Intellektuelle für Krieg

Offenes NATO-Bekenntnis

Ein Meinungsbeitrag von Uli Gellermann.

Sie machen sich Sorgen, die 70 Intellektuellen, die mit einem offenen Brief Waffen und Geld für die Ukraine fordern. Ihre Sorgen gipfeln in diesem Satz: „Gelänge es Putin, die Ukraine in den Zusammenbruch zu treiben, gerieten auch die europäische Sicherheitsordnung, die Europäische Union und das transatlantische Bündnis ins Wanken.“ Das ‚transatlantische Bündnis‘ heißt im Klartext NATO.

Blutspur: Jugoslawien, Afghanistan, Libyen

Dieses US-Bündnis hat in Jugoslawien gewütet, seine Blutspur durch Afghanistan gezogen und in Libyen zerbombt, was zu zerbomben war. Wenn dieses Bündnis ins Wanken geriete, könnten die Völker hoffen, dass es fiele und aufatmen. Vor diesem freien Atmen wollen uns der Lobbyist der Rüstungsindustrie und Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger, die Trägerin des ukrainischen „Ordens der Fürstin Olga“ Marieluise Beck und der CSU-Parteitags-Sänger Wolf Biermann mit einem Spendenaufruf bewahren. Dass die Spenden und die Waffen solchen ukrainischen Nazi-Formationen wie dem Asow-Bataillon zugute kämen? Ist doch dieser Sorte von Intellektuellen egal.

Leutheusser-Schnarrenberger & Ruprecht Polenz

Unter Intellektuellen werden gern Menschen verstanden, die kraft ihrer Bildung und ihrer Kompetenz öffentlich Position beziehen. Jean Paul Sartre galt als ein Musterbeispiel eines Intellektuellen. Sicher zählt Elfriede Jelinek dazu und Kurt Tucholsky war die polemische Inkarnation des intellektuellen Literaten. Viele von ihnen wurden als „links“ eingeordnet, häufig standen sie in Opposition zum herrschenden System. Schon mit der Brief-Unterzeichnerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die sich wesentlich als FDP-Funktionärin einen Namen gemacht hat, wird klar, dass es solche und solcherlei Intellektuelle gibt. Der Unterzeichner Ruprecht Polenz, ein altgedienter CDU-Funktionär, macht die Beliebigkeit des Begriffs „Intellektueller“ deutlich.

Impf-Arm in die Kamera

Die früher rebellischen „Toten Hosen“ haben für das Spritzen mit den Corona-Präparaten geworben, Niedecken von BAP hielt demonstrativ den Impf-Arm in die Kamera, Konstantin Wecker diffamierte „Querdenker“ als rechts offen: Was einst oppositionell war, hat sich brav dem Regierungskurs untergeordnet. Weite Teile der deutschen Linken in und außerhalb der Parlamente ist bis zur Kenntlichkeit regierungsfähig: Man trägt wieder Staat. Alle Gewalt geht von den Medien aus, das Volk kommt nicht mehr vor. Intellektuelle wollen meist führen, aber wenn das Volk sich, wie in der Grundrechtebewegung, selbstständig macht, sind sie von ihm schwer enttäuscht. Ein neues Volk haben sie noch nicht gefunden, das überlassen sie lieber der AfD.

Der Wähler erkennt die Absicht

Die einzig erkennbare parlamentarische Opposition ist eben jene AfD, deren NATO-Nähe und Wirtschaftsliberalität sie natürlich nicht fundamental werden lässt. Das Parlament kann als Lautsprecher, als Verstärker genutzt werden. Und die AfD nutzt die Bühne. Bei der letzten Umfrage des Insa-Sonntagstrends bekommt die LINKE 5 Prozent, die AfD 15 Prozent. Von der erhabenen Position des Ministerpräsidenten aus hat sich der Thüringer LINKE Bodo Ramelow brav für Waffenlieferungen in die Ukraine ausgesprochen. Ähnlichkeiten zur SPD-GRÜNE-FDP-Regierungs-Koalition sind im Aufruf nicht zufällig. Der Wähler erkennt die Absicht und ist verstimmt.

