Die grüne Afrika-Lüge des Westens | Von Jochen Mitschka

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

Da ich in Afrika lebe, will ich aus Sicht der Afrikaner und allgemein der bisher vom Westen in erster Linie ausgebeuteten Länder schreiben. Sie sind langsam durch die entstehende neue multipolare Weltordnung möglicherweise Profiteure des globalen Wettkampfes. Denn Neue Seidenstraße und BRICS geben ihnen Hoffnung, auch bald zu einem „Wirtschaftswunder“ kommen zu können. Derweil versuchen westliche Politiker und „Philanthropen“, also westliche Oligarchen, der eigenen Bevölkerung und den unterentwickelten Ländern zu erklären, dass alles gut werde, wenn man nur die neue schöne grüne Welt realisiert. Wie die aussehen soll, hat Stephen Corry in einem Artikel (1) beschrieben.

Er erklärt die Situation am Beispiel eines aufwendigen Videos, welches der WWF am 5. Juni 2020 veröffentlichte, und in dem die britische Naturschutz-Ikone David Attenborough darlegt, dass die Rettung der Erde in greifbarer Nähe sei. Allerdings kommt Corry zu dem Schluss, dass der Plan des WWF eine rassistische Annahme aus dem 19. Jahrhundert übernimmt, und dass dieser zufolge insbesondere die nicht-westlichen Bevölkerungen reduziert werden müssten.

Der “Plan” habe vier Gebote: 1) “schädliche Dinge stoppen”; 2) “neue grüne Technologien”; 3) die Bevölkerungszahl senken und 4) den “natürlichen Reichtum, den wir derzeit haben, erhalten” (2)

Eigentlich, so meint der Autor, sind nur zwei Ansätze etwas nicht Selbstverständliches. Die grüne Technologie und die Reduzierung der Bevölkerung. Dann fragt er, was die grundlegende Botschaft der grünen Technologie sei. Er beantwortet es, indem er sagt, dass durch Auswechseln von Kohle und Öl durch Sonne und Wind die Erde gerettet werden soll. Wobei man weder an die Kinder- und Sklavenarbeit denkt, die beim Bau der schönen neuen grünen Welt die Rohstoffe fördern, noch an die massive Ungleichheit des Konsums, indem nämlich die Elite konsumiert, während die Massen sich zurückhalten sollen. Er schreibt:

Was ist mit der Tatsache, dass der durchschnittliche amerikanische Bürger – abgesehen von einem wohlhabenden WWF-Manager – in etwas mehr als einer Woche etwa so viel verbraucht wie ein Afrikaner südlich der Sahara in einem Jahr und so viel Energie wie ein Südsudanese in zwei Jahren? (2) Wer trägt die wirkliche Verantwortung für die ‚schädlichen Dinge‘? Schließlich gibt es Hunderte von Millionen Menschen auf der Welt, die leben und sterben, oft hungrig, und die praktisch überhaupt keine Verschmutzung verursachen.“ (1)

Er äußert die Vermutung, dass es der Elite der Welt durch den Austausch der Energieerzeuger ermöglicht werden soll, weiterzumachen wie bisher.

Die Bevölkerungs-Reduzierung

Dann kommt er zur anderen „Lösung“, nämlich der Verringerung der Weltbevölkerung. Die Verfasser seien schließlich auf die Formulierung “die menschliche Bevölkerung so niedrig wie möglich zu halten” gekommen. Vermutlich, so der Autor dachten sie, dass die Verwendung von “stabilisieren” anstelle von “reduzieren” (was sie eigentlich meinen) und die Einfügung von “fair” die Kritiker zufrieden stellen würde.

Da die Bevölkerung des globalen Nordens sei bereits seit Generationen rückläufig. Die Gesamtzahl wachse dort nur deshalb noch, weil sie durch Neuankömmlinge aus dem globalen Süden angekurbelt werde. (2) Das größte Wachstumsgebiet sei Afrika südlich der Sahara, wo die Bevölkerungsdichte nach wie vor extrem niedrig ist und wo sie selbst nur sehr wenig von den Ressourcen der Welt verbrauchen. (2) Das liege daran, dass der “natürliche Reichtum, den sie derzeit haben”, größtenteils „vom Norden gestohlen“ werde. (2) Man solle sich die Gegend nachts von einem Satelliten aus ansehen, um zu erkennen, wie wenig Energie in Afrika im Vergleich zu Europa verbraucht wird.

