Der Diskurskollaps | Von Ullrich Mies (Podscast)

Die Corona-Diktatur bringt es an den Tag: Gehirnwäsche und Propaganda laufen auf Hochtouren.

(Dieser Text in eine leicht modifizierte Version aus dem Buch Mega-Manipulation: Westend Verlag, Frankfurt, August 2020, Seite 294-308).

Ein Standpunkt von Ullrich Mies.

„Denn ebenso wie es üblich ist, vom Gesicht einer Zeit, eines Landes zu reden, genau so wird der Ausdruck einer Epoche als ihre Sprache bezeichnet“ (1).

Aktualisiertes Propaganda-Modell

Ende der 1980er Jahre hatten Edward S. Herman und Noam Chomsky in ihrem Propaganda-Modell (2) formuliert, welche fünf Filter die Berichterstattung der Mainstream-Medien kennzeichnen, um abweichende Auffassungen aus ihren Veröffentlichungen herauszuhalten. Dieses Propaganda-Modell hatten sie in den Jahren 2002 und 2008 modifiziert, ihr ursprüngliches Modell gleichwohl nicht verworfen (3). Die Mainstream-Medien hinterfragen nicht:

  1. die Eigentumsverhältnisse und Profitorientierung der Kontrollgruppe,
  2. die Werbung als Haupteinnahmequelle,
  3. die weitgehende Abhängigkeit von Regierungs- und Unternehmensquellen, von Pentagon und State Department (Außenministerium der USA) und deren „Experten“ für die Nachrichtengewinnung,
  4. die vorherrschende Tendenz, Mächtige nicht zu attackieren,
  5. die „religiöse Verehrung“ der Marktwirtschaft beziehungsweise des Kapitalismus.

„Der Filterprozess ist in die Medienstrukturen eingebaut und erfordert keine top-down-Befehle oder Verschwörungen“ (4).

Seit der letzten Überarbeitung dieses Propaganda-Modells sind Jahre vergangen und die neoliberale Konterrevolution ist über die sogenannten westlichen Demokratien hinweggefegt. Darum will ich diesen fünf Filtern sechs Narrative zur Seite stellen, weil sich im Laufe einer Generation die gesellschaftlichen Zustände massiv radikalisiert haben. Zugleich will ich aufzeigen, wie die Mainstream-Medien und ihre ideologische Gefolgschaft die Kritiker dieser Narrative diffamieren.

Erstes Narrativ:

Der Neoliberalismus als überragende Ideologie des Westens sowie der globalisierte Konzern-Kapitalismus sind unantastbar und ebenso die Europäischen Union als Völker verbindendes demokratisches Projekt. Keinesfalls darf die EU als das erkannt werden, was sie ist: ein marktradikales Projekt der Herrschaftseliten. „Westliche Wertegemeinschaft“ und „liberale Demokratie“ unter der Herrschaft der (Finanz-)Märkte sind nicht in Frage zu stellen.

Wer „die unsichtbare Hand der Märkte“ in Abrede stellt, die Verheerungen des Neoliberalismus wie Reichtumsumverteilung von unten nach oben, Privatisierungen, Schadensverlagerung auf die Allgemeinheit, Regierungspolitik im Sinne der Konzerne sowie die negativen Auswirkungen der Freihandelsabkommen kritisiert, wird als Ketzer wider die allein denkbare neoliberale Ideologie verunglimpft.

Zweites Narrativ:

Pentagon, NATO, EU und Bundeswehr schützen die „westlichen Werte“. Die geopolitische Positionierung des Westens unter Führung von USA und NATO sowie der EU als militärpolitischer Partner der NATO steht nicht in Frage (5). Die sich aus den geopolitischen Interessen ergebende Aufrüstung ist nicht verhandelbar. Kriegsvorbereitungen und neue Kriege beziehungsweise Macht- und Ressourcensicherung sind daher integrale Bestandteile westlicher Ordnungs-, Außen- und Kriegspolitik.

Daraus folgt: Wer die Weltbeherrschungsobszession der USA und ihrer EU-Vasallen kritisiert, gilt als „Antiamerikaner“. Kritiker, die das Kriegskonglomerat als Schmarotzer seiner Wirtsvölker bezeichnen und die offizielle Version von 9/11 infrage stellen, gelten als „Verschwörungstheoretiker“. Diese müssen damit rechnen, vom „gesellschaftlichen Leben“ ausgeschlossen und ihrer beruflichen Existenz beraubt zu werden.

