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"Teil der Tötungskette" | Von Tilo Gräser

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Wie die USA den Krieg gegen Russland in der Ukraine führ(t)en

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Der Krieg in der Ukraine ist ein Stellvertreterkrieg der USA und des von ihr geführten Westens gegen Russland – was seit langem bekannt und selbst von westlichen Politikern, so von US-Außenminister Marco Rubio, bestätigt wurde, hat nun die US-Zeitung New York Times (NYT) am Samstag mit einem ausführlichen Report belegt. Darin werden zahlreiche Details beschrieben, wie die USA mit Hilfe ihres Militärs und ihrer Geheimdienste die Ukraine unterstützen. Das zeigt: Ohne diese Hilfe und die damit verbundenen Waffenlieferungen hätte Kiew den Krieg bereits 2022 nach wenigen Wochen gegen die am 24. Februar des Jahres einmarschierten russischen Truppen verloren. So schätzt es auch der Schweizer Militär- und Geheimdienstexperte Jacques Baud ein, wie er gegenüber apolut erklärte.

Die von der US-Zeitung veröffentlichten Details bestätigen außerdem zahlreiche Aussagen des russischen Außenministeriums. Das hatte mehrmals darauf hingewiesen, dass die ukrainischen Operationen und die Angriffe Kiewer Truppen gegen Russland vom US-amerikanischen Militär geführt wurden, wie unter anderem die russische Zeitung Iswestija am Dienstag feststellte.

Die New York Times beschreibt auf vielen Seiten, wie sich die Unterstützung der USA für die Ukraine seit dem Februar 2022 entwickelte. Das Blatt hatte bereits im Februar 2024 berichtet, dass der US-Geheimdienst CIA die Ukraine als Operationsbasis ausbaute, unter anderem durch zwölf Stützpunkte entlang der Grenze zu Russland. Nun wurden weitreichendere Details veröffentlicht, die zeigen, wie die ukrainischen Truppen nicht nur ohne die Waffenlieferungen aus den USA machtlos gegen die russischen Truppen gewesen wären. Ebenso wird deutlich, wie hochrangige US-Militärs das Vorgehen der Kiewer Truppen führten – auch wenn sich führende ukrainische Offiziere dem immer wieder widersetzten, aber nicht aus Patriotismus, sondern zum Teil aus Misstrauen und wegen internen Konkurrenzkämpfen.

Die US-Zeitung beschreibt nach eigenen Angaben die „geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“. Dabei sind viele der genannten Details nicht neu, wie der Schweizer Militärexperte Baud auf Nachfrage erklärte. Das Erstaunliche sei, dass diese Informationen jetzt öffentlich gemacht werden.

Dazu gehören Einzelheiten und die Entwicklung der „Partnerschaft aus Geheimdienst, Strategie, Planung und Technologie“ zwischen Washington und Kiew. Diese sei als „Geheimwaffe“ der US-Administration unter Joseph Biden gedacht gewesen, um die Ukraine zu retten und „zum Schutz der bedrohten Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg“. Die Darstellung der NYT folgt dabei wenig überraschend den gängigen westlichen Vorstellungen von der russischen Gefahr. Aber sie zeigt tatsächlich, „wie die Ukrainer überleben konnten“, so das Blatt – abgesehen von der Tatsache, dass Russland die Ukraine nicht „vernichten“ oder „einnehmen“ wollte, wie bis heute im Westen behauptet wird.

US-Rückgrat der ukrainischen Militäroperationen

Es wird beschrieben, wie Kiew nicht nur offiziell Waffen im Wert von insgesamt 66,5 Milliarden Dollar von den USA bekam. Die Zeitung zeigt, dass die USA „viel enger und umfassender in den Krieg verwoben war, als bisher angenommen“. Und:

„In kritischen Momenten bildete die Partnerschaft das Rückgrat der ukrainischen Militäroperationen.“

Bei diesen sollen nach US-Schätzungen mehr als 700.000 russische Soldaten getötet oder verwundet worden sein – gegenüber 435.000 ukrainischen Verlusten nach Kiewer Angaben.

