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Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
Nachdem selbst der ehemalige Verteidigungsminister zugab, dass ein großer Teil der Opferzahlen, welche man Hamas zuschrieb, durch die IDF und die erweiterte Hannibal-Direktive verursacht wurde, sorgte Präsident Trump für die nächste erschreckende Erkenntnis. Er erklärte, dass nur noch 1,7 bis 1,8 Millionen Überlebende der ehemals 2,3 Millionen Einwohner Gazas „umgesiedelt“ werden müssten. Das ließ Mitte Februar 2025 neue Schätzungen von Opferzahlen bis zu 500.000 Toten als realistisch erscheinen. Beginnen wir mit einem Artikel, der natürlich nicht in Mainstream-Medien erschien, da diese immer erst Monate später über solche Fakten berichten.
Steven Donziger, ein Menschenrechtsanwalt, der sich einen Namen im Kampf gegen große Konzerne gemacht hat, errechnete, dass in Gaza seit Oktober 2023 mindestens 360.000 Menschen getötet wurden. Das entsprach ca. 14% der Bevölkerung von Gaza.
Donziger erklärte, dass er eine einfache mathematische Berechnung durchführen könne, die die etablierten Medien nicht durchführen wollten. Das Ergebnis dieser Berechnung sei erschreckend: Wenn es in den Vereinigten Staaten proportional zur Bevölkerungszahl die gleiche Anzahl an Tötungen und indirekten Todesfällen gegeben hätte wie in Gaza während des Konflikts, wären ungefähr 46 Millionen Amerikaner oder 14 % der gesamten US-Bevölkerung getötet worden.
„Es gibt solide Beweise für die Schlussfolgerung, dass seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 mindestens 306.000 Menschen in Gaza direkt von Israel getötet wurden (durch Bombenangriffe und Raketenangriffe) oder indirekt infolge der Zerstörung des Gesundheitssystems des Landes und seiner Weigerung, ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten zuzulassen, starben. Diese Zahl ist weit höher als die „offizielle“ Zählung des Gesundheitsministeriums von Gaza, das nur direkte Todesfälle dokumentiert und in dieser Woche berechnet hat, dass etwa 46.000 Palästinenser von Israel getötet wurden. Meine Berechnung legt nahe, dass 14 % der geschätzten Bevölkerung der Enklave von 2,1 Millionen vor dem Konflikt entweder direkt oder indirekt durch Hungersnot, Krankheiten und andere Ursachen im Zusammenhang mit der erzwungenen Entbehrung getötet wurden, die Israel dem Gebiet auferlegt hat.“ (1)
Er zeigte als Beweis, wie einfach die Berechnung gemacht werden könne, die Rückseite einer Serviette, auf der die Fakten aufgeschlüsselt waren. Demnach ging er zunächst von der Schätzung der renommierten britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet aus, in der Experten für den Zeitraum vom 08. Oktober 2023 bis zum 19. Juni 2024 186.000 Opfer ermittelt hatten (2).
Diese Todeszahlen bedeuteten, so der Autor, dass seit Beginn des Konflikts bis zum 19. Juni letzten Jahres, dem letzten Tag der Lancet-Studie, durchschnittlich 654 Menschen pro Tag gestorben waren. Seit der Veröffentlichung dieser Studie bis zum Waffenstillstand am 19. Januar waren jedoch noch 214 Tage vergangen. Er errechnete nun einfach pro Tag weitere 654 Menschenopfer und kam so mit einer einfachen Addition auf insgesamt 306.000 Tote zwischen dem 7. Oktober und dem Beginn des Waffenstillstands. Und diese Zahlen berücksichtigen nicht die Verstümmelten, die Traumatisierten, die Schicksale von Kindern ohne Eltern, die Existenz-, Kultur-, und Bildungszerstörungen, welche Israel verursachte.
„Das sind natürlich Schätzungen. Es ist natürlich unmöglich, die genaue Zahl der Toten zu kennen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Berechnung das schockierende Ausmaß dessen, was geschehen ist – und weiterhin geschieht – genau erfasst, da es immer noch direkte Todesfälle (Israel hat Berichten zufolge seit Beginn des Waffenstillstands mindestens 80 Gaza-Bewohner getötet) und indirekte Todesfälle (durch Krankheiten, Hunger und mangelnde medizinische Versorgung) gibt.“ (3)
Donziger weist darauf hin, dass natürlich die Todesrate gesunken sein könnte. Aber genauso könne man argumentieren, dass sie gestiegen ist, angesichts der fehlenden medizinischen Versorgung, der Hungersnot, der Bombardierung von Zelten statt von Mauern.
„Ich möchte hinzufügen, dass ein Grund für die hohe Zahl der zivilen Todesopfer darin liegt, dass sich Israels Militär das Recht angemaßt hat, nach dem Kriegsrecht 300 Zivilisten auf einmal zu töten, nur um einen Hamas-Kämpfer zu eliminieren, was für mich ein klarer Verstoß gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit und ein Kriegsverbrechen ist.“ (4)
Das Verhältnis 1:300 wurde im 972-Magazin berichtet (5).
