Grün wird welk | Von Rüdiger Rauls

Der neue gewählte Ministerpräsident von Hessen, Boris Rhein, hat nach zehn Jahren gemeinsamer Koalition die Zusammenarbeit mit den Grünen aufgekündigt. Diese hatten bei den letzten Landtagswahlen erhebliche Einbußen erlitten. Handelt es sich dabei nur um einen politischen Partnertausch oder könnten sich da neue gesellschaftliche Entwicklungen andeuten?

Ein Standpunkt von Rüdiger Rauls.

Hochmut kommt vor dem Fall

Nach zehn Jahren erfolgreicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit, so der rückblickende Bewertung durch den neuen CDU-Ministerpräsidenten in Hessen, Boris Rhein, will die CDU die Koalition mit den hessischen Grünen nicht weiter fortsetzen. Stattdessen hat sie die SPD ins Regierungsboot geholt, die erste schwarz-rote Hochzeit in Hessen seit Bestehen der Bundesrepublik. Die erfolgsverwöhnten Grünen fielen aus allen Wolken. Empört bezeichneten sie diese Entscheidung als „völlig unverständlich, Es habe keine Wechselstimmung gegeben“(1).

Es schien für die Grünen in den vergangenen Jahren eine Selbstverständlichkeit geworden zu sein, dass ihre Bäume in den Himmel wuchsen. Oftmals waren sie gleichauf mit der SPD, manchmal sogar zweitstärkste Partei. (Die AfD fiel bei solchen Betrachtungen wie immer unter den Tisch.) Kaum noch eine Landesregierung, an der die Grünen nicht beteiligt waren. Bei einigen Mitgliedern der Partei hatten die Wahlergebnisse sogar Begehrlichkeiten auf die Kanzlerschaft geweckt. Was sonst hätte die Zukunft auch noch an Erfolgen bringen können bei dem Lauf, den sie hatten?

Grüne Überheblichkeit und Entfremdung von der Wirklichkeit gingen sogar so weit, dass deren in Bayern gescheiterte Kandidatin Katharina Schulze die eigene Partei als „Regierungsfraktion im Wartestand“ bezeichnete. Dabei hatte sie mit einem Verlust von 3,2 Prozentpunkten die stärksten Abschläge aller angetretenen Bewerber hinnehmen müssen.

Die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sucht die Schuld für den Rauswurf aus dem Machtzirkel bei den anderen. Boris Rhein wolle sich von seinem Vorgänger Bouffier absetzen. Das verdeckt nur dürftig den Eigenanteil an einer Entwicklung, die bereits auch in Berlin zur Bildung einer Koalition unter Ausschluss der Grünen geführt hatte. Der politische Trend scheint gegen die Grünen zu laufen, was man bei diesen aber nicht sehen zu wollen scheint. Und schon gar nicht will man sich mit der eigenen Verantwortung für diese Entwicklung beschäftigen.

Die Koalitionsbildung ohne die Grünen ist das eine, die Wahlergebnisse der letzten Landtagswahlen(2) sind das andere. Denn dort haben die Wähler zuletzt sehr deutlich gemacht, was man von dieser Partei mit pädagogischem Anspruch hält. Die Verluste waren beträchtlich, und es sind diese Verluste, die zu neuen politischen Regierungsbündnissen unter Ausschluss der Grünen geführt haben. Denn erfahrene Politiker, die seit Jahrzehnten im politischen Geschäft sind, haben empfindliche Sensoren für die Stimmungen in der Bevölkerung.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich diesen Stimmungen und Interessen verpflichtet fühlen. Aber sie versuchen, diesen so weit gerecht zu werden, damit die eigene Stellung in der Gesellschaft und in der Politik erhalten bzw. verbessert werden kann. Dass sich SPD und CDU nun verstärkt von den Grünen abwenden, hängt aber auch mit den Zuwächsen der AfD zusammen. Wie kein anderes Thema hatte die Migration den hessischen Wahlkampf bestimmt.

Die Erfolge der AfD haben besonders bei der CDU zu der Befürchtung geführt, dass die grüne Partei „in zu vielen Politikfeldern, allen voran in der Migrationspolitik den Sprung in die Realität einfach nicht wagen will“(3). Nach der Wahl war der hessischen CDU sehr daran gelegen, mit einem Bekenntnis zur Migrationsbegrenzung, ergänzt durch eine sogenannte Abschiebeoffensive, der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dafür schienen ihr die Grünen nicht der geeignete Partner zu sein.

Der Wind hat sich gedreht

Vielleicht spürt man bei CDU und auch SPD, dass die Wahlverluste der Grünen für einen Stimmungswandel in großen Teilen der Bevölkerung gegenüber dieser Partei stehen. Boris Rhein spricht von einem Zeitgeist, der einer weiteren Zusammenarbeit mit den Grünen im Weg stehe. Auch er scheint zu ahnen, dass der grüne Einfluss schwindet, der mit Fridays for Future die Zustimmungswerte der Partei hatte anschwellen lassen. Will man deshalb Koalitionen mit ihnen vermeiden, um nicht von diesem gesellschaftlichen Wandel in Mitleidenschaft gezogen zu werden? Selbst bei den hessischen Grünen hat man das schlechte Image der Bundespartei als Ursache für die Absage an eine Fortführung der Koalition in Hessen ausgemacht. Zuletzt mehrten sich die Stimmen, die zu erkennen scheinen, dass ihnen der Wind ins Gesicht bläst. So mahnt der grüne Finanzminister Danyal Bayaz aus Baden-Württemberg: „Es sei Zeit, sich selbstkritisch zu fragen, warum einstige Koalitionspartner die Grünen weniger als moderne Kraft der Veränderung wahrnehmen, sondern offenbar als Belastung in schwierigen Zeiten.“(4)

Hatte Ministerpräsident Daniel Günther in Schleswig-Hostein die Grünen noch als „Jungbrunnen für die CDU [ gesehen], nur dass die CDU ohne ideologische Spinnereien auskomme“(5), so hat diese verjüngende Kraft mittlerweile wohl ihre Wirkung verloren. Zumindest dürfte man das in Hessen so sehen. „Die Grünen haben keine angemessene Antwort auf die Probleme unserer Zeit”(6), hört man aus der hessischen CDU.

