Die Oberlausitzer Friedenstage (1.-3. September 2022)

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.

Zur Eingangsveranstaltung der Oberlausitzer Friedenstage am 1. September hatte die evangelische Kirchgemeinde in Gaußig bei Bautzen, um 19.00 Uhr, zu einem Vortrag von Peter Hahne eingeladen.

Am 2. September fand um 18.00 Uhr in Neukirch ein von der Bürgerinitiative „Mahnwache Bautzen“ organisierter Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema „Sichere Krise – Friedlicher Krieg – ehrliche Manipulation“ statt.

Referenten waren Alex Quint, Journalist und Vermögensberater, Jörg Drews, Geschäftsführer der sächsischen Hentschke Bau GmbH, Michael Wolski, von 1986-1990 Verbindungsperson des DDR-Außenhandels im Büro eines US-Konzerns im Internationalen Handelszentrum in Ostberlin, Katrin Huß, als TV-Moderatorin 20 Jahre lang für den MDR tätig, sowie Sachbuchautor Wolfgang Effenberger.

Ein Musik- und Familienfest auf dem Kornmarkt in Bautzen (15.00 bis 22.00) Uhr am Samstag, dem 3. September, bildete den Abschluss.

1. September 2022: Peter Hahne

Pfarrer Thomas Schädlich stellte bei der Begrüßung von Peter Hahne angesichts einer übervollen Kirche – im Gang stehende Menschen, gefüllte Ränge – hocherfreut fest, dass es sich wie vor 33 Jahren anfühle. Und Peter Hahne verstand es, gleich von Beginn an sein Publikum mitzunehmen.

Er verbat sich, dass Westdeutsche den Ostdeutschen die Demokratie erklärten. In Ostdeutschland wurde vor 33 Jahren der Mut zur friedlichen Revolution aufgebracht, während Westdeutsche auf der Couch beim Bier die Entwicklung in der damaligen DDR im Fernsehen verfolgt hätten. Einige Westdeutsche – bis hinein in die politische Führungsebene – hätten die neuen Bundesländer herablassend „Dunkeldeutschland“ genannt. Dieser Teil Deutschlands sei heute aber ein Lichtstrahl – Vorbild für den notwendigen Kampf um die Freiheit und die gefährdete Demokratie. Er appellierte an das Gottvertrauen und verwies auf das Lied auf seines Freundes Theo Lehmann (1980): „Wer Gott folgt, riskiert seine Träume“ (Vertraut auf den Herrn für immer – Bibelstelle Jesaja, 26,4)

Ausführlich thematisierte Hahne die tiefgreifenden und die Gesellschaft spaltenden Krisen: Krieg, Corona, Klima, Wirtschaft und Inflation. Sie würden begleitet von der größten, alle Bereiche umfassenden Vertrauenskrise aller Zeiten: Kirche, Medien, Politik und Staat. Ein Ergebnis, wenn sich Ideologie und Dummheit paaren. Deshalb muss die Wiedergewinnung des Vertrauens höchste Priorität haben. Dazu brauchen wir die Wahrheit, die Wahrheit als Voraussetzung für Frieden und Freiheit. Aussagen wie „Impfen hat keinerlei Nebenwirkungen“ sind nicht hinnehmbar, und bezüglich der Sanktionen gegen Russland muss gefragt werden: „Wie hoch sind die Kosten?“

Hahne erinnert an den Appell von Alexander Solschenizyn: „Holt Gott zurück in die Politik“, ebenso in die Gesellschaft. Luther würde heute nur feststellen: Wir werden alle verarscht!

Mit dem Zitat von Karl Valentin „Können Sie mir sagen, wo ich hinwill?“ skizzierte Hahne unsere orientierungs- und richtungslose Gesellschaft. Nach über zwei Stunden endete der Abend mit dem von der Orgel begleiteten Lied „Wer Gott folgt, riskiert seine Träume“.

2. September 2022: Impulsreferate und Podium

Am nächsten Abend füllte sich der Gasthaussaal in Neukirch für den Themenbereich Krieg/Krise/Manipulation. Von Ernst Wolff wurde ein Grußwort verlesen. Er hatte als Redner wegen einer Familienfeier absagen müssen. Er wies auf die kommenden turbulenten Zeiten und im Besonderen auf einen bewegten und gefährlichen Herbst hin und gab die Empfehlung, sich richtig zu vernetzen.