Drittes Narrativ:

Die neuen Feinde des Westens sind Russland und China. Russland ist das Reich des Bösen. Vladimir Putin ein Diktator, der alles missachtet, was dem „Westen“ heilig ist. Wer sich zu Russland eine differenzierte Meinung bildet oder sogar Putins Handeln etwas Positives abgewinnen kann, gilt als Verehrer einer Diktatur und „Putinversteher“. Er oder sie wird vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen.

Viertes Narrativ:

Kriege zur Machtkonsolidierung und Machterweiterung „hat es schon immer gegeben“, Flüchtlings- und Migrationsströme sind daher unvermeidbar. Wer dieses Narrativ grundsätzlich infrage stellt, wird als unrealistischer Friedens-Spinner diffamiert. Wer zusätzlich Fragen zur Migration zu stellt, Kriege und Sanktionen anprangert, erhält den Stempel, Chauvinist, Nazi, Rassist und/oder „Querfrontler“ zu sein.

Fünftes Narrativ:

Die territoriale Erweiterungspolitik der israelischen Regierung in Palästina steht ebenso wenig zur Debatte wie die de facto Vernichtungspolitik gegen die Palästinenser (6). Wer das als faschistoide Apartheid-Politik bezeichnet, gilt als „Antisemit“.

Sechstes Narrativ:

Ausnahmezustand und „Medizinisches Kriegsrecht“ sind mit der Demokratie kompatibel. In medizinischen Krisensituationen müssen Regierungen Bürgerinnen und Bürger vor „unbedachten“ Handlungen bewahren.

Sie müssen Kinder und Alte schützen, den Klein- und Mittelstand komplett „herunterfahren“, um Kontakte zu vermeiden. Wer sich der „höheren Einsicht“ verschließt, dass Regierungen nur zum Wohl ihrer Bevölkerungen agieren, verhält sich unverantwortlich und unsolidarisch. Wer etwas anderes behauptet ist Nazi, Verschwörungstheoretiker, Antisemit, „nicht ganze dicht in der Birne“, hat „eins an der Klatsche“, ist „Feind der westlichen Werteordnung“, „gehört weggesperrt“, „in Lagern ruhiggestellt“, ist „Feind der Mehrheit, ja der Menschheit überhaupt“.

Die Analyse der Mainstream-Medien-Berichterstattung sowie die der Öffentlich-rechtlichen ergibt bei fast allen Beiträgen eine „massive Schlagseite“ bis hin zu offensichtlicher Manipulation und Propaganda zugunsten von Regierungspositionen.

Faktisch betreiben die Machtzentren und die Medien als ihr korrupter Anhang „Gegenaufklärung“, mehr noch, einen Softpower-Krieg gegen die Zivilgesellschaften. Der Softpower-Krieg soll die Zivilgesellschaften zum Gleichschritt mit den neoliberalen und kriegsaffinen Regimen veranlassen. Zwar verfasste Siegfried Krakauer seine Schrift „Zur Theorie der totalitären Propaganda“ (7) gegen die Hitler- und Mussolini-Propaganda, dennoch gelten seine Erkenntnisse uneingeschränkt fort:

„Die neue Qualität, die Propaganda in den autoritären Staaten annimmt, rührt daher, dass allein mit Ihrer Hilfe die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung zum Schutze von Interessen eingespannt werden kann, die zu ihren eigenen in vollkommenem Gegensatz stehen, und die gegen den bewussten Willen der tödlich bedrohten Majorität keinen Augenblick mehr sich behaupten könnten“ (8).

Mit den genannten sechs Narrativen und den dazu gehörenden Diffamierungen legt die Bewusstseinsindustrie den Denkkorridor fest. Positionen außerhalb dieser Narrative bekämpfen die Zentren der Macht, die „Medien als Regierungsassistenten“ (9) und vor allem die PR-Propaganda-Agenturen mit allen legalen und illegalen Mitteln. Wer wie Assange Regierungsverbrechen aufdeckt, wird von den faschistoiden Machtzentren physisch vernichtet. Die Herrschaftsmedien schauen weg oder klatschen sogar Beifall.