Wie weit Verleugnung und Abgrenzung gegenüber den Grünen mittlerweile gehen, macht Nancy Faeser von der SPD deutlich. Selbst sie als Koalitionspartnerin in der Ampel und auch sonst nicht so weit entfernt von grünem Denken, ist der Meinung, die derzeitigen „Herausforderungen verlangten nach Pragmatismus, nicht nach Ideologie”(7). Das wirft die Frage auf, wie lange die Grünen in Berlin noch fest im Sattel sitzen.

Schon hat das Handelsblatt(8) eine Aufstellung veröffentlicht über die Politikfelder, in denen bei der SPD größere Gemeinsamkeiten mit der CDU vorherrschen als mit den Grünen. Geht es bergab mit der Partei der demokratischen Musterschüler und Hochbegabten in westlicher Wertelehre? Ist dieser Ansehensverlust allein zurückzuführen auf die handwerklichen Fehler Habeck’scher Gesetzesentwürfe und seinem Mangel an wirtschaftlichem Fachwissen beziehungsweise dem oftmals sinnentleerten Geplapper seiner Parteigenossin im Außenministerium? Oder deutet sich da ein Bewusstseinswandel in der Politik an, der zurückzuführen ist auf eine veränderte Einstellung zu den Grünen in der Gesellschaft?

Der grüne Kaiser ist nackt

Die Macht der Grünen bestand nicht in ihrer Kompetenz in einzelnen Politikfeldern. Ihre Macht kam aus ihrer Deutungshoheit in Fragen von Werten und Moral. Sie hatten sich über die Jahre den Heiligenschein einer Gerechtigkeitspartei erworben. Sie wurden wahrgenommen als diejenigen, die eintraten für die Rechte von Unterprivilegierten wie Frauen und Kinder sowie sexuellen, rassischen, religiösen und sonstigen Minderheiten. Sie machten sich stark für den Schutz von denen, die sich selbst nicht wehren konnten, wie Tiere und Umwelt.

Im Gegensatz zur anderen Gerechtigkeitspartei, der SPD, bewegten sich die Grünen auf Feldern, die wenig Interessenkonflikte hervorriefen. Das Eintreten der SPD für soziale Gerechtigkeit besonders in der Arbeitswelt und in der Unterstützung gewerkschaftlicher Forderungen geriet oft in Konflikt mit Unternehmertum und Gesellschaft allgemein. Denn nicht selten war sie verbunden mit Arbeitskämpfen. Von vielen wird solche Interessenvertretung als egoistisch angesehen.

Von solchen Themen und Konflikten hielten sich die Grünen weitgehend fern. Ihre Klientel kam in der Regel aus gesellschaftlichen Kreisen, in denen das Geld und die Umstände, unter denen es verdient werden musste, eine nicht so große Rolle spielte. Die grüne Anhängerschaft war besonderes in den letzten Jahren eher die besser verdienende Mittelschicht.

Unter solchen Umständen entstand in und um dieses grüne Milieu herum eine Ideologie der Selbstlosigkeit, eines naiven Sozialismus, der sich in scheinbarer materieller Bedürfnislosigkeit übt und darstellt. Werte waren wichtiger. Behutsamkeit und Achtsamkeit entwickelten sich zu obersten Geboten im Umgang mit Mensch und Natur statt der Verfolgung eigener Interessen. Grüne galten gerade nicht als egoistisch wie die Klientel der SPD. Sie galten als die Idealisten schlechthin.

Diese scheinbar selbstlosen Verhalten und Ansprüche verliehen den Grünen und ihren gesellschaftlichen Sympathisanten zunehmend ein Ansehen von hoher moralischer Integrität. Das wirkte anziehend auf viele Menschen, die gut sein und Gutes tun wollten, oftmals auch ehrenamtlich oder sonst im Sinne irgendeiner Gemeinschaft. Diese Engagement war nicht nur gut, es bot auch Schutz.

Denn die Kehrseite dieser Selbstlosigkeit und Werteordnung waren Empörung und Ächtung, wenn grüne Werte nicht genügend Beachtung fanden. Vorwürfe von Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rechtslastigkeit, Rassismus, Wissenschaftsfeindlichkeit oder gar des umweltschädlichen Verhaltens führten häufig zu Shitstorm und gesellschaftlichem Kesseltreiben. Sachliche Auseinandersetzung war unter solchen Umständen kaum noch möglich, wollte man nicht mit in Sippenhaft genommen werden. Sie fand die höchste Stufe der Ausgrenzung in Kontaktschuld und Cancel-Culture.

