Wer frisst, und wer wird gefressen?
Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.
Beginnen wir mit dem, worin die Sorge vor dem Kahlfressen recht hat. Kahlgefressen ist ein Planet, wenn der Verbrauch seine Fähigkeit übersteigt, sich zu erneuern und Abfälle aufzunehmen. Die Erde ist endlich. Böden, Wasser, Metalle und Wälder lassen sich nicht beliebig vermehren, und die Atmosphäre kann nicht unbegrenzt Abgase aufnehmen. Wer das leugnet, hat nichts verstanden.
Mehr Menschen bei gleicher Lebensweise bedeuten aber auch mehr Verbrauch. Der Einfluss der Zahl ist also real. Er wiegt aber weniger, als die Debatte meist tut, denn er hängt davon ab, wie viel der Einzelne verbraucht, und das unterscheidet sich gewaltig: Ein Mensch im reichen Norden verbraucht ein Vielfaches dessen, was ein Mensch im armen Süden verbraucht.
Deshalb wird seit über zweihundert Jahren gefragt, wie viele Menschen die Erde verträgt. Mal werden zwei Milliarden genannt, mal drei, mal zehn. Eine feste Zahl gibt es nicht. Seriöse Schätzungen reichen von wenigen Milliarden bis zu mehreren Dutzend, und diese Spanne zeigt, dass jede Zahl eine Annahme über die Lebensweise enthält. Wer zwei Milliarden für das Maximum hält, rechnet mit dem Verbrauch der reichen Länder und stellt fest, dass die Erde dafür nicht reicht. Das stimmt sogar. Aber das Ergebnis sagt mehr über einen Lebensstil als über die Natur.
Der Streit geht also nicht darum, ob es Grenzen gibt. Er geht darum, wo der Hebel sitzt: bei der Zahl der Köpfe oder bei der Art, wie gewirtschaftet wird. Wer diese Frage stellt, muss vier weitere stellen. Wer frisst, wie ist das organisiert, wer zahlt dafür, und was lässt sich tun?
Wer sind die Kahlfresser?
Beginnen wir mit den Zahlen, die sich schwer wegdiskutieren lassen. Das reichste Zehntel der Menschheit verursacht ungefähr die Hälfte aller klimaschädlichen Emissionen. Die ärmere Hälfte der Menschheit kommt auf etwa ein Achtel. Nach Berechnungen der Hilfsorganisation Oxfam stößt das reichste Prozent so viel aus wie die ärmeren zwei Drittel der Menschen zusammen. Ein Mensch im Niger verbraucht im Jahr einen winzigen Bruchteil dessen, was ein Mensch in den USA, in Deutschland oder in den Golfstaaten verbraucht.
Wer also sinkende Geburtenzahlen bei den Armen als Beitrag zur Rettung des Planeten verbucht, feiert das Verschwinden derer, die am wenigsten verbrauchen. Das ist, als würde man das Haus retten wollen, indem man die Mieter im Keller ausquartiert und die Heizung im Penthouse weiter auf Hochtouren laufen lässt.
Aber auch “die Reichen” sind noch zu ungenau, denn gemeint sind nicht einfach Einzelpersonen mit großen Yachten. Das Entscheidende ist eine Funktion. Kapital, also Geld, das investiert wird, um mehr Geld zu werden, kann nur existieren, wenn es wächst. Steht es still, verliert es gegenüber der Konkurrenz und geht unter. Fachleute sprechen von Akkumulation, vom ständigen Anhäufen. Dieser Zwang verlangt immer neue Rohstoffe, neue Flächen, neue Märkte und billigere Arbeitskraft. Ein Konzern, der beschließt, einfach nicht mehr zu wachsen, wird von einem anderen geschluckt, der das nicht beschließt.
Die Kahlfresser sind demnach Rohstoff-, Agrar- und Energiekonzerne, die großen Handelshäuser und die Finanzinvestoren, die ihnen das Geld geben. Dazu kommen die Staaten, die dies absichern. Sie zahlen Subventionen für fossile Energie, deren Gesamtkosten der Internationale Währungsfonds, wenn man die nicht eingepreisten Umwelt- und Gesundheitsschäden mitrechnet, auf mehrere Billionen Dollar im Jahr beziffert. Sie schließen Handelsabkommen, die den Zugriff auf fremde Rohstoffe erleichtern, und sie setzen notfalls Militär ein, um Handelswege und Förderregionen zu sichern.
