Hühner, Volksvertreter und das Ei | Von Bernd Lukoschik

Ein Kommentar von Bernd Lukoschik.

Wenn die Hühner gackern

Es lohnt sich wirklich nicht, den Antrag der Fraktionen SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP „Frieden und Freiheit in Europa verteidigen – umfassende Unterstützung für die Ukraine“ (1) mit seinen 40 weisen Vorschlägen zur Friedensförderung zu lesen. Wir wissen ja seit Längerem um das intellektuelle Niveau und die politischen Fähigkeiten unserer Volksvertreter, spätestens seit dem jämmerlichen Kuschelkurs der Legislative mit den Pandemieexekutoren!

Allerdings weist Rainer Rupp in seiner wieder einmal glänzenden Analyse (2) darauf hin, dass dieses „unsägliche Pamphlet“, Ausdruck eines „Totalversagens der politischen Kaste unseres Landes“, schlicht gemeingefährlich ist, weil es einer Kriegserklärung an Russland gleichkommt.

Also muss man sich wohl doch ein wenig mit dem Gedankengang – um einmal mit schlechtem Gewissen diesen hehren Begriff zu verwenden – des Geschreibsels beschäftigen!

Und der erzwungene Blick auf dieses Machwerk lohnt sich tatsächlich – er kann helfen, einen kleinen Einblick in Politikerköpfe zu gewinnen.

Inhaltliches

Klar, alles, was den Bürgern seit Jahren – seit den völkerrechtswidrigen Angriffskriegen der US/NATO gegen Serbien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien (…) und speziell seit dem 24. Februar 2022 – an medialem Müll in den Köpfen deponiert wurde seitens der Konformmedien und ihres Auftraggebers, der US-Elite, käuen sie im Parlament nun wieder:

Der russische Krieg, „ein Versuch“, so in der „Präambel“ des Antrags, „eine diktatorische Herrschaft auszudehnen, die Demokratie in Europa zurückzudrängen und Europäerinnen und Europäern das Recht auf ein Leben in Frieden, Würde und Selbstbestimmung zu nehmen“, um mal ein paar längst ausgelatschte und missbrauchte Worthülsen zu zitieren, die die Lektüre, wie oben erwähnt, so unlesenswert und lästig machen.

Die „zahlreichen Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine. Die Verbrechen, die in Butscha, Borodjanka, Mariupol und anderen Orten begangen wurden … Gezielt und massenhaft wurden Zivilisten exekutiert (…)“ usw.

Das altbekannte Arsenal an Vorwürfen und Anklagen, die der immer schon saubere, gute NATO-Westen denen gegenüber vorbrachte, die er überfallen hat. Die Anklagen passen nun natürlich glänzend auch zum neuerlichen Gegner.

Abgestandener alter Wein in neue Schläuche!

Warum das Abgeordnetengehirn anstrengen, wenn es das alte Gedankenszeugs auch noch tut!

Kein Wort im Antrag davon, dass es bislang keinerlei Untersuchung der „Kriegsverbrechen der Russen“ gab – obwohl mehrfach von Russland bei den UN angemahnt.

Der Witz, der unseren Vertretern natürlich entging, obwohl doch von ihnen selbst gemacht: Ein paar Seiten später geben sie selbst zu, dass es bislang keine Untersuchungen gab:

„Der Deutsche Bundestag unterstützt die Ermittlungen des Anklägers beim Internationalen Strafgerichtshof … Die Beweise müssen schnellstmöglich gesichert und dokumentiert werden. (…)“

Offen zugegeben also: Es müssen erst noch die Beweise dafür herangeschafft werden, dass der Kriegsverbrecher Putin ein Kriegsverbrecher ist.

Ein politisches Argumentationsmuster übrigens, das lebhaft an das Prozedere mit der mRNA-Technologie erinnert: Man führte das Zeug ein – Deckname: bedingte Zulassung – und wird die Zulässigkeit, Wirksamkeit, Nebenwirkungen dann, wenn überhaupt, im Laufe der Verimpfung nachliefern!