Auf diesem Nährboden von Werteorientierung und gleichzeitigem Empörungsritual war eine Art von grüner Femegerichtsbarkeit entstanden, die immer mehr Einfluss gewonnen hatte auf das gesellschaftliche Denken. Diese Moral schien anders als die Interessenorientierung selbstlos und war deshalb unangreifbar. Ihre Wirkkraft erhielt diese Moral nicht zuletzt auch aus der Tatsache, dass die Forderungen nach Schonung der Umwelt, respektvollem Umgang mit Menschen egal welchen Geschlechts, welcher Rasse, Religion und welcher sexueller Orientierung vernünftig waren und deshalb die Zustimmung der Gesellschaft fanden.

An all dem wäre nichts auszusetzen, wäre da nicht die Intoleranz gegenüber jenen, die anders darüber denken und Zweifel äußern. Der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn des grünen Milieus, der ihm zu seiner hervorragenden gesellschaftlichen Stellung verholfen hatte, ist einseitig und doppelbödig. Grüner Gerechtigkeitssinn hat sich gewandelt zur Rechtfertigung der eigenen Ansichten und Verhaltensweisen sowie der Verunglimpfung abweichender.

Bis zur Machtteilhabe der Grünen in der Ampelregierung verurteilte man Angriffskriege und wandte sich gegen die Lieferung von Waffen in Spannungsgebiete. Deshalb verurteilte man scharf den Einmarsch Russlands in die Ukraine. Aber beim Überfall der NATO auf Jugoslawien – damals bereits schon unter grüner Beteiligung – hatte das keine Rolle gespielt. Da ging es um die Verhinderung eines Genozids, so die damalige grüne Rechtfertigung. Diese Ansicht hatten seinerzeit viele Menschen geteilt oder zumindest sah man wenig Anlass, das zu hinterfragen.

Wo aber bleibt grüner Gerechtigkeitssinn im Falle der Opfer im Gaza-Streifen? Was unterscheidet die Lage dort von jener in Jugoslawien seinerzeit? Wo ist der Unterschied zwischen dem Einmarsch Israels in der palästinensischen Enklave und dem Russlands im Donbass? Wieso verteidigt die grüne Außenministerin den israelischen Einmarsch, während sie den russischen verurteilt?

Die Konflikte in Gaza und im Donbass sind mittlerweile so allgegenwärtig, dass man sich ihnen kaum noch entziehen kann. Dadurch wird selbst wenig interessierten Zuschauern ein Ausweichen vor den Berichten fast unmöglich gemacht. Das führt aber auch vielen Menschen die westliche Doppelmoral unübersehbar vor Augen. Das Messen mit zweierlei Maß im Westen wird immer offensichtlicher und die Rechtfertigungen werden immer unverständlicher.

Diese Doppelmoral wirkt zunehmend abstoßend. Das macht den Wandel des Zeitgeistes aus, den Boris Rhein festzustellen glaubt. Die Grünen als die obersten Werteverfechter trifft dieser Verfall als erste und am heftigsten. Offenbar wirken sie auf bisherige Koalitionspartner „wie eine ansteckende Krankheit. Wer zu lange mit ihnen arbeitet, könnte sich selbst anstecken“(9). Der grüne Kaiser steht auf einmal nackt da und allein. Denn das moralische Mäntelchen, das ihn bisher umhüllt hatte, ist so fadenscheinig, dass man die grüne Nacktheit darunter sieht, und diese ist unappetitlich.

Quellen und Anmerkungen

(1) Frankfurter Allgemeine Zeitung(FAZ) vom 11.11.23: Boris Rhein will in Hessen mit SPD statt Grünen regieren. (2) PolitischeAnalyse vom 19.10.2023: Deutschland wahlt genderfrei
(3) FAZ vom 11.11.2023: CDU auf neuem Kurs
(4) Handelsblatt(HB) 13.11.2023: Grüne verspielen ihren Ruf

(5) FAZ vom 11.11.2023: CDU auf neuem Kurs
(6) FAZ vom 15.11.2023: Chancenlos ohne Unterwerfung
(7) HB vom 13.11.2023: Hessens Ministerpräsident tauscht Grüne gegen SPD
(8) HB vom 14.11.2023: Hessen als Vorbild für den Bund? So nah sind sich Union und SPD bei einzelnen Politikfeldern (9) FAZ vom 14.11.2023: Mehr als ein Zweckbündnis

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Rüdiger Rauls ist Buchautor und betreibt den Blog Politische Analyse

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Bildquelle:  Vallarista / shutterstock

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Kommentare (15)

15 Kommentare zu: “Grün wird welk | Von Rüdiger Rauls

  1. Ursprung sagt:

    Diese fast schon komischen "Gruenen", geradezu einem Orwellschem Alptraum an Inkkompenz entsprungen, nur als "verwelkt" (mitsamt dem HH-andersparteifuzzi Kanzler) zu bezeichnen, ist m. E. schon Verballhornung. Aber immerhin in die richtige Richtung. Ein Beitrag mit mit gewissem Zustimmungs-Potenzial fuer mich.