Diskurskollaps in den westlichen Fassadendemokratien

Die öffentliche Diskussion endet in den westlichen Fassadendemokratien dort, wo sie dringend notwendig wäre. Die Grundvoraussetzungen einer offenen demokratischen Gesellschaft sind jedoch seit langem weder in Deutschland noch in den anderen Staaten der „westlichen Wertegemeinschaft“ gegeben.

Die Machtzentren, ihre Propaganda- und Medienindustrie haben die politische Debatte im gesamten Westen planvoll vergiftet.

Diese Vergiftung strahlt in alle gesellschaftlichen Segmente aus, die sich zunehmend in feindlichen Lagern gegenüberstehen. Das ist kein Zufall, die Zersetzung ist Absicht.

Maßgeblich betroffen davon ist die Linke Europas. Sie ist nicht zufällig in zum Teil unversöhnliche, ja sich sogar bekämpfende Lager zerfallen (10). An der systematischen Zersetzung der Linken sind viele Akteure beteiligt unter anderem — Antideutsche (11), Geheimdienste und undercover-NGO‘s. Der Zerfall der europäischen Linken sei, so Domenico Losurdo, vor allem auf den verlogenen Menschenrechts-interventionismus der „imperialen Linken“ zurückzuführen. Während diese vordergründig der Moral im Kampf gegen böse Diktatoren huldigen, seien sie jedoch tatsächlich die korrupten und moralisch willfährigen Komplizen der imperialistischen und neokolonialen Krieger der USA und ihrer Vasallen (12).

„Während der, ob mit der Gegenwart oder der Vergangenheit verbundene Empörungsterrorismus Druck auf sie ausübt, ist die Linke insgesamt unfähig, der reaktionären Offensive wirklich etwas entgegenzusetzen; so schließt sie sich nicht selten dieser Offensive (Losurdo meint den verlogenen ‚humanitären‘ Kriegsinterventionismus sich als ‚links‘ verstehender Kreise, der mehr Opfer fordert, als er Zivilisten schützt, U.M.) an und versucht bisweilen gar, sich als einer ihrer eifrigsten und am wenigsten nachgiebigen Protagonisten auszuzeichnen. Zumindest was die internationale Politik angeht, hat sich eine Dialektik von bitterer Komik entwickelt“ (13).

Die oben genannten Narrative bilden die „roten Linien“ und grenzen jeden Andersdenkenden aus. Seit Jahren analysieren Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer die penetrant-einseitige, kriegstreiberische und regierungsnahe Medienpolitik von ARD und Tagesschau (14). Die Politik in Deutschland wird von einer marktradikalen und kriegsaffinen Allparteienkoalition und ihrer NATO-konformen Medienallianz gesteuert; die immer wieder propagierte „Verantwortungsübernahme“ ist dümmlich-propagandistisches Geschwätz, um imperiale Ambitionen zu verbergen, das ist die Sachlage (15).

Da die deutsche neoliberale Altparteienkoalition von ihrer zerstörerischen Politik nicht ablassen will, reduziert sie ihren Glaubwürdigkeits- und Legitimationszerfall auf „Kommunikationsprobleme“.

„Wir haben das nicht ausreichend kommuniziert“, gehört zu den Standardphrasen. Und weil eine Modifikation der genannten Narrative nicht zur Debatte steht und sich Kriegstreiberei und eine Politik zu Lasten großer Bevölkerungsschichten auf Dauer nicht „gut kommunizieren“ lassen, radikalisieren sich die Fronten immer mehr und das Regime muss die Propaganda-Waffen immer weiter perfektionieren.

Schleichende Kulturzerstörung — Von der Lingua Tertii Imperii zur Lingua Quarti Imperii

Integraler Bestandteil der Kulturrevolution „von oben“ ist die Transformation der Sprache. Die Sprache des globalisierten marktradikalen Kapitalismus unterscheidet sich in ihrer Geistesarmut kaum von der des Dritten Reiches. Die Lingua Tertii Imperii, LTI, die Sprache des Dritten Reiches, so Klemperer, wurde durch die „Machtübernahme“ der nationalsozialistischen Partei 1933 „ … zu einer Volkssprache, das heißt, sie bemächtigte sich aller öffentlichen und privaten Lebensgebiete: der Politik, der Rechtsprechung, der Wirtschaft, der Kunst, der Wissenschaft, der Schule, des Sportes, der Familie, der Kindergärten und der Kinderstuben“ (16).

