Nahost aus seiner Sicht | Von Jochen Mitschka

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

Wenn man Quellen außerhalb der westlichen Medien sucht, findet man immer wieder Perlen des Journalismus. So zum Beispiel den unabhängigen Journalisten Sam Husseini der unter husseini.substack.com schreibt, und in manchen unabhängigen Internetportalen. In einem Artikel in Counterpunch (1) analysiert er die derzeitige Politik der USA im Nahen Osten und zitiert eingangs Bismarck mit den Worten „Glaube nie etwas in der Politik, bevor es nicht offiziell dementiert wurde.”

Daraus schließt er, dass ein Grundsatz politischer Analyse sein muss, dass erklärte Ziele sehr häufig nicht wirklich die tatsächlichen Ziele seien. Und er verweist auf die angeblichen aber nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak, oder die angeblichen Menschenrechtsbedenken, die zu einer Bombardierung von Jugoslawien, Afghanistan und Libyen durch NATO-Länder führten.

Aber, so stellt er fest, nicht immer sind erklärte Ziele falsch. D.h. es gebe Ausnahmen. Bei dem jüngsten Besuch von US-Präsident Biden in Saudi-Arabien, sei dies in Medien als Versuch dargestellt worden, den US-Verbrauchern, die nie gesehene Kosten für eine Tankfüllung zahlen, Erleichterung zu verschaffen. Was aber wiederum dem widersprach, was Biden dann wirklich sagte. Und er zitiert ihn mit den Worten: „Die Zusagen der Saudis haben nichts mit Energie zu tun. (…) Und es hat mit der nationalen Sicherheit für sie zu tun – für die Israelis. (…) Es hat mit viel größeren Themen zu tun als mit Energie.”

Was jedoch in der Betrachtung durch die Medien einfach ignoriert worden sei. Nun habe einmal der seltene Fall existiert, dass ein Politiker wahrheitsgemäß erklärte, dass er sich eher auf geopolitische Ziele konzentriere als auf das Wohl der US-Verbraucher, so sei diese sehr reale Möglichkeit bemerkenswert marginalisiert worden.

Mehdi Hasan habe dann zum Beispiel auf MSNBC erklärt: “Was auch immer wir von diesem Treffen [mit dem saudischen Staatschef MBS] bekommen, vielleicht einen leichten Rückgang der Benzinpreise, ist es das wirklich wert, die Familie von Jamal Khashoggi, die Menschen im Jemen und unsere eigene moralische Autorität und unsere Werte zu verraten?”

Das Ende von Hasans Aussage werfe ein Schlaglicht auf eine bestimmte Form der US-Viktimologie, in der die US-Regierung – die, wie oben erwähnt, ein Land nach dem anderen mit schrecklichen Folgen illegal überfallen habe – als “moralische Autorität” angesehen werde. Biden selbst habe die Irak-Invasion unterstützt und bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen er danach gefragt wurde, jahrelang gelogen.

In der Tat, so der Autor, habe das US-Establishment viele andere Motive für eine enge Zusammenarbeit mit den Saudis: Es wolle Waffen im Wert von Milliarden Dollar verkaufen, worüber Trump fast erfrischend ehrlich war; die Beziehungen der arabischen Staaten zu einem expansiven Israel normalisieren, wie es Biden symbolisiere, indem er direkt von Israel nach Saudi-Arabien fliegt.

Ein offensichtlicher “Vorteil” bestehe darin, dass die Ölgewinne größtenteils zur Finanzierung von Wall Street und Big Tech verwendet werden, was auf Kosten der Finanzierung einer vernünftigen regionalen Entwicklung gehe – das Silicon Valley werde mit saudischem Geld überschwemmt, während in Kairo unzählige Menschen gezwungen sind, auf Friedhöfen zu leben.

Das US-Establishment wolle natürlich auch seine Vormachtstellung in der Region gegenüber Russland und China sichern, stellt Husseini fest. Und seit langem werde argumentiert, dass die Kontrolle – und nicht nur der Zugang – zu Öl aus dem Nahen Osten den USA ein Druckmittel gegenüber Europa verschaffe, was umso wichtiger sei, als die USA versuchen, russisches Öl zu blockieren.

Natürlich könne man auch ein gemeinsames Interesse der USA, von Saudi-Arabien und Israel erkennen, jegliche Entwicklung hin zu unabhängigen Staaten und Bewegungen zu unterdrücken. Aber all diese Dinge seien für die amerikanische Öffentlichkeit nicht so attraktiv wie billigeres Benzin. Die Annahme, dass das Reise-Motiv billiges Benzin zum Nutzen der US-Verbraucher sei, ließe die verdrehten amerikanisch-saudischen Beziehungen in den Augen der US-Verbraucher anständiger erscheinen, als sie tatsächlich seien. Er bestärkt das mit den Worten:

„Außerdem: Wenn billigeres Benzin das eigentliche Ziel der US-Regierung wäre, könnte Biden dann nicht auch viele andere Dinge tun – etwa die Sanktionen gegen den Iran, Venezuela (…) und (sogar) Russland aufheben?“ (1)

Biden könnte auch die Gewinne der Ölgesellschaften ansprechen, fügt er hinzu. Und erklärt, dass der Senator Bernie Sanders dies vorgeschlagen habe. Allerdings sei dieser mit einer Rolle in den Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien aufgefallen, welche einige nicht von ihm erwartet hatten. Dann erklärt er, wie Sanders im Jahr 2019 darauf gedrängt hatte, dass der Senat Trumps Veto gegen eine Kongressresolution zur Beendigung der US-Beteiligung an dem von Saudi-Arabien geführten Krieg im Jemen, der von vielen als Völkermord bezeichnet wird, überstimmte. Während diese Aktivität dann plötzlich deutlich nachließ, als Biden ins Amt kam.