  2. Dziersinsky sagt:

    Herr Rauls, Sie schreiben:
    "Unter solchen Umständen entstand in und um dieses grüne Milieu herum eine Ideologie der Selbstlosigkeit, eines naiven Sozialismus, der sich in scheinbarer materieller Bedürfnislosigkeit übt und darstellt." Zitatende.
    Das Wort "Sozialismus" löst bei den Funktionären und den Mitgliedern dieser Sekte (ich schreibe bewusst nicht Partei), sicherlich Brechreiz aus, obwohl Sie das Adjektiv naiv voranstellen. Dieses Adjektiv wiederum, trifft auf alle "Grünen" zu. Mit Sozialismus hatten die Grünen – selbst die Führenden der 80er Jahre – nie ernsthaft Sympathien. Nicht einmal mit naiven Sozialismus. Was immer das sein soll.
    Diese Gutmenschen, die problemlos alle Kriege des Ziehvaters USA mittragen, die von Russenhass zerfressen sind, die die Bevölkerung des eigenen Landes dem Kapital zum Fraß vorwerfen, mit diesen politischen Hassadeuren, gehen Sie, Herr Rauls, zu pfleglich um.
    Zu sagen, was ist, ist eine revolutionäre Tat, das können wir von Rosa Luxemburg lernen. Ich füge also an:
    1. Diese "Grünen" sind die Braunen unserer heutigen Zeit.
    2. Diese Sekte wird NOCH vom Kapital gebraucht um den sog. grünen
    Kapitalismus – koste es was es wolle – durchzuziehen.
    3. Deutschland hat eine – sorry – 360° Göre als Chefin im AA, die keinen Satz
    vernünftig artikulieren kann, und über diese Frau lacht die ganze Welt. Nur ihr
    Auftraggeber USA nicht.
    4. Ein Kinderbuchautor, gleichzeitig ein an Russophobie leidender
    Wirtschaftsminister wird von der Industrie geduldet. Warum wohl? Das einzige,
    was Habück in einer Wirtschaft leisten könnte, wäre das Stühle hochstellen,
    sobald die Kneipe schließt.
    5. Soll ich mich jetzt noch zur grünen Tonne und dem Haubitzen Toni äußern? Nein,
    besser nicht.
    Ergo: diese Grünen sind gefährlich. Sehr gefährlich sogar. Das alles hätten Sie erwähnen sollen, aber das scheint nicht Ihr Stil zu sein, Herr Rauls. Das ist kein Vorwurf, vielleicht erreichen Sie mit Ihrer Analyse mehr Menschen als ich mit meiner, von Widerwillen gegenüber allem Grünen durchdrungenen, Antwort.

    • Werter Dziersinsky

      ich kann Sie gut verstehen, auch Ihren Ärger. Und ehrlich gesagt: Unter vier Augen spreche ich über die Grünen und das gesamte Führungspersonal in Deutschland und dem Kapitalismus des politischen Westens auch anders. Und nochmals schärfer wenn ich allein unter der Dusche stehe. Aber hier geht es doch um etwas anderes, was auch SIE selbst am Ende deutlich machen. Es geht bei öffentlichen Beiträge nicht darum, sich auszukotzen. Hier geht es darum, Erkenntnis zu vermitteln, die zu anderen Sichtweisen führen als Voraussetzung für anderes Handeln. Das wird bei vielen Artikeln oder Kommentaren vergessen, wo sich Leute auskotzen oder selbstdarstellen.
      Die Grünen zu beschimpfen oder all die anderen, die die derzeitige westliche Politik verantworten, ist das eine. Das ändert aber nichts an den politischen Zuständen. Man kotzt sich aus und fühlt sich danach besser. Man betreibt Selbstdarstellung und hat danach ein wohliges Gefühl in den Eingeweiden. Und dann? Was ändert sich dadurch? Ich kann natürlich auch nicht bemessen, was meine Beiträge ändern. Das lässt sich nicht objektiv darstellen, dafür gibt es keine Messeinheiten. Aber ich denke, dass ein anderer politische Wille zu erkennen ist. Es geht darum, Erkenntnisse zu vermitteln, die zu anderen Einstellungen führen. Es geht darum, zu erkennen, dass allein das Handeln die Welt verändert, nicht irgendwelche verärgerten oder hasserfüllten Kommentare, so sehr ich das auch verstehen kann. Noch weniger bringen diese selbstgefälligen Akte der intellektuellen Selbstbeweihräucherung und Selbstbefriedigung, die auf vielen Foren den Ton angeben.
      Verändertes Handeln setzt verändertes Bewusstsein voraus. Bei aller politischen Auseinandersetzung sollte es darum gehen, Handlungsfähigkeit zu erlangen. Das ist es, woran es heute in unserer Gesellschaft fehlt. Das kritische Potenzial in der Gesellschaft scheint mir heute höher denn je seit dem Ende des sowjetischen Sozialismus. Aber dieses Potenzial findet keinen Weg zur Handlungsfähigkeit. Darüber täuschen auch Demonstrationen mit Hunderttausenden von Teilnehmern nicht hinweg. DAs Ziel ist unklar. Wo soll es hingehen? Mehr Demokratie? Das wollen alle und haben doch mitunter sehr unterschiedlich Vorstellungen. Welche Demokratie soll es denn sein? Bürgerliche Demokratie – also die Fortsetzung der vergangenen Jahrzehnte nur mit anderen Mitteln, anderen Begriffen, anderen Figuren? Oder nicht doch eine Demokratie, die auch eine soziale Demokratie ist, in der die gesellschaftlichen, vor allem aber die wirtschaftliche Grundlagen neu geordnet werden, in der neue Grundsätze und Regeln gelten?
      Sollte es um eine Demokratie solchen Zuschnitts gehen, dann stellt sich die Frage: WEr soll diese Demokratie schaffen, wer soll sie tragen? Denn eines ist klar: diejenigen, die bisher heurmgewurstelt haben und nun nicht mehr weiter können, haben ausgedient. Sie können keinen Ausblick mehr bieten in eine freundliche Zukunft. Was übrigbleibt sind nicht die Intellektuellen, die glauben, sie könnten es besser. Was übrig bleibt, ist die Kraft, die man früher einmal als das Proletariat bezeichnete. Sie sind diejenigen, die die Gesellschaft am Laufen halten. Aber das fällt nicht auf, weil sie nicht aus jedem Nagel, den sie in die Wand schlagen, eine Medienkampagne machen. Sie machen ihre Arbeit. Aber sie haben auch keine politische Organisation, die klarstellt, dass ohne die Nägel, die von ihren Mitgliedern in die Wand geschlagen werden, der Laden schon längst zusammengefallen wäre. Sie haben nicht die politische Organisation, die klar macht, dass sie keine Nägel mehr in die Wand schlagen werden, wenn es nicht aufhört mit der Politik gegen ihre Interessen. Wenn es nicht aufhört, dass der Bevölkerung die Kosten aufgebrummt werden dafür, dass man Russland ruinieren will. Dass wir n icht frieren wollen, damit Russland sein Gas und Öl nicht an uns verkaufen kann. Dass wir nicht in den Ruin getrieben werden wollen durch Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energieträgern, die wir statt aus Russland zum mehrfachen Preis von den USA und anderen beziehen. Das wir nicht im Elend hausen wollen, nur weil das Geld lieber für Waffen an die Ukraine ausgegeben wird statt zur Linderung der Wohnungsnot.
      All das aber setzt ein anderes Bewusstsein voraus, das die Bereitschaft zum Handeln schafft. Aber das geht nur durch Überzeugungsarbeit nicht durch radikales Gepolter, obwohl ich es gut nachvollziehen und auch sehr gut verstehen kann.