Zur LTI schreibt Viktor Klemperer:

„Die LTI ist ganz darauf gerichtet, den einzelnen um sein individuelles Wesen zu bringen, ihn als Persönlichkeit zu betäuben, ihn zum gedanken- und willenlosen Stück einer in bestimmter Richtung getriebenen und gehetzten Herde, ihn zum Atom eines rollenden Steinblocks zu machen“ (17).

Genau dasselbe gilt unter den ideologischen Bedingungen des Neoliberalismus — im Konzernkapitalismus des globalisierten Vierten Reiches, für die Lingua Quarti Imperii:

„Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewusst in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. Das ist wohl auch der Sinn der Sentenz: le style c’est l’homme; die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen“ (18).

Zum Sprachcode des Dritten Reiches gehörten vor allem „Volk“, „Führer und Vaterland“, „neuer Lebensraum im Osten“, „erobern“, „siegen“, „Endsieg“ und „ausmerzen“. Vergleichbar intensiv sind die Einpeitscher des Marktradikalismus und des militaristischen Eroberungswahns seit mehr als einer Generation damit beschäftigt, die zentralen Kampfbegriffe des Neoliberalismus als Neusprech in die Köpfe der Öffentlichkeit zu hämmern: Markt, die Märkte, Reformen, Reformstau, Effizienz, Synergieeffekte, Segnungen der Globalisierung, Exzellenz und Exzellenz-Zentren, Kompetenz und Kompetenz-Zentren, Inklusion, regelbasierte Ordnung, Verantwortungsübernahme, westliche Werte, Alternativlosigkeit, Speerspitze im Kampf gegen Russland, humanitäre Interventionen — um nur einige zu nennen.

Diese Gehirnwasch-Phrasen führen die „Verantwortungsträger“ des marktradikalen Kapitalismus ständig im Munde. Offensichtlich können oder wollen sie aufgrund ihrer persönlichen Deformation nicht mehr über den Tellerrand dieser Herrschafts-Codes hinaussehen.

Nur scheinbar besteht ein Widerspruch zwischen der „Formierung der Masse auf den Führer“ sowie der Blut- und Boden-Ideologie des Nationalsozialismus auf der einen Seite und der Lingua Quarti Imperii auf der anderen. Denn heute lautet die verordnete Kollektivideologie: „Freier Westen“ und „liberale Demokratie“ vereint gegen Russland, China und alle Länder, die sich „uns“ nicht unterwerfen wollen.

Hier tappt die staatstragende „Linke“ in die Falle der globalistischen transnationalen Kapitalistenklasse (Transnational Capitalist Class, TCC) (19): Während alle Fortschritte der Linken über die Dekaden hinweg auf nationaler Ebene erkämpft wurden, schwärmt sie von der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse, die allein schon an Sprach- und Kulturschranken scheitert. Demgegenüber hält die TCC auch hier sämtliche „Trümpfe“ in ihren Händen, von finanzielle Ressourcen über ein Millionenheer an Manipulateuren und Propagandisten, über Regierungen und Institutionen bis in die innen- und außenpolitischen Gewaltapparate.

In den Kontext von Massenmanipulation und schleichender Gehirnverschmutzung durch neue Sprachfolien gehört auch die Kulturzerstörung Zentraleuropas, maßgeblich der deutschsprachigen Länder.

Das geschieht einerseits freiwillig/unfreiwillig beziehungsweise unbewusst durch die Übernahme zahlreicher Anglizismen (20) und andererseits durch den Neusprech der BWLer, Controller, Militaristen, Marktenthusiasten und Neoliberalen. Sie haben neue Sprachfolien wie Mehltau über die Länder gelegt.

Der Anglizismen-Index 2018 kategorisierte die bislang 7.700 identifizierten Anglizismen mit 3 Prozent als „ergänzend“, 18 Prozent als „differenzierend“ und 79 Prozent als „verdrängend“ (21). Das bedeutet, dass 6.083 deutsche Wörter durch Anglizismen weitgehend oder komplett verdrängt wurden. Die anglo-amerikanische Kultur-Unterwanderung durch den inflationären Gebrauch von Anglizismen steht in direktem Bezug zur Entfaltung des marktradikalen Großkonzern-Kapitalismus angelsächsischer Provenienz nach der Wende und verlief weitgehend parallel dazu.

