Im Gespräch: Sven Brajer (“Die [Selbst]Zerstörung der deutschen Linken”)

Dr. Sven Brajer ist in der Oberlausitz geboren und zum Zeitpunkt der Wende war er 5 Jahre alt und heute lebt er in Berlin.

Nach seiner erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in Göttingen begann er ein duales Studium im Fach Bankwirtschaft an der Berufsakademie Dresden und danach folgte ein Studium in Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft an der TU in Dresden. Für seine Doktorarbeit erhielt er ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seine Dissertation trägt den Titel ”Am Rande Dresdens – Das völkisch-nationale Spektrum einer konservativen Kulturstadt 1879 bis 1933.“

Mittlerweile ist der promovierte Historiker unter die Publizisten gegangen und seit dem Spätsommer 2022 betreibt er als freier Journalist den Blog “Im Osten. Perspektiven wider den Zeitgeist”. Kurz danach startete er zusammen mit Aron Morhoff den Einheitspodcast zum ”Heißen Herbst“.

Sven Brajer beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit europäischer Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des 19. – 21. Jahrhunderts, Revolutionsforschung, Geopolitik und den aktuellen finanzpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Besonderes Augenmerk legt er auf Parteien, Bewegungen und die Funktionsweise von Propaganda. Verarbeitet hat Sven Brajer das in seinem im März 2023 erschienenen Buch “Die (Selbst)Zerstörung der deutschen Linken: Von der Kapitalismuskritik zum woken Establishment”.

Im Gespräch mit Michael Meyen spricht Sven Brajer u.a. darüber, wie sich eine Partei in Zeiten der Ungerechtigkeit und Ungleichheit selbst überflüssig gemacht hat, indem sie ins Lager des Gegners übergelaufen ist.

Inhaltsübersicht:

0:00:00 Beginn und Einleitung

0:00:47 Vorstellung

0:02:15 Die Vorstellung vom Linkssein

0:08:27 Zum Herkunft von Sven Brajer

0:11:20 Die Linke seit dem Ende der DDR

0:18:29 Wo stand die Linke Anfang 1990 ideologisch?

0:31:15 Rote oder weiße Schnürsenkel?

0:38:48 Was ist bei der Linken nach 2009 schiefgegangen?

0:48:21 Die Linke unter transatlantischen Einflüssen?

0:52:01 Entwicklung und Rolle von Gregor Gysi?

0:56:52 Corona und die Haltung der Linken

1:02:57 Die Funktion von Sahra Wagenknecht

1:10:49 Im Osten. Perspektiven wider den Zeitgeist

1:16:00 Mediendiskrepanz zwischen West und Ost

1:24:00 Was bleibt von Sven Brajer und wie sieht seine Welt aus?

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Kommentare (13)

13 Kommentare zu: “Im Gespräch: Sven Brajer (“Die [Selbst]Zerstörung der deutschen Linken”)

  1. Stephie sagt:

    Danke für das Gespräch! Sehr sehr ernüchternd. Da hat man ja eine tolle Generation Abgeordneter ausgebildet. Eine kollektive Fehlbesetzung die weder Deutschland noch Europa gerecht wird. Ganz im Gegenteil, Europa wird mit derart ideologisch, infantilen, unkritischen, leichtgläubigen geschichtsfernen und vorallem völlig fern der Realität von den meisten Menschen ein weiteres Mal in der Hölle erwachen! Wenn das so weiter geht, wird das bei weitem den 2ten Weltkrieg übertreffen. Man muss sich das überlegen, Deutschland will unbedingt Atombomben und das in den Händen von diesen Irrlichtern. Meine Bereitschaft geht gänzlich gegen Null, das im Allgemeinen bei derart mieser Politik, sektenähnliche Parteistrukturen etc durch Steuergelder deren politisches als auch privates Leben finanziert wird. Die das Geld für alles mögliche verwenden aber nicht dafür, für was sie eigentlich zuständig sind. Wenn sie auch noch finanziellen Reichtum durch ihren familiären Background haben ist das der Gipfel der Unverschämtheit. Ich bin eh dafür das die Diäten und Versorgungsleistungen um 2/3 gestrichen werden, davon sollten sie sich ihre Versorgungsleistungen selbst bezahlen, staatliche Parteienfinanzierung und all den Krempel sollte überhaupt nicht staatlich finanziert werden. ihren Wahlkampf und alle weiteren politischen Kuriositäten können sich diese rich Kids von Papa sponsern lassen. Weniger finanzielle Anreize werden vielleicht eher kompetente Leute anziehen. Die größten charakterlichen Nullnummern findet man da, wo es das meiste Geld zu holen gibt. Da tummel sie sich. Kein Wunder das gute Leute das auf Dauer nicht aushalten. Vielleicht sollte man im Kollektiv untere Parteien wählen.