Hier also: Erst impfen, dann sich gönnerhaft dazu bequemen, nachzuforschen, ob es überhaupt ein Impfstoff ist.

Dort: Erst vorverurteilen und mit der Sanktionskeule und kriegerischen Aktivitäten drohen, dann, wenn überhaupt, Beweise dafür beschaffen.

Diese Verdrehung jedes üblichen logischen Vorgehens weist doch deutlich darauf hin, dass da evolutionsbedingt etwas mit den Gehirnen der Politiker geschehen ist.

Kein Wort davon, dass der völkerrechtswidrige Angriff eine Vorgschichte hat, etwa den Maidanputsch, der selbst ein (verdeckter) Angriff auf eine gewählte Regierung war. Negieren der Geschichte, ohne die sich die Gegenwart gar nicht verstehen lässt!

Kein Wort davon – von wegen Frieden in Europa vor dem russischen Angriff! –, dass in der Ostukraine bereits seit acht Jahren die ukrainische Regierung einen Krieg gegen die Donbassteilrepubliken, also gegen ihre eigenen Bürger, führt, Gebiete, die sogar nach ukrainischer Verfassung einen Sonderstatus genießen und die diesen lediglich einforderten, als 2014 die Putschisten die russische Bevölkerung diffamierten und mit Militär anrückten.

Die Psyche des Berufsstands

Schwierigkeiten mit der Logik

Zuerst also die Behauptung, Russland – natürlich Putin vor allem – sei ein Kriegsverbrecher, dann die Bereitwilligkeit, bei der Beweisaufnahme helfend zur Seite stehen zu wollen.

Woraus folgt: Unsere parlamentarischen Erkenntnisjongleure drehen mal wieder Ursache und Wirkung um. Am Anfang ist die Wirkung/die Folge – die Verurteilung –, dann kommt die Ursache/der Grund – die Beweisaufnahme.

Oder: Zunächst mal ist Putin ein Schwerstverbrecher, dann wird untersucht – wenn überhaupt, siehe die Blockadehaltung des Vereinigten Königreichs –, ob er ein Schwerstverbrecher ist.

Und sie merken den Denkpurzelbaum ganz offensichtlich nicht, die Hobbyermittler im Bundestag! Denn sie wollen prophylaktisch schon mal mit Sanktionen und der Lieferung schwerer Waffen losstürmen!

Diese Schwierigkeit unserer Vertreter, mit der Zeitabfolge von Ereignissen mit Hilfe des logischen Instrumentariums Ursache/Wirkung und Grund/Folge zurechtzukommen, weist auf schwere Defekte in ihrem Denkapparat hin.

Zeitverlust

Die Vergesslichkeit hinsichtlich der Vergangenheit, hinsichtlich dessen, was dem 24. Februar ff. zugrunde lag, das wurde schon ein einem früheren apolut-Beitrag thematisiert: „Borniertheit“.

Damals wurde dieser Geisteszustand, der Verlust der Vergangenheit und der Zukunft auf dem Zeitstrahl, als neuestes Element des Zeitgenossen in der westlichen Wertegemeinschaft erkannt.

Und es zeigt sich auch hier wieder: Wie der Durchschnittsbürger, so sein Vertreter.

Es war also zu erwarten, dass der Antrag ebenfalls die Vergangenheit ausklammern würde und auf der Geschichtsvergessenheit seiner Verfasser aufbaut.

Hühnerstall Parlament

Ich weiß, ich tue den Hühnern und ihrem Entwicklungsniveau unrecht, wenn ich sie als Interpretationsfolie für das Verstehen unserer Parlamentarier hinzuziehe.