Schließlich, so der Autor, brachte Sanders am 14. Juli, während Biden in Israel weilte, eine weitere Resolution zur Beendigung der US-Unterstützung für den saudischen Krieg ein. Aber bemerkenswerterweise habe Sanders in der Sendung “This Week” auf ABC, mit keinem Wort den Krieg im Jemen erwähnt. Das Wort “Jemen” tauche in der Niederschrift des Interviews einfach nicht auf.

Dann kommt Husseini auf die „arabische NATO“ zu sprechen, über die ich in vergangenen Artikeln berichtete.  Er sieht sie als logische Folge von US-Zielen, die im Laufe der Jahrzehnte verfolgt worden waren. So wie schon in den 1950er Jahren die CENTO (auch bekannt als Bagdad-Pakt), welche die Südflanke der NATO bilden sollte. Diese Organisation sei nach der irakischen Revolution von 1958, welche die Monarchie stürzte, zum Scheitern verurteilt gewesen und mit dem Sturz des Schahs 1979 völlig zusammengebrochen. So seien dann nur noch kleinere Monarchien für die US-Politiker zu Pfeilern der “Sicherheit” verfügbar gewesen. Dann kommt er auf die offensichtlichen Pläne Saudi-Arabiens zu sprechen, sich Atomwaffen zu beschaffen.

„Man sollte meinen, dass die US-Planer – und insbesondere die Israelis – eine mögliche saudische Bombe entschieden ablehnen würden, aber so eindeutig ist die Sache vielleicht nicht, wenn man bedenkt, dass ein Atomwaffenarsenal vielleicht als Anker für die saudische Herrschaft angesehen wird. Dies könnte erklären, warum die Regierung Biden eine Erneuerung des “Iran-Deals” ablehnt, da ein angebliches iranisches Atomwaffenprogramm einen ausreichenden Vorwand [Anmerkung: für Kernwaffen Saudi-Arabiens] bieten könnte.“ (1)

Natürlich sei es nicht undenkbar, dass sich die USA und das israelische Establishment irgendwann gegen Saudi-Arabien wenden könnten, wie sie es gegen den Irak getan haben, wenn das Land für sie nicht mehr von Nutzen ist. Interessanterweise werde MBS in einem neuen Profil des renommierten Wirtschaftsmagazins The Economist wiederholt mit Saddam verglichen. Die saudische Rolle bei 9/11 sei weitgehend in Vergessenheit geraten, könnte aber jederzeit vom US-Establishment wiederbelebt werden.

Hier sei nun ein Einwurf erlaubt, der in dem Artikel fehlt, aber auf den M. K. Bhadrakumar hinweist. Nämlich dass Golfstaaten sehr wohl statt einer Art Arab-NATO beizutreten, einem nicht ganz korrekt (9) oft „Anti-NATO“ genannten Bündnis beitreten könnten. (7) Der Autor beschreibt in einem Artikel ausführlich, warum die Herrscher der Golfstaaten, allen voran der saudische Kronprinz, sich sehr wohl der Gefahr eines Regime-Changes durch den Westen bewusst sind, und daher dazu tendieren Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) (8) zu werden. Also das Gegenteil von dem, was im Westen berichtet wird.

„Neben Saudi-Arabien haben eine Reihe weiterer westasiatischer Länder einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SOZ gestellt. Die russische Tageszeitung Iswestija berichtete am Donnerstag, dass die SOZ plant, auf dem bevorstehenden Gipfel in Samarkand Memoranden über die Gewährung einer Dialogpartnerschaft mit Ägypten, Syrien, Katar, Saudi-Arabien und Bahrain zu unterzeichnen. Interessanterweise ist Kronprinz Mohammed bin Salman zu der Veranstaltung eingeladen worden.“ (7)

Zurück zum Artikel von Hasan, der berichtet der, dass die Angriffe auf den Jemen im vergangenen Jahr eskaliert seien, dass aber kurz nach der Invasion in der Ukraine ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Er vermutet, dass dieser Waffenstillstand zum Teil durch das offensichtliche PR-Problem motiviert gewesen sei, dass die USA bei der Bombardierung von Jemeniten helfen, während sie die russische Invasion in der Ukraine verurteilen. Er fragt dann, ob Saudi-Arabien evt. etwas von der russischen Militärintervention gewusst habe?

Dann weist der Autor auf eine Tatsache hin, die ich in früheren Artikeln als „Surfen auf der Krise“ bezeichnet hatte. Die Reise wurde unter großem Medieninteresse angekündigt, als die Benzinpreise für die US-Verbraucher im Juni erstmals einen Höchststand von über 5 Dollar erreichten. In der Zwischenzeit – und seit der Reise selbst – seien die Benzinpreise erheblich gesunken. Es gebe keine Beweise dafür, dass dies etwas mit der Reise zu tun hatte, aber es könne durchaus ein wirksamer Mechanismus der Öffentlichkeitsarbeit gewesen sein. Dies deute darauf hin, dass das US-Establishment sehr gut geplant hatte, um das öffentliche Bewusstsein für solche Themen zu steuern.

