Wölfe wider Willen | Von Rudolf Hänsel

Ein Standpunkt von Rudolf Hänsel.

Um Kriege zu rechtfertigen, versuchen Wissenschaft und Politik uns einzureden, dass alle Menschen von einem natürlichen Aggressionstrieb beherrscht würden.

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, schrieb der römische Dichter Plautus. Dieser Satz wurde von Machthabern und Kriegstreibern nur zu gern verwendet, um zu begründen, warum Krieg und Gewalt in der Geschichte nie aufgehört haben. Auch Forscher wie Sigmund Freud oder Konrad Lorenz bestätigten die These, dass in allen Menschen ein Gewaltpotenzial schlummere. Deshalb zögen sie auch so „gern“ in den Krieg, einem unwiderstehlichen Drang folgend. Aber ist es wirklich so? Würden Menschen ohne äußeren Grund, ohne Zwang und Propaganda ihre Heimat und ihre geliebten Angehörigen verlassen, um ihnen völlig fremde Menschen zu töten oder sich von ihnen töten zu lassen? Die Hypothese eines natürlichen Aggressionstriebs macht es den hauptsächlich Schuldigen allzu leicht, das Ergebnis ihrer Taten auf eine wie immer geartete menschliche „Natur“ zu schieben. Der Mythos, der dies behauptet, ist tief im kollektiven Unbewussten verankert — ebenso wie eine Reihe anderer irrationaler Konzepte. Nur Aufklärung kann uns von ihrem Einfluss befreien. Jeder kann das ihm in der Erziehung eingeflößte, archaische Bild vom Menschen korrigieren, um auf der Basis eines naturwissenschaftlichen Menschenbildes denken zu lernen, sein Leben besser zu verstehen und besser zu leben.

„In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn es passiert, kann man darauf wetten, dass es so geplant war.“

Das oben erwähnte Zitat, das dem US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt (1882 bis 1945) zugeschrieben wird, sei in der Diplomatie gang und gäbe. Untersucht man relevante politische Entscheidungen unter diesem Aspekt, gehen einem die Augen auf. Als Mitmensch fühlt man sich jedoch mitverantwortlich für das Schicksal der Menschen, weil man in der Regel tatenlos geschehen ließ, dass eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit lebt. Dabei ist die Welt so reich, dass alle Menschen ohne Ausnahme im Wohlstand leben könnten. Aber das wird nicht zugelassen. Auch Ungerechtigkeiten müssten nicht sein; niemand würde in seinem Leben zu kurz kommen. Hunger und Not würden ebenfalls nicht aufkommen. Doch die Herrschenden und ihre Politiker haben geplant, das naturwissenschaftliche Menschenbild nicht aufkommen zu lassen, damit die Menschen nicht denken lernen und ihr Leben besser verstehen sowie besser leben.

Anthropologische Prämissen der Natur des Menschen

Menschenbild und Weltsicht sind für das Individuum von großer Bedeutung, ob sie ihm bewusst sind oder nicht. Das Menschenbild umfasst Ansichten über die Natur des Menschen, über seine Lebensbedingungen und Entwicklung, über seine Stellung in der Natur, im Kosmos und in der Gesellschaft. Jede Theorie über den Menschen hängt von anthropologischen Prämissen seiner Kultur ab, von der Vorstellung über die menschliche Natur und damit auch von der Weltanschauung.

Das Konzept der Natur des Menschen impliziert aus naturwissenschaftlicher Sicht die völlige Abwesenheit genetisch determinierter aggressiver Triebe. Dadurch ergeben sich die Fähigkeit des Menschen und die Notwendigkeit, ohne Gewalt und Krieg in einer friedlichen Gesellschaft zu leben und sich darin zu organisieren.

Eine zweite Annahme resultiert aus der biologischen Existenz des Menschen: Der Mensch besitzt keine vorausdefinierten Instinkte; bei seiner Geburt verfügt er lediglich über ein paar Reflexe.

Daraus folgt, dass die intellektuellen Fähigkeiten, die gefühlsmäßigen Reaktionen, die subjektive Bestandsaufnahme der Umwelt, die geistigen Vorstellungen der Außenwelt und die Persönlichkeit des Menschen durch Sozialisation erworben werden. „Sozialisation“ als lebenslanger Lernprozess der Eingliederung beziehungsweise Anpassung des heranwachsenden Menschen in die umgebende Gesellschaft und Kultur. Menschen können und müssen alles lernen. Dieses Lernen setzt die Beziehung zu mindestens einem Mitmenschen voraus (1).

Arbeit, Liebe und Gemeinschaft als die drei großen Lebensaufgaben

Das menschliche Leben als Ganzes hat den Charakter einer Aufgabe. In jedem Augenblick unseres Daseins sehen wir uns vor Aufgaben gestellt, die wir zu bewältigen haben. Die drei großen Lebensaufgaben, die uns unausweichlich zur Auseinandersetzung drängen sind Arbeit, Liebe und Gemeinschaft. Dieser Auffassung des Individualpsychologen Alfred Adler kann man sich nur anschließen.

Die Notwendigkeit der Arbeit geht aus der Tatsache hervor, dass sich die Menschen nur erhalten können, wenn sie einer produktiven Tätigkeit nachgehen. Somit leisten sie einen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt, die den Bestand des Menschengeschlechts sichert.

Die Forderung der Liebe ist dadurch gegeben, dass die Natur die Zweigeschlechtlichkeit vorgesehen hat und damit die Aufgabe schuf, sich mit einem Liebespartner zu verbinden.

Arbeit und Liebe sind zugleich auch Gemeinschaftsfragen. Sie entspringen dem Umstand, dass der Mensch ein soziales Lebewesen ist und dass alle seine Lebensprobleme einen sozialen Charakter haben. Daraus lässt sich ableiten, dass zu einer gesunden Lebensgestaltung vor allem das Gemeinschaftsgefühl, die Verbundenheit mit den Mitmenschen erforderlich ist. Dieses äußert sich nicht nur in der Bereitschaft zur Arbeit und Liebe, sondern auch in der Anteilnahme zu Fragen des größeren Zusammenhangs, Fragen von Stadt und Land, Volk und Menschheit (2).

Die wichtigsten Grundsätze des Menschenbildes einschließlich soziobiologischer, erzieherischer und kultureller Dimensionen

Die erste Dimension ist die sozialbiologische. Sie lautet: Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Dabei hängen Überleben und Entwicklung der menschlichen Spezies von der gegenseitigen Hilfe (Peter Kropotkin) und der interpersonalen Beziehung ab. Schließlich ist der Mensch ein Kind seiner Kultur, der seinerseits Kultur schafft.

Die zweite, erzieherische Dimension besagt: Der Mensch ist abhängig von seiner Erziehung. Das heißt, Charakter, Verhalten und intellektuelle Fähigkeiten sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich im Rahmen interpersoneller Beziehungen und des soziokulturellen Milieus.

Die dritte, kulturelle Dimension besagt: Der Mensch ist ein Wesen der Kultur und abhängig von ihr. Das bedeutet, der Mensch erschafft sich sein Menschenbild; seine Weltanschauung beeinflusst seine Sicht vom Menschen, seine Sicht der Erziehung und seine interpersonalen Beziehungen (3).

Als wissenschaftlicher Pädagoge und Psychologe mache ich mir vor allem Gedanken über das gegenwärtig noch existierende — weil gewollte — vorpsychologische und mittelalterlich anmutende Menschenbild, das einem zeitgemäßen naturwissenschaftlichen partout nicht weicht. Der Mensch wird dadurch nicht aufgeklärt.

Menschen sollen an einen Aggressionstrieb glauben, damit sie sich von ihrer Liebe und den Kindern trennen und in den Krieg ziehen, um zu töten und sich töten zu lassen.

Im Buch von Arno Plack aus dem Jahr 1973 „Der Mythos vom Aggressionstrieb“ schreibt der Wissenschaftler August Kaiser im Kapitel „Aggressivität als anthropologisches System“:

„Die Auffassung, dem Menschen wohne eine naturgegebene, angeborene Neigung inne, seinen Mitmenschen zu schaden, zieht sich durch die Jahrtausende menschlicher Kulturgeschichte wie ein roter Faden. Die Moralvorschriften aller Religionen enthalten Gebote im Sinne von „Du sollst nicht töten!“, womit die natürliche Neigung zum Bösen ausdrücklich als menschlicher Wesenszug angenommen wird. Heute zählt die Berufung auf theologische Auffassungen allerdings nicht mehr viel. Dem Bedürfnis nach wissenschaftlichen Erklärungen nachgebend, spricht man jetzt lieber von einem angeborenen ‚Aggressionstrieb‘ als von der Erbsünde.