Wichtig ist: Das ist keine Eigenheit einer einzigen Systemform. Die Sowjetunion hat den Aralsee fast ausgetrocknet, um Baumwolle anzubauen. China baut Kohlekraftwerke und Staudämme in einem Tempo, das die Geschichte nicht kennt. Der Zwang zum Wachstum und zur Ausbeutung wirkt, ob das Kapital in privater oder in staatlicher Hand liegt. Wer das Kahlfressen nur im Westen sucht, wird es dort finden und anderswo übersehen.
Wie ist das Kahlfressen organisiert?
Kahlfressen klingt nach Gier und Maßlosigkeit, nach einem Charakterproblem. Das führt aber in die Irre. Wer Menschen als zu gierig beschimpft, übersieht, dass ein ganzes Wirtschaftssystem so gebaut ist, dass Gier sich auszahlt und Zurückhaltung bestraft wird. Drei Mechanismen sind dafür entscheidend.
Der erste heißt Externalisierung. Das Wort bedeutet, dass man Kosten nach außen verlagert. Wenn eine Fabrik einen Fluss vergiftet, steht dieser Schaden in keiner Bilanz. Er fällt bei den Anwohnern an, bei den Fischern, bei der Krankenkasse. Im Großen geschieht dasselbe weltweit: Die Schäden der Rohstoffgewinnung entstehen in Kongo, Indonesien oder Chile, die Gewinne landen in Frankfurt, New York oder Genf. Auch zeitlich wird verlagert, denn die Folgen des heutigen Verbrauchs tragen diejenigen, die später leben. Der Soziologe Stephan Lessenich hat dafür den Begriff der Externalisierungsgesellschaft geprägt, die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen sprechen von der imperialen Lebensweise. Gemeint ist: Unser Wohlstand beruht darauf, dass andere die Kosten tragen, ohne dass wir sie sehen.
Der zweite Mechanismus ist der ungleiche Tausch. Rohstoffe und Ackerland verlassen die armen Länder zu niedrigen Preisen, Industriewaren und Kredite kommen teuer zurück. Viele dieser Länder sind hoch verschuldet, und die Zinsen müssen in Dollar bezahlt werden. Dollar bekommt man, indem man Rohstoffe verkauft. So zwingt die Schuld die Länder, noch mehr zu fördern, zu roden und zu exportieren, selbst wenn es ihrer eigenen Natur und Bevölkerung schadet. Das Kahlfressen wird also von den Opfern mitfinanziert, und das nicht freiwillig.
Der dritte Mechanismus liegt in der Preisform selbst. In einer Marktwirtschaft zählt, was einen Preis hat. Ein Wald hat erst dann einen Preis, wenn er gefällt wird. Saubere Luft, stabiles Klima, ein funktionierender Boden und die unbezahlte Arbeit, mit der Menschen Kinder und Alte versorgen, tauchen in keiner Rechnung auf. Karl Marx sprach vom Riss im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur: Was dem Boden entnommen wird, fließt nicht zurück, sondern wird als Ware verkauft und verschwindet in den Städten. Der Historiker Jason Moore nennt es die Strategie der billigen Natur. Das System braucht Natur und Fürsorgearbeit im Überfluss, aber es will sie nicht bezahlen.
Aus all dem folgt etwas Wichtiges: Das Kahlfressen geht auch bei sinkender Bevölkerung weiter. Ein Wachstumszwang fragt nicht, wie viele Menschen da sind, sondern wie viel Gewinn sich erzielen lässt. Eine kleinere Menschheit, die nach denselben Regeln wirtschaftet, frisst den Planeten genauso kahl, nur mit weniger Beteiligten am Tisch.
Wer sind die Opfer?
Zuerst die Menschen an der Rohstofffront. Kinder, die in Kobaltminen im Kongo graben, damit wir Akkus für Handys und Elektroautos haben. Landarbeiter auf Palmölplantagen, Kleinbauern, die von ihrem Land vertrieben werden, Fischer, deren Küsten versalzen oder untergehen. Sie tragen die Last, und gefragt werden sie nicht.