Dann weist er darauf hin, wie die Ermordung der Journalistin Shireen Abu Akleh im Mai durch Israel den Druck von Saudi-Arabien reduziert habe. Niemand wage, Israel wegen des Mordes als Paria zu bezeichnen, insofern sei der Druck wegen der Ermordung von Khashoggis geringer geworden. Schließlich könne man nicht den einen Mord anprangern und den anderen übersehen. Er schreibt dann, dass Saudi-Arabien nun Pakistan drängen würden, auch die Beziehungen zu Israel zu normalisieren:

„Darüber hinaus drängen die Saudis nun offenbar auch Pakistan dazu, diesem Beispiel zu folgen, zumal dieses Land durch den De-facto-Putsch gegen Imran Khan noch formbarer geworden sein könnte. (…) Es ist also ein perverser Kreislauf im Gange, in dem die tyrannischen Kräfte dieser Staaten sich gegenseitig von ihrer jeweiligen Unterdrückung freisprechen (…), während sie in Wirklichkeit gemeinsam gegen ihre jeweilige Öffentlichkeit und ihre erklärten [eigenen] Prinzipien vorgehen.“ (1)

Was in Deutschland schließlich immer mehr Menschen im Rahmen der Ukraine-Krise und der Propaganda gegen Russland ebenfalls so empfinden dürften.

Mögliche Profiteure der Weltwirtschaftskrise

Nein diesmal meine ich nicht die üblichen Kriegsgewinnler, also jene, die sich sowieso zu den Reichsten der Reichen zählen. Sondern ich bleibe im Nahen Osten. Und zwar in einem Land, dem nicht erlaubt ist, eine Luftabwehr zu besitzen, damit israelische Flugzeuge aus seinem Luftraum Raketen auf Syrien abfeuern können. Es ist der Libanon. Der Libanon, einst die Schweiz des Nahen Ostens, jetzt dank westlicher und vor allen Dingen israelischer Kriegsführung ein Land am Rande des Zusammenbruchs.

Größte politische Kraft und mit einem militärischen Arm versehen, der es geschafft hatte, die Besetzung des Landes durch Israel zu 99% zu beenden, ist die Hisbollah. Die Hisbollah ist die einzige Kraft im Libanon, die es wagt, Israel und den USA die Stirn zu bieten. Seine Kämpfer sind im Krieg in Syrien gegen den IS gestählt und stellen eine eindrückliche Gefahr für die nur scheinbar unbesiegbare israelische Armee dar. Und deshalb ist interessant, was Elijah J. Magnier in seinem Blog ejmagnier.com schreibt (3).

Seiner Meinung nach wirken sich der Energiehunger, der aus den westlichen Sanktionen gegen Russland entstand, als positiv für die Länder des Nahen- und Mittleren Ostens aus. Denn westliche Regierungen arbeiten hart daran, sagt er, die Stabilität in den Öl und Gas produzierenden Ländern zu sichern.

Der russisch-amerikanische Krieg um das ukrainische Territorium ist zweifellos belastend für die Weltwirtschaft. Und die USA und Europa bettelten unablässig um Öl und Gas aus allen verfügbaren Quellen, um die eigenen Sanktionen gegen Russland zu verkraften. Dabei seien sie auch in die Länder des Nahen Ostens gekommen, in eine Region, welche einen großen Teil der Weltenergie liefert, und die sich nun einer unerwarteten und seltenen Stabilität erfreuen könne. Nach jahrzehntelangen Kriegen, Invasionen und Konflikten im Nahen Osten scheine nun die Zeit gekommen, dass sich diejenigen, die für das Elend und die Tötung der Bevölkerung in diesem Teil der Welt verantwortlich sind, um die Zukunft dieser Bevölkerung und ihre Sicherheit kümmern, schreibt Magnier.

Dann berichtet er, dass die Hisbollah einen Schlag gegen Israel angedroht hatte, sollten die Gasförderanstrengungen in einem Gebiet nicht eingestellt werden, welches der Libanon für sich reklamiert. Es geht um die Felder Karish und Tamar.

„Aus gut unterrichteten Quellen verlautet, dass der Generalsekretär der Hisbollah, Sayyed Hassan Nasrallah, die Situation bewertet hat, um eine Schlussfolgerung zu ziehen, deren wichtigste lautet, dass Israel keinen Krieg will und es derzeit nicht angreifen wird. Mehr noch, die Hisbollah geht davon aus, dass der Westen und die USA Israel nicht beistehen werden, da man derzeit mit der Suche nach Energie beschäftigt ist und sicherlich nicht auf einen weiteren Krieg aus sei, vor allem nicht im Nahen Osten, zusätzlich zu dem laufenden Krieg in der Ukraine. Der Nahe Osten ist eine der wichtigsten globalen Energiequellen. Der Westen ist daher derzeit nicht in der Lage, diese Versorgungslinie durch einen Krieg oder ein anderes Scharmützel gestört zu sehen.“ (3)

Es werde erwartet, so der Autor weiter, dass Israel die Gasförderung einstellt und internationale Unternehmen sich aus Angst vor einer militärischen Konfrontation aus diesen Gas- und Ölfeldern zurückziehen werden, insbesondere nachdem die Hisbollah mehrere Drohnen als Warnung geschickt hatte, um die Gebiete und die ausländischen Explorationsplattformen zu überfliegen, was genauso gut ein Angriff hätte sein können.

Zu allem Überfluss empfahl die israelische Marine, ausländische Arbeiter, die auf Gasförderplattformen arbeiten, darin zu schulen, das Gelände im Kriegsfall zu evakuieren. Dieser Vorschlag der israelischen Marine habe unter den ausländischen Arbeitern auf der Bohrinsel Panik ausgelöst, berichtet er. Die Ölgesellschaften beriefen eine Dringlichkeitssitzung in Frankreich ein, auf der Israel mitgeteilt wurde, dass die Arbeiter nicht in einer gefährlichen Umgebung bleiben würden und dass die Energiegewinnung Sicherheit und Stabilität erfordere. Der Alarmzustand zwischen der Hisbollah und Israel würde alle Unternehmen dazu veranlassen, sich aus dem umstrittenen Seegebiet zurückzuziehen, bis eine offizielle Vereinbarung getroffen wird.

