Als der Himmel brannte: Meine Erinnerung an den 11. September und den Beginn einer neuen Epoche – Der persönliche Rückblick eines Zeitzeugen: Betroffenheit, Fassungslosigkeit und die Ahnung, dass auf diesen Tag eine folgenschwere politische Zeitenwende folgen würde.
Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.
Das Bild von Bernard Kerik und Rudolph Giuliani, den prägenden Gestalten von New York in jenen Stunden, ist mir bis heute unmittelbar gegenwärtig. Es steht für einen Augenblick, in dem sich persönliches Erschrecken, öffentliche Ratlosigkeit und die Ahnung einer bevorstehenden politischen Zäsur überlagerten.
Bereits einen Tag nach der Amtseinführung George W. Bushs, am 21. Januar 2001, hatte ich mit der Arbeit an einem US-kritischen Buch mit dem Arbeitstitel "Imperium USAnum" (im Original "Pax americana" 2004) begonnen. Auslöser war die für ihn rätselhafte, in ihren Andeutungen ungewöhnlich weitreichende Vereidigungsrede des neuen Präsidenten. Er wollte ihre Aussagen und den darin erkennbaren politischen Horizont kritisch untersuchen. Im Gespräch mit seiner Frau und mit seinen Freunden äußerte er damals die Befürchtung, zwischen den Zeilen dieser Rede liege eine Entwicklung verborgen, die in den kommenden vier Jahren etwas Unvorstellbares hervorbringen könnte.
Als am 11. September 2001 die Anschläge die Welt erschütterten, erhielt diese diffuse Vorahnung für ihn eine bedrückende Gegenwart. Noch am selben Tag riefen Freunde an. Ihre Botschaft war knapp und entmutigend: Nun werde sich wohl kaum noch jemand für ein Buch interessieren, das die Politik der Vereinigten Staaten kritisch beleuchte. In der Atmosphäre von Trauer, Schock und spontanem nationalem Schulterschluss schien jede Nachfrage nach politischen Interessen, Hintergründen oder möglichen Folgen plötzlich ungehörig.
Gerade dies bestärkte mich jedoch darin, nicht mit dem Schreiben aufzuhören. Die folgenden Tage verbrachte er fast ununterbrochen vor dem Nachrichtensender CNN. Er verfolgte die Bilder aus New York und Washington, die Live-Schaltungen, die ersten Deutungen, die immer neuen Meldungen und die rasch erstarrenden politischen Gewissheiten. Was zunächst wie ein unfassbares Einzelereignis erschien, wurde in seinen Augen bald zum Auftakt einer neuen Epoche: einer Zeit, in der Angst, Krieg, Sicherheitsversprechen und geopolitische Neuordnung eng miteinander verbunden wurden.
Das Bild von Giuliani und Kerik erinnert daher nicht allein an die Katastrophe in Manhattan. Es markiert für mich auch den Beginn einer persönlichen publizistischen Verpflichtung: die Pflicht, angesichts des allgemeinen Entsetzens nicht auf vorschnelle Gewissheiten auszuweichen, sondern Fragen festzuhalten, Quellen zu prüfen und die politischen Folgen dieses Tages kritisch zu begleiten.
Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Erinnerung an diesen Tag verfestigt. Für die nachwachsende Generation erscheint er vielfach als abgeschlossenes, durch Bilder und offizielle Darstellungen eindeutig erklärtes Ereignis. Doch zwischen der späteren Erzählung und der damaligen öffentlichen Wahrnehmung liegt eine erhebliche Differenz.
Die zeitgenössische Berichterstattung war geprägt von Unübersichtlichkeit, widersprüchlichen Meldungen und einer rasch einsetzenden behördlichen Kontrolle der Tatorte und möglicher Bildquellen. Wer sich dem Geschehen historisch nähert, sollte daher nicht nur fragen, welche Erklärung sich später durchgesetzt hat. Er muss auch untersuchen, welche Belege der Öffentlichkeit damals zugänglich waren, welche Aussagen in TV-Sendungen gemacht wurden und weshalb manche der früh wahrgenommenen Spuren heute kaum noch auffindbar sind.
Rückblick in die hektisch-lärmenden Tage um den 11. September 2001
Der blutige 11. September 2001 war für viele US-Amerikaner mehr als Pearl Harbor, der Angriff im Dezember 1941 auf eine US-Militärbasis in einer entfernten Kolonie. Manch bibelfester Amerikaner wird sich an diesem Tag, als vier zu allem entschlossene Piloten ihre gigantischen Maschinen in zwei sichtbare Symbole der Vorherrschaft der USA über die Welt, die Wall Street und das Pentagon, steuerten, an die Offenbarung des Johannes und Albrecht Dürers vier Reiter der Apokalypse erinnert haben. An Bilder, die Krieg, Pest, Not und Tod darstellen. Sie galoppieren über das Land, über Sterbende und Stürzende hinweg. Die vier Flieger als moderne Version einer bildhaft gewordenen Terrorisierung des gesamten Erdenrunds? In diesen Stunden kannte das Land keine Republikaner oder Demokraten mehr, sondern nur noch Amerikaner.
In der von Schock und Trauer gelähmten Nation wogten die patriotischen Gefühle hoch, und das Parlament und die Bevölkerung signalisierten ihrem Präsidenten unabhängig von ihrer parteipolitischen Ausrichtung den Schulterschluss. Die Mehrheit der Amerikaner dürstete nach Vergeltung.
Ein Beispiel trotzigen und patriotischen Selbstbewusstseins gaben jene Kongressabgeordneten und Senatoren, die sich am Nachmittag auf den Stufen des Capitols versammelten, um "God Bless America" zu singen. Ohne große Appelle war in den zurückliegenden Stunden diese Nation zusammengewachsen.