Dieser ‚Aggressionstrieb‘ wird heute allgemein, außer von Fachleuten, als bewiesene Selbstverständlichkeit angesehen. Jeder Zeitungsleser oder Fernsehzuschauer kennt die Namen von SIEGMUND FREUD und KONRAD LORENZ, die durch ihre Arbeiten die Aggressionstrieb-Hypothese bewiesen zu haben meinten. Eine große Zahl von Schülern hat ihre Aussagen übernommen, ohne diese kritisch zu überprüfen und ohne neue Argumente beizutragen. Sind die Beweise für diese Hypothese wirklich erbracht? Oder hat die Aggressivität des Menschen andere Ursachen? Die Beantwortung dieser Fragen hat für die Menschheit schicksalhaften Charakter“ (4).

Es ist die gewalttätige Erziehung, die beim Kind Aggressionen auslöst. Diese sind anerzogen. Der Mensch wäre nicht imstande, seinen Mitmenschen umzubringen; das entspricht nicht seiner menschlichen Natur.

Das vorpsychologische Menschenbild geht davon aus, dass Menschen in den Krieg ziehen wollen. Doch das ist ein Betrug, ein Schwindel, ein großer Unsinn. Kein Mensch verlässt seine Liebe, kein Mann Frau und Kinder, um in den Krieg zu ziehen, andere umzubringen und sich selbst umbringen zu lassen. Das sagen nahezu alle jungen Menschen im vertraulichen Gespräch.

Die Theoretiker des Aggressionstriebes verstehen den Menschen nicht. In Wirklichkeit wollen die Menschen in ihrem Haus, Hof und Garten ruhig und in Frieden leben. Auf einmal sollen sie einen Aggressionstrieb haben und gegen das andere Volk in den Krieg ziehen wollen. Haben wir den Mut und die Geduld, unsere Meinung zu revidieren. Die psychologische Fakultät der Universitäten vermittelt in weltanschaulicher und politischer Beziehung leider viel Unsinn.

Die Beiträge im erwähnten Buch „Der Mythos vom Aggressionstrieb“ stammen von Vertretern verschiedener Wissenschaften, die alle mit dem Aggressionsproblem konfrontiert sind. Auf der Buchrückseite steht geschrieben:

„So wird von mehreren Seiten gezeigt, dass die Selbstverständlichkeit, mit der heute im Anschluss an Konrad Lorenz von einem angeborenen Aggressionstrieb gesprochen wird, keinesfalls berechtigt ist“ (5).

Menschen sollen durch autoritäre Erziehung das Folgen lernen und vor Mitmenschen Angst bekommen, damit sie sich nicht mit ihnen zusammentun, zusammenwirken und zusammenleben.

Nicht nur ausgewiesene wissenschaftliche Experten, sondern auch aufgeklärte Erzieher wissen seit Langem, dass die autoritäre, gewalttätige Erziehung aus der Zeit vor den großen Weltkriegen viel Schaden anrichtete, obgleich Eltern und Erzieher das nicht wollten. Die jungen Menschen sollten das Folgen lernen, damit sie als Erwachsene an Autoritäten glauben, ihre Befehle befolgen und in den Krieg ziehen (siehe Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß).

Die Erziehung in unserer Kultur ist nach wie vor darauf aufgebaut, dass wir Angst haben vor den Menschen. Die Art, wie die Erzieher mit dem Kind umgehen, erzeugt in ihm Gefühlsreaktionen, die sich gegen den Menschen wenden. Der junge Mensch hat Angst vor den Mitmenschen. Wenn er dann heranwächst, ist er nicht imstande zusammenzuwirken und zusammenzuleben. Er kann sich das Leben nicht gut einrichten.

Auch eine verwöhnende und verzärtelnde Erziehung ändert daran nichts. Dazu schreibt der bereits erwähnte Naturwissenschaftler und Psychologe August Kaiser:

„Eine autoritäre Erziehung erschöpft sich nicht in psychischer Gewaltanwendung, sondern umfasst eine Reihe von subtileren Methoden, mit denen das Kind bezwungen wird. Eine versteckte Form des Zwanges liegt in der Verwöhnung vor. Durch das Überschütten mit ‚Liebe‘, das Wegnehmen aller Mühe und Schwierigkeiten wird das Kind seiner Möglichkeiten zur freien Entscheidung und Auseinandersetzung beraubt, es wir in Abhängigkeit und Unabhängigkeit gehalten. Der Charakter des Kindes wird dadurch korrumpiert. Die Strenge erzwingt die Unterwerfung mit Gewalt, die Verwöhnung hingegen erkauft sie. Beides findet sich in der traditionellen Erziehung nebeneinander“ (6).

Hinzu kommt der Zwang der Erzieher. Das Kind versagt, wenn es bezwungen wird. Das liegt in seiner Natur. Es hat dann ein Unbehagen und kann nicht mehr lernen. Ohne Angst und Zwang lernt es gerne. Doch diese unglückliche Art der Erziehung wird auch in der Schule nicht aufgegeben.

Eigentlich ist die Schule das geeignete Werkzeug, um die Gesamtpersönlichkeit des Kindes zu bilden, meint Alfred Adler:

„Dass die Schule als die Basis der ganzen Erziehung des Volkes angesehen werden muss, daran ist kein Zweifel. Die Aufgabe der Schule ist: Wie entwickeln wir Menschen, die im Leben selbständig weiterarbeiten, die alle Erfordernisse notwendiger Art nicht als fremde Angelegenheit, sondern auch als ihre Angelegenheit betrachten, um daran mitzuwirken“ (7).

Wenn Studenten der Psychologie in der Universität nichts Vernünftiges kernen, werden keine Psychologen ausgebildet, die dem Menschen helfen wollen und können.

Tatsache ist, dass aufgrund mangelhafter Ausbildung an den Universitäten keine Psychologen herangebildet werden, die sich der Sache der Menschen annehmen.
Der Autor hat das selbst erlebt. Er hatte jedoch das Glück, dass er sich im Anschluss an sein Psychologiestudium der Tiefenpsychologie sowie der Psychotherapie zuwenden konnte.

Da der Mensch keine Ungleichheit, keine hierarchischen Strukturen verträgt, sollte auch die
Haltung eines echten Psychologen oder Psychotherapeuten von absoluter Gleichwertigkeit und Gewaltlosigkeit getragen sein. Weil zwischen einem Therapeuten und einem Patienten nur graduelle Unterschiede bestehen, sollten „Hilfesuchende“ einen geeigneten „Gesprächspartner“ finden, der die fundamentale Gleichheit im Verhältnis Therapeut-Patient wertschätzt und befolgt. Um sein Gegenüber — auch im Gefühl — erreichen beziehungsweise „berühren“ zu können, muss der Psychotherapeut zudem in der Lage sein, von einem akademisch-elitären Sprachgebrauch abzusehen und die jeweilige Sprache seines Gegenübers zu sprechen.

Menschen sollen nicht zur Vernunft kommen und denken lernen, weil sie sonst von der mystischen Auffassung Abschied nehmen und die Ungerechtigkeiten in der Welt nicht mehr sprachlos hinnehmen werden.

Die mystische Auffassung als Gegensatz zur wissenschaftlichen Sicht hatte schon die Gedanken der Philosophen, der neuhegelianischen und der libertären Sozialisten beschäftigt. Ludwig Feuerbach (1804 bis 1872) hatte gezeigt, dass jede Religion anthropomorph ist, dass der Mensch also schon vorhandene Anschauungen auf die religiöse Ebene projiziert, so dass etwa aus dem autoritären Vater der allmächtige Gott im Himmel wird. Karl Marx (1818 bis 1883) hatte darüber hinaus die Funktion der Religion für die Gesellschaft analysiert („das Opium des Volkes“) und mit der Einführung der materialistischen Geschichtsauffassung den Menschen vom Himmel herunter und auf die Erde gestellt.

Noch heute gibt es ernst zu nehmende, aufgeklärte Wissenschaftler und andere Zeitgenossen, die sich die Frage stellen, welche Wirkung eine religiöse Erziehung auf die seelische Gesundheit, auf die Fähigkeit adäquat zu denken und mit anderen in Beziehung zu treten, auf die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls und die spätere Entstehung von Neurosen haben kann. Da das vorpsychologische Menschenbild bewusst aufrechterhalten wird, deshalb verharrt der Mensch im Glauben.

