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Klimalüge und Klimadiktatur (Teil 12): Klimaaktivisten | Von Uwe Froschauer

Klimalüge und Klimadiktatur (Teil 12): Klimaaktivisten | Von Uwe Froschauer

Idealisten oder Instrumentalisierte?

Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.

Ich habe Respekt vor jungen Menschen, die nicht nur auf ihr Smartphone schauen, sondern auf die Straße gehen, weil sie für eine bessere Welt kämpfen wollen. Sie investieren Zeit, Energie und manchmal auch ihre persönliche Freiheit für etwas, von dessen Richtigkeit sie überzeugt sind.

Doch Idealismus schützt nicht vor Instrumentalisierung. Wer für eine Sache kämpft, sollte nicht nur fragen, ob sein Ziel richtig ist. Er sollte auch fragen, wer dieses Ziel unterstützt, wer davon profitiert, wer die wissenschaftlichen und politischen Deutungen liefert und welche Interessen möglicherweise dahinterstehen.

An dieser Stelle beginnt für mich die kritische Betrachtung eines Teils der Klimabewegung. Ich unterstelle den meisten Klimaaktivisten keineswegs unlautere Motive. Viele dürften aus ehrlicher Sorge um ihre Zukunft handeln. Nach meinem Dafürhalten werden Teile dieser Bewegung jedoch für politische und wirtschaftliche Ziele eingespannt, deren Tragweite vielen Aktivisten möglicherweise gar nicht bewusst ist.

Klimaschutz ist längst nicht mehr nur Umweltschutz. Dahinter steht ein gewaltiger Umbau von Energieversorgung, Verkehr, Gebäuden, Industrie und Landwirtschaft – und damit ein Markt, in dem enorme Summen bewegt werden.

Deshalb lautet die Frage dieses Kapitels nicht:

Ist das Engagement der Klimaaktivisten richtig oder falsch?

Die Frage lautet:

Wofür kämpfen sie tatsächlich – und wem nützt ihr Kampf?

Respekt vor dem Engagement

Zunächst möchte ich eines klarstellen: Ich halte gesellschaftliches und politisches Engagement junger Menschen grundsätzlich für etwas außerordentlich Positives. Eine Demokratie lebt nicht von Gleichgültigkeit – und schon gar nicht von Couchpotatoes. Sie lebt von Menschen, die sich einmischen, Fragen stellen, Missstände anprangern und bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen. Junge Menschen haben dazu jedes Recht. Mehr noch: Sie sollten dieses Recht nutzen.

Wer an einem Freitag für seine Überzeugung demonstriert, wer Plakate malt, Veranstaltungen organisiert, Diskussionen führt und dafür möglicherweise auch Kritik oder Spott in Kauf nimmt, zeigt zunächst einmal etwas, das in einer zunehmend auf Konsum und Unterhaltung ausgerichteten Gesellschaft keineswegs selbstverständlich ist: Er interessiert sich für die Welt, in der er lebt.

Das verdient meinen Respekt. Mein Problem beginnt deshalb nicht beim Engagement, sondern bei der Frage, auf welcher Grundlage dieses Engagement entsteht.

Wer davon überzeugt ist, dass eine Klimakatastrophe droht, wenn nicht innerhalb weniger Jahre tiefgreifende Veränderungen stattfinden, wird selbstverständlich anders handeln als jemand, der Risiken und Unsicherheiten anders einschätzt. Wenn jungen Menschen über Jahre vermittelt wird, ihre Zukunft stehe auf dem Spiel, ist es nachvollziehbar, dass einige von ihnen mit großer Entschlossenheit reagieren.

Eine kritische Prüfung sollte nicht bei den Aktivisten enden, sondern fragen: Woher stammen ihre Informationen? Welche Zukunftsszenarien werden ihnen vermittelt? Welche wissenschaftlichen Positionen kennen sie – und welche nicht?

Solche Fragen werten das Engagement junger Menschen nicht ab. Im Gegenteil: Wer eine Bewegung ernst nimmt, sollte auch die Kräfte und Interessen hinter ihr ernsthaft untersuchen.

Vom Idealismus zur Instrumentalisierung

Idealismus und Instrumentalisierung schließen sich nicht aus. Ein Mensch kann vollkommen aufrichtig für eine Sache kämpfen und gleichzeitig Interessen fördern, die nicht seine eigenen sind. Dafür muss ihn niemand heimlich anrufen und ihm Anweisungen geben. Instrumentalisierung kann wesentlich subtiler funktionieren.