Zur Transformation des kollektiven Bewusstseins gehört ferner die Political Correctness (22) mit ihrer „Sprach-Polizei“ als Türsteher „korrekter“, das heißt fortan einzig gestatteter Sprech- und Schreibweise. Nicht zufällig kommt der Political-Correctness-Terror aus den USA. Dort hatten die Herrschaftsapparate dem Druck gesellschaftlicher Minderheiten-Gruppen auf „Teilhabe“ an Positionen und Macht in Politik und Institutionen nicht länger standhalten können. Während die alten Widersprüche des Kapitalismus und der westlichen Kriegspolitik bestehen blieben, wurden sie fortan sogar von den neuen Minderheiten verteidigt. Seite an Seite mit den alten reaktionären Herrschaftsfraktionen kämpfen sie nun um den Erhalt ihrer Privilegien: für „marktkonforme Demokratie“, Globalisierung und die neuen „humanitären Kriege“.

Ein vergleichbarer Wandel wie in den USA vollzog sich bei den deutschen „Grünen“, in denen heute bellizistische Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund als nützliche Dienstleister der Herrschaftskasten die Politik der Verheerungen und Kriegstreiberei fortsetzen. Die Herrschaftszentren danken es ihnen mit Positionen und Pensionsansprüchen. Sie haben begriffen, was für sie auf dem Spiel steht und darum alle Minderheiten in ihre „ideologischen Apparate“ integriert. Ihnen ist es vollkommen egal, welche Gruppen, Untergruppen und Minoritäten ihnen dienen.

Auch damit nicht genug: Die Torhüter der Gender- und Minoritäten-Sternchen-Polizei maßen sich an, ihren Sprachterror — bis in die Tiefe der Bildungsinstitutionen — flächendeckend durchzusetzen. Letztlich geht es darum, die Bevölkerung unter dem vorgeblichen Anspruch von Fairness, Menschenrechten und Nichtdiskriminierung zu disziplinieren und in ein neues Zwangskorsett zu pressen.

„Die Show gilt zunächst als ‚surreal‘, weil zu wenige sich gefragt haben, was die bisher als zutiefst rassistisch, frauenfeindlich, elitär und homophob bekannten Eliten plötzlich dazu gebracht hat, sich über Nacht in begeisterte Anhänger des ‚Feminismus‘, ‚Nativismus‘ und von ‚LBGT‘ zu verwandeln. Die Unaufrichtigkeit ihrer skurrilen Schmeicheleien über ‚den differenten Anderen‘ ist Teil des Techno-Faschismus“ (23).

Nach Guido Giacomo Preparata (24) dient der Techno-Faschismus der postmodernen Globalisten

  1. der diskriminierenden Bevölkerungskontrolle,
  2. der „Ent-Differenzierung“ zwischen männlich und weiblich, d.h. die Nivellierung der Geschlechter und der Zerstörung der Familie als Hort der Geborgenheit und
  3. dazu, über Migrationsgesetze den Strom neuer Arbeitssklaven von den Peripherien in die Zentren zu garantieren.

Durch den medial inszenierten Dauerterror gegen die Öffentlichkeit sollen die Energien absorbiert werden, die sich gegen die Zentren der Macht richten müssten.

Der notwendige Diskurs überfälliger Veränderungen wird — wie immer — verweigert, fundamentale Existenzfragen werden auf bedeutungslose Nebengleise abgeschoben, die gesellschaftlichen Diskursgräben immer weiter aufgerissen und die Menschen gehen wegen Nichtigkeiten auf einander los (25). Und es geht weiter: Die Neologismen, Sprachverdrehungen, Euphemismen kurz der gesamte Neusprech ist Teil herrschaftssichernder Sprachdeformation und umfasst heute ohne weiteres hunderte, wenn nicht tausende Begriffe, die Lexika füllen könnten (26).