Interessant ist auch der Ort, an dem die US- und die ukrainischen Militärs gemeinsam die Operationen planten und vorbereiteten: in der „Security Assistance Group-Ukraine“, einem US-Stab in Wiesbaden, also auf deutschem Boden. Darauf hatte der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat bereits im Dezember 2023 in einem Interview mit dem Schweizer Magazin Zeitgeschehen im Fokus hingewiesen.

„Seite an Seite planten US-amerikanische und ukrainische Offiziere in der Wiesbadener Kommandozentrale die Gegenoffensiven Kiews“,

schreibt dazu die New York Times. Deren Autor Adam Entous zitiert einen ungenannten europäischen Geheimdienstchef, der erstaunt gewesen sei, wie tief seine NATO-Kollegen in die ukrainischen Operationen verstrickt waren:

„Sie sind jetzt Teil der Tötungskette.“

Die enge Zusammenarbeit sollte es laut der Zeitung den Ukrainern ermöglichen, „das Unwahrscheinlichste zu erreichen – den eindringenden Russen einen vernichtenden Schlag zu versetzen“. Doch die beschriebene Entwicklung zeigt das Scheitern dieses Planes, wobei die ukrainische Seite dafür verantwortlich gemacht wird, weil sie im Laufe des Krieges zu oft die „Ratschläge“ der US-Militärs missachtet habe. Anfangs scheint demnach die Zusammenarbeit funktioniert zu haben, so bei massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf den russischen Schwarzmeer-Hafen Sewastopol auf der Krim. Das wurde laut NYT vom US-Geheimdienst CIA unterstützt und habe Russland veranlasst, seine Kriegsschiffe ins Asowsche Meer zurückzuziehen.

Der Zeitung zufolge haben die US-amerikanischen Militärs sich auf „maßvolle, erreichbare Ziele“ konzentriert, während die Ukrainer „ständig nach dem großen Sieg, dem strahlenden, leuchtenden Preis“ greifen wollten. Das sei bis zuletzt das Wichtigste für den Kiewer Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gewesen.

„Die Ukrainer ihrerseits sahen die Amerikaner oft als Bremser an. Die Ukrainer wollten den Krieg auf der Stelle gewinnen. Auch wenn sie diese Hoffnung teilten, wollten die Amerikaner sicherstellen, dass die Ukrainer ihn nicht verlieren.“

Die Zusammenarbeit in Wiesbaden sei „im Schatten tiefster geopolitischer Ängste“ erfolgt, heißt es: Dass Russlands Präsident Wladimir Putin das „als Überschreitung einer roten Linie des militärischen Engagements betrachten“ und deshalb die angebliche Drohung mit einem Atomwaffeneinsatz wahr machen könnte.

Ein weiterer Stellvertreterkrieg

Immer wieder habe die Biden-Administration selbst gestellte „rote Linien“ überschritten und geheime Operationen genehmigt, die sie vorher verboten habe, so die Zeitung. Dazu gehörten mit Hilfe des US-Militärs und der CIA geplante ukrainische Angriffe auf die Krim sowie auf Ziele tief in Russland. Es habe sich um ein „ein Rückspiel in der langen Geschichte der Stellvertreterkriege zwischen den USA und Russland – Vietnam in den 1960er Jahren, Afghanistan in den 1980er Jahren, Syrien drei Jahrzehnte später –“, gehandelt. Und es sei auch ein „großartiges Experiment in der Kriegsführung, das nicht nur den Ukrainern helfen, sondern auch den Amerikanern Lehren für künftige Kriege liefern sollte“.

Die New York Times beschreibt die einzelnen Etappen in der Zusammenarbeit zwischen Kiew und Washington. Das reicht von anfänglicher Skepsis auf beiden Seiten, wobei die US-Amerikaner die treibende Kraft der Kooperation gewesen zu sein schienen, über engen Austausch und gemeinsame Planung sowie ein Vertrauensverhältnis mit persönlichen Kontakten bis zum späteren Riss in den Beziehungen, weil die Kiewer Führung unter Selenskyj zunehmend auch ohne die US-Partner handelte.