  2. Ursprung sagt:

    Ich schliesse mich dem Forumskollegen triple-delta weiter unten mit der Frage an: "Worueber reden die beiden eigentlich?"
    Da war mal ne zusammrngestueckelte Partei und die war erfolglos undnichtsagend.
    Na und?
    Parteien sind eine Erfindung welcher parasitaerer Nomenklaturen, nlx aendern zu wollen.

    Das herauszuarbeiten oder was anderes Wichtiges von Relevanz -und bewusst zu machen-, versaeumte offenbar vorher der Buchautor und jetzt im Dialog der Interviewer.

    • Pexus sagt:

      Schade um die Zeit, das Interview gehört und gesehen zu haben.
      Die gesamte Interview-Zeit über habe ich darauf gewartet, dass von dem Interviewer und vom Interviewten analysiert wird, wie es dazu kommen konnte, dass die Link(sch)e nicht (mehr) die Link(sch)e ist oder diese zu sein scheint.

      Die altvorderen Linken sind fast alle gestorben und es gibt bei den Linken wohl viele Karriereristen, die für die Partei Die Linke gefährlich werden.

      Gysi plappert auch nur, was die Leute (Fußvolk, dooftreue Wähler) hören wollen und passt sich dem gesellschaftlichen Trend an.

      So wird das nichts. Auch nicht mit dem inhaltlich sehr dünnen Interview, das über die Partei Die Linke sein sollte und die Linken an sich, aber letztendlich wurden in dem Interview ganz andere, zu der Überschrift zu dem Interview angegebene Dinge besprochen. Schade.

  3. snejnisor sagt:

    Ich bin etwa 20 Jahre älter als der Interviewpartner und war relativ lange SED Mitglied. Was ich damals nicht wahrhaben konnte, steht mir heute klar vor Augen. Die meisten Mitglieder waren jederzeit bereit für den Wechsel in ein anderes Weltbild. Irgendeines. Und das beileibe nicht nur, weil man ja älter wird und Erfahrungen macht (siehe Sloterdijk's 'Kritik der zynischen Vernunft).
    Idealismus war damals sehr wichtig für mich. Dementsprechend wuchs meine Enttäuschung und erreichte Anfang der Neunziger Jahre ihren Höhepunkt. Seitdem geht es konstant bergab, sowohl mit der Enttäuschung als auch mit der Deutschen Linken.
    Heute beobachte ich den Parteienzirkus von der anderen Seite des grossen Teichs und spüre (mit nur leichtem Bedauern), wie sich meine einstige Begeisterung fürs linke Projekt verflüchtigt hat. Manchmal fragt mich meine mexikanische Frau, wie es kommt, dass mir meine eigenen Leute so egal sind. Dann frage ich zurück, was 'eigene Leute' sein sollen. Ich sehe ein entkerntes Gebäude, das in früheren Zeiten alles möglich gewesen sein könnte.

    • _Box sagt:

      Und auch Sloterdijk war und ist ein erstklassiges Chamäleon und das nicht erst seit der Hygiene-Tyrannei.