Der schleichende Kulturverfall nistet sich in immer neue Sektoren ein. Die freiwillige Selbstkastration der „neuen Akademiker und Akademikerinnen“ ist daher nur folgerichtig. Viele bewegen sich im selbst gesteckten Laufstall geistiger Beschränkung, konsumieren neoliberales Junk-Food und weigern sich, ihre fest umrissenen „intellektuellen“ Zumutbarkeitsräume zu verlassen. Ein geweiteter Blick könnte ihre Sicht auf die Welt ins Wanken bringen:

„Was motiviert ausgerechnet Wissenschafter dazu, ihr eigenes Erkenntnisinteresse und das ihrer Studenten künstlich zu verengen und in moralisch vorgezeichnete Bahnen zu lenken? Warum fällt dies bei Studenten auf fruchtbaren Boden? Warum fordern manche Studenten mittlerweile mit Vehemenz moralkonforme Schonkost ein?“ (27).

Der Bürger als Feind

Da die Machtzentren ihre Meinungshegemonie um keinen Preis aufgeben wollen, installieren sie den „(kritischen) Bürger als Feind“. Sie wittern überall dort Fake News, wo ihre Definitionshoheit auf den Spiel steht. Die Definitionshoheit geht der herrschenden Politik und ihren Interpreten angesichts der offensichtlichen Ungerechtigkeiten, der systemischen Korruption sowie der verfassungswidrigen Angriffskriege zunehmend verloren. Um die Zivilgesellschaft zu drangsalieren und zu kontrollieren, gehen sie zur psychologischen Kriegsführung über, instrumentalisieren geheimdienstgesteuerte Terroranschläge zur Angstproduktion (28), hysterisieren die Corona-Infektionen und Instrumentalisieren sie für den präventiven Ausnahmezustand (29).

Würde die Öffentlichkeit nicht der verordneten Hysterie anheimfallen, dann würde sie die Todeszahlen durch „Corona“ mit den „ganz normalen“ Todeszahlen, die das herrschende System in Permanenz durch Verkehrstote, Stellvertreterkriege, systemische Gewalt, Sepsis in den Krankenhäusern, Kriege im Nahen und Mittleren Osten etc. „produziert“, in Beziehung setzen. Dann würde sehr schnell deutlich: bei der „Corona-Krise“ handelt es sich um psychologische Kriegsführung, um einen Informationskrieg der Machtzentren gegen die Zivilgesellschaften. Wenn die ahnungslose Öffentlichkeit zudem über Atomkriegspläne, und -strategien auch nur ansatzweise informiert wäre, gäbe es keine „Corona-Hysterie“. Die ganz andere Hysterie würde sich sodann gegen die Mächtigen wenden, sie stürzen und auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgen.

Auch wenn der Konservative Gustave Le Bon ein Gegner der Volksherrschaft war, ist er offensichtlich zu zeitlosen Erkenntnissen über das Massenverhalten gelangt. Das, was er gegen den Sozialismus zum Besten gab, gilt um ein Vielfaches mehr für die verheerende geistige Verfassung vieler Menschen als Folge der Gehirnwäsche unter dem Regime des Neoliberalismus und der Corona-Diktatur:

„Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die Ihnen missfallen, wenden Sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer“ (30).

Die Machtzentren investieren zudem in Cyber-Krieg und Astroturfing, erteilen Auftritts- und Sprechverbote und beauftragen Privatunternehmen wie Google, Facebook, Twitter mit Gedankenreinigung und „Fake-News“-Zensur.

Trotz massiver Propaganda denken zahlreiche Zeitgenossinnen und -genossen aber gar nicht daran, sich von den Machtzentren und ihren selbsternannten Inquisitoren Vorschriften machen zu lassen. Das hat zur Folge, dass die westlichen Regierungen die Daumenschrauben gegen den „unwilligen“ Teil der Bevölkerung immer stärker anziehen und nun auch noch die Restbestände der Demokratie zerstören.

Sie versuchen, systemkritischen Journalisten, Wissenschaftlern und Dissidenten die Karrieren und Existenzen zu ruinieren oder die Ehre abzuschneiden. Das hat Tradition, reicht zurück bis in die Zeiten des FBI — COINTELPRO (31) und die Kommunistenhatz der McCarthy-Ära in den USA der 1950er Jahre und die Zeit der Berufsverbote in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland. Oder aber sie bedrohen ihre Feinde mit dem Tod, wie Edward Snowden, Chalsea Manning, Julian Assange, deren „Verbrechen“ darin bestanden, die Verbrechen und den Herrschaftsterror der US-Regierung aufzudecken.