Dann kommt die nichtmenschliche Natur, die sich nicht wehren kann. Das Artensterben der letzten Jahrzehnte hat keinen Preis und deshalb keinen Fürsprecher in der Bilanz. Und es kommen diejenigen, die noch nicht geboren sind und die mit den Folgen leben müssen, ohne an den Entscheidungen beteiligt gewesen zu sein.
Zum Schluss gehört eine unbequeme Wahrheit dazu. Auch die Mehrheit in den reichen Ländern ist beides zugleich. Sie profitiert von billigen Importen, zahlt aber gleichzeitig steigende Preise für Wohnen, Energie und Gesundheit, während die Gewinne bei wenigen bleiben. Wer in Deutschland von einem durchschnittlichen Lohn lebt, hat mehr mit einem Beschäftigten im globalen Süden gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint, nämlich dass über sein Leben anderswo entschieden wird. Das macht die Sache schwieriger, als eine einfache Einteilung in Täter und Opfer erlaubt. Aber es macht sie auch aussichtsreicher, denn es zeigt, dass die Mehrheit der Menschen ein gemeinsames Interesse hat, auch wenn sie es noch nicht so sieht.
Eine alte Figur
Eine Warnung aus der Geschichte gehört hierher, kurz gefasst. Als Thomas Malthus 1798 behauptete, die Bevölkerung wachse schneller als die Nahrung und müsse durch Hunger, Seuchen und Krieg begrenzt werden, kam das den Besitzenden gelegen. Die Armut der Arbeiter war damit kein Ergebnis von Eigentumsverhältnissen mehr, sondern ein Naturgesetz. In der irischen Hungersnot der 1840er Jahre starben über eine Million Menschen, während Getreide aus dem Land ausgeführt wurde, und manchen britischen Beamten galt das als natürlicher Ausgleich.
Seither kehrt der Gedanke in jeder Krise wieder: Das Überzählige erledige sich irgendwann von allein. Das tut es nie. Es trifft jene mit dem wenigsten Besitz und dem wenigsten Schutz, und es geschieht, weil es zugelassen wird. Zugleich entschärft sich das Zahlenproblem von selbst, wenn auch langsam. Die Vereinten Nationen erwarten den Höchststand bei gut zehn Milliarden Menschen irgendwann in den 2080er Jahren, danach sinkt die Zahl. Das löst das Problem nicht, denn ein Wirtschaftssystem mit Wachstumszwang frisst auch eine schrumpfende Menschheit kahl. Aber es zeigt, dass der Hebel woanders liegt.
Was tun?
Zuerst eine Warnung: Es hilft wenig, die Verantwortung beim Einzelnen abzuladen. Weniger Fleisch, kürzere Duschen und kein Plastikbecher sind ehrenwert, aber sie behandeln ein Strukturproblem wie eine Charakterfrage. Die Botschaft „Sie sind schuld, weil Sie Auto fahren” ist bei den Mächtigen übrigens beliebt, denn sie lenkt hervorragend ab. Es gibt inzwischen ausgearbeitete Entwürfe, wie es anders gehen könnte. Vier davon sind einen Blick wert, jeder mit einer Stärke und einer Schwäche.
Grenzen und Grundbedürfnisse zusammendenken. Eine Forschergruppe um Daniel O’Neill hat 2018 für über 150 Länder untersucht, ob sie ihre Grundbedürfnisse decken können, ohne die ökologischen Grenzen des Planeten zu überschreiten. Zu Grundbedürfnissen zählen Ernährung, Gesundheit, Bildung und ein Mindesteinkommen. Das Ergebnis: Kein Land schafft beides. Wer genug zum Leben hat, verbraucht zu viel Natur, und wer die Natur schont, hat meist zu wenig zum Leben. Das ist ein starkes Argument dafür, dass nicht die Zahl der Menschen das Problem ist, sondern die Art zu wirtschaften. Aus diesem Gedanken stammt das Bild der „Donut-Ökonomie” der Ökonomin Kate Raworth: Innen ein Loch, wo die Grundbedürfnisse unerfüllt bleiben, außen eine Grenze, die der Planet nicht überschreiten darf, und dazwischen der Ring, in dem gutes Leben möglich ist. Die Schwäche des Bildes: Es sagt, wo man hinwill, aber nicht, wer die Entscheidungen durchsetzt und gegen wen.