    • _hog sagt:

      Kurz zurueck zu den Gruenen.
      Dziersinsky sagt:

      „Mit Sozialismus hatten die Grünen – selbst die Führenden der 80er Jahre – nie ernsthaft Sympathien.“

      Ich war eines der Gruendungsmitglieder der Gruenen. Und ich kann sagen, dass wir damals sehr wohl eine Kraft waren, die zumindest solche Figuren wie Gruhl, Springmann und Haussleitner aus der Verantwortung gedrängt hatten. Leider war unser anti-Nato Standpunkt bzw. unsere Friedenspolitik nicht mehrheitsfähig bei den kleinbuergerlichen Parteigruendern, sodass wir nach kurzer Zeit ausgeschlossen wurden. Namen, die damals eine wichtige Rolle spielten, waren Trampert, Ebermann und der leider verstorbene Juergen Reents.

      mfG

    • Dziersinsky sagt:

      @ _hog:
      Ich weiß nicht wie ich Sie ansprechen soll, ich verzichte darauf und antworte wie folgt:
      Die von Ihnen genannten – Trampert/Ebermann – waren Verfechter des sog. "dritten Wegs". Also weg vom real existieren Sozialismus ala UdSSR. Als Mitglieder des kommunistischen Bundes waren beide knallharte Gegner der damaligen Sowjetunion. Als Trotzkisten sind beide auch heute nicht mit dem Marxismus/Leninismus kompatibel. Sie lehnen ihn rundweg ab. Ähnlich argumentiert Trittin – kenne ich persönlich aus früherer Zeit ( als politischen Gegner) – und noch einige andere, ich nenne nur Vollmer, Kretschmann und die widerlichen Fücks nebst Ehefrau.
      Selbst Kelly und der General, der Herr Bastian waren ausgewiesene Gegner der kommunistischen Bewegung. Seis drum. Nur eines noch:
      Die heutige Spitze dieser Sekte ist an kriegsgeilheit und US-amerikanischer Unterwürfigkeit schwerlich zu überbieten. Vergleichen kann – wer will – diese Truppe mit den Bananen:
      Erst grün, dann gelb, dann braun. Ein durch und durch zum Kotzen reizender Haufen.
      Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit dieser Bevölkerung merkt, was ihr blüht, sollte sie weiterhin diesem Haufen vertrauen. Natürlich war nicht alles perfekt in der UdSSR, aber allein die Tatsache sich gegen den Imperialismus zu positionieren, hätte jeden, der für Sozialismus eintrat/tritt, auf die Seite dieses Staates geführt. Aber nicht die GRÜNEN, denn die wurden schon bei Gründung dringend als Speerspitze gegen alles sog. Linke gebraucht. In Einem stimme ich mit Ihnen überein: die damaligen Führungskader hatten noch eine gewisse Intelligenz. Unbestritten. Mit denen war eine Diskussion möglich und für den Gegenüber in Teilen sehr bereichernd. Die heutige Truppe……….. mir wird schlecht, mehr möchte ich nicht schreiben. Baerbock ist einfach nur dumm!! Habeck versucht seine nicht vorhandene Intelligenz durch völlig sinnfreie Diskussionsbeiträge so darzustellen, als wäre er als Politiker ernst zunehmen. Iss er nicht.
      Nichts für ungut.

    • _hog sagt:

      Moin, Dziersinsky,

      Sie rennen offene Scheunentore ein mit Ihren Aussagen zu den Gruenen.
      Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es fuer eine kurze Zeit in der Phase der Grunengruendung ein Patt gab, in der es noch möglich war den allerrechtesten Rand rauszukegeln.
      Die Beurteilung von Ebermann und Trampert zur UDSSR kann ich nicht teilen, weil es zu einer kritischen Beleuchtung der UDSSR auch gehörte, dass man sich nicht nur zum Bejubler hergeben hat. In dem damaligen Zentralorgan der Angesprochenen gab es eine regelmässige Rubrik zur UDSSR. Das gab es in keiner anderen damaligen linken Organisation.

