Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
Ein kurzer Exkurs, warum die Geschichte sich nicht wiederholt, aber immer wieder ähnelt.
Wer "nie wieder" in Suchmaschinen sucht, wird auf alle möglichen Aussagen treffen, in denen aktuelle Politiker und Organisationen behaupten, genau sie verträten die moralische Verpflichtung aus dieser Erklärung nach der großen Weltkriegskatastrophe. Aber komischerweise nehmen sie es als Rechtfertigung, um genau das wieder zu beginnen, was zur letzten Katastrophe führte.
Der ewige Kreislauf
Teile der Welt standen schon viele mal vor den Trümmern ihrer Zivilisationen und beteuerten "nie wieder". Und wir stellen fest, dass der 2. Weltkrieg nur einer von vielen solchen Ereignissen war. Interessanterweise war es auch in vielen Fällen die Begründung "das darf nicht wieder passieren", mit der man die nächste Katastrophe einleitete.
Donald Trump kann sich rühmen, dem Völkerrecht, das durch den Völkermord in Gaza ins Koma gefallen war, den Stecker gezogen zu haben. Nicht dass das Völkerrecht besonders gesund und kräftig war. Es kränkelte schon von Anfang an, stand ganz unter dem Einfluss seiner dominanten Eltern, und jedes Mal, wenn es versuchte, sich selbständig zu machen, wurde es wieder mit Gewalt zur Ordnung gerufen, so dass es schwer verletzt von Misshandlungen bereits vor Gaza im Krankenbett lag. Aber Donald Trump beendete seine Existenz.
Die neuen Elemente des "nie wieder"
Schauen wir uns an, warum "nie wieder" heute ist. Beginnen wir mit dem Unterhemd, dem eigenen Verschulden. Deutschland militarisiert in einem atemberaubenden Maße, Diskussionen über atomare Bewaffnung beginnen, und man will die mächtigste Kriegsstreitmacht Europas werden. Während Österreich de facto seine Neutralität aufgegeben hat. Europa muss kriegstüchtig, nicht friedenstüchtig werden.
"Erstmals findet die noch bis März dauernde Kriegsübung Quadriga in diesem Jahr nicht mehr als 'reine Übung', sondern als 'einsatznahe Operation' statt. Dies teilt die Bundeswehr mit. Quadriga wird seit 2024 jährlich durchgeführt; geprobt wird ein Krieg gegen Russland, für den in diesem Jahr in Deutschland, in Litauen und auf Nord- und Ostsee geübt wird. Mit dem Übergang von fiktivem Übungsszenario zu 'einsatznaher Operation' verlagert die Armee ihre Manöveraktivitäten in Deutschland zugleich zunehmend von den Truppenübungsplätzen in den zivilen Bereich. Dabei kam es schon im vergangenen Jahr zu Verletzten. Erst kürzlich wurden der Zivilbevölkerung anlässlich eines Manövers 'im öffentlichen Raum' Antragsformulare für 'Ersatzleistungen bei Übungsschäden' angeboten. Das Grundgesetz erlaubt militärische Operationen der Armee im Inland nur als Ausnahme, unter anderem im Spannungsfall. Parallel zur Ausweitung der Manöver im Inland findet das Wort Krieg, das man noch vor wenigen Jahren in offiziellen Erklärungen vergeblich suchte, zunehmend Eingang in Äußerungen von Politikern und in die Leitmedien. Ein Krieg gegen Russland ist zum offen diskutierten realen Zukunftsszenario geworden." (1)
In Gaza findet ein Völkermord statt, der auch durch deutsche und österreichische Politik unterstützt wird, während Israel beginnt, die ethnische Säuberung Palästinas bis in den Süden des Libanon zu tragen. Es zerstört dort systematisch Infrastruktur, Wohnhäuser, vergiftet Felder, vertreibt die Einwohner, bombardiert täglich. Israel und die USA bedrohen den Iran mit einem neuen Angriffskrieg, der diesmal heftiger ausfallen dürfte, als der letzte 12-Tage-Krieg gegen das Land, nachdem der Angriff von Innen mit Geheimdiensten und Schlägertrupps zu keinem erfolgreichen Regimewechsel führte.
In Venezuela griff die USA unprovoziert das Land an, tötete einige hundert Menschen, entführte den Präsidenten und erklärte, dass das Öl nun den USA gehören würde. Schiffe werden entführt und "beschlagnahmt", Länder bedroht und mit Zöllen bestraft, welche mit Feinden des Imperiums Handel treiben wollen.
Und die Kolonialländer beginnen wieder verstärkt damit, ihnen unliebsame Führer oder potentielle Führer von Entwicklungsländern zu ermorden, wie gerade vermutlich am Sohn von durch Regime Change-Krieg ermordeten Präsidenten Libyens, Gaddafi vorgemacht, und in der Sahel-Zone zumindest versucht.
Wohin wird das führen?
Wohin führt Gesetzlosigkeit, und die Erklärung, sich an keine Regeln halten zu wollen? Natürlich zu Chaos, Krieg, Not. Das werden auch die reichen arabischen Eliten feststellen, die versuchten, durch Beschwichtigung und Unterwerfung ihre guten Geschäfte nicht zu gefährden. Wenn einmal das Feuer der Revolution entfacht wird, was entsteht, wenn die Demütigungen einfach zu groß werden und die Not den Tod als erleichternde Option erscheinen lässt, wird es zu einem Brand kommen.