Aber ich muss es tun, weil ich nur so den Haken schlagen kann zu einem glänzenden Aufsatz (4). Darin schreibt der Professor für Völkerrecht und internationale Beziehungen Augusto Zamora Rodriguez über die Aussichten Europas:

„EU und NATO werden sich folglich auf ein Wettrüsten mit Russland einlassen müssen (…) Das atlantische Europa akzeptiert diese Rolle klaglos, ohne die Kosten zu bemessen, seine Bürger zu informieren oder den Preis zu kalkulieren, den es in seiner Rolle als untergeordneter Hühnerstall bezahlen wird. (…) Die NATO wurde weiter (…) ausgebaut. (…) Der Ukraine-Konflikt ist schließlich genau wegen der Weigerung der NATO eskaliert, eine neutrale Ukraine zu akzeptieren. Sie wollen das Land in der NATO, und bei dieser Besessenheit bleiben sie. Dabei zeigte sich die Dominanz der USA schon vor Jahren, als der Hühnerstall gehorsam akzeptierte, die Projekte der Europaarmee und der Schaffung einer gemeinsamen, von den USA unabhängigen Außen- und Sicherheitspolitik zu begraben (…)”

Europa: ein Hühnerstall. Europas Parlamente: Kleinhühnerställe im großen Auslaufgelände des europäischen Gesamthühnerareals.

Rodriguez’ großartige geopolitische Analyse – die zudem besonderes Gewicht erhält, weil er als Lateinamerikaner ein Betrachter von außen ist – macht den Antrag der Fraktionen im Bundestag erst richtig verständlich.

Hühner brauchen keine Geschichtskenntnisse. Hühner dürfen vergesslich sein. Hühner brauchen auch nicht Ursache und Wirkung zur zeitlichen Einordnung von Ereignissen auf dem Zeitstrahl oder Grund und Folge zur Feststellung des logischen Nacheinanders.

Das brauchen sie alles nicht: Sie haben den Gockel, den Leithahn, ihren artspezifischen Leithammel. Und den haben unsere Parlamentarier eben auch. Sie rennen jeder Vorgabe des Gockels jenseits des Atlantiks nach, was auch immer der vorgackert. Und das, obwohl der Gockel seit Jahrzehnten der pompeonischen Devise folgt: „Wir haben gelogen, wir haben betrogen, wir haben gestohlen.“

Egal denken die Hühner: Was früher war, wird in diesem historischen Fall nicht zutreffen. Früher ist vorbei. Jetzt ist jetzt. Was kommt, ist noch nicht. Der Blick in die Vergangenheit und das Vorstellen der Zukunft verwirren nur.

Also weiterhin dem transatlantischen Kikeriki folgen.

Nachtrag

Jetzt kommt aber doch schlechtes Gewissen den Hühnern gegenüber auf. Ist das Niveau ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten tatsächlich so tief wie das unserer Abgeordneten? Sind sie ebenso nutzlos wie Letztere, ihr Gegackere ebenso sinnfrei wie etwa der Antrag der Fraktionäre?

Und da fällt dann doch noch zur Ehrenrettung ein. Ein Nutzen kann nicht bestritten werden: Sie legen Eier. Das kann der Parlamentarier meines Wissens nicht!

Noch nicht! Außer, die Biotechindustrie nähme sich dieses Problems endlich auch einmal an. Wenn man schon rundum erfolgreiche mRNA-Impfstoffe hervorzaubern kann, warum dann nicht auch den zertifizierten eierlegenden Abgeordnetenhinterbänkler?

Quellen:

  1. Antrag der Fraktionen SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/ Die Grünen, FDP, Drucksache 20/1550
  2. Es geht nicht darum, der Ukraine zu helfen von Rainer Rupp, apolut.net
  3. Interview von Lesley Stahl mit Madeleine Albright am 12. Mai 1996
  4. Der Tod Europas und die Geburt einer neuen Ordnung von Augusto Zamora Rodriguez, Club der klaren Worte, 4. April 2022

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: HENADZI KlLENT / shutterstock

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Kommentare (7)