    • paradoxus sagt:

      Es waren definitiv die Roten Socken (Cohn-Bendit & Co.) der 68er Bewegung, welche die Grünen auf den heutigen Kurs brachten.
      Cohn-Bendit gab die „moralische“ Rechtfertigung für die Bombardierung der Serben.
      Es sind gerade die Marxisten, welche die Grünen ihr aktuelles Kleid gaben.
      Wo tümmeln sich die die aktuellen Volkslenker? – auf der LSE, eine von den Fabianisten gegründete
      Hochschule. Die Fabian-Socity ist eine marxistische Bewegung aus der Oberschicht. Baerbock, Habeck, von der Leyen. Alle bekommen dort den Marsch geblasen, von einer marxistischen Orientierung aus.
      https://dudo.ch/aktuell/324/fabian-society-weg-zum-globalsozialismus
      Marx ist im Prinzip der Paulus der sozialistischen Bewegung. So wie Paulus die Jesusbruderbewegung zur massensteuernde Staatskirche, mit seinen „theologischen“ Winkelzüge (Ideologiemus), formierte, tat es Marx mithilfe seiner pseudowissenschaftlichen Schriften mit der sozialistischen Bewegung.
      Der Marxismus ist nichts anders als eine Glaubensbewegung mit Erlösungscharakter, „Heiligen“, Dogmen und Bibel.

    • _hog sagt:

      Moin, paradoxus,

      haben Sie all ihren Antikommunismus ausgekotzt? Ich vermute mal ganz vorsichtig, dass Sie nicht viel von Marx gelesen geschweige denn verstanden haben. All die Personen in Ihrer Aufzählung von Cohn bis v.d. Leyen als Marxisten zu bezeichnen ist mehr als grober Unfug!

    • paradoxus sagt:

      Hi _Hog,
      ich bin so ein Spät-68er, die 70er durch mit Marxisten bis zum morgendlichen ergrauen die Nächte durch geredet, einige Aktionen mit den JUSOs zusammen vollbracht. Durchaus sympathische Menschen
      Ich kenne die Theorien, alles Kopfkino, Bespaßung für Akademikerköpfe, realitätsfern, menschenfern.
      Ziel ist die Vereinheitlichung der Individuen.

    • paradoxus sagt:

      Grober Unfug ist doch eher, die Rolle der Fabian Society herunter zu Spielen.
      Folgender Link zeigt die Menge an Schriften und Agenden der Fabian Society auf:
      https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Fabian_Tracts_(1884%E2%80%931915)

      Ich glaube Sie haben den Kommunismus nicht verstanden. Eine vermeintliche Logik kann sich nur in der Praxis beweisen, vorher werden nur im Kopfkino Schlösser gebaut.
      Kommunisten sehen sich gerne als Progressive, das Fabian-window weist deutlich darauf, dass es um Zerstörung geht.
      https://www.andrewwhitehead.net/blog/the-fabian-window-at-the-lse

    • werter paradoxus
      Ihre Aussagen über den Marxismus gründen nicht auf Marx und seinen Anhängern selbst sondern von denen, die ihn widerlegen wollen. Und da ist man so einiges an Unsinn, bewusster und unbewusster Fehldeutung, besonders aber an Verzerrung und Propaganda gewöhnt.
      "Es sind gerade die Marxisten, welche die Grünen ihr aktuelles Kleid gaben." Ich weiß nicht, woher Sie das haben, schließlich haben die Marxisten wenig Einfluss auf das Denken führender Grüner damals und heute noch viel weniger. Aber, um in Ihrem Bild zu bleiben, nicht jedes Kleid, das einem gereicht wird muss man anziehen. Die meisten, die sich früher gerne im schillernden und frechen Kleid des Marxismus gezeigt haben, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen, haben dieses Kleid inzwischen abgelegt. Ist ihnen doch zu sehr aus der Mode gekommen oder es passt nicht mehr, weil ihnen die Fettleibigkeit des Kapitalismus doch besser zu Gesicht steht als marxistische Askese. (Wobei Marxismus nie für Askese gestanden hat, wie seine Gegner nie müde wurden zu beahupten, sondern für ein besseres Leben für ALLE.
      Nun ziehen Sie als Zeugen für Ihre Behauptungen Leute, die sich meines Wissen nie als Marxisten bezeichnet haben und auch die Auswahl Ihrer Quellen scheint nur danach getroffen worden zu sein, dass sie IHRE Sichtweise bestätigen. Die "Fabian Society" ist mir keinesfalls bekannt als kompetent in Fragen des Marxismus.
      Es mag sein, dass Sie "mit Marxisten bis zum morgendlichen ergrauen die Nächte durch geredet, einige Aktionen mit den JUSOs zusammen vollbracht." WEr davon nun wirklich Marxist war und wer sich dieses Lametta gerne zur Selbstbeweihräucherung umgehängt hat, kann ich nicht beurteilen. Aber vermutlich waren sie genau solche Salonmarxisten wie die Jusos, die sich gerne mit Marx'schen Begriffen wichtig machen, sich auch gerne mit wortradikalen Sprüchen hervortun, aber mit Marxismus hat das nichts zu tun.