Donziger äußerte die Meinung, dass der laufende Völkermordprozess in Den Haag der wichtigste seit den Nürnberger Prozessen sein wird. Speziell weil dieser Genozid durch eine Gruppe von Menschen durchgeführt wurde, die sich auf den Völkermord der Nazis berufen.
Das Erstaunlichste sei, so der Autor, wie Israels Militär alles, was es hatte, gegen die Bevölkerung Gazas einsetzte, in dem wohl intensivsten und nachhaltigsten Luftangriff der modernen Geschichte. Trotz alledem existiere die Hamas immer noch als Kampftruppe – eine Niederlage für Israels wichtigstes Kriegsziel. Das palästinensische Volk sei so widerstandsfähig wie eh und je. Das Netanjahu-Smotrich-Projekt, die Palästinenser aus dem Gebiet zu vertreiben, sei gescheitert. Aber Israel habe sich in einen Paria-Staat verwandelt.
Die „natürlichen“ Tode
Es ist aber nicht nur Unter- oder Falschernährung, Krankheiten oder Unfälle wegen fehlender Gesundheitsinfrastruktur, Morde durch Banden, die vom israelischen Militär unbehelligt bleiben, welche die Opferzahlen in Gaza immer weiter erhöhen. Es sind auch die freigelassenen Folteropfer Israels, die mit Krankenwagen oder Militärfahrzeugen schnell vor dem Ableben zurück nach Gaza gebracht werden (6). Und wie mag es erst den Gefangenen in israelischen Foltergefängnissen ergehen, welche keine Chance auf Austausch haben? Mehr dazu etwas später.
Welcher Waffenstillstand?
Wie bereits seit Wochen erkennbar, und durch Netanjahu wohl seinen extremsten Ministern versprochen worden war, entwickelt sich die „Anti-Terror-Operation“ auf der Westbank langsam zu einem 2. Gaza.
„Die israelische Veteranen-Interessengruppe ‚Breaking the Silence‘ sagt, dass Palästinenser, die sich im Westjordanland bücken, um ihre Schnürsenkel zu binden, von israelischen Streitkräften getötet werden könnten. Die Gruppe erklärte, dass dieses Protokoll im Gazastreifen gemäß den israelischen Militärregeln angewendet werde. Sie veröffentlichte das Transkript eines Gesprächs mit einem anonymen Hauptmann des israelischen Militärs, der sagte, dass die israelischen Streitkräfte im besetzten Westjordanland die Erlaubnis erhalten hätten, auf jeden zu schießen, von dem man annahm, dass er ‚auf dem Boden herumwühlte‘.“ (7)
Der Bericht erklärte, dass „messing with the ground“, (auf dem Boden herumwühlen) als Code verwendet wurde, um Palästinenser zu beschreiben, die verdächtigt wurden, Sprengstofffallen gelegt zu haben. Der Begriff wurde regelmäßig verwendet, um das Erschießen von Bewohnern zu rechtfertigen, die aber eigentlich ihren normalen Geschäften nachgegangen waren, als sie erschossen wurden. Wie allerdings erklärt wurde, dass einem 2-jährigen Kind am Esstisch seines Hauses in den Kopf geschossen wurde (8), beim Versuch, das Verlegen von Sprengstofffallen zu verhindern, blieb unklar.
Darüber hinaus wurden „Sprengstofffallen“ als Grund herangezogen, um brutal, ohne Rücksicht auf Gebäude, Autos oder Anwohner, die Straßen mit schweren Bulldozern aufzureißen und unbefahrbar zu machen. In Wirklichkeit ging es darum, die Infrastruktur zu zerstören, und durch Unbewohnbarkeit die Vertreibung der Bewohner zu erreichen.
Am 14. Februar wurde im Internet durch glaubhafte Quellen verbreitet, dass das israelische Militär bereits 40.000 Menschen in der Westbank aus ihren Häusern vertrieben hat (9). Da es dort keinen militärischen Widerstand wie in Gaza gibt, erfolgt dies viel stiller und einfacher als in Gaza. Zu den Vertriebenen gehören 20.000 Einwohner der Flüchtlingssiedlung Dschenin /Jenin, in das die Menschen vor früheren Vertreibungen Israels geflohen waren.
„Die Palästinenser in Dschenin sind seit über drei Wochen durch Vertreibung, Militärangriffe und Belagerungen schwer getroffen. Ihr wirtschaftliches und soziales Leben ist völlig lahmgelegt. Sie erleiden durch die israelische Besatzung schwere und dauerhafte psychische Schäden.“ (10)
Am 15. Februar tauchten Zahlen auf, nach denen Israel in den bis dahin verflossenen 27 Tagen des Waffenstillstandes 270 Mal gegen ihn verstoßen hatte, und mehr als 100 Palästinenser tötete (11). Aber immerhin waren es nicht die üblichen Zahlen von mehreren hundert Toten aus der Zeit vor dem Waffenstillstand (12). Die Zahlen stammten von der Hamas, da andere Quellen tunlichst vermieden, die Waffenstillstandsverletzungen zu zählen. Aber die Todesopfer waren real. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International wiederholten immer noch die längst überholten Opferzahlen der Hamas-Verwaltung, also die Zahlen, welche durch die Namen von geborgenen Opfern ermittelt werden konnte, obwohl längst Gewissheit bestand, dass hunderttausende Tote als Folge der Bombardierungen zu verzeichnen waren. Und sie weigerten sich auch im Februar, die Waffenstillstandsverletzungen zu zählen, um der Hamas nicht die Rechtfertigung zu geben, Vergeltung zu üben. Während die westlichen Medien im Wesentlichen, mit einigen Ausnahmen, berichteten, was die israelische Regierung verlautbarte oder stillschweigend duldete.