Eine halbe Stunde nach seiner Rede an die Nation traf sich George W. Bush mit dem gesamten Sicherheitsrat; anschließend gab es ein Treffen mit den wichtigsten Beratern, die sein Kriegskabinett bilden würden. Powell, aus Peru zurück, beschrieb die nächsten diplomatischen Aufgaben: die Auseinandersetzung mit Afghanistan und den dort herrschenden Taliban, die dem vermuteten Drahtzieher dieser unmenschlichen Anschläge, Bin Laden, Unterschlupf gewährten. Die Medien der westlichen Welt würden in den nächsten Tagen mit einem Doppelbild − links die rauchenden Türme und rechts den fingerhebenden Osama Bin Laden − auf ihre Titelseiten platzieren, als folgten sie alle diesem Satz: „ich brauche Züge nun, um ihn zu denken“ (Kleist´s Alkmene über den unbekannten Gott, den sie lieben soll). Das gleiche dürfte für den Hass gelten. Doppelbilder suggerieren Information, ziehen die Aufmerksamkeit an und erwecken den Eindruck, als gäbe es eine logische oder kausale Beziehung zwischen beiden Bildern: (1)
Die entsetzlichen Anschläge, die annähernd 3.000 Opfer aus 62 Nationen forderten, bewegten nicht nur Amerika. Am Abend verkündete der deutsche Bundeskanzler Schröder den uneingeschränkten Schulterschluss: "Es geht jetzt um die Solidarität mit den Vereinigten Staaten, es geht um die Tatsache, dass Deutschland fest an der Seite der Vereinigten Staaten steht, und uneingeschränkt, ich betone das, uneingeschränkte Solidarität übt. Und damit sind alle im Bundestag vertretenen Parteien einverstanden [...]." (2)
Während der britische Premier Tony Blair den "Massenterrorismus" als den "neuen Teufel in der heutigen Welt" bezeichnete, verurteilte der französische Präsident Chirac die "monströsen Attentate" in einer Fernsehansprache an seine Bürger. Libyens Revolutionsführer Muammer al-Gaddafi bot den US-amerikanischen Bürgern humanitäre Hilfe an, schränkt aber vorsichtig ein: "Wir werden keine Heuchler sein und etwas sagen, was wir tief in unseren Herzen nicht fühlen."
Bereits am Mittag des 11. September hatte die afghanische radikal-islamistische Taliban-Regierung, die Osama Bin Laden Asyl gab, kategorisch jegliche Beteiligung an den Terroranschlägen ausgeschlossen und die Angriffe verurteilt. In eine schwierige Lage manövriert sah sich auch Pakistan, gemeinsam mit der CIA Pate der afghanischen „Gotteskrieger“ und für Bin Ladens „Al-Qaida“ eine häufig benutzte Durchgangs- und Versorgungsstation. Präsident Pervez Muscharraf beeilte sich, Bush seine "vollste Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus" zuzusichern. (3)
Am späten Abend des 11. September trat in Brüssel der NATO-Rat zusammen. Nach nur sechs Stunden Beratung stellte er erstmals in seiner Geschichte den Bündnisfall fest und wertete die Terroranschläge auf die USA gemäß Artikel 5 und 6 des NATO-Vertrags als Angriff auf das Bündnisgebiet der Allianz. Der Beschluss wurde jedoch mit einer Vorbehaltsklausel versehen: er gelte nur, wenn der Angriff auf die USA aus einem anderen Land heraus geführt wurde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei die NATO-Entscheidung ein "Akt der Solidarität" mit den USA, so NATO-Generalsekretär Robertson. Neben der Feststellung des Bündnisfalls wurden der konkrete Einsatz der AWACS-Maschinen in Amerika, der Marine-Einsatz im Mittelmeer und die Kooperation der nationalen Geheimdienste eingeleitet. (4)
Die Börsen gerieten rasch in den freien Fall. In New York, Lissabon und Mexiko City wurde der Handel ausgesetzt. In den frühen Morgenstunden des 12. September schrie der Boston Herald die ersten unglaublichen Ermittlungserfolge heraus: Mindestens fünf Araber seien als Verdächtige identifiziert worden. Ihre Ausweise führten in die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Parkplatzbereich des Logan Flughafens sei ein von den Verdächtigen gemietetes Auto sichergestellt worden. In ihm seien arabische Handbücher für Flugtraining vorgefunden worden. Währenddessen berichtet die Jerusalem Post von einer Rede Osama bin Ladens, in der er die Terrorangriffe zwar bewunderte, aber jede Verbindung mit den Anschlägen abstritt. Während in Virginia beim Dar al-Hijrah Islamic Center Drohungen eingingen und in San Francisco die Wände einer arabischen Einrichtung mit Blut beschmiert wurden, fielen bereits im texanischen Dallas sechs Schüsse auf ein islamisches Zentrum. Zahlreiche islamische Gotteshäuser und Gemeindezentren wurden ebenso wie Koran-Schulen vorsorglich geschlossen, Moslem-Zentren unter Polizeischutz gestellt. "Ich hoffe nicht, dass sich eine Hysterie wie nach dem Anschlag von Oklahoma City 1995 wiederholt", erklärt Nihad Awad, Direktor des Rates für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR). Bis zur Verhaftung des patriotisch verwirrten Golfkriegs-Veteranen Timothy McVeigh als Täter führten von Offiziellen und Medien entfachte Spekulationen über eine mögliche "islamische Spur" zu einer Welle von Anfeindungen gegen die moslemische Minderheit.