Während Israel droht, der Westen sanktioniert, schicken der Iran Öl und Benzin und Russland 40 Tonnen Weizen monatlich (6), um den Libanon vor einer Katastrophe zu bewahren, will ich hinzufügen. Und so stellt Magnier fest, dass die Atommacht Israel noch nie in einer ähnlich schwachen Position gewesen sei, in der es den Drohungen der Hisbollah nachgeben musste, ohne von der westlichen Welt einen Freibrief zu einem Militärschlag gegen die Organisation bekommen zu haben. Denn, so sollte man hinzufügen, ist natürlich die Hisbollah, deren wichtigster Verbündeter der Iran ist, als „Terrororganisation“ in den USA gelistet.

Die derzeitige Situation erfordere Ruhe, denn die Länder, die Energie produzieren, müssen in den kommenden Jahren produktiv bleiben, bis sich die Energiepreise stabilisieren und sich die turbulenten Märkte beruhigen, insbesondere da der Ausgang des Krieges in der Ukraine ungewiss sei.

Atomwaffenfreier Naher Osten

Derzeit ist Israel der einzige Staat im Nahen Osten, der mehrere hundert Kernwaffen besitzt, und auch schon einmal kurz davor war sie einzusetzen. Dies ist eine Tatsache, die jedoch meist in der Propaganda untergeht, mit der seit über 30 Jahren behauptet wird, dass der Iran nur Tage vor der eigenen Bombe stehe. Obwohl es eine eindeutige Ablehnung von Massenvernichtungswaffen durch die religiöse Führung des Landes gibt, welche sogar im Krieg gegen den Irak, in dem dieser Chemiewaffen einsetzte, keine entsprechende Gegenreaktion gab, obwohl es ein Leichtes für den Iran gewesen wäre.

Da Saudi-Arabien wohl nun auch nach Kernwaffen strebt, um das Herrscherhaus abzusichern, ist leider ein atomwaffenfreier Naher Osten nicht in greifbarer Nähe. Saudi-Arabien stellt so sicher, dass die westliche Welt alles unternehmen wird, um zu verhindern, dass in einer Atommacht im Nahen Osten eine Regierung durch unkontrollierbare demokratische Prozesse an die Macht kommt.

Wir sollten uns daran erinnern, woran ein atomwaffenfreier Naher Osten scheiterte. Es waren die Vereinigten Staaten und Israel, welche als einzige Länder der Welt gegen einen Resolutionsentwurf stimmten, mit dem der Nahe Osten atomwaffenfrei werden sollte (3). Und während vieler Jahre in der Vergangenheit wurden solche Anläufe unternommen, die immer an Israel und den USA scheiterten.

Aber wie kann man von den atomaren Habenichtsen erwarten, auf Kernwaffen zu verzichten, wenn die Atommächte in keiner Weise auch nur annähernd daran denken, ihren Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nachzukommen? Denn dieser sieht ausdrücklich ernsthafte Verhandlungen über Abrüstung und Ächtung vor. Während insbesondere die USA für hunderte von Milliarden Dollar die Atomstreitmacht modernisiert, in den Einsatzrichtlinien Kernwaffen als normale Gefechtsfeldwaffen ansieht, und nicht mehr als Doomsday-Bombe und letzte Alternative vor der eigenen Vernichtung.

Fazit

Nicht nur Afrika beginnt sich der Reste der Kolonialzeit zu entledigen. Auch der Nahe Osten. Israel ist der letzte Brennpunkt, das Überbleibsel der „glorreichen“ Kolonialzeit. Jedenfalls argumentierte einer der geistigen Väter Israels, Theodor Herzl, mit den Vorteilen für den britischen Kolonialismus, als er sich in Großbritannien für die Besetzung Palästinas durch zionistische Siedler einsetzte (4). Und so wird der durch den Zionismus geschaffene Apartheidstaat mit Sicherheit irgendwann einmal auch zu einer Gesellschaft mutieren, in der alle Menschen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe oder Religion die gleichen Rechte haben.

Wie Südafrika während der Apartheid, wird heute die Apartheid in Israel als ewig während angesehen. Aber sie ist nur deshalb so widerstandsfähig, weil sie die allerletzte Bastion der Herrschaft des Westens in dieser Region ist. Wird Israel zu einer pluralistischen Demokratie, verfügt der Westen dort nur noch über wackelige Diktaturen als Interessenvertreter.

Leider ist zu befürchten, dass die rechtsextremen israelischen Politiker mit ihrer Nuklearmacht auch einen blutigen Bürgerkrieg in Kauf nehmen, ansonsten hätten sie nicht fast 700.000 extremistische zionistische Siedler auf den besten Lagen Palästinas angesiedelt. Gegen die Gewalt, die von der israelischen Apartheid ausgeht, so südafrikanische Apartheidgegner, welche den Befreiungskampf miterlebt hatten, war diejenige der weißen Siedler in Südafrika nur ein Kindergarten. Auch deshalb wird es wohl noch länger dauern und viele Opfer fordern, während deutsche Politiker immer weiter von „Selbstverteidigung jüdischer Menschen“ faseln.

Judaismus lehnt Krieg und Gewalt ab, und nicht die tapferen Kämpfer in Selbstverteidigungsschlachten waren ihre Helden, sondern ihre religiösen Gelehrten. Während der Zionismus Gewalt und Krieg verherrlicht. Diese Diskrepanz wird langsam immer mehr Juden bewusst. Leider noch nicht in Israel. Dort fühlt man sich durch die Unterstützung mächtiger Verbündeter im Westen bestärkt in dem Gedanken, zu den Auserwählten zu gehören (5). Ähnlich der Überzeugung der US-Politiker und Oligarchen, auserwählt zu sein, um die Welt zu beherrschen.