Was ist mit Nord-Gaza?
Die Ärzte ohne Grenzen schreiben zu Dschabalia: „Wir waren schon von der Zerstörung in Gaza-Stadt schockiert. Als wir dann nach Dschabalia kamen, fanden wir keine Worte mehr.“ (13)Die Notfallkoordinatorin Caroline Seguin beschreibt in einem Artikel ihre Eindrücke.
„In Gaza-Stadt waren wir schon schockiert über das Ausmaß der Zerstörung, aber als wir dann nach Norden nach Jabalia fuhren, waren wir sprachlos. Dort ist nichts mehr. Nur Ruinen und überall der Geruch des Todes, weil die Leichen immer noch unter den Trümmern gefangen sind.
2. Wie ist der Zustand des Gesundheitssystems?
Im nördlichen Teil des Gazastreifens gibt es kein Gesundheitssystem mehr. Das Kamal-Adwan-Krankenhaus wurde dem Erdboden gleichgemacht, während die Krankenhäuser Al Shifa, Al Awda und Indonesien schwer beschädigt sind und nur noch teilweise funktionieren. Wir waren zutiefst schockiert, als wir feststellten, dass in den indonesischen Krankenhäusern anscheinend jedes medizinische Gerät absichtlich zerstört wurde; sie wurden Stück für Stück in Stücke geschlagen, um sicherzustellen, dass keine medizinische Versorgung mehr möglich war. Man muss sich fragen, was die Motivation für eine solche Aktion ist? Diese Geräte wurden gebaut, um Menschenleben zu retten, Mütter, Väter, Kinder. Der Zustand dieser Krankenhäuser ist verheerend.“ (14)
Und so ging es weiter mit der Beschreibung der Zerstörung, Tötung und Verwüstung, die wir aus Gaza bereits kannten. Aber für Deutschland war es kein Grund, die Situation anders einzuschätzen. Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte: „Ich lasse mich auf diese Debatte nicht ein, weil ich die juristische Einschätzung habe, dass das eine falsche Beurteilung wäre. Es macht gar keinen Sinn sich damit zu befassen [...] Der Völkermord-Vorwurf ist absurd".(15)
Im Libanon hat die IDF entgegen der Waffenstillstandsvereinbarung mindestens 64 Wohnhäuser gesprengt und in dem Gebiet permanente militärische Infrastruktur errichtet (16).
Aber auch im Süden weitet sich Israel aus, wie Al Jazeera Mitte Februar berichtet:
„Der Grenzübergang zwischen Ägypten und Gaza bei Rafah, der jahrzehntelang eine wichtige Lebensader in die Enklave war, wurde im Mai 2024 von Israel geschlossen. Seit Israel die Kontrolle über das Grenzgebiet übernommen hat und damit gegen sein Friedensabkommen mit Ägypten aus dem Jahr 1979 verstößt, gräbt es sich im Philadelphi-Korridor ein, einem 14 km langen Landstreifen entlang der Grenze zwischen Ägypten und Gaza. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat betont, wie wichtig es sei, trotz der Illegalität im Korridor zu bleiben. Laut Sanad zeigen die zwischen dem 19. und 21. Januar aufgenommenen Bilder, dass die israelische Armee Sandbefestigungen über den Grenzübergang Rafah gebaut hat. Darüber hinaus, so die Agentur, sei nördlich des Grenzübergangs ein neuer Militäraußenposten errichtet worden.
Die Armee hat außerdem eine 1,7 km lange Straße um den Grenzübergang herum gebaut, die parallel zu den Sandbefestigungen verläuft. Die israelischen Streitkräfte haben außerdem Tausende Bewohner von Rafah davon abgehalten, zurück in ihre Häuser zu gehen. Israelische Militärfahrzeuge haben auf Dutzende von Menschen geschossen, die versuchten, nach Hause zu gehen, und sie dabei verletzt oder getötet.“ (17)
Geiselaustausch
Was man im Februar 2025 auch nicht in westlichen Medien las, war die Tatsache, dass 333 der 369 freigelassenen Palästinenser, welche auf Grund des Geiselaustauschs frei kamen, ohne Anklage in so genannter „Verwaltungshaft“ oder besser „Vorbeugehaft“ waren, und zum großen Teil in dieser Zeit heftig gefoltert und unterernährt wurden. Manche davon länger als 16 Monate (18). Aber im Westen kursierten Berichte über „Schwerverbrecher“ und „Mörder“, die als „Gefangene“ Israels frei kamen, während es auf der anderen Seite „Mädchen“ und „Geiseln“ seien (auch wenn es Soldatinnen waren), die von den „Terroristen“ freigelassen wurden. Aber jeder Vergleich des Zustandes der Freigelassenen wurde tunlichst vermieden. Denn während die „Geiseln“ wohl genährt, sauber und auch geistig gesund zurückkehrten, soweit sie nicht durch die Bomben und Schüsse Israels getötet worden waren, erschreckten die „Gefangenen“ aus den Foltergefängnissen durch deutliche Zeichen von physischer und psychischer Folter (19).
