Das ZDF berichtet wahrheitsgetreu aus Mariupol und wird dafür heftig kritisiert | Von Thomas Röper

Ein Kommentar von Thomas Röper.

Das ZDF hat in einer Nachrichtensendung einen Bericht aus Mariupol gebracht, der erstaunlich wahrheitsgetreu war. Das rief sofort heftige Kritik hervor.

Ich kenne Mariupol und habe die Stadt seit Beginn der Eskalation mehrmals besucht. Das erste Mal war ich dort <1>, als im April 2022 noch das Stahlwerk Asow-Stahl beschossen wurde und auch in der Zeit danach war ich mehrmals dort. Ich habe schon im Sommer 2022 gesehen, in welchem unglaublichen Tempo Russland die Stadt wieder aufbaut <2>. Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Wohnhäuser entstehen im Eiltempo. Es gibt wieder Strom, Wasser und Heizung und das Leben in der Stadt verläuft wieder weitgehend normal, auch wenn die Zerstörungen natürlich noch überall sichtbar sind und über die Hälfte der Bewohner die Stadt verlassen haben.

Die Menschen in der Stadt sind ganz überwiegend pro-russisch eingestellt und sie blicken wieder mit Optimismus in die Zukunft. Zurück zur Ukraine will dort fast niemand.

Der ZDF-Bericht über Mariupol bestätigt meine Berichte

Wenn ich darüber berichtet habe, dann wurde mir von deutschen Medien natürlich vorgeworfen, dass ich nur „russische Propaganda“ verbreite. und bisher haben deutsche Medien die Stadt nicht besucht, obwohl ich immer wieder berichtet habe, dass man sich dort auch als Journalist frei bewegen und selbst recherchieren und mit den Menschen sprechen kann.

Nun hat das ZDF genau das getan und der Beitrag war wohl nicht das, was man sich in der deutschen Redaktion erhofft hatte. Armin Coerper, der ZDF-Korrespondent in Moskau, hat sich mit seinem Team auf den Weg gemacht und ist nach Mariupol gefahren, wo er sich nach dem, was er im ZDF erzählt hat, mehrere Tage lang ungestört umgeschaut hat.

Um es vorwegzunehmen: Sein Bericht hat exakt das bestätigt, was ich über Mariupol berichtet habe und berichte. Er hat zwar versucht, dem westlichen Narrativ treu zu bleiben und ständig von der „von Russland besetzten Stadt“ gesprochen und behauptet, er wäre „in der Ukraine“, obwohl Mariupol heute zu Russland gehört und die Menschen dort nicht mehr zur Ukraine gehören wollen.

Aber das war nicht anders zu erwarten. Selbst wenn auch er das verstanden hat, konnte er das nicht anders formulieren, wenn er seinen Job behalten will. Entscheidend ist aber, dass er – wenn es um die Fakten ging – die Wahrheit erzählt hat, die so gar nicht zum westlichen Narrativ passt.

Heftige Kritik für wahrheitsgemäße Berichterstattung in Deutschland

Dafür gab es umgehend Ärger. Der Focus berichtete darüber unter der Überschrift „Krieg gegen die Ukraine – Heftige Kritik nach ZDF-Beitrag aus besetztem Mariupol: „Was zum Teufel soll das?“ <3>“ und der Artikel begann wie folgt:

„Am gestrigen Montag sendete das ZDF einen Bericht aus der Ukraine. Was soweit normal klingt, entpuppt sich nach genauem Blick als brisant. Denn: Der zugeschaltete Korrespondent befand sich nicht etwa in Kiew, sondern im von Russland besetzten Mariupol. Als „seltenen Einblick in die russische Besatzung“ bezeichnet der Sender den Beitrag.“

Das zeigt, wie einseitig die deutschen Medien berichten und dass sie auch noch stolz darauf sind. Es ist also „brisant“, wenn jemand nicht aus Kiew, sondern aus Russland berichtet. Warum?

Und dass das als „seltener Einblick in die russische Besatzung“ bezeichnet wurde, ist ebenfalls merkwürdig, denn wie der ZDF-Beitrag zeigt, können westliche Journalisten von dort frei berichten und sich frei bewegen. Dass das „selten“ ist, liegt nur an der einseitigen Berichterstattung der westlichen Medien, die diese Möglichkeit nicht nutzen.

