Deutschland – ein schwarzes Loch der bitteren Erkenntnis?

Ein Kommentar von Dirk C. Fleck.

Das Leben ist im Zustand rasenden Verfalls, lese ich bei Antonin Artaud, und es sei keine neue Philosophie erforderlich, damit wir diesen rasenden Verfall empfinden. Millionen von Menschen, die sich früher in ehrgeizigen Träumen von materiellen Erfolgen und Ruhm ergingen, empfinden diesen Verfall sehr schmerzlich, sie sind inzwischen umgeschwenkt und träumen vom „wahren Leben“. Auch hier im Burgenland, wo sich selbst in den kleinsten Dörfern Aussteiger und Einheimische zu ganz neuen, funktionierenden Gemeinschaften zusammen finden. Dieser Zusammenschluss passiert unaufgeregt und im gegenseitigen Respekt. Das fühlt sich gut an, weil es so selbstverständlich ist. Unter der Decke aus feuchtem Mehltau, die auf Deutschland liegt und die ich kurz vorm ersticken noch von mir streifen konnte, befand ich mich in permanent frierender Abwehrhaltung. Das Leben füllte mich nicht aus, schon gar nicht auf. Es saugte noch die letzten Restbestände an Lebensfreude aus mir heraus.

Deutschland: ein schwarzes Loch der bitteren Erkenntnis? So könnte man es formulieren. Kultur? Deutschland fasst Kultur als Firnis auf, weil es vergessen hat, was Kultur einmal war, als sie wirklich existierte. Dabei ist es unmöglich, dem Wort Kultur seinen eigentlichen Sinn zu nehmen, den Sinn restloser, gewissermaßen magischer Veränderung – nicht des Menschen, sondern des menschlichen Wesens. Bei einem Menschen, der wirklich Kultur hat, steckt der Geist im Körper und bildet mit Hilfe der Kultur seinen Körper aus, was besagt, dass er gleichzeitig seinen Geist ausbildet.

Während in großen Zeiten Philosophien das Leben lenkten, und die Politik ins Dasein riefen,“

schreibt Artaud,

„züchtet sich nun gerade umgekehrt jedes neue politische System Vordenker, die klägliche Anstrengungen unternehmen, seine Demagogie zu rechtfertigen.“

Erstaunlich an der perversen Manipulation, die sich die Eliten mithilfe der gekauften Medien heute erfolgreich leisten, ist, dass es keine Revolutionen mehr gibt, ob auf der Straße, im Cyber-Space oder mit dem Dolch im Gewande. Wozu werden eigentlich Revolutionen gemacht, wenn nicht zur Herstellung des sozialen Gleichgewichts und um der Ungerechtigkeit des Lebens eine Spritze Gerechtigkeit zu verpassen?

Die Zeit ist viel zu groß, so groß ist sie.

Sie wächst zu rasch. Es wird ihr schlecht bekommen.

Man nimmt ihr täglich Maß und denkt beklommen:

So groß wie heute war die Zeit noch nie.

Sie wuchs. Sie wächst. Schon geht sie aus den Fugen.

Was tut der Mensch dagegen? Er ist gut.

Rings in den Wasserköpfen steigt die Flut.

Und Ebbe wird es im Gehirn der Klugen.

Der Optimismusfink schlägt im Blätterwald.

Die guten Leute, die ihm Futter geben,

Sind glücklich, daß sie einen Vogel haben.

Der Zukunft werden sacht die Füße kalt.

Wer warnen will, den straft man mit Verachtung.

Die Dummheit wurde zur Epidemie.

So groß wie heute war die Zeit noch nie.

Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung.

ERICH KÄSTNER

Das merkwürdige an dieser melancholischen Bruderschaft, zu der Kästner gehört und zu der ich mich auch zähle, ist, dass ihre Mitglieder unangetastet bleiben, obwohl sie doch Zeugen all der Tränen, Ängste, Missverständnisse und Vergewaltigungen, Zeugen für das gesammelte Aufgebot gegen die Lebensfreude werden. Da fällt mir ein Dialog aus dem Film SCHATTEN DER SCHULDein, mit einem großartigen Nick Nolte in der Hauptrolle:

Ich habe gleich gespürt, dass Sie zur Bruderschaft gehören.

Zu welcher Bruderschaft?

Zur Bruderschaft der verwundeten Seelen. Das ist die größte Organisation der Welt und das irre ist, dass die Mitglieder absolut unfähig sind, miteinander zu reden.

Wer mit der Analyse dieses aberwitzigen Treibens einer durch geknallten Finanz- und Politelite abgeschlossen hat, wer sein Empörungspotential erschöpft hat und sich nun dem wirklichen Leben zuwendet, wünscht sich plötzlich, dass andere Menschen dasselbe sehen sollen wie er selbst. Warum?

