Stefan Homburg “Corona-Getwitter” – Schnelldurchlauf durch den politisch-gesellschaftlichen Wahnsinn der letzten zwei Jahre

Eine Rezension von Eugen Zentner.

Der Wissenschaftler Stefan Homburg ist ein Maßnahmenkritiker der ersten Stunde. Bevor die Corona-Politik Deutschland gravierend zu verändern begann, machte er sich eher als Experte für Wirtschafts- und Finanzthemen einen Namen. Über Jahre trat der mittlerweile emeritierte Professor aus Hannover in Talkshows auf, gab Interviews in den Leitmedien und veröffentlichte dort seine Artikel. Solche Auftritte setzten sich in der Anfangsphase der Corona-Krise fort, nahmen dann aber ein abruptes Ende, als Homburg mit seinen Aussagen von der Regierungslinie abwich. Den absoluten Schlusspunkt setzte ein Interview mit Milena Preradovic, einer Journalistin, die im eigenen YouTube-Kanal einen alternativen Blick auf politisch-gesellschaftliche Ereignisse wirft und dafür als „Verschwörungstheoretikerin“ diffamiert wird. Mit dem Shitstorm, der auf dieses Gespräch folgte, war Homburgs Karriere in den Leitmedien vorbei. Um trotzdem Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen, eröffnete er daraufhin im Mai 2020 einen Twitter-Account. Was er seitdem gepostet und erlebt hat, legt der Professor in seinem neuen Buch «Corona-Getwitter» dar.

Auf knapp 300 Seiten dokumentiert Homburg die Corona-Krise quasi im Zeitraffer, indem er chronologisch seine Tweets anordnet, sie aber in einen Begleittext einbettet, der die Metaebene beschreibt und erläutert, was hinter den einzelnen Posts steckt und auf welchen Strategien sie beruhen. Er soll, wie der Autor es formuliert, „das Geschehen für die Nachwelt aufbewahren, innere Widersprüche und Fehlentscheidungen aufzeigen und verhindern, dass die Geschichte im Nachgang umgeschrieben wird“. Seine Tweets, im Original als Screenshot abgebildet, nehmen überwiegend Bezug auf amtliche Daten und Zeitungsmeldungen. Sie verweisen auf Statistiken und auf mathematische Formeln, die dazu verhelfen sollen, die täglich präsentierten Zahlen richtig einzuordnen. Hin und wieder äußert sich Homburg auch zu Themen, die mit der Corona-Politik in Verbindung stehen: zur Propaganda, zur Agitation oder zu volkswirtschaftlichen Phänomenen. Später folgen Tweets zu historischen Experimenten aus der Psychologie, die zeigen, wie Menschen in sozialen Kontexten agieren, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten, wie sie sich manipulieren lassen.

Er habe bemerkt, erklärt Homburg, dass die Corona-Politik nicht auf dem Boden der Epidemiologie oder Virologie beendet werden könne, sondern auf dem der Psychologie. Wie in solchen Kommentaren lässt er oftmals die Leser in seine Befindlichkeiten zur Zeit der jeweiligen Tweets eintauchen. Sie erfahren, welche Impulse, Stimmungen und Gedanken Homburg zu ihnen bewogen haben; was er präzisieren oder richtigstellen wollte. Es fließt sehr viel Persönlichkeit in den Begleittext, in dem Homburg als sachlicher Wissenschaftler mit analytischem Scharfsinn erkennbar wird. Seine Ausführungen enthalten weder Polemik noch Überspitzung, obwohl die Provokationen seiner Gegner ihn durchaus dazu hätten verleiten können. Wie deren Angriff in den letzten zwei Jahren aussahen, wird in dem Buch ebenfalls ausgeführt.

Homburg nennt etwa die Retweets solcher Corona-Protagonisten wie Christian Drosten oder Karl Lauterbach. Er beschreibt die verbalen Entgleisungen vieler Twitter-Nutzer, von denen sich einige als sogenannte Astroturfer entpuppt haben sollen. „Man erkennt sie an verletzender und aggressiver Sprache und mangelndem Willen zur ernsthaften Diskussion“, so Homburg. „Als Astroturfing versteht man eine zentral gelenkte Kampagne, die nach außen als Graswurzelbewegung erscheint. Zahllose Profile, die in Reaktion auf einen missliebigen Tweet zum Shitstorm ausholen, sollen bei Dritten den Eindruck erwecken, es gäbe viele Gegenstimmen und der Tweet sei als Meinungs- oder Tatsachenäußerung inakzeptabel. Inzwischen dürften sich alle politischen Parteien und zahlreiche Unternehmen dieser Manipulationstechnik bedienen, und ein Astroturfer kostet nicht viel.“

