Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befand sich der damalige US-Vier-Sterne-General Wesley Clark, zu diesem Zeitpunkt NATO-Oberbefehlshaber im Kosovo-Krieg, zu Gesprächen im Pentagon.
Clark berichtete später öffentlich, dass er dort auf ein internes Dokument aufmerksam gemacht worden sei, das eine Liste von Staaten enthielt, gegen die in den folgenden Jahren militärische Maßnahmen geplant gewesen seien.
Auf Nachfrage bei militärischen und politischen Entscheidungsträgern, darunter dem damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sei ihm mitgeteilt worden, dass es Pläne gebe, innerhalb von fünf Jahren gegen sieben Länder vorzugehen: Irak, Syrien, Libyen, Libanon, Somalia, Sudan und Iran. Laut Clark bestand kein direkter Zusammenhang dieser Liste mit den Anschlägen vom 11. September; es habe sich um eine strategische Planung gehandelt.
In den darauffolgenden Jahren kam es tatsächlich zu militärischen Interventionen oder Regimewechseln in mehreren der genannten Staaten, darunter im Irak (2003), in Libyen (2011) und in Syrien (ab 2011). Andere Länder der Liste sind bis heute von Konflikten, Sanktionen oder politischer Instabilität betroffen.
Iran blieb bislang das einzige Land der genannten Gruppe ohne direkte militärische Intervention der USA.Vor diesem Hintergrund wird auch die jüngste US-amerikanische Operation in Venezuela von Kritikern in einen größeren geopolitischen Kontext gestellt. Venezuela verfügt über die weltweit größten bestätigten Erdölreserven.
Der jüngste Zugriff der USA führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Angehörige venezolanischer Sicherheitskräfte ums Leben kamen, sowie zur Festsetzung des venezolanischen Präsidenten. Juristen und Völkerrechtler bewerten die Aktion als völkerrechtswidrig, da kein internationales Mandat vorlag.
Öffentliche Unterstützung für das Vorgehen kam unter anderem aus Israel. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gratulierte US-Präsident Donald Trump auf der Plattform X zu der Operation und lobte dessen Führung und Entschlossenheit. Die Äußerung wurde international zur Kenntnis genommen und unterschiedlich bewertet.
Parallel dazu eskalierten in Iran zuletzt landesweite Proteste. Auslöser waren unter anderem der starke Wertverlust der Landeswährung, hohe Inflation und wirtschaftliche Notlagen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften, bei denen Tote und Verletzte gemeldet wurden. Vertreter der USA und Israels äußerten öffentlich Sympathie für die Protestbewegung. US-Präsident Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden reagieren, sollte es zu weiteren Todesopfern unter Demonstrierenden kommen.Die iranische Regierung wirft den USA und Israel vor, zur Eskalation der Unruhen beizutragen.
Zur Begründung verweist Teheran auch auf historische Erfahrungen. Der iranische Geheimdienst SAVAK, der unter dem Schah-Regime tätig war, wurde 1957 nach dem Sturz des demokratisch gewählten Premierministers Mossadegh im Rahmen der Operation Ajax gegründet. Aufbau, Ausbildung und Arbeitsweise des SAVAK erfolgten mit Unterstützung der CIA und des israelischen Geheimdienstes Mossad.
Der SAVAK war für umfassende Überwachung, Folter und die Verfolgung politischer Opposition verantwortlich. Diese Vergangenheit prägt bis heute das iranische Verhältnis zu westlichen Staaten.
Zusätzlich belastet wird die Lage durch frühere israelische Militäraktionen gegen iranische Ziele sowie gezielte Tötungen politischer Akteure in Teheran. Beobachter sehen darin eine Kontinuität regionaler Spannungen.
Analysten verweisen darauf, dass die von Clark geschilderten Planungen aus dem Jahr 2001 in Teilen umgesetzt wurden. Die aktuellen Entwicklungen in Venezuela und Iran werden daher von einigen Experten als Teil längerfristiger geopolitischer Strategien interpretiert, während westliche Regierungen die Ereignisse jeweils als voneinander unabhängige Reaktionen auf aktuelle Krisen darstellen.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bildquelle: tanitost /shutterstock
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