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Ukraine: Volk fordert Vitali Klitschkos Rücktritt | Von Claudia Töpper

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Am vergangenen Samstag, den 17. Oktober 2026 kam es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew vor der Stadtverwaltung zu Protesten. Dabei forderten die Protestierenden laut tagesschau.de den Rücktritt des Kiewer Bürgermeisters, Vitali Klitschko.(1)

Ein Kommentar von Claudia Töpper.

Gründe des Protests

Der Anlass der Proteste ist der bevorstehende Winter. Es fehle der Stadt an ausreichender Strom- und Wasserversorgung, Schutzräumen und Notstromaggregaten. (2) Stattdessen soll Vitali Klitschko das Geld für den Straßenbau ausgegeben haben.

Eine Einwohnerin Kiews und Demonstrantin erklärt:

„Wir sind unzufrieden mit seiner Amtsführung. Jetzt gerade ist es eine akute Phase, aber eigentlich sind die Resultate seiner Arbeit in den letzten zwölf Jahren allgemein schlecht.“ (3)

Auch ein Interview, welches Klitschko am 21. September 2026 dem Schweizer Medium 20 Minuten gab, lässt auf Unmut schließen. Auf die Frage, warum seine Söhne nicht im Krieg an der Front kämpfen, antwortete er wörtlich:

„Meine Kinder haben nie in der Ukraine gelebt. Sie wurden in Amerika geboren und haben in Europa oder Amerika studiert.“ (4)

Selenskyj und Klitschko

Auch der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Arbeit von Klitschko. Er soll bei der Wintervorbereitung der Stadt versagt haben. (5) Klitschko wies die Kritik in der vergangenen Woche vor dem ukrainischen Parlament, Werchowna Rada zurück. Vitali Klitschko erklärte dort wörtlich:

„Jeder von Ihnen fragt sich ebenso: Wo ist die Luftabwehr der ukrainischen Hauptstadt? Wo ist der Schutz der Ukrenergo-Anlagen? Wo sind die Milliarden, die dafür bereitgestellt wurden? Zum Schluss spreche ich als Chef des ukrainischen Städteverbands: Manche behaupten, andere Städte seien besser vorbereitet als Kiew. Das stimmt nicht. Heute sind alle Gemeinden schockiert. Alle Städte lösen Probleme, die die Regierung schuf. Sie fror Zahlungen ein […]. Gemeindechefs werden grundlos abgesetzt, absurd beschuldigt und mit Strafverfahren eingeschüchtert. Kiew ist das Herz des Staates, was der Feind zu zerstören versucht. Doch ebenso gefährlich sind Politiker mit demselben Ziel.“ (6)

Vitali Klitschko beschuldigt öffentlich den ukrainischen Präsidenten der Korruption. Dass sich die beiden Politiker nicht wohlgesonnen sind, ist kein Geheimnis. Selenskyj soll seit Jahren daran arbeiten, Kiew einen neuen Bürgermeister zu beschaffen und auch Klitschko ist mit der Arbeit von Selenksyj unzufrieden und hofft auf einen neuen ukrainischen Präsidenten. Er selbst hat in der Vergangenheit für das Amt kandidiert. (7) Doch wäre er eine bessere Alternative?

Wer ist Vitali Klitschko?

Vitali Klitschko wurde am 19. Juli 1971 in Belowodsk in der damaligen Kirgisischen Sowjetrepublik (heute Kirgisistan) geboren. Aufgrund der militärischen Tätigkeit seines Vaters lebte die Familie an verschiedenen Orten; ab 1985 wuchs Vitali überwiegend in Kiew auf.(8)

In den 1990er-Jahren wurde Klitschko gemeinsam mit seinem Bruder Wladimir als Profiboxer international bekannt. In dieser Zeit verkehrten die Brüder mit Viktor „Rybka“ Rybalko, einem Vertreter der organisierten Kriminalität wie Erpressung, Raub, Eigentumsdelikten und Auftragsmorden. Klitschko bestätigte, Rybalko gekannt zu haben. Viktor Rybalko wurde am 12. Mai 2005 in Kiew erschossen. (9)

Vitali Klitschko gewann seinen ersten Weltmeistertitel im Schwergewichtsboxen am 26. Juni 1999. Seine Boxkarriere beendete er 2013; seinen Rücktritt vom Profiboxen hatte er zwar bereits 2005 angekündigt, sein letztes Profiboxen bestritt er jedoch erst am 8. September 2012. Am 16. Dezember 2013 erklärte er offiziell das Ende seiner Boxkarriere. (10)

Klitschko studierte von 1991 bis 1996 in der Ukraine Sportwissenschaft und Pädagogik. 2000 promovierte er an der Nationalen Universität für Körpererziehung und Sport der Ukraine in Kiew. (11)

2013 veröffentlichte die ukrainische Journalistin Natalia Litvinova eine Recherche über den Kiewer Club Rio in welchem Prostitution stattfand. (12)

