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Trump verzockt Amerikas Macht! | Von Rainer Rupp

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Vernichtendes Urteil: „Trumps folgenreichster außenpolitischer Fehler“

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Unter der Überschrift „The Long Shadow of the Iran War - Trump’s Most Consequential Foreign Policy Mistake”, in Deutsch: “Der lange Schatten des Iran-Krieges - Trumps folgenreichster außenpolitischer Fehler“ hat die US-Zeitschrift Foreign Affairs (Auswärtige Angelegenheiten) am 17. Juni eine längere Analyse zweier Experten veröffentlicht, die Trump Krieg gegen Iran als eine einzige große Katastrophe für die USA dargestellt.

Nun ist Foreign Affairs nicht irgendeine Publikation, denn sie wird von dem Prestige trächtigen Council on Foreign Relations (CFR), (Rat für Auswärtige Beziehungen) herausgegeben. Und dessen Einfluss auf die US-Außenpolitik ist kaum zu übertreffen.

Wenn man dann in einem Artikel von Foreign Affairs, wie jetzt am 17. Juni geschehen, lesen kann, dass Trumps Iran-Krieg dem Prestige der USA bleibenden Schaden zugefügt und die Anstrengungen des US-Establishments, nämlich die globale Alleinherrschaft der USA zu erhalten, untergraben hat, dann sollte man den Artikel zwei Mal lesen.

Aber auch ohne lange Erklärungen der beiden Autoren des Artikels, Ian Bremmer und Firas Maksad, hat auch der außenpolitisch interessierte Laie längst erkannt, dass Dank Trumps Entscheidung, Iran anzugreifen, er vor den Augen der Welt das US-Militär als Papier-Tiger demaskiert hat. Denn in diesem Krieg konnten nicht einmal die berüchtigten „Carrier-Strike-Groups“ („US-Flugzeugträger Angriffsgruppen“) wie gewohnt agieren.

Diesmal mussten sich die „Carrier“ jenseits der Reichweite der iranischen Raketen auf über 1.000 Km Distanz von der iranischen Grenze zurückziehen. Das war wiederum jenseits der Reichweite ihrer Bomber, weshalb diese aufwendig pro Flug bis zu vier Mal aufgetankt werden mussten. Hinzu kam, dass die US-Airforce auch ihre Tankerflotte nicht ausreichend schützen konnte und hohe Verluste verzeichnete. Das und einiges mehr hat den bisherigen Wert der Flugzeugträger als Schlüsselelement der US-Machtprojektion zu einer Karikatur werden lassen.

Nicht nur China und Russland haben das genau beobachtet, sondern auch die Mittelmächte rund um die Welt, vor allem aber auch die bisherigen US-Vasallen-Staaten in und um die Golf-Region, wie die beiden Foreign Affairs Autoren entsetzt feststellen.

Zu der Qualifikation der beiden Autoren Ian Bremmer und Firas Maksad wäre noch zu sagen, dass Ian Bremmer nicht nur Gründer und Präsident der „Eurasia Group“ ist, sondern auch Herausgeber und Kolumnist des Time Magazine sowie außerordentlicher Professor für internationale und öffentliche Angelegenheiten an der Columbia University. Er ist auch Autor zahlreicher Fachbücher. Firas Maksad ist Geschäftsführer für den Nahen Osten und Nordafrika bei der Eurasia Group.

Als wahrscheinlichstes Ergebnis dieses Trump US-Krieges erwarten die beiden Autoren

„einen stärker polarisierten und fragmentierten Nahen Osten, in dem bestehende multilaterale Institutionen (wie die vom Westen dominierte Weltbank, der IWF, WTO, usw.) an Einfluss verlieren, rivalisierende Koalitionen sich verhärten und externe Mächte um Einfluss konkurrieren“.

Wieder erwarten sie, dass

„China sowie Indien, Pakistan und andere Staaten weiter an Boden gewinnen. Sie werden ihre wirtschaftliche und diplomatische Rolle ausbauen, ohne jedoch die Kosten einer hegemonialen Führungsrolle zu tragen. Dieser Trend wird sich voraussichtlich nicht auf den Nahen Osten beschränken.“

Dieser vorletzte Satz: „Sie (gemeint sind China sowie Indien, Pakistan und andere Staaten) werden ihre wirtschaftliche und diplomatische Rolle ausbauen, ohne jedoch die Kosten einer hegemonialen Führungsrolle zu tragen“, zeigt deutlich, wie tief die beiden Autoren und mit ihnen Foreign Affairs und der Council on Foreign Relations, im kolonialen Denken, gepaart mit imperialer Machtexpansion, verwurzelt sind. Das erinnert stark an die brutalsten Episoden des europäischen Kolonialismus, als die oft zitierte „Bürde des Weißen Mannes“ als altruistischer, moralischer Deckmantel diente, um die Ausbeutung der Völker dieser Teile der Welt zu rechtsfertigen. Mit der „Bürde des Weißen Mannes“ war die angebliche Verpflichtung der weißen Kolonisten gemeint, den dort lebenden „Untermenschen“ die Errungenschaften der westlichen Zivilisation und den allein selig machenden christlichen Glauben zu bringen.

