„Putin ähnelt für mich bis aufs Haar Hitler“

Ein polnisch-deutscher Dialog zur politischen Lage

Ein Briefwechsel des Schriftstellers Wolfgang Bittner mit einem polnischen Wissenschaftler .

Zur Einordnung dieses Briefwechsels schreibt Wolfgang Bittner:

„Aus der Zeit, als ich Gastprofessor in Polen war, gibt es noch einige Kontakte. Sie sind leider brüchig geworden, weil die Indoktrination der Bevölkerung auch vor den Türen der polnischen Universitäten nicht Halt macht.

 

Nun habe ich in den vergangenen Wochen mit einem ehemals guten Bekannten korrespondiert, der leider ebenfalls der US-gesteuerten Propaganda gegen Russland und für die Ukraine erlegen ist. Der Debattenraum ist immer enger geworden; insofern ist unser Briefwechsel nicht nur eine Seltenheit, sondern in dieser unterschiedlichen Wahrnehmung der gegenwärtigen politischen Situation auch exemplarisch. Was mein Briefpartner äußert, höre und lese ich in ganz ähnlicher Weise auch von anderen polnischen (oder auch deutschen!) Bekannten.“

Der Briefwechsel

Polen, 24. Dezember 2023

Lieber Wolfgang,

wir haben voneinander lange Zeit nicht mehr gehört. Schön, dass Du diese Funkstille zu Weihnachten unterbrochen hast. (…)

Wie geht es Dir? Verbringst Du Deine Zeit produktiv (schriftstellerisch tätig)?

Eine erfreuliche Nachricht: die Wahlen in Polen, die die PIS-Partei von der Macht entfernt haben. Du glaubst nicht, wie der Großteil von Polen darauf gewartet hat und wie enthusiastisch viele Polen darauf reagiert haben. Ich glaube, auch für das ganze demokratische Europa war der Sieg der demokratischen Kräfte in Polen etwas Ersehntes und Hoffnungsfrohes.

Verfolgst Du die politische Situation in Polen?

Ich grüße Dich ganz herzlich
Tomasz

                                                                                                                Göttingen, den 27. Dezember 2023

Lieber Tomasz,

wir sind wohlauf und haben ruhige Weihnachten verlebt. Sorgen macht uns – schon länger – die politische Lage, sowohl in Deutschland und Europa als auch in der Welt. Dass bei euch die PIS-Partei, die unter anderem Wahlkampf gegen Deutschland gemacht hat, abgewählt wurde, hat uns gefreut. Das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland hat sich sehr abgekühlt (auch meine guten Kontakte sind zum Teil abgerissen). Wie es in Polen weitergeht, bleibt abzuwarten.

Die Demokratie bröckelt in ganz Europa, so auch in Deutschland, und ich bin als Schriftsteller und Publizist direkt betroffen. Da ich mich mit der Ukraine seit 2014 intensiv beschäftige, habe ich zum Ukraine-Krieg gesagt und geschrieben, dass er vermeidbar gewesen wäre und dass für den „Stellvertreterkrieg“ keine Milliarden gezahlt und Waffen geliefert werden sollten. Das hat mir Diskriminierung eingebracht. So werde ich als Verschwörungstheoretiker und „Putinversteher“ beschimpft und meine Bücher werden boykottiert.

Die Berliner Regierung und unsere Leitmedien sind vollkommen unkritisch auf Seiten der USA, die auf der ganzen Welt Chaos, Krisen und Krieg verbreiten. Aber das wird offenbar auch in Polen anders gesehen. Wie ich lese, rüstet auch Polen gegen Russland auf. Überall wird aufgerüstet statt abgerüstet, und die Diplomatie funktioniert nicht mehr. Die Zukunft scheint in einem technologisch perfekt organisierten Totalitarismus zu liegen, viele Menschen verarmen und verkümmern, aber für das Militär ist genügend Geld da. Ich befürchte, dass es schrecklich enden könnte. Die Menschen wollen in Frieden leben, aber das wird ihnen verwehrt. Was meinst Du, lieber Tomasz, sehe ich das zu schwarz oder sogar falsch? Ich würde mir wünschen, ich könnte die Situation positiver beurteilen.

Für heute sende ich Dir herzliche Grüße und gute Wünsche
Wolfgang

PS: Renate geht ab und zu zum Bismarckturm auf den Berg, wo ihr mal gemeinsam wart, und sie wird von dem Turmhüter jedes Mal nach dem „polnischen Professor“ gefragt, damit bist Du gemeint.

                                                                                                                              Polen, 5. Januar 2024

Lieber Wolfgang,

die Sache mit Russland gehört sicherlich nicht zu den einfachsten. Allerdings sehe ich die Dinge anders als Du. Putin ähnelt für mich bis aufs Haar Hitler, mit dem “kleinen” Unterschied, dass Hitler von anderen europäischen Ländern quasi alles erlaubt wurde (wollte er Tschechoslowakei – bitte sehr, wollte er Saarland und Rheinland – bitte sehr, wollte er Österreich – “bedienen Sie sich bitte”) und dem Appetit von Putin hingegen ein Ende gesetzt wurde (nach der wilden und straffreien Übernahme von Krim und östlichen Provinzen der Ukraine – Donbas).