Die Tage danach
Am Tag nach dem Anschlag sprach US-Präsident Bush von einem "monumentalen Kampf", den "das Gute gegen das Böse" zu führen habe und den es gewinnen werde. Die USA hätten es mit einer neuen Art von Feind zu tun, der "aus dem Schatten" zuschlage, danach davonrenne und sich verberge. Zuvor hatte US-Außenminister Colin Powell die amerikanische Bevölkerung auf einen langfristigen Konflikt eingestimmt und erklärt, die USA würden auf die Anschläge "wie auf einen Krieg antworten". (6)
Diese Erklärung setzte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einer Videobotschaft an alle Soldaten und Beschäftigten des US-Verteidigungsministeriums unmittelbar um und versprach, dass in den kommenden Tagen die Männer und Frauen in Uniform Gelegenheit erhielten, sich in die "lange Geschichte amerikanischer Militärhelden" einzureihen, wobei von den Truppen in den nächsten Wochen und Monaten "sehr, sehr viel" verlangt werde. Sehr viel verlangt wurde jetzt auch von den zueinander in Konkurrenz stehenden 26 US-Geheimdiensten, vor allem von CIA, FBI und NSA. Ihnen muss das Grauen des 11. September zugleich als Gau der eigenen Dienste vorgekommen sein. Ihr öffentlich kritisiertes Versagen stellte nun CIA-Chef George Tenet und FBI-Direktor Robert Mueller unter den größten Erfolgsdruck ihres Lebens. Die fehlende Vorwarnung sei „ein Geheimdienst-Versagen“, so der Vizechef des Senatsausschusses für Geheimdienste, der Republikaner Richard Shelby. Dieser Vorwurf führte im Kongress zu einem Untersuchungsausschuss, der die Gründe des Unvermögens der teuren Geheimdienste bei der Verhinderung der Anschläge aufdecken sollte.
In Boston stürmten 50 schwer bewaffnete Polizisten und FBI-Beamte das Westin-Hotel, in dessen Gästebuch sich fünf Verdächtige aus dem Nahen Osten eingetragen hatten. Am Bostoner Flughafen wurde ein weißer Mittelklassewagen sichergestellt, auf dessen Rücksitzen arabische Pilotenhandbücher lagen. Die Ermittlungen ergaben, dass mindestens 50 Terroristen für die perfekte Choreographie der Todesflüge in den USA verantwortlich waren. Für die Anschläge seien, so wurde vermutet, vier Terroristengruppen verantwortlich, die in Verbindung mit Osama Bin Laden stehen. Aufgrund der Ermittlungen konnte das FBI dem Bundeskriminalamt, dem Staatsschutz und der Hamburger Polizei Hinweise geben, die zur Überprüfung von mindestens neun Wohnungen im Stadtteil Harburg führten. (7) In dieser Phase bot der Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif, den USA Gespräche über eine mögliche Auslieferung Bin Ladens an. "Wir sind bereit, mit den Vereinigten Staaten über das Schicksal von Osama Bin Laden zu verhandeln, aber die USA müssen uns zuerst genügend Beweise gegen ihn übergeben. " (8)
Noch am 12. September stellte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit durch die Terroranschläge fest. Dadurch griff das in Kapitel VII der UN-Charta verbriefte Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung. In der verabschiedeten Resolution 1368 heißt es: „Der Sicherheitsrat [...], ist entschlossen, die Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit durch terroristische Gewalttaten mit allen Mitteln zu bekämpfen.“ Und unter Punkt 3 werden alle Staaten aufgerufen, „dringend zusammenzuarbeiten, um die Täter, Drahtzieher und Förderer dieser terroristischen Anschläge vor Gericht zu bringen“. Punkt 3 betont weiter, dass diejenigen, die den Tätern, Drahtziehern und Förderern helfen, sie unterstützen oder ihnen Zuflucht gewähren, zur Rechenschaft gezogen werden. Neben den Regierungsverlautbarungen aus dem Weißen Haus und den Leitartikeln der amerikanischen „Main-Stream“-Medien waren am 12. September in den USA auch andere Stimmen zu vernehmen. Das International Action Center (IAC) veröffentlichte in New York ein kritisches Statement: „Während in diesem Augenblick Tausende von Familien um Tod und Wunden ihrer Lieben trauern, ist die Bush-Regierung schon dabei, aus den tragischen menschlichen Verlusten ihren Vorteil zu schlagen, um die Kräfte der Repression aufzurüsten und gleichzeitig den Kriegskurs des Pentagons, besonders im Nahen Osten, zu intensivieren.“ (10)
„Als entsetzte und traurige Amerikanerin und New Yorkerin scheint es mir,“ so die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2003, „als sei Amerika niemals weiter von der Wirklichkeit entfernt gewesen als am letzten Dienstag, dem Tag, an dem ein Übermaß an Wirklichkeit auf uns einstürzte. Es gibt ein Missverhältnis zwischen den Ereignissen und der Art und Weise, wie sie aufgenommen und verarbeitet wurden, auf der einen Seite und dem selbstgerechten Blödsinn und den dreisten Täuschungen praktisch ALLER Politiker [...] auf der anderen Seite. Die Stimmen, die zuständig sind, wenn es gilt, ein solches Ereignis zu kommentieren, schienen sich zu einer Kampagne verschworen zu haben. Ihr Ziel: die Öffentlichkeit noch mehr zu verdummen.“ (11) Trotz der aufgeblähten, Wichtigkeit vermittelnden Berichterstattung, die in ihrer Sprachverwirrung anscheinend nicht mehr zwischen echter, scheinbarer und gespielter Information, zwischen Analyse und Kommentar unterscheiden konnte, meldeten sich auch in Deutschland kritische Stimmen zu Wort. (12)