Wie viel Energie braucht ein gutes Leben? Der Forscher Joel Millward-Hopkins und sein Team haben 2020 berechnet, was ein menschenwürdiges Leben für alle kosten würde, also Wohnen, Ernährung, Heizen und Kühlen, Gesundheit, Bildung und Verkehr. Ihr Ergebnis: Im Jahr 2050 ließe sich dieser Standard für etwa zehn Milliarden Menschen mit weniger als vierzig Prozent der Energie sichern, die die Menschheit heute weltweit verbraucht. Das entspräche ungefähr dem Energieverbrauch der 1960er Jahre, als nur drei Milliarden Menschen lebten. In den Ländern mit dem höchsten Verbrauch pro Kopf wären demnach Einsparungen von bis zu 95 Prozent möglich, ohne dass der Lebensstandard unter diese Grenze fiele.
Diese Rechnung hat zwei Voraussetzungen, die man nicht verschweigen darf. Sie setzt einen massiven Ausbau fortgeschrittener Technik in allen Bereichen voraus, etwa bei Gebäudedämmung, Elektroantrieben und effizienten Geräten. Und sie verlangt, dass der Verbrauch aller, unabhängig vom Einkommen, auf ein Maß der Genügsamkeit sinkt. Dieses Maß ist nach Angaben der Autoren allerdings deutlich großzügiger, als Kritiker einer solchen Einschränkung meist annehmen.
Es ist eine Modellrechnung mit Annahmen und keine Prognose. Aber sie verschiebt die Frage von „zu viele Menschen” zu „zu ungleich verteilter Verbrauch”. Die Schwäche: Zwischen dem Modell und der Wirklichkeit liegen Machtverhältnisse, die kein Modell berücksichtigt. Wer sollte freiwillig weniger verbrauchen, solange andere an dessen Mehrverbrauch verdienen?
Gesundschrumpfen statt Wachsen. Unter dem Namen Postwachstum (englisch Degrowth) fassen Forscher wie Jason Hickel, Giorgos Kallis, Matthias Schmelzer und, mit stärkerem Bezug auf Marx, Kohei Saito einen Gedanken zusammen. Produktion und Verbrauch sollen dort zurückgehen, wo es am wenigsten schadet, bei Rüstung, Werbung, Wegwerfwaren und Luxus, während Pflege, Bildung, Nahverkehr und Gesundheit ausgebaut werden. Dagegen steht das Lager des „grünen Wachstums”, das auf Effizienz und neue Technik setzt und glaubt, Wirtschaftsleistung und Naturverbrauch ließen sich voneinander lösen. In einzelnen reichen Ländern sinken die Emissionen tatsächlich, doch der weltweite Verbrauch an Rohstoffen steigt bis heute weiter, und das Tempo der Einsparungen reicht nach Ansicht vieler Fachleute nicht aus. Die Schwäche des Postwachstums: Ein Rückbau stößt auf den Zwang der Unternehmen zum Wachsen, und niemand hat bisher gezeigt, wie sich Arbeitsplätze und Renten ohne Wachstum dauerhaft sichern lassen.
Gemeinsam verwalten. Die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom erhielt 2009 den Wirtschaftsnobelpreis für den Nachweis, dass Gemeinschaften Wälder, Fischgründe und Wasser oft über Jahrhunderte pfleglich nutzen, wenn sie die Regeln selbst festlegen und überwachen. Das widerspricht der verbreiteten Behauptung, Gemeineigentum ende zwangsläufig im Raubbau. Die Grenze liegt in der Größe: Ostroms Beispiele funktionieren im überschaubaren Rahmen. Beim Weltklima, das alle betrifft und niemanden ausschließen kann, ist offen, wer die Regeln setzt.
Der gemeinsame wunde Punkt. Alle vier Entwürfe stoßen auf dieselbe Frage: Wer entscheidet, und wie verhindert man, dass sich neue Macht verfestigt? Das gilt für staatliche Planung, die einer Behörde viel Gewalt über Investitionen gibt, und es gilt auch für die Hoffnung auf freiwillige Genügsamkeit, die gegen Konzerne mit Wachstumszwang wenig ausrichtet. Die Geschichte der staatlich gelenkten Wirtschaften zeigt, dass auch sie ihre Natur nicht geschont haben. Eine fertige Lösung gibt es nicht. Wohl aber eine Richtung: Entscheidungen über Energie, Boden, Wasser und Wohnen gehören dorthin, wo die Betroffenen mitreden können, und ihr Maßstab muss der Bedarf sein, nicht die Rendite.
