Medienversagen | Von Norbert Häring

Wie ein Medienkonzern seine Journalisten auf bedingungslose Unterstützung der Pandemie-Politik festgelegt hat

Ein Kommentar von Norbert Häring.

Der CEO des wichtigsten Schweizer Zeitungsverlags, der auch einige internationale Zeitungen herausgibt, hat sich laut einem nun veröffentlichten Video vor 10 Monaten damit gerühmt, dass er veranlasst habe, dass alle Zeitungen der Gruppe die Corona-Politik der nationalen Regierung unterstützen. Sein Dementi ist schwach und schreckt vor Ad-hominem-Attacken nicht zurück.

Der Nebelspalter, der das Skandalvideo veröffentlichte, spricht angesichts der eigentlich nicht zu Veröffentlichung bestimmten Aufnahme von unverfrorener Komplizenschaft zwischen Staats- und Medienmacht. Sie erkläre, warum die Zeitungen der Ringier-Gruppe, darunter das Bild-Pendant Blick, immer so gut über Pläne der Regierung informiert gewesen seien und die Regierungspolitik immer so freundlich begleitet und kommentiert hätten.

Eingebettet in den Artikel mit dem Titel „Geheimes Video zeigt: CEO Marc Walder zwang alle Redaktionen der Ringier-Medien weltweit auf Regierungskurs“ der traditionsreichen Satire-Zeitschrift können Ungläubige einen O-Ton von Ringier-CEO Marc Walder hören. Walders Bemerkungen fielen am 3. Februar 2021 im Rahmen der Gesprächsreihe mit dem Titel «Inspirational Talk» der Schweizerischen Management Gesellschaft. Thema: Digitale Transformation. Walder ist sich erkennbar bewusst, dass er sehr Heikles sagt, nämlich unter anderem:

“Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind – und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt – auf meine Initiative hin gesagt: ‹Wir wollen die Regierung unterstützen durch unsere mediale Berichterstattung, dass wir alle gut durch die Krise kommen. Das mag Sie jetzt überraschen, aber ich will es an einem Beispiel festmachen. Auch die Blick-Gruppe, die jetzt in der Schweiz sehr prägend ist in der Covid-Berichterstattung, könnte deutlich härter – und vielleicht sagen einige von Ihnen: ‹Ja, macht’s doch bitte, die schlafen alle, die packen’s nicht› – sein. (…) Das nützt im Moment niemandem etwas. Wir müssen versuchen, dass die Politik, ob sie jetzt genug schnell, genug hart, zu wenig hart usw. agiert, das Volk nicht verliert. Und hier dürfen die Medien nicht einen Keil treiben zwischen der Gesellschaft und der Regierung.“

Gleichzeitig kritisierte Walder die seiner Ansicht nach viel zu kritische Berichterstattung der Bild-Zeitung in  Deutschland. Dem Nebelspalter sagte ein Ringier-Sprecher, gefragt, ob dies nicht die redaktionelle Unabhängigkeit ausheble:

„Nein: Zwischen Marc Walder und vielen Chefredakteurinnen und Chefredakteuren der Ringier-Gruppe findet seit vielen Jahren ein konstanter und konstruktiver Dialog statt.“

Auf die Frage, ob inhaltliche Vorgaben des Verlags für die Redaktionen bei Ringier üblich seien, hieß es:

“Die Redaktionen und Mitglieder der Konzernleitung (…) tauschen sich konstant aus. Die Verantwortung und Hoheit der publizistischen Berichterstattung liegt stets bei den Redaktionen.“

Bankrotterklärung des Journalismus

Die Neue Züricher Zeitung sprach von einer Bankrotterklärung und führte ein erfrischend kritisches Interview mit Walder. Darin entschuldigte sich Walder für seine Bemerkungen über die Bild-Zeitung, deren damaliger Chefredakteur Julian Reichelt zwischenzeitlich geschasst worden ist.