„Wieso reden wir plötzlich alle von Krieg? Ist Krieg? Ist Vorkrieg? Wenn ja, dann ist alles, was wir seitdem reden, denken und tun, unverhältnismäßig unangestrengt.“ Mitreißend forderte Michel Friedmann auf dem 1. Internationalen Medienkongress des Deutschen Journalistenverbandes seine Zuhörer auf, sich anzustrengen und aufzuregen, um anschließend die zentrale Frage zu stellen: „Wenn wir die für alle verbindliche Grunddoktrin des Völkerrechts verlassen, um Kriegs- und Verteidigungsfall neu zu definieren, warum stellen wir dann nicht den Herren Schröder, Bush und Berlusconi die Frage: Wie wollt ihr uns vermitteln, dass wir uns darauf verlassen können, dass Ihr Eure Definition nicht gebraucht, um Eure Machtpolitik zu betreiben?“
Die Aussage George W. Bushs vom 16. September „Wir sind im Krieg, man hat uns diesen Krieg erklärt. Wir werden die Täter ausfindig machen. Wir werden sie aus ihren Höhlen ausräuchern, wir werden sie auf Trab bringen, und wir werden sie der Gerechtigkeit zuführen,“ stellte Heribert Prantl seinem Artikel „Das Weltgericht“ voran. Danach haben die Terrorangriffe in New York und Washington nicht nur gewaltige Gebäude, sondern auch das konventionelle System staatlicher Strafjustiz gesprengt. „Die neue Dimension des Verbrechens soll mit einer neuen Dimension staatlichen Strafens beantwortet werden.“ Bei der verhängten Kriegsstrafe ginge es nicht nur um die kollektive Exekution von Tätern und Hintermännern, sondern auch um Vergeltung, Sühne, Repression und Prävention. „Weil aber der Krieg ein unpräzises Sanktionsmittel ist, träfe er nicht nur Attentäter, Helfer und Helfershelfer, sondern viele, sehr viele andere. [...] Krieg als Antwort auf die Attentate wäre also eine monströse strafrechtliche Antwort auf ein ungeheuerliches Verbrechen.“ (14)
„Sind angesichts der menschenverachtenden Terrorangriffe Zweifel an den Verlautbarungen aus dem Weißen Haus erlaubt?“, fragte er in seinem 2004 erschienenen Buch Pax americana. Unvergessen sind für ihn noch heute die
Reportagen zum Sheraton-Hotel und zu Shanksville
Nach dem Angriff auf das Pentagon begab sich ein US-Fernsehteam zum in der Einflugschneise liegenden damaligen Sheraton National Hotel in Arlington. Die an der Straßenseite angebrachten Überwachungskameras hätten zumindest Teile der Anflug- oder Ereigniszone erfasst.
Der von einem Kamerateam begleitete Reporter bat um Einsicht in die Videobänder beziehungsweise Überwachungsaufnahmen der zur Straße liegenden Kameras. Ein Verantwortlicher des Hotels erklärte vor der Kamera, die Bänder seien bereits sehr früh – seiner Erinnerung nach etwa 15 Minuten nach der Detonation – durch staatliche Stellen sichergestellt worden.
CNN berichtete am 16./17. Mai 2006 ausdrücklich, dass Quellen bereits 2002 erklärt hätten, das FBI habe eine Hotel-Überwachungskameraaufnahme beschlagnahmt, die den Pentagon-Angriff gezeigt habe. Der Bericht nennt das Sheraton National Hotel ausdrücklich als einen der Orte, deren Material Judicial Watch angefordert hatte:
“Quellen berichteten im Jahr 2002, dass das FBI das Video einer Hotelüberwachungskamera beschlagnahmt habe, auf dem der Angriff auf das Pentagon zu sehen war. Es ist nicht bekannt, ob dieses Video veröffentlicht wird.”
Im selben CNN-Artikel werden die beantragten Aufnahmeorte spezifiziert: Pentagon, Sheraton National Hotel, Nexcomm/Citgo-Tankstelle und Verkehrskameras des Virginia Department of Transportation. CNN bestätigte damals zugleich, dass unklar war, ob das erwähnte Hotelband bei der Freigabe 2006 enthalten sein würde. (15)
Das ist wichtig: Die damalige Aussage über die Beschlagnahme eines Hotelvideos ist nicht nur in späteren alternativmedialen Darstellungen überliefert. Sie wurde von CNN in einer eigenen Nachricht aufgegriffen. CNN benennt zwar in dieser Meldung weder den Hotelmitarbeiter noch den exakten Sicherstellungszeitpunkt; der Artikel stützt aber die Annahme, dass es eine zeitgenössische Quellenlage über ein vom FBI sichergestelltes Hotelvideo gab. (16)
CNN berichtete 2006 unter Berufung auf Quellen, das FBI habe bereits 2002 eine Hotel-Überwachungsaufnahme beschlagnahmt, die den Pentagon-Angriff gezeigt habe. Der Bericht stellte diesen Hinweis in den Zusammenhang mit einer FOIA-Anforderung, die unter anderem das Sheraton National Hotel in Arlington erfasste. CNN erklärte aber zugleich, es sei nicht bekannt, ob gerade dieses Band freigegeben werde. (17)
In einem späteren FOIA-Verfahren erklärte das FBI allerdings, eine Aufnahme des Sheraton National Hotel in seinen Beständen nicht auffinden zu können.