Die Kritik kommt von ukrainischen Nationalisten

Der Focus schreibt weiter:

„An dem Beitrag gibt es nun heftige Kritik. So schreibt etwa der Osteuropaexperte Sergej Sumlenny vom „European Resilience Initiative Center“ auf X, ehemals Twitter: „Fuck, das ZDF erzählt im ernst, dass vor russischer Besatzung es verboten war, russisch im Theater zu spielen, und deswegen seien viele Menschen froh, dass Russland die Stadt besetzt hat.““

Dieser Sergej Sumlenny ist ein ukrainischer Nationalist, der sein „European Resilience Initiative Center“ in Berlin nach der Eskalation gegründet hat und der Teil des Projektes „Ukraine verstehen“ <4> der faschistoiden NGO LibMod <5> ist, die von Politikern der Grünen gegründet wurde und über die ich schon oft berichtet <6> habe. Deren Hauptaufgabe ist der mediale Kampf gegen Russland.

Dass sich der ukrainische Nationalist darüber aufregt, dass das ZDF die Wahrheit berichtet, nämlich dass die Nutzung der russischen Sprache in der Kultur, also im Theater, in der Ukraine schon vor Jahren verboten wurde <7>, was auch streng durchgesetzt wird <8>, kann man verstehen. Mariupol war aber immer eine russisch bewohnte Stadt, wie übrigens auch der ZDF-Korrespondent erwähnt hat, und dass sich die Menschen dort freuen, wieder Theaterstücke auf Russisch aufführen und anschauen zu können, ist verständlich, auch wenn es diesem ukrainischen Nationalisten nicht passt.

Weiter schreibt der Focus:

„Sumlenny weiter: „Das ganze sieht als böse Parodie aus. Wenn jemand ein Satire-Stück machen wollte, warum wir keinen ÖRR brauchen, hier haben wir ein brillantes Beispiel.“ Besonders der Punkt der Schulen, die Russland angeblich baue, macht den Experten wütend. „Er spricht erneut von neuen Schulen, welche die Russen in Mariupol, wo sie über 100.000 Zivilisten umgebracht haben, gebaut haben sollen. Was zum Teufel soll das, ZDF?“ Die Theater-Behauptung bezeichnet Sumlenny als „bloße Propaganda“.“

In dem ZDF-Beitrag wurde erwähnt, dass Russland in Mariupol ein neues und hochmodernes Krankenhaus gebaut hat, dass das ZDF besucht hat. Dabei wurde auch gesagt, dass so eine moderne medizinische Versorgung die pro-russische Einstellung der Menschen in Mariupol natürlich fördert. Ich habe übrigens seinerzeit die Baustelle des Krankenhauses besucht.

Auch diese Aussage des ZDF muss den ukrainischen Nationalisten und pro-ukrainischen Propagandisten Sumlenny ärgern, denn in der Ukraine ist die medizinische Versorgung in einem schrecklichen Zustand.

Wo werden Menschen „abgeholt und abtransportiert“?

Und als Krönung schreibt der Focus noch:

„Auch der Journalist Peter Althaus hat den Bericht kritisiert. Er fürchtet Konsequenzen für ZDF-Teams in der Ukraine, weil die Einreise nach Mariupol nur mit russischer Hilfe möglich ist. Das sei aber nicht das „Hauptproblem“, so Althaus.
Sondern: „Problematisch ist vielmehr, dass nicht nur was gesagt wird teilweise falsch ist. Viel schlimmer finde ich, was nicht gesagt wird“, erklärt Althaus. „Der ZDF-Kollege berichtet, dass sie sich frei bewegen können. Das mag sein. Dennoch gibt es dort keine freien Gespräche und schon gar keine Kritik an Russland gegenüber einem ausländischen TV-Team. Menschen, die sich in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine offen als proukrainisch zeigen, werden abgeholt und abtransportiert.““

Da meldet sich wieder so ein Experte zu Wort, der nie vor Ort war. Ich war oft vor Ort und natürlich gibt es dort auch Kritiker Russlands. Und die sagen das auch ganz offen und werden nicht „abgeholt und abtransportiert“.