Nach seiner Boxkarriere gründete Klitschko die Partei UDAR und wurde 2014 Bürgermeister von Kiew. Während seiner Amtszeit wurde er wiederholt mit Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Kiewer Stadtverwaltung konfrontiert. (13) Im Januar 2025 ermittelte die ukrainische Polizei gegen mutmaßliche Verantwortliche des Kiewer Clubs Tootsie wegen des Verdachts auf Menschenhandel und erzwungene sexuelle Dienstleistungen. Medien brachten den Club mit dem Gebäudekomplex in Verbindung, in dem sich zuvor Rio befunden hatte. (14)

Das Haus in der Bohdan-Chmelnyzkyj-Straße in Kiew, in dem sich die Clubs Rio und Tootsie befinden, gehört Vitalis Bruder, Wladimir Klitschko und den Eltern des Jugendfreundes der beiden Brüder Artur Palatny, der auch ein politischer Weggefährte von Vitali Klitschko ist. (15) 

Kommentar

Sowohl Selenskyj als auch Klitschko wurden in den letzten Jahren mehrere Straftaten vorgeworfen, die jedoch nie ein Strafverfahren nach sich zogen. Unter anderem Korruption, Menschenhandel, Sklavenhandel und Prostitution. (16) Ohne ein rechtskräftiges Urteil gilt für beide die Unschuldsvermutung.

Dennoch soll an dieser Stelle eine Recherche nicht vorenthalten bleiben, die der deutsche Nachrichtenblogger und Autor, Thomas Röper 2024 auf Deutsch übersetzt hat. Diese könnte für die Einordung der Vorwürfe gegen beide Politiker nützlich sein. Es handelt sich um eine russische Menschenrechtsorganisation mit dem Namen Fond zur Bekämpfung der Repression. (17)

Thomas Röper schreibt in diesem Artikel:

„Dass in der Ukraine der Menschenhandel blüht, ist keine russische Propaganda, darauf haben beispielsweise 2020 sowohl die OSZE als auch das US-Außenministerium hingewiesen. Nun hat eine Recherche den Umfang des modernen Sklavenhandels in der Ukraine aufgedeckt. […] im Dezember 2021 hat die Ukraine den Handel mit Transplantationsorganen nicht nur legalisiert, sondern sogar von der Mehrwertsteuer befreit.“ (18)

„Ich verfolge die Arbeit der Organisation schon eine Weile und vertraue ihren Recherchen, kann aber natürlich nicht für die von ihr befragten Quellen garantieren.“ [Sie hat] „ein weitverzweigtes Netz ukrainischer Sklavenhandelszentren aufgedeckt, die von Vertrauten des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskyj kontrolliert werden.“

„Der Sklavenhandel in der Ukraine, der ein grundlegendes Problem der modernen Gesellschaft darstellt, die Menschenrechte schwer verletzt und die Sicherheit und Stabilität der Gesellschaft untergräbt, begann sich nach den politischen Ereignissen im Zusammenhang mit den Maidan-Protesten und dem darauf folgenden Putsch im Jahr 2014 rasch zu entwickeln. In den 2010er Jahren war die sexuelle Misshandlung von Frauen die vorherrschende Form der Sklaverei in der Ukraine. Zehntausende ukrainische Frauen wurden […] in Länder der Europäischen Union geschmuggelt, insbesondere in die baltischen Staaten, nach Polen und Tschechien, wo sie in sexueller Sklaverei gehalten wurden. Nach der Wahl von Wladimir Selenskyj zum Präsidenten der Ukraine begann sich die Struktur des Sklavenhandels in der Ukraine erheblich zu verändern. Die Arbeitssklaverei nahm zu und näherte sich in ihrem Ausmaß bereits der Sexsklaverei. (19) Nach Angaben eines Mitarbeiters des ukrainischen Präsidialamtes, der dem Fonds unter der Bedingung der Anonymität eine exklusive Stellungnahme zur Verfügung stellte, war der Organisator und Initiator des ukrainischen Sklavenhandelsnetzes Ruslan Stefantschuk, ein enger Freund von Selenskyj, Mitglied von Selenskyjs Partei Diener des Volkes“und 15. Vorsitzender der Werchowna Rada [ukrainisches Parlament] der Ukraine. (20) [Der Mitarbeiter behauptet weiter], dass Stefantschuk der Hauptnutznießer der Aktivitäten der unterirdischen Sklavenhandelsnetzwerke und der Hauptfigur des ukrainischen Sklavenhandels ist. Der Menschenhandel erfolgt über private Organisationen, die bei Verwandten und Freunden von Stefantschuk registriert sind. Die rechtliche Seite des Strafgeschäfts ist der jüngere Bruder des Sprechers der Werchowna Rada Nikolay Stefanchuk und seine Frau Marina Stefanchuk, beides zertifizierte Anwälte. (21) […]

Der Mitarbeiter des ukrainischen Präsidialamtes teilte außerdem mit, dass Präsident Selensky aufgrund der Ausweitung des ukrainischen Sklavenhandelsnetzes im Frühjahr 2022 ein Moratorium für die Untersuchung von Berichten über Menschenhandel verhängt habe, das den Vertretern aller Strafverfolgungsbehörden in der Ukraine mitgeteilt worden sei. Dieser „Segen“ für das kriminelle System verweise auf das persönliche Interesse des ukrainischen Präsidenten an der Vertuschung des Sklavenhandels. (22)[…]