Weil wir noch eine Weile leugnen, dass unser Leben eine Insel im Ozean der Einsamkeit ist,

wie Khalil Gibran (1883 1931) es formulierte.

Für die Wachgebliebenen in unserer narkotisierten Zivilgesellschaft sind die Kraftspeicher fast leer. Jetzt gilt es, angesichts einer amoklaufenden Finanz- und Politelite, die nicht nur den Ökozid nach Kräften befördert, im geostrategischen Ränkespiel wieder offen auf die atomare Karte setzt und im Schatten einer wohl inszenierten „Pandemie“ die Kontrolle über jeden Einzelnen von uns zu gewinnen versucht, nicht den Verstand zu verlieren.

Der Schritt ins Burgenland war richtig. Ich werde erschlagen von der Schönheit dieser Landschaft. Aber sie erreicht mein Herz noch nicht. Über allem, egal wo ich kurzfristig Zuflucht suche, begleitet mich noch immer eine unerträgliche Schwermut, Sie hat mich im Würgegriff – ein Nachschlag aus Deutschland. Allerdings habe ich das unermessliche Glück, in eine Liebesgeschichte gefallen zu sein, eine Liebesgeschichte zu dritt, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte. Zwei Männer, eine Frau. In Gegenwart dieser wunderbaren Personen werde ich meiner Worte beraubt. Sie erscheinen mir lächerlich in dem Bemühen, die Essenz zu beschreiben, den Geschmack, den Duft, die Anmut mit der jede Sekunde in ihrer Gegenwart spielerisch um sich wirft. Musik ist das Einzige, mit dem man sich einer solchen Glückseligkeit nähern kann. Ich fand eben zufällig (?) ein Foto im Internet, es zeigt eine Frau, die bei geschlossenen Augen Violine spielt, während ihr die Tränen übers Gesicht laufen. Das meine ich: Bilder, Gedanken, Gefühle fügen sich in unserer Welt auf magische Weise zusammen. Sie scheinen mir unentwegt sagen zu wollen, dass kein Zweifel daran besteht, dass wir trotz aller geistigen Beschränktheit immer zu Hause sind, wo denn auch sonst. Wir müssen nur ein Gefühl dafür entwickeln. Mit den beiden Mitreisenden an meiner Seite (eigentlich bin ich der Mitreisende) fällt mir das vermutlich nicht schwer.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:   Victorpr / shutterstock

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Kommentare (8)

8 Kommentare zu: “Deutschland – ein schwarzes Loch der bitteren Erkenntnis?

  1. Fass sagt:

    Für's Ausreisen langt es bei mir nicht (mehr). Aber das -Auf-sich-Konzentrieren- ist eine gute Lösung, innere Emmigration, eine gute Zeit bis zum gesellschaftlichen Frühling.

  2. Lieber Dschirkowitsch!
    Du erinnerst Dich wohl nicht an mein Gedicht… "Die Zeit"? Nicht zur Zeit der Pandemie geschrieben sondern etwa 1985….

    Geweiht ist die Zeit.
    Man wird stumm.
    Es ist nicht mehr weit,
    das „Warum?“
    Es hemmt, ist existent, ist Neugier und rührt Gründe an,
    an denen niemand etwas ändern kann.

    Die Zeit, sie tickt nicht richtig!
    Ist sie unwichtig und nichtig?

    Die Zeit, das große Metronom,
    bestimmt den Takt vom großen Strom.
    Welcher ist diese Entwicklung, das Leben, ja, das Sein.

    >>Geweiht sei die Zeit – kurzes Leben lang.
    Doch:
    Empfindungsmessung normengleich,
    Herzschlag, Liebe pro Sekunde – hochgerechnet auf die Stunde,
    aber nicht in aller Munde.
    Dieses öffnend-schließende Organ
    verstummt selten noch vor Scham.
    Es gehört sich auszusprechen, was uns auf der Zunge liegt.
    Mag es Freundschaft, Liebe brechen – diese Lügenwahrheit siegt!

    Unüberlegte Worte schießen – gleichsam ist des Herzensschuß –
    auf das arme Opfer nieder: „Es ist Schluß! Ohne Kuß!“

    Geweiht ist die Zeit mit Abschiebung …
    Unangenehmes weichgespült oder eliminiert.
    Nur die Leistung existiert.
    Alte, Irre und die Kranken
    bringen das System ins Schwanken.

    Die Zeit, geweihte, wird sich ändern.
    Weiche Glockenklänge klingen von der Rathausuhr herab
    Drücken nieder kalte Schänder, in ihr zeitbestimmtes Grab?
    Ohne Hass, doch in der Hoffnung, dass die Zeit geweiht sein wird.
    Doch wer daran wagt zu hoffen, der zweifelt auch, ob er nicht irrt. <<

  3. wasserader sagt:

    Die Sehnsucht der indigenen Deutschen nach dem Paradies .
    Aber auch im Burgenland
    wählen die Menschen die globalisierungsfaschistischen Parteien
    Rot-Grün-Türkis und damit die die Machtkonsolidierung der Politik der globalen Konzerne .
    "Es gibt kein ruhiges Hinterland" las ich kürzlich als Graffiti in der Umgebung Wiens .