Es gibt Zeitgenossen, die der Auffassung sind,

  • dass Kinder, denen in jungen Jahren mystische Vorstellungen aufgedrängt werden, kein Gemeinschaftsgefühl entwickeln,
  • dass dem in der mystischen Auffassung Erzogenen die irrationale Spekulation als Methode zur Erklärung von Sachen und Ereignissen dient,
  • dass sich die Spekulation zu einem mehr oder weniger bewussten „Deutungsorgan“ des Menschen entwickelt, das ständig im Unbewussten wirkt,
  • dass die Entwicklung des Einzelnen und der Menschheit wirksamer durch Prophylaxe gefördert werden kann als beim Erwachsenen in einer Psychotherapie und
  • dass eine rationale Erziehung ohne jegliche übernatürliche Instanz der Weg zu einer gesunden Entwicklung und einer würdigen Existenz des Menschen und der Gesellschaft ist (8).

Wir Menschen haben uns noch nicht gelöst vom Mittelalter. Das Ablehnen der Mystik fällt vielen sehr schwer; die Menschen sollen nicht zur Vernunft kommen. Sie sind eingebettet in den Glauben — und damit kann nicht nur die heutige Wirtschaft aufrechterhalten werden.

Heute glauben die Menschen, weil das künstlich aufrechterhalten wird. Die Menschen können lesen und würden sich abwenden und nicht mehr glauben. Aber das wird ihnen eingeflößt. Was sie in der Schule lernen, das bestimmt die Kirche. Die Lehrpläne für diese Institution werden vorwiegend von der Kirche erstellt. Staat und Kirche sind vereint und arbeiten Hand in Hand.

Vor vielen Tausenden von Jahren haben sich die Menschen Götter erdacht — und glauben heute noch daran. Die Psychologie versucht, die Natur des Menschen und sein Wesen zu erkennen, und erfährt dabei, dass die Mystik sie noch beherrscht.

Erst wenn Menschen ihr in der Erziehung erworbenes, vom Staat eingeflößtes Menschenbild korrigieren, haben sie ein Instrument in der Hand, um denken zu lernen und um das eigene Leben besser zu verstehen und zu gestalten.

Die Psychologie ist das Werkzeug, das die Menschen in die Lage versetzt, sich selbst, die politische Situation und die notwendigen gesellschafts- und kulturverändernden Maßnahmen angemessen beurteilen zu können. Ohne psychologische Kenntnis der Natur des Menschen versandet alles genauso, wie ohne geschichtliches Wissen und vertiefte Kulturkritik.

Ein Mensch kann sich in seiner Denkungsart, in seiner Weltmeinung, in seiner Gedankenwelt vollkommen ändern. Er hat Angst, es sei eine Sünde, nicht zu glauben. Wenn er jedoch anfängt, die Kirchengeschichte zu lesen, die Geschichte der anderen Seite, der Zweifler, die sich aufgelehnt haben und er Einblick in die Naturwissenschaft bekommt, dann hat er andere Gedanken, eine andere Lebensauffassung.

Die Psychologie und Psychotherapie ist keine leichte Sache. Sie erfordert vom Einzelnen viel Mut, Vertrauen in den Gesprächspartner und Geduld; Gefühle und Einstellungen ändern sich nicht von einem Tag auf den anderen und das psychotherapeutische Gespräch ist kein Plaudern. Vorurteile müssen durch Wissen ersetzt werden. Insgesamt haben wir es sehr schwer, die Tatsachen, die Realität natürlich zu sehen und zu empfinden. Wie ist das im 21. Jahrhundert noch möglich? Da sich alles wehrt gegen die Psychologie und ihre Erkenntnisse, ist es schwer, sie zu vermitteln. Vielleicht muss man noch ein paar Generationen abwarten.

Rudolf Hänsel, Jahrgang 1944, ist promovierter Erziehungswissenschaftler, ehemaliger Lehrer und Schulberater sowie Diplom-Psychologe mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie, Pädagogische Psychologie und Medienpsychologie. Er ist Buchautor sowie Autor von Fachartikeln zu den Themen Jugendgewalt, Mediengewalt und Werteerziehung.

Quellen und Anmerkungen

(1) Alfred Adlers: Individualpsychologie. Eine systematische Darstellung seiner Lehre in Auszügen aus seinen Schriften, Herausgeber: Ansbacher, Heinz L. und Ansbacher, Rowena R., München 1982.
(2) Am angegebenen Ort.
(3) Am angegebenen Ort
(4) Plack, Arno (Herausgeber): Der Mythos vom Aggressionstrieb. München 1973, Seite 43.
(5) Am angegebenen Ort.
(6) Am angegebenen Ort, Seite 63. (7) Adler, Alfred: Individualpsychologie in der Schule. Frankfurt am Main 1914, Seite 25 folgende.
(8) Zum Beispiel: Gassmann, Max; Gleich, Wolfgang; Greuter, Daniel; Hug, Heinz; Palmer, Urs: Soziale Psychologie. Zürich 1979.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: AB Photographie/ shutterstock

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Kommentare (33)

33 Kommentare zu: “Wölfe wider Willen | Von Rudolf Hänsel

  1. UdoSteinborn sagt:

    Was ist der Mensch? Was ist die Natur des Menschen? Der Mensch kommt nackt zur Welt und alles was ihn später zu einer Persönlichkeit macht, ist sozial vermittelt. Mit Gott und Religion hat das alles nichts zu tun. Mehr noch: Wird dem jungen Menschen mystisches Wissen aufgedrängt, besteht sogar die Gefahr kein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Aus diesem Grund haben sicherlich auch die religiösen Gemeinschaften so ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Also genau das Gegenteil ist ja der Fall. Ich hoffe der Autor merkt selbst, welchen Glaubensbekenntnissen er aufsitzt. Der atheistische Glaube ist ebenso ein Glaube und wahre Wissenschaftlichkeit steht nicht im Widerspruch zur Mystik. Warum denn? Die wissenschaftliche Methode zeigt uns die Grenzen unseres Erfahrungshorizontes. Die Mystik versucht diesen zu erweitern und außerhalb der materiellen Nachweisbarkeit mit transzendentalen Erkenntnissen reale Phänomen zu erklären, welche im atheistischen Dogma nicht existieren dürfen. Von da her, ja, wir leben noch im Mittelalter. Nur haben wir das beschränkte Dogma der katholischen Kirche durch die Kirche der sogenannten Wissenschaft ersetzt. Ganz in der Tradition werden Andersgläubige verfolgt und als unmündige Ketzer abgewertet. „Vor vielen tausend Jahren haben sich die Menschen Götter erdacht.“ Wer sagt denn das? Nur weil ich nicht an Götter glaube und keine höhere Wahrnehmungsfähigkeit besitze, gibt es keine Götter. Alle Menschen, welche da sensitiv mit Geistern und auch mit Gott sprechen, sind nach Auffassung des atheistischen Dogmatikers krank. Das ist unser heutiges Mittelalter. Nur weil ich Gott nicht messen kann? Der Antigottesbeweis ist nach wie vor offen. Und frei nach Kant sollten wir aus moralischer Verpflichtung die Existenz Gottes in Betracht ziehen.
    „Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
    Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
    Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
    Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
    Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
    Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“
    Johann Wolfgang von Goethe (Werk: Faust II, Vers 4917 ff. / Mephistopheles)

    • Zara Trusta sagt:

      Good point.
      Mittlerweile haben wir ein ausgewachsenes Mephisto-Syndrom.
      https://www.youtube.com/watch?v=zC1khWr7wg8
      Irgendwann in den 1970 gern ist die Entwicklung der Wissenschaft großteils angehalten worden.

  2. cumbb sagt:

    ;-)
    Steht Gott für Frieden und Liebe, für "indifferent".
    Steht Satan für Krieg und Zwist, für "different"-)

    "Welt", "Sein", "Leben" "IST" "different": "diabolisch" ("durcheinanderwerfend"-)-!
    "Indifferent" = "nichtexistent"!