Ein einfaches Beispiel: Ein junger Mensch ist überzeugt, dass die Erderwärmung seine Zukunft existenziell bedroht. Er fordert deshalb einen möglichst schnellen Ausstieg aus fossilen Energieträgern, mehr Wind- und Solarenergie, Wärmepumpen, Elektromobilität und einen umfassenden Umbau der Wirtschaft. Seine Motivation kann vollkommen ehrlich sein.

Gleichzeitig profitieren Unternehmen davon, wenn genau diese Technologien politisch gefördert, vorgeschrieben oder gegenüber konkurrierenden Technologien wirtschaftlich bevorzugt werden. Investoren erkennen neue Märkte. Beratungsunternehmen entwickeln Geschäftsmodelle. Banken finanzieren den Umbau. Hersteller erhalten Aufträge. Staaten verteilen Fördergelder. NGOs und Stiftungen – oftmals staatlich gefördert – begleiten den gesellschaftlichen Transformationsprozess.

Der Aktivist demonstriert möglicherweise aus Sorge um das Klima. Andere verdienen an den politischen Konsequenzen seiner Forderungen Geld.

Das beweist für sich genommen noch keine Instrumentalisierung. Dass Unternehmen von politischen Veränderungen profitieren, ist weder ungewöhnlich noch automatisch verwerflich. Ebenso wenig ist jede Stiftung, jede NGO oder jedes Unternehmen, das Klimaschutz unterstützt, deshalb Teil eines zentral gesteuerten Plans.

Doch die Überschneidung der Interessen sollte zumindest Fragen aufwerfen. Wenn eine Protestbewegung Forderungen erhebt, deren Umsetzung gleichzeitig gewaltige Investitionsprogramme auslöst, bestehende Märkte verändert und neue Märkte schafft, sollte untersucht werden, wer diese Bewegung organisatorisch, finanziell und kommunikativ unterstützt und wer von ihren politischen Forderungen profitiert.

Für mein Dafürhalten liegt hier ein Punkt, der in der öffentlichen Wahrnehmung der Klimabewegung zu wenig Beachtung findet. Der Blick richtet sich häufig auf die Demonstrierenden: auf Greta Thunberg, Fridays for Future, die Letzte Generation oder andere Aktivisten. Weniger sichtbar sind die Strukturen im Hintergrund – Stiftungen, NGOs, Förderer, Netzwerke, Kommunikationsagenturen und wirtschaftliche Akteure, die ihrerseits Interessen verfolgen können.

Dabei muss Instrumentalisierung nicht bedeuten, dass Aktivisten „gekauft“ wurden oder bewusst für fremde Interessen arbeiten. Eine solche pauschale Unterstellung halte ich für falsch und für die meisten Protagonisten für unzutreffend. Man muss nicht wissen, dass man instrumentalisiert wird, um instrumentalisiert zu werden.

Wer überzeugt ist, das Richtige zu tun, kann mit größter Leidenschaft Forderungen vertreten, deren politische und wirtschaftliche Folgen weit über das eigene Anliegen hinausreichen.

Das gilt übrigens nicht nur für Klimaaktivisten. Menschen und gesellschaftliche Bewegungen wurden zu allen Zeiten von Politik, Wirtschaft und anderen Interessengruppen für deren Ziele genutzt. Je stärker eine Bewegung öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt und politischen Druck aufbauen kann, desto interessanter wird sie zwangsläufig für Akteure, deren eigene Ziele sich zumindest teilweise mit ihren Forderungen überschneiden.

Deshalb genügt es nicht, auf die moralische Lauterkeit einer Bewegung zu schauen. Ebenso wichtig ist die Frage nach ihren Strukturen und ihrem Umfeld. Wer finanziert Organisationen und Kampagnen? Welche Stiftungen und Netzwerke unterstützen sie? Welche personellen Verbindungen bestehen? Welche Unternehmen und Branchen profitieren von den geforderten Veränderungen? Und wo endet zufällige Interessengleichheit – wo beginnt möglicherweise gezielte Einflussnahme?

Wenn junge Menschen auf die Straße gehen, weil sie glauben, damit ihre Zukunft zu retten, sollten sie auch wissen, wer hinter ihnen steht – und wer möglicherweise von ihrem Idealismus profitiert.

Wer steht hinter den Bewegungen?

