Das konspirative Manifest | Von Anonym

Ein Standpunkt von Anonym.

So wie es »die Linken« als territoriale oder handlungsfähige Verbindung gar nicht gibt, gibt es auch nicht »die Rechten« oder »die Reichsbürger«. Atmen wir gemeinsam durch: Es gibt nur noch den menschenfeindlichen Apparat einerseits und uns, das Volk, andererseits, nichts anderes. »Es wird [aber] unermüdlich und methodisch an der Zwietracht gearbeitet, damit jeder an seinem Platz bleibt« – und Corona-Lüge wie Kriegstreiberei abgespult werden können.

»Das Konspirationistische Manifest« ist Grundlagentext unserer Gegenverschwörung: Als es dieses Jahr in Frankreich erscheint, löst es Protestwellen im Establishment aus. Nun erscheint dieser Tage die Analyse des weltbekannten unsichtbaren Autorenkomitees aus Frankreich in deutscher Originalübersetzung im Verlagshaus Sodenkamp & Lenz Berlin. Die Übersetzung des Werkes entstand in eingehendem Kontakt mit den Autorinnen und dem Pariser Verlag.

Wir wollen uns rächen. Uns rächen für die zwei Jahre weißer Folter. Für den Impfzwang. Für die Toten, die wir nicht bestatten konnten. Für die verlorenen, ramponierten oder unter Beruhigungsmitteln stehenden Freunde. Für die anwachsende Wüste. Für das erzwungene Schweigen. Für die galaktischen Lügen, die man uns schlucken ließ. Für die Beleidigungen der Logik. Für die vernarbten Hiebe auf unsere Empfindsamkeit. Für die ohne Vorwarnung verlassenen Alten, und für die grundlos misshandelten Kinder.

Uns rächen für die verhunzte Erde und die siechenden Ozeane. Für die bewundernswerten Menschen, die von der Maschine des Fortschritts zermalmt wurden, und für die Heiligen, die im Irrenhaus landeten. Für die ermordeten Städte und das vitrifizierte Land. Für die Beleidigung dieser Welt und für alle Welten, die nicht kamen. Für alle Besiegten der Geschichte, deren Namen nie gefeiert werden.

Uns rächen für den Dünkel der Mächtigen und die bodenlose Dummheit der Manager. Für die Gewissheit, dass sie alle ihr gutes Recht haben, die anderen zu zertrampeln. Für die Schamlosigkeit, mit der sie ihren betrügerischen Elan fortführen wollen. Für das Wanken, den Zweifel und die Ohnmacht, die sie in uns zu wecken vermochten. Man erkennt in dieser Epoche die Mistkerle daran, dass sie nie sagen, was sie wollen, dass sie sogar vorgeben, nichts zu wollen, und dass übrigens niemand jemals etwas will. Und das bildet die Voraussetzung für all ihre kleinen, nicht enden wollenden Machenschaften.

Wir wollen uns rächen und wir haben einen gelassenen, besonnenen Hass, keinen schäumenden. Übrigens rächen wir uns bereits. Eine gute Rache ist immer heilsam. Das ist das beste Gegenmittel gegen Ressentiment. Ressentiment ist nichts anderes als Rache, die man aufgeschoben hat. Revolutionäre, sagte Walter Benjamin, »nähren sich an dem Bild der geknechteten Vorfahren, nicht am Ideal der befreiten Enkel«. Die Kosmokraten weisen uns immer wieder auf die Zukunft hin, ob apokalyptisch oder zauberhaft, um uns von ihren vergangenen Verbrechen abzulenken, auf denen ihre gegenwärtige Macht beruht. Wir wissen, wer sie sind. Wir haben sie seit Jahrtausenden bei ihrem Handeln beobachtet.

Wir sind das angesammelte Wissen von Generationen, möglicherweise der gesamten Spezies. Den Schlag, den sie uns mit ihrem konvergierenden NBIC-Programm versetzen, haben sie uns schon hundertmal versetzt. Im 17. Jahrhundert war die »Verbesserung der Erde« das große Projekt und die moralische Rechtfertigung für die Kolonisierung Amerikas und das Abschlachten der Indianer. Die »Wilden« waren vielleicht schön, weise und faszinierend, aber sie waren nicht effizient genug, um ein solch schönes Fleckchen Erde zu verdienen. Wenn man sich das Ergebnis in Bezug auf das besagte Land ansieht, kann man sich vorstellen, welche Verwüstung die transhumanistische »Verbesserung der Menschen« verspricht. Es ist keineswegs ein Paradoxon, dass die bösartigsten Menschen immer behaupten, »für das Wohl der Menschheit« zu handeln. Das ist das Mindeste, was man für die Enthemmung braucht, um all den Horror zu begehen, den sie vorhaben.

Die Kosmokraten behaupten nun, alle Lösungen für die Probleme zu besitzen, die sie selbst geschaffen haben. Wir dagegen wissen, dass sie das Problem sind. Wir haben keinen Einwand gegen das Bündnis »Business for Nature