    Aber:
    Wir sollten uns ein bissl einschränken mit dem "Durcheinanderwerfen" – wollen ja auch nicht allzusehr "durcheinandergeworfen" werden;-))

  3. Irwish sagt:

    Über die Angst vor dem Tode

    Zu Anfang möchte ich das »Rätsel« um die dem Menschen angeblich innewohnende Aggressivität bzw. Aggressionsbereitschaft auflösen. Tatsächlich eignet jedem Lebewesen eine gewisse Aggressionsfähigkeit, die es benötigt, um seine vitalen Interessen gegenüber Konkurrenten z.B. um Nahrung, Geschlechtspartnern, Revier etc. durchsetzen zu können. Diese natürliche Aggressionsbereitschaft unterscheidet sich jedoch fundamental von jener, die der Mensch seit Urzeiten an den Tag legt, wie Erich Fromm dargelegt hat:

    —– Zitat-Anfang —–
    Frage: Herr Professor Fromm, im Verlauf der letzten Jahre sind Tausende von Aufsätzen und Büchern veröffentlicht worden, die unter den verschiedensten Aspekten – häufig leider auch in pseudowissenschaftlicher Manier – das Problem der menschlichen Aggression behandeln. Das Erscheinen Ihres neuen umfangreichen Buches »Anatomie der menschlichen Destruktivität« hat den Diskussionen über die Natur der menschlichen Aggression, die in letzter Zeit – zumindest im deutschen Sprachraum – von Konrad Lorenz und seinen Schülern bestimmt wurden, eine andere Richtung gegeben. Sie erbringen u. a. den Nachweis, warum menschliche Destruktivität kein »angeborener Instinkt« ist, sondern vielmehr eine erworbene Charakterdeformation: eine Kulturerscheinung, kein Naturphänomen.

    Fromm: Das Hauptproblem liegt – ganz allgemein gesehen – darin, daß das Wort »Aggression« in einer wahllosen und indiskriminierenden Weise gebraucht wird. Man versteht unter Aggression Dinge, die miteinander überhaupt nichts zu tun haben. Aggression wird genannt das aktive offensive Vorgehen eines Menschen im Sinne der Urbedeutung von »Aggression«, abgeleitet vom lateinischen Wort »agredi«, also einen Schritt vorwärts machen. Aggression wird genannt, wenn sich jemand gegen die Drohung, getötet zu werden mit einem Akt der Gewalt verteidigt, z. B. den Bedroher erschießt, um sein Leben zu retten. Aggression wird genannt, wenn jemand Freude daran hat, einen anderen zu quälen und zu kontrollieren. Aggression wird genannt, wenn jemand Lust daran hat, Menschen und Dinge zu zerstören. Aggression wird von manchen Analytikern sogar genannt,, wenn der Bauer die Erde pflügt, denn der Erde wird damit etwas »angetan«, sie wird im Akt des Pflügens sozusagen »angegriffen«. Nun ist aber ganz klar, daß, wenn man nicht nur isoliert auf die Handlungsweise des jeweils Handelnden abzielt, der Mensch, der sich dagegen wehrt, getötet zu werden oder daß ein anderer getötet wird, und der Mensch, der ein Lustmörder ist oder der aus Lust zerstört, überhaupt nichts miteinander zu tun haben, außer dem Wort »Aggression«. Es kommt also zunächst einmal darauf an, die Begriffe zu trennen. Das ist jedoch nur möglich, wenn man nicht auf die Handlung selbst als etwas Isoliertem ausgerichtet ist, sondern wenn man sie auf den handelnden Menschen bezieht. …

    Frage: Was verstehen Sie unter »bösartiger Aggression«, und was sind ihre Ursachen?

    Fromm: Um diese Frage beantworten zu können, muß ich darauf zurückgehen, daß die gutartige, also die defensive Aggression etwas ist, was man in gewisser Weise »instinktiv« nennen könnte. Nach Möglichkeit vermeide ich – wie die meisten Forscher auf diesem Gebiet – das Wort »instinktiv«, weil in der Tradition der Instinkt als ein den Lern- und Umwelteinflüssen entgegengesetzter Begriff gilt. Es gibt keine Instinkte, die nicht gleichzeitig auch von der Umgebung und den Lernfaktoren beeinflußt werden. Aber hier gebrauche ich den Begriff »Instinkt« einmal ganz allgemein, denn es handelt sich um einen populären Ausdruck, unter dem sich die meisten Menschen etwas vorstellen können.

    Man kann sagen, die defensive Aggression ist eine Art Instinkt, der von gewissen Reizen, Stimulierungen und Faktoren unter dem Oberbegriff der »Bedrohung vitaler Interessen« ausgelöst wird. Die bösartige Aggression ist aber nicht eine Reaktion auf solche Bedrohung, das heißt: sie ist nicht neurophysiologisch als ein Komplex von Reaktionsweisen präpariert, die durch einen bestimmten Stimulus ausgelöst werden, sondern sie ist eine Frage des Charakters. (1)
    —– Zitat-Ende —–

    In diesem Zusammenhang halte ich zwei weitere Bücher von Fromm für empfehlenswert:
    Anatomie der menschlichen Destruktivität (2)
    Die Pathologie der Normalität (3)

    Nach Ansicht des früh verstorbenen Autors Ernest Becker fühlt sich der Mensch in den sog. westlichen Kulturen schon immer von seinem unausweichlichen Tod existenziell bedroht. Ja, Becker geht soweit zu behaupten (und nachzuweisen), daß Kultur und Zivilisation, wie wir sie heute antreffen, weitgehnd darauf zurückzuführen sind, daß der Mensch dem Gedanken an den eigenen Tod auszuweichen sucht. Letzteres ist durchaus verständlich, denn der ständige Gedanke an den Tod würde die Menschen lähmen und sie damit ihrer Kreativität und Schaffenskraft, wenn nicht gar ihrer Lebensfähigkeit berauben.

    —– Zitat-Anfang —–
    Wenn uns überhaupt jemand am Herzen liegt, so sind wir es zumeist selbst. Aristoteles hat einmal gemeint, Glück sei, wenn den Nebenmann der Pfeil trifft. (4)
    —– Zitat-Ende —–

    Zivilisatorische Errungenschaften wie z.B. der bis heute geltende Heroismus – der Mensch möchte/muß ein Held sein, um die Anerkennung seiner Mitmenschen zu erlangen – dienen vor allem dazu, den drohenden Tod auf Abstand zu halten. Wer so großartig (heldenhaft) ist, der wird wohl kaum frühzeitig sterben, auch wenn der Volksmund sagt, daß echte Helden jung sterben. Dem Heroismus liegt immer ein ausgeprägter Narzißmus zugrunde, der dazu dient, dem eigentlich mit geringem Selbstwertempfinden geschlagenen Menschen eine imaginäre Größe zu verleihen, sozusagen als Gegenpol zu seiner Schwachheit, die ihn sonst lähmen würde. Natürlich spielt der Narzißt nur den Großartigen, hat diesen Umstand aber meist verdrängt und vergessen, wodurch er gewöhnlich überzeugend klingt und so eine charismatische Anziehung auf seine Opfer ausübt. Der wichtigste Aspekt des Narzißmus besteht jedoch darin, dem Betroffenen die Illusion zu vermitteln, er sei unverletzbar und damit unsterblich. Diese Illusion, so sie denn aufrecht erhalten werden kann, verdrängt nachhaltig Gedanken an und somit Angst vor dem Tod.

    Eine weitverbreitete Form des Narzißmus besteht darin, sich größer zu fühlen, als man eigentlich ist, indem man sich einer einflußreichen oder doch zumindest als mächtig empfundenen Gruppe anschließt. Die Gruppe bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich als Teil eines größeren Ganzen fühlen zu können, um so der eigenen zuvor empfundenen Minderwertigkeit ein Gegengewicht zu verschaffen. In der Gruppe aufzugehen bedeutet soviel wie sich einer großen Macht zu unterwerfen, um von ihr beschützt zu werden – vor dem Tod. Schafft man es schon nicht, aus eigener Kraft und Kreativität bekannt, berühmt, heldenhaft zu werden, so gibt einem die Macht der Gruppe (Staat, Religionsgemeinschaft etc.) wenigstens das Gefühl, auf der Seite der Sieger zu stehen.

    —– Zitat-Anfang —–
    Die Angst vor dem Tod ist eine der Haupttriebkräfte menschlichen Handelns. In diesem Buch werden wir zeigen, daß diese Angst menschliches Handeln weit stärker prägt, als den meisten von uns klar ist. Tatsächlich treibt sie uns so sehr um, daß jeder Versuch, die Frage »Was läßt Menschen so handeln, wie sie es tun?« anzugehen, zutiefst unzulänglich ist, wenn er nicht das Bewußtsein der eigenen Sterblichkeit als zentralen Faktor berücksichtigt. (5)
    —– Zitat-Ende —–

    Die Autoren dieses Buches weisen in zahlreichen Experimenten nach, daß Menschen, denen ihr unausweichlicher Tod mehr oder weniger bewußt ist, mehr nach Konformität, Gehorsam, Anpassung und der Kontrolle anderer streben als Menschen, die kaum an ihre eigene Sterblichkeit denken.