Der Konflikt zwischen Israel und Palästina begann nicht am 7. Oktober 2023, wie man uns erzählt. Beweis ist die Freilassung eines Palästinensers, der, physisch und psychisch zerstört, auf einer Trage zum Austausch gebracht werden musste, nachdem er 23 Jahre in israelischen Foltergefängnissen verbracht hatte (20). Musa Sarahneh, ein palästinensischer Gefangener aus Ost-Jerusalem, wurde während der zweiten Intifada (Anfang der 2000er Jahre) festgenommen und zu einer lebenslangen Haftstrafe plus 20 Jahren verurteilt. Die israelischen Behörden warfen ihm vor, an einer Reihe von Anschlägen beteiligt gewesen zu sein, die während dieses Konflikts stattfanden. Konkrete Details zu den genauen Anklagepunkten sind in öffentlich zugänglichen Informationen jedoch vage oder nicht vollständig dokumentiert, was typisch für viele Fälle palästinensischer Gefangener ist, insbesondere wenn sie unter Sicherheitsvorwürfen inhaftiert wurden. … Während Verantwortliche für Terroranschläge mit vielen Opfern, die zur Gründung Israels führten, Ministerpräsidenten wurden.
Im Rahmen der ersten Phase des Waffenstillstandes hatte sich Israel verpflichtet, 60.000 Notunterkünfte nach Gaza bringen zu lassen. Aber sie stauten sich auf der Seite Ägyptens, weil sich Israel weigerte, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Kein einziger der Container war bis zum 17. Februar durch die Blockade Gazas gelassen worden (21). Und in Nablus schossen Besatzungskräfte Israels auf palästinensische Kinder, welche die Schule verließen (22). Aber natürlich war das alles nur eine Auswahl der Kriegsverbrechen Israels. Eine komplette Liste würde den Rahmen dieses Formates weit sprengen. Ich kann hier nur ab und zu Beispiele zeigen, wie Israel Zivilisten, die oft willkürlich festgenommen werden gefoltert wurden (23), und sie vergleichen mit der Erscheinung, welche freigelassene „Geiseln“ der Hamas abgeben (24).
Verfolgung der Täter
Im Februar 2025 verstärkten sich Berichte darüber, wie Aktivisten in der ganzen Welt versuchten, israelische Kriegsverbrecher durch die lokalen Behörden zur Rechenschaft zu ziehen. Über die in einem in Mintpress genannten Organisationen hatte ich schon berichtet.
Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Länder, welche dem Internationalen Strafgerichtshof beigetreten waren, sich rechtlich verpflichtet sahen, die Haftbefehle auszuführen, welche der IStGH am 21. November 2024 gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ehemaligen israelischen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen ausgestellt hatte. Aber offensichtlich waren sich EU-Länder uneinig darüber, ob diese Verpflichtung für sie gültig war. Schließlich betraf ein Haftbefehl zum ersten Mal einen von „Ihnen“.
„Laut Just Security, einer Online-Publikation mit Schwerpunkt auf nationaler Sicherheit, haben über 30 der 125 Länder, die dem ICC beigetreten sind, versprochen, sich an die Entscheidung des Gerichts zu halten, darunter Kanada, Großbritannien, Chile, Jordanien und Südafrika. Mittlerweile haben 13 Länder, die ebenfalls Unterzeichner des ICC sind, angekündigt, dass sie sich nicht an die Anordnungen halten werden, sich nicht zur Aufrechterhaltung der Haftbefehle verpflichtet haben oder Kritik an der Entscheidung des ICC geäußert haben, darunter China [Anmerkung: China ist kein Vertragsland des IStGH], Australien, Italien, Schweden, Argentinien, Ungarn und Österreich.
Einige Länder haben kürzlich auch ihre Position geändert, wie etwa Deutschland, das seine Haltung von der Annahme, dass es den Haftbefehlen nicht nachkommen werde, zu der Aussage änderte, dass es sich nun an das Gesetz halten werde. Auf der anderen Seite deutete Frankreich an, dass es Netanyahu möglicherweise nicht verhaften werde, da er Immunität genieße, da Israel keine Vertragspartei des ICC sei.“ (25)
Frankreich erklärte, dass Netanjahu und relevante Minister wegen ihrer Tätigkeit Immunität genießen würden. Die USA, die nicht dem ICC beitreten und Israels Krieg gegen Gaza weitgehend finanzierten, hatten das Gericht zu Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump mit Sanktionen belegt – unter Berufung auf Haftbefehle gegen Netanyahu und Gallant. Natürlich waren die Sanktionen hinderlich, und solche Sanktionen hatten schon einmal den IStGH davon abgehalten, vermutliche Kriegsverbrechen der USA in Afghanistan und dem Irak aufzuarbeiten.