Nicht einmal diese Tatsache führte in Deutschland zur flächendeckenden Solidarisierung aller Journalisten mit den Bedrängten. Im Gegenteil: Servil degeneriert duckte sich die Medienmeute mehrheitlich feige weg, oder — noch widerlicher — erklärte Assange zum Verräter (32). Die ideologische Borniertheit der Mainstream-Lakaien ist gar nicht mehr zu erschüttern. Der potenzielle Liebes- und Vorteilsentzug durch die Machtzentren wiegt für diese Mischpoke entschieden schwerer als das Leben eines bedrängten Kollegen. Nur soviel zur unappetitlichen Selbsterniedrigung einer ganzen Branche.

Wer sich jenseits der Mainstream-Medien informiert, verweigert den Herrschaftsinterpreten meist die Gefolgschaft. Er hat den Widerspruch zu den einzig möglichen „Wahrheiten“ der Torhüter der Macht durchschaut.

Und immer mehr Menschen merken nicht nur, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, sondern schauen auf die Verursacher in den Zentren der Macht. Darum nimmt auch die Schärfe der Auseinandersetzungen zwischen Machtcliquen, Mediengläubigen und Pseudolinken in Pool-Position zur Erlangung leistungsfreier Jobs im Staatsapparat einerseits und deren Kritikern auf der anderen Seite zu. So ist auch nicht verwunderlich, dass Deutschland in zahllose, sich bekämpfende Lager zerfallen ist, die in geistigen Schützengräben liegen. Verfassungsstaat, Demokratie und öffentlicher Raum sind dabei längst unter die Räder gekommen, eine akzeptable Diskussionskultur sowieso.


 

Quellen und Anmerkungen:

  1. Victor Klemperer, a.a.O., S. 20
  2. Edward S. Herman und Noam Chomsky, Manufactoring Consent. The Political Economy of the Mass Media, New York 1988; Hier: Mark Achbar (Hg.), Noam Chomsky — Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung. Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens, Grafenau 2001, S. 51; Siehe auch: Joan Pedro-Carañana, Daniel Broudy, Jeffery Klaehn (eds.), The Propaganda Model Today. Filtering Perception and Awareness, London 2018: https://www.uwestminsterpress.co.uk/site/books/10.16997/book27/
  3. Edward S. Herman, Still Manufacturing Consent. The Propaganda Model at Thirty, in: Andy Lee Roth, Mickey Huff, Censored 2018, Press Freedom in a „Post-Truth-World“, New York, Oakland, London, 2018, S. 209-223
  4. Ebd., S. 210
  5. Claudia Haydt, Jürgen Wagner, Die Militarisierung der EU. Der (un)aufhaltsame Weg Europas zu militärischen Macht, Berlin 2018;
  6. Siehe hierzu: Nirit Sommerfeld, Wes Lied du singst. In Israel rufen faschistoide Nationalreligiöse offen zum finalen Sieg über die Palästinenser auf, Rubikon, 27. 02. 2020: https://www.rubikon.news/artikel/wes-lied-du-singst; Gideon Levy, Die israelische Armee hat keine Scharfschützen an der Grenze zu Gaza. Das sind Jäger, antikrieg, März 2020: http://www.antikrieg.com/aktuell/2020_03_10_dieisraelische.htm
  7. Siegfried Krakauer, Totalitäre Propaganda, Frankfurt a. M. 2013
  8. Theodor W. Adorno, Kurzfassung des Textes von Siegfried Krakauer, Zur Theorie der autoritären Propaganda, in: Siegfried Krakauer, Totalitäre Propaganda, Frankfurt a. M. 2013, S. 268
  9. Noam Chomsky, Media Control. Wie die Medien uns manipulieren, 2. Aufl. Hamburg 2003, S. 123-146
  10. Siehe hierzu: Guido Giacomo Preparata, The Ideology of Tyranny: The Use of Neo-Gnostic Myth in American Politics: https://www.researchgate.net/profile/Guido_Preparata; Ders.: Die Ideologie der Tyrannei.: Neognostische Mythologie in der amerikanischen Politik, Berlin 2015
  11. Susann Witt-Stahl, Michael Sommer (Hrsg.) „Antifa heißt Luftangriff!“ Regression einer revolutionären Bewegung, Hamburg 2014
  12. Domenico Losurdo, Wenn die Linke fehlt …, Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg, Köln 2017, hier das Kapital VIII: Zwischen imperialen und populistisch-anarchoiden Linken – Die Lage im Westen, S. 289 – 340
  13. Domenico Losurdo, Wenn die Linke fehlt …, Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg, Köln 2017, S. 289
  14. Siehe: https://www.rubikon.news/autoren/volker-brautigam
  15. Immer wieder „eindrucksvoll“ sind die Äußerungen des deutschen Außenpolitikdarstellers und NATO-Propagandisten Heiko Maas
  16. Ebd., S. 29
  17. Ebd., S. 33
  18. Ebd., S. 20, Hervorhebung U. M.
  19. Siehe hierzu meinen Beitrag in diesem Band: Gehirnverschmutzung im Zeitalter der Gegenaufklärung
  20. Verein Deutsche Sprache (Hg.), Der Anglizismen-Index, Paderborn 2018; siehe ferner auch die Internetausgabe: https://vds-ev.de/denglisch-und-anglizismen/anglizismenindex/ag-anglizismenindex/; z. a.: 01.12.2019
  21. Ebd.
  22. Siehe hierzu: Daniel Ullrich, Sarah Diefenbach, Es war doch gut gemeint. Wie Political Correctness unsere freiheitliche Gesellschaft zerstört, München 2017
  23. Guidi Giacomo Preparata, The Ghibelline Globalists of the Techno-Structure: On the Current Destinies of Empire an Church, Nachwort in Sean Stone, New World Order. A Strategy of Imperialism, Walterville, OR, 2016, S. 147-192, hier S. 186
  24. Ebd., S. 186
  25. Siehe hierzu: Guido Giacomo Preparata, The Ideology of Tyranny, a.a.O.
  26. Siehe hierzu u.a.: Daniel Baumann, Stephan Hebel, Gute-Macht-Geschichten. Politische Propaganda und wie wir sie durchschauen können, 2. Aufl., Frankfurt am Main 2016
  27. Sandra Kostner, Der eindimensionale Akademiker, Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2020, S. 25; In meinem Schreiben an die Autorin u.a.: “Bedauerlicherweise sind Sie jedoch selbst Opfer akademischer Selbstbeschränkung insofern, als sie den disziplinierenden und idiotisierenden Effekt der neoliberalen Durchdringung des Hochschulwesens völlig unterschlagen. Sie verlassen damit den selbstgesteckten Laufstall nicht! Sie finden einen geschickten Dreh, die linke Hochschulpolitisierung der 1960er und 1970er Jahre als alleinigen Marker für „Agendawissenschaften“ herzustellen. Fakt ist, dass die Linke oder was sich dafür hält, in die moralisierenden Nischen abgetaucht ist, die Sie zu Recht aufspießen. Das hat aber nichts mit „links“ zu tun, sondern mit Verblödung. Das Hauptproblem des ganzen Irrsinns heute wird bedauerlicherweise von Ihnen gar nicht adressiert: Das wahre Agenda-Setting durch die neoliberalen Transformatoren. Mit denen wollen Sie sich offensichtlich nicht anlegen, …“
  28. Daniele Ganser, NATO Geheimarmeen in Europa, Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Zürich 2008; J. Michael Springmann, die CIA und der Terror. Wie über US-Konsulate Terror-Netzwerk aufgebaut werden. Der Insider Bericht eines US-Diplomaten, Rottenburg 2016
  29. Lungenarzt schlägt Alarm: Wirtschaft und Politik wollen das Corona-Virus für ihre Zwecke instrumentalisieren, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, 11.03.2020: https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/502747/Lungenarzt-schlaegt-Alarm-Wirtschaft-und-Politik-wollen-das-Corona-Virus-fuer-ihre-Zwecke-instrumentalisieren?src=rec-newsboxes;Nafeez Ahmed, Die Corona-Pandemie, Rubikon, 14.03.2020: https://www.rubikon.news/artikel/die-corona-pandemie
  30. Gustave Le Bon, Psychologie der Massen, 15. Aufl., Stuttgart 1982, S. 78
  31. COINTELPRO = Counterintelligence Program
  32. Tief aus der Medienkloake: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article191867307/Julian-Assange-Journalist-Aufklaerer-Narzisst-Verraeter-und-nuetzlicher-Idiot.html

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Danke an den Autoren für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien am 03. März0 2021 im Rubikon – Magazin für die kritische Masse

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Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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