Tatsächlich, so Corry, gelte, wer sich Sorgen mache, dass die Überbevölkerung die Umwelt bedrohe, sei blind für die wahre Bedrohung. Es sei nicht die wachsende Zahl der „Habenichtse“ im Süden, sondern der wachsende Überkonsum der „Besitzenden“ im Norden. Wobei man das natürlich etwas relativieren muss, außer man rechnet inzwischen China auch zum globalen Norden. Dann stellt er fest:

Eine Gruppe, die sich akut über diese nicht existierende ‚Überbevölkerung‘ Sorgen macht, sind die Faschisten, die an die ‚Ersatztheorie‘ glauben – dass die ‚weißen Rassen‘ von einer wachsenden Zahl von Afrikanern, Asiaten und Lateinamerikanern überrannt werden.“

Was wenige wüssten, meint der Autor, dass dies seit über einem Jahrhundert das grundlegende Credo des rechtsextremen Flügels sei. (2) Ökofaschisten seien ebenfalls besorgt über die Überflutung der Umwelt, und das gelte auch für viele im Naturschutzsektor, der sein eigenes Fundament in Rassismus und Einwanderungsfeindlichkeit hat. (2) Sie mögen sich dagegen sträuben, zu denken, dass auch sie ökofaschistische Überzeugungen teilen, aber viele von ihnen tun es, meint der Autor.

Um dies zu unterstreichen, erklärt er weiter, sah das Filmmaterial des WWF, das seinen Aufruf zur “Stabilisierung” der Population “auf niedrigem Niveau” begleitete, so aus, als sei es am Ufer des Ganges oder Ähnlichem gedreht worden, statt in einer belebten westlichen Großstadt wie New-York. Die Schlussfolgerung sei klar. Zu viele Nicht-Europäer bedrohen unsere Welt.

Allerdings hätten sich die Macher des Films verrechnet, denn Menschen in den Sozialen Medien seien schnell in Konfrontation gegangen, haben den Naturschutzgiganten gezwungen, den Film zu entfernen und sich zu entschuldigen. Aber es sei zu spät. Denn nun sei klar, was der WWF und ähnliche Organisationen wirklich glauben und beabsichtigen.

Der Regenwald

Die Geschichte erinnere ihn an eine Spendenaktion aus dem Jahr 1994. Darin habe der WWF im Prinzip behauptet, dass indigene Völker und nicht die großen Industrien, die die Organisation in seine Gremien beruft, die Zerstörer des Regenwaldes und damit der Welt seien. Völker also, die selbst an der Entstehung des Regenwaldes beteiligt waren. Dabei könne man auf Satellitenbildern und anhand von Daten deutlich erkennen, wo die größere Artenvielfalt sei, nämlich in den von Indigenen besiedelten Gebieten.

Das tragische sei, dass die massive Propaganda in der Lage ist, viele progressive Menschen zu beeinflussen. Vielleicht glauben viele weiße, umweltbewusste Menschen wirklich, meint er, dass die “Überbevölkerung” die Erde überrennen werde, und sähen es als “heilige” Pflicht an, den Planeten vor den barbarischen Horden zu verteidigen. Das sei die wirklich große Lüge, die uns seit über einem Jahrhundert eingetrichtert werde. Sie sei ein Schlüsselelement des Rassismus und des Hasses gegen Einwanderung. Diese Lüge werde von Unternehmen und großen Stiftungen finanziell unterstützt und erhalte enorme Rückendeckung von Regierungen, die riesige Mengen unseres Geldes dafür einsetzten, sie zu schüren. Das Schlimmste daran sei, dass diejenigen, die diese Lüge verbreiten, jetzt planen, weitere Milliarden Dollar durch ihren schrecklichen “New Deal for Nature” zu erhalten, der sich zum größten Landraub der Geschichte entwickele. Sie wollen die Kontrolle über nicht weniger als ein Drittel des Globus für ihre “Schutzgebiete”, und ja, so meint er, sie schicken die Armee, oft private Milizen, um die lokale Bevölkerung zu vertreiben. (2)