    Gehorsam ist die Unterwerfung des eigenen Willens unter den Willen eines anderen Menschen. Somit kann man Gehorsamsbereitschaft ohne weiteres als Aggression gegen das Eigene, gegen die eigene Urteilskraft und den eigenen Willen einordnen. Die Angst vor dem Tod vermindert sich, wie oben bereits gezeigt, wenn man das Gefühl hat, einer starken Gruppe anzugehören. Die größte »Gruppe« stellt wohl die »Gesellschaft« dar, die häufig als in gewisser Weise homogen beschrieben wird, woraus sich vielfältige Manipulationsmöglichkeiten ergeben. Nimmt man eine gegebene Gesellschaft als homogen wahr, erhöht dieser Umstand den Druck zur Anpassung enorm. Man möchte so sein wie alle, um erstens nicht unangenehm aufzufallen und zweitens die Anerkennung der Mitmenschen sicherzustellen. Nichtanerkennunbg durch das soziale Umfeld löst tiefsitzende Ängste aus, denen sich die allerwenigsten Menschen gewachsen fühlen. So ist es leicht nachvollziehbar, weshalb sich Aggression gegen die eigenen Autonomiebestrebungen richtet, wenn dem Menschen seine Sterblichkeit bewußt ist.

    Das Gehirn des Menschentieres – als Organ und nicht als Funktionseinheit gesehen – unterscheidet nicht zwischen fiktiver Angst und aktueller Furcht. Anders ausgedrückt: Beide, die aktuelle Bedrohung durch eine sicht- und spürbare Gefahr und die eingebildete Angst vor einer möglicherweise drohenden Gefahr werden vom menschlichen Nervensystem in gleicher Weise beantwortet: Der Fokus verengt sich ebenso wie die Blutgefäße, es wird einem eng ums Herz, die Denkfähigkeit läßt merklich nach und das Stammhirn übernimmt die Kontrolle. Dadurch geraten Betroffene in eine Art Trance, sie reagieren nurmehr noch und sind weitgehend außerstande, aktiv und bewußt zu agieren. Deshalb konnten die Regierungen der ganzen Welt (von ein paar Ausnahmen abgesehen) unter ihren Bevölkerungen Massenpanik auslösen. Das war bewußt angestrebt, das wurde ganz bewußt vorbereitet und ausgeführt. Wie schon Prof. Mausfeld sagte: Die Eliten kennen Sie, werter Leser, weitaus besser, als Sie sich selbst kennen. (6)

    Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die Menschen in den westlichen »Demokratien« in ständiger Angst leben – einer Angstfülle, die sie längst als ganz normal einordnen und daher gar nicht mehr bemerken. Erst wenn ihr eigenes Leben unmittelbar bedroht scheint, reagieren sie auf so hervorgerufene die Angst und geraten in Panik. Die sonstige, »normale« Angst dagegen sorgt dafür, daß sie gewissermaßen in Apathie leben. Apathie wird von den Akteuren des Meinungs- und Empörungsmanagements bewußt und absichtlich erzeugt, indem ständig irgendwelche »Angstsäue« durchs mediale Dorf getrieben werden. Im Radio werden zur vollen Stunde immer Nachrichten ausgestrahlt, die größtenteils aus angstmachenden Informationen bestehen. Die Zeitungen sind voll davon, ebenso das Fernsehen. Apolut ist hier keine Ausnahme …

    —– Zitat-Anfang —–
    Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltenweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben.« (7)
    —– Zitat-Ende —–

    Letztendlich wird all das von der Angst vor dem Tode angetrieben. Ob eine humanere Erziehung, die den Tod weder beschönigt noch verleugnet, hier Abhilfe zu verschaffen vermag, kann ich nicht beurteilen.

    (1) Erich Fromm: Aggression und Charakter
    http://irwish.de/PDF/Psychologie/Fromm/Fromm-Aggression_und_Charakter.pdf

    (2) http://irwish.de/PDF/Psychologie/Fromm/Fromm-Anatomie_der_menschlichen_Destruktivitaet.pdf

    (3) http://irwish.de/PDF/Psychologie/Fromm/Fromm-Die_Pathologie_der_Normalitaet.pdf

    (4) Ernest Becker: Dynamik des Todes – Die Überwindung der Todesfurcht – Ursprung der Kultur
    http://irwish.de/PDF/_Philosophie/_Sonstige/Becker_Ernest-Dynamik_des_Todes.pdf

    (5) Sheldon Solomon: Der Wurm in unserem Herzen – Wie das Wissen um die Sterblichkeit unser Leben beeinflußt
    http://irwish.de/PDF/_Philosophie/_Sonstige/Solomon_Sheldon-Der_Wurm_in_unserem_Herzen.pdf

    (6) Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer?
    http://irwish.de/PDF/_GesKrit/Mausfeld_Rainer/Mausfeld_Rainer-Warum_schweigen_die_Laemmer.pdf

    (7) Edward L. Bernays: Propaganda
    http://irwish.de/PDF/_Manipulation/Bernays_Edward-Propaganda_(how_the_media_molds_your_mind)_(1928).pdf

  4. Poseidon sagt:

    Wer den "guten Menschen von Sezuan" (Bertold Brecht)kennt der weiss das zu gut um wahr zu sein in unserer dualen Wirklichkeit genauso schädlich ist wie zu schlecht .
    Es kommt auf die Dosierung an wusste schon Paracelsus,ob es teuflisches Gift oder göttliche Medizin ist.
    Das goettliche Auge liegt in der Mitte des Vortex und kennt die seinen.
    Love is the key.

    • How - Lennon sagt:

      Richtig. Das Gegenteil von böse ist nicht gut, sondern gutgläubig, also dumm.
      Das Gute/die Güte liegt dazwischen und ist in ständiger Bewegung, es erfordert also immerwieder etwas Anstrengung, den Spagat zwischen Verstand und Gefühl zu meistern um der Wahrheit nahe zu sein.

    • Kiristal sagt:

      Okeeey, ich korrigiere nur schnell 'Mächte des Lichts' zu 'Mächte der Gutgläubigkeit', ehe wir darüber verhandeln wie viel man sündigen muss um die Gnade Gottes zu erhalten.

    • How - Lennon sagt:

      @Kiristal
      Jajaja, genau! Oder Mächte der Verblendung…WENN man der Lichtquelle zu nahe kommt. Passt ja auch hervorragend zu diesem saudummen Filmchen.

    • Poseidon sagt:

      Mensch sollte schon wissen an welchen "Nordstern" er sich orientiert und wo die wesentliche Reise hin gehen soll.
      Im besten Fall immer nach Hause .
      Der Weg ist das Ziel und ankommen in unseren dualen Wirklichkeit einfach Paradox.
      "Gewinner erkennt man am Start"sagt provozierend Dieter Lange.
      Menschen die lieben gelingt so viel einfach schwerelos im Leben.
      Das ist die goettliche Vorhersehung.
      Der Energiestrom der universellen Liebe gewinnt ueber die Dimension der Zeit immer, weil sein Energiestrom
      unendlich ist,wenn wir ihn pflege.

      Versuchen Sie mal gegen die Unendlichkeit zu gewinnen?

      Glück kommt von" geluecke "und meint gelingen.
      Wer die Herzen der Menschen gewinnt braucht sich um die Koepfe nicht sorgen.

      6% der Bevölkerung sind Psychopathen und spuehren sich durch Macht.
      Fuer sie ist die Liebe wie ein autistischer Kuss .
      Einfach nur nass!
      Oft sind sie von jener Kraft die stets das Boese will und stets das Gutes schafft.

    • Kiristal sagt:

      Tatsächlich ein guter Film. Er nimmt die wirre Dämlichkeit des Christentums exakt auf die Hörner und lässt sie bis zum Ende (knapp 4h) nicht mehr runter.

    • Poseidon sagt:

      Die Monster der Monster AG.
      https://youtu.be/dY9XP8xBynI

    • Kiristal sagt:

      nb, Sion Sono – Ai no mukidashi

    • How - Lennon sagt:

      Bei der Gelegenheit hole ich auch gerne noch ein bisschen weiter aus. Das betrifft auch Irwishs Thema "Tod" oben.

