Gedankenknoten – Naturphilosophie 04 | Von Bernd Lukoschik

Gedankenknoten sind kleine Texte, die philosophische Probleme erörtern, Fragestellungen aufwerfen und den Leser ins Grübeln bringen. Vom Altertum bis zur Moderne werden Begriffe besprochen, die zum Hinterfragen anregen und das philosophische Problematisieren schulen.

Das Thema heute: Naturphilosophie

Welle oder Teilchen? (2) – Verwirrung angesichts des Doppelspaltversuchs

Die unterschiedlichen Fleckenverteilungen auf dem Bildschirm in Abhängigkeit davon, ob die „Teilchen“ nur jeweils einen oder beide Spalten zugleich passieren müssen, um zum Bildschirm zu gelangen, lassen sich gut verstehen, wenn man die „Teilchen“ als Wellen interpretiert. Dann bilden sich, wenn beide Spalten geöffnet sind, auf dem Bildschirm Interferenzmuster aus: Die dunklen, also fleckfreien Stellen dort wären das Resultat des Interferierens von Wellen, d. h. des Zusammentreffens eines Wellentals der Welle, die von dem einen Spalt herrührt, mit einem Wellenberg der Welle von dem anderen Spalt. Helle Stellen, Fleckenhäufungen, hingegen wären das Ergebnis eines Aufeinandertreffens zweier Wellenberge.

Wir hätten also das sonderbare Phänomen, dass sich jedes „Teilchen“, insofern es als Lichtpunkt ja an einem streng begrenzten Ort auftrifft, wie ein Teilchen verhält. Insofern es, gemeinsam mit den anderen Teilchen, jedoch eine bestimmte Fleckenverteilung, ein Interferenzmuster, auf dem Bildschirm ausbildet, stellt es sich als Welle dar. Und wenn es als Welle angenommen werden muss, macht es auch keinen Sinn mehr zu sagen, ein „Teilchen“ müsse, im Falle beider Spalten geöffnet, entweder den einen oder den anderen Spalt passieren, um zum Bildschirm zu gelangen – das täte es nur, wenn es ein Teilchen wäre. Nein, als Welle muss es zugleich durch beide Spalten gehen. Nur so gibt es Interferenz!

Und wenn jedes „Teilchen“ als Teilchen durch den einen oder den anderen Spalt ginge, wenn beide Spalten offen sind,, müsste es zumindest um den anderen Spalt, den es nicht passiert, irgendwie „wissen“! Und seine Flugbahn würde durch dieses „Wissen“ beeinflusst werden!

Und wenn nur ein Spalt geöffnet ist, muss das „Teilchen“ „wissen“, dass der andere Spalt zu ist, denn der Teilchenstrom, bei nur einem geöffneten Spalt, bildet ja ein anderes Verteilungsmuster auf dem Bildschirm als im Falle zweier geöffneter Spalten.

Rundum also Verwirrung!

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Anastasios71 / shutterstock

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Kommentare (8)

8 Kommentare zu: “Gedankenknoten – Naturphilosophie 04 | Von Bernd Lukoschik

  1. Nevyn sagt:

    Meine Güte!
    Der Eine sieht eine Zahl und der Andere ein Wappen. Und jetzt streiten sich beide, wer das richtige Bild von der Münze hat. Und nennen sich auch noch Liebhaber der Weisheit.

  2. sandra beimer sagt:

    Der große Fehler der westlichen Philosophie? Dass sie sich von Metaphysik und vom Transzendenten hat ablenken lassen, und desshalb das (gute) Leben den Spinnern überlassen hat. Erst der Religion, dann den Macht- und Marktfanatikern.

    • sandra beimer sagt:

      Der zweite Teil ist dann die Geschichte, wie/wann die Philosophie (genauso wie die Psychologie) von den Militärs waffenfähig gemacht wurde.

  3. How - Lennon sagt:

    Überhaupt nicht verwirrend!
    Die Teilchen müssen auch nichts "wissen" über den anderen Spalt.

    Angenommen, beide Spalten sind geöffnet:
    Wenn jetzt ein Teilchen durch den einen Spalt fliegt, erzeugt er dahinter (und natürlich auch davor) eine Vibration des unendlich Feinstofflichen ("Äther"/Dunkle Materie/Dunkle Energie), das wir nicht (direkt) messen können (genau wie im anderen Extrem, das unendlich Große; was ist jenseits unseres Universums, bzw. worin bewegt es sich?). Diese Vibration oder Wellenbewegung hält eine Weile an. Wenn dann das nächste Teilchen durch den anderen Spalt fliegt, kommt es zur Interferenz der Vibrationen und diese lenken alle nachkommenden Teilchen wie auf Gleisen. Die Teilchen "reiten" also quasi auf diesen selbstverursachten Wellen. Wie ein Stück Holz, das auf eine glatte Wasseroberfläche geworfen wird.

    Das ist die einzig logische Erklärung. Natürlich setzt sie voraus, dass es das unendlich Kleine bzw. Feine gibt.
    Aber warum sollte im Kleinen, genau wie im Großen, irgendwann Schluss sein? Kommt irgendwann das große bzw. kleine Stoppschild?
    Alles ist aus Kleinerem aufgebaut. Unendlich. Das war mir schon als Kind intuitiv klar.
    Wissen + Intuition = gesunder, logischer Menschenverstand/Wahrheit/Unbeirrbarkeit

    • Zara Trusta sagt:

      Bei systematischer Beschreibung bildet man jeweils das System ab, mit dem man betrachtet.
      Also in dem Fall, die reduktive Analyse im Rahmen der polynominalen Mathematik.
      Es gibt keine Teilchen ohne Schwingung und keine Schwingung ohne Teilchen und Photonen sind nicht identisch. Womit John Bell den alten Albert wiederlegt hat.
      Alles ist im Fluss und emergente dynamisch responsive Materie verhält sich auf allen integrativen Ebenen stets korrelativ. Die Dynamik des Flusses die es genauer erklärt ist weit komplexer.

    • How - Lennon sagt:

      @Zara Trusts
      Versuchen SIE es zu erklären, und vor allem in einfacher Sprache, so, dass es quasi jeder versteht. Das ist die Kunst.

    • How - Lennon sagt:

      Im Übrigen:
      Die Naturwissenschaften sind an einem Punkt angelangt – insbesondere die Physik – an dem sie sich nur noch in kafkaeskem Geschwurbel um sich selbst drehen. Masseloses Teilchen! Welle ohne Medium! Leerer Raum!
      Das "Nichts" erfreut sich mittlerweile generell erstaunlicher Beliebtheit. Vor allem auch in den Wirtschafts"wissenschaften". Geldschöpfung aus dem Nichts!

      Woran das wohl liegt?

    • How - Lennon sagt:

      "Wenn jetzt ein Teilchen durch den einen Spalt fliegt, erzeugt er dahinter (und natürlich auch davor) eine Vibration des unendlich Feinstofflichen…"
      Muss natürlich heißen: …erzeugt ES…

      Und noch zu Zara Trusta:
      Es geht hier nicht um die Schwingung der einzelnen Teilchen, sondern um die Schwingung des Mediums – dessen Feinheit unendlich ist und deswegen nicht direkt messbar – die sie im Durchfliegen verursachen.

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