In einem weiteren US-amerikanischen Fernsehbeitrag über den Absturzort bei Shanksville wurde ein ein einem Cafe-Tisch sitzender korpulenter uniformierter lokaler Polizeivertreter mit deutlich erkennbarer Sheriffstern-Plakette interviewt. ER habe am 11. September ebenfalls hier vor einem großen Kaffepott gesessen, als er die Explosion hörte. Sofort habe er über sein Funkgerät die Einsatzkräfte alarmiert und sei selbst zum Ort gefahren. Dort habe er nur einen dunklen Einschlagsbereich beziehungsweise ein „schwarzes Loch“ gesehen; der Bereich sei bereits von fremden Sicherheitskräften abgeschirmt gewesen.
Meine Erinnerung enthält nicht nur einen allgemeinen Eindruck, sondern konkrete, bildhafte Einzelheiten: das Sheraton-Hotel, die mögliche Kameraposition, die frühe Sicherstellung von Bändern; in Shanksville der Mann mit Sheriffstern, Kaffeetasse, Funkgerät, Explosionsmeldung und der bereits gesicherte Ort.
Solche Erinnerungselemente fühlen sich zurecht gewichtiger an als eine nachträgliche abstrakte Aktennotiz.
In der frühen öffentlichen Berichterstattung über Shanksville fehlte eine leicht zugängliche, lückenlos dokumentierte Bild- und Befundlage, anhand derer ein außenstehender Beobachter den Absturz eines Großflugzeugs eigenständig hätte rekonstruieren können. Erst später wurden einzelne amtliche Beweisbilder und technische Angaben zugänglich. Das damalige Informationsdefizit erklärt das fortdauernde Misstrauen vieler Beobachter, ohne für sich allein die Ursache des Absturzes zu entscheiden. (18)
Hinzu kommt meine berufliche Prägung: Militärische Führung, Lagebeurteilung und historische Recherche verlangen, Unstimmigkeiten nicht einfach zu übergehen. Wer gelernt hat, zwischen Meldung, Quelle, Lagebild, Indiz, Befund und gesicherter Erkenntnis zu unterscheiden, der empfindet fehlende Originalmaterialien oder unklare Beweisketten nicht als belanglose Nebensache.
Aus dem Fehlen einer öffentlich zugänglichen Sheraton-Aufnahme folgt jedoch nicht automatisch, dass die offizielle Darstellung des Einschlags widerlegt wäre. Die freigegebenen Pentagon-Aufnahmen und die Einordnung durch Behörden und zeitgenössische Berichte beziehen sich auf AA Flug 77; zugleich sind die bekannten Bilder wegen Perspektive, Bildfrequenz und kurzer Sichtbarkeit nur begrenzt aussagekräftig. (19)
Seit dem Maine-Zwischenfall von 1898 hat das Weiße Haus Kriegseintritte immer wieder mit unwahren Behauptungen und Beweisen begründet. Und jeweils hatte das Böse ein Gesicht.
Im September 2000 hatte das neokonservative Netzwerk Project for the New American Century (PNAC) das Strategiepapier Rebuilding America’s Defenses: Strategy, Forces and Resources for a New Century veröffentlicht, nach dessen Grundgedanken die Vereinigten Staaten ihre militärische Vormachtstellung nach Ende des Kalten Krieges nicht nur bewahren, sondern aktiv ausbauen sollten; dies schließe militärische Modernisierung, höhere Verteidigungsausgaben, dauerhafte Präsenz in strategischen Räumen und die Fähigkeit zu mehreren parallelen Kriegen ein.
Besonders häufig wird die Passage zitiert, wonach der Veränderungsprozess „wahrscheinlich lang dauern“ werde, „ohne ein katastrophales und katalysierendes Ereignis – wie ein neues Pearl Harbor“.
Der Satz ist politisch aufschlussreich, aber logisch begrenzt:
Er zeigt eine Denkweise, die einen nationalen Schock als Beschleuniger strategischer Umrüstung einkalkulierte.
Er beweist kein Vorwissen über 9/11, keine Planung oder Duldung der Anschläge.
Er erklärt aber, weshalb 9/11 für diese Strömung ein außergewöhnlich wirksamer Moment zur Durchsetzung zuvor umstrittener Projekte wurde.
Die kritische Frage lautet somit nicht: „Hat PNAC 9/11 gemacht?“ Dafür liegt kein belastbarer Beleg vor. Sondern: Welche vor 9/11 formulierten Strategien wurden nach 9/11 möglich, und welche institutionellen Kräfte trugen sie?
Die Parallelen von Pearl Harbor zu 9/11 sind nicht zu übersehen. In beiden Fällen ähnlihce Opferzahlen, Lücken in der Gesamtaufkärung und ein gleiches Ergebnis: Die USA konnten nach Pearl Harbor legitim in den zweiten Weltkrieg ziehen und nach 9/11 den umfassenden Weltkrieg gegen den Terrorismus führen - 26 Tage nach dem Ereignis gegen ein nachweislich unbeteiligtes Afghanistan und 2 Jahre später gegen den Irak.
Im ersten britischen Irak-Dossier vom 24. September 2002 stand, dass Saddam Hussein innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen gegen westliche Staaten in Stellung bringen könnte. „Aus bürokratischen Gründen haben wir Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund genannt, weil da jeder zustimmen konnte,“ so Paul Wolfowitz gemäß einer Panoramasendung vom 12. Juni 2003. In Washington und London beschäftigten sich mehrere parlamentarische Ausschüsse mit der Frage, ob vor dem Krieg Geheimdiensterkenntnisse systematisch manipuliert wurden. (20)
Trotz der dubiosen Argumentationskette zur Urheberschaft des 9/11-Attentats machten sich fast alle westlichen Medien zum Sprachrohr und Sprachverstärker des Weißen Hauses, wo Zweifel und das Verlangen nach gerichtsverwertbaren Beweisen Pflicht gewesen wäre. Denn so wie das Attentat in Sarajevo direkt in die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte, könnten die Terroranschläge von New York und Washington den Beginn der Ur-Katastrophe des 21. Jahrhunderts markieren.