      Wir befinden uns in der Sphäre des Lebens, das heißt rein astronomisch betrachtet in der "Habitablen Zone". Wer aufgepasst hat, merkt, dass es in dieser Zwischenzone zwischen den lebensfeindlichen Polen Sonne und äußerer Rand des Sonnensystems ("Oortsche Wolke) überhaupt kein Gegenteil zum Leben bzw. ständigen Ausgleich, Wahrheit, dem Guten, Buntheit, Wärme, flüssigen Wasser etc. geben kann.
      Es gibt kein Gegenteil zum Dazwischen, zum Ausgleich. Es gibt also im Bereich des Lebens überhaupt keinen "Tod" genauso wenig eine "Unwahrheit" usw. Es gibt Zeugung mit dem Gegenteil Sterben, das nichts anderes ist als ein direkter Übergang zu Zeugung, also Leben. Es gibt Eis mit dem Gegenteil Wasserdampf, es gibt Kälte mit dem Gegenteil Hitze, schwarz und weiß usw. Die Extreme sind aber niemals wirklich gefährlich bzw. dauerhaft im Ausgleich, sondern ermöglichen ihn erst.

      Einfach Mal sacken lassen und gediegen drüber nachdenken! 😉

    • How - Lennon sagt:

      @ Kiristal
      4h? Welchen Film meinen Sie denn?
      Ich habe nur was über diesen gefunden
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4chte_des_Lichts

    • Poseidon sagt:

      John Lennon, "Ich glaube an alles, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist."
      auch wenn ich es erst einmal nicht wirklich nachvollziehen kann.
      Ich lasse mal sacken.

    • How - Lennon sagt:

      Poseidon, das ist ein Thema, das durch die Kirche mit Hilfe der Angst vor Strafe und "Hölle" im "Jenseits" als Herrschaftsinstrument erfunden wurde und so tief in den meisten von uns verwurzelt ist, dass man das Einfache und Offensichtliche nicht mehr erkennen kann.

      Um es ganz einfach zu erklären:
      Das Leben befindet sich im Dazwischen, zwischen Zeugung und Sterben. Es hat also kein Gegenteil. Einfach nur Leben mit Unterteilungen, also Austausch der verbrauchten Körper. Ewig. Eigentlich lebt alles mit Unterbrechungen bzw. Ruhephasen, die aber irrelevant sind, da diese Phasen ja nicht wahrgenommen werden können.
      "Tod" ist eine boshafte Erfindung. Fake.
      Genauso wie das "Nichts".
      Das ist der Grund, warum wir darüber nicht nachdenken wollen und können. Weil es völlig irrer und boshafter Nonsens ist.

    • Poseidon sagt:

      How-Lennon ,jetzt komme ich mit und kann folgen.
      Das mit dem Herrschaftsinstrument ist so und viele kippen dann einfach frustriert das Bad mit dem juedischen Krippenkind aus, weil sie goettliche Freiheit erhoffen.

      "Ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich nicht an ihn glaube.
      Man steigt nur einfach von einem Wagen in einen anderen um."
      -John Lennon

  5. Nachtrag zu meinem Kommentar von 12:55 Uhr

    Ich persönlich denke das im Mensch als soziales Wesen beides angelegt ist, das "Gute" wie auch das "Böse"! Je nach dem welche "Seite" gefördert (neudeutsch: getriggert) wird, verstärkt sich diese "Seite"!
    Prägend meines Erachtens dafür welche Seite in uns Menschen "gefördert/verstärkt" wird ist unsere Umwelt, sprich unser von der Politik geprägtes Wirtschafts-/Gesellschaftssystem in dem wir leben. Und wir im "Westen" leben in einem Wirtschafts-/Gesellschaftssystem das von der Politik ausschließlich darauf konditioniert reich zu sein im finanziellen Sinne sowie egoistisch und erfolgreich. Diese Prägung fördert hauptsächlich das "Böse" im Menschen, nicht das "Gute".

    Herzliche Grüße

  6. Guten Tag Rudolf Hänsel,

    Konrad Lorenz wird in Ihrem Artikel/Standpunkt zweimal auf eine Art und Weise erwähnt die ihm bzw. seiner Arbeit meines Erachtens (m.E.) nicht gerecht wird und deshalb möchte ich hier eine Lanze für Konrad Lorenz brechen. Als Student und als Laie auf dem Gebiet der Ethologie (Vergleichende Verhaltensforschung) habe ich mich mit Konrad Lorenz beschäftigt.

    Sie schreiben: "Jeder Zeitungsleser oder Fernsehzuschauer kennt die Namen von SIEGMUND FREUD und KONRAD LORENZ, die durch ihre Arbeiten die Aggressionstrieb-Hypothese bewiesen zu haben meinten.".

    Konrad Lorenz auf diese kurze Formel der "Aggressionstrieb-Hypothese" zu reduzieren halte ich für zu undifferenziert sprich für zu kurz gegriffen. Eines seiner bekanntesten Bücher trägt den Titel "Das sogenannte Böse". Schon das Wort "sogenannte" im Titel ist ein Hinweis auf die differenzierte Betrachtungsweise des "Bösen" von Konrad Lorenz. Darin unterscheidet er z.B. zwischen innerartlicher sowie außerartlicher Aggression und er beschreibt m.E. eindrucksvoll wie wirkmächtig der ungezügelte Ausbruch von außer- und innerartlicher Aggressionen bei Tier und Mensch durch instinktgesteuerte Hemmungsmechanismen eingedämmt wird (z.B. Angst, Flucht, ritualisiertes Verhalten, etc.). Wobei er sich im vorletzten Kapitel (13) mit dem Titel "Ecce Homo" ("Siehe, der Mensch") nochmal gezielt dem Thema Mensch und dessen sozialem Verhalten widmet und gleich zu Anfang schreibt "(..) ein objektivierender Verhaltensforscher (..) würde nie auf den Gedanken kommen, dass das menschliche Verhalten von Vernunft oder gar verantwortlicher Moral gesteuert sei". Im letzten Kapitel (14) "Bekenntnis zur Hoffnung" schreibt Konrad Lorenz u.a. "Dramatische Änderungen des Weltgeschehens bewirkt die Forschung selten, es sei denn im Sinne der Zerstörung, denn es ist leicht, Macht zu mißbrauchen. Die Ergebnisse der Forschung schöpferisch und segensreich anzuwenden, erfordert dagegen meist nicht weniger Scharfsinn und mühevolle Kleinarbeit als ihre Gewinnung".

    Konrad Lorenz war und ist für mich ein ganz "Großer" im positivsten Sinne! Am Ende seines Lebens hat er auch auf Demos gesprochen – z.b. auf Antiatomkraft-Demos.

    Herzliche Grüße

  7. Ursprung sagt:

    Der Autor mag es gut meinen. Schluessig ist sein Weltbild ueber die "Natur des Menschen" nicht.
    Es besteht aus einem Mischmas von Annahmen, eigenen Interpretationen, vermeintlichen Kultur-Versatzstuecken. Eher wirr als kongruent.
    Geht schon los mit der "Arbeit": "Arbeitet" ein Wildtier, wenn es Fressbeute erjagt oder Baumlaub und Gras frisst?
    Oder geht es "nur" sich befriedigend seiner Funktion nach, in und von der Natur einfach zu leben?
    "Arbeit" ist die sprachliche Bgriffsumkehrung fuer ein Sklavendasein, wenn Parasitaere andere sich zu Diensten machen, z. B. sich Arbeitsochsen halten. Wie kann auf sowas ernsthaft ein Weltbild gegruendet weren ueber angebliche Angelpunkte der "Natur" eines Lebewesens?
    Das aber tut der Autor und deshalb erscheint sein Weltbild ueberhaupt nicht schluessig und sein Aufsatz auch nicht.
    Weiss er, dass ueber die Praehistoriker berichtet wird, in einem Zeitraum von 350 T Jahren (in der unsere Spezie entstand) in keinem Artefakt auch nur einen Hinweis auf Hierarchie fanden? Selbst in Stonehenge von Mesepotamien nicht, wo unsere Vorfahren erst vor 10 T Jahren noch 15 Horizonte mit sauberst bearbeiteten 50 T. Steinstelen-Tempeln erbauten. Nur mit Steinaexten. Aber offensichlich nicht "arbeiteten", sondern nur freiwillig miteinander ihre Ideen verwirklichten?
    Da schimmert das Potential durch, zu was wir faehig sind, wenn wir nicht "arbeiten".