Dem Journalisten und Vermögensberater Alex Quint hatte die Bankenkrise 2007/8 die Augen geöffnet. Er fragte sich damals, warum Banken gerettet werden sollen. Vor allem: Woher kam das Geld zur Bankenrettung? Er zeigte am Beispiel der Kreditvergabe die Schöpfung von neuem Geld auf: sogenanntes Buch- oder Giralgeld. Bargeld hingegen wird als Teil der Geldbasis (auch Zentralgeld) von einer Zentralbank geschaffen. Heute stehen 34 Billionen Buchgeld nur 10 Billionen Bargeld gegenüber. Rüstungsgüter, die nur einmal eingesetzt werden können und dabei auch noch Gegenwerte zerstören, sind natürlich Inflationsbomben hoch drei! Auch wenn der Euro dramatisch im Verhältnis zum Dollar fällt, sinkt weltweit die Akzeptanz des Dollars. Für Quint ist er eine tickende Zeitbombe. Er gab den Rat, auf den Konten nur die zum Bankverkehr notwendige Geldmenge zu belassen.

Danach überraschte Michael Wolski in seinem Vortrag „Vom Anfang und Ende der Globalisierung – Einblicke eines Zeitzeugen“ mit seinen intimen Kenntnissen der Vorgänge ab 1986 in Berlin und ab 1991 in Moskau.

Als Ostdeutscher des Jahrgangs 1952 hat er als Kind den Mauerbau1961 und die dadurch ausgelöste Versorgungskrise (heute: gestörte Lieferketten) in der DDR miterlebt, ab 1970 Außenhandel studiert. Von 1986-1990 war er Verbindungsperson des DDR-Außenhandels im Büro eines US-Konzerns im Internationalen Handelszentrum in Ostberlin und erlebte in dieser Funktion den Berliner Mauerfall.1) Anfang 1991 gründete er die Repräsentanz des Konzerns in Moskau und leitete sie. Vor Ort erlebte er als Zeuge den Zerfall der Sowjetunion und die Transformation Russlands. 1998 kehrte Wolski nach Berlin zurück und war dann als Berater für verschiedene russische Firmen tätig.

Wolski erhielt Informationen über den Pakt der Ur-Logen der Freimaurer zur GLOBALISIERUNG von 1981, über die darin geplante Abwicklung der Sowjetunion und die Herstellung der deutschen Einheit sowie über die zeitlich parallel dazu geschaffene Sondereinheit ‚Ljutsch‘ im sowjetischen Militärgeheimdienst GRU. Diese Sondereinheit war bei der Maueröffnung am 9. November 1989 Ausführender bei der vom GRU geplanten Aktion. Fall der Mauer und Zerfall der Sowjetunion, so Michael Wolski, waren Vorbedingungen für die Globalisierung. Nur so konnten die hinter der Mauer/dem eisernen Vorhang liegenden Länder (mit nicht konvertiblen Währungen, Planwirtschaft, Verbot des privaten Besitzes an Produktionsmitteln, Außenhandelsmonopol, Führungsrolle der Partei) in die Weltwirtschaft integriert werden.

Jetzt – gut 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion – scheint ein Prozess zur Beendigung der Globalisierung eingeleitet worden zu sein. Für Wolski hat es bei den aktuellen Sanktionen den Anschein, dass die USA ein Ausbluten Europas zu ihren Gunsten inszenieren – um zu überleben. Ein Vergleich mit dem „Bluttransfer“ aus den staatsozialistischen Ländern in Richtung Westen nach 1990 drängt sich ihm auf. Dazu verwies er auf das LNG, welches im Vergleich zum russischen Erdgas das 7,5 fache kostet – was wir aus amtlicher Sicht gern bezahlen, auch wenn viele Betriebe schließen werden und so der Konkurrenzdruck auf die Amerikaner sinken wird.

Das Jahr 1972 scheint in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu haben. Der 1968 als Pionier und Denkfabrik für Zukunftsfragen gegründete Club of Rome brachte damals den epochalen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ heraus und der erst 34jährige und noch unbedeutende Klaus Martin Schwab gründete das Weltwirtschaftsforum. Nach 6 Jahren Vorbereitungszeit wurde von der UdSSR und den USA sowie einigen ihrer Satelliten, wie BRD und DDR, „Das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse“ gemeinsam von KGB und CIA gegründet.

Es folgte darauf die „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit für Europa“ in Helsinki sowie der Bau von internationalen Handelszentren in Moskau und Ostberlin.

Juri Andropov (Bis 11/82 KGB-Chef, danach KPdSU-Generalsekretär) gab den Befehl zur Errichtung der Geheimdienststruktur Ljutsch (Lichtstrahl) zur Absicherung zukünftiger interner und internationaler Veränderungen.