Offene Fragen im Umfeld des 11. September
Bereits im Dezember 2002 hatte eine gemeinsame Kommission des Abgeordnetenhauses und des Senats die Untersuchung zu den Geheimdienst-Erkenntnissen vor dem 11. September 2001 abgeschlossen. Nach sieben Monaten, in denen das Weiße Haus und die CIA den Bericht durchforstete und Teile für die Öffentlichkeit sperrte, wurde am 24. Juli 2003 der 900 Seiten umfassende Bericht vorgelegt. Darin kam das Gremium zu dem Schluss, die amerikanischen Geheimdienste hätten die Bedeutung der vorhandenen Informationen zu den Vorgängen des 11. September nicht erkannt, und erhob schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitsdienste CIA und FBI. Der Bericht kritisiert Deutschland, in dem die Attentäter Zuflucht finden konnten, weil die Unterstützung ausländischer Terrorgruppen bis dahin nicht strafbar gewesen sei. Auch sei in Europa – mit Ausnahme Großbritanniens – die Bedrohung durch al-Qaida nicht ernst genug genommen worden.
Für Ärger sorgt bei amerikanischen Abgeordneten, dass ein 28 Seiten starkes Kapitel über die Rolle Saudi-Arabiens nicht veröffentlicht wurde, obwohl die meisten mutmaßlichen Attentäter (15 von 19) saudische Staatsbürger waren. (21)
Diese „Zensur“ des Weißen Hauses kritisierte der demokratische Senator und Präsidentschaftsbewerber Bob Graham: Nach seinen Angaben fehlen in der veröffentlichten Version wichtige Passagen, die von der Regierung mit dem Hinweis auf eine mögliche Gefährdung der nationalen Sicherheit für geheim erklärt worden seien. (22)
Um mehr Klarheit zu erreichen, forderten mehrere Parlamentarier US-Präsident George W. Bush auf, die umstrittenen Seiten des Berichts der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und Untersuchungen über Saudi-Arabien anzustrengen.
Während nach dem 11. September in weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung der Patriotismus erstarkte, entwickelte sich eine kleine, aber wachsende Bewegung, die der Regierung misstraute. Die Mitglieder von „Unanswered Questions“ (UQ), gegründet vom Journalisten Tom Flocco und Catherine Austin Fitts, von 1989 bis 1990 hohe Beamtin (Assistant Secretary) unter Bush Senior, wollten Antworten auf die noch offenen Fragen bekommen, von denen es eineinhalb Jahre nach den Attentaten immer mehr gab.
„Ich glaube, die Frage, die wir stellen müssen, lautet: cui bono – wem nützt es?“, so die streitbare ehemalige Direktorin von Dillon, Read & Co. und nunmehrige Präsidentin des Unternehmens Solari, Catherine Fitts; sie stellte fest:
„Viele Leute profitierten vom 11. September. Dieser Tag wurde benutzt, um massive Eingriffe in den Markt zu rechtfertigen. Eine Menge Leute machten eine Menge Geld. Dies ist auch ein finanzielles Ereignis, deshalb müssen wir wissen, wem es nützt.“ (25)
Eine Woche vor dem Anschlag begann eine plötzliche und zunächst unerklärliche Welle von obskuren Aktien- und Anleiheaktivitäten. Einige Milliarden US-Dollar wurden auf eine massive Abwertung der Börse gesetzt. Mit Hilfe des hochspekulativen Future-Handels sollte gewaltig an den Preisveränderungen der zugrunde liegenden Basiswerte einiger Aktien profitiert werden. Die „vorausschauenden“ Börsenhändler konnten sich nun nachträglich zum Crashkurs eindecken und die enorme Differenz als Gewinn gutschreiben lassen. Bei diesen Future-Transaktionen handelte es sich vornehmlich um Aktien der im World Trade Center beherbergten Finanzinstitute Morgan Stanley (23) und Merryll-Lynch (24), aber auch der beiden betroffenen Fluggesellschaften. Am Beispiel der American Airlines ergab sich folgendes Bild: (26)

Während Insider erfolgreich erhebliche Summen auf eine kommende große Krise setzten, in deren Verlauf bestimmte Aktienwerte dramatisch an Wert verlieren sollten, wurden im großen Stil krisensichere amerikanische Staatsanleihen gekauft. Nach den Terroranschlägen erregten diese Transaktionen den Verdacht der amerikanischen Bundesbehörde für Überwachung der Börsen und Anleihemärkte (SEC), die unverzüglich umfangreiche Untersuchungen einleitete, (27) wobei bis heute keine veröffentlichten Ermittlungsergebnisse vorliegen. Das schiere Ausmaß der fraglichen Aktien- und Anleiheaktivitäten scheint den Verdacht zu widerlegen, dass sie das Werk von Osama Bin Ladens Guerillagruppen sein könnten. Um diesen Börsendeal von über 15 Milliarden Dollar zu verschleiern, mussten die Aktivitäten in kleinen Mengen und über verschiedene Mittelsmänner, Banken und Börsen erfolgen. Kaum vorstellbar, dass den Lauschern vom US-Geheimdienst NSA diese Bewegungen verborgen geblieben sind.
Auch wenn für Bush der Hauptverantwortliche der Anschläge vom 11. September Bin Laden war, so verwundert der Blick auf den offiziellen FBI-Steckbrief. Auch eineinhalb Jahre nach dem 11. September 2001 schienen die Beweise gegen Bin Laden noch immer nicht auszureichen. In dem Steckbrief wird Osama Bin Laden nur der Bombenanschläge auf zwei US-Botschaften beschuldigt, nicht aber der Anschläge vom 11. September.