    • snejnisor sagt:

      Ich fürchte fast, Cancel-Kulturalisten sind generell nicht daran interessiert, fremde Gedankengebäude zu betreten und Argumentationssträngen zu folgen.
      Warum ist es so schwer, einen Menschen von seinem Werk zu trennen? Isaac Newton, Karl Marx und viele andere, menschlich fragwürdige Existenzen, würden im Turm des Vergessens vor sich hinschmoren.
      Bitte nicht ganz verdrängen, dass wir alle Splitter oder Balken in den Augen haben.
      Danke!

    • _Box sagt:

      "Ich fürchte fast, Cancel-Kulturalisten sind generell nicht daran interessiert, fremde Gedankengebäude zu betreten und Argumentationssträngen zu folgen."
      Das reiche ich gerne zurück, denn offenkundig ist verstehendes Lesen gerade ihr Ding nicht, wenn sie eine dargereichte Information als Aufruf zur Zensur verstehen.

  4. _hog sagt:

    Eine Erklärung der Entwicklung der eh. DDR und der Linken (nicht nur die Partei) kommt nicht umhin, das Spannungsverhältnis zwischen dem kapitalistischen Westen und dem real existierenden Sozialismus zu beschreiben. Ein Tsunami an kapitalistischer Ideologie schwappte gen Osten, um die vorhandenen Ueberzeugungen von Sozialismus und Kommunismus bei den eh. DDR-Bewohnern zu zerstören. Dazu gehörte nicht nur das KDW und das Westfernsehen, sondern auch perfide Aktionen mit „linken“ (nicht sozialistischen) Kuenstlern (wie z.B. Böll) die „gemässigte“ Kritik vorbringen durften. Nachzulesen bei „Wer die Zeche zahlt!“.
    Diese Bombardierung mit der ideologischen Stalinorgel hatte aber kein Ende mit der Uebernahme der eh. DDR, sondern wird fortgefuehrt heute von den sog. Kulturkanälen 3Sat, Arte, ZDF-Neo, ZDF-Info. Rauf und runter werden die angeblichen Fehler der eh. DDR rausgekotzt.
    Nur unter diesen Aspekten wird eine realistische Einschätzung und Entwicklung der Linken zu einem vernuenftigen Ergebnis fuehren.

    • Der Kapitalismus ist keine Ideologie, sondern eher eine Charakterfrage. Marktwirtschaft und Pressefreiheit sind gür anständige Menschen, werden aber von Gier einerseits und ideologischen Interessen andrerseits mißbraucht.

    • _Box sagt:

      Korrekt formuliert müßte es wohl so lauten, daß die Weltanschauung mit den charakterlichen Eigenschaften korreliert. Deshalb einige Informationen anbei:

      Es galt, die Bevölkerung zu traumatisieren, sie zu dissoziieren und somit kulturell wie sozial zu entwurzeln. Nur indem man alle Gewalttaten auf einmal begehe (Niccolò Machiavelli), könne man Krisen oder Schocks zu einem Umbau von Wirtschaft und sozialer Infrastruktur nutzen. So der Plan von Milton Friedman, den er Mitte der Siebzigerjahre an Pinochet herantrug. Ähnlich wie später Präsident George W. Bush träumte auch Friedman von der „Befreiung des Marktes vom Staat“, dem Ideal eines „perfekten hohlen Staates“ (3): Wettbewerbsfreie Auftragsvergaben unter der Hand und Staaten, die somit ihre Autonomie verlieren, sprich ihre Fähigkeit, über die eigene Wirtschaftspolitik selbst bestimmen zu dürfen. Was daraufhin folgte, „war der extremste kapitalistische Umbau, der irgendwo jemals versucht worden war“:

      Chile erlebte die Dreifaltigkeit des freien Marktes (4):

      Deregulierung: Regeln und Regulierungen werden gestrichen, die der Akkumulation von Profiten im Weg stehen. Privatisierung: Alles wird verkauft, was auch profitorientiert von Unternehmen vertrieben werden kann. wie Schulen, Krankenhäuser, Sicherheitsfirmen, Kriegsführung, Öl, Bodenschätze, Schlüsselindustrien, Nationalparks … Einschnitte: drastisches Zurückfahren von Sozialausgaben.