Die Zeitung zeigt nicht nur, wie die verschiedenen Eskalationsstufen im Krieg mit US-Waffensystemen verbunden sind: von der Haubitze M777 über HIMARS-Raketen bis hin zu weitreichenderen ATACMS-Raketen. Es wird auch erwähnt, dass im gemeinsamen Stab in Wiesbaden neben US- und ukrainischen Militärs auch solche aus anderen Ländern der „Koalition“ tätig waren:

„Ein polnischer General wurde zum Stellvertreter von US-General Donahue ernannt. Ein britischer General sollte das Logistikzentrum auf dem ehemaligen Basketballplatz leiten. Ein Kanadier würde die Ausbildung beaufsichtigen.“

Zudem hätten dort Mitarbeiter der US-Geheimdienste CIA, NSA, DIA und NGIA mit denen von Geheimdiensten anderer Länder zusammengearbeitet. US-Ausbilder von der 18. US-Luftlandekorps trainierten die ukrainischen Soldaten im Gebrauch der immer größeren Waffen aus den USA. Interessant ist der Hinweis auf die Sprachregelungen: Die russischen Truppen und Einrichtungen, die mit Hilfe der US-Satellitenbeobachtung ins Visier genommen wurden, durften nicht „Ziele“ genannt werden, sondern wurden als „Points of Interest“ („Punkte von Interesse“) bezeichnet, die in der Luft als „Spuren von Interesse“.

Dabei hätten bestimmte Regeln eingehalten werden müssen, „um das Risiko russischer Vergeltungsmaßnahmen gegen NATO-Partner zu minimieren“. Das russische Territorium sei dabei anfangs tabu gewesen. „Unsere Botschaft an die Russen lautete: ‚Dieser Krieg sollte innerhalb der Ukraine geführt werden‘“, wird ein hochrangiger US-Beamter zitiert. Als sich zeigte, dass die ukrainische Armee trotz intensiver US-Unterstützung gegen die „enorme“ russische Überlegenheit an Personal und Ausrüstung nicht ankam, sei beschlossen worden, die HIMARS-Waffensysteme zu liefern. Manche in den USA haben laut der Zeitung befürchtet, dass das der Schritt zum Dritten Weltkrieg sei.

Ukraine als Testgebiet

In Wiesbaden sei jeder ukrainische HIMARS-Angriff beaufsichtigt worden, schreibt die NYT. Die ukrainischen Ziellisten seien von den US-Militärs überprüft und die Kiewer Truppen bei der Positionierung ihrer Abschussgeräte und der zeitlichen Planung ihrer Schläge beraten worden. Es hätten nur die von den USA bereitgestellten Koordinaten verwendet werden dürfen, einschließlich einer elektronischen Schlüsselkarte für die HIMARS-Bediener, die von US-Seite aus jederzeit deaktiviert werden konnten. Ebenso wird erwähnt, dass das britische Militär in Kiew „beträchtlichen Einfluss“ habe und seit dem russischen Einmarsch mit kleinen Gruppen von Offizieren in der Ukraine im Einsatz war.

Die Menge der Details, die die NYT anführt, wie die US-Militärs und -Geheimdienste den Ukrainern bei ihren Angriffen auf russische Truppen und Ziele, bis hin zur Krim-Brücke bei Kertsch, half, kann hier nicht ausreichend zusammengefasst wiedergegeben werden. Das gilt auch für die Entwicklungen um die ukrainische „Gegenoffensive“ im Sommer 2023, die erste Differenzen in der gemeinsamen Kriegführung zeigte. Vieles ist bekannt und von Kritikern wie Baud und Kujat bereits benannt worden.

Wiedergegebene Aussagen wie die des verantwortlichen US-Generals Christopher Donahue bestätigen, worum es den USA im Stellvertreterkrieg gegen Russland ging und geht: Laut der NYT erklärte Donahue seinem ukrainischen Partner, General Michailo Zabrodskyi, die USA seien dankbar, dass die Ukrainer diejenigen waren, die kämpften und starben, die US-amerikanische Ausrüstung und Taktiken testeten und ihre Erfahrungen weitergaben.