Attenborough und der WWF sagen, und dann zitiert er: “Wir haben jetzt die Wahl, einen Planeten zu schaffen, auf den wir alle stolz sein können.” Dann illustrierten die Macher dies mit einer Science-Fiction-artigen Stadtlandschaft, um zu verdeutlichen, was ihnen vorschwebt. Dabei handele es sich um ein Bild von Singapurs “Gardens by the Bay”-Themenpark, dessen Bau über 700 Millionen Dollar und dessen Betrieb 20 Millionen Dollar pro Jahr koste. Ein Themenpark, der im drittreichsten Land der Welt (pro Kopf) zu sehen sei. (2) Wie nicht anders zu erwarten, seien die futuristischen “Gärten” von Wanderarbeitern gebaut worden, denen bei Überschreitung der Aufenthaltsdauer Gefängnis und Prügel drohten. Viele der schlecht bezahlten Bauarbeiter in Singapur stammen aus Indien. (2) Corry mutmaßt zynisch, dass vielleicht einige dieser Arbeiter auch in dem Clip über den überbevölkerten “Ganges” zu sehen seien.

Eine unbequeme Fallstudie

Die folgende Fallstudie wird ebenfalls aufzeigen, dass es keineswegs um Umweltschutz geht oder darum, der Erde und den ausgebeuteten Ländern und Menschen etwas zurückzugeben, sondern vielmehr darum, eine neue Ära der Ausbeutung einzuleiten. Und durch besonders hohe Profite sollen diese Investitionen für jene Investoren interessant werden, die eben, wie im klassischen Kapitalismus normal, wachstums- und profitgetrieben agieren. Der folgende Text ist angelehnt an den aus meinem Buch „Greta, Klima und Corona“ (3)

Schon was der kanadische Mitgründer, Jesse Moore zur Gründung der Firma M-Kopa erklärte, ist verräterisch:

»Wir glauben, dass es möglich ist, ein Geschäft aufzubauen, ohne Kompromisse einzugehen. Wir können von der Umwelt profitieren. Unseren Kunden wird es besser gehen. Und wir werden reicher werden. Wir alle können gewinnen.«

Nicht die Rettung der Umwelt, sondern die Rettung der gewinnorientierten kapitalistischen Ordnung war demnach im Vordergrund und auch entscheidend für die vielen Auszeichnungen, welche die Firma später erhalten sollte.

M-Kopa Solar – »Energie für Jeden« – ist ein Provider von Energie auf Bestellung, durch Bereitstellung von Solar-Anlagen, die für verarmte afrikanische Länder von reichen Kapitalisten im Westen entwickelt wurden. Die Zielländer für diese Politik sind unter anderem die ländlichen Gebiete von Kenia, Tansania und Uganda.

Am 2. Dezember 2015 gab M-Kopa, heute der weltweit führende »Pay-as-you-go-Energieversorger für netzferne Haushalte«, einem dem Prepaid-Handy-Tarif vergleichbaren Stromversorgungssystem, den Abschluss einer Finanzierungsrunde von 19 Millionen US-Dollar bekannt, die von Generation Investment Management LLP geleitet wird. M-Kopa schätzte im Jahr 2015, dass achtzig Prozent seiner Kunden von weniger als 2 Dollar pro Tag leben. Dennoch erreichte die Firma einen Umsatz von über 40 Millionen Dollar.

Der Bloomberg-Artikel „Die Solar Company erzielt Gewinn mit armen Afrikanern – M-Kopa plant, ein 1-Milliarde-Dollar-Unternehmen zu werden, indem Solarzellen an Landbewohner verkauft und ihnen Kredite gewährt werden“ enthüllt, um mit den Worten von Morningstar zu sprechen, die Realität hinter dem wirtschaftlichen Vulturismus, der Gier und der Neigung zur Ausbeutung, der unter einem Schleier aus weißem, rettendem »Umweltschutz« verborgen ist. Nach dem »Erfolg« der Prepaid-Wasserzähler für viele afrikanische Länder verlangt M-Kopa von den Armen hohe Zinsen, wobei astronomisch hohe Dividenden/Renditen an die Reichen zurückfließen:

»Die Zinsen, die M-Kopa berechnet, sind nach US-amerikanischen oder europäischen Standards hoch. Der Barpreis eines seiner Produkte ist etwa 20 Prozent niedriger als der Ratenpreis. Aber auf den Märkten, auf denen das Unternehmen bisher tätig war – Kenia, Tansania und Uganda – sind die Preise wettbewerbsfähig. Traditionelle Mikrofinanzunternehmen berechnen in der Regel etwa 20 Prozent Zinsen auf ihre Kredite, und im Oktober stellte die kenianische Regierung Schatzwechsel aus, die den Investoren eine jährliche Rendite von 23 Prozent boten.«

Auf den ersten Blick würde man meinen, das Hauptgeschäft von M-Kopa sei der Verkauf von Solarprodukten. Aber diese Annahme täuscht. Das wichtigste und Profit generierende Produkt ist die Finanzierung:

»Ungefähr ein Viertel von denen, die ihren ersten Einkauf abzahlen, wandern ab zu anderen, erklärt die Firma«.