7 Kommentare zu: “Hühner, Volksvertreter und das Ei | Von Bernd Lukoschik

  1. Out-law sagt:

    Das war fein beobachtet! Die Genverspritzung, mit bürokratischer leyenhafter Vorschrift ,entfaltet bereits seine volle Wirkung ! Während die Gehirne im Nebeltrauma längst überfordert sind ,versucht der mit Spikes gespikte Körper ein Ei nach dem anderen ins EU-Nest zu legen . Das Gegackere ist groß; wer schließlich am lautesten gackert ,ist überzeugt seine Diäten gerechtfertigt zu erhalten ,selbst wenn alles den Lauterbach runterfließt ! Doch wird in Zeiten des biogrünen Umweltschutzes vergessen ,den Stall einmal kräftig auszumisten .Und so kommt es ,wie es kommen muss: Es stinkt gewaltig im EU-Stall und das trotz Masken ! Wenn auch nur blinde Hühner noch Körner finden ,wird die eierlegende Wollmilchsau im Volk, immer mehr geschlachtet und hat längst erkannt ,wie der Junker-Hase läuft !
    Somit bleibt auch nicht aus ,dass selbst die letzten blinden Hühner ,die genverseucht schon keine Eier mehr legen ,zum Ei des Columbus werden und als Lösung total verblendet auf dem Grillspieß enden . Mahlzeit :-))

  2. Fass sagt:

    Nun habe auch ich diese Drucksache gelesen, Drucksache 20/1550 , das ist der blanke Rassismus. Bar jeder Realität ist der Russe schuld.
    Wie kann man damit umgehen? Ich weiß es noch nicht, weiß nur, das Arbeitsteilung prinzipiell eine gute Sache ist, um mehr Freiheit im Leben zu haben.

  3. Ursprung sagt:

    Wenn sich Mensch laufend betruegen laesst, von Dummen herumgestossen, von allen angetaeuscht,
    -wie Idiot aussieht-
    -wie Sie lieber Mitbuerger-Leser-
    dann ist er Idiot.
    Und nicht etwa sein Volksvertreter ein Huhn.
    Egal, was Ihnen Herr Lukoschik hier vorsaeuelseln will.

  4. Norbert sagt:

    Danke für die Ehrenrettung der Hühner am Ende! Aber Hühner haben einen Eierstock, sie legen Eier auch ohne Hahn! Hähne und Parlamentarier haben keine Eier, wie die weiblichen haben sie kein Rückgrat, gleichen eher Schnecken, die sich bei Gefahr in ihr Haus zurückziehen – unter dem Zurücklassen einer Schleimspur.
    Wie mRNA Injektionen nie Impfstoffe sein werden, wird es bei dem "zertifizierten Abgeordnetenhinterbänkler" wie auch der ReGIERung beim Gackern bleiben.

  5. Gulliver 22 sagt:

    Wenn Ihr weiterhin, Zitat Anfang, Eure lesens- und hörenswerten, Zitat Ende, Kommentare, teils bereits Zitat Anfang für ein Wort, Zitat Ende, teils für einen Zitat Anfang bereits bestehenden Ausdruck, Zitat Ende, bestenfalls für Zitat Anfang, einen ganzen Absatz, Zitat Ende, Zitat, schmücken, Zitat ende möchtet, dann, Zitat Anfang, der Gesundheit zuliebe, Zitat Ende: Zitat Anfang Ade. Zitat Ende. Grau-en-haft. Als könnte man das nicht durch die Stimme mühelos markieren, und in den Texten können Sie ja alles nachholen. Ist das nun das Zeugnis für den authentischsten Journalismus aller Zeiten? Zumindest ist es ein Alleinstellungsmerkmal für Apolut. Vielleicht denken Sie auch mal darüber nach, ob da nicht ein Zusammenhang besteht zu der eher dürftigen Anzahl von Kommentaren. (Das Ohr denkt mit).

  6. Fass sagt:

    gefällt mir gut.
    "… warum das Gehirn anstrengen, wenn es das alte Zeug's doch auch noch tut…"

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