Eine Protestbewegung entsteht selten im luftleeren Raum. Demonstrationen müssen organisiert, Internetseiten betrieben, Kampagnen vorbereitet, Veranstaltungen koordiniert und Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden. Je größer und professioneller eine Bewegung wird, desto interessanter wird deshalb die Frage nach ihren Strukturen. Das gilt auch für die Klimabewegung.

Umwelt- und Protestbewegungen gab es selbstverständlich schon lange vor Fridays for Future. Man denke etwa an die Anti-Atomkraftbewegung, die seit den 1970er-Jahren in Deutschland und anderen Ländern große gesellschaftliche Mobilisierungskraft entwickelte, später an Proteste gegen Kohlekraft und andere umwelt- und klimapolitische Bewegungen. Eine neue Dimension des ausdrücklich auf den Klimawandel ausgerichteten Aktivismus entstand jedoch mit Fridays for Future. Die Bewegung begann 2018 mit dem Schulstreik Greta Thunbergs und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer internationalen Bewegung. Daneben entstanden oder wuchsen Organisationen wie Extinction Rebellion, die Letzte Generation oder Just Stop Oil. Sie unterscheiden sich erheblich in ihren Methoden und Organisationsformen, verfolgen aber ein gemeinsames Grundanliegen: politischen Druck für eine wesentlich schnellere und weitreichendere Klimapolitik zu erzeugen.

Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Auch Umweltverbände, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände oder Bürgerinitiativen versuchen, politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das gehört zu einer pluralistischen Gesellschaft. Interessant und teilweise kritisch wird es dort, wo aus einer spontanen Protestbewegung professionelle Strukturen entstehen. Dann stellen sich Fragen: Wer finanziert Organisation, Personal und Kampagnen? Welche Stiftungen oder NGOs unterstützen bestimmte Bewegungen? Welche Netzwerke bestehen zwischen Aktivisten, Umweltorganisationen und anderen gesellschaftlichen Akteuren? Wer ermöglicht professionelle Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen oder internationale Vernetzung?

Bei einigen radikaleren Klimagruppen sind solche Förderstrukturen offen dokumentiert. Der in den USA ansässige Climate Emergency Fund beispielsweise sammelt Spenden, um Klimaprotestbewegungen finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Zu den von ihm geförderten Gruppen zählte unter anderem die britische Bewegung Just Stop Oil, die ihre Straßenproteste 2025 beendete. Der Climate Emergency Fund selbst ist weiterhin aktiv und fördert nach eigenen Angaben auch heute disruptive, gewaltfreie Klimabewegungen.

Der Climate Emergency Fund ist dabei nur ein Teil eines wesentlich größeren internationalen Fördernetzwerks rund um Klimapolitik und gesellschaftliche Transformation. Auch große private Stiftungen investieren erhebliche Summen in diesem Bereich. Die von George Soros gegründeten Open Society Foundations kündigten 2024 beispielsweise an, über acht Jahre 400 Millionen US-Dollar für ein Programm zur „Economic and Climate Prosperity“ bereitzustellen. Gefördert werden dabei unter anderem zivilgesellschaftliche Organisationen und Thinktanks, die an grüner Industrie- und Wirtschaftspolitik arbeiten. Open Society unterstützt nach eigenen Angaben grundsätzlich auch Bewegungen, Netzwerke, Koalitionen und informelle Gruppen.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass George Soros Klimaaktivisten ihre Aktionen diktiert oder einzelne Protestbewegungen unmittelbar finanziert. Es zeigt aber, welche erheblichen privaten Finanzmittel inzwischen in das gesellschaftliche und politische Umfeld der Klimatransformation fließen. Um zu verstehen, welche Kräfte diesen Umbau vorantreiben, sollte man auch die Rolle großer privater Stiftungen und ihrer Netzwerke betrachten.

Solche Verbindungen sind zunächst einmal nur Finanzierung und Unterstützung. Sie beweisen nicht, dass ein Geldgeber den Aktivisten vorschreibt, wann sie auf die Straße gehen, welche Transparente sie hochhalten oder welche politische Forderung sie erheben sollen. Wer aus jeder Förderung unmittelbar Fremdsteuerung ableitet, macht es sich zu einfach.

Umgekehrt wäre es ebenso naiv, Finanzierungsstrukturen für bedeutungslos zu halten. Geld schafft Möglichkeiten. Es ermöglicht Personal, Organisation, Reisen, Veranstaltungen, Kommunikationsarbeit und Kampagnen. Um gesellschaftliche Bewegungen zu verstehen, sollte man nicht nur auf diejenigen schauen, die auf der Straße stehen, sondern auch darauf, welche Strukturen ihre Arbeit ermöglichen.