      „Nur eine Krise — eine tatsächliche oder empfundene – führt zu echtem Wandel. Wenn es zu einer solchen Krise kommt, hängt das weitere Vorgehen von den Ideen ab, die im Umlauf sind. Das ist meiner Ansicht nach unsere Hauptfunktion: Alternativen zur bestehenden Politik zu entwickeln, sie am Leben und verfügbar zu halten, bis das politisch Unmögliche politisch unvermeidlich wird“ (5).

      Aus:
      Die Zermürbungsstrategie
      Um den Bürgern zuvor undenkbare Zumutungen aufzunötigen, setzt der Kapitalismus auf inszenierte Krisen.
      von Lilly Gebert

      https://www.rubikon.news/artikel/die-zermurbungsstrategie

      Und:

      Nach einem zunächst verheißungsvollen Aufbruch oppositioneller Gruppen in der DDR, die einen Demokratisierungsdruck aufzubauen suchten, der auch auf den Westen übergreifen sollte, wurde jedoch die „friedliche Revolution“, die keine Revolution war, regelrecht aufgekauft — der Kapitalismus hat bekanntlich einen großen Magen.

      Wie die Geschichte ausging, ist bekannt: Die historische Chance auf eine gesamtdeutsche Verfassung, die, wie es in Paragraf 146 des Grundgesetzes heißt, „von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist“, also die Chance einer wirklichen Demokratisierung in beiden Teilen wurde in rigoroser Siegermentalität blockiert. Und damit auch die Chance, sozialen Grundrechten Verfassungsrang zu geben.

      In diesen Siegesstunden bewies der Kapitalismus noch einmal, dass ihm kein ideologisches System an illusionserzeugender Kraft gleichkommt. Keine andere autoritäre Herrschaftsform verfügt über so ausgefeilte Mittel, Menschen zu ihrer freiwilligen Knechtschaft zu verführen. Dazu gehören insbesondere Mittel zur Spaltung der Gesellschaft und zur Zersetzung von Dissens. All diese Mittel konnten 1989 höchst wirksam zur Anwendung gebracht werden, dazu noch mit singulären Renditen für die Kapitalbesitzer. Die Stimmen einer demokratischen Revolution verhallten und der kapitalistische Weg war frei zu einer, in Daniela Dahns prägnanter Formulierung, „feindlichen Übernahme der DDR auf Wunsch der Übernommenen“. Auch das war Demokratie, nur eben „kapitalistische Demokratie“, über die noch zu sprechen sein wird.

      Sieger und Verlierer lassen sich also leicht identifizieren, wenn man nur bereit ist, die Perspektive auf die historische bipolare Systemkonkurrenz von real existierendem US-Kapitalismus und real existierendem Kommunismus zu verengen. Doch genau eine solche Perspektivenverengung blockiert ein tiefer gehendes Verständnis, denn tatsächlich geht es um sehr viel mehr als um eine solche Alternative.

      Wir sollten daher bei der Suche nach den Verlierern nicht an der Oberfläche der offiziellen Rahmengeschichte bleiben. Denn die Sieger stehen hier berechtigterweise in dem Ruf, in globalem Maßstab Verlierer zu produzieren. Auf materieller Ebene ist der Kapitalismus schon seiner Funktionslogik nach darauf angelegt, Verlierer geradezu im Überfluss zu produzieren. Wie dies ganz konkret funktioniert, hat die ostdeutsche Bevölkerung nach 1990 in einem von den westdeutschen Eliten veranstalteten Crashkurs lernen können. Zu den verordneten Lerneinheiten gehörte die systematische Zerstörung der ostdeutschen Volkswirtschaft, die Privatisierung ihres Volkseigentums, bei der 80 Prozent des von der Treuhandanstalt verwalteten ehemals ostdeutschen Produktionsvermögens an Westdeutsche und nur sechs Prozent an DDR-Bürger fielen sowie der Verlust von mindestens 2,5 Millionen Jobs.

