut dem unabhängigen Lewada-Zentrum konstant bei über 80 Prozent verharren.
Der Schaden dieser Politik trifft stattdessen mit voller Wucht die europäischen Volkswirtschaften. Seit dem Ölembargo vom 5. Dezember 2022 und dem Wegfall billigen russischen Erdgases haben sich die Energieimporte drastisch verteuert (26), was den Mitorganisator des deutschen Exportaufstiegs lahmlegt. Die anhaltend hohe Inflation zwingt die Notenbanken zu dauerhaft hohen Zinsen, was Investitionen lähmt. Zudem riskieren die Europäer einen Kampf um die bei der belgischen Verwahrstelle Euroclear eingefrorenen russischen Vermögenswerte von etwa 200 Milliarden Euro (27). Während deutsche Behörden ebenfalls russische Vermögen blockieren, stehen deutsche Investitionen in Russland im Wert von schätzungsweise 100 Milliarden Euro und rund 1.500 bis 2.000 verbliebene deutsche Firmen unter dem direkten Enteignungsrisiko des Kremls.
Die Sanktionsstrategie des Westens sollte Russland in die Knie zwingen. Am Ende zeigt sich vor allem eines: Wer die weltgrößte Rohstoffmacht wirtschaftlich isolieren will, überschätzt seine eigene Macht gewaltig.
Kaltes Echo aus Moskau:
Während sich in Berlin die Wogen der Entrüstung überschlagen, stößt die Vorwurfswelle im internationalen Raum auf eine tief gespaltene Kulisse. Aus Moskau folgt die Absage an die deutschen Anschuldigungen auf dem Fuß. Putin nennt die deutschen Schritte einen schweren Fehler, die Belege gefälscht und die Motive innenpolitisch getrieben. Um die Haltlosigkeit der Vorwürfe zu untermauern, zog der Kremlchef Parallelen zur Debatte um die zerstörten Ostsee-Pipelines – ein Fall, in dem Berlin der russischen Seite ebenfalls voreilig die Täterschaft unterstellt habe, obwohl dies jeglicher ökonomischen Logik widerspreche. Vor diesem Hintergrund sprach er Bundeskanzler Merz direkt das Vertrauen ab und wies auf die wackelnde politische Zukunft der Berliner Führung hin (29):
„Wo sind die Beweise? Nun, jetzt hat man eben die Beweise untergeschoben. Ich möchte daran erinnern, dass erst vor kurzem, vor einigen Monaten, vor mindestens einem Jahr, die deutsche Regierung Russland beschuldigt hat, wir hätten die Nord-Stream-Pipelines gesprengt. Ich habe mich damals noch gefragt, wie man auf solchen Unsinn kommen konnte, wenn man bedenkt, dass wir ein Interesse am Gasverkauf nach Europa haben. Meiner Ansicht nach widerspricht das eindeutig den Interessen des deutschen Volkes. […] Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt. (30)“
Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa wischt die Behauptungen als Konstrukt an den Haaren herbeigezogener Vorwände vom Tisch und dreht den Spieß um, indem sie Berlin vorwirft, durch milliardenschwere Finanzhilfen und schwere Waffenlieferungen an Kiew den wahren Staatsterrorismus zu sponsern. Ergänzend mahnt Kremlsprecher Dmitri Peskow handfeste Belege für solch schwerwiegende Beschuldigungen an und warnt vor einer ungebremsten Eskalationsspirale (31).
„Wenn solche schweren Anschuldigungen erhoben werden, sollten sie irgendwie untermauert werden. Dass Deutschland den weiteren Weg der Eskalation geht, das ist offensichtlich.“
Der russische Botschafter Sergej Netschajew weist die Vorwürfe ebenfalls als absurd zurück, während die russische Vertretung in einer scharfen Stellungnahme von einer übereilt gezimmerten Provokation spricht. Die rein den Interessen der Kiewer Führung, der europäischen Aufrüstungslobby sowie den Profiten der Rüstungskooperationen diene, die vollen Konsequenzen dieser beispiellosen Zuspitzung habe allein die Bundesregierung zu tragen. (32)
Die Kapitulation vor dem Bündnisgehorsam
Die Leipziger Drohnen-Affäre legt den Kern einer deutschen Außenpolitik frei, die sich nicht mehr dem Schutz des eigenen Landessystems verpflichtet fühlt, sondern einer geopolitischen Unterwerfungslogik. Dass die Bundesregierung bei einem vereitelten, handwerklich stumpfen Anschlagsversuch sofort den diplomatischen Ausnahmezustand ausruft, während sie die beispiellose Sabotage der eigenen Kerninfrastruktur in der Ostsee schluckt, schweigt und weiter bezahlt, ist keine Härte. Es ist die peinliche Inszenierung eigener Machtlosigkeit. Leipzig dient Berlin als billige Bühne für Gratismut: Hier lässt sich gefahrlos Entschlossenheit simulieren, weil der Feind im Skript bereits feststeht. Bei Nord Stream hingegen müsste man einem Verbündeten ins Gesicht sehen – und davor hat die politische Klasse in Berlin schlicht Angst.