Ab dem Frühjahr 2023 haben sich die US-Unterstützer mehr auf das Beobachten der Ukrainer verlegt, wird behauptet, und ihnen mehr Raum für eigenmächtiges Handeln gelassen. In dem Report werden die Ukrainer in der Folge zunehmend als jene dargestellt, die die US-Pläne für das Vorgehen im Krieg entweder nicht richtig umsetzten oder gar ignorierten. Auch weiter zunehmende US-Waffenlieferungen konnten aber demnach die Situation für die ukrainischen Truppen nicht verbessern. Die Biden-Administration habe ab Ende 2023 ihre eigenen roten Linien immer wieder überschritten, „nur um die Ukrainer über Wasser zu halten“.

Es sei zunehmend klar geworden, dass die Ukraine keine Chance gegen die russischen Truppen hat. Dennoch habe Selenskyj immer wieder eigenmächtige, militärisch sinnlose Entscheidungen getroffen, „weil er einen großen Sieg wollte und brauchte, um die Moral im eigenen Land zu stärken und die Unterstützung des Westens zu sichern“. Die USA wollten ihm laut dem Report aber dabei helfen, indem sie für ihn eine Bomben-Kampagne, „Operation Lunar Hail“ auf die Krim planten. Zudem seien zunehmend US-Militärberater nach Kiew entsandt worden, als „Fachexperten“ bezeichnet, auch aus Angst vor der Vietnam-Falle. Im Vietnam-Krieg hatten die USA erst Militärberater nach Südvietnam geschickt, womit der Strudel in dem massiven Krieg begann.

Ukrainer als Sündenbock?

Die US-Zeitung berichtet auch, dass die Biden-Administration 2024 entgegen der Empfehlung der Militärs, den Ukrainern erlaubte, ein begrenztes russisches Territorium nahe der Grenze als „Killzone“ zu beschießen. Dafür wurden CIA-Offiziere in der Region Charkiw stationiert, welche die HIMARS-Angriffe gegen Russland leiteten. Die NYT dazu:

„Das Undenkbare war Wirklichkeit geworden. Die Vereinigten Staaten waren nun in die Tötung russischer Soldaten auf souveränem russischen Boden verwickelt.“

Die Zeitung benennt eine Reihe weiterer ukrainischer Operationen gegen Ziele in Russland, die mit Hilfe von US-Militär und -Geheimdiensten durchgeführt wurden. Das reichte bis hin zur Erlaubnis durch Washington an den gemeinsamen Stab in Wiesbaden und die CIA, Langstreckenraketen- und Drohnenangriffe auf einen Teil Südrusslands zu unterstützen, sowie an die US-Militärberater, Kiew zu verlassen und Kommandoposten in der Nähe der Kämpfe einzurichten.

Die vielen Details im Bericht der US-Zeitung seien interessant für Journalisten, aber im Grund nichts Neues oder Unbekanntes, erklärte der Schweizer Militär- und Geheimdienstexperte Jacques Baud auf apolut-Anfrage dazu. Aus seiner Sicht handelt es sich um den Versuch, zu zeigen, dass die Ukrainer nicht in der Lage oder willens waren, die „guten Ideen“ der US-Amerikaner umzusetzen. Vorher sei das ukrainische Militär immer als „clever“ und „smart“ dargestellt worden, das die Russen aufhalten könne.

Baud erklärte, dass viele Ereignisse, so der russische Rückzug aus den Gebieten Cherson und Charkiw im Herbst 2022, von der Zeitung falsch dargestellt werden. Das Blatt folge dem vertrauten Narrativ zu dem Konflikt, so, dass Russland angeblich Kiew innerhalb von drei Tagen hatte einnehmen wollen. Er sei immer noch erstaunt, dass dieser Erzählung im Westen durch Politik und Medien weiter gefolgt werde, wahrscheinlich aus Angst vor einem Gesichts- oder Glaubwürdigkeitsverlust.