Ungeimpfte als Zielgruppe

Auf Demonstrationen der „Querdenker“ kann man das Transparent „Hände weg von Russland“ einträchtig neben der Forderung „Weg mit der Corona-Diktatur“ sehen. Aber neben dem mächtigen Propaganda-Druck gegen alternative Meinungen ist die Bewegung durch ihre eigene mangelnde Organisation behindert: Man liebt die Spontaneität und hält zu viel Organisation für undemokratisch. In den aktuellen Umfragen gibt es die Partei „Die Basis“, die der Grundrechte-Bewegung nahesteht, nur unter „Sonstige“. Eine ältere Umfrage sah viele Ungeimpfte unter den Wählern der BASIS. Immerhin gab es im Januar 2022 in Deutschland noch rund 21,2 Millionen Ungeimpfte. Wenn es eine handlungsfähige Struktur der BASIS gibt, sollte sie die Ungeimpften als Zielgruppe begreifen.

Eroberung der Medienmacht

Vor allem im Netz finden sich alternative Medien aller Art. Von den legendären „Nachdenkseiten“ über den starken Sender RTDeutsch bis hin zu den Erben von KenFM. Ihr Einfluss ist nur messbar in der Angst der Konkurrenz, bis hin zum Verbot. Erkennbar ist, dass die schöne Vielfalt noch nicht zu einer größeren Kraft geführt hat. Ein Start zur Eroberung der Medienmacht wäre eine alternative Presseagentur: Bisher ist die Herrschaft von DPA & Co. so ungebrochen, dass die Suchzeile „Aufruf von 70 Intellektuellen“ über sieben Millionen Treffer erreichte. Als ob mehr dahinter stecken würde als die Grüne Parteistiftung.

+++

Dieser Beitrag wurde zuerst am 29.11.2022 auf dem Portal Rationalgalerie veröffentlicht.

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bildquelle: Markus Wissmann / shutterstock

+++
Apolut ist auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommen Sie zu den Stores von Apple und Huawei. Hier der Link: https://apolut.net/app/

Die apolut-App steht auch zum Download (als sogenannte Standalone- oder APK-App) auf unserer Homepage zur Verfügung. Mit diesem Link können Sie die App auf Ihr Smartphone herunterladen: https://apolut.net/apolut_app.apk

+++
Abonnieren Sie jetzt den apolut-Newsletter: https://apolut.net/newsletter/

+++
Ihnen gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie hier: https://apolut.net/unterstuetzen/

+++
Unterstützung für apolut kann auch als Kleidung getragen werden! Hier der Link zu unserem Fan-Shop: https://harlekinshop.com/pages/apolut

Auch interessant...

Kommentare (11)

11 Kommentare zu: “Intellektuelle für Krieg

  1. Kurt Arab sagt:

    Claus Leggewie auch einer dieser 70 Intellektuellen – wieder so eine Enttäuschung.

    Mich wundert allerdings, dass Sie Elfriede Jelinek in einem Satz mit Sartre und Tucholsky erwähnen. Heinrich Heine hätte da besser gestanden. Als frische Nobelpreisträgerin schrieb Jelinek in der WELT einen Artikel, der nur so triefte von der Weltsicht der Herrschenden. Wahrscheinlich war sie sich dessen gar nicht bewusst, sie verarbeitete gerade den Schock der feigen Ermordung ihres Kollegen Theo van Gogh. Sie merkte nicht, dass ihre Meinung gerade gebraucht wurde für den NATO-Feldzug in Afghanistan, Irak, Libanon, Libyen, Syrien, Jemen, Iran, für die Erschaffung des "Neuen Nahen Ostens" (Simon Peres, Condoleezza Rice et al) . Mit ihren apodiktischen Worten "Kunst darf alles. Absolut alles." machte sie den Kriegstreibern die Kunst zur freien Verfügungsmasse. Und sie verfügten darüber genauso wie sie es all die Jahrhunderte mit der Religion zu tun pflegten.

    "Kunst darf alles. Absolut alles." Solche Egomanie und Selbstverliebtheit lässt sich prima benützen. Gerade Intellektuelle, Künstler und Prediger werden von der Macht gebraucht und werden zu ihren Opfern. Nicht umsonst haben Jesus und Johannes, der Täufer, sie als Otterngezücht und Schlangenbrut beschimpft. Bei so viel Bühne, Auszeichnungen, Publizität fällt es schwer, klaren Kopf zu behalten und ihre Spiele zu durchschauen.