Im März 1985 wurde Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. Er verkündete Perestrojka und Glasnost. Für Wolski dienten beide interpretierungsbedürftigen politischen Vokabeln der Verschleierung der geplanten Beendigung des planwirtschaftlichen Staatssozialismus in der UdSSR und den Ostblockstaaten und der Privatisierung von Teilen des Volksvermögens durch die Nomenklatura.

Am 28. Mai 1987 landete am späten Nachmittag auf der Brücke vor dem Kreml eine Cessna, gesteuert von Mathias Rust. Gorbatschow nutzte dieses Ereignis, um den Verteidigungsminister und über 300 Generäle in Pension zu schicken.

Mit dieser verdeckten Aktion durch Ljutsch soll der Weg freigemacht worden sein, um nun den letzten Schlag gegen das Sowjetreich in Umsetzung der Beschlüsse des Pakts führen zu können. Diejenigen Militärs, die zur Gefahr hätten werden können, waren trickreich ausgeschaltet worden.
 Keine drei Wochen später forderte US-Präsident Reagan medienwirksam auf der Westseite der Mauer am Brandenburger Tor: „Mr. Gorbachev – tear down the wall!

Die von Michael Wolski so überzeugende vorgetragene Entwicklung findet eine indirekte Bestätigung durch den ehemaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium der Bundesrepublik und Vizepräsidenten der OSZE-Vollversammlung, Willy Wimmer. Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war er im Frühjahr 1988 mit seinem Team zu einem Arbeitsbesuch nach Washington geflogen. Dort erwartete ihn eine Überraschung. Der Bus brachte sie nicht in das Weiße Haus, sondern ins Hauptquartier der CIA nach Langley.

„Erstaunt hörten wir dort den Ausführungen zu, die eine völlig neue amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion zum Thema hatten: Wir sollten uns lösen – so die Botschaft in der großen Gesprächsrunde – von dem, was wir seit Jahrzehnten über militärische Potenziale und Strategien in der Auseinandersetzung zwischen Ost und West in Europa gehört hatten. Die Ergebnisse einer Studie zu diesem Themenfeld sei eindeutig: die Sowjetunion vor Folge rein defensive Absichten. Es gehe einzig und allein um Verteidigung zum Schutz von „Mütterchen“ Russland. Die bisherige Strategie des Warschauer Pakts sei letztlich nur eben die konsequente Reaktion auf die mörderischen Angriffe von Napoleon und Hitler, mit Aggressionen habe das also rein gar nichts zu tun. Diese neue Sicht der Dinge wurde mir gegenüber auch vonseiten des Weißen Hauses lange Zeit beibehalten.“2)

Beide Darstellungen sind durchaus geeignet, bestehende Weltbilder nachhaltig zu zerstören.

Anschließend referierte Wolfgang Effenberger über die geopolitische Krise (Impulsreferat im Anhang).

Jörg Drews, Geschäftsführer der sächsischen Hentschke Bau GmbH und friedensbewegtes Mitglied des Bautzener Stadtrats, erläuterte die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Probleme des Mittelstands. Er warb darum, sich wahrhaftiger um die Geschichte zu bemühen, damit wir aus ihr lernen und die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen können.

Katrin Huß erfreute die Anwesenden mit nachdenkenswerten afrikanischen Märchen und half dem Publikum mit entsprechenden Lockerungsübungen, das in den aktuellen Vorträgen nicht zu vermeidende Negative wieder abzustreifen.

Aus dem Publikum heraus konnten schriftlich Fragen formuliert werden, die in der Pause eingesammelt und zu Blöcken geordnet wurden. Das Podium versuchte jeweils, zufriedenstellende Antworten zu geben.

Insgesamt eine äußerst gelungene Veranstaltung, die von eingeschenkt.tv aufgezeichnet wurde.

Katrin Huß im Gespräch mit den Corona-Bavaria Mädels Mona (li) und Limara (re)
Foto: Wolfgang Effenberger

3.September 2022: Friedensfest

Am 3. September fand dann das von Katrin Huß moderierte Große Friedensfest auf dem Bautzener Kornmarkt statt. Dort sorgten unter anderem die Frauen von Corona Bavaria und andere kritische Liedermacher bis in den späteren Abend für gute Stimmung.

Anmerkungen

1) Michael Wolski: Mauerfall in Berlin – Auftakt zum Zerfall der Sowjetunion. Berlin 2021
2) Willy Wimmer: Die Akte Moskau, Höhr-Grenzhausen 2016, S. 11/12

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: LittlePerfectStock / Shutterstock.com

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