Morningstar erklärt das zur neuen Form der Kolonisierung im 21. Jahrhundert. Kolonisation durch Schulden, ermöglicht durch den Verkauf westlicher Werte. Andere Geier, die die Verarmten und Gefährdeten unter dem Deckmantel der grünen und »sauberen Energie für alle« ausbeuteten, seien starke Organisationen wie die Gates Foundation und Mastercard.

Im Gegensatz zum westlichen Finanzsystem, bei denen Kredite in der Regel in monatlichen Raten abgezahlt werden, erhalten die Afrikaner nicht das gleiche Maß an Vertrauen. Vielmehr müssen sie zusätzlich zu einer Kaution nicht monatlich, sondern täglich für ihr neues Darlehen bezahlen. Vielleicht kann dies unter »Ökostromrassismus« abgelegt werden, meint Cory Morningstar. Diejenigen, die ihre Zahlungen nicht leisten, werden entsprechend bestraft.

Aber damit nicht genug. Ein M-Pesa Solarstrom-Verkäufer erklärt in einem Artikel von Business Daily, dass die Solarlampen automatisch abgeschaltet werden, wenn der Verbraucher seine tägliche Zahlung nicht geleistet hat. Und dass zusätzlich eine Information an Kreditbüros geht. Obwohl wegen der Sicherheitsleistung kein Risiko für die Firma besteht. Weshalb der Verbraucher große Schwierigkeiten bekommt, aus anderen Quellen Kredite zu erhalten. Das Basiskit besteht aus drei Lampen, Radio und einem Ladegerät für das Mobiltelefon.

Auf der Internetseite von Stanford Social Innovation Review, konnte man im Sommer 2016 einen Artikel finden, der die Lieferung von Elektrizität gegen eine Verschuldung der Ärmsten der Armen behandelt.

»’Wir investieren überhaupt nicht in Solaranlagen’, sagt David Rossow, der das 1,5 Milliarden Dollar schwere Portfolio der Gates Foundation an programmbezogenen Investitionen (PRIs) verwaltet. Die Stiftung hat nicht einmal ein Programm für saubere Energie. Aber es gibt ein Programm mit dem Namen Finanzleistungen für die Armen. ‘Wir kümmern uns um das mit Sachwerten abgesicherte Vermieten für die letzte Meile [Anmerkung: an die Ärmsten]’.«

Morningstar erklärt, welchen Zusatznutzen die weißen Unternehmer aus der Vergabe der Kredite ziehen. Und zwar geht es um die Sammlung von Daten über die Nutzung der Geräte. Die Aussage ist, dass dieses System die Möglichkeit eröffnet Daten zu sammeln, die kein anderes Unternehmen sammeln kann.

In Afrika leben noch 600 Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität und 300 Millionen haben keine ordentlichen sanitären Anlagen. Wofür verschulden nun die Retter Afrikas und der Welt die Ärmsten der Armen? Nun, nicht für Solaröfen, um das Kochen ohne fossile Brennstoffe oder Holz zu ermöglichen, nicht für Toiletten, Trinkwasser oder Schulen, sondern für Flachbildfernseher.

Im Kit 5 (Stand 2019) enthalten war ein 8 Watt Solare Panel, ein Radio mit Akku, eine M-Kopa Kontrolleinheit mit Lithium Akku, vier LED-Lampen mit je 1,2 Watt, ein Ladekabel für das Mobiltelefon und eine LED-Taschenlampe. Würde man das über Ebay kaufen, müsste man maximal die Hälfte des Preises bezahlen.

Der Preis für einen 60 cm Flachbildfernseher mit Solar Kit beläuft sich auf unglaubliche 644,88 Dollar (Stand Januar 2019), wenn der Kaufpreis finanziert wird. Aber auch ohne Finanzierung beträgt er noch sehr stolze 546,61 Dollar. Ein Flachbildfernseher, der bei Ebay unter 100 Euro zu haben ist, mit einem Solar-Kit, welches im Maximalfall mit weiteren 100 Euro zu Buche schlägt, lässt erahnen, welche Gewinnspannen hier zur Rettung des Klimas, auf Kosten der Ärmsten der Armen, gemacht werden.