  4. Ursprung sagt:

    Je aelter und mehr "gesettled" man geistig war, umso groesser ist die Fallhoehe. C. Fleck hatte bereits eine Faehigkeit als Author erreicht, die enorm war. Der Entzug der vermeintlichen Kulturbasis, den jetzt alle "Kultur" empfundenen angesichts eines offenbar angelaufenen Genozidsversuch an nach Gate`s TV-Worten 7 Milliarden Menschen empfinden, aehnelt gefuehlten Tsunamis.
    Doch am Ende gemach: Psychos unter uns Hirnverquasten hats wohl immer gegeben. Jedenfalls die letzten 8 bis 12 T Jahre lang. Fuer vorher finden die Praehistoriker 300 T Jahre lang keine in dieser Art interpretierbare Artefakte (die lassen andere Schluesse zu).
    Psychos sind eher eine Erscheinung der Neuzeit, siehe Mumien in Idiotensteinhuegeln Aegyptens.
    Die Hoehlenmalereien in Lasceaux vor 30 T Jahren waren noch echte Kultur und dienten vermutlich dem Gemeinwohl.
    Die Cheops, Auschwitz und Merkels/Soeders "Spritze macht frei" dient nicht dem Gemeinwohl, sondern Psychos beim massenmorden. Sowas ist, zugegeben, betrueblich fuer empfindsame Gemueter wie Dirk C Fleck und generell Sterbliche. Auch fuer mich.
    Aber doch nicht neu!
    Also: nicht Truebsal blasen. Erstmal anpacken. Ueberleben wirs, koennen wir uns wieder in Kultur, Feingeist und ruhigeren Gefilden ergehen oder Sprachkunstwerke drechseln.

  5. Eine tumbe Doitsche Mehrheit hat mit ihrer seit Jahrzehnten höchstgerichtlich bescheinigten, also Doppel- FEHLWAHL, Demokratie verspielt (Friedemann Willemer "Vom Scheitern der repräsentativen Demokratie") fand ich in "Apolut" .

    Und da erinnerte ich mich an den Mittelalter-Spruch aus "SCHLACHTHOF 5 oder Der Kinderkreuzzug" (Kurt Vonnegut) : "Gott, gebe mir die KRAFT, Dinge zu ändern, die zu ändern ich imstande bin, die ruhige GELASSENHEIT Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die WEISHEIT, beides voneinander zu unterscheiden."

    Und Dein Wechsel ins Burgenland kam erst nach dem "Aber ich habe es wenigstens versucht!" des McMurphy/Jack Nicholson.
    Der CORONA-Faschismus wird wohl vermutlich gerichtsfest mit diversen Haftstrafen für ReGIERungsfaschisten weltweit und hoffentlich nicht allzu vielen spontanen Lynchjustiz-Opfern enden. Das verspricht die erlesbare Sachlage, der (ür mich) subjektive Sachstand von fahrlässigem versuchten Massenmord per Sofortmord und Langzeitschäden durch mRNA Gen-Experimentspraktizierung. Musterprozesse in Kanada und den USA sind bereits im Gange. Bauernopfer anstatt Gates und Merkel sind bereits im Auswahlprpzess befindlich.

    • Kaja sagt:

      Ich will Frau Merkel, Herrn Schwab, Herrn Gates, Herrn Elon Musk, Herr Oberbürgermeister von Berlin – Michael Müller, Herr Spahn, Frau Giffey und und und im Knast für den Rest deren Lebens verwahrt wissen!
      Klabauterbach bekommt ein Einzelzimmer in der Forensik (Gerichts-Klapse) auf Dauer seines Rest-Lebens.

  6. Kästner mit Klarblick. Denn die Tyrannen bleiben die gleichen.
    Ist das Foto gestellt?
    Wenn nicht: Dummheit kennt keine Grenzen.

    • Rulai sagt:

      https://t.me/antiilluminaten/26490

      Dieses zweijährige Kind hat mehr Intelligenz als die Frau auf dem Foto.
      Es versucht, die Maske immer wieder abzunehmen.
      Die Kindergärntnerin jedoch kennt keine Gnade und auch kein Mitgefühl.
      Sie ist ein Folterknecht.
      Ich verstehe die Sachzwänge nicht, die die Mutter des Kleinen davon abhalten,
      ihr Kind wieder mitzunehmen.

      Diese Schwermut, Herr Fleck, kenne ich gut.
      Sie lastet auf mir, wie der vergiftete Himmel auf der Natur.

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