Dieser eklatante Doppelmoral-Mechanismus dechiffriert den schleichenden Verfall deutscher Souveränität. Recht, Beweise und staatliche Integrität gelten nur noch dann als Maßstab, wenn sie ins Narrativ passen. Passt die Täterschaft nicht ins geopolitische Weltbild, mutiert die Zerstörung deutscher Lebensadern zur vernachlässigbaren Fußnote.
Diese außenpolitische Bankrotterklärung entlarvt drei fatale Realitäten:
- Der feige Symbolismus: Das Schließen von Konsulaten und Kulturhäusern ist kein geopolitischer Wirkungstreffer, sondern politisches Wutgeheul für die Kameras. Während man im Kreml über den deutschen Formular-Protest müde lächelt, verkauft Berlin spiegelbildliche Diplomaten-Klicks als verteidigungspolitischen Sieg.
- Die Selbstzerstörung als Staatsräson: 21 Sanktionspakete haben nicht den Krieg gestoppt, sondern die heimische Industrie ruiniert, die Inflation angeheizt und Washington wie Peking neue Märkte geschenkt. Wer Sanktionen verhängt, die vor allem den eigenen Bürger belasten, betreibt keine Sicherheitspolitik, sondern Wohlstandsvernichtung aus Überzeugung.
- Die Vasallentreue: Wenn die Zerstörung der eigenen Energieversorgung durch Mutmaßungen im Lager der Partner folgenlos bleibt, ist der Begriff der „nationalen Sicherheit" zur Farce verkommen. Die Regierung Merz beweist nicht Stärke, sondern dass sie den Status Deutschlands als geopolitische Manövriermasse klaglos akzeptiert hat.
Wer Leipzig zum Staatsverbrechen erklärt und Nord Stream zum Kollateralschaden der Geschichte, betreibt keine Aufklärung, sondern Selbstbetrug. Die Führung in Berlin schützt nicht die Bürger vor Krieg und Sabotage – sie schützt sich nur vor der Einsicht, dass sie längst nicht mehr Herr im eigenen Haus ist.
Quellen und Anmerkungen
(3) https://www.tagesspiegel.de/politik/dpa-bedrohung-aus-russland-16007310.html
(5) https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/drohnen-leipzig-100.html
(6) https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/drohne-leipzig-110.html
(8) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/drohnen-vorfall-leipzig-russland-verantwortlich-100.html
(9) https://apolut.net/bundesregierung-eskaliert-unerklarten-krieg-gegen-russland-von-tilo-graser/
(10) https://euractiv.com/de/news/ukrainer-wegen-sabotage-an-der-nord-stream-in-kroatien-festgenommen/
(11) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-20-april-2026-2422158
(12) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/deutschland-hilft-der-ukraine-2160274
(13) https://archive.ph/Vbi3m#selection-2637.108-2637.388
(14) https://x.com/SWagenknecht/status/2095040887478768061?s=20
(16) https://www.youtube.com/watch?v=KWwsfcbBkas&t=52s
(19) https://x.com/RKiesewetter/status/2094825721000869923
(21) https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2800598-2800598
(23) https://cipc.pipeclubs.com/cipc-and-russias-aggression/
(24) https://www.middleeastmonitor.com/20260129-iran-china-and-russia-sign-trilateral-strategic-pact/
(25) https://beyondparallel.csis.org/north-korea-russia-cooperation-2
(26) https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20230328-1
(28) https://www.trtdeutsch.com/article/12059798
(30) https://x.com/Raeubertochtah/status/2095038216814436549?s=20
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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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