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Drei Worte, ein Klang | Von Dirk C. Fleck

Drei Worte, ein Klang | Von Dirk C. Fleck

Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.

Unsere Demokratie. Man muss schon mit Galgenhumor gepanzert sein, um sie ohne ständige Wutausbrüche zu ertragen. Im Würgegriff von Arroganz und Machtinteressen ist sie ganz blaustichig im Gesicht und kaum noch atmungsfähig. Ihr Ausweis ist der unterschriebene Durchsuchungsbefehl, ihr Stolz die Eliminierung der Meinungsfreiheit, ihr Bestreben die Zustimmung. Aber zu was?  Zu dem Motto, dem sie offensichtlich zu frönen scheint und das da lautet: „Kommt Zeit, kommt Tod.“

Nun gut, wir alle stolpern irgendwann aus dem Leben, insofern sollten wir den demokratischen Stumpfsinn, der uns täglich verabreicht wird, als vergängliches Phänomen betrachten, das die Poren unserer Seelen nicht ewig verkleben wird. Wenn wir dann, so Gott will, wiederkehren, werden wir aufgrund der bitteren Erfahrungen, die wir in „unserer Demokratie“ machen durften, hoffentlich zur Besinnung gekommen sein, um uns nicht ein weiteres Mal von den Sprachverdrehern des Guten und des Bösen (Nietzsche) verarschen zu lassen.

Wunschdenken, Fleck, alles Wunschdenken. Die Zeit verläuft nicht linear, sie ist keine Wäscheleine, auf der wir die Daten unserer Geschichte aufhängen können. Die Zeit ist rund. Wenn sich eine Seele einen neuen Körper überstreifen will, kann sie die Zeit betreten, wo und wann sie will. Ich persönlich mag die Zeit nicht. Sie ist ein Parasit, sie braucht den materiellen Nachschub, damit sie überhaupt sichtbar wird. Sie hängt den Körpern und Dingen wie eine Würgeschlange um den Hals. Im Meer der unendlichen Möglichkeiten, wie die Quantenphysik das allumfassende Ganze nennt, in dem alles gespeichert ist, was jemals von irgendeiner Kreatur gedacht oder gefühlt wurde oder noch gedacht oder gefühlt werden wird, spielt die Zeit keine Rolle, nicht die geringste. 

Insofern sind alle guten Vorsätze für ein künftiges Leben, mit denen schon jetzt unsere Defizite als standhafte Demokraten getilgt werden sollen, reine Makulatur. Es sei denn, man definiert seine Persönlichkeit so, wie es der 1995 verstorbene Dramatiker Heiner Müller getan hat:

„Handle stets so in deinem Leben, dass du, wenn du wiederkehrst, dasselbe noch mal machen würdest.“

Das gilt für alle Zeit, ob die nun rund ist oder nicht.

Liberté, Égalité, Fraternité. Drei Worte, ein Klang. Er schwingt in jedem von uns. Unsere Herzen dürsten nach Frieden, Gleichheit, Brüderlichkeit und alle Tränen der Welt sind letztlich dieser Sehnsucht geschuldet. Sie hat sich nicht erst seit der Französischen Revolution eine Stimme gegeben, sondern sich über die Jahrhunderte überall auf der Welt im Widerstand bemerkbar machte. Mir fällt ein Zitat des französischen Dichters Max Jacob (1876-1944) ein, der die Befindlichkeit all jener beschreibt, die verstanden haben, dass der Preis für diese Sehnsucht eine kaum zu ertragende Einsamkeit ist. Die Evolution hat offensichtlich etwas anderes mit den Menschen vor, als sie in ein gesellschaftliches Konstrukt zu binden, das auf Verständnis, Rücksichtnahme und Harmonie gründet.

“Ich weine vor euch, weil ich weiß, zu welchen Schlünden ihr wandert. Und wenn ihr vorüber gegangen seid, so werden meine Tränen nicht aufhören zu fließen“.

Zurück zu „unserer Demokratie“. Wir agieren unter extremer Verletzungsgefahr auf einem unebenen Spielfeld. Wer die Mechanismen von Lüge und Betrug nicht durchschaut, wer nicht fit ist für das hinterlistige Rattenrennen um Geld und Macht, hat zwei Möglichkeiten: aus Mangel an Rückgrat einzugehen in die „demokratische“ Verfügungsmasse, oder sich herauszuhalten aus jedem gesellschaftlichen Diskurs. Aus gutem Grund, denn es liegen bereits zu viel abgetrennte Hände und Arme von Mahnern am Wegesrand, die versucht haben, dem wahnsinnigen Treiben der seelenlosen Eliten in die Speichen zu greifen.

Kennt jemand die Komödie "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" von Christian Dietrich Grabbe aus dem Jahre 1822? Der Teufel flieht vor der Kälte in der Hölle auf die Erde und wird dort als sonderbarer Fremder verspottet. Der Teufel ist immer noch da. Er bastelt gerade an seinem Meisterwerk: die totale Entmenschlichung. Und während er uns mit künstlicher Intelligenz im Zaum hält und jede Menge Honig um den Bart schmiert, vergessen wir endgültig, dass wir eigentlich Naturwesen sind, gesegnet mit einem Empfindungsspektrum, das uns die Welt als das erscheinen lässt, was sie ist: als ein einziges Wunder. Wer jedoch in „unserer Demokratie“ verharren und an das erinnern möchte, wozu Menschen eigentlich gedacht sind, zahlt seinen Edelmut mit der bitteren Erkenntnis, dass aus einem System, welches von Machtgier, Hinterhältigkeit, Unmenschlichkeit, Verlogenheit und Arroganz durchseucht ist, wie es Thomas Mann formulierte, niemals die Liebe steigen wird.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: Pictrider / shutterstock


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