In immer mehr Ländern werden Terroristen von "geheimnisvollen Quellen" bewaffnet, und jeder weiß, dass Geheimdienste, meist westlicher Länder, dahinterstecken, um sie gegen unliebsame Regierungen einzusetzen. Es werden mit False-Flag und Hass erzeugenden Nachrichten die Gesellschaften gegen angebliche Feinde gehetzt. In den so genannten "liberalen Demokratien", die Dissenz inzwischen drastischer unterdrücken, als sie so genannten Diktaturen vorwerfen, wird die Meinung verbreitet, die Palästinenser seien es selbst schuld, dass sie seit 1948 ermordet und vertrieben werden. Sie hätten ja einfach verschwinden können. Und dann wird genau diese Denke möglicherweise plötzlich in einigen dieser Länder um sich greifen. Wenn die Mehrheit plötzlich zur Minderheit wird, sich nicht unterordnet, und infolgedessen selbst schuld ist, wenn sie ausgelöscht wird?
Der große Krieg?
Dass es zu dem großen Krieg kommt, der ganze Kontinente in atomare Asche verwandelt, kann bezweifelt werden. Aber wenn Völkerrecht und Menschenrechte offiziell nicht mehr wirksam sind, wird sich auch niemand mehr daran halten. D.h. überall wo ein Gesellschaftssystem Schwächen zeigt, wird es angegriffen werden. Überall werden "kleine" Kriege entstehen. Lieferketten werden unterbrochen, Exportmärkte zerstört, Import von wichtigen Stoffen erschwert, die Wirtschaft leidet nicht nur, sie wird in Ländern mit kleinen Binnenmärkten und/oder geringen eigenen Rohstoffen kollabieren. Und die eine oder andere das Bruttosozialprodukt anfeuernden Produktionsstätte von Rüstungsgütern wird möglicherweise atomisiert werden.
Die Rolle der Medien
Die Medien haben alles getan, was die Kirchen z.B. taten, um die Kreuzzüge zu legitimieren. Sie profitieren von Krisen und von den Herrschenden. Statt aufzuklären indoktrinieren sie, statt diese Entwicklungen kritisch zu hinterfragen rechtfertigen sie diese. Und so kommen wir zu der Frage, warum die meisten Kriege und Opfer ausgerechnet durch so genannte Demokratien nach dem 2. Weltkrieg verursacht wurden?
Tatsache ist, dass ausgerechnet als Diktaturen bezeichnete Länder wie China oder Nordkorea die geringsten Anteile an Entstehungen von Kriegen und Not hatten. Was den Beobachter zu der Auffassung bringen kann, dass es unerheblich sei, ob ein Land diktatorisch oder mit Hilfe einer "Demokratie" beherrscht wird. Soweit er nicht dem Glauben verfällt, dass "die Guten" es verhindert hätten. Folgend der These, dass nicht die Regierungsform entscheidet, sondern die Intention der Herrschenden, könnte man zu dem Schluss kommen, dass wichtiger als "Demokratie" ist, ob die jeweiligen Herrscher das Wohl ihrer Massen im Sinn haben und kein Interesse an der Versklavung anderer Länder, oder ob die jeweils Herrschenden das Interesse eine kleinen Minderheit vertreten, und ihrem eigenen Ego folgen.
Es sind gerade mal 80 Jahre vergangen, seit die letzte Katastrophe, lassen wir beiseite, wie sie zustande kam, und durch ein "nie wieder" beendet wurde. Und schon ist alles vergessen, was zu dieser Katastrophe führte:
- Das sich über anderen Völkern stehend Fühlen
- Aufrüstung
- Unterdrückung nicht konformer Meinungen
- Völkermord
- Angriffskriege
Das Internet wird es nicht regeln, im Gegenteil
Wie immer, wird nach einer wilden Anfangsphase, Technik immer im Dienst der Herrschenden sein. In Forumgeopolitica heißt es am Ende eines interessanten Artikels (2):
"Die heutigen technologischen Möglichkeiten bieten dem Staat ein Maß an Kontrolle über seine Bevölkerung wie nie zuvor. Sie bilden die Grundlage für die Manipulation von Menschen als willkommene Voraussetzung für die Manipulation ganzer Gesellschaften mit dem Ziel ihrer Zerstörung im Interesse der 'Eliten'. Vorgänge, wie im Iran im Januar 2026 geschehen, sind - aus Sicht dieser 'Eliten' - die unabdingbare Folge."
Wann kommt das nächste "nie wieder"?
Damit es zu einem "nie wieder" kommt, muss es zumindest zu einem beschränkten großen Krieg kommen, auch wenn der nicht ganze Nationen zu atomarer Asche werden lässt. Denn nur dann wird sich die nächste Generation durchsetzen und eine Art "Nürnberger Prozesse" führen, um die Vergangenheit, die zu dieser Katastrophe führte, aufzuarbeiten. Erst dann wird es wieder heißen: "NIE WIEDER".
... für die nächsten 80 Jahre.
Quellen und Anmerkungen
(1) https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10289
(2) https://forumgeopolitica.com/de/artikel/hybride-kriegsfhrung-im-informationsraum
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Bild: Militärische Silhouetten der Kampfszene vor dem Hintergrund des Kriegsnebelhimmels.
Bildquelle: zef art / shutterstock
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