      Ich kenne die Theorien, alles Kopfkino, Bespaßung für Akademikerköpfe, realitätsfern, menschenfern.
      Ziel ist die Vereinheitlichung der Individuen.

    • paradoxus sagt:

      Lieber Rüdiger Rauls,

      Es braucht Niemand den Kommunismus zu widerlegen, wo ist er bewiesen?
      Sie agieren wie ein Religiöser, rein auf Glauben eines Kopfkonstrukts.
      Karl Marx als einen Denker eines Konstrukts, welches die Lösung der menschlichen Existenz sein soll, dagegen wehre mich definitiv.
      Sein Werk besteht aus der Sammlung zuvor veröffentlichten Analysen anderer Autoren.
      Dialektik, lehne ich grundsätzlich ab. Marx selbst lehnte eine Benennung als Kommunist übrigens ab.

      Die Geschichte zeigt, sei es irgend ein religiöser Wahn oder ein ideologischer, er produziert Apparatniks. Dieser Typus schaltet die natürlichen Sinne aus und überlässt das Handeln dem Kopfkino. Millionen von Bauern starben durch Troikas. Mein Vater weilte in Vietnam als die Kommunisten an die Macht kamen und war Augenzeuge wie diese Alles was nach Intellekt aussah mordeten. Diese Kräfte sind in keiner Massenbewegung steuerbar und ich persönlich, halte diese Ereignisse für gewollt.

      Sicher startet jeder der sich dem Kommunismus zuwendet mit hehren Zielen, jedoch wird jeder real existierender Kommunismus zur Staatsmacht und wer was "Macht" bleibt Zweifelhaft.
      Ich plädiere für eine Kooperationskultur, indem auch Kommunisten ihrer Gemeinschaft leben dürfen.

      Kommunismus für Alle – Nein Danke

      Die Fabianer halte ich für Kommunisten.
      Die Mutter meiner Kinder war jahrelanges Mitglied der
      Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten,
      zu Ihrer Frage.

    • werter Paradoxos ( ist IHR Name Programm?)

      ICH persönlich halte ja die Erde für eine SCheibe. Aber ist sie es deshalb? All Ihre Einwände entspringen persönlichem Dafürhalten, persönlichen Erlebnissen, vermutlich unverdaut, und dem Hörensagen von anderen, die mit Voreingenommenheit an die Deutung der EReignisse in der Welt herangehen wie das Beispiel Ihres Vaters in Vietnam. Auch er scheint seine eigenen Ansichten geschaffen zu haben durch das Ignorieren von Entwicklungen, die sein Weltbild NICHT bestätigten .
      Diese Vorgehensweisen haben aber nichts mit Kommunismus zu tun, sondern nur mit dem Bild, das Sie und Ihr Vater sich zusammengeschustert haben, basierend auf Voreingenommenheit und selektiver WAhrnehmung. Zudem: Auch der Kommunismus unterliegt wie jede andere Sichtweise über Gesellschaften dem Wandel. Was Kommunisten vor 100 Jahren dachten und wie sie die Entwicklung in der Welt sahen, war anders als heute, wo sich die gesellschaftlichen und weltpolitischen Bedingungen ganz wesentlich verändert haben. Auch der Kapitalismus stellt sich heute anders dar als vor hundert Jahren oder gar der Manchester-Kapitalismus, der für eine massenhafte Verelendung verantwortlich war. Würden Sie deshalb den Kapitalismus ablehnen, weil er vor 150 Jahren so unmenschlich war, dass er Kinder in seinen Fabriken und Bergwerken das Leben nahm, dass er ERwachsene schuften ließ bis zum Umfallen? Auch Sie würden sicherlich entschuldigen und beschwichtigend darauf hinweisen, dass das früher so war, das sei natürlich ganz entsetzlich gewesen, was auch Sie keineswegs gut fänden, aber. Ja, ja das beliebte Aber. Wie schön ermöglicht es doch, die eigenen Sichtweisen verträglicher dazustellen.
      Was SIE als Kommunismus bezeichnen ist eine lange Liste persönlicher Enttäuschungen von denen, die sich als Kommunisten bezeichneten, mit denen sie die Nächte durchdiskutiert haben, bis hin zur Frau Ihrer Kinder, die anscheinend nicht mehr IHRE Frau ist. Was haben diese Leute getan, dass Sie so enttäuscht klingen? Haben diese Ihre Sichtweisen nicht geteilt? Haben sie Erwartungen nicht erfüllt? Egal, das ist Ihre persönliche Sache, mit der Sie zurecht kommen müssen.
      Aber was hat das mit Kommunismus zu tun? Zudem werfen Sie Marxismus und Kommunismus ständig durcheinander. Sicherlich stehen beide in Beziehung zueinander, aber Kommunismus ist im Gegensatz zum Marxismus eine Gesellschaftsform ist, die in der augenblicklichen Weltlage nicht einmal zur Diskussion steht. Dafür sind die Voraussetzungen gar nicht vorhanden, was ich aber hier nicht weiter ausführen will.
      Marxismus hingegen ist eine Betrachtungsweise der Welt, die für sich in Anspruch nimmt wissenschaftlich zu sein und – das ist das Entscheidende – die aus dieser Betrachtungsweise einen Ausblick gibt für die gesellschaftliche Entwicklung. Dieser Ausblick gipfelt in der Feststellung, dass die Menschheit den WEg zum Kommunismus gehen muss, will sie weiterhin bestehen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie einige selbst ernannte Kommunisten immer wieder den Eindruck erwecken. Denn, auch das sagt Marx in seinen Analysen: Sollte dieser Weg nicht beschritten werden können, droht die Alternative zum Kommunismus und das ist der Rückfall in die Barbarei. Einen ersten Vorgeschmack von dieser Barbarei konnten unsere Vorfahren im Faschismus kennenlernen.
      Der Marxismus untersucht die Vorgänge in der Welt mit dem Mittel der dialektischen Analyse, von der SIE ja nichts halten, anscheinend ohne zu wissen, was es damit auf sich hat. Für SIE udn IHR Weltbild ist ja nicht die Welt selbst die Grundlage Ihres Weltbildes, sondern Persönliches, also Abneigung oder Zuspruch. Das aber ist ein vollkommen ungeeignetes Mittel zum Verstehen der Welt.