Hinzu kommt das Problem, dass die Gewährleistungstermine für die Geräte in Afrika sehr kurz sind. Für den Fernseher beträgt die Frist wie in Deutschland 24 Monate, aber für die Zubehörteile lediglich ein Jahr. Wenn die Produkte nach dieser Zeit defekt sind, muss der Konsument zwar weiterzahlen, aber die Reparatur oder den Ersatz aus eigenen Mitteln bestreiten.

Die Ausbeutung der afrikanischen Ärmsten ist ein so vielversprechendes Geschäft, dass sogar der US-Präsident Obama Zeit fand, M-Kopa zu besuchen.

Darlehen und Schulden ohne Ende werden ganz offensichtlich angepriesen als Lösung der Klimakrise. Erscheint es nicht so, dass hier die »Retter« und deren Wirtschaftssystem auf dem Rücken der Ärmsten gerettet werden sollen?

»Das Team der Gates Foundation sah in M-KOPA eine Gelegenheit zu zeigen, dass mobile Finanzdienstleistungen Unternehmen helfen könnten, mehr wertvolle Produkte in die Hände eines neuen Marktes begeisterter Verbraucher zu bringen (…).« Nein, das ist keine Satire, sondern das »Grünwaschen« der Ausbeutung. Aber der Artikel im Stanford Social Innovation Review geht noch weiter, jedoch sprengt das dieses Format.

Was selten oder gar nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass die M-Kopa-Solarpanels, Fernseher usw. nicht vor Ort hergestellt werden, sondern »von Überseemärkten bezogen« werden. Obwohl das Unternehmen angeblich geplant hatte, dass Solarmodule in den nächsten Jahren vor Ort hergestellt werden könnten, wird das wohl nur der Fall sein, wenn Kenia sich stärker mit China verbindet. Denn nur China sieht vor, echte Investitionen in die lokalen Märkte zu unterstützen, welche dann zur Generierung von Wohlstand in diesen lokalen Märkten führt. Natürlich auch nicht ohne Hintergedanken: Wohlhabendere Länder werden in der Lage sein, Chinas Produkte in noch größerem Maße zu kaufen.

Während also Chinas Bemühungen darauf hinauslaufen, die Armut in den Zielländern ihrer Aktivitäten zu beseitigen, damit dann bessere Geschäfte mit ihnen möglich werden, muss im Kontrast dazu ein Artikel vom 19. März 2018 gesehen werden. Darin wird mitgeteilt, dass M-Kopa 450 Mitarbeiter entlässt, um die Kosten zu senken.

Ein Artikel in Quartz Africa schafft es sogar, die Entlassungen in einem Atemzug mit »Nachhaltigkeit« zu bringen, nennt aber, das muss man fairerweise auch sagen, am Ende doch das eigentliche Ziel der Maßnahmen.

»M-Kopa, der kenianische Pay-per-Use-Solarstromanbieter, baut [Anmerkung: Personal] ab, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, langfristige Nachhaltigkeit zu gewährleisten und die Rendite für Investoren zu erhöhen.«

Fazit

Statt fließendes Wasser, Strom und Abwasser wollen westliche „Entwicklungshelfer“ und Investoren lieber Fernseher und Mobiltelefone sowie Kredite verkaufen und Daten sammeln. Dabei wird übersehen, dass das Herauspressen von zweistelligen Profiten aus den Ärmsten der Armen nichts anderes als die Neuauflage des Kolonialismus ist. Und wer jetzt sagt „Aber wir zahlen ja so viel Entwicklungshilfe“, dann mag er bedenken, dass dies der Steuerzahler bezahlt, nicht die von der Ausbeutung profitierenden Investoren, und außerdem Generationen von Ministern immer wieder darauf hinwiesen, wie dadurch der heimischen Industrie geholfen wird.

Während der Westen Angst davor hat, dass bei einer Industrialisierung Afrikas Konkurrenz entstehen könnte, sieht China diese als Chance an, Kunden zu gewinnen, welche höherwertige Produkte importieren können. Weder China, noch der Westen leisten „Entwicklungshilfe“ uneigennützig. Aber wenn die Politik des Westens in erster Linie eine kleine korrupte Elite reich macht, erkennen viele Intellektuelle in Afrika, dass das chinesische Modell die Möglichkeit eines „Wirtschaftswunders“ eröffnet.

