Krieg zum Beginn der Olympiade am 4. Februar 2022?

Ein Kommentar von Willy Wimmer.

Man mag nicht daran denken. Dennoch schleicht sich die Erinnerung an den 8. August 2008 und der Beginn der Sommerolympiade in Beijing ein, wenn man sich den 4. Februar 2022 und den Beginn der Winterolympiade in ebendem Beijing vor Augen hält. Pünktlich zum Entzünden der olymischen Flamme am 8. August 2008 schoß die Armee Georgiens mit allem, was sie an Feuerkraft hatte, auf die ossetischen Stellungen und das in der Gewißheit, eine sofortige Reaktion der russischen Armee zu provozieren. Nur den sofortigen Bemühungen des damaligen französischen Präsidenten Sarkosy war es zu verdanken, den russischen Gegenangriff nicht bis zur Einnahme der georgischen Hauptstadt Tiflis führen zu lassen. Das war haarscharf. Es war aber auch gleichzeitig die Bestätigung für die Weigerung Frankreichs und von Deutschland beim NATO-Gipfel in Bukarest kurze Zeit vorher, Georgien und der Ukraine den Beitritt zur NATO zu versagen. Heute muß man sich nur ansehen, wer sich auf dem Militär-und Sicherheitsgebiet in Georgien tummelt, um ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, sich nicht wegen der Saakashwilis dieser Welt das eigene Grab zu schaufeln. Nicht anders ist es bei der Ukraine, zumal man dort sieht, wer sich der ukrainischen Nazi-Formationen bedient, um eine nationalistische Harakiri-Politik gegenüber Rußland zu betreiben. Es ist ein Phänomen, wenn man sich heute anhört, was hochrangige Amerikaner zum Ablauf der Dinge in Georgien und der Ukraine sagen. Das ist und bleibt eine andere Welt, Neu-Sprech gleichermaßen und ein guter Grund für die französische und deutsche Regierung, bei ihrer jeweiligen Ablehnung des Beitritts von Georgien und der Ukraine zu bleiben.

Für die Menschen auf der ganzen Welt kamen die Ereignisse in Georgien ab dem 8. August 2008 gleichsam „ aus heiterem Himmel“. Da wollte jemand in Tiflis mit Hilfe und für seine Hintermänner vollendete Tatsachen schaffen. Das ist heute nun wirklich anders. Die ganze Welt ist gleichsam vorbereitet. Nicht so sehr auf die Winterspiele 2022 in Beijing, weil man nicht weiß, ob man wegen der Umstände, unter denen sich die Sportlerinnen und Sportler in Beijing treffen, die Luft anhalten soll oder wegen Omikron oder wegen eines Krieges in der Peripherie einer der Großmächte auf allen Kontinenten, losgetreten unter dem Lichtkegel der olympischen Flamme, die angeblich Frieden für die Zeit der Spiele verspricht. Dafür könnten die derzeitigen Entwicklungen in Kasachstan Nährboden und Ausgangspunkt sein. Warum? Dafür gibt es einen aktuellen Grund und eine zurückliegende Erfahrung.

Bei den Unruhen in Kasachstan fällt ins Auge, daß die heftigsten Kämpfe im Süden von Kasachstan, in der alten Hauptstadt Almaty stattgefunden haben. Almaty ist der kasachische Hauptsiedlungsort des Großclans der „Großen Horde“, die sich auf Dschinghis Khan und seine Reiterformationen zurückführt. Wenn man sich vorstellen will, wie dieses Gedankengut diese heutige Zeit bestimmt, der sollte sich den großen Sitzungssaal in der Zentrale der KP in der Hauptstadt von Singkiang, Urumchi, ansehen.

Groß wie mehrere Tennisfelder wird dort bildlich der Angriff von Reiterformationen gen Westen dargestellt. Das gibt eine leichte Ahnung davon, mit was man es in dieser Weltgegend zu tun hat. Die heutige „Große Horde“ ist bis an die Zähne bewaffnet und liegt erkennbar auf der amerikanischen Linie bezüglich der Hoffnungen der Uiguren, die in dem Gesamtgebiet zwischen Urumchi über Almaty bis nach Taschkent siedeln, abgesehen davon, daß heute drei Länder davon betroffen sind: China, Kasachstan und Usbekistan. Zu dem Zeitpunkt, als die zentralasiatischen Staaten Anfang der neunziger Jahre in die KSZE eintraten, hatte es in kasachisch/ usbekischen Osch blutigste Auseinandersetzungen von Volksgruppen gegeben, die heftiger waren, als die heutigen Aufstände in Kasachstan.