Putin hatte alle Karten in der Hand gehabt, konnte durch seine geschickte Politik fast das ganze Europa mit Gas versorgen (und dabei politisch erpressen). Mit Deutschland sogar hinter dem Rücken der EU Gaspipelines (Nordstream I und II) – u.a. gegen Interessen von Polen – entwickeln. Man kann zynisch sagen, dass dank dem Krieg gegen die Ukraine das wahre Gesicht von Putin endlich erkannt werden konnte und dass dieser Krieg das Europa zum Glück wachrüttelte. Europa hat somit verstanden, dass man die Ukraine nicht preisgeben kann, denn die Ukraine ist Vorspeise. Wenn sie besetzt wäre, würden andere Länder (auch Polen) in die Speisekarte von Putin gelangen.

Ich kann auch nicht die Leute verstehen, die nach dem sowjetischen Angriff auf die Ukraine das Weggucken vorziehen (als Beispiel der Emma-Brief, unterzeichnet u.a. von Martin Walser). Vielmals hat man in der europäischen Geschichte weggeguckt (z.B. als Juden ermordet wurden). Schluss mit dieser Politik, der Tausende von unschuldigen Menschen zum Opfer fallen. Schon selbst aus Gründen der Humanität muss man mit diesen Menschen solidarisch sein, muss man sie unterstützen und sich mit ihnen gegen das Böse wappnen.

In der Absage an Putin und in der umfangreichen Hilfe für die Ukraine bin ich radikal. Sagen wir das offen: Putin und sein Größenwahn haben einen langen und stabilen Frieden in Europa zerstört. Nicht die Ukraine, die ihren eigenen (souveränen) Weg wählen und gehen will, ist schuld, sondern Putin, der den Zaren aus alten Zeiten gleich für sich das Recht beansprucht, über andere frei zu verfügen, über andere zu entscheiden, die Länder und Völker wie Hunde zu betrachten, die an der Leine zu führen sind und denen gegebenenfalls ein Maulkorb angelegt werden soll. Ich sage solch einer Verhaltens-, Denk- und Handlungsweise eindeutiges Nein. Für solch ein Denken soll es im 21. Jh. in Europa keinen Platz geben.

Lieber Wolfgang, ich hoffe, Du nimmst mir meine Ehrlichkeit und Entschiedenheit nicht übel.

Ich grüsse Dich herzlichst
Tomasz

                                                                                                                Göttingen, den 23. Januar 2024

Lieber Tomasz,

das Verhältnis der westlichen Allianz zu Russland ist auch nach meiner Meinung nicht ganz einfach zu bewerten. Nachdem ich mich seit 2014 damit beschäftige und vier Bücher dazu veröffentlicht habe, komme ich zu anderen Schlüssen als Du. Auch wenn die Medien und unsere führenden Politiker eine andere Meinung – die Washingtons und der Nato – verbreiten und Polen dabei völlig kritiklos mitgeht. Auch halte ich einen Vergleich Putins mit Hitler für unbrauchbar. Putin wurde schon vor dem von den USA initiierten Putsch in der Ukraine und noch mehr danach systematisch als Faktor in der internationalen Politik abgebaut und schließlich geächtet. Man kann über Putin sagen, was man will, aber ich habe über Jahre hinweg die Polemik, Diskreditierung und Propaganda mitverfolgt. Wenn man sich mal – ohne Emotionen – in die Lage Russlands versetzt, ist es doch selbstverständlich, dass sie keine Raketenstellung an ihren Grenzen haben wollen, von wo aus Moskau in fünf Minuten zerstört werden könnte. (Die USA würden niemals russische Raketenstellungen in Mexiko dulden.)

Übrigens war Polen 1938 an der Zerteilung der Tschechoslowakei neben Deutschland beteiligt. Vorab wurde gemeinsam entschieden, wer welche Teile Tschechiens bekommen sollte. Polen okkupierte dann einen Tag nach dem Einmarsch Nazi-Deutschlands in die Tschechoslowakei das Olsa-Gebiet (Teschener Land). Und Oberschlesien wurde 1922 unter Missachtung des Ergebnisses der Volksabstimmung durch den Völkerbund zugunsten Polens geteilt. Mit Hitler sind eher andere Großmachtdiktatoren wie General Franco, Mussolini oder auch der in Polen verehrte Marschall Pilsudski zu vergleichen. Letzterer hat bekanntlich Interventionskriege gegen Nachbarländer geführt und seine politischen Gegner ermorden lassen. Und was die Judenermordung betrifft, sagte der damalige polnische Botschafter in Deutschland, Jozef Lipski, bei einem Gespräch mit Hitler am 20. September 1938: „… Für die Lösung der jüdischen Frage werden wir [also Polen] ihm … ein schönes Denkmal in Warschau aufstellen.“