Je mehr Gewicht aber antikoloniale Mächte wie Russland und China und ehemalige Kolonien in Afrika bekommen, desto stärker dürfte sowohl in den USA als auch Israel das Gefühl des Exzeptionalismus erodieren. In der nächsten Woche wird Israel wegen der gerade erfolgten Bombardierung Gazas Thema eines eigenen Berichtes werden. Und zwar wieder aus einer Sicht, die eben nicht dem gängigen Narrativ westlicher Medien entspricht. Denn nur wer beide Seiten kennt, kann sich eine eigene Meinung bilden.

Quellen:

  1. https://www.counterpunch.org/2022/08/03/us-saudi-relationship-beyond-the-obvious/
  2. https://ejmagnier.com/2022/07/25/%ef%bf%bcmiddle-east-peace-has-become-the-wests-request-which-inherited-the-war/
  3. https://thegrayzone.com/2019/11/08/us-israel-un-resolutions-space-arms-race-nuclear/
  4. Theodor Herzl: A Biography von Josef Fraenkel, Ararat Publishing Society Limited, 1946, Seite 126  (“And so I must believe” – Herzl declared furthermore – “that here in England the idea of Zionism, which is a colonial idea….”)
  5. https://www.infosperber.ch/Politik/Israel-Juden-Umfrage-auserwahltes-Volk
  6. https://thecradle.co/Article/News/13959
  7. https://www.indianpunchline.com/why-the-gulf-states-sco-membership-is-a-big-deal/
  8. (SOZ, in Englisch SCO) Es gibt noch eine Vielzahl von Bündnissen, die unerklärlicherweise sich zu widersprechen scheinen. Einige davon werden hier erklärt: https://www.indianpunchline.com/moscow-prioritises-ties-with-myanmar/ In der Region scheint in naher Zukunft vieles möglich zu werden, das bisher als unmöglich galt.
  9. https://www.youtube.com/watch?v=HZsepBY8akg

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: AppleZoomZoom / shutterstock

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Kommentare (7)

7 Kommentare zu: “Nahost aus seiner Sicht | Von Jochen Mitschka

  1. Andreas I. sagt:

    Hallo,
    mit Irak und Syrien haben USA & Verbündete – auch Bundeswehr-Tornados über Syrien – selber zusätzliche Instabilität in der Region verursacht.
    Jordanien bleibt dann noch (ein verlässlicher Partner für USA), aber wenn USA selber über eigene Probleme stolpert, z.B. über einen Schuldenberg, der dem Militärbudget entspricht …

  2. Ralle002 sagt:

    China:

    09.07.2022
    BRICS: China spielt zunehmend nach eigenen Regeln
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/brics-china-spielt-zunehmend-nach-eigenen-regeln-li.244566

    Hierzu:
    China versucht es irgendwo die US-Dollar-Dominanz zu unterwandern.
    Dadurch wird dann aber auch die weltweite Verschuldung immer mehr auf die Spitze getrieben. Die Gefahr von Ressourcen-Kriegen verschärft sich.

    Libanon:

    Aug 28, 2021
    Nasrallah: Irans Treibstofflieferung an Libanon beunruhigt USA und Israel
    https://parstoday.com/de/news/middle_east-i61288-nasrallah_irans_treibstofflieferung_an_libanon_beunruhigt_usa_und_israel

    January 19, 2022
    USA fordern Gespräche mit der libanesischen Hisbollah
    https://iqna.ir/de/news/3005364/usa-fordern-gespr%C3%A4che-mit-der-libanesischen-hisbollah

    28.1.2022
    Politik im Libanon:
    In der Hölle der Korruption
    Wer in Beirut etwas braucht, der wendet sich nicht an den Staat. Sondern an die Parteien. Dieses Patronagesystem macht auch die Justiz machtlos.
    https://taz.de/Politik-im-Libanon/!5827428/

    07.04.2022
    IWF ermöglicht Libanon Milliardenkredit
    https://www.merkur.de/politik/iwf-ermoeglicht-libanon-milliardenkredit-91465087.html

    Pakistan:

    16. November 1999
    Pakistan nach dem Militärputsch: Droht dem Land die Diktatur?
    https://www.asienhaus.de/public/archiv/putsch.htm
    …..
    u.a. steht dort:
    Die internationalen Reaktionen auf den Staatsstreich der Armee vom 12. Oktober gegen die seit zweieinhalb Jahren amtierende Regierung von Premierminister Nawaz Sharif kamen prompt.

    03.10.2001
    Geheimdienste
    Trainierte die CIA Pakistaner für Bin-Laden-Festnahme?
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/geheimdienste-trainierte-die-cia-pakistaner-fuer-bin-laden-festnahme-a-160571.html

    08.02.2002
    ANALYSE:
    Pakistans Geheimdienst: Die unheimliche Macht
    https://www.faz.net/aktuell/politik/pakistans-geheimdienst-die-unheimliche-macht-147053.html

    17. April 2020
    IWF gewährt Pakistan über eine Milliarde US-Dollar
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/iwf-iwf-gewaehrt-pakistan-ueber-eine-milliarde-us-dollar-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200417-99-731853

    07.03.2022
    Ufo's über Pakistan
    Als alle auf Russland schauen erscheint in Pakistan etwas Erschreckendes!
    https://youtu.be/0qjUgVo4kfI

    July 1, 2022
    Pakistan can resolve Saudi Arabia’s growing security concerns
    https://www.atlanticcouncil.org/blogs/southasiasource/pakistan-can-resolve-saudi-arabias-growing-security-concerns/