Aber die Urteile der internationalen Gerichte waren eindeutig. Und die Nichtbeachtung, so musste man vermuten, würden die gesamte Nachkriegsordnung zerstören. Schließlich hatte der Internationale Gerichtshof (IGH oder ICJ) am 19. Juli entschieden, dass Israels Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlands, einschließlich Ostjerusalems, rechtswidrig war und „so schnell wie möglich“ beendet werden muss.
Der Artikel weist darauf hin, dass das Gericht auch entschied, dass Israel alle neuen Siedlungsaktivitäten einstellen und den Palästinensern Reparationen zahlen muss, und bestätigte, dass die israelische Politik in den besetzten palästinensischen Gebieten Apartheid gleichkam. Einzelheiten hatte ich schon früher berichtet.
Es dauerte bis zum 3. Februar, so erklärten die Autoren, bis das Urteil dazu führte, dass im Brüsseler Regionalparlament eine Entschließung für ein Waffenembargo und Handelsbeschränkungen angenommen wurde. Aber sie musste noch von der EU-Kommission, dem „Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik“ und der belgischen Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden. Was noch Monate oder Jahre dauern konnte, und aufzeigte, inwieweit die regionalen und nationalen Regierungen bereits ihre Souveränität an Institutionen abgegeben hatten, auf welche die Wähler kaum noch Einfluss ausüben können.
„Ebenfalls als Reaktion auf das Urteil des IGH beschloss Irland, sein Gesetz über besetzte Gebiete wiederzubeleben, das den Handel zwischen dem Land und israelischen Siedlungen in den besetzten Territorien unter Strafe stellt. Das Gesetz wurde 2018 eingebracht, ist jedoch aufgrund von Behauptungen ins Stocken geraten, es verstoße gegen das EU-Handelsrecht, dem Irland als EU-Mitgliedsstaat verpflichtet ist. Sowohl Irland als auch Belgien sind Vertragsstaaten des ICC und haben erklärt, dass sie den Haftbefehlen des ICC gegen Netanyahu und Gallant nachkommen werden.“ (26)
In den Niederlanden, so die weitere Auflistung von Maßnahmen gegen den Völkermord in dem Artikel, verklagte eine Koalition palästinensischer und niederländischer zivilgesellschaftlicher Gruppen den Staat im Oktober 2024 wegen Nichtverhinderung eines Völkermords, wozu die Niederlande als Unterzeichner der Völkermordkonvention rechtlich verpflichtet sind.
Und schließlich wurde über die Gründung einer Gruppe von Ländern am 31. Januar 2025 berichtet. Sie nannte sich Haager Gruppe, und war eine internationale Allianz, die sich dafür einsetzte, Israel nach internationalem Recht zur Rechenschaft zu ziehen. Die Gründungsmitglieder waren Belize, Bolivien, Kolumbien, Kuba, Honduras, Malaysia, Namibia, Senegal und Südafrika. Wie man sieht kein einziger Kolonialstaat, der anderen Ländern gerne erklärt, was Völkerrecht und Menschenrechte sind.
Hier endet das Format des PodCast. Mehr über die Bemühungen, Täter wegen Kriegsverbrechen in Gaza zur Verantwortung zu ziehen im Anhang. Dort findet man auch die Übersetzung eines bewegenden Berichtes, was es bedeutet, wenn die Nachricht kommt: In 6 Minuten bombardieren wir dein Haus.
Anhang
Das bis dahin vielleicht wichtigste Ergebnis der nichtstaatlichen Bemühungen, vermutete Kriegsverbrecher wegen Gaza zur Rechenschaft zu ziehen, war, dass mögliche israelische Kriegsverbrecher begannen, Angst vor Strafverfolgung zu entwickeln. Etwas vollkommen Neues für Kolonisten.
„Menschen, die von Israel aus Kriegsverbrechen begangen haben, haben Angst. (…) Wir haben sie buchstäblich auf die Flucht geschickt, was bisher nicht der Fall war. Fußsoldaten, Korporale und Hauptleute usw. dachten immer, sie könnten weiterhin in Europa und anderen exotischen Orten Urlaub machen, aber das können sie nicht mehr. Und ich glaube, sie wachen auf und erkennen, dass sie überall, wo sie sind, legal verfolgt werden.“— Haroon Raza.(27)
Interessant würde vermutlich noch werden, ob man denn den Knesset-Sprecher und Likud-Abgeordneten Nissim Vaturi zur Verantwortung ziehen wird, der erklärte, dass Gaza „voller Terroristen“ sei und jedes neugeborene Kind dort „schon ein Terrorist“, und deshalb einen Atombombenabwurf auf Gaza gefordert hatte (28).
Am 16. Februar wurde bekannt, dass Anwälte der HindRajabFoundation vor dem Besuch von Israels Außenminister Gideon Sa’ar in Brüssel eine Anzeige beim Internationalen Strafgerichtshof und einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt hatten. Sa’ar war neben Netanyahu Mittäter und verantwortlich für Massenvertreibung, Hunger und Verfolgung von Palästinensern. Er wollte Brüssel am 18. Februar besuchen.