Für mein Dafürhalten gehört diese Frage zu einer ernsthaften politischen Analyse zwingend dazu.

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, lediglich von einer zufälligen Überschneidung verschiedener Interessen zu sprechen. Zumindest bei einigen Förderorganisationen ist die Unterstützung von Klimabewegungen ausdrücklich Teil einer politischen Strategie.

Der Climate Emergency Fund beschreibt seine Arbeit selbst als eine Art „Venture Philanthropy“. Vielversprechende neue Bewegungen sollen möglichst früh erkannt und mit Anschubfinanzierungen unterstützt werden – teilweise sogar, bevor sie überhaupt entstanden sind. Zu den auf diese Weise unterstützten Bewegungen gehören nach eigenen Angaben unter anderem Just Stop Oil, Scientist Rebellion und das internationale A22-Netzwerk, dem auch die deutsche Letzte Generation angehörte.

Noch deutlicher formuliert es die amerikanische Equation Campaign. Sie finanziert gezielt Bewegungen, die neue Öl- und Gasprojekte verhindern sollen, und investiert nach eigenen Angaben in die dafür notwendige „Bewegungsinfrastruktur“. Dabei sollen unterschiedliche Hebel genutzt werden – von öffentlicher Kommunikation über rechtliche Auseinandersetzungen bis hin zur politischen Einflussnahme.

Das ist mehr als eine zufällige Interessengleichheit. Es bedeutet freilich noch immer nicht, dass Geldgeber einzelne Aktivisten fernsteuern oder ihnen vorschreiben, wann und wo sie demonstrieren oder sich auf eine Straße kleben sollen. Dafür sehe ich keinen Beleg. Belegt ist jedoch, dass finanzstarke Akteure Protestbewegungen gezielt fördern, ihre Strukturen stärken und ihre gesellschaftliche Wirkung vergrößern wollen, weil sie sich davon politische Veränderungen in ihrem Sinne versprechen.

Für mein Dafürhalten bekommt der Begriff Instrumentalisierung damit eine wesentlich konkretere Grundlage. Ein Klimaaktivist kann aus tiefster persönlicher Überzeugung handeln und dennoch Teil einer professionell unterstützten Strategie sein, mit der öffentlicher Druck aufgebaut und gesellschaftlicher Wandel beschleunigt werden soll. Eigenständige Motivation des Aktivisten und gezielte Nutzung seiner politischen Wirkung schließen sich keineswegs aus.

Dabei interessiert mich weniger die Vorstellung einer geheimen Kommandozentrale, in der einige mächtige Menschen festlegen, was Klimaaktivisten am nächsten Morgen zu tun haben. Einfluss funktioniert häufig wesentlich unspektakulärer. Interessen verschiedener Akteure können sich überschneiden – und teilweise werden Bewegungen, die diese Interessen voranbringen, ganz bewusst finanziell und organisatorisch gestärkt.

Eine Stiftung möchte die Dekarbonisierung beschleunigen. Eine NGO möchte strengere Klimagesetze. Eine Protestbewegung fordert den schnelleren Ausstieg aus fossilen Energien. Unternehmen wiederum verdienen mit Technologien, deren Nachfrage durch diesen Umbau erheblich steigt.

Nicht jeder dieser Akteure muss mit jedem anderen verbunden sein. Und nicht hinter jeder Übereinstimmung steckt eine gezielte Absprache. Aber ebenso wenig sollte man so tun, als handele es sich ausschließlich um zufällig parallel verlaufende Interessen. Deshalb lautet die maßgebliche Frage nicht allein:

Wer bezahlt wen?

Sie lautet ebenso:

Welche Interessen treffen hier aufeinander – und wie beeinflussen sie gemeinsam die politische Entwicklung?

Diese Frage gewinnt zusätzlich an Gewicht, wenn man betrachtet, welche wirtschaftlichen Dimensionen der von den Klimaaktivisten geforderte Umbau inzwischen erreicht hat.

Vor dem Karren einer Billionenindustrie

Wer bei Klimaschutz noch immer ausschließlich an ein paar Windräder, Solarmodule und Elektroautos denkt, unterschätzt die Dimension der Entwicklung erheblich. Aus Klimapolitik ist ein gewaltiger Wirtschafts- und Investitionsbereich entstanden.