  8. Kiristal sagt:

    Eine praktische Erwägung. Wir könnten die Wölfe (sie sehen sich auch gerne als große weisse Haie, halten Psychopathie für ein Zeichen von Auserwähltheit, ..) auf die Guanoinseln ins Exil schicken, während wir uns weiter an den schwarzen Schaafen abarbeiten und hoffen, dass die Verbesserungen die wir so erreichen nach Oben sickern.

    Nur bis wir eine bessere Lösung gefunden haben.

  9. Zara Trusta sagt:

    Also ,
    Es sollte jedem längst klar sein. Die REDUKTIVE ANALYSE allein ist kein angemessenes Paradigma mit Komplexität solcher Art umzugehen und stellt somit auch keine wirkliche Wissenschaft dar, sondern ist Fragment eben dieses mittelalterlichen Weltbildes.
    Grundsätzlich ist es bestechend einfach. Unser Nervensystem dient konstruktiv schlicht einzig der Orientierung . Solange es ausschließlich so genutzt wird, herrscht realitätsbezogene Vernunft.
    Erst das Glauben führt zu Desorientierung und somit zu einer Vielfalt von mannigfaltiger Scharlatanerie.
    Die Forschung im Sinne der Orientierung hat die eigentlich gültige Naturwissenschaft hervorgebracht.
    Erkenntnisse darüber zu erarbeiten , mit welchem Glauben sich Menschen zu welchen schädlichen Handlungen bewegen lassen, verspricht allerdings materiellen Nutzen im Rahmen der von Menschen geschaffenen Bezugssysteme. Damit steuert man jedoch geradewegs dahin, wo wir absehbarer weise gerade anzugelangen gedrohen. Neben der medizinischen Zombifizierung erfolgt auch eine geistige.

  10. Rainerli sagt:

    Der Intellektuelle ist erst zufrieden, wenn der wildwüchsige Kieselstein zur Murmel poliert.
    So wenig Mut und Vertrauen, sein naives Inneres mit dem Unfassbaren zu konfrontieren.
    Daran sollte jeder arbeiten. Bei sich selbst. Statt die Uni zu besuchen. DAS lohnt!

  11. ytiralugnis sagt:

    Nochn Nachtrag, hehe:

    Ich glaube auch, dass ein erfolgreicher Psychotherapeut den Patienten anleitet bzw. ihm hilft, durch eben erwähnte Selbstbeobachtung innere Konflikte aufzudecken und zu verarbeiten, wie z.B. Traumata. Dort findet der Vorgang der Selbsterkenntnis im therapeutischen Bereich schon rudimentäre Anwendung. Sollte also nichts unbekanntes sein.

  12. ytiralugnis sagt:

    Nachtrag:

    Die eigentliche Gretchenfrage, was passieren müsste, um die Geißel des Krieges endlich loszuwerden, wird in diesem Text leider nur unzureichend beantwortet. Das naturwissenschaftlichen Menschenbild und seine Sicht auf die Psyche ist für Menschen adäquaten Intellekts sicher ein Hilfsmittel, um bestimmte Irrtümer aus dem Weg zu räumen.

    Die Frage ist jedoch, wie kann sich "Ottonormalverbraucher" gegen die Formen der Manipulations schützen, durch die die Mächtigen immer wieder Völkerscharen gegen einander aufgebracht haben? Es wird immer Menschen geben, die nach Macht streben und versuchen, andere zu manipulieren. Es kann sicher kein intellektueller Vorgang sein, denn die intellektuellen Fähigkeiten der Menschen sind sehr unterschiedlich.

    Ich denke, es ist eine Kultur der Affinität zur Wahrheit, die wir brauchen. Wer aufrichtig nach der Wahrheit sucht, wird sie letztlich auch finden. Und Meditationspraxis, in der man sich selbst zum Beobachter der eigenen Gefühle und Vorgänge im Verstand macht, wäre ein Weg, wie man die eigene Unterlegenheit gegenüber Impulsen aus dem Unterbewusstsein überwinden kann. Das nennt man den Vorgang der Selbsterkenntnis und er ist praktizierbar für jeden, unabhängig von seiner intellektuellen Begabung oder Glaubenssystem.

  13. ytiralugnis sagt:

    Sehr geehrter Herr Hänsel,

    ich fand den Anfang des Textes gut, da es gegen das Narrativ geht, dass der Mensch aus biologischen Gründen dazu gezwungen sei, Krieg zu führen. Es ist in der Tat eine Frage der Konditionierung.

    Allerdings muss ich wehement der nachfolgenden Behauptung widersprechen, dass nur die Ablehnung alles Spirituellen/Mystischen die Lösung sei. Wenn sie die die Mystik wirklich beseitigen wollen, müssen Sie zunächst das Mysterium des Todes klären. Sprich, Sie müssen beweisen können, dass es weder Seele noch Gott noch Leben nach dem Tod gibt. Ich bezweifle, dass Sie oder sonst jemand dazu in der Lage ist.

    Zweitens wandelt der Homo Sapiens Sapiens nach Ansicht der Wissenschaftler schon ca. 200.000 Jahre auf diesem Planeten. Sie wollen allen Ernstes behaupten, dass er nur in den letzten paar hundert Jahren auf den Trichter gekommen ist, dass es möglich sein könnte, dass Gott nicht gibt? In Indien gibt es jahrtausende alte spirituelle Traditionen, genau so, wie jahrtausende alte atheistische Denkrichtungen. Atheismus und Materialismus sind nichts neues und schon gar nicht Resultat irgendeiner naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Sie sind genauso ein Glaubensbekenntnis, wie der Glaube an Gott. Und es ist auch ohnehin recht unwahrscheinlich, dass die Menschheit vor der Aufklärung nur irgendwelche Dummbatzen waren, die sich Götter gebastelt haben, weil sie keine Naturwissenschaften hatten.

    Es ist richtig, dass religiöse Institutionen in der Vergangenheit die Idee von einem Gott vielfach missbraucht haben, um Menschen zu unterdrücken und zu knechten. Um das Beispiel der Kirche zu nehmen, diese Machtausübung und die begangenen Greuel stehen in diametralem Gegensatz zu den Lehren von Jesus, die sie doch vorgibt zu vertreten. Wenn Marx sagt, dass Religion Opium fürs Volk sei, dann hat er in Bezug auf die Kirche recht, jedoch nur, weil die Kirche den Menschen die spirituelle Selbstbestimmung entzogen hatte und für sich selbst die Alleinvertretung Gottes auf Erden beanspruchte. Leider kannte Marx nicht die Weisheiten Indiens und ich glaube, bei diesem Thema hätte man sich mit ihm sehr offen unterhalten können. Das hier ins Detail zu fahren, würde den Rahmen eines Kommentars jedoch bei weitem sprengen.

    Als Psychologe müssten Sie eigentlich auch wissen, dass jeder Mensch ein Glaubenskonstrukt hat und dass ein Mensch ohne ein solches gar nicht lebensfähig ist. Entwicklungsfähigkeit zeigt sich, wenn das Glaubenskonstrukt im Wandel ist und neuen Erkenntnissen angepasst wird, was eine gewisse Demut ("Ich weiß, dass ich nichts weiß.") und das Bewusstsein, dass man meistens glaubt und selten weiß, voraussetzt. Das betrifft auch diejenigen, die glauben, dass sich Atheismus und Materialismus aus Naturwissenschaften herleiten ließen. Ein Problem gibt es immer dann, wenn jemand seinen Glauben für Wissen hält, egal woran er glaubt. Dann hat man einen guten Nährboden für Überheblichkeit und Fanatismus. Ich unterstelle Ihnen das nicht, aber ich wollte auf diese Möglichkeit aufmerksam machen.

    MfG

    ytiralugnis

    • NotaBot23 sagt:

      Weder Kritik noch Zustimmung, da ich noch nicht alles verstanden habe, nur eine (wie ich glaube wichtige) Frage: ist Atheismus und Materialismus eigentlich gleichzusetzen? Oder auch nur verwandt?
      Ich vermute, dass das völlig verschiedene Ebenen sind.

      Schöne Grüße

    • Ursprung sagt:

      #itiralugnis:
      Ganz unwissenschaftlich vermute ich die Existenz eines von uns bisher nicht entdeckten Kommunikationskanals zwischen lebenden Individuen, zumindest Wesen mit Zentralnervensystemen (wenn auch ueber unterschiedliche Sprachen). Aber auch moeglicherweise zwischen Akteuren wie Baeume, Tiere, Mensch, Planktonkomplex. Eine Art laufende Bewusstseinsuebertragung zwischen den Genomen und/Gehirnen.