Und längst hat die Welt außerhalb des Westens erkannt, dass die Forderung von „liberaler Demokratie“ in erster Linie dazu dient, westliche Überproduktion in die Armen Länder zu schleusen, und dass dabei dort entstehende Industrien, die natürlich noch nicht konkurrenzfähig sind, vernichtet werden. Während das Modell, welches China vorschlägt, den Ländern ihre Souveränität über Zölle und Einfuhrsteuern belässt, ist der Wegfall derselben eine Voraussetzung für westliche Kredite.

Und so wurde in den Entwicklungsländern längst klar, dass die verunglimpfende Bezeichnung „Autoritäre Herrschaft“ oft angewandt wird, wenn den Geiern des Westens der Zugang zu Märkten und der Ausbeutung der Länder verwehrt wird. Aber China hat gezeigt, was wirtschaftlich möglich ist, wenn man durch einen starken Staat und Schutz der eigenen Industrie eine Industrialisierung erreicht. Der Westen hat zu spät erkannt, dass China mehr als eine billigere verlängerte Werkbank ist.

Die nächsten 5 Jahre werden zeigen, ob das Modell des Multipluralismus innerhalb seiner Apologeten zu weniger Krieg, Sanktionen und mehr Wirtschaftswachstum und Frieden führen wird. Wenn Saudi Arabien und der Iran Verhandlungen führen, wenn andere frühere Vasallen Washingtons zunehmend auf Eigenständigkeit pochen und in Richtung Multipolarismus tendieren, gibt das Hoffnung.

Meiner Meinung nach kann das der Westen nur noch durch einen großen Krieg verhindern. Die wahnsinnige Aufrüstung deutet überdeutlich auf diese Gefahr hin. Aber noch sollte man hoffen, dass die Falken in ihre Schranken verwiesen werden. Und ähnlich wie bei den Sanktionen gegen Russland, wird ein solcher Krieg dem Westen mehr auflasten als seinen Gegnern. Hoffentlich begreifen die Gesellschaften des Westens das im letzten Moment.

Quellen:

https://www.survivalinternational.org/articles/biggreenlie

Bitte die verlinkten Quellen aus der Originalseite benutzen

https://www.politikchronist.org/index.php/shop/product/72-greta-klima-und-corona-paperback.html Bitte folgende Quellen berücksichtigen:

http://solar.m-kopa.com/about/

http://www.wrongkindofgreen.org/2019/01/28/the-manufacturing-of-greta-thunberg-for-consent-the-most-inconvenient-truth-capitalism-is-in-danger-of-falling-apart/

https://www.thewealthrecord.com/celebs-bio-wiki-salary-earnings-2019-2020-2021-2022-2023-2024-2025/politician/al-gore-net-worth/

http://solar.m-kopa.com/about/investors/

http://www.m-kopa.com/generation-investment-management-leads-19m-equity-round-in-m-kopa-solar/

http://solar.m-kopa.com/our-board/

http://solar.m-kopa.com/about/investors/

https://www.bloomberg.com/features/2015-mkopa-solar-in-africa/ Alleine wegen den Fotos lohnt es sich, dem Link zu folgen.

https://www.afrik21.africa/en/niger-citytaps-raises-e-1-million-and-signs-with-veolia-africa-for-prepaid-water/

https://www.namibian.com.na/176678/archive-read/Residents-reject-prepaid-water-meters

https://www.businessdailyafrica.com/Corporate-News/M-Pesa

http://venturesafrica.com/kenyas-safaricom-ceo-becomes-the-fourth-african-to-join-the-b-team/

https://ssir.org/articles/entry/banking_on_the_poor

http://www.m-kopa.com/products/

https://www.amazon.com/Foldable-HKYH-Lighting-Charger-Emergency/dp/B013BBD70O

https://www.forbes.com/sites/tobyshapshak/2016/01/28/how-kenyas-m-kopa-brings-prepaid-solar-power-to-rural-africa/#3cd441a52dbf

https://www.businessdailyafrica.com/Corporate-News/M-Pesa

https://ssir.org/articles/entry/banking_on_the_poor

https://www.businessdailyafrica.com/markets/marketnews/Solar-firm-M-Kopa-lays-off-450-staff-to-cut-costs/3815534-4348416-561ghj/index.html

https://qz.com/africa/1229170/m-kopa-solar-lays-off-kenya-uganda-staff-as-it-restructures/

https://kenyanwallstreet.com/m-kopa-solar-receives-10-million-investment-after-sacking-150-employees/

https://www.applicita.com/

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Martin Janca / shutterstock

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Kommentare (3)