Nach Berechnungen des Analysehauses BloombergNEF erreichten die weltweiten Investitionen in die Energiewende im Jahr 2025 rund 2,3 Billionen US-Dollar. Allein 893 Milliarden Dollar entfielen auf elektrifizierten Verkehr, 690 Milliarden auf erneuerbare Energien und 483 Milliarden auf Stromnetze.

Die Internationale Energieagentur kommt bei einer etwas anderen Abgrenzung zu einer vergleichbaren Größenordnung. Sie bezifferte die Investitionen in saubere Energietechnologien für 2025 auf rund 2,2 Billionen US-Dollar. Dazu zählt sie unter anderem erneuerbare Energien, Kernenergie, Stromnetze, Speicher, emissionsarme Brennstoffe, Energieeffizienz und Elektrifizierung.

Damit ist eines klar: Klimapolitik bewegt längst Billionen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass diese Investitionen sinnlos wären oder dass jedes Unternehmen, das daran verdient, verwerfliche Interessen verfolgt. Auch die fossile Energiewirtschaft bewegt gewaltige Summen. Unternehmen verdienen an gesellschaftlichen Veränderungen – das gehört zu einer Marktwirtschaft.

Meine Wenigkeit unterliegt jedenfalls nicht dem Trugschluss, Klimabewegungen kämpften gewissermaßen allein gegen mächtige wirtschaftliche Interessen. Sie kämpfen zweifellos gegen Interessen der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Gleichzeitig decken sich viele ihrer Forderungen mit den Interessen anderer, inzwischen ebenfalls äußerst finanzstarker Branchen.

Wer einen schnelleren Ausbau der Wind- und Solarenergie fordert, schafft zusätzliche Nachfrage nach Windkraftanlagen, Solarmodulen, Stromnetzen und Speichern. Wer den Verbrennungsmotor möglichst schnell zurückdrängen möchte, stärkt den Markt für Elektrofahrzeuge und Batterien. Wer fossiles Heizen verteuert oder einschränkt, verändert den Markt für Wärmepumpen, Gebäudetechnik und energetische Sanierung.

Das heißt nicht, dass ein Klimaaktivist deshalb bewusst für einen Windkraftkonzern oder Batteriehersteller demonstriert. Aber seine politischen Forderungen können deren wirtschaftlichen Interessen nutzen.

Junge Menschen sitzen oder kleben auf Straßen, demonstrieren vor Ministerien oder ziehen freitags durch Innenstädte, weil sie glauben, für ihre Zukunft und die Rettung des Klimas zu kämpfen. Gleichzeitig können die von ihnen geforderten politischen Veränderungen Investitionen in Billionenhöhe auslösen, bestehende Märkte zurückdrängen und andere erheblich vergrößern.

Wer profitiert davon? Diese Frage wird schließlich völlig selbstverständlich gestellt, wenn es um die fossile Energiewirtschaft, Pharmakonzerne, Banken oder die Rüstungsindustrie geht. Warum sollte sie ausgerechnet bei Unternehmen und Investoren, die von der Energiewende profitieren, unzulässig sein? Für mein Dafürhalten wäre es deshalb zu einfach, die Klimabewegung als David im Kampf gegen einen wirtschaftlich übermächtigen Goliath darzustellen. Auf beiden Seiten stehen inzwischen erhebliche wirtschaftliche Interessen. Damit komme ich wieder zu meiner eigentlichen These:

Viele Klimaaktivisten mögen aus ehrlicher Überzeugung für das kämpfen, was sie für richtig halten. Gleichzeitig können sie damit vor den Karren einer billionenschweren Transformationsindustrie gespannt werden, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Das ist zunächst eine These, kein Beweis. Umso wichtiger ist die Frage, wie gesellschaftliche Überzeugungen entstehen, verstärkt und schließlich in politischen Druck übersetzt werden können. Oliver Abendstern hat dazu bereits vor einigen Jahren ein interessantes Modell entwickelt.

Damit beschäftigt sich der nächste Abschnitt.

Wie gesellschaftliche Mehrheiten entstehen können – das Modell von Oliver Abendstern

Wie aber kann es gelingen, aus einer zunächst von vergleichsweise wenigen Akteuren vertretenen Position innerhalb weniger Jahre eine gesellschaftlich breit akzeptierte und schließlich politisch wirksame Forderung zu machen?