    Israel:

    JANUARY 13, 2012
    EXCLUSIVE
    False Flag
    A series of CIA memos describes how Israeli Mossad agents posed as American spies to recruit members of the terrorist organization Jundallah to fight their covert war against Iran.
    https://foreignpolicy.com/2012/01/13/false-flag/

    03.11.2012
    Israels gezielte Tötungen
    Die Akte Mossad
    Israels Geständnis, 1988 den PLO-Vize Abu Dschihad umgebracht zu haben, wirft ein Schlaglicht auf Jerusalems Politik der gezielten Tötungen. Sie wird seit den fünfziger Jahren betrieben. Auch deutsche Raketenforscher im Dienste Ägyptens gerieten einst ins Visier der Israelis.
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/israels-armee-und-mossad-verueben-seit-jahren-gezielte-toetungen-a-865040.html

    15.11.2013
    Mordfall al Mabhuh
    Israelischer Geheimdienst unter Mordverdacht
    Der israelische Geheimdienst Mossad wird verdächtigt, für den Mord am Hamas-Funktionär Mahmud al Mabhuh in Dubai verantwortlich zu sein.
    https://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/mordfall-al-mabhuh-israelischer-geheimdienst-unter-mordverdacht_aid_481567.html

    31. Januar 2015
    Hisbollah-Kommandeur starb 2008:
    CIA und Mossad sollen Mughnijeh gemeinsam getötet haben
    https://rp-online.de/politik/ausland/cia-und-mossad-sollen-mughnijeh-gemeinsam-getoetet-haben_aid-21556059

    Jun 14, 2022
    Israel’s Karish Offshore Gas Field: Facts and Figures
    https://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/israels-karish-offshore-gas-field-facts-and-figures

    July 27, 2022
    Fuel to the Fire: Hezbollah Threatens War With Israel Over Disputed Gas Field
    https://nationalinterest.org/blog/middle-east-watch/fuel-fire-hezbollah-threatens-war-israel-over-disputed-gas-field-203850

    Saudi Arabien:
    09.07.2022
    Neue Weltordnung: Saudi-Arabien erwägt Beitritt zu BRICS
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/520784/Neue-Weltordnung-Saudi-Arabien-erwaegt-Beitritt-zu-BRICS

    USA:

    16.07.2022
    Besuch von Biden
    Saudi-Arabien will Öl-Förderkapazität erhöhen
    Joe Biden steht daheim wegen hoher Benzinpreise unter Druck, eine erhöhte Ölproduktion könnte ihm helfen. Die stellte der saudische Kronprinz nun bei einem Besuch des US-Präsidenten in Aussicht – allerdings unverbindlich.
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/besuch-von-joe-biden-saudi-arabien-will-oel-foerderkapazitaet-erhoehen-a-3a7fd375-4dc8-4c11-9f4a-c3284e1c3f07

    Hierzu:
    Joe B. will das Problem mit den steigenden Energiepreisen dadurch lindern, dass etwa Saudi Arabien die eigenen Förderquoten steigert.
    Er müsste sich stattdessen gedanklich mit dem Thema beschäftigen, dass der Kapitalismus wenigen Ultrareichen immer mehr Geld zuspielt, während alle anderen Personen immer mehr Schulden (wegen der Geldentstehung als Schuld) vor sich herschieben, die sie jedoch später nie wieder zurückzahlen können.
    Joe B. muss es klar gesagt bekommen, dass Wahlen nicht dermaßen mit Geld gewonnen werden dürfen.
    Unabhängig davon, sind die Probleme auch nicht mehr auf parlamentarischem Wege lösbar.

    steigende Energiepreise (allgemein):

    27.06.2022
    Die verführerische Idee eines Preisdeckels für Erdöl
    Russland nimmt trotz dem angekündigten Embargo der EU riesige Summen durch die Erdölexporte ein. Zugleich stöhnen die westlichen Staaten unter gestiegenen Energiepreisen. Kein Wunder, dass wieder über eine Preisobergrenze für Erdöl diskutiert wird.
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-verfuehrerische-idee-eines-preisdeckels-fuer-erdoel-ld.1690447?reduced=true

    Hierzu:
    Um über die steigenden Energiepreise Herr zu werden, müssten wir stattdessen darüber nachdenken, dass die weltweite Verschuldung in Form von immer mehr Geld in der Welt preistreibend wirkt.
    Etwa der Staat bezahlt seine Schulden nie. Vielmehr löst er seine Schuldenprobleme viel zu bequem dadurch, dass er noch sehr viel mehr Schulden macht, wodurch dann aber auch die volkswirtschaftliche (Schuldschein-) Geldmenge immer mehr ansteigt.

    Dann dreht Anton Hofreiter an der Eskalationsschraube:

    18.07.2022
    Der Tag
    Hofreiter befürwortet Einkaufskartelle
    https://www.n-tv.de/der_tag/Hofreiter-befuerwortet-Einkaufskartelle-article23470917.html

    Herr Hofreiter müsste vom "marktwirtschaftlichen Denken" wegkommen und Geld mehr als eine Art Schuldschein verstehen.

    11.08.2022
    Christian Lindner wird von Slomka gegrillt – „Reiche kriegen ihre Bude schon geheizt“
    https://www.derwesten.de/christian-lindner-marietta-slomka-zdf-heute-journal-fdp-steuern-entlastungen-id236128421.html

    Hierzu:
    Anstatt Reiche zu schonen, weil sie angeblich Leistungsträger des Staates sind, müsste auch Herr Lindner den Schuldenanstieg in Form von immer mehr Geld in der Welt sehr viel mehr im Blick haben.