Zu den Reaktionen zählen aber auch Mordaufrufe, die Homburg jedoch nicht weiter erläutert. Dennoch wird sehr schnell spürbar, was er in den letzten zwei Jahren erlebt haben muss. So manche Angriffe waren durchaus perfide, wie der Autor berichtet: „Oft genug wurden mir skandalöse Informationen mit Bitte um Verbreitung zugeschickt, die sich bei näherem Hinsehen als Fake-News entpuppten. In einigen Fällen mag es sich um Versehen gehandelt haben, in anderen dienten sie dem Ziel, meine Reputation zu beschädigen.“ Da Homburgs Twitter-Account stetig wuchs und auf große Resonanz stieß, versuchte die „Gegenseite“ seine Arbeit zu sabotieren, indem sie sich als „Freunde“ ausgab. Die Flut an Angeboten, Zuschriften und Informationsweitergaben sei unübersichtlich geworden, schreibt der Autor, weshalb er einen kühlen Kopf bewahren und Vorsicht walten musste. Die Gefahr lauerte überall: „Problematischer noch als falsche Freunde sind Scheinaktivisten, oft V-Leute, die 70% berechtigte Kritik mit 30% Fake-News mischen und dadurch das Gesamtvorbringen diskreditieren.“

Homburg, das macht sein Buch überaus deutlich, hat seit seiner Twitter-Registrierung viel über die Diskussionskultur, Manipulationstechniken und die Arbeit der Sicherheitsdienste gelernt. Wenn er in diesem Zusammenhang von seinen Erfahrungen berichtet, wirkt das erschreckend, trägt aber zur Aufklärung bei. Solche Passagen veranschaulichen eindringlich, wie Propaganda, Zensur und die Herstellung der öffentlichen Meinung heutzutage funktionieren. Sie vermitteln einen authentischen Eindruck vom politisch-gesellschaftlichen Klima, in dem Regimekritiker einen sehr schweren Stand haben. Twitter erweist sich dabei als effektives Werkzeug, sie zunächst zu zersetzen und schließlich zur Jagd freizugeben. Es lässt sich aber auch, und das ist die andere Seite der Medaille, dafür nutzen, der Propaganda entgegen zu wirken und die Mächtigen vorzuführen.

Homburg hat das mit seinen Tweets geschafft. Das unterstreichen unter anderem die Reaktionen vieler Prominenter. Die Politiker Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Janosch Dahmen (Grüne) sollen ihn aus Mangel an Argumenten genauso blockiert haben wie der Virologe Christian Drosten. Mit ihm trug der Finanzwissenschaftler auf Twitter einen Schlagabtausch aus, der bisweilen komische Elemente enthält. Eine amüsante Episode schildert Homburg, indem er an die Auseinandersetzung darüber erinnert, was „exponentielles Wachstum“ bedeutet. Während er selber zur Veranschaulichung entsprechende Kurven und Formeln postet, um das offizielle Narrativ zu entkräften, entgegnet Christian Drosten mit einem Ausschnitt aus einem Azubi-Buch für Kaufleute, der den Effekt des Zinseszinses erläutert. Mindestens genauso viel Unterhaltungswert hat ein Tweet zum Einfallsreichtum der Bürger. Einige sollen, wie ein geposteter Screenshot bezeugt, tatsächlich mit Lieferando-Jacken gehandelt haben, um sich in der Zeit der Ausgangssperre legal im öffentlichen Raum bewegen zu können.

«Corona-Getwitter» ist ein Buch, das unterhält und belehrt. Es vermittelt viel Wissen über die Fehlentwicklung westlicher Gesellschaften, die sich als liberal-demokratisch bezeichnen. Homburg gelingt es auf recht einfache Weise, einen zivilisatorischen Umbruch zu dokumentieren. Er führt die Leser leichtfüßig durch einen Parcours des inhumanen Wahnsinns, durch eine Zeit, in der Politik, Medien und Teile der Zivilgesellschaft ihre hässliche Fratze gezeigt haben. Sein Buch liefert dafür einen eindeutigen Beweis, weshalb es sich gut als Geschenk an Menschen eignet, die ihre Informationen ausschließlich aus den Leitmedien beziehen und nicht glauben wollen, dass die Errungenschaften der Aufklärung mit der Corona-Politik weggewischt wurden.

Hier der Link zum Buch: https://www.weltbuch.com/corona-getwitter/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: weltbuch.com

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Kommentare (3)

3 Kommentare zu: “Stefan Homburg “Corona-Getwitter” – Schnelldurchlauf durch den politisch-gesellschaftlichen Wahnsinn der letzten zwei Jahre

  1. _Box sagt:

    Künstliche Graswurzelbewegung. Der Begriff ist Astroturfing, nicht Astrosurfing. Engl. Turf – dt. Grasnarbe (Rasen).

    • Rudolph sagt:

      Richtig.

      Zitat aus Wikipedia:
      > „AstroTurf ist der aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammende Markenname eines Kunstrasens für Sportflächen. Hauptgrund für die Verwendung AstroTurfs ist eine Reduzierung der Pflegekosten gegenüber Naturrasen.[1][2] Davon abgeleitet ist der Begriff Astroturfing. “

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