„Sa’ar, ein hochrangiges Mitglied der Regierung Netanjahus und eine Schlüsselfigur in Israels Entscheidungsprozessen, hat eine zentrale Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung von Maßnahmen gespielt, die zu Massenvertreibungen, Kollektivstrafen und systematischen Angriffen auf palästinensische Zivilisten geführt haben. Seine öffentlichen Äußerungen und politischen Befürwortungen deuten auf eine direkte und indirekte Beteiligung an diesen Verbrechen sowie auf Anstiftung zur Gewalt und Behinderung internationaler Justizmechanismen hin.“ (29)
Man konnte erwarten, dass der IStGH nicht so schnell reagieren werde, sondern bewusst den Besuch verstreichen ließ. Aber von der HindRajabFoundation war bekannt, dass sie auch die lokale Justiz in solchen Fällen einschaltete. Die Frage war, ob die Regierung Belgiens der Justiz mit dem üblichen Verweis auf „Immunität von hochrangigen Regierungsbeamten eines Staates“ eine Verfolgung erlauben wird. Die Einzelheiten der Vorwürfe gegen Gideon Sa’ar wurden auf der Internetseite zusammen gefasst (30). Die Überschriften der Kapitel lauteten:
- Kriegsverbrechen nach Artikel 8 des Römischen Statuts: 1. Kollektive Bestrafung und Vertreibung unter Zwang; 2. Hunger als Kriegswaffe.
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Artikel 7 des Römischen Statuts): 1. Verfolgung und systematische Unterdrückung.
- Mittäterschaft bei Netanjahu und Präzedenzfälle des ICC
Der Minister war erst vor drei Monaten in das Kabinett eingetreten. Also, rein administrativ gesehen, „nur“ mitverantwortlich für die letzten drei Monate der „Behandlung“ Gazas. Egal ob erfolgreich oder nicht, waren solche Aktionen wichtig, um der Welt zu zeigen, dass Völkermorde nicht MEHR ungestraft bleiben werden. Es gab dem existierenden System eine Chance zu überleben oder zumindest seine Existenz zu verlängern.
Du hast sechs Minuten!
Vor den Bomben auf schlafende Palästinenser in Zelten, lobte sich die IDF als die moralischste Armee der Welt, wenn man unter 300 zu tötenden Zivilisten einen Kämpfer VERMUTETE, weil die IDF ja angeblich die Menschen vor den Zerstörungen ihrer Häuser warnen würde. Was tatsächlich auch öfter passierte. Wie solche Warnungen aussahen, beschrieb Roaa Shamallakh in einem Artikel in The Electronic Intifada eindrucksvoll. Daher hier eine Übersetzung:
„Was würden Sie packen, wenn Sie sechs Minuten Zeit hätten, alles aufzugeben, was Sie je aufgebaut haben? In Gaza sind sechs Minuten keine Zeit – es ist ein grausames Ultimatum. Sechs Minuten reichen nicht zum Trauern, Nachdenken oder gar Atmen. Die Luft draußen war erstickend, schwer von Rauch und dem Gestank der Zerstörung. Der Boden unter meinen Füßen bebte mit jeder Bombe, die fiel.
Die F-16 dröhnten mit ihren ohrenbetäubenden Motoren über mir. Mein Zuhause, mein Zufluchtsort, bebte heftig, als wüsste es, dass sein Ende nahe war. „Sie haben sechs Minuten. Packen Sie Ihre Sachen. Laufen Sie.“ Die Worte hallten nicht nur durch den Raum; sie schnitten durch mich wie eine Klinge und hinterließen nur Panik.
Sechs Minuten. Das war alles, was ich hatte.
Sechs Minuten, um zu entscheiden, welche Fragmente meines Lebens mir folgen würden – und welche zurückbleiben würden, um zu verbrennen. Ich erstarrte. Mein Zimmer, mein Zufluchtsort, gehörte nicht mehr mir. Die Bücherregale standen ernst an der Wand, die Bücher darauf aufgereiht wie Soldaten. Das waren nicht einfach nur Bücher; es waren Lebensadern. Manche hatten mich durch die dunkelsten Nächte der Belagerung getragen, während andere geduldig gewartet hatten, ihre Geschichten ungeöffnet, und eine Zukunft versprachen, die jetzt unmöglich schien. Meine Hand zitterte, als ich verzweifelt danach griff, auch nur eines zu retten. Aber wie rettet man eine Bibliothek in sechs Minuten? Wie trägt man die Welten, die man aufgebaut hat, wenn die eigene auseinandergerissen wird?
Zwei
Ich riss meinen Blick los und wandte mich meinem Schreibtisch zu, wo meine gelben und rosa Haftnotizen sich an den Rändern wie sterbende Blätter kräuselten. Stipendienfristen. Forschungsideen. Erinnerungen, mich für einen Master in Literatur zu bewerben. Jede Notiz war ein Schritt in Richtung des Lebens, das ich mir vorgestellt hatte; ein Leben voller Poesie und Prosa. Aber Versprechen passen nicht in einen Rucksack. Träume überleben das Feuer nicht.