Das Gegenteil ist der Fall, denn in der Ukraine wurden mittlerweile tausende Menschen „abgeholt und abtransportiert“ und dann zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie sich gegenüber Kiew kritisch geäußert haben. Wer in der Ukraine als „pro-russisch“ gilt, dem drohen (im besten Fall <9>) jahrelange Gefängnisstrafen. In Russland gibt es so etwas nicht, egal was irgendein Peter Althaus, der nie in den neuen russischen Regionen war, behauptet.

Es ist bezeichnend, dass der deutsche Staatssender kritisiert wird, wenn er das tut, was laut Gesetz seine Aufgabe ist: Wahrheitsgemäß über beide Seiten des Konfliktes berichten. Bei Interesse finden Sie den zehnminütigen Bericht des ZDF hier <10>.

Aber so ist es heute mit der Meinungs- und Pressefreiheit im „besten Deutschland, das wir je hatten“…

Quellen

<1> https://www.anti-spiegel.ru/2022/tag-2-meiner-zweiten-reise-in-den-donbass-das-grauen-von-mariupol/
<2> https://www.anti-spiegel.ru/2022/bericht-aus-dem-konfliktgebiet-der-wiederaufbau-von-mariupol/
<3> https://amp.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/heftige-kritik-nach-zdf-beitrag-aus-besetztem-mariupol-was-zum-teufel-soll-das_id_259621778.html
<4> https://ukraineverstehen.de/author/sergej-sumlenny/
<5> https://www.anti-spiegel.ru/2022/das-zentrum-fuer-liberale-moderne-oder-die-rueckkehr-des-faschismus/
<6> https://www.anti-spiegel.ru/2020/ich-mache-mir-die-welt-wie-sie-mir-gefaellt-wie-eine-gruene-stiftung-die-situation-in-der-ukraine-verklaert/
<7> https://www.anti-spiegel.ru/2022/bis-zu-300-dollar-strafe-fuer-benutzung-von-russisch-in-der-oeffentlichkeit/
<8> https://www.anti-spiegel.ru/2023/skandal-in-ukrainischen-medien-cafe-besitzer-spricht-schlecht-ukrainisch/
<9> https://www.anti-spiegel.ru/2023/die-ukraine-hat-seit-2015-ein-mordprogramm-gegen-andersdenkende/
<10> https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/mariupol-ukraine-krieg-russland-100.html

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 30. Januar 2024 bei anti-spiegel.ru
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Bildquelle: Dmytriy Fursov / shutterstock

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Kommentare (15)

15 Kommentare zu: “Das ZDF berichtet wahrheitsgetreu aus Mariupol und wird dafür heftig kritisiert | Von Thomas Röper

  1. b.sametschek sagt:

    "Auch der Journalist Peter Althaus hat den Bericht kritisiert. Er fürchtet Konsequenzen für ZDF-Teams in der Ukraine…"

    Das fand ich direkt am besten. Hier wird im Focus direkt zugegeben, dass es in der Ukraine nicht ganz mit rechten Dingen zugeht und es Konsequenzen hat, wenn frei berichtet wird. :D

  2. Wenn der ZDF-Korrespondent von "illegalen Annexionen" Russlands spricht, dann entspricht das einfach auch der völkerrechtlichen Bewertung des russischen Handelns, was übrigens fast alle UN-Mitgliedsstaaten auch so bewerten. Auch wenn Russland oder ein Herr Röper davon nichts wissen will und neuerdings von den "neuen südwestrussischen Gebieten" spricht. Fand den Bericht des ZDF-Journalisten auch wirklich ehrlich und erstaunlich neutral.

    • GTMT sagt:

      So, so – dann wurde die DDR auch annektiert?
      Das Selbstbestimmungsrecht der UN sagt eindeutig aus, dass sich Völker abspalten dürfen! Genau das haben die Donbass-Republiken getan & das schon 2014 nach dem Maidan-Putsch, der übrigens auch verfassungswidrig war!
      Das Vakuum, dass die Nazis mit Unterstützung dreier EU-Außenminister – darunter Walter Steinmeier! – selber verursacht haben, hat das ermöglicht!
      Erst in 2022!!! hat Russland die Donbass-Republiken anerkannt! Soweit bekannt, ist der Wertloswesten, der nun angeblich das "Völkerrecht" vertritt, ist da in Vergleichsfällen weniger sensibel!
      Daraufhin haben diese Republiken einen 'Beistandsvertrag" mit Russland abgeschlossen & Russland hat Hilfe geleistet gegen einen im Gange befindlichen Genozid der Ostukrainer!
      Oder wollen Sie den Krieg gegen die ostukrainische Bevölkerung seitens der NATOd-unterstützenden Bandera-Regierung Kiews bestreiten?