Der Militärexperte hat bisher vier Bücher sowie zahlreiche Beiträge zum Ukraine-Krieg veröffentlicht und Interviews dazu gegeben. Er widersprach auch den NYT-Angaben von mehr als 700.000 russischen und mehr als 400.000 ukrainischen Verlusten. Da es von beiden Seiten keine nachprüfbaren offiziellen Angaben gibt, könne alles, was dazu veröffentlicht werde, in Frage gestellt werden. Er stütze sich bei seinen Aussagen dazu auf die regierungskritische russische Webseite Mediazona, die geringere Verlustzahlen angebe. Die Ukrainer würden wahrscheinlich ihre eigenen Verluste auf die russische Seite projizieren.

„Verschwörungstheoretiker“ bestätigt

Kiew halte weiter an dem Narrativ fest, wonach die ukrainischen Truppen gegen die russischen letztendlich erfolgreich seien und ihnen massive Verluste zufügen. Das habe für Selenskyj strategische Bedeutung, um die westliche Unterstützung aufrechtzuerhalten.

„Er will zeigen, dass es Hoffnung gibt, dass die Ukraine gewinnt.“

Dafür werde jeder einzelne zerstörte russische Panzer gezeigt und jeder kleine ukrainische Erfolg groß dargestellt. Baud forderte dazu auf, bei den Schlussfolgerungen aus dem Zeitungsbericht vorsichtig zu sein. Dieser zeige vor allem, wie tief die USA in den Krieg verwickelt seien. Aber bei der erwähnten „Koalition“ handele es sich nicht um die NATO-Allianz und Wiesbaden sei vor allem aus geografischen Gründen als Stützpunkt für den gemeinsamen Stab ausgewählt worden. Die benannte Beobachtung der russischen Truppenbewegungen durch die USA sei seit Jahren bekannt, von der Sache her nichts Neues, auch dass die Daten mehrmals am Tag aktualisiert werden.

Der Militärexperte bestätigte die Einschätzung, dass die Ukraine ohne die US-Waffenhilfe und die von der Zeitung beschriebene Unterstützung den Krieg längst verloren hätte. „Die USA sind eindeutig Teilnehmer in diesem Konflikt“ und haben eine „wichtigere Rolle als üblicherweise“, erklärte er. Das zeige sich auch daran, dass die US-Militärs die Priorität der Ziele für ukrainische Angriffe festlegen. Insofern bestätige die NYT all jene, die vorher als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet worden seien, wenn sie sich zu diesem Krieg kritisch äußerten. Die US-Zeitung erkenne Tatsachen an, über die vorher niemand offen reden wollte.

Zur Frage, warum die New York Times jetzt solche Informationen veröffentliche, sagte Baud, dass das darauf hindeute, dass die USA sich aus dem Konflikt zurückziehen wollen. Wenn diese Zeitung, die bislang ganz offen auf der ukrainischen Seite stehe, so etwas bringe, habe das eine besondere Bedeutung.

„Die US-Amerikaner haben genug von diesem Konflikt, der auf Fehlbeurteilungen beruht. Man hat viel investiert, die Ukrainer zahlen einen hohen Preis und ein Resultat ist nicht in Sicht.“

Die pragmatische Haltung der USA, sich zurückzuziehen, wenn sich das eingegangene Risiko nicht auszahlt, unterscheide sich von der der Europäer. Für diese gelte ein Rückzug als schlecht, so der Militärexperte. In der EU gebe es trotz aller offiziellen Bekundungen wenig Interesse an der Ukraine und den Konsequenzen des Krieges für das Land.

„Ob die Ukrainer sterben, spielt keine Rolle für die Europäer, denn Putin ist böse und muss bekämpft werden. Die US-Amerikaner meinen vielleicht auch, Putin sei böse. Aber für sie ist der Preis auf beiden Seiten dafür zu hoch, ihn zu bekämpfen.“

Baud sagte, der Bericht der eigentlich pro-ukrainischen US-Zeitung zeige, „dass man sich dort noch daran erinnert, dass sie Journalisten sind“. Er selbst lese und zitiere in seinen Büchern und Beiträgen lieber US-Medien als solche aus der EU. Es gebe in den USA eine größere intellektuelle Distanz zu dem Konflikt, sodass auch anerkannt werde, wenn Russland etwas gut mache. Das sei in europäischen Medien, vor allem aus Frankreich, Deutschland oder Großbritannien, nicht zu erleben.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: VGV MEDIA / shutterstock


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