Ein guter Bekannter von mir, der unter dem Pseudonym Oliver Abendstern schreibt, hat dazu ein Modell entwickelt, das ich bereits in meinem 2024 veröffentlichten Artikel über die mögliche Instrumentalisierung von Klimaaktivisten aufgegriffen habe. Ich halte seine Überlegungen für ausgesprochen interessant, weil sie einen möglichen Mechanismus beschreiben, mit dem gesellschaftliche und politische Veränderungen vorbereitet und durchgesetzt werden können.

Abendstern unterscheidet dabei fünf Phasen.

Phase 1: Aufbau von Strukturen und Netzwerken

Am Anfang steht nach Abendsterns Modell nicht unbedingt eine große öffentliche Bewegung, sondern zunächst der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Menschen, Organisationen, Stiftungen, wissenschaftliche Einrichtungen, NGOs, politische Akteure und andere gesellschaftliche Kräfte finden zusammen, deren Interessen oder Überzeugungen in eine ähnliche Richtung weisen.

Es bildet sich eine Art funktionales Netzwerk. Dabei müssen keineswegs alle Beteiligten dieselben Motive verfolgen oder sich untereinander abstimmen. Der eine handelt aus politischer Überzeugung, der andere aus wissenschaftlichem Interesse, ein Dritter aus wirtschaftlichen Gründen und ein Vierter aus philanthropischem Engagement. Maßgeblich ist zunächst nur, dass genügend einflussreiche Akteure vorhanden sind, deren Interessen sich in einem bestimmten Punkt überschneiden. Damit entsteht die organisatorische und gesellschaftliche Infrastruktur, auf der spätere Entwicklungen aufbauen können.

Phase 2: Thematische Synchronisierung

In der zweiten Phase erfolgt nach Abendstern eine zunehmende inhaltliche Angleichung. Bestimmte Themen, Begriffe, Studien, Zielsetzungen und politische Forderungen werden innerhalb dieser Netzwerke aufgegriffen, diskutiert und weitergetragen.

Das geschieht zunächst häufig außerhalb der breiten Öffentlichkeit: auf Konferenzen, in wissenschaftlichen und politischen Netzwerken, innerhalb von Stiftungen und NGOs, bei Fachveranstaltungen oder in persönlichen Kontakten. Nach und nach entsteht dadurch eine gemeinsame thematische Richtung.

Auch hier muss niemand einen zentralen Befehl erteilen. Entscheidend ist, dass bestimmte Vorstellungen immer häufiger aufgegriffen, bestätigt und weiterverbreitet werden. Andere Sichtweisen können gleichzeitig an Bedeutung verlieren oder innerhalb dieser Netzwerke kaum noch vorkommen.

Auf diese Weise kann sich bereits vor einer großen öffentlichen Debatte ein relativ geschlossenes Deutungsmuster herausbilden.

Phase 3: Der Schritt in die Öffentlichkeit

In der dritten Phase verlässt das Thema nach Abendsterns Modell den vorwiegend internen beziehungsweise fachlichen Raum und wird zu einer öffentlichen Kampagne. Jetzt kommen professionelle Öffentlichkeitsarbeit, NGOs, Aktivistennetzwerke, soziale Medien, klassische Medien, prominente Persönlichkeiten und politische Akteure ins Spiel. Aus einer fachlichen oder politischen Position wird eine gesellschaftliche Botschaft.

Diese Botschaft muss verständlich, emotional anschlussfähig und mobilisierend sein. Komplexe Zusammenhänge werden zwangsläufig vereinfacht. Bestimmte Bilder, Begriffe und Forderungen können sich zu Symbolen einer ganzen Bewegung entwickeln.

Beim Klimathema lässt sich zumindest nachvollziehen, weshalb diese Phase eine enorme Wirkung entfalten kann. Aus wissenschaftlichen Diskussionen über Klimamodelle, Klimasensitivität, Wahrscheinlichkeiten und langfristige Szenarien werden öffentlich wesentlich leichter verständliche Botschaften:

Die Erde erwärmt sich. Die Zeit läuft davon. Die Politik muss handeln.

Aktivisten spielen in dieser Phase eine besonders wichtige Rolle. Sie verleihen abstrakten politischen und wissenschaftlichen Forderungen ein Gesicht, erzeugen Aufmerksamkeit und können erheblichen gesellschaftlichen Druck entwickeln.