      Ganz sauber wurden Referenden durchgeführt! Wenn das keine Demokratie ist, was soll es dann sein?
      Eventuell ist ihnen egal, dass es sich um russisch-stämmige Menschen handelt, die da bekriegt wurden – kommt mir irgendwie aus der Geschichte bekannt vor & es scheint eine deutsche Tradition zu sein, russischstämmigen Menschen das Existenzrecht vorenthalten zu wollen!

    • Aha und weshalb erkennt dann kaum jemand diese russischen Annexionen in der Ukraine an? Auch China, angeblich enger verbündeter Russlands nicht? Referenden unter einer Besatzung und v. a. während eines Krieges durchzuführen wird eben international schon gar nicht anerkannt. Ob es Ihnen, Röper oder Russland gefällt oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

    • Mimir sagt:

      Auch kaum jemand hat Position dazu bezogen als jahrelang die überwiegend russische Bevölkerung verfolgt und schikaniert wurde, die Renten nicht gezahlt wurden und Tausende getötet wurden.
      Ermordet wäre eigentlich der richtige Begriff.
      Über die Minsker Verträge, die unter anderem eine gewisse Autonomie für diese Gebiete vorsahen, wollen wir gar nicht erst reden.

    • GTMT sagt:

      @Reiner Zufall83
      "Aha und weshalb erkennt dann kaum jemand diese russischen Annexionen in der Ukraine an?"
      Also wenn Sie das noch nicht verstanden haben, weiß ich auch nicht…. politische Ränkespiele vielleicht?

      "Auch China, angeblich enger verbündeter Russlands nicht? "
      Immer wieder erstaunlich wenn DE über fremde Länder reden, von denen sie nur aus der Zeitung mal gehört haben, wo die liegen.

      Wie kommt man auf die Idee, dass Länder, die zusammen arbeiten & in vielen Punkten übereinstimmen, "Kadavergehorsam" an den Tag legen "müssen"? Ist das typisch deutsch? Weil man selber so ist, frei nach dem Motto: "Willst du nicht mein Freund sein, schlag ich dir den Schädel ein"?

      Ihr Zirkelschluß, dass China damit Feind zu Russland sein muss, ist beeindruckend!

      "Referenden unter einer Besatzung und v. a. während eines Krieges durchzuführen wird eben international schon gar nicht anerkannt. "

      Aha – na da hatte die Krim ja Glück – da gab es gar keinen Krieg!
      Und falls Sie das nicht bemerkt haben, Russland hat die Donbass-Republiken NICHT besetzt! Die haben sich 2014 gegründet!
      Ihrer Ansicht nach kann ja das Bandera-Regime überall Krieg machen damit seine Bürger niemals eine Entscheidung für sich treffen können….. Interessante Ansicht…….
      DE ist seit 1945 Besetzt – jetzt weiß ich wenigstens WARUM es in DE kein Referendum gibt & wohl auch die nächsten 100 Jahre nicht geben darf!

      Sie glücklicher Vasall….?

    • @ GTMT
      "Ihr Zirkelschluß, dass China damit Feind zu Russland sein muss, ist beeindruckend!"