Seinerzeit war auffällig, wie nachhaltig die Vereinigten Staaten jeden Versuch des heute verfehmten, langjährigen kasachischen Staatspräsidenten Nasarbajev torpedierten, die höchst explosiven Konfliktfelder in den Gebieten östlich und westlich des Tien-Shan-Gebirges friedlich beizulegen. Gerade die Macht, die im Westen Europa mit der KSZE alles unternommen hatte, die Teilung Europas zu beenden, unternahm in Almaty bei den Vorbereitungskonferenzen für eine KSZA alles, diese Konferenz zu verhindern.

Das war damals bereits das klare Signal, sich dieses Gebiet in angelsächsischer Tradition für den nächsten Krieg vorzuhalten, wenn amerikanische Interessen es gebieten würden: Krieg in „Makinders Herzland“. Die Zeit scheint heute gekommen zu sein.

Das machen nicht nur die Ereignisse in Kasachstan deutlich. Seit einigen Jahren forcieren die USA für die uigurischen Siedlungsgebiete eine Politik, die das genaue Gegenteil der auf Ausgleich ausgerichteten Haltung der regionalen Mächte vor Ort darstellt. Deutschland ist da nach bekanntem Muster strategisch einsortiert, weil sich die Weltzentrale der Uiguren aus reinem Zufall in München befindet. Deutschland soll in üblicher Weise hinterher dackeln, wenn es beliebt.

Dennoch sind es nicht alleine diese Umstände, die einen nervös machen müssen. Es ist die Gesamtlage auf dem Kontinent, wie sie sich bei den Gesprächen in „Genf“, ihrem Vorlauf und dem, was jetzt kommt, zeigt. Es geht ums Ganze und nicht wegen der Rückschlüsse, die jeder ziehen kann. Es sind die berühmten O-Töne, die das in aller Deutlichkeit klarstellen. Wegen der amerikanischen Politik seit 1992 und der Nutzung der NATO für ausschlielich amerikanische Interessen, muß Rußland davon ausgehen, aus Europa herausgedrängt und/ oder einem fremden Willen unterworfen zu werden. Die USA scheinen in der Vorstellung zu leben, daß ein Europa, unter Einschluß Rußlands und auf Zusammenarbeit ausgelegt, über kurz oder lang den Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa zur Folge haben muß. Die innereuropäische Diskussion der letzten dreißig Jahre hat allerdings gezeigt, daß es mit Brandt/Schmidt sowie Kohl/ Genscher genügend Ansätze gegeben hat, es nicht zum Äußersten kommen zu lassen. Daran sollte man sich in Zeiten höchster Gefahr erinnern.

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Wir danken dem Autor für die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: testing / shutterstock.com

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Kommentare (2)

2 Kommentare zu: “Krieg zum Beginn der Olympiade am 4. Februar 2022?

  1. Als OLYMPIADE bezeichnet Mensch seit nachgewiesenermaßen 776 v. u. Z. in Olympia den Vierjahreszeitraum zwischen den Festveranstaltungen namens Olympische Spiele. Agelehnt an diesen ersten Austragungsort. Oder kurz: Olympia. Das Prekariat in der Antike und heute jedoch, unbelesen, ungebildet und erfüllt von dem Wunsch, überall dazwischenreden zu wollen, fälschelt das Fest jeweils gern mit "OLYMPIADE". Meint jedoch die Spiele dieser jeweiligen Olympiade. So feierte die Stadt München beispielsweise 1972 die "Spiele der XX OYMPIADE" (der Neuzeit).
    Analog der originalen deutschen Regel "Wer" brauchen" ohne "zu" gebraucht, braucht "brauchen" gar nicht zu gebrauchen.

    Siehe Stuttgarter Nachrichten:
    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.olympische-spiele-in-tokio-warum-die-begriffe-olympiade-und-olympionike-oft-falsch-verwendet-werden.e0a9b6ae-b0af-40aa-a565-6d700211ad2d.html
    Übrigens wollten die Ausrichter der Weltausstellung 1900 in Paris gleichzeitig Olympische Spiele stattfinden lassen. Damit aber die sportliche Renaissance in Griechenland Symbolcharakter tragen konnte, starteten Baron de Coubertin und seine Mannen 1896 in Athen. Damit begann also jene verwirrende olympische Zeitrechnung 1992, Ergebnis: München 1972 und seine Spiele der 20. Olympiade. Dieses 2022 Ereignis in Peking wären also die Winter-Spiele der 33. Olympiade der Neuzeit, richtig geraten?

  2. Ein wunderbar tief recherchierter Bericht. Willi Wimmer zeigt uns wieder mal wie guter Journalismus geht! Danke❤️
    Mein Gefühl sagt mir dennoch, dass es diesmal nicht zu einer großen militärischen Auseinandersetzung kommt, allein nur, wenn ich nach Kasachstan schaue, wie schnell und präzise der Umsturzversuch dort abgewehrt wurde.

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