Tagesdosis

Generation Z geht auf die Barrikaden! | Von Paul Clemente

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Süßes oder Saures? „GenZ regelt“ demonstriert am Halloweentag

Ein Kommentar von Paul Clemente.

Da fand zusammen, was zusammengehört: Am vergangenen Samstag fiel der wöchentliche Jugend-Protest auf Halloween. Bei dem irischen Traditionsfest gehen Kinder in Gruppen von Haus zu Haus und stellen seine Bewohner vor die Wahl: „Süßes oder Saures.“ Im Klartext: Rück die Süßigkeiten raus oder es gibt Saures. Ähnlich die Forderung der jungen Demonstranten: Gebt uns eine Zukunft, oder wir machen Lärm.

Ausgebrochen war der Jugendprotest erst Mitte September in Frankreich. Letzte Woche sprang der Protest über die Grenze nach Albanien, Spanien, Italien und Griechenland. Und vorgestern auch nach Deutschland. In über 30 Städten demonstrierten etwa 120.000 Personen. Und zwar friedlich. Erst im Anschluss übernahmen Extremisten und Steinewerfer die Regie. Dabei klirrten Fensterscheiben. In Frankfurt hat man sogar einen Waffenladen geplündert. Sicherheitsexperte Klaus Nachtigall gab sich geschockt: Das seien die

„schwersten Ausschreitungen, die ich so gesehen habe" –

Wundert ihn das? Schließlich sind die sozialen Gräben in Frankfurt so tief wie kaum anderswo.

Aufgerufen hatte die Initiative „GenZ regelt“. Eine Vereinigung, deren Online-Auftritt so viel verbirgt wie offenbart. Ihre Themen zeigen einen parteiübergreifenden Anspruch. Auf Stichpunkte verkürzt, fordert „GenZ regelt“: Klimaschutz, bezahlbare Mieten und Lebenshaltungskosten, keine Wehrpflicht und ein Ende der Bürgerüberwachung. Was direkt auffällt: Nur ein Thema der postmodernen Linken ist vertreten: Der Klimaschutz. Ansonsten: Null. Keine Genderfragen, keine Sprachregulierung, kein Postkolonialismus.

Ebenso wenig läuft „GenZ regelt“ den Rechten hinterher. Schließlich wirbt sie, dass jede Hautfarbe und Geschlecht willkommen seien. Selbsternanntes Ziel der Initiative: Die Belange des Nachwuchses verstärkt zu fokussieren:

„Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne dass wir gehört werden“.

Mag Bundeskanzler Friedrich Merz auch eine jugendzentrierte Politik versprechen, „GenZ regelt“ antwortet:

„Wohin wir auch schauen, sehen wir Krisen und kaum eine Perspektive für uns“.

So werde bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit gespart, während Milliarden in Aufrüstung flössen. Steve, 18-jähriger Ko-Initiator der Münchener Demo, fügt hinzu:

„GenZ regelt“ spreche für eine Jugend, „die sich verlassen fühlt“ und sich sorge, „den Anschluss zu verlieren“.

Nur einige Mitglieder von „GenZ regelt“ treten unter Klarnamen auf, darunter die 28jährige Psychologiestudentin Emma Hübner aus Köln. Als Häuptling der Bewegung gilt der 18jährige Abiturient Akram Selo. Ihn nennt das Impressum als Verantwortlichen. Laut Selos Aussagen besteht der enge Organisationskreis aus 20 bis 30 Personen. Wie man sich gefunden habe? Natürlich via TikTok. - Ob „Akram Selo“ tatsächlich existiert, ließ sich bislang nicht nachweisen: Den Interviewern von Die Zeit oder der FAZ verweigerte er jegliche Info über seinen Wohnort. Natürlich existiert auch kein Foto von ihm. Konträr zu früheren Gurus wie Luise Neubauer oder Greta Thunberg fährt Akram Selo die Dr Mabuse- oder Fantomas- Schiene: Stets im Hintergrund, durch Anonymität geschützt.

Laut Impressum wechselte Selo in kurzer Zeit mehrfach den Wohnort: Vom niedersächsischen Hoya über Oberallgäu bis zur Schweiz. Der Grund? Wird nicht genannt. Und wie steht es um die Finanzen? Wo sprudelt die Geldquelle? Angeblich finanziert „GenZ regelt“ sich durch Spenden. Über die Höhe des Supports  informiert die Plattform GoFundMe: Demnach hat „Gen Z regelt“ bislang über 18.000 Euro an Zuwendungen erhalten.

Die finanzielle und personelle Intransparenz schrecken manchen Unterstützer bereits im Vorfeld ab: Wer weiß, welche Kontaktschuld ihm am Ende droht? So kündigte der Influencer Gianni Matheja am 28. Oktober seinen Job als Pressesprecher. Die Begründung liefert er auf Instagram:

„Inzwischen kommen unter dem Namen ‚Gen Z regelt‘ unterschiedliche Gruppen zusammen, deren Vorstellungen über Ziele und Formen des Protests auseinandergehen. Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe ich unter diesen Umständen nicht mehr ausreichend abgesichert.“

Klingt gruselig, wirft aber Fragen auf: Weshalb benennt Matheja nicht konkret, welche Gruppen sich da einschleusen? Sind es Nazis, Kommunisten oder Trump-Versteher? Und vor allem: Warum schlagen sich deren Einflüsse nicht in der Positionserklärung der „GenZ regelt“ nieder?

Nicht mal der Verfassungsschutz warnt vor akuter Gefahr. Nach Angaben der Behörde sei „die Mehrheit der Akteure nicht extremistisch“. Allerdings griffen „Teile der linksextremistischen Szene“ die Aufrufe von „GenZ regelt“ auf. Außerdem suchten „Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus“ den Aufsprung. Anscheinend ohne nennenswerten Erfolg.

Eine Einschätzung, die auch der Der Berliner Protestforscher Jannis Julien Grimm teilt: Die junge Generation wende sich gegen eine Politik, die von den Bürgern immer mehr Opfer abverlange, aber keine Zukunftsperspektiven biete.

Die Tagesschau krallte sich Klaus Körner, den CSU-Abgeordneten aus Erlangen, und fragte ihn, was die Politik derzeit für die Jugend und deren Zukunft unternehme? Eine seiner Antworten ist ein Meisterwerk an unfreiwilliger Komik. Körner erklärte die Abkehr der Bundeswehr von der Söldner-Armee zur Wiedereinführung der Wehrpflicht als Zukunfts-Investition. Ja, für den CSU-Abgeordneten ist Aufrüsten bei der aktuellen Bedrohungslage die perfekte Vorsorge: Jeder Euro für die Bundeswehr sorge dafür,

„dass junge Menschen auch in Zukunft in Freiheit und Sicherheit leben können."

Klar. Und wer in der Kaserne haust, der braucht auch keinen Miet-Horror oder überhöhte Lebensunterhaltskosten zu fürchten.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bild: Berlin, Deutschland 31-5-2024 Junge Meute an der Spitze der Fridays For Future-Demonstration in der deutschen Hauptstadt. Junge Menschen gehen bei Klimastreik auf die Straße und protestieren gegen Umweltveränderungen.

Bildquelle: D Busquets / shutterstock  


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