      Ihre Fähigkeit, mir Dinge zu unterstellen, ist beeindruckend. An keiner Stelle habe ich dies behauptet, also dass China "Feind" Russlands sei. Meine Vermutung ist eher, dass man sich in China eben auch ein bisschen mit völkerrechtlichen Fragen auskennt, z. B. die "Unverletzlichkeit von international anerkannten Grenzen." Hier übrigens der große Unterschied zur Taiwan-Frage. China sieht Taiwan als integralen Bestandteil seines eigenen Staatsgebietes an und dass schon seit Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949 ("abtrünnige Provinz") und Taiwan vertrat lange die Ansicht, selber ganz China zu repräsentieren unter der Kuomintang-Herrschaft Chiang Kai-sheks und auch noch danach. Taiwan wird aber von vielen (fast allen) Staaten international nicht mal anerkannt, obwohl es heutzutage angeblich eine westliche "Muster-Demokratie" ist. Wenn China also Taiwan militärisch angreifen würde, wäre die Frage des Völkerrechts nicht so einfach zu beantworten wie im Falle des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022, weil die Ukraine ein international und völkerrechtlich unstrittig anerkannter Staat ist mit fest definierten Grenzen. Auch Russland erkennt die Ukraine ja bisher als Staat an.
      Über den anderen Kram, den Sie schreiben, müssen wir eigentlich nicht großartig reden, von Wegen "sich selbst 2014 gegründete Donbass-Republiken". Eine Frage an Sie: Gab es dort eigentlich jemals Wahlen (abgesehen von diesen "völlig freien" Referenden 2022), mit denen sich die heutigen Machthaber dieser "Volksrepubliken" demokratisch legitimiert haben? Mir ist da nichts bekannt.
      Worauf ich eigentlich auch hinaus möchte: Hören Sie doch endlich auf, Leuten wie Thomas Röper, die eindeutig eine pro-russische Agenda haben, alles unkritisch nachzuplappern. Ich bin übrigens auch NATO-kritisch, kritisiere den Maidan-Putsch von 2014, nationalistische Umtriebe in der Ukraine, die Befeuerung des Konflikts durch ständige Waffenlieferungen, Ablehnung jeglicher Verhandlungen mit Russland, etc. Aber trotzdem weigere ich mich die russischen Narrative dieses Konflikts 1 zu 1 zu übernehmen. Was wir bräuchten, wären tatsächliche unabhängige Journalisten, die beide Seiten des Konflikts kritisch beleuchten. Ein Peter Scholl-Latour hatte dies noch gemacht, wobei der auch immer tendenziell pro-Westen war. Von daher begrüße ich den Bericht dieses ZDF-Journalisten als einen Schritt in die richtige Richtung hinsichtlich eines neutralen, ausgewogenen Journalismus, so wie ich ihn mir wünschen würde.

    • Mimir sagt:

      "Von daher begrüße ich den Bericht dieses ZDF-Journalisten als einen Schritt in die richtige Richtung hinsichtlich eines neutralen, ausgewogenen Journalismus, so wie ich ihn mir wünschen würde."
      Da haben Sie völlig Recht und ich hoffe sehr, dass das auch nicht gleichzeitig sein letzter Schritt war…
      Denn Zeichen dafür gibt es ja bereits.

    • @ Mimir
      Ja, wäre wirklich schändlich für unseren angeblichen "Qualitäts-Journalismus", wenn dieser Bericht irgendwelche Folgen, sowohl für den Journalisten als auch die weitere Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen Medien hätte. Zu befürchten ist es aber in der Tat. Aber trotzdem sollte man aus meiner Sicht eben nicht im Umkehrschluss alles unkritisch übernehmen, was aus Russland kommt. Patrik Baab ist da schon etwas neutraler unterwegs als z. B. Röper, weil er eben auch bemüht ist, über beide Seiten des Konflikts kritisch zu berichten. Aber ist natürlich noch ausbaufähig. Einzelpersonen können diese anspruchsvolle Aufgabe des tatsächlichen Journalismus natürlich auch kaum stemmen.

    • Mimir sagt:

      "…sollte man aus meiner Sicht eben nicht im Umkehrschluss alles unkritisch übernehmen, was aus Russland kommt."

      Das stimmt. Und ich versuche selbst, die Lage und die Berichte neutral und pragmatisch zu betrachten und zu bewerten.
      Es ist jedoch irgendwie auffällig, wenn "jemand", der rund 800 Militärstützpunkte weltweit hat, ein "Verteidigungsbündnis" namens NATO leitet, ein weit überdimensioniertes militärisches System unterhält (11 Flugzeugträger, usw.), einen einzigen Staat als weltweite Bedrohung bezeichnet.
      Oder sonstigen Quatsch verbreitet, wie z. B. dass Deutschland in fünf Jahren von Russland angegriffen werden könnte.
      Russland hat nur 10 Militärstützpunkte, von denen 8 sich in den ehemaligen Sowjetrepubliken befinden, also dort wo sie schon immer wären), und ein Militäretat, das bis jetzt nur ein Zehntel des amerikanischen ausmachte.
      Da ist doch was faul, oder?