Aber machen wir weiter mit den Schlussfolgerungen der beiden Autoren, die schreiben, dass schon jetzt

„Regierungen weltweit nach einer gemeinsamen Diagnose handeln.: Die Vereinigten Staaten sind nicht mehr verlässlich, und die langfristige Verringerung der Abhängigkeit von Washington ist für sie zu einer strategischen Notwendigkeit geworden. Europa strebt nach mehr Autonomie durch höhere Verteidigungsausgaben, erste europäische Kommandostrukturen und ein wachsender Fokus auf nicht-amerikanische Rüstungsbeschaffung. Dadurch verringert sich Washingtons Einfluss auf die europäische Außenpolitik und die Interoperabilität, auf der die kollektive Verteidigung der NATO beruht, gerät unter Druck“.

In Asien gebe es ähnliche Auflösungserscheinungen, welche die USA nicht mehr im Griff haben:

„Japan hat seine Nachkriegsbeschränkungen für Rüstungsexporte gelockert, und Südkorea erwägt erstmals eigene nukleare Fähigkeiten – Entwicklungen, die auf eine Erosion der erweiterten Abschreckungsgarantien hindeuten, die das amerikanische Bündnissystem in Asien über mehr als 70 Jahre getragen haben.“

In Lateinamerika konzentrieren sich die Staaten stärker auf Handelsabkommen mit der EU und innerhalb der Region als auf Rahmenwerke, die von den USA dominiert sind. Das Tempo und die institutionelle Tiefe unterscheiden sich zwar regional, doch die Richtung ist überall dieselbe.

Wie im Nahen Osten müsse China auch in Asien „nicht die Lasten einer Ablösung der Vereinigten Staaten übernehmen“, um diese geopolitischen Verschiebungen zu nutzen. Seine dominierende Stellung bei Batterien, Elektrofahrzeugen und den kritischen Rohstoffen der Energiewende machten China zu einem unverzichtbaren Handelspartner für große Energieimporteure – unabhängig von deren sicherheitspolitischen Bindungen an Washington. Peking habe erkannt,

„dass Einfluss nicht dem zufällt, der bereit ist, (wie die USA) Ordnung zu garantieren, sondern dem, der am besten positioniert ist, um die Zukunft zu formen“,

so die beiden Autoren, die sich am Schluss dem Iran zuwenden:

„Der Iran-Krieg hat mehr bewirkt als eine Neuordnung des Nahen Ostens. Er hat eine Machtverschiebung entlang einer Achse vom östlichen Mittelmeer bis zum indischen Subkontinent beschleunigt, die von den USA geführte regionale Ordnung geschwächt und neuen Akteuren Raum verschafft. Sollte der Nahe Osten jedoch die erste Region sein, die endgültig in eine G-Null-Welt übergeht, wird er nicht die letzte bleiben.“

Hier noch eine Erklärung zu dem Begriff G-Zero-Welt. Eine G-Null-Welt ist der Gegensatz zu G7, G8, G20, etc.. Damit ist ein geopolitisches Konzept gemeint, das beschreibt, dass „keine einzelne Macht oder Staatengruppe“ mehr bereit oder in der Lage ist, die globale Führungsrolle zu übernehmen.

  • Die USA wollen oder können ihre frühere Rolle als globaler Hegemon und „Ordnungsmacht“ nicht mehr in vollem Umfang ausüben.
  • Keine andere Macht (weder China noch eine andere) ist bereit, diese Rolle zu übernehmen.
  • Folglich gibt es „keine effektive globale Führung“ mehr, was von westlichen Geostrategen als Katastrophe angesehen wird.

Dieser Artikel in Foreign Affairs ist deshalb interessant, weil sich die Zeitschrift tendenziell an den Ansichten der außenpolitischen Elite der USA ausrichtet, zugleich aber auch diese Ansichten formt.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: WASHINGTON - 22. Februar 2025: Präsident Donald Trump

Bildquelle: Joshua Sukoff / Shutterstock.com


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Rainer Rupp Foreign Affairs Iran Donald Trump Ian Bremmer Firas Maksad Machtverschiebung G-Null-Welt podcast


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