Wie ernst man diese Entschuldigung zu nehmen hat, bemisst sich auch daran, wie das, was er an anderer Stelle im gleichen Interview sagt, zu verstehen ist:

„Doch auf die Tatsache, dass unsere Publikationen nicht auf billigen Empörungsjournalismus setzen, sondern faktenorientiert und sachlich über die Notwendigkeit verschiedener Maßnahmen schreiben, bin ich stolz.“

Das lässt sich leicht als indirekte Bekräftigung der Kritik an der Bild lesen. In Reaktion auf die Bemerkung des Interviewers, dass einer Zeitung, die immer positiv über die Regierung berichtet, irgendwann niemand mehr glaubt, versucht Walder die Intention des Autors des Nebelspalter-Artikels, Philipp Gut, mit dem Hinweis zu diskreditieren:

„Lassen Sie mich erwähnen, dass der Initiant dieser Debatte der Geschäftsführer eines Abstimmungskomitees gegen das Medienpaket ist.“

Zu diesem Paket gehört, dass bestimmte Medien Regierungssubventionen bekommen sollen. Medienkonsumenten auch hierzulande fragen sich jetzt natürlich, ob auch in anderen Medienhäusern die Journalisten zu regierungsfreundlicher Berichterstattung bei allem was mit der Pandemie zu tun hat, angehalten werden.

Wie soll ein Medienhaus, dessen Blätter faktenorientiert und sachlich über die Notwendigkeit verschiedener Maßnahmen schreiben, Kritiker solcher Maßnahmen davon überzeugen, dass das bei seinen Zeitungen nicht der Fall ist. Die Glaubwürdigkeit der etablierten Medien hat durch diese Affäre großen Schaden gelitten, der allenfalls langfristig behebbar ist.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 03. Januar 2022 im Blog von Norbert Häring.

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Bildquelle: zieusin / shutterstock

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Kommentare (7)

7 Kommentare zu: “Medienversagen | Von Norbert Häring

  1. Nevyn sagt:

    Bekanntlich schrieb bereits Sun Tzu, ein chinesischer General und Philosoph vor 2.500 Jahren, dass alle Kriegsführung auf Täuschung basiert. Da macht der aktuelle psychologische Krieg keine Ausnahme und hier kommt den Kriegsherren die technische Entwicklung sehr entgegen.
    Sie müssen keine Kulissen mehr mühsam als potjemkinsche Dörfer errichten, ja sie müssen nicht mal mehr eine echte Zeitung mit Papier drucken. Obwohl dem Transhumanismus nachgesagt wird, eine rein materielle Weltanschauung zu sein, verlagert sich der Kriegsschauplatz in eine rein virtuelle Welt mit neuen, anderen Gesetzen und Möglichkeiten.
    Man mag sagen, Computer, TV-Geräte und Gehirne seien materielle Gegenstände. Doch sie sind nur die Träger und Übermittler. Der eigentliche Kampf, die WAHR-Nehmung, um die gekämpft wird, ist nicht materieller Natur und wenn die Basis dieser Art Kriegsführung die Täuschung ist, dann wird ihre Erzeugung und Aufrechterhaltung zum zentralen Element des Gewinnens oder Verlierens eines solcherart geführten Krieges.
    Ich halte das für ein wichtiges, vielleicht sogar für das zentrale Kriterium, von dem die weitere Entwicklung des Weltgeschehens abhängt. Und ich lade Euch ein, diesen Gedanken weiter zu entwickeln.
    Es liegt in der Natur der Illusion, dass sie ernst genommen, für wahr gehalten werden muss, wenn sie funktionieren soll. Angst, Spaltung und Hass sind ihre großen Nährer, Ironie und Spott, jede Art von Humor, ihr größter Feind.
    Wir sehen aktuell, dass eine Illusion ständig neue Nahrung braucht und von Natur aus wachsen und immer monströser erscheinen muss, um, noch ernst genommen und aufrecht erhalten werden zu können. Wir sehen aber auch, dass Menschen, die sie einmal akzeptiert, sich also mit ihr identifiziert haben, fast jedes Opfer tragen, um sie von sich aus aufrecht erhalten zu können. Eine Illusion aufzugeben, mit der man sich identifiziert hat, ist wie sterben.
    Die Achillessehne der ganzen Psy-Ops, die über uns ausgekippt werden, ist die Emotion in Form von Angst und ihre Projektion als Hass. Verlieren die Menschen ihre Angst, sind sie nicht mehr von außen steuerbar und bereit für eine echte Konfrontation mit der Realität. Das wird zur Folge haben, dass Täuschungen als solche erkannt und damit wirkungslos werden. Was braucht es dafür? Den Kampf gegen sich selbst und seine eigenen Vorurteile.
    Wenn wir auf Menschen schauen, die den Kampf gegen sich selbst gewonnen haben, finden wir bei ihnen vor allem drei Eigenschaften: Liebe, Humor und Mitgefühl. Und zwar allen Wesen gegenüber, besonders denen, denen diese Eigenschaften verhasst sind.
    Es zeigt auch die wichtigste Aufgabe für jeden: Aus diesem Krieg auszusteigen und selbst ein solcher Mensch zu werden. Humorvoll in der Liebe und im Mitgefühl zu bleiben. Es gibt im Daoismus drei Arten des Wirkens, das Sein, das Tun und das Handeln. Das Sein aber ist die stärkste.