Phase 4: Framing, Wiederholung und gesellschaftliche Abgrenzung

In der vierten Phase wird die öffentliche Deutung nach Abendstern zunehmend gefestigt. Bestimmte Aussagen und Begriffe werden immer wieder wiederholt. Medien, Politik, NGOs, Wissenschaftler und Aktivisten können dabei – bewusst oder unbewusst – ähnliche Botschaften transportieren. Dadurch entsteht beim Bürger zunehmend der Eindruck, eine bestimmte Interpretation sei nicht lediglich eine von mehreren möglichen Sichtweisen, sondern die gesellschaftlich anerkannte Realität.

Gleichzeitig verändert sich der Umgang mit Gegenpositionen. Kritiker müssen nicht verboten werden. Es kann bereits genügen, sie als rückständig, unwissenschaftlich, verantwortungslos oder extrem darzustellen. Beim Klimathema bietet der Begriff „Klimaleugner“ dafür ein anschauliches Beispiel.

Die Wirkung solcher Begriffe und die Mechanismen von Wiederholung und Framing habe ich in früheren Kapiteln ausführlich behandelt. Deshalb möchte ich sie an dieser Stelle nicht erneut vertiefen.

Für Abendsterns Modell ist jedoch ein anderer Aspekt maßgeblich: Je stärker eine bestimmte Sichtweise gesellschaftlich verankert wird, desto höher können die sozialen Kosten einer abweichenden Meinung werden. Menschen schweigen möglicherweise, obwohl sie Zweifel haben. Politiker orientieren sich an vermeintlichen Mehrheiten. Unternehmen passen ihre Kommunikation an. Institutionen übernehmen bestimmte Begriffe und Zielsetzungen. Damit verstärkt sich eine Entwicklung zunehmend selbst.

Phase 5: Statistische und politische Legitimation

In der fünften Phase wird aus gesellschaftlicher Zustimmung politische Legitimation. Umfragen zeigen nun möglicherweise, dass eine Mehrheit bestimmte Ziele unterstützt. Parteien greifen diese Forderungen auf. Regierungen formulieren Programme. Gesetze werden beschlossen. Förderprogramme entstehen und erhebliche finanzielle Mittel werden bereitgestellt. Damit kann sich der Kreis schließen. Was ursprünglich innerhalb vergleichsweise kleiner Netzwerke diskutiert wurde, erscheint schließlich als gesellschaftlicher Mehrheitswille.

Abendsterns Gedankengang ist dabei besonders interessant: Sobald eine Position mehrheitsfähig geworden ist, kann sich Politik auf diese Mehrheit berufen. Die vorausgegangenen Prozesse, durch die diese gesellschaftliche Zustimmung entstanden ist, geraten dabei leicht aus dem Blick. Die politische Entscheidung erscheint nun als Antwort auf den Willen der Bevölkerung.

Doch damit stellt sich eine Frage, die weit über die Klimapolitik hinausgeht:

Ist eine gesellschaftliche Mehrheit immer unabhängig entstanden – oder wurde die Entstehung von Mehrheiten beeinflusst?

Abendsterns Modell liefert darauf keine mathematische Formel und schon gar keinen Beweis dafür, dass politische Entwicklungen grundsätzlich auf diese Weise gesteuert werden. So verstehe ich es auch nicht. Ich verstehe es vielmehr als Analyseraster.

Das Modell von Abendstern fordert dazu auf, nicht erst auf die fertige politische Entscheidung zu schauen, sondern den Weg dorthin zu untersuchen: Wer brachte ein Thema auf? Welche Netzwerke griffen es auf? Wer finanzierte entsprechende Strukturen? Welche Studien und Botschaften wurden verbreitet? Welche Rolle spielten Medien? Welche Rolle spielten Aktivisten? Wie wurde mit Gegenpositionen umgegangen? Und wann wurde aus einer politischen Forderung schließlich vermeintlicher gesellschaftlicher Konsens?

Besonders beim Klimathema halte ich diese Fragen für berechtigt. Vieles von dem, was Abendstern in seinem Modell beschreibt, lässt sich zumindest als Struktur wiedererkennen: internationale Netzwerke, erhebliche private Fördermittel, NGOs, wissenschaftliche Institutionen, professionelle Kommunikationsarbeit, Aktivistenbewegungen, mediale Verstärkung und schließlich politische Programme, die tief in Wirtschaft und Gesellschaft eingreifen.

Das beweist keine zentral gesteuerte Verschwörung. Aber es wäre ebenso voreilig, daraus zu schließen, dass gesellschaftliche Entwicklungen dieser Größenordnung ausschließlich spontan entstehen. Zwischen einer zentral gesteuerten Verschwörung und einem vollkommen zufälligen gesellschaftlichen Prozess liegt ein großes Feld aus Interessen, Netzwerken, Finanzierung, Kommunikation, gegenseitiger Verstärkung und politischer Einflussnahme.