Einen Grund für die wuchernden Verschwörungstheorien sah der Journalist James Bamford in den permanenten Lügen der amerikanischen Regierung. „Sie lügt im Hinblick auf Atombomben im Irak. ... Sie hat über Vietnam gelogen, sie hat über Watergate gelogen – über eine Menge Dinge. Ganz offensichtlich gibt es eine Menge Misstrauen, ob die US-Regierung die Wahrheit sagt ... Ich glaube nicht alles sofort, sondern schaue erstmal genauer hin.“ (28)
Das machen auch zahlreiche investigative Publikationen mit unterschiedlichem Erfolg. Andreas von Bülow verweist darauf, dass „die Attentäter, welche die Anschläge so professionell ausgeführt haben, in der Vorbereitung sich benommen haben wie eine Elefantenherde auf dem Trampelpfad: Sie haben eine nachvollziehbare Kreditkarten-Biographie, sie mieten Autos unter ihrem Namen, sie melden sich bei den Flugschulen mit ihren Klarnamen an, sie nehmen auf dem Weg in den Tod Testamente und Abschiedsbriefe mit, die dem FBI "zufällig" in die Hände fallen, weil sie falsch adressiert waren. Diese Spur hat etwas von einer Schnitzeljagd, der die Öffentlichkeit ja folgen soll.“ (29)
Für jeden, der nicht in die Nähe eines „Verschwörungstheoretikers“ gedrängt werden möchte, steht somit zweifelsfrei fest, dass die in vier Teams aufgeteilten 19 Flugzeugentführer mit militärischer Präzision die Flugbegleiter mit ihren Tapetenmessern überwältigten, ihren Weg in die Flugzeugkanzel erzwangen, die Airlines-Piloten außer Gefecht setzten, die Kontrolle der Flugzeuge übernahmen, zielsicher an ihre symbolträchtigen Bestimmungsorte navigierten und mit der Geschicklichkeit von trainierten Militärpiloten letztlich ins Ziel steuerten. Obendrein mussten noch die Passagiere in Schach gehalten werden.
Die Operation des 11. September erforderte gigantische Bemühungen in Bezug auf Management und Kontrolle und trug damit nicht unbedingt die Handschrift arabischer Terroristen. Ein ähnlich komplexes Unternehmen konnten arabisch-islamistische Organisationen bisher nirgendwo vorweisen. Mit Ausnahme von einigen Flugzeugentführungen fanden ausschließlich Einzelaktionen statt. Selbstmörder banden sich Dynamitstangen um, sprengstoffbeladene Autos wurden vor ausgewählten Zielen abgestellt und dann ferngezündet oder ein zur Bombe verwandeltes Schlauchboot in einen US-Zerstörer gesteuert. Alles insgesamt simple Operationen, deren sichtbare Elemente Spontaneität und Unberechenbarkeit sind.
Alle diese Gruppen agieren autonom und werden durch die Zerschlagung von Kommandozentralen kaum betroffen. Angesichts dieser Tatsache präsentieren die US-Behörden eine globale kriminelle Organisation mit einer zentralisierten Leitung. Dazu einen Chefschurken, der in einem Höhlenverlies alle Fäden zieht. Um Hinweise auf die Täter und Hintermänner zu erhalten, hätten die Massenmedien immer wieder nur eine bohrende Frage stellen müssen: Wer zieht aus den schrecklichen Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon Nutzen? Die Antwort wird, so hoffte im Neuen Deutschland vom 15.10.2001 der damalige Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikations-Management (St. Gallen) und ehemalige SPD-Vordenker, Prof. Dr. Peter Glotz, die Zukunft geben. (30)
Hier hat sich Glotz geirrt! Natürlich erfahren wir nichts Neues durch die etablierten Mainstream-Medien, damals wie heute, die offizielle Version lautet weiter, wie vor 25 Jahren:
Am 11.9. 2001 wurden 4 Passagierflugzeuge von Al-Qaida-Terroristen entführt, 2 davon ins World-Trade-Center New York, 1 ins Pentagon, 1 stürzte in Pennslyvania Nähe Shanksville ab, nachdem die Passagiere sich mit Teppichmessern gewehrt hatten. Knapp 3.000 internationale Todesopfer. Durch dieses Ereignis wurde der sogenannte Krieg gegen den Terror ausgelöst. Fragen bleiben unerwünscht.
Demnächst Teil 2: Das fehlende Gebäude, die offenen Akten, die falschen Kriege
+++
Anmerkungen und Quellen
Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020), "Die unterschätzte Macht" (2022), "Vom Krieg zur Weltordnung" (2026).
+++
1) Guthart, Christian: Der 11. September – Ein Untersuchungsbericht. München 2002, S. 133
2) Alarm. Wie die New Yorker Anschläge die Bundesrepublik veränder. In: FOCUS Nr. 38/2001 S. 272 ff.
3) Wolfgang Effenberger/ Konrad Löw: Pax americana Die Geschichte einer Weltmacht von ihren angelsächsischen Wurzeln bis heute. München 2004, S. 545
4) AP-Meldung vom 9. September 2001, 17.12 Uhr MEZ mit dem Statement von NATO-Generalsekretär George Robertson.