    • Nevyn sagt:

      Was für einen herrlichen Unsinn ich am Ende wieder geschrieben habe. :)
      Gemeint sind natürlich das Sein, das Tun und das Reden/Schreiben.

  2. palatinus liber sagt:

    Pressefreiheit? Aber nicht doch. Schon gar nicht für alle. Das ist doch sentimental-spießerhaft!

    "Wir wollen nicht Selbstmord begehen und deshalb werden wir das nicht tun."

    Siehe dazu einen, vielleicht den großen deutschen Volksdemagogen:

    youtube.com/watch?v=VWQnmaqbw5A&t=249s

  3. Nevyn sagt:

    Ich vermag kein Medienversagen zu erkennen. Im Gegenteil. Alle großen Medien erfüllen die ihnen zugedachte Rolle in der psychologischen Kriegsführung sehr diszipliniert und geradezu vorbildlich.
    Sie sind die Avantgarde in Bezug auf Gehirnwäsche und Indoktrination unter Nutzung der neuesten Erkenntnisse der Psycholigie und mit Hilfe von viel Geld. Unter dem Motto "perception becomes reality" leisten sie einen unentbehrlichen Beitrag zum größen Raub in der Menschheitsgeschichte.

  4. Querdenker sagt:

    "Die Glaubwürdigkeit der etablierten Medien hat durch diese Affäre großen Schaden gelitten, der allenfalls langfristig behebbar ist."

    Ich habe Medien noch nie geglaubt! Glaube kann man an eine Religion. Medien sind immer kritsch zu sehen, auch dieses hier ;-)

    Ich habe es mir spätestens seit dem Studium zur Gewohnheit gemacht, dass eine Beauptung mindestens von drei unabhängigen Seiten in gleicher Weise vorgetragen werden muss. Andernfalls ist es ledglich die Sicht eines einzelnen Protagonisten im "Spiel".

  5. Hartensteiner sagt:

    Lieber Norbert Häring. Ich muss widersprechen. Die Medien haben noch nie versagt und ihre Aufgabe als Propagandainstrument immer schon perfekt ausgefüllt. Allerdings früher eher noch etwas unauffällig, aber spätestens seit der Ukrainekrise haben sie "alle Hüllen fallen lassen" und laufen seither auf TURBO.
    Was das beweist? Die ganze Vorsicht vorher war wohl überflüssig. Voll ins Rohr funktioniert hervorragend.

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