Es ist also alles viel komplizierter, als es in den Schulbüchern steht oder befangene und unwissende Politiker sagen. Das trifft auch auf den schrecklichen Krieg in der Ukraine zu. Die USA haben 2014 die Hand auf die Ukraine gelegt und mit den dortigen Nationalisten und Faschisten, die auch im Parlament sitzen, Feuer vor der Haustür Russlands gelegt. Seither brannte die Lunte, bis es 2022 zum Kriegseintritt kam. Der Krieg hätte verhindert werden können, wenn die Ukraine neutral geblieben wäre, und darüber hat Putin bis sieben Tage vor dem Einmarsch versucht, mit Joseph Biden zu verhandeln, aber er wurde einfach ignoriert, denn der Krieg war von den USA geplant und vorbereitet. Ich habe das alles mit der Bemühung um Objektivität genauer untersucht und füge den Link zu einem Auszug aus meinem Buch „Der neue West-Ost-Konflikt – Inszenierung einer Krise“ bei: https://www.nachdenkseiten.de/?p=82640

Schwer verständlich und schwer nachzuvollziehen, wenn man die Hintergründe und die Einzelheiten der geopolitischen Lage nicht kennt. Dazu müsste man meine Bücher lesen. Russland war dabei, seine Wirtschaft aufzubauen und hat überhaupt kein Interesse an einem Krieg noch an Interventionen in den baltischen Staaten oder Polen – das ist reine Propaganda. Putin hatte mehrmals wirtschaftliche Kooperation mit Westeuropa angeboten, aber das wurde von den USA verhindert; zurzeit ruinieren sie Europa, insbesondere Deutschland, wie wir hier deutlich merken. Und Russland orientiert sich zum Schaden Westeuropas notgedrungen nach China und den asiatischen Ländern, obwohl es engen Kontakt mit Westeuropa suchte.

Es ist entsetzlich, was sich abspielt, lieber Tomasz, insbesondere in der Ukraine, und es kann ja nicht schaden, mal eine andere Sichtweise (mit entsprechenden Belegen) zur Kenntnis zu nehmen. Auch wenn ich Dich wahrscheinlich nicht überzeugen kann, dazu sind die Einflüsse, die auch Emotionen hervorrufen, zu stark.

Nach wie vor mit allerherzlichsten Grüßen
Wolfgang

PS: Ich stehe übrigens wegen meiner Veröffentlichungen auf einer Todesliste der Ukraine, soviel zur dortigen „Demokratie“.

                                                                                                                              Polen, 24. Januar 2024

Lieber Wolfgang,

teilweise kann man Deinen Thesen zustimmen. Aber nur teilweise.

Die Perspektive, die Du einnimmst, verharmlost Putin, macht ihn menschlich(er). Ich bin gespannt, ob die russische Opposition (z.B. Navalny) Deine liebevollen Worte und Ansichten über Putin teilen würde.

Die Auslandspolitik kann noch verwirrt machen, aber die inländische Politik kann nicht täuschen, lässt keine Zweifel daran, mit wem wir zu tun haben. Einige Fragen an Dich:

  • Gibt es unabhängige Medien in Russland?
  • Darf sich die Opposition in Russland betätigen?
  • Was passiert, wenn Menschen in Russland den Krieg in der Ukraine der Realität entsprechend den Krieg nennen?
  • Warum Tausende von jungen Russen in den letzten 2 Jahren aus Russland geflohen sind? (Wohl nicht, weil Russland unter der Herrschaft von Putin ein Traumland ist.)
  • Wer steht hinter den politischen Morden (z.B. an unabhängigen Journalisten) in Russland in den letzten 10-15 Jahren?!

Und noch eine private Frage: kannst Du dir vorstellen, nach Russland umzuziehen und dort zu leben? Ich glaube, diese Frage muss man beantworten, um zu wissen, mit welchem Land (z.B. mit welcher Haltung den Menschenrechten gegenüber) man zu tun hat.

Man läuft Gefahr, wenn man Putin verharmlost. Er ist ein alter Fuchs, rücksichtslos (nicht ohne Bedeutung ist die Tatsache, dass er lange Zeit ein KGB-Agent war), zynisch, unberechenbar und zu allem bereit. Sich mit ihm zu verbünden, hat für mich die Bedeutung von Fausts Pakt mit dem Teufel.

Die demokratische Welt findet nie die gemeinsame Sprache mit jemand, der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte verachtet. Putins Annäherung an China ist in diesem Kontext vielsagend: der eine hier traf auf sein gleich denkendes und handelndes Gegenüber dort.

