Wer hat Angst vor Bitcoin oder: ein Monster kommt selten allein

Ein Kommentar von Adam Nümm.

Veränderungen haben das Potential, zu verängstigen oder Hoffnung zu schenken. So viele Narrative es gibt, so viele unterschiedliche Blickwinkel und Positionen gibt es. Jeder Mensch hat seine eigene Sicht auf die Dinge und es ist sicherlich nicht leicht für den Einzelnen, die einmal zurecht gelegte Position zu lockern, geschweige denn abzulegen und neu zu bewerten.

Das Thema “Bitcoin” beziehungsweise “Kryptowährung” polarisiert. Seit es Ende 2017 von den Mainstreammedien (vor allem wegen des Katalysators Profitgeilheit) aufgegriffen wurde, hat so ziemlich jeder Deutsche – auch wenn er Bitcoin nur vom Hörensagen kennt – eine Meinung dazu. Und diese Meinung ist – wie könnte es in unserer wunderbar demokratischen und pluralistischen Gesellschaft auch anders sein – zumeist recht eindeutig. Man kann das eindrucksvoll in den Kommentarspalten des Internets nachvollziehen: der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern ist tief, die Diskussion angespannt. Groß sind die Ängste derjenigen, die in Bitcoin das Anbrechen des Endes der Welt ahnen. Von New World Order (NWO) ist die Rede, von einer Bankenverschwörung, ja sogar davon, dass Bitcoin in Wahrheit von einer künstlichen Intelligenz kreiert worden sei, um die Menschheit zu versklaven. Die Kreativität ist grenzenlos und hat durchaus Unterhaltungswert. Das Unschöne an der Sache: gefährliches Halbwissen vermengt sich mit aktuell berechtigten Sorgen wie beispielsweise der über die Abschaffung des Bargeldes zu einer emotionalen Suppe, in der alles mögliche eine Rolle spielt (etwa: bin ich selbst Besitzer von Bitcoin oder nicht?), nur eines ganz sicher nicht: Fakten.

Was seit Jahren seitens der Wissenschaft immer wieder alarmierend erwähnt wird und längst auch komödiantisch in Filmen wie Idiocracy (2006) oder Wall-E (2013) umgesetzt wurde, scheint sich in der aktuellen Debatte eindrucksvoll zu bestätigen: mehr Meinung, weniger Kenntnis der Sachlage – dies scheint der gesellschaftliche Trend zu sein. So bestätigt es auch eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). 49% der Befragten gaben an, sie hätten “keine Ahnung”, was überhaupt an der Börse geschieht. Nur 41% konnten mit dem Begriff “gesetzliche Einlagensicherung” etwas anfangen.

In Zeiten, in denen bahnbrechende Technologien wie Blockchain nur noch von einem elitären Kreis fachkundiger Mathematiker oder Programmierer in ihrer ganzen Tiefe nachvollzogen werden können, wird das Unwissen der Vielen, gepaart mit dem schwelenden Gefühl der Machtlosigkeit,  zum alles verschlingenden, postfaktischen Monster. Emotionen werden wichtiger als Informationen; das Neue, das man nicht einschätzen kann, wird in die Ecke der “Bösen” gestellt, eben weil man es nicht einschätzen kann – Gründe für die Distanzierung werden aufgeschnappt und nachgeplappert, zumeist ungeprüft und ohne das Gesamtbild zu kontextualisieren. Bitcoin? Das war doch das mit den Drogen! 

Das Monster ist real. Denn obschon der Code von Bitcoin für den Normalsterblichen kaum nachvollziehbar ist, so ist doch für jeden, der sich die Mühe macht ein wenig zu googlen, vollkommen unstrittig, dass eben dieser Code ein Open Source Code ist und die Idee dahinter, die einer dezentralen, also Banken-freien, Buchhaltung ist. In seiner Essenz ist diese Idee schlichtweg ein Schlag ins Gesicht des etablierten Bankensystems, daran ist nicht zu rütteln. Auch essentiell und in der Debatte bisher völlig verloren gegangen ist, dass Bitcoins nicht aus Schuld erschaffen werden. Bitcoins kommen somit dem Vollgeld, dem von der Monetative seit geraumer Zeit geforderten Geld, das nicht aus Schuld geschöpft wird, erstaunlich nahe. Der ökonomische Verein Monetative hat bereits seit längerer Zeit erkannt, dass das momentane Geldsystem mit der Schaffung des Giralgeldes (über 80%) aus privater Hand problematisch ist. Hierzu ein Zitat von Reinhold Harringer, Doktor der Ökonomie, von der Monetative: “Es besteht insofern eine Übereinstimmung mit der Bitcoin-Idee, als auch hier keine Schulden im Hintergrund stehen, sondern die Überzeugung, dass sich der Wert des Bitcoin einerseits aus der Knappheit und anderseits aus dem Vertrauen in die Stabilität der Beziehungen zwischen den Nutzern von Bitcoin ergibt.”

Während das eine Monster verängstigt um sich schlägt, schleicht sich ein anderes (sehr ernst zu nehmendes) Monster gerade heimlich auf den Kryptothron. Es trägt den Namen “Ripple” und belegt inzwischen Platz Zwei auf dem Rang der globalen Krypto-Marktkapitalisierung, Tendenz: rapide steigend. Zugegeben, Ripple als Monster zu bezeichnen, ist polemisch und dürfte höchstens für diejenigen Sinn machen, die das heutige Bankenkartell genauso bezeichnen würden. Zur Info: Ripple ist eher ein neues SEPA System als ein Coin (der Coin dazu heisst XRP), es ist nicht wirklich dezentral und läuft weder auf einer Blockchain, noch sieht es sich als Alternative zum herrschenden System. Vielmehr dient es sich diesem gefällig an mit bereits über 70 kooperierenden Banken. Es verlängert letztlich das bestehende Schuldgeldsystem hinein in ein digitaleres Zeitalter. Laut einer offiziellen Bekanntmachung von ripplelabs ist es sogar möglich, einzelne Konten einzufrieren. In so einem Fall solle “man sich an die entsprechenden Gesetzgeber wenden”. Klingt doch überzeugend. Ganz ehrlich, bei Bitcoin fand ich ja schon den Namen so doof.. und vielleicht kann man bei Ripple ja noch schnell auf den Zug aufspringen.. also wenn ich da Gewinn rausschlagen kann, dann bin ich auf jeden Fall dafür!

Am Ende bekommen wir eben das, was wir verdienen.

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Quellen

https://www.pcwelt.de/a/studie-technischer-fortschritt-macht-menschen-duemmer,3447479

https://www.focus.de/wissen/mensch/tid-5435/intelligenz_aid_52368.html

https://www.welt.de/finanzen/article171946993/Finanzkompetenz-Deutsche-wissen-nicht-was-Inflation-ist.html

https://bitcoin.org/bitcoin.pdf

https://www.vollgeld-initiative.ch/fa/img/Pressespiegel_deutsch/focus_30_2017_18.pdf

http://bitcoinist.com/not-decentralized-ripple-freezes-1m-user-funds/

https://ripple.com/files/GB-2014-02.pdf

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