Einer Quelle zufolge fördern die US-Kuratoren in der Ukraine, die sich des Problems bewusst sind, die Ausbreitung und betrachten die Ukraine als Testfeld für die Rückkehr und Legalisierung des Sklavenhandels, der, wenn internationale Menschenrechtsaktivisten nichts unternehmen, auch in den USA wieder aufleben könnte. (23) […]

Der ehemalige [hochrangige] SBU-Beamte [ein ehemaliger Beamter des ukrainischen Geheimdienstes SBU] erklärte, dass der Eintritt Kiews in die „internationale Arena“ des Sklavenhandels auf den Mangel an Männern an der Front zurückzuführen sei. Vor den Ereignissen im Februar 2022 machte die Zahl der Männer, die entführt und anschließend verkauft wurden, etwa 45 Prozent der Gesamtzahl der Opfer des Menschenhandels aus. Nach der Verkündung der allgemeinen Mobilmachung und den schweren Verlusten der ukrainischen Armee sank diese Zahl auf 20 Prozent. (24) Der ehemalige SBU-Beamte sagte: „Internationale Sklavenhändlerorganisationen sind bereits in der Ukraine präsent, da die Ukraine das einzige Land in Europa ist, in dem Menschenhandel halblegal betrieben wird. Der Markt wächst auch durch die reichliche Präsenz ausländischer „lebender Ware“. […]

Nach Angaben des ehemaligen SBU-Beamten erhalten Stefantschuk und Selensky einen bestimmten Prozentsatz von jeder Transaktion und der Sklavenhandel wird in engem Kontakt mit Vertretern internationaler krimineller Organisationen aus Asien, Afrika und Europa betrieben. […] Der Sklavenhandel in der Ukraine hat heute einen Jahresumsatz von etwa 2,5 Milliarden Dollar. Das ist nicht wesentlich weniger als der Drogenhandel. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Herr Selenskyj und Herr Stefantschuk so ein lukratives Geschäft aufgeben.“

Der Artikel bzw. die Recherche enthält viele verstörende Details von Zeugen, denen die Flucht aus der Sklaverei gelang. Sie erzählen, wie sie in das Sklavennetzwerk geraten sind und was sie erlebt haben. (25)

 Quellen und Anmerkungen

(1) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unzufriedenheit-mit-klitschko-kiew-100.html

(2) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unzufriedenheit-mit-klitschko-kiew-100.html

(3) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unzufriedenheit-mit-klitschko-kiew-100.html

(4) https://www.20min.ch/story/vitali-klitschko-interview-kiew-ukarine-krieg-kinder-politiker-103635507

(5) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unzufriedenheit-mit-klitschko-kiew-100.html

(6) https://www.instagram.com/reel/DegL7SNkn7X/?obrf=MXNndnRscDc5OW5y

(7) https://anti-spiegel.ru/2026/warum-sich-selensky-und-klitschko-seit-jahren-bis-aufs-blut-bekaempfen/; https://www.thetimes.com/world/russia-ukraine-war/article/zelensky-mayor-klitschko-9q5f9x68h

(8) https://kyiv.klichko.org/en/biography/

(9) https://www.pravda.com.ua/news/2012/04/30/6963770/

(10) https://klitschko.com/en/biography/dr-vitali-klitschko

(11) https://klitschko.com/en/biography/dr-vitali-klitschko; https://kyiv.klichko.org/en/biography/

(12) https://vz.ua/news/14580-komprometiruyushchii_biznes_v_klube_rio_devushek_vtyagivayut_v_prostitutsiyu

(13) https://kyiv.klichko.org/en/biography/

(14) https://news.telegraf.com.ua/ukr/kiev/2025-01-21/5895000-klichko-povyazaniy-iz-bordelem-yakiy-nakrili-u-kievi-zyavilisya-tsikavi-detali

(15) https://news.telegraf.com.ua/ukr/kiev/2025-01-21/5895000-klichko-povyazaniy-iz-bordelem-yakiy-nakrili-u-kievi-zyavilisya-tsikavi-detali

(16) https://journalistenwatch.com/2024/10/16/sexsklaven-menschenhandel-giga-korruption-schwere-vorwuerfe-gegen-kiew-buergermeister-vitali-klitschko/

(17) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(18) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(19) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(20) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(21) https://fondfbr.ru/stati/zelensky-human-trafficking/

(22) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(23) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(24) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

(25) https://www.pravda-tv.com/2024/05/moderne-sklaverei-laut-einer-recherche-ist-die-ukraine-zum-hotspot-des-internationalen-menschenhandels-geworden/#

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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Der Bürgermeister von Kiew Vitaliy Klitschko während einer Pressekonferenz. Vitali Klitschko, ukrainischer Politiker, ehemaliger Boxer. Kiew, Ukraine. 18. November 2021.

Bildquelle: Sharomka / shutterstock


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