Die Frage, wie viele von uns zu viel sind, lenkt davon ab. Die richtige Frage lautet: Welche Ordnung von Arbeit, Eigentum und Entscheidung würde es ermöglichen, dass acht oder zehn Milliarden Menschen gut leben, ohne dem Planeten die Grundlagen zu nehmen? Darüber lohnt sich der Streit, und zwar mit denen, die ihn ernst nehmen.
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Bildquelle: Lubos Chlubny / shutterstock
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Quellenanhang
Zahlen und Studien
Emissionen nach Einkommensgruppen
Chancel, Lucas (2022): Global carbon inequality over 1990–2019. Nature Sustainability 5, S. 931–938. Zugänglich über die Paris School of Economics: https://www.parisschoolofeconomics.eu/publications-hal/global-carbon-inequality-over-1990-2019
Für 2019 beziffert die Studie den Anteil der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung an den Emissionen auf 12 Prozent und den des reichsten Zehntels auf 48 Prozent. Außerdem stammt der Großteil der Emissionen des reichsten Prozents aus Investitionen und nicht aus Konsum. parisschoolofeconomics
Oxfam International / Stockholm Environment Institute (2023): Climate Equality: A Planet for the 99%. Pressemitteilung: https://www.oxfam.org.uk/mc/qer7km/
Danach verursachte das reichste Prozent 2019 so viele konsumbedingte Emissionen wie die ärmeren zwei Drittel der Menschheit, und das reichste Zehntel kam auf die Hälfte aller Emissionen. Oxfam ist eine Interessenorganisation
Fossile Subventionen
Black, Simon / Liu, Antung A. / Parry, Ian / Vernon-Lin, Nate (2023): IMF Fossil Fuel Subsidies Data: 2023 Update. IMF Working Paper 2023/169: https://www.imf.org/en/publications/wp/issues/2023/08/22/imf-fossil-fuel-subsidies-data-2023-update-537281
Die globalen Subventionen betrugen demnach 2022 sieben Billionen Dollar, also 7,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der weitaus größte Teil davon, etwa 82 Prozent, besteht aus unterlassener Bepreisung von Umweltschäden, nur rund 1,3 Billionen sind direkte Subventionen. Der Begriff “implizite Subvention” ist umstritten. Eine gut lesbare Einordnung bietet Our World in Data: https://ourworldindata.org/how-much-subsidies-fossil-fuels
Bevölkerungsprognose
United Nations, Department of Economic and Social Affairs (2024): World Population Prospects 2024. Zusammenfassung: https://media.un.org/avlibrary/en/asset/d323/d3234897
Die UN erwarten den Höchststand mit rund 10,3 Milliarden Menschen Mitte der 2080er Jahre und bis 2100 einen leichten Rückgang auf 10,2 Milliarden. In 63 Ländern, darunter China, Russland, Japan und Deutschland, ist der Höchststand bereits überschritten. arabnews
Grundbedürfnisse und planetare Grenzen
O’Neill, Daniel W. / Fanning, Andrew L. / Lamb, William F. / Steinberger, Julia K. (2018): A good life for all within planetary boundaries. Nature Sustainability 1, S. 88–95. DOI: 10.1038/s41893-018-0021-4. Frei zugänglich: https://eprints.whiterose.ac.uk/id/eprint/127264/
Die Autoren stellen fest, dass kein Land die Grundbedürfnisse seiner Bürger auf einem global tragfähigen Ressourcenniveau deckt. Rein materielle Bedürfnisse wie Ernährung, Sanitärversorgung und Strom ließen sich dagegen wahrscheinlich für alle innerhalb der Grenzen erfüllen.