    • Immer nett, wenn jemand seine Meinung sagt, auch wenn sie falsch ist.
      Meiner Kenntnis nach war die "Übernahme" der Krim durch eine freie Wahl der dortigen Bewohner nach ukrainischem Recht eine Annexion, aber nach dem Völkerrecht eine Sezession.
      Hier ein Link zum Thema "Sezession":
      „Putin hat die Krim nicht annektiert.“ Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider:
      https://www.youtube.com/watch?v=Y8OJ07D7gPI

      Da das Wort Annexion schon folgendes bedeutet:
      "widerrechtliche und meist gewaltsame Inbesitznahme fremden Staatsgebiets" nach https://www.dwds.de/wb/Annexion#wb-1
      ist die Bezeichnung "illegale Annexionen" doppeltgemoppelt und damit unnötig.

      Zitat von "ReinerZufall83" von oben (Antwort auf die erste Antwort vom GTMT):
      "Referenden unter einer Besatzung und v. a. während eines Krieges durchzuführen wird eben international schon gar nicht anerkannt. "

      2014 war auf der Krim kein Krieg, also war es kein "Referendum während eines Krieges", wie GTMT oben schon feststellte.
      Zudem: nenne zuerst mal die Quelle zu deiner Behauptung.
      Man könnte ja auch schreiben: "beim Zähneputzen ist sprechen mit seiner Frau nicht erlaubt": Quelle?

      Noch ein Zitat von "ReinerZufall83":
      "Aber trotzdem weigere ich mich die russischen Narrative dieses Konflikts 1 zu 1 zu übernehmen.":
      dafür scheinst du allerdings westliche Narrative zu 1 zu 1 zu übernehmen.

      Scheinbar hat "ReinerZufall83" ein Problem mit Herrn Röper, dass er ihn immer wieder nennen muss.

      Eines erscheint mir von russischer Seite jedoch offensichtlich, nämlich der deutlich bessere Bezug zur Realität, und die daraus folgende Logik, und in diesem Sinne argumentiert auch Herr Röper: darum ist es auch so leicht, dem zu folgen: es erschliesst sich von selbst.
      Z.B.
      1. dem Putsch in Kiew in 2014 durch den Westen folgt eine Sezession der Krim aufgrund einer Abstimmung der Bevölkerung.
      2. dem achtjährigen Dauerkrieg (mit 13000 Toten) der ukrainischen Regierung gegen die Gebiete im Osten, die den Putsch 2014 ablehnten, folgen in 2022 (oder 2021?) Volksabstimmungen zur Sezession – wobei in den Jahren 2014 bis 2022 lediglich der Wunsch nach mehr Autonomie innerhalb der Ukraine vorausegangen war (der jedoch abgelehnt worden war) -, und dann die Bitte an Russland, um militärischen Beistand.
      3. die Ukraine hatte sich seit 2014 auf einen Angriffskrieg auf Russland vorbereitet: war von der NATO aufgerüstet worden, es wurden Bunkeranlagen und Abwehranlagen gebaut, und Diktator Selenskij träumte in 2022 nun auch noch vom Atombomben: das war der Auslöser für den russischen Angriff in 02/22 – von langer Hand von den USA und seinem Vasallenpack vorbereitet.

      Und was hören wir dagegen vom Westen: Russland würde einen unprovozierten Angriffskrieg gegen die arme, unschuldige, demokratische, rechtsstaatliche Ukraine führen; oder auch: in der Ukraine würde der "freie Westen" gegen das böse Russland verteidigt.

      Und dagegen führt der Westen schon seit mindestens 2014 einen Krieg gegen Russland: z.B. über die Sanktionen, den Bruch eines Sicherheitsvertrages nach dem anderen, der Stationierung von Waffen usw..
      Und erzählt uns dabei immer wieder, dass wir im Westen die "Guten", die "Freien" sind: kurz: die die ALLES dürfen, während die anderen – z.B. Russland – sich gefälligst an die Regeln halten sollen….