3 Kommentare zu: “Die grüne Afrika-Lüge des Westens | Von Jochen Mitschka

  1. PeterLau sagt:

    Lieber Herr Mitschka,
    könnten Sie zustimmen, wenn ich sage, dass der Flecken, wo der Mensch lebt, mindestens mal alle Menschen vor Ort ernähren sollte? Und das diese "Ernährung" nachhaltig sein sollte, also der örtliche Boden, die Luft, das Wasser, etc auch eine Ernährung in der Zukunft zulassen?
    Ich meine, dass sollten die allgemeinen Grundsätze des Lebens auf der Erde sein. Und sie waren es ganz sicher bis zum Beginn des 20. Jhd.
    Nur im 21. Jhd gelten sie nicht mehr. Selbstverständlich sind sie nach Namibia gezogen und haben gedacht, mit meinem Geld kann ich mir immer was zu Essen kaufen, egal wo es her kommt. Also erklären Sie mal wie sich die Menschen in Namibia ernähren? Wo kommt das ganze Essen her? Aaah, die Bauern mästen Rinder auf ihren "Weiden" im südliche Teil Afrikas und Sie essen das Fleisch. Fahren Sie dochmal durch Ihr Afrika und erklären, ob das nachhaltig ist. Wieviele Wasserstellen sind denn schon ausgetrocknet, versalzen, weil das Vieh zu viel genommen hat davon? Wo kommt (kam) denn ihr Feuerholz her für das abendliche Heizen des Hauses?
    Um es kurz zu machen, Sie persönlich leben auf Kosten der Zukunft Afrikas [als Teil der Erde, nicht als politisches Gebilde]. So wie viele Andere auch. ABER nicht alle. Es gibt viele Afrikaner, die sich über genau das viele viele Gedanken machen.
    Und jetzt noch eine Frage, auf die Sie im Artikel nicht eingehen. Was meinen Sie hat denn der Afrikaner so gekauft vor den Solarpaketen etc.? Ein Handy! Wegen Internet und so. Eine Taschenlampe hatten doch schon alle seit langem. Den Strom braucht man für das Handy. Und das Internet werden sie heute keinem Menschen auf der Erde abschlagen können. Also will jeder ein Handy. Und damit braucht man Strom und Geld, mit beidem hat manch ein Afrikaner vorher noch nie Kontakt (so hab ich es in Uganda erlebt).
    Sie betrachten mit gutem Recht, wie die Afrikaner abgezockt werden. Aber ist das nicht überall auf der Erde so? Meine Nachbarin kauft sich ein E-Bike für 4500EUR. Da sage ich ihr, hmmm, mein kleiner 35PS Trecker, 58 Jahre alt, kostet gebraucht genauso viel (inkl. Frontlader und Schippe)… Ist das E-Bike keine Abzocke? So wie für den Solar TV in Kenia – beides wird nicht wirklich gebraucht.
    Also noch mal zurück zum Anfang – wie ist es mit dem Leben in Afrika und worauf kommt es wirklich drauf an? Und bevor Sie mit dem Finger auf Andere zeigen, wieviel Lebensmittel schaffen ihre eigenen Hände, wieviel Luft zum Atmen schaffen Sie mit ihren eigenen Händen (hat was mit Wald zu tun)? Wieviel tragen Sie dazu bei, dass die Erde auch noch ein Morgen hat, und ich meine nicht als atmospärenloser Wüstenplanet sowie der Mars?
    Und bitte, mein Kommentar ist nicht gegen Sie gerichtet.

  2. Ursprung sagt:

    Leben
    Dessen Mysterium scheint zu sein, Materie sich "fuehlen" zu lassen. Also Bewusstsein zu schoepfen.
    Wie anders ist Biologie erklaerbar, die nur ueber zeitlich begrenzte Individuen manifest werden kann?
    Nichts anderes beschreibt hier Mitschka, kopfschuettelnd, wenn er von der Profitgier bis Kannibalismus unserer Systeme berichtet. Scheiss auf Zeit oder Langzeitfolgen: Hauptsache individueller Profit, wurscht ob zerstoerich oder nicht.
    Offenbar sind wir nur benutztes Werkzeug. Wirklich auf dem Weg in die Bewusstheitswerdung von Materie/mc-quadrat?