Prüft auch diejenigen, denen ihr vertraut

Was folgt daraus für Klimaaktivisten? Meines Erachtens vor allem eines: Prüft nicht nur diejenigen, gegen die ihr demonstriert. Prüft auch diejenigen, an deren Seite ihr steht.

Wer die Interessen von Ölkonzernen hinterfragt, sollte ebenso nach den Interessen der Unternehmen fragen, die an Energiewende, Elektromobilität, Wärmepumpen oder CO₂-Handel verdienen. Wer Lobbyismus der fossilen Industrie kritisiert, sollte auch den Lobbyismus der grünen Industrie untersuchen. Und wer Studien misstraut, weil sie von Unternehmen mitfinanziert wurden, sollte denselben Maßstab an Studien und Organisationen anlegen, die die eigene Überzeugung bestätigen.

Das gilt ebenso für NGOs, Stiftungen und politische Organisationen. Woher kommt ihr Geld? Welche Ziele verfolgen ihre Geldgeber? Welche Netzwerke bestehen? Welche politischen Forderungen unterstützen sie? Und welche Interessen werden durch deren Umsetzung begünstigt?

Dabei geht es nicht darum, überall Manipulation oder böse Absichten zu vermuten. Es geht um einen einfachen Grundsatz: Vertrauen ersetzt keine Prüfung.

Wer bereit ist, für seine Überzeugungen weitreichende gesellschaftliche Veränderungen zu fordern, sollte auch bereit sein, die Grundlagen dieser Überzeugungen immer wieder infrage zu stellen. Dazu gehört auch eine Frage, die vermutlich schwerer fällt als jede Kritik am politischen Gegner:

Was müsste geschehen, damit ich meine eigene Meinung ändere?

Wer darauf keine Antwort mehr hat, verteidigt möglicherweise keine Erkenntnis mehr, sondern einen Glauben oder eine Ideologie.

Selbstdenken statt Gefolgschaft

Ich habe zu Beginn dieses Kapitels meinen Respekt vor jungen Menschen zum Ausdruck gebracht, die sich gesellschaftlich engagieren. Daran hat sich nichts geändert. Weil ich ihren Idealismus ernst nehme, wünsche ich mir, dass sie ihn mit kritischem Denken verbinden.

Hört euch nicht nur diejenigen an, die eure Überzeugungen bestätigen. Lest auch Wissenschaftler, Autoren und Journalisten, die widersprechen. Prüft ihre Argumente. Prüft aber mit derselben Härte auch die Argumente der eigenen Seite. Vielleicht bleibt ihr danach bei eurer bisherigen Überzeugung. Vielleicht verändert ihr sie. Beides ist in Ordnung.

Nicht in Ordnung wäre es für mich, das eigene Denken an Politiker, Wissenschaftler, Medien, NGOs, Stiftungen oder Bewegungen abzugeben – ganz gleich, wie moralisch überzeugend deren Ziele erscheinen.

Dieser Maßstab gilt selbstverständlich nicht nur für Klimaaktivisten. Er gilt ebenso für ihre Kritiker – und damit auch für mich selbst. Niemand ist vor Irrtum, Gruppendenken oder Instrumentalisierung gefeit. Deshalb lautet mein Appell am Ende dieses Kapitels nicht:

Folgt mir oder jemand anderem.

Er lautet:

Prüft selbst. Denkt selbst. Entscheidet selbst.

Wer wirklich für seine Zukunft kämpfen möchte, sollte sich von niemandem vorgeben lassen, was er zu denken hat.

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Anmerkungen und Quellen

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Das Buch richtet sich besonders an Menschen, die angesichts widersprüchlicher Darstellungen noch immer fragen: Was ist damals eigentlich geschehen? Es liefert keine vorgeschriebene Antwort, sondern Zusammenhänge, Widersprüche und unterschiedliche Perspektiven als Grundlage für das eigene Urteil.

Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2. Juli 2026 veröffentlicht. Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein. Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.

Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht. Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Berlin 2024: Klimastreik von Fridays For Future
Bildquelle: D Busquets / shutterstock


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Uwe Froschauer Klimaaktivisten Klimaschutz Klimakatastrophe fridays for future Greta Thunberg Oliver Abendstern


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