  2. Norbert sagt:

    Vielleicht haben "Intellektuelle" das Problem der Spezialisierung. Das System fordert das Expertentum auf EINEM Gebiet. (Um eine "Karriere" zu ermöglichen!) Könnte es sein, dass da das ganzheitliche Denken auf der Strecke bleibt?
    Wie können aber Experten in dieser komplexen Welt ohne Ganzheitliches Sehen Intellektuelle sein, oder bleiben oder werden?

  3. Kostas sagt:

    Das sind sicher keine Intellektuelle, den in Deutschland sind sie mit der Luppe zu suchen.. Mitläufer sind das wir frueher

  4. Ibex sagt:

    (Zitat): . . . . . Oder wäre dann …
    … zb Zeit und Raum für Selbstverantwortung? (Ende des Zitates)

    Etwa auf der Basis von Anarchie ( Ablehnung jedweder Obrigkeit) ? – –

    Die Abgespritzten sind damit komplett überfordert. – Andere , eine Minderheit also, wären auf eine intensive Klausur incl. "Gedankensturm" angewiesen. – Glück auf.

    • rhabarbeer sagt:

      Hallo Ibex

      danke für das Zitieren ;)
      `Die … sind damit komplett überfordert.` … würde ich nicht so hart formulieren, eher im Status Quo abgelenkt ;)

      Denke, es waren Immer `Minderheiten`, die von `neuen` Horizonten oder Perspektiven sprachen … ;)

      Brainstorming … jup … ein Aufruf an jede `Eigene Nase` … Core ON! …aah
      zb
      https://cryptpad.fr/pad/#/2/pad/view/A5sES3+8lRGwbNAjCOCrEcHKnNFqqIBY+beyWrAemhM/

      … und viele Grüße in die Runde

  5. rhabarbeer sagt:

    Lieber Uli Gellermann

    wiederum Danke für die Essenzen!

    Zu
    "Die einzig erkennbare parlamentarische Opposition ist eben jene AfD, deren NATO-Nähe und Wirtschaftsliberalität sie natürlich nicht fundamental werden lässt. "
    möchte ich verständnishalber aus meiner Sicht etwas päzisieren:

    jene AfD, ist, eben ua wegen derer NATO-Nähe und Wirtschafts- und Finanzsystemsliberalität natürlich nicht fundamental bzw. wesentlich und schon gar keine Opposition!

    Sondern …?
    …eine `geficXt eingeschädelte Wahlteilnehmersicherungshypothek` ;)

    `Als ob mehr dahinter stecken würde als …` … jup.
    … oder eben im Kern doch nur `recht wenig` ?

    …und viele Grüße in die Runde

  6. Bundespräsident Steinmeier hat sich nun gegen einen Waffenstillstand, d.h. gegen eine Beendigung des Blutvergießens in der Ukraine ausgesprochen.

    Naja, gegen die Impfpflicht, d.h. gegen die Pflicht zu Russisch Roulette hat er sich ja auch seinerzeit auch nicht ausgesprochen.

    *: Quelle: News 360, „Deutschland hält die Option eines Waffenstillstands in der Ukraine für «unseriös», da Russland die besetzten Gebiete behalten würde.“ Vom 29.11.2022

    Die Überschrift dieser Quelle suggeriert, dass angeblich ganz Deutschland dieser Auffassung sei. Dem ist natürlich nicht so.

    • Im Gegensatz dazu behaupten selbst unsere westlichen Mainstreammedien, dass Putin den Krieg angeblich gerne zumindest bis zum Frühjahr des nächsten Jahres unterbrechen würde, um weitere Tote zu vermeiden, und auf Friedensverhandlungen oder zumindest einen Waffenstillstand dringen würde.

      Quelle: ProSieben, Artikel „Putin will den Krieg unterbrechen“ vom 30.11.22, wobei ProSieben die einen „Experten“ zitiert, der alle Menschen, die Friedensverhandlungen fordern, um den Krieg zu stoppen, als XXXXXX beschimpft.

    • Ich bin dafür, dass wir das Waffenstillstandgesuch von Putin annehmen.

Hinterlassen Sie eine Antwort