  3. Kiristal sagt:

    Kleine Anmerkung:
    die Preise (Benzin, Gas, Lebensmittel, Rundfunkgebühren, ..) steigen weil man so das
    das Geld der Bevölkerung in die Kriege umleitet (kreative Sondersteuern).

    Traditionell lassen die Militärs lieber die Bevölkerung leiden als vor dem Feind zurückzuweichen, bis am Ende dann doch alles zusammenbricht.

    • _Box sagt:

      „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“
      – Warren Buffet, 2006

      Dazu:

      Kosten, Hintergründe, Profiteure: Was bedeutet die Gasumlage?
      Die Bundesregierung hat eine Gasumlage beschlossen, die Verbraucher ab 1. Oktober viel Geld kosten wird. Was die Umlage bedeutet und warum sie ein weiteres Mal aufzeigt, wie verlogen die Regierung ist.
      von
      9. August 2022 03:00 Uhr

      Die „Qualitätsmedien“ haben berichtet, dass die Bundesregierung eine Gasumlage beschlossen hat, deren Ziel – so die Formulierung im Spiegel – es ist, die

      „durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelösten Energiekrise Insolvenzen und Lieferausfälle in der Gasversorgung zu verhindern und so die Versorgungssicherheit für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft aufrechtzuerhalten“

      Und natürlich, so erfahren wir im Spiegel auch, ist das alles ganz solidarisch:

      „Damit würden die Kosten »möglichst solidarisch verteilt«, betonte Habeck. Betroffene Gasimporteure würden bis Oktober die Kosten für die Ersatzbeschaffung allein tragen, so der Minister. »Danach werden diese gleichmäßig auf viele Schultern verteilt. Zehn Prozent der Kosten tragen die betroffenen Gasimporteure für die Zeit der Umlage selbst.«“

      Der Populismus der Regierung

      Erinnern Sie sich noch an Anfang Mai diesen Jahres? Damals haben die Grünen eine „Übergewinnsteuer“ gefordert und Wirtschaftsminister Habeck war damals offen gegenüber der Besteuerung von „Kriegsgewinnen“. Ich habe damals in einem sehr bissigen Artikel aufgezeigt, warum dieses Gerede ein weiterer Beweis für die komplette Inkompetenz dieser Leute ist, die Deutschland als Führungspersonal der Grünen gerade mit Vollgas an die Wand fahren.

      Besteuern wollten diese Superhelden damals die Energiekonzerne, weil die so große Gewinne gemacht haben, als sie russisches Gas billig eingekauft und teuer an der Börse verkauft haben. Die Forderung nach einer „Überbesteuerung“ war reiner Populismus, denn die Börse für den Gashandel wurde von der EU-Kommission erst vor wenigen Jahren geschaffen und die einfachste Lösung wäre es gewesen, den Gashandel an der Börse zu verbieten und schon hätte es diese Gewinne nicht mehr gegeben und die Preise für Strom und Heizung wären damals nicht so explodiert.

      Nun aber, nur drei Monate später, wird das komplette Gegenteil von dem beschlossen, was der Grüne Super-Wirtschaftsexperte Habeck damals gefordert hat: Die Energiekonzerne werden keine „Übergewinnsteuer“ bezahlen, sondern bekommen Milliarden geschenkt. Bezahlen sollen das die Menschen in Deutschland über die Gasumlage.
      Umverteilung von unten nach oben

      Das hat System, denn die Gewinne durften die Konzerne all die Jahre behalten, nun aber, wo sie Verluste machen, sollen Sie – ja Sie, liebe Leser, Sie ganz persönlich – diese Verluste der Energiekonzerne über die Gasumlage ausgleichen. Das erinnert mich an die Finanzkrise 2008, denn damals war es das gleiche Spiel: Die Banken hatten jahrelang märchenhafte Gewinne mit dem Zocken an der Börse gemacht, aber als die Blase platzte, musste der Staat – also Sie – 60 Milliarden locker machen, um die Banken zu retten.

      https://www.anti-spiegel.ru/2022/kosten-hintergruende-profiteure-was-bedeutet-die-gasumlage/

      Dazu auf Weitwinkel:

      Die Illusion der freien Märkte
      Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“.
      von Fabian Scheidler

      Konzerne am Tropf

      In fast allen Staaten der Erde existiert ein komplexes Subventionsdickicht, durch das private Konzerne mit Steuergeldern kontinuierlich gefördert werden. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Subventionsnetz zu einer Art Herz-Lungen-Maschine für den dahinsiechenden Kapitalismus geworden. Ein Großteil der 500 größten Konzerne der Erde würde ohne die massive Unterstützung durch Steuergelder längst bankrott sein.
      (…)
      Rente statt Profit

      Das Subventionswesen für Konzerne, für ihre Shareholder und Manager, ist Teil einer größeren Struktur, die man bisweilen als »Sozialismus für Reiche« oder »Neofeudalismus« bezeichnet hat. Den oberen Schichten ist es gelungen, sich ein »bedingungsloses Maximaleinkommen« zu sichern, das von ihren Leistungen und Verfehlungen weitgehend entkoppelt ist. Nicht Markterfolge erhalten und vermehren die großen Vermögen und Einkommen, sondern Strategien der Privilegiensicherung, insbesondere durch Einflussnahme auf den Staat. Die staatliche Gabenökonomie für Superreiche verbindet sich mit dynastischen Strukturen, in denen Macht und Reichtum wie einst beim Adel durch die Geburt vererbt werden.

