Berliner Corona-Demo: Strafbar, aufgelöst, aber fröhlich

Von Uli Gellermann

An den Stufen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz traf man sich: Vor dem offiziellen Beginn der 1. deutschen Hygiene-Demo am 28.03. in Berlin, ungefähr 20 uniformierte Polizisten und anfänglich eine Handvoll Verteidiger des Grundgesetzes und der dort verankerten Bewegungsfreiheit. Trotz rechtzeitiger Anmeldung und langem Telefonat mit der Versammlungsbürokratie, die den Initiatoren Tips für die Aufstellung der Demonstranten gab, erklärte der Einsatzleiter der Polizei überrraschend, die Versammlung sei strafbar. Und auch, dass alle Versammelten auf einem immerhin öffentlichen Platz nicht rumstehen stehen dürften und nach Hause gehen müssten.

Kiste mit 250 Grundgesetzen

Als die Kiste mit den 250 bestellten Grundgesetzen ihren Bestimmungsort erreicht hatte, fanden sie reißenden Zugriff, bis die Polizisten die Kiste zeitweilig beschlagnahmten. Der Zahl der verteilten Gesetze dürfte auch die Zahl der Veranstaltungsteilnehmer entsprechen. – Trotz der sehr energischen Polizei – die Beamten gingen von Teilnehmer zu Teilnehmer, sprachen Platzverbote aus, drohten Bußgelder an, ein Mensch wurde zeitweilig verhaftet – war die Stimmung gut. Von den Gedanken, die doch frei sind, wurde gesungen, und Heinrich Heine kam lauthals deklamiert zur Geltung: „Wo ihrer drei beisammen stehn, Da soll man auseinander gehn!“.

Grundgesetz dem Infektionsschutzgesetz untergeordnet

Verbissenes Grinsen löste die Weitergabe der Polizei-Meinung zum Grundgesetz aus, das eben zur Zeit dem Infektionsschutzgesetz untergeordnet sei. In einzelnen, natürlich sehr kleinen Gruppen, wurde versucht, die Gesetzeslage zu diskutieren. – Auch auf dem Platz anwesend: Ein Kollege von der lokalen Rundfunkanstalt. Der beklagte sich hinter vorgehaltener Hand über restriktive Maßnahmen im Sender: Man dürfe keinesfalls Zweifel an der offiziellen Corona-Linie haben, sonst habe man keine Zukunft im Öffentlich-Rechtlichen. Ken Jebsen (KenFM) bot allen Teilnehmern das bewährte Mittel gegen wirklich alles  an: „PROpaganda“ und wirkte auch sonst ganz vergnügt.

Zum Karl-Liebknecht-Haus der Linkspartei

Ein Blick von der Volksbühne zum Karl-Liebknecht-Haus der Linkspartei: Alles ruhig, alles dicht. „Quarantäne“ vermutete einer der Teilnehmer, ein anderer: „Wenigstens ein Transparent, mit dem man uns gute Gesundheit wünscht, hätte man doch raushängen können.“ Aber das hätte ja wie Kollaboration mit den „Verharmlosern“ wirken können, doch wer mit den staatstragenden GRÜNEN und der SPD koalieren will, der kann sich das nicht leisten. – Inzwischen wird ein Mann mit einer Wolfsmaske über dem Kopf wegen des Vermummungsverbotes von Polizisten aufgeschrieben, die Teilnehmer mit Atemschutzmasken bleiben ungeschoren. Verkehrte Welt? Nein, neue Grundordnung.

„Wenn Sie jetzt nicht auflösen, lasse ich räumen.“

Ein letztes Mal setzte sich der Einsatzleiter mit dem Kontaktmann der Initiatoren in Verbindung: „Wenn Sie jetzt nicht auflösen, lasse ich räumen.“ Dazu wollten es auch die Verteidiger des Grundgesetzes nicht kommen lassen, immerhin waren auch einige wenige Personen über 70 und mit Vorerkrankungen unter ihnen, soviel Risiko wollte man der Risikogruppe doch nicht zumuten, sondern riet allen Teilnehmern, nach Hause zu gehen: „Lassen Sie sich nicht anstecken, auch und gerade nicht von der allgemeinen Panik.“

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle:  screenshot Rubikon Video

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Dieser Artikel erschien am  28. März 2020 auf dem Blog Rationalgalerie.

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