      Aus Sicht der Sieger haben diese gesellschaftlichen Verwüstungen übrigens rein gar nichts mit der Funktionslogik des Kapitalismus zu tun, sondern sind — wie der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, jüngst feststellte — schlicht eine Konsequenz daraus, „dass die Ostdeutschen das Pech hatten, 40 Jahre auf der falschen Seite der Geschichte gestanden zu haben.“

      Ein erfolgreiches Verbrechen zeichnet sich bekanntlich gerade dadurch aus, dass es dem Täter gelingt, den Opfern die Überzeugung zu vermitteln, dass sie ihr Schicksal verdient hätten.

      Zu den traumatischen Lehreinheiten gehört auch die Erfahrung, dass Korruption nicht einfach zu den Auswüchsen des Kapitalismus zu zählen ist, sondern dass sie Teil seiner natürlichen Funktionsweise ist. — Es waren wahrlich paradiesische Zeiten für westdeutsches Kapital, in denen sich die Funktionslogik des Kapitalismus ungehemmt offenbaren konnte.

      Dennoch müssen wir bei der Suche nach den Verlierern von 1989 noch tiefer unter die Oberfläche dringen, denn es geht um mehr: Es geht um den Verlust an mühsam errungener zivilisatorischer Substanz. Der folgenschwerste Verlust betrifft die zivilisatorische Leitidee von Demokratie — einen der bedeutendsten zivilisatorischen Schutzbalken gegen das rohe Recht des Stärkeren.

      Nachdem die Bemühungen um eine wirkliche Demokratisierung innerhalb der DDR an den machtpolitischen Realitäten zerschellt waren, erhielten die Neubürger einen weiteren Crashkurs im Fach „kapitalistische Demokratie“. Dabei konnten nun diejenigen, die sich das Wort „Demokratie“ nicht durch eine pervertierte Verwendung enteignen lassen wollten, selbst erfahren, wie weit das demokratische Leitideal und die Realität der „kapitalistischen Demokratie“ auseinander liegen. Diese Diskrepanz ist eigentlich nicht überraschend, denn es gehört gerade zum Wesensmerkmal einer „kapitalistischen Demokratie“, dass sie keine ist. Der Widerspruch ist so offenkundig, dass er sich nur mit ausgefeilten Techniken der Indoktrination unsichtbar und undenkbar machen lässt.

      Aus:
      Die verhinderte Demokratie
      Nach der Wiedervereinigung eroberten die Sieger die Deutungshoheit und vereitelten so die historische Chance eines wirklichen Neubeginns.
      von Rainer Mausfeld

      https://www.rubikon.news/artikel/die-verhinderte-demokratie

  5. paul1 sagt:

    Ganz gutes Gespräch. Klärt schon etwas auf vom Weg der SED, zur PDS und dann zur Linken. Der Weg von einer dialektischen Partei zu einer Partei der Anbieterung an das Kapital. Schön erklärt auch am Wandel des Gregor Gysi.
    Vielleicht hätte er mehr ältere Zeitzeugen befragen müssen. Seine Eltern und dann beide Lehrer in beiden Systemen kommen mir zu kurz. Über die hätte ich gern mehr erfahren. Ein Buch über 200 Seiten kann hier nicht vollkommen aufklären. Insgesamt
    ein wichtiges Thema, weil für tatsächlichen Linke die Partei die Linke sehr enttäuschend ist.

  6. triple-delta sagt:

    Worüber reden die beiden eigentlich? Mich langweilen die Diskussionen bürgerlicher Intellektueller nur noch, die rat und hilflos vor der aktuellen Entwicklung stehen und die Welt nicht mehr begreifen. Was hatten wir es in der DDR gut. Da gab es noch einen Staatsbürgerkundeunterricht. Dafür gibt es heute Jesusfundamentalismus und Religion.

  7. Querdenker sagt:

    Hallo Herr Meyen , Ihre Gesprächsführung erinnert mich diesmal eher an eine Promotionsverteidigung. Aber ist schon OK, ist ja durchaus interessant zu verfolgen, wie sich der Herr Brajer schlägt :-)

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