      Dazu gehört auch, dass ein immer größerer Teil des Kapitals gar nicht durch Produktion und Verkauf von Waren und Dienstleistungen vermehrt wird, sondern durch das, was man in der Ökonomik »Renten« nennt. »Rente« bedeutet hier nicht Altersversorgung, sondern ein Einkommen aus Gebühren für die Nutzung von Land, Wohneigentum oder aus »geistigen Eigentumsrechten«, zum Beispiel Patenten. Entscheidend ist, dass Kapitalbesitzer hier gar nichts produzieren und dann verkaufen, sondern allein aus dem Rechtstitel auf ein Eigentum ein Einkommen generieren.

      Tributzahlungen von diesem Typ vereinnahmen einen erheblichen Anteil der Volkseinkommen.

      https://www.rubikon.news/artikel/die-illusion-der-freien-markte

      Und dazu die Fachpresse:

      BCG-Vermögensbericht
      Privatvermögen in Deutschland steigt auf mehr als 20 Billionen Dollar
      von Marina Zapf
      09.06.2022, 06:00 Uhr

      Mehr als 3000 Superreiche besitzen in Deutschland ein Fünftel des Privatvermögens. Eine neue Studie prognostiziert: Ihre Zahl wird weiter deutlich steigen. Was aus dem BCG-Vermögensbericht sonst noch hervorgeht

      Das weltweite Finanzvermögen ist auch im zweiten Jahr der Coronapandemie ungebrochen gestiegen und hat einen neuen Rekordwert erreicht. Die globale Summe privater Bankguthaben, Wertpapiere und Lebensversicherungen stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf 274 Billionen Dollar – so stark wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Das geht aus dem jüngsten Vermögensbericht der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor, der heute veröffentlicht wird. Zugleich stieg das Realvermögen – also Anlagen in Sachwerte wie Immobilien oder Gold – um 9,4 Prozent auf 256 Billionen Dollar an.
      (…)
      Ein beträchtlicher Teil des Privatvermögens liegt in den Händen von Superreichen. Diese so genannten „Ultra High Net Worth Individuals“ mit Finanzwerten von 100 Mio. Dollar und mehr halten einen Anteil von rund 13 Prozent. Geografisch verteilt sieht der Global Wealth Report 2022 das meiste Privatvermögen in den USA konzentriert, gefolgt von China, Japan und Großbritannien. Deutschland liegt, gemessen am Finanzvermögen in der Liste der reichsten Länder damit auf Platz fünf.

      Von den Superreichen entfallen die meisten auf die USA und auf China. Deutschland steht hier an dritter Stelle mit 3100 Superreichen und einem Anteil von 21 Prozent am gesamten deutschen Privatvermögen. Diese Ultrareichen sind auch im zweiten Coronajahr noch einmal reicher geworden. Tatsächlich stieg ihre Zahl hierzulande in drei Jahren von 2400 auf mehr als 3000 an – und nach den Prognosen von BCG werden dem Club bis 2026 voraussichtlich fast 4000 Millionäre und Milliardäre angehören. Einen Anteil von sieben Prozent am Privatvermögen halten 14.700 Reiche in der Kategorie darunter, die 20 bis 100 Millionen Dollar ihr Eigen nennen.
      (…)
      Das stärkste regionale Wachstum verzeichneten der Studie zufolge Osteuropa und Zentralasien mit einer Steigerung um 23 Prozent auf 12 Billionen Dollar. Doch auch Nordamerika legte bei den Privatvermögen kräftig zu: um 15 Prozent auf 159 Billionen Dollar. Damit bleibt Nordamerika die Region mit dem höchsten Privatvermögen, gefolgt von Asien (plus 7 Prozent, 127 Billionen Dollar) und Westeuropa (plus 8 Prozent, 106 Billionen Dollar).

      Für bemerkenswert halten die Studienautoren die Erkenntnis, dass die Finanzmetropole Hongkong die Schweiz voraussichtlich 2023 als wichtigster Finanzplatz für ausländische Vermögen ablösen wird. „In der Vermögensverwaltung ist das eine Zeitenwende – die Schweiz hat den Markt für ausländisches Geld mehr als 200 Jahre lang dominiert. Diese Dominanz endet nun“, so Studienautorin Zakrzewski.

      https://www.capital.de/wirtschaft-politik/privatvermoegen-in-deutschland-steigt-auf-mehr-als-20-billionen-dollar-31933718.html

  4. zurfall sagt:

    Zustimmung! Diese Meinung kann man scheinbar nur äußern wenn man Deutschland schon verlassen hat. Deutschland muß den durch Zionisten installierten Aphardsheitstaat auafgrund historischer Gegebenheiten bedingungslos unterstützen. Völlig losgelöst hinsichtlich der Gebietsannexionen oder rassistischen Umtriebe (Straßen nur für Juden) in diesem Land. Es wird halt mit zweierlei Maß gemessen und unsere politische Klasse findet dies als ganz normal.

    • wassenaar sagt:

      In diesem Beitrag wird vernachlässigt, daß der Zionismus schon lange vor den Verbrechen der deutschen Faschisten, eine der ersten faschistischen Organisationen darstellt und somit diese sogenannte Erbschuld nicht die Ursache der Unterstützung des Staates Israel ist.
      Die BRD hatte IMMER, seit ihrem Bestehen, engste Beziehungen zu allen und jedem faschistischen Land, sei es Franco-Spanien, Portugal unter Spalazar, Pinochets Chile, der Apartheitstaat Südafrika – und demzufolge natürlich auch das faschistische Israel. Die Judenvernichtung schreckt dabei die Zioniszen keinesfalls, durch sie wurden die Rassegesetze 1935 befürwortet, da auch sie gegen "Misch-Ehen" waren – also zutiefst rassistische Positionen schon immer dazu gehörten.

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