      Finde den Fehler!

    • @ Kasra Buranor
      Hier ihre gewünschte Quelle. Dort finden Sie Antworten auf Ihre Fragen, bzw. gegenteilige Bewertungen zu den Ihrigen:

      https://publicus.boorberg.de/der-ukraine-krieg-und-das-voelkerrecht/

      Kann man natürlich auch alles als "westliche Propaganda" abtun, aber ich weiß ja nicht, ob es so einfach ist. Und nein, ich habe kein grundsätzliches Problem mit Herrn Röper, sondern mit einseitigen Wortmeldungen. Die findet man bei Herrn Röper leider zuhauf. Die westlichen Medien sind leider auch extrem einseitig, nur eben in die andere Richtung. Wirklicher Journalismus im Stile eines Peter Scholl-Latour müsste wieder her! Der ZDF-Beitrag von Herrn Coerper ist hier ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Poseidon 1 sagt:

    „In Zeiten universeller Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zum revolutionären Akt. “
    Love it do it
    Love is…
    https://www.youtube.com/watch?v=lXvYbi16Y2A

  4. Nevyn sagt:

    Unsere Medien, vor allem die öffentlich rechtlichen, befinden sich in einem Dilemma. Sie verlieren massiv an Glaubwürdigkeit, was sie manchmal vergessen lässt, dass sie eine Teilstreitkraft in der kognitiven Kriegsführung sind und sich an grundsätzliche Regeln zu halten haben:
    Über die eigene Aktivität (USA, Biden, NATO, Corona-Maßnahmen, Wirkung der mRNA-Spritzen usw.) darf nur Gutes berichtet werden.
    Über den Gegner (Russland, China, Putin usw.) darf grundsätzlich nur Schlechtes berichtet werden.

    Dabei muss man in den meisten Fällen nicht einmal lügen, denn in jedem System gibt es Dinge, die gut oder schlecht sind. Man bedient sich einfach einer selektiven Wahrnehmung und emotionalisiert sie entsprechend.
    Wichtiger aber noch als die eigene Propaganda ist die Unterbindung der Propaganda der Gegenseite. Denn von dort würde man ja ständig die fehlenden Teile doch erfahren. Der Sinn einer solchen Fokussierung ist nämlich nicht in erster Linie, den Rezipienten zu informieren, sondern ihn von dem abzulenken, was im Hintergrund läuft und tatsächlich wichtig ist (WEF-Agenda, WHO-Agenda usw.).

    Das Ganze funktioniert also nur, wenn man verhindern kann, dass auch die Gegenseite zu Wort kommt. Das sind nun mal die Regeln des Krieges seit Sun Zu. Darum setzt man alle Hebel in Gang, die sogenannten „Falschinformationen und Fake News“ zu unterbinden, die letztlich nichts anderes sind als Gegennarrative zu der eigenen Erfindung der Realität. Kann man die Leute nicht mit psychologischen Mitteln abhalten („Verschwörungstheoretikern und rechten Schwurblern hört man nicht zu!“), dann müssen härtere Mittel her. Man unterbindet Geldströme, begeht Rufmord oder nutzt allerlei NGOs, um das Wirken dieser Medien zu unterbinden, denn der Staat selbst darf das ja noch nicht, weil er sich an die Verfassung halten muss. Oder wenigstens noch so tun als ob.
    Die Idealvorstellung dieser Leute ist wohl die Goebbelsschnauze, ein Einkreis-Radioempfänger, mit dem sich keine anderen Sender hören lassen. Im Zeitalter des Internet allerdings nicht leicht zu verwirklichen.

    Natürlich werden die Russen alles versuchen, um in den von ihnen eroberten Gebieten die Bevölkerung für sich einzunehmen. Auch das ist Teil der Kriegsführungsstrategie. Sie brauchen Ruhe dort. Dass es den Leuten damit besser geht, ist für sie natürlich schön und warum soll man davon nicht berichten?
    Es wird mich nicht animieren, nach fast 20 Jahren Abstinenz wieder fern zu sehen. Aber es könnte ein Zeiten dafür sein, dass der Gedanke einer ausgewogenen Berichterstattung noch nicht ganz zugunsten der kognitiven Kriegsführung gestorben ist.
    Wir werden sehen.

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