Drei
Mein Blick fiel auf meinen Laptop. Er war für mich nicht nur ein Gerät, er war eine weitere Lebensader. Darin befanden sich die Teile eines Lebens, das ich aufgebaut hatte: Essays, in die ich mich mit aller Kraft gestürzt hatte, Entwürfe nicht abgeschickter Bewerbungen und Geschichten, die ich eines Tages fertigstellen wollte. Ich griff gedankenlos danach und schob ihn in die Tasche, als könnte ich meine Zukunft irgendwie mit mir tragen. Daneben lagen meine Papiere – meine Geburts- und Schulzeugnisse und Ausweisdokumente. Dünne, zerbrechliche Seiten, aber sie trugen die Last meiner Existenz. Ohne sie würde ich nicht nur mein Zuhause verlieren, sondern auch meinen Platz in der Welt. Meine Hände bewegten sich schnell und stopften sie in die Tasche. Als ich diese Dinge hineinlegte, fühlte es sich an, als würde ich meine Zukunft mit bloßen Händen in einem Sarg begraben. Ich schnappte mir eine Jacke von der Stuhllehne, das erste Kleidungsstück in Reichweite. Es war nicht genug – das wusste ich. Die Sekunden tickten in meinem Kopf lauter, als sich die Tasche schwerer anfühlte. Der Raum schien, obwohl unverändert, kleiner und erdrückender zu werden.
Vier
Eine Welle der Panik stieg auf, als die Minuten verstrichen. Ich drehte mich wieder zu meinem Schreibtisch um und schnappte mir die nächste Flasche Wasser und eine kleine Tüte Datteln. Die Absurdität traf mich wie ein Schlag in die Brust. Datteln und Wasser gegen Bomben und Panzer. Aber Überleben lässt keine Logik zu. Man nimmt, was man kriegen kann, auch wenn man weiß, dass es nie genug sein wird. Die Datteln fühlten sich leicht an, zu leicht. Es war, als würde ihre Schwerelosigkeit die Vergeblichkeit meiner Bemühungen verspotten.
Fünf
Ich schloss die Tüte, aber meine Bewegungen fühlten sich langsam an, als wäre die Last der Trauer in meine Glieder gesickert. Mein Blick schweifte ein letztes Mal durch den Raum. Die Bücherregale starrten zurück und beschuldigten mich des Verrats. Die Haftnotizen, die sich an ihren Rändern kräuselten, schienen von Zukünften zu flüstern, die ich nie erreichen würde. Die Luft wurde mit jeder Sekunde schwerer. Die Wände meines Zimmers schienen Staub und Bruchstücke von sich abzuschütteln, als würden auch sie um das trauern, was bald zu Asche werden würde. Ich ließ meine Finger über die Kratzer auf meinem Schreibtisch gleiten, Spuren, die in jahrelangem rastlosen Lernen entstanden waren. Dieser Schreibtisch hatte meine Träume getragen, das Gewicht meiner Bücher getragen und war Zeuge der zahllosen Nächte gewesen, in denen ich mir ein Leben weit jenseits der Mauern von Gaza vorgestellt hatte. Jetzt war er nur noch ein weiteres Ding, das ich nicht retten konnte. Das Haus selbst schien lebendig, es zog an mir, flehte mich an zu bleiben, an einem Leben festzuhalten, das mir durch die Finger glitt. Aber ich konnte nicht. Es war keine Zeit mehr.
Sechs
Die letzten Sekunden waren erstickend. Die Wände um mich herum schienen unter der Last ihres eigenen Einsturzes zu zittern. Der Raum war schwer von Staub, Asche und Stille – nur unterbrochen vom fernen Dröhnen der Flugzeuge und dem Schreien fallender Bomben. Ich zog mir die Tasche über die Schultern. Es fühlte sich nicht wie Erlösung an, es fühlte sich wie eine Niederlage an. Darin befanden sich Bruchstücke eines Lebens – Papiere, ein Laptop, Daten, Wasser, eine Jacke. Das Gewicht war nichts im Vergleich zu dem, was ich zurückgelassen hatte. Meine Bücher, meine Fotos, die Träume, die ich auf Haftnotizen gekritzelt hatte, und die vielen Tagebücher. Sie waren immer noch hier, den Flammen des Feuers überlassen, das auf uns zukam.
Dies war mein Zimmer, mein Zuhause, der einzige Ort, an dem ich jemals wirklich ich selbst gewesen war. Und jetzt ging ich davon weg, wissend, dass ich ihn nie wiedersehen würde. Ich erreichte die Tür. Meine Hand berührte den Rahmen. Ich wollte mich nur für eine Sekunde umdrehen, um meinen Augen ein letztes Bild von allem zu geben, was wichtig war. Aber ich tat es nicht. Ich konnte nicht. Der Blick zurück würde mich auf eine Weise brechen, die ich nicht überleben könnte. Also ging ich hinaus und ließ einen Raum voller Erinnerungen und Träume zurück, die bald zu Asche werden würden. Sechs Minuten. Mehr brauchte es nicht, um ein ganzes Leben zu Staub zu machen. (…)
Es sind nicht nur die Dinge, die ich zurückgelassen habe; es ist die Stille des darauf folgenden Verlusts. Eine schwere Stille durchdringt alles, was ich tue, jede Ecke meines neuen, seltsamen Zimmers, in dem sich nichts wie meins anfühlt. Diese Art von Qual ist eine andere Art von Pein, eine, die aus den grausamen Folgen des Überlebens entsteht. Sie übertönt die Explosionen, schneidet tiefer als in dem Moment, in dem ich mich umdrehte, und erfüllt jeden Atemzug mit der Last dessen, was nie wiedergewonnen werden kann.