Herzlichst
Tomasz

                                                                                                                Göttingen, den 25. Januar 2024

Lieber Tomasz,

auf Deine Fragen möchte ich Dir antworten und mir etwas Zeit dafür nehmen. Zunächst zu Navalny. Ich bin der Überzeugung, dass es sich bei der angeblichen Vergiftung um eine Geheimdienstaktion gehandelt hat. Hätte er wirklich vergiftet werden sollen, wäre er tot. So aber wird dieser inzwischen bemitleidenswerte Einflussagent, der an der US-Eliteuniversität Yale/Connecticut eine mehrmonatige Schulung als „Regimechanger“ absolviert hat und mit Geldern unterstützt wurde, wirkungsvoll als Vorzeigeoppositioneller und Opfer Putins benutzt. Übrigens erhielten eine ähnliche Unterweisung als „globale Führungskraft“ im „Yale World Fellows Program“ der Ukrainer Arsenij Jazenjuk, der Georgier Micheil Saakaschwili, die Litauerin Dalia Grybauskaité, der Venezolaner Juan Guaidó und andere US-Einflussagenten. Auch deutsche Politiker wurden in den USA entsprechend geschult – soweit das überhaupt nötig war. Aber solche Hintergründe bleiben zumeist verborgen. Deshalb habe ich das in meinem Buch „Deutschland – verraten und verkauft“ aufgegriffen.

Zu den unabhängigen Medien ist zu sagen, dass wir sie in Deutschland auch nicht haben. Wie auch viele meiner den USA und der Berliner Regierung kritisch gegenüberstehenden Kollegen, kann ich seit meinen politischen Veröffentlichungen nicht mehr in den etablierten deutschen Medien veröffentlichen und auch mein literarisches Werk wird boykottiert. Nicht wenige müssen mit Hausdurchsuchungen, Gerichtsverfahren und sonstigen Zwangs- und Einschüchterungsmaßnahmen rechnen. Es gibt keine echte Opposition, wenn man von einigen alternativen Publizisten und Internetmedien – sowie, ja, der AfD – absieht, deren Programm ich in einigen wesentlichen Punkten ablehne. Wie Du vielleicht mitbekommen hast, soll die AfD möglichst verboten werden, obwohl sie momentan 24 Prozent der Wähler hinter sich hat. Eine Partei, die nicht passt, soll also mit dem weitgehend vorgeschobenen Argument, sie sei faschistisch, von faschistoiden und US-affinen Kräften eliminiert werden.

Dazu muss man wissen, dass in Deutschland nichts Wichtiges ohne Washington passiert. Die Siegermächte von 1945, die seinerzeit eine bedingungslose Kapitulation durch die Flächenbombardements bis kurz vor Kriegsende erzwungen hatten, sind immer noch präsent. Die Bundesrepublik Deutschland steht unter Kuratel der USA sowie unter latenter Beobachtung Großbritanniens und Frankreichs, auch wenn das bemäntelt wird und viele es nicht wahrhaben wollen. Wenn man diese Tatsache hinsichtlich der geopolitischen Situation, in der wir uns befinden, bedenkt, wird vieles klarer: Washington hat erhebliche Möglichkeiten, Druck auszuüben und auf Entscheidungen der deutschen Regierung einzuwirken, was ständig zu beobachten ist, zum Beispiel bei der Sprengung der Ostsee-Pipelines, der grenzenlosen Unterstützung der Ukraine und der verheerenden Aggressionspolitik gegenüber Russland. Deutschland (wie auch die EU) wird als Konkurrent der USA ausgeschaltet und ruiniert.

Du fragst weiter, warum Tausende von jungen Russen aus ihrem Land geflohen sind. Sicherlich nicht, weil Russland nicht ihr Traumland ist, sondern weil sie dem Militärdienst entkommen wollten. Das Gleiche trifft auf Tausende junge Ukrainer zu. Allerdings werden ukrainische Flüchtlinge, darunter auch Angehörige des faschistischen Asow-Regiments und ähnliche Faschisten, in Deutschland gut mit einer Grundsicherung versorgt, und zwar auf Kosten der hiesigen Bevölkerung, für die Mieten, Krankenversorgung usw. erheblich teurer geworden sind, ganz zu schweigen von den Lebensmittelpreisen. Ukrainische Flüchtlinge könnten problemlos im Westen dieses riesigen Landes in Refugien unterkommen, die dann vom Westen finanziert werden könnten. Das ist aber politisch nicht gewünscht.

Zu den politischen Morden, die im Westen wie im Osten, in Russland wie in den USA oder in Europa vorkommen, stehen natürlich Geheimdienste, die nach politischen Vorgaben handeln. Das wissen wir doch, seit Lumumba, Allende, Kennedy, Martin Luther King, Papst Johannes Paul I, Olaf Palme, Ytzhak Rabin, Jassir Arafat und viele andere Hoffnungsträger ermordet wurden. Wer aufmuckt, wird – so oder so – ausgeschaltet.

Über Putin möchte ich mich nicht auf eine ausufernde Diskussion einlassen. Er ist für die Amis und damit auch für ihre Verbündeten/Vasallen der Todfeind Nr. 1, weil er Russland – trotz der beschädigenden Sanktionen – vor der Vereinnahmung durch die Wirtschafts- und Finanzeliten des Westens, insbesondere der USA und Großbritanniens bewahrt, die auf die Ressourcen Russlands aus sind (wäre unter Jelzin beinahe gelungen). Dementsprechend findet seit Jahren in Politik und Medien eine systematische Hetz- und Verleumdungskampagne gegen Putin statt. Gegen diese Indoktrination ist zurzeit nicht anzukommen.