      Diese Wissensuebertragung ist bereits nachgewiesen zwischen Waldbaeumen bis 50 km Entfernung (TH Zuerich), beobachtet von Medizinern (Waldluft, Seeluft), erlebt vielfaeltig von Tierhaltern, berichtet von Meditierenden und beobachtbar bei Akteuren gemeinsamer Werke.

      Diese Art gemeinsam praktizierter Abstimmungen endet mit dem individuellen Tod eines Akteurs (oder Baumblattes) und startet in mancher Auspraegung bei dessen Geburt oder Keimung und wird unter Menschen mit dem Begriff Naturrecht oder Gott in Sprache gegossen.

      Ausserirdische koennten damit schon weiter sein. Wir schlagen uns noch mit Wirkungsquanten, Wahrscheinlichkeiten, Teilchen-Verschraenkungen rum.

  14. Poseidon sagt:

    Wenn man nur ein Hammer hat, dann sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.

  15. Gnil sagt:

    Es gibt keine unschuldigen Amerikaner: Notizen vom Rand der narrativen Matrix

    Übersetzung aus der Quelle:
    https://caitlinjohnstone.com/2023/01/18/there-are-no-innocent-americans-notes-from-the-edge-of-the-narrative-matrix/

    Wenn die Logik, dass es "keine unschuldigen Russen" gibt, weil das russische Volk moralisch verpflichtet ist, seine kriegstreiberische Regierung zu stürzen, gleichmäßig angewandt würde, würde sie auch für die Amerikaner gelten. Sogar noch mehr, da ihre Regierung weitaus kriegslüsterner ist als die Moskaus.

    Gemäß dem Argument "es gibt keine unschuldigen Russen" sollte Amerikanern die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen untersagt werden. Amerikaner sollten von ausländischen Universitäten verwiesen werden. In den Kinos sollten keine Hollywood-Filme mehr gezeigt werden. Hemingway sollte aus den Schulen verbannt werden.

    Putin müsste sich sehr, sehr anstrengen, um allein im 21. Jahrhundert die schwindelerregende Opferzahl des US-Imperiums aufzuholen. Wenn die Russen eine moralische Verpflichtung haben, ihre Regierung zu stürzen, dann haben das auch die Amerikaner. Sie haben die Pflicht, das US-Imperium zu stürzen, den militärisch-industriellen Komplex niederzureißen, das falsche Zweiparteiensystem abzuschaffen, dessen "zwei" Parteien jeden Krieg unterstützen, den die Architekten des Imperiums fordern, und ein friedliches Land zu schaffen.

    Entweder Sie wenden die Logik "es gibt keine unschuldigen Russen" gleichermaßen auf Regierungen an, die genau dasselbe in weitaus größerem Umfang tun, oder Sie geben zu, dass Sie nur imperialistische Regimewechsel-Propaganda verbreiten.

    Bei den meisten großen internationalen Konflikten unserer Zeit geht es um die Kollision zwischen der Doktrin des Establishments, die von einer dauerhaften planetarischen Hegemonie der USA ausgeht, und der Realität, dass die planetarische Hegemonie der USA auf dem Rückzug ist.

    Die Menschen im Westen sind durch die Propaganda so gehirngewaschen, dass immer mehr von ihnen zu glauben beginnen, dass China bei ihnen einmarschieren will. Warum sollte Peking über einen Haufen weißer Ausländer herrschen wollen, ihr Idioten? Glaubt ihr, China hat einen verzweifelten Mangel an Käsemessern und Mayonnaise?

    Oh nein, die Chinesen wollen bei uns einfallen und uns erobern. Sie brauchen Ranch-Dressing und Michael-Bublé-CDs. Sie werden uns zwingen, ihnen Square Dance beizubringen und Harry Potter asiatisch zu machen.

    Die Menschen im Westen sollten aufhören, ihr kolonialistisches Wertesystem auf alle anderen zu projizieren. Unsere Vorfahren segelten hinaus, um zu erobern und zu kolonisieren. Ihre Vorfahren bauten eine Mauer.

    Unsere Zivilisation ist trotz ihres großen Reichtums voller Probleme, weil unsere Zivilisation der Schaffung von Reichtum Vorrang vor der Lösung von Problemen eingeräumt hat. Es macht niemanden reich, die Ursachen von Verbrechen, Krankheit, Krieg, Armut oder Umweltzerstörung zu bekämpfen, also bleiben diese Probleme unbehandelt.

    In einer Zivilisation, die der Schaffung von Wohlstand Vorrang vor der Lösung von Problemen einräumt, wird die Option, die Wohlstand schafft, immer über die Option siegen, die das Problem löst. Die Profiteure des Krieges, die Profiteure der Gefängnisse, die Pharmakonzerne, die umweltfeindlichen Industriellen – sie alle wissen das.

    Beim gegenwärtigen Status quo wird die militärische Aggression immer dann über den Frieden siegen, wenn die militärische Aggression profitabler ist. Menschen krank zu halten, um sie weiter behandeln zu können, wird immer dann über die Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten siegen, wenn dies profitabler ist. Eine technologische Innovation so lange geheim zu halten, bis sie maximal profitabel ist, wird immer besser sein als sie öffentlich zu machen und die Informationen für den Fortschritt der Wissenschaft und das Gemeinwohl zu teilen. Die Arbeitnehmer werden so weit wie möglich ausgebeutet, um den Profit zu maximieren.

    Urwälder und Walpopulationen wurden ausgerottet, weil sie in Ruhe gelassen wurden und keinen Profit abwarfen. Die Insektenpopulationen gehen zurück, weil industrielle Pestizide profitabel sind, wilde Lebensräume aber nicht. Unsere Ozeane ersticken in Plastik, weil es rentabel ist, dies nicht zu verhindern.

    Niemand wird zum Milliardär, indem er die Obdachlosigkeit beseitigt oder dafür sorgt, dass ältere und behinderte Menschen alles bekommen, was sie brauchen. Niemand wird zum Milliardär, indem er dafür sorgt, dass Mütter alles bekommen, was sie brauchen, um physisch und psychisch gesunde Kinder aufzuziehen.

    Ein Status-quo-System, in dem menschliches Verhalten in großem Maßstab durch Gewinnstreben bestimmt wird, kann und wird niemals gute Antworten auf Probleme wie Armut, Verbrechen, Krankheit, Krieg, Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit und Ausbeutung geben, weil die Lösung dieser Probleme niemals profitabel sein wird. Wenn die Lösung dieser Probleme niemals profitabel ist, ihre Verursachung oder Verschlimmerung aber häufig schon, werden diese Probleme zwangsläufig weiterbestehen. Erst wenn diese Dynamik umgekehrt wird, können wir uns von ihnen befreien.

    Erst wenn wir uns von den Status-quo-Systemen verabschieden, die dafür sorgen, dass menschliches Verhalten in großem Maßstab vom Profit getrieben wird, werden wir in der Lage sein, uns in Richtung einer gesunden und harmonischen Welt zu bewegen. Bis dahin werden wir weiterhin von ernsten Problemen geplagt und von falschen Versprechungen, dass unsere derzeitigen Systeme sie lösen können.

    – Ende des übersetzten Textes –

    Es gibt noch einen anderen Krieg, der lautlos erfolgt:

    https://emanuelprez.substack.com/p/end-the-world-war-5g?utm_source=post-email-title&publication_id=885592&post_id=93843535&isFreemail=true&utm_medium=email

    5G-Apokalypse – Das Ausrottungsereignis (Film von Sacha Stone)
    https://www.kla.tv/14425

    Impfzwang in Spanien?
    https://www.kla.tv/17843

    Übrigens: Man arbeitet mittlerweile schon an G6!

    — Schönes WE —

    • How - Lennon sagt:

      Sehr guter Text. Er beschreibt schlicht die Wahrheit.
      Der Kipppunkt ist allerdings längst erreicht in allen Bereichen, wir befinden uns schon seit Jahren in der Nachspielzeit. Nach dem reinigenden Kollaps, dessen Beginn wir gerade erleben, wird die neue lebens-, natur- und wahrheitsbejahende Zeit beginnen.

  16. Gnil sagt:

    Nutze den Schlüsselmoment, stoppe JETZT den digitalen Impfpass

    https://www.kla.tv/2023-01-20/23468&autoplay=true

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