So sehen sechs Minuten Flucht ums Überleben während eines Völkermords aus:
Eins
Du erstarrst, gefangen zwischen dem Leben, das du aufgebaut hast, und dem, das du im Begriff bist zu verlieren.
Zwei
Du greifst nach etwas, aber die Last von allem drückt dich nieder. Einen Moment lang kannst du dich nicht bewegen.
Drei
Du schluckst deinen Kummer hinunter, obwohl er dir im Hals brennt, weil du weißt, dass du keine Zeit hast, ihn zu fühlen.
Vier
Du hörst die Wände stöhnen, als wären sie lebendig und trauern mit dir.
Fünf
Du gehst, ohne zurückzublicken, denn ein Blick zurück würde dich brechen.
Sechs
Und für den Rest deines Lebens trägst du diese sechs Minuten mit dir, eingebrannt in deine Seele, schwerer als jede Last, die du dir je hättest vorstellen können.
Seneca, ein Philosoph des antiken Roms, schrieb einst: ‚Was gibt es für einen Grund, über Teile des Lebens zu weinen? Das Ganze verlangt nach Tränen.‘ Aber wie weint man um ein Leben, das nicht mehr existiert? Wie trauert man um ein Zuhause, das in Schutt und Asche liegt? Die Tränen fallen, ja, aber sie sind hohl, verloren in der Leere von allem, was genommen wurde. Sie können die Bücher, die zum Verbrennen zurückgelassen wurden, oder die Wände, die ein Leben voller Träume beherbergten, nicht zurückbringen. Der Völkermord nahm alles – Bücher, Fotos, Erinnerungen – und hinterließ nur die erstickende Leere der Abwesenheit.
Das Leben, das ich kannte, löste sich in sechs unerbittlichen Minuten auf, und was bleibt, ist eine eindringliche Stille. Ich lebe jetzt in diesen Minuten, gefangen in der schmerzlichen Freude der Erinnerung an ein altes Leben, das nicht mehr existiert.“(31)
Bilder von vor und nach der Zerstörung sieht man auf der Internetseite.
Quellen und Anmerkungen
[1] https://stevendonziger.substack.com/p/shock-israel-has-killed-at-least
[2] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01169-3/fulltext
[3] https://stevendonziger.substack.com/p/shock-israel-has-killed-at-least
[4] Ebd.
[5] https://www.972mag.com/tunnels-hamas-lethal-gas-bombs-gaza/
[6] https://x.com/brucknerianer/status/1890875114041770286
[7] https://x.com/QudsNen/status/1890329775270465597
[8] https://x.com/jochen_mitschka/status/1890324682701697325
[9] https://x.com/jvplive/status/1890120545817211286
[10] https://x.com/jvplive/status/1890120549059424758 Quelle: Jung & Naiv, Folge 754 mit Kanzler Olaf Scholz
[11] https://x.com/ju_khatib/status/1890850238287511902
[12] https://x.com/ju_khatib/status/1890850238287511902
[13] https://x.com/MSF/status/1890321330719060360
[14] https://www.msf.org/four-questions-about-north-gaza
[15] https://x.com/TiloJung/status/1890384902719435173
[16] https://x.com/Jakob_Reimann/status/1890750175892639917
[17] https://www.aljazeera.com/news/2025/2/15/despite-ceasefire-israel-still-destroying-homes-in-gaza
[18] https://x.com/swilkinsonbc/status/1890785767028392402
[19] https://x.com/Partisan_12/status/1890785640524267592
[20] https://x.com/brucknerianer/status/1890847961816441092
[21] https://x.com/SaulStaniforth/status/1891378559161118810
[22] https://x.com/Melaniebelizi/status/1891243029593289180
[23] https://x.com/QudsNen/status/1891243806260941308
[24] https://x.com/mustafa6634acer/status/1891406289600758161
[25] https://www.mintpressnews.com/pariah-state-israeli-soldiers-face-arrests-and-travel-bans-worldwide/289081/
[26] Ebd.
[27] Ebd. Die Aussage stammt von einem Anwalt der Organisation The Hind Rajab Foundation.
[28] https://x.com/RyanRozbiani/status/1890929090846486651
[29] https://www.hindrajabfoundation.org/perpetrators/hind-rajab-foundation-files-icc-complaint-against-israeli-foreign-minister-gideon-saar-ahead-of-brussels-visit
[30] Ebd.
[31] https://electronicintifada.net/content/six-minutes-flee/50378
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Bildquelle: Anas-Mohammed / shutterstock
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