Soweit meine Antwort auf Deine Fragen, lieber Tomasz. In Russland will ich nicht leben, sondern in Deutschland (evtl. auch in Kanada, das sich aber unter Justin Trudeau zum Nachteil verändert hat). Abgesehen von der Teuerung, die durch Kriege, Chaos und Aufrüstung verursacht wird (ausgehend zumeist von den USA), kann man dort wie hier einigermaßen leben, wenn man sich angepasst verhält. Aber da ich das aus einigen der genannten Gründe und weil alles im Westen derzeit in eine faschistische Richtung treibt, nicht tue, wird es mir immer schwerer gemacht, hier zu leben. Du wirst das wohl kaum nachvollziehen können und für übertrieben halten, du glaubst noch an die Demokratie, die es nicht mehr gibt. Aber ich leide schon seit mehreren Jahren unter diesen Verhältnissen, die mich ernsthaft gefährden und mir mein Alter verdunkeln.

Mit herzlichen Grüßen
Wolfgang

PS: Hier findet eine Kriegspropaganda statt, wie ich es als „Kriegskind“ bis vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte: Von Baerbock „Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland“, Pistorius‘ „Wir müssen kriegstüchtig werden“ über die „t-online“-Schlagzeile: „Wir könnten bald Krieg mit Russland haben“ bis zur Erklärung des Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses, des niederländischen Admirals Rob Bauer: „Wir bereiten uns auf einen Konflikt mit Russland … vor. Wenn sie uns angreifen, müssen wir bereit sein.“ Usw. usw.

Es wird unterstellt, dass Russland Westeuropa angreifen will, was jeglicher Realität entbehrt, gezielte US-Propaganda und unsinnig ist. Die große Mehrheit der Menschen, der sogenannte globale Süden, lässt sich die Bevormundungen und die Unterdrückung durch die USA nicht mehr gefallen. Die USA sind bald am Ende, aber wenn sie fallen, werden wir mitgezogen. Siehe auch Oskar Lafontaine, ehemaliger saarländischer Ministerpräsident, Minister und SPD-Kanzlerkandidat:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=109821

                                                                                                                Göttingen, den 4. Februar 2024

Lieber Tomasz,

ich freue mich, dass wir uns so offen austauschen konnten. Wollen wir das erstmal so stehen lassen?

Der Debattenraum ist ja immer enger geworden, insofern ist unser Briefwechsel nicht nur eine Seltenheit, sondern in dieser unterschiedlichen Wahrnehmung der gegenwärtigen politischen Situation auch exemplarisch. Wärst Du damit einverstanden, wenn unser Austausch in einem Internetforum oder einer Zeitschrift veröffentlicht würde?

Meine Ansichten liegen sowieso offen, sie sind zum Beispiel in meinen Büchern nachlesbar. Deinen Anteil könnte ich anonymisieren, falls Du denkst, dass Du Probleme bekämst. Meines Erachtens wäre es wichtig, die unterschiedlichen Sichtweisen gerade in der jetzigen Zeit deutlich zu machen. Es würde sicherlich andere Menschen ermutigen, sich ebenfalls – und sei es privat – mit den gegenwärtigen Problemen auseinanderzusetzen. Was meinst Du dazu?

Herzliche Grüße
Wolfgang

                                                                                                                              Polen, 4. Februar 2024

Lieber Wolfgang,

Du hast recht, dass es wichtig ist, erstens seine Ansichten, Überzeugungen friedlich austauschen zu können, aber nicht weniger wichtig, und das zweitens, dass man sich auch darin unterscheidet.

Wie gesagt, ich bin nicht ganz gegen Deinen Standpunkt. Ich glaube, einige Fehler hat der Westen Russland gegenüber doch begangen. Diese Fehler jedoch rechtfertigen keinesfalls das, was Putin beschlossen und gemacht hat. Den Krieg auszurufen, ein anderes Land besetzen zu wollen, Städte und Dörfer zu bombardieren, das darf man in keinerlei Hinsicht tun. Niemand in der Welt hat darauf ein Recht.

Ich glaube, am schnellsten würde man es verstehen, wenn man selber davon betroffen wäre. Für einen Deutschen würde es heißen: Würde ich es mir gefallen lassen, würde ich Putins Handlungen für berechtigt halten, falls er mein Land erobert hätte?! Für viele Menschen in der Welt sieht es leider so aus: Die Ukrainer können/sollen sterben, solange ich meinen Tee ungehindert weiter trinken kann. Aber ich, rein menschlich, kann diesen Ereignissen nicht passiv zugucken, wenn dort Menschen ums Leben kommen.