  3. Schramm sagt:

    Aspekte zum Bourgeoissozialismus Chinas in Afrika.

    Schramm sagt: Es gibt keinen bösen westlichen Imperialismus und schönen fernöstlichen Kapitalismus und Bourgeoissozialismus, auch nicht für Afrika.

    ►Jochen Mitschka sagt: »Aber wenn die Politik des Westens in erster Linie eine kleine korrupte Elite reich macht, erkennen viele Intellektuelle in Afrika, dass das chinesische Modell die Möglichkeit eines „Wirtschaftswunders“ eröffnet.«

    Vgl. Die grüne Afrika-Lüge des Westens | Ein Standpunkt von Jochen Mitschka auf apolut.*

    Info-Kommentar und Empfehlung:

    Schramm sagt: Der westliche Imperialismus und fernöstliche Bourgeoissozialismus stopft sich mithilfe der heimischen Oligarchen und korrupten afrikanischen Eliten wechselseitig und auf Kosten der Ausbeutung der Völker Afrikas die Taschen voll!

    ►Merke: Die bürgerlich-idealistische Traumtänzerei ist keine Aufklärung über die imperiale Wirklichkeit, nicht nur in Afrika.

    »Hinter den ausländischen Direktinvestitionen steht eine Idee: Profitsicherung. Als 2008 die Grundnahrungsmittelpreise in die Höhe schnellten, sicherten sich devisenstarke Regierungen aus den Golfstaaten sowie China grossflächige Anbauflächen besonders in Afrika. Damit wollen sie sich von den schwankenden Weltmarktpreisen unabhängig machen. Als Folge der hohen Korruptionsrate wird die lokale Bevölkerung unzureichend oder gar nicht in die Verhandlung über die Anbauflächen, die sie seit Generationen bewirtschaften, einbezogen. Daraus resultieren oft Umsiedlungen und Vertreibungen, nicht selten tatkräftig unterstützt vom örtlichen Militär.«

    Siehe: Land Grabbing – Raubzug auf Afrikas Kleinbauern (umweltnetz-schweiz.ch)

    »Die betroffenen afrikanischen Staaten haben bei weitem nicht die finanziellen Möglichkeiten für all die in den vergangenen Jahren realisierten Megaprojekte und sind im Begriff, sich massiv zu verschulden. In Kenya beispielsweise machen die Kredite aus China 72% der bilateralen Verschuldung des Staates aus, acht Mal so viel wie gegenüber dem zweitgrössten Gläubiger Frankreich. Guelleh, seit 1999 Präsident von Djibouti, hat Auslandschulden angehäuft, die nun 90% des BIP ausmachen; grösster Gläubiger ist China. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IMF) ist die Verschuldung der subsaharischen Länder von 2013 bis 2017 von durchschnittlich 34% des BIP auf 53% gestiegen. Das liegt vor allem an den chinesischen Krediten, von denen zwischen 2000 und 2017 143 Mrd. $ nach Afrika flossen.

    Abhängig wegen Verschuldung

    Wenig ist bekannt über die Details der Verträge zwischen China und afrikanischen Staaten. Experten nehmen an, dass sie oft Klauseln enthalten, die den Chinesen bei Nichtbezahlung der Schulden das Recht einräumen, ein Projekt «zurückzunehmen». Das geschah vor kurzem in Sri Lanka, das die chinesischen Kredite nicht begleichen konnte, mit denen der Hafen Hambantota ausgebaut wurde. Die Regierung war gezwungen, Peking den strategisch wichtigen Hafen mitsamt 60 Quadratkilometer Land für eine 99-jährige Pacht zu überlassen.«

    Vgl. China und Afrika – eine hoffnungsvolle, aber gefährliche Liaison | NZZ
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/eine-hoffnungsvolle-aber-gefaehrliche-liaison-ld.1418336

    ►Info-Empfehlung: Land Grabbing | gesichter-afrikas.de

    ►Für das MEZ Berlin, nur ein Akt der Menschenliebe?
    Siehe: Land Grabbing: China als neuer Kolonialherr in Afrika?
    Land Grabbing: China als neuer Kolonialherr in Afrika? – Marx-Engels-Zentrum Berlin (mez-berlin.de)

    * Vgl. Die grüne Afrika-Lüge des Westens | Von Jochen Mitschka – apolut.net
    https://apolut.net/die-gruene-afrika-luege-des-westens-von-jochen-mitschka/

    04.08.2022, R.S. (Zusammenfassung)

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