Energiebedarf für ein gutes Leben
Millward-Hopkins, Joel / Steinberger, Julia K. / Rao, Narasimha D. / Oswald, Yannick (2020): Providing decent living with minimum energy: A global scenario. Global Environmental Change 65, 102168. DOI: 10.1016/j.gloenvcha.2020.102168. Frei zugänglich: https://pure.iiasa.ac.at/16764
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein menschenwürdiger Lebensstandard für rund zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 mit weniger als 40 Prozent der heutigen Energie möglich wäre. Voraussetzung sind allerdings ein massiver Ausbau fortgeschrittener Technologien und Einschnitte beim Verbrauch. sciencedailyiiasa
Begriffe und Theorien
- Lessenich, Stephan (2016): Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Hanser. Seine Grundthese lautet, dass die Gesellschaften des Zentrums die Erträge des Systems auf Kosten der übrigen Welt genießen. socialnet
- Brand, Ulrich / Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. oekom, München. Das Buch untersucht die Ursachen und zerstörerischen Wirkungen dieser Lebensweise und zeigt Wege zu ihrer Überwindung. perlentaucher
- Saito, Kohei (2022): Marx in the Anthropocene. Towards the Idea of Degrowth Communism. Cambridge University Press (deutsch: Systemsturz). Saito deutet Marx’ Begriff vom “Riss im Stoffwechsel” so, dass der gesellschaftliche Stoffwechsel von Geld, Ware und Kapital mit dem Stoffwechsel der Natur unvereinbar sei. Saitos Lesart von Marx ist umstritten. Eine Rezension in der Jungle World hält es für die große Schwäche des Buches, dass Marx zum Kronzeugen für Degrowth gemacht wird. junglejungle
- Schmelzer, Matthias / Vetter, Andrea / Vansintjan, Aaron (2022): The Future Is Degrowth. Verso. Besprechung mit Kritik: https://nickbernards.substack.com/p/degrowth-fetish-and-capitals-ecological
- Hickel, Jason (2020): Less Is More. Penguin/Windmill Books.
- Ostrom, Elinor (1990): Governing the Commons. The Evolution of Institutions for Collective Action. Cambridge University Press. 2009 erhielt sie dafür den Wirtschaftsnobelpreis, geteilt mit Oliver Williamson. Sie zeigte, dass lokale Gemeinschaften gemeinsame Ressourcen ohne staatliche Regulierung oder Privatisierung erfolgreich verwalten können. https://www.econlib.org/library/Enc/bios/Ostrom.html econlib
Historische Belege
- Malthus, Thomas Robert (1798): An Essay on the Principle of Population. Die Erstausgabe erschien anonym. Volltext: https://www.econlib.org/library/Malthus/malPop.html. In späteren Ausgaben nahm Malthus selbst einzelne der härtesten Folgerungen zurück und ließ eine zusätzliche Bremse gelten, die weder Laster noch Elend ist. econlibeconlib
- Große Hungersnot in Irland 1845–1852: Rund eine Million Menschen starben, über eine Million wanderte aus, und die Weigerung Londons, Exporte von Nahrungsmitteln zu verbieten, wird immer noch kontrovers diskutiert. https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Famine_(Ireland).
- Aralsee: Die Austrocknung geht auf sowjetische Bewässerungsprojekte seit den 1960er Jahren zurück, die dem See das Wasser von Amudarja und Syrdarja für den Baumwollanbau entzogen. Überblick: https://gfipps.tamu.edu/files/2019/12/Aral-sea.pdf arcgis
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Dirk Ellerbrock, Jg. 1946, Dipl.-Sozialwissenschaftler, studierte Wirtschafts-, Politikwissenschaften und Sozialpsychologie, arbeitete viele Jahre in der Finanzwirtschaft, Unternehmensberatung und als Management-Coach.
Mitte der 1990er wandte er sich spirituellen Traditionen zu – Advaita-Vedanta, Zen, Taoismus, Tantra und christliche Mystik –, vertieft durch Stephen Wolinskys „Quantenpsychologie" und die Seminare Ramesh Balsekars in Bombay. Er leitete Meditationsgruppen und veröffentlichte 2010 unter dem Pseudonym Manaschu sein erstes Buch, „Das Geheimnis ewigen Glücks – Texte zur Menschwerdung" (ISBN 978-3-8391-4517-3). 2026 entstand sein noch unveröffentlichtes zweites Buch, „Die Schlange der Moral – Gift und Gegengift", das moralisches Urteilen als strukturelle Gewaltform durchleuchtet.
Heute schreibt er regelmäßig politische und gesellschaftliche Kommentare, u. a. für apolut und auf seinem Substack: https://substack.com/@dirkellerbrock
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