6) Effenberger/Löw, S. 546
7) Gude, Hubert: Einreise auf dem Klageweg. Mohamed Atta hatte sich seinen Studienplatz in Hamburg durch einen Gerichtsbeschluss erstritten. In: FOCUS Nr. 48/2001, S. 42
8) Pakistan fordert klare Beweise gegen bin Laden. In: Süddeutsche Zeitung vom 24.09.2001
10) www.no-racism.net/MUND/archiv/september1/aussendung130901.htm
11) Susan Sontag: Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 15. September 2001
12) Effenberger/Löw, S. 547
14) Heribert Prantl: „Das Weltgericht.“ In der Süddeutschen Zeitung vom 18. September 2001
15) https://www.cnn.com/2006/US/05/16/pentagon.video/index.html
16) Ebda.
17) Ebda.
18) https://www.nps.gov/media/photo/gallery.htm?id=C7A45234-155D-451F-67A019C294E6A905
20) U.S. Senate Select Committee on Intelligence (SSCI): Der Geheimdienstausschuss des US-Senats führte die historisch bedeutendste parlamentarische Untersuchung in den USA durch. In seinem umfassenden Senate Report on Iraqi WMD Intelligence (Phase I 2004, Phase II 2008) stellte der Ausschuss fest, dass die Geheimdienste (insbesondere die CIA) der Politik und der Öffentlichkeit ungenaue, übertriebene und mangelhaft untermauerte Informationen lieferten. Phase II prüfte zudem explizit die Diskrepanzen zwischen den realen Geheimdienstdaten und den öffentlichen Reden von Regierungsmitgliedern wie George W. Bush. https://www.armscontrol.org/act/2008-08/senate-committee-completes-iraq-intel-probe
London: Intelligence and Security Committee (ISC): Der parlamentarische Geheimdienst- und Sicherheitsausschuss veröffentlichte bereits im September 2003 den Bericht „Iraqi Weapons of Mass Destruction — Intelligence and Assessments“. Er untersuchte, ob das berüchtigte „September-Dossier“ der Regierung Blair von der Politik unzulässig zugespitzt und manipuliert worden war.
The Chilcot Inquiry (2009–2016): Der Chilcot-Bericht war zwar eine unabhängige öffentliche Untersuchung und kein reiner Parlamentsausschuss, gilt aber als das umfassendste britische Dokument zur Aufarbeitung. Er urteilte vernichtend, dass die Regierung Blair unbestätigte Geheimdienstdaten unkritisch als Fakten darstellte und das Land voreilig und ohne ausgeschöpfte friedliche Optionen in den Krieg führte. https://de.wikipedia.org/wiki/Chilcot-Bericht
21) SZ vom 25. Juli 2003. Geheimdienst-Fehler halfen Terroristen, S. 1
22) US-Kongress: Schwere Fehler bei Geheimdiensten. Aus: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,258473,00.html
23) WDR-Dokumentation vom 20.6.2003: Aktenzeichen 11. 9. ungelöst. Lügen und Wahrheiten zum 11.Von September 2001 von Willy Brunner und Gerhard Wisnewski
24) In den Wochen vor dem 11. September wurden an der Wall Street täglich durchschnittlich 27 Put-Optionskäufe gekauft. In den letzten 3 Tagen vor dem 11. September waren es durchschnittlich 700 pro Tag. Vgl. Guthart: a.a.O., S. 127
25) Auf Merril Lynch entfielen in den Wochen vor dem 11. September 252 Put-Optionskäufe pro Tag, in den letzten 3 Tagen aber durchschnittlich 3050. Vgl. Guthart: a.a.O., S. 127
26) Guthart, Christian: a.a.O., S. 126
27) Am 2. Oktober berichtete das Wall Street Journal, dass sich der Secret Service den in Gang befindlichen Untersuchungen verdächtiger Aktienverkäufe durch die SEC angeschlossen hat und jetzt umfangreiche Käufe von US-Schatzbriefen mit fünfjähriger Laufzeit unmittelbar vor den Attacken untersucht
28) WDR-Dokumentation vom 20.6.2003: Aktenzeichen 11. 9. ungelöst. Lügen und Wahrheiten zum 11.Von September 2001 von Willy Brunner und Gerhard Wisnewski
29) Andreas von Bülow: „Da sind Spuren wie von einer trampelnden Elefantenherde“ – These: So kann es nicht gewesen sein!!! Tagespiegel vom 13.02.2002; Bülows Interview mit Marcus Klöckner vom 5. April 2002 in der OBERHESSISCHEN PRESSE Nr. 79
30) Peter Glotz: Die Wahrheit gibt es später. In: Neues Deutschland vom 15.10.2001
+++
Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
+++
Bild: Aufnahme während des Terroranschlags vom 11. September 2001 auf das World Trade Center
Bildquelle: Rawpixel.com / shutterstock
+++
Ihnen gefällt unser Programm? Machen wir uns gemeinsam im Rahmen einer "digitalen finanziellen Selbstverteidigung" unabhängig vom Bankensystem und unterstützen Sie uns bitte mit der:
Spenden-Kryptowährung „Nackte Mark“: https://apolut.net/unterstuetzen/#nacktemark
oder mit
Bitcoin: https://apolut.net/unterstuetzen#bitcoin
Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie hier: https://apolut.net/unterstuetzen/
+++
Bitte empfehlen Sie uns weiter und teilen Sie gerne unsere Inhalte in den Sozialen Medien. Sie haben hiermit unser Einverständnis, unsere Beiträge in Ihren eigenen Kanälen auf Social-Media- und Video-Plattformen zu teilen bzw. hochzuladen und zu veröffentlichen.
+++
Abonnieren Sie jetzt den apolut-Newsletter: https://apolut.net/newsletter/
+++
Unterstützung für apolut kann auch als Kleidung getragen werden! Hier der Link zu unserem Fan-Shop: https://harlekinshop.com/pages/apolut