    • paradoxus sagt:

      Geehrter Rüdiger Rauls,

      um nochmals auf den Ausgangspunkt zu kommen.
      Mein Einwand bestand lediglich auf den geäußerten Eindruck, dass die aktuelle Grünen-Politik aus der ursprünglichen Urbesetzung der Grünen erwachsen wäre. Diese Sichtweise lehne ich als anfänglicher Grünen-Mitstreiter ab. Der Kurswechsel der Grünen ist für mich als Zeitzeuge durch das massive Eindringen der Gruppe erfolgt, welche ich als „Rote Socken“ bezeichne.
      Sie werden wohl kaum bestreiten, dass Cohn-Bendit und Joschka Fischer aus dem extrem Linken Spektrum entstammen und mit deren eintreten ein radikale Kurswechsel geschah, oder sehen Sie den Krieg gegen Serbien als eine Lappalie?
      Geschichtlich ist der Austritt vieler meiner Mitstreiter, auf Grund dieser Tatsache, ein Ereignis.
      Meine Unterstützung hat die Partei seitdem verloren.

      Aus Ihren Ausführungen zu meiner Person, kann ich nur sagen,
      dass Sie mich nicht kennen und apriorisch sich ein Bild zurechtschustern.
      Vielleicht erscheinen Ihnen einige meiner Ausführungen blasphemisch?

      Zu meinem Vater sollten Sie wissen, dass dieser in Brasilien bis in die Jugend unterwegs war.
      Sein Vater errichtete Ziegeleien in ganz Brasilien. Er sprach Sieben Sprachen und erlernte diese durch Aufenthalte in den jeweiligen Ländern.
      An Weltgewandtheit war er kaum zu übertreffen und ein Mensch der die Menschen suchte.

      Ich habe meine Kindheit unter den Angelsachsen verbracht, hatte die Welt auf Schiffen im 11ten Lebensjahr umrundet und war bis ich mein Elternhaus mit 23 verließ, 19mal im Leben umgezogen.
      Beruflich durfte ich als Techniker weltweit operieren, oft mit wochenlangen Schulungen vor Ort. Auch ich bin ein Mensch der die Menschen sucht – ein Menschenfreund.
      Bei mehrwöchigen Aufenthalten und allabendlicher Gesellschaft entsteht eine freundschaftliche Ungezwungenheit, aus dieser fragte ich des öfteren nach Sicht meiner Gastgeber, zu mancher Ereignisse in Ihren Ländern, viele Zusammenhänge sehe ich deutlich anders seither.
      Generell vertraue ich Zeitzeugen vor Schreiberlinge aus zweite Hand, vor allen wenn ein Zittern erscheint, oder die Luft wegbleibt.
      Ich frage mich warum Sie ins Persönliche abtauchen, es scheint, als ob Sie gewisse Ereignisse die im Zusammenhang mit dem Marxismus stehen gerne ausblenden wollen und sehen den Mensch nicht.
      Auch entsteht der Eindruck, dass Sie enttäuscht sind, weil ich Ihre Begeisterung für Marx nicht teile.
      Sie versuchen mich hier als Enttäuschten vorzuführen und klingen nicht anders als Einer der vor der Hölle warnt.
      Nein, ich mache mit Freunden bis in die Nacht Musik, bringe meinen Enkeln Nützliches bei, bin Kreativ, arbeite gerne und liebe das Leben, als gottesfürchtiger Mensch.
      Mein Ansatz ist deutlich anders als der Ihrige.
      Bücher bestehen aus Worte, Worte sind Begrifflichkeiten. Begriffe sind unzulänglich.
      Kierkegaard:
      „Wenn Du mir einen Namen gibst, verneinst du mich!
      Indem man mir einen Namen, eine Bezeichnung gibt,
      verneinst Du alle die anderen Dinge, die ich vielleicht sein könnte“

      Theorien können die Wirklichkeit nur scheinbar erfassen, oder auch bewusst Scheinwirklichkeiten erzeugen.
      Mir sind diejenigen Schreiberlinge am genehmsten, welche den Blickwinkel öffnen und jedem seine eigene Ideologie erschaffen lässt.
      Es glauben Viele es gebe Kochbücher für das Leben, ich glaube es nicht, aber Lesen bildet.

      Empfehlen kann ich:

      https://www.projekt-gutenberg.org/lessingt/sinnlos/chap011.html

      Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen
      Karl Theodor Richard Lessing

      -Der Denker ohne Paradox ist wie der Liebende ohne Leidenschaft:
      ein mittelmäßiger Patron-

  3. spirwes sagt:

    Die Grünen sind wie Tauchblei: Lass los, bevor Du mit absäufst!

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