Wenn Du meinst, unser Meinungsaustausch könnte etwas bewirken und hat eine Qualität, die es erlaubt, dass er publik gemacht werden kann, dann kannst Du es für Dritte (Interessierte) zugänglich machen. Ich willige darin ein. Aber vielleicht doch anonym – ich möchte nicht z.B. der Hassrede zum Opfer fallen (falls jemand meine Ansichten nicht teilen sollte).

Ich grüsse Dich herzlich
Tomasz

Quellen und Anmerkungen

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Von ihm erschienen 2014 „Die Eroberung Europas durch die USA“, 2019 „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“ sowie „Der neue West-Ost-Konflikt“, 2021 „Deutschland – verraten und verkauft. Hintergründe und Analysen“ sowie 2023 im Verlag zeitgeist „Ausnahmezustand – Geopolitische Einsichten und Analysen unter Berücksichtigung der Ukraine-Krise“.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 5.2.2024 auf den NachDenkSeiten.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: Mykhailo Soldatenko / Shutterstock.com

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Kommentare (16)

16 Kommentare zu: “„Putin ähnelt für mich bis aufs Haar Hitler“

  1. Ziviliest sagt:

    Putin und Hitler in einen Topf zu werfen, für einen solchen Schwachsinn bedarf es schon einer gewissen geistigen Kapazität. Und gesteuert werden diese geistigen Kapazitäten von sog. Gefühlen und Hormonen. Es ist wirklich faszinierend, wie die (West-) global gleichgeschalteten Medien die Menschheit über die Hass Moderation im Griff haben, Moral (schlechtes Gewissen) ist dabei eine wichtige Waffe, denn es schwächt die Abwehr.

    Hier noch ein Indiz, daß wir es nicht einfach mit Dummheit zu tun haben, sondern mit fehlgeleiteter Intelligenz:
    "Ich kann auch nicht die Leute verstehen, die nach dem sowjetischen Angriff auf die Ukraine . . ."

    Die Ukr war ein Teil der SU, am 17. 03. 1991 gab es eine Abstimmung über den Erhalt der SU, insgesamt pro knapp 78%, in der Ukr knapp 72%, wer hat die Menschen damals betrogen, das war doch dieser Alki, der sich von Clinton betrügen ließ ?

  2. Die "Argumente" des polnischen Freundes Herrn Bittners sind nichts als US-Propaganda-Plattitüden: das ist das, was deutsche Hauptstrommedien immer wiederkäuen – bis auch die dümmsten Lügen geglaubt werden.

    Mir scheint, dass das Bild des polnischen Gegenübers stark von der selbsterfahrenen Geschichte mit der Sowjetunion geprägt sind.

    Diese Erfahrung haben wir in (Westdeutschland) nicht. – Dagegen haben wir die "Geschichte mit den USA".
    Wir verstehen die USA so, wie "Tomasz" die Sowjetunion, und in dessen Gefolge Russland.

    Was ich trotzdem komisch finde, ist, dass "Tomasz" die europäische Geschichte der letzten 30 Jahre und auch das Tun der USA komplett auszublenden scheint.
    Meiner Ansicht nach, hat das russische Verhalten und das Verhalten des russischen Präsidenten nichts mehr – oder wenig – mit dem zu tun, was die Sowjetunion tat.
    Aber "Tomasz" scheint das nicht zu merken, und bei ihm dominiert die Angst vor der Sowjetunion.
    (Wobei es natürlich noch weiter zurückliegender Hass auf Russland sein kann: denn Polen und Russland haben sich als Staaten ja schon häufiger nicht leiden können, und schon früher Krieg gegeneinander geführt.)

    Insofern erscheint mir "Tomasz" Haltung zwar verständlich, aber überaus kontraproduktiv, und realitätsfern.

    Danke, Herr Bittner, für diese Veröffentlichung.

  3. Einhorn_inge sagt:

    auf der einen Seite der polnische mitfühlende Mensch der den Aggressor verurteilt, auf der anderen Seite der egoistische deutsche Mensch der Opfer von Gewalt nicht unterstützen möchte, lieber günstige schmutzige Energie bezieht und dem der Agressor egal ist solange es ihn nicht direkt selbst betrifft. Tomasz du bist Mensch geblieben 😘😀

    • Helena sagt:

      Ja, Einhorn_Inge, auf der einen Seite der polnische "mitfühlende Mensch" im Einvernehmen mit dem mitfühlenden Joe Biden, dem mitfühlenden Selenski und den mitfühlenden Asow-Faschisten?
      Auf der anderen Seit die Fakten, die Wolfgang Bittner präzise darstellt und in seinen Büchern belegt hat.
      Dazu das teuere schmutzige Fracking-Gas aus den USA mit LNG-Terminals und der noch schmutzige Krieg überall, nicht nur in der Ukraine?
      Ich kann dieses irre Unverständnis nicht mehr begreifen. Es liegt doch alles klar auf dem Tisch.

    • Einhorn_inge sagt:

      Fakt ist dass Russland sich eingemischt hat und Soldaten auf die Krim und in den Donbass geschickt hat. Fakt ist dass die Bevölkerung im Donbass sich zu 65% für die Ukraine entschieden hatte und 18% pro Russland waren.
      Fakt ist dass die Separatisten von Russland dazu gedrängt und dabei unterstützt wurden 2014 einen "Bürgerkrieg" zu starten. Diese Minderheit hat den Krieg begonnen, die demokratisch gewählten Gemeindevertreter gewaltsam entfernt und eine Militärregierung installiert. Fakt ist dass Russland somit Land der Ukraine geraubt hat und hunderttausende Menschen dabei ums Leben gekommen sind und der russische Angriff bis heute nicht aufhört.

      Das kann man auch alles nachlesen …auch in nicht mainstream Seiten, das Interview mit Girkin erschien auch in der Zastra:

      Umfrage kurz vor dem Krieg 2014, Die Mehrheit der Einwohner Donezks – 65,7 % – möchte in einer vereinten Ukraine leben, 18,2 % wollen nach Russland:
      http://www.cogita.ru/a.n.-alekseev/kontekst/kto-uschemlyal-prava-zhitelei-donecka-i-chem-oni-segodnya-napugany

      Igor Strelkov erzählt was passiert ist 2014:
      https://www.themoscowtimes.com/2014/11/21/russias-igor-strelkov-i-am-responsible-for-war-in-eastern-ukraine-a41598

      Aussagen von einem russischen Soldat:
      https://www.nzz.ch/international/wir-wussten-es-geht-in-die-ukraine-ld.92835

      Berichte von russischen Soldatenmüttern deren russische Söhne im Donbass gefallen sind:
      https://www.pravda.com.ua/rus/articles/2017/04/27/7142461/

      Analyse des Kriegsgeräts in 2014
      https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2017/04/02/tankspotting-t-90as-donbass/

  4. H.K. sagt:

    Ich habe polnische Wurzeln.
    Ich konnte mir die Ergüsse des sogenannten polnischen "Wissenschaftlers" nur mit Kopfschütteln durchlesen…
    Europa ist am Ende und nicht mehr zu retten!
    Traurig

  5. Wolfgang Bitter hätte sich das Interview mit seinem polnischen vernagelten Konterpart wirklich ersparen können! Geschichtlich gesehen waren und sind die Polen immer schon gegen Russland ins Feld gezogen und haben dabei wie eh und je genüsslich den Deutschen noch den Arsch geleckt. Der polnische Krypto-Faschismus hat in diesem Land immer schon für seine Gesinnungsgenossen des vernebelten Chauvinismus, überzogenen Nationalismus und billiger Arroganz tiefe Wurzeln hinterlassen. Frage mich so oder so, ob die Westukrainer die 18 Jahre polnischer Unterdrückung von 1921 – 1939 so leicht vergessen haben. Heute schleichen ja wieder polnische US-Lumpen um die Rada in Kiew herum und möchten erneut mit am Schweinetrog partizipieren. Ob Polen, Tschechen, Ungarn , Kroaten oder andere billige Slawen-Akolythen ins Goldene Horn blasen zur Belustigung des Unwertewestens – ist erneut egal. Alle sind sie nur Trittbrettfahrer des US/UK/Zion-Finanzkapitals und merken dabei selber nicht, dass sie ebenfalls voll ausgenutzt und nur benutzt werden wie ihre Überzeugungsschurken in Berlin oder Brüssel. Fakt! Da hilft wohl auch am Ende kein steiniger Gang auf allen vier rachitischen Extremitäten von Krakau nach Canossa mehr, um verlorenen Abbitte zu leisten, wenn Warschau, Prag oder Budapest mit russischen Marschflugkörpern "verschönert" werden. LOL. Das war aber immer schon so. Der Gartenzwerg keift so lange nach Mutterns Zitze, bis am Ende die Milch zu sauer wird. Arme Pollacken. So vernebelt und vernagelt im billigen Mainstream-Gedankengut gefangen, dass einem schon Mitleid in die tränenden Augen kommt. LOL.

  6. zurfall sagt:

    diese ganze Politbrut ist zum fremdschämen.

  7. Nevyn sagt:

    Ich habe Verständnis dafür, dass man im Westen Putin nicht besonders mag. Aus mancherlei Gründen.

    Es gibt viele Beispiele dafür, dass man hier Politiker, die einem im Weges stehen, dämonisiert. Gehört zur kognitiven Kriegsführung. Sogar die eigene Bevölkerung wird dämonisiert, jedenfalls der Teil der der olivgrünen Ideologie nicht ohne Widerspruch folgen willl
    Das hilft nur keinen Schritt weiter, weil es einem den Blick auf die Realität verstellt und die Situation nur verschlimmert.

    Im Übrigen habe ich noch nicht beobachten können, dass Putin oder seine Presse das in umgekehrter Richtung auch so machen.

  8. momus sagt:

    Der Zerfall der UdSSR samt "Befreiung" der Ostblock-Länder hat ja dem Hegemon USA die unverhoffte Chance geboten, seine Kontrolle auf Osteuropa und Russland auszudehnen. Dazu war es nötig, die ohnehin schon herrschende Russenfeindlichkeit in den ehem. Ostblock-Staaten nicht etwa abzubauen i.S. einer stabilen Friedensarchitektur, sondern im Gegenteil Russland mit den Mitteln der Haßpropaganda zum Erzfeind aufzubauen, um dieses größte Land der Erde schließlich mit gewaltsamen Mitteln bekriegen und übernehmen zu können. Der vorliegende Briefwechsel beleuchtet ein winziges Detail dieses geostrategisch zu verstehenden Prozesses.

  9. vizero 13 sagt:

    Sehr bezeichnend, wie die verschiedenen Weltsichten hier gegeneinander stehen. Ic fidne solche Kontakte immer hilfreich, um seine eigenen Ansichten zu überprüfen und deswegen finde ich auch diese Veröffentlichung gut, auch wenn ich die Ansichten von Tomasz in nur sehr eingeschränkt verstehen kann – unter der Maßgabe, dass er voll auf die NATO-Propaganda beeinflusst wurde, weil er anscheinend keinen Zugang zu alternativen Informationsquellen hat.

  10. Fensterreiniger sagt:

    Sollten wir uns nicht viel mehr auf das Verbindende, die Gemeinsamkeiten, konzentrieren, statt auf das Trennende?

    Eine Betonung des "Fratelli tutti" (Papst Franziskus) und der "Menschheitsfamilie", in Verbindung mit einer Ausrichtung auf das Wohl aller Menschen – Gemeinwohl für alle – in dem wir eine soziale, nachhaltige und umweltverträgliche Wirtschaft erschaffen ⟹ Die Wirtschaft hat allen Menschen zu dienen, nicht lediglich einzelnen Profiteuren.

    Dazu müsste man die Konzentration von Vermögen in den Händen weniger durch Steuern abschöpfen und die Einnahmen in Zukunftsprojekte investieren: Bildung, Infrastruktur, Forschung und Technologie. Zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen. Und vor allem: FRIEDEN SCHAFFEN, damit sich die Menschheit weiter entwickeln kann.

  11. Rexibaer sagt:

    Geschichtsverständns ist etwas erlerntes, Schule, Elternhaus, Umfeld und eigene Intetessen. Putin mit Hitler zu vergleichen ist in meinen Augen absurd, total aus dem geschichtlichen Kontext gerissen. Eine persönliche Meinung des Freundes, ein Thema um viel zu diskutieren (wenn man möchte). Der 2. Weltkrieg war durch den Westen gewollt und Deutschland das Werkzeug. Das heutige Werkzeug ist die Ukraine, Auftraggeber der Westen, bloß wer ist jetzt Hitler?

  12. inselberg sagt:

    Ein typisches Projektionsproblem. Man nimmt an dass Menschen mit denen man sich umgibt ähnlich rational, sich selbst hinterfragend, agieren und ist bereit offensichtliche Anzeichen des Gegenteils auszublenden, da es sonst sehr schnell sehr einsam werden kann.

    Der Kollege ist nicht irgendwann falsch abgebogen oder wurde von Propaganda überrumpelt, er trägt ein menschenverachtendes Bild anderer in sich, welches natürlich nur ein Spiegel seiner selbst ist.
    Unterstützt von der Weigerung sich mit Argumenten und Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

    In solchen Fällen sollte an immer seinen Wissensvorsprung aufzeigen und eben nicht um des lieben Friedenswillen jeden Quatsch erdulden.
    Ja, es mag Themengebiete geben wo man andere Meinung sein kann, wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat, aber eine Theorie die am Ende in der kindlichen Reduktion darauf beruht "Weil Putin böse ist" sollte man sich nicht aufnötigen lassen.

    Ein weitere Punkt ist die dreiste Unhöflichkeit mit der Kollege T dem Autor (einem Experten auf diesem Gebiet) seine Meinung aufdrängt, obwohl er auch hier wissen muss mit wem er da korrespondiert.
    Dies erinnert mich an einen pubertierenden Halbstarken der sich um jeden Preis mit jemanden anlegen will und dabei verkennt wie lächerlich sein Gebaren ist.

    Man kann sie nun mal nicht alle retten ;)

  13. Der Briefwechsel zeigt eines ganz deutlich: Die Vergangenheit wirkt noch nach Jahrzehnten und selbst nach Jahrhunderten so sehr nach, dass ein Ausbrechen aus dem Narrativ extrem schwierig ist. Möglicherweise würde Dein Brieffreund bei einem Perspektivenwechsel sämtliche Kontakte in seinem Land verlieren, oder er müsste in seinem Land ständig mit seiner anderen Meinung hinter dem Berg halten. Das ist wohl auch der Grund, warum so wenig Menschen konträre Meinungen zur Mehrheitsmeinung annehmen. Man wird mehr oder weniger isoliert. Behalte den Kontakt, so lange es möglich ist, so kannst Du auch Deine Meinung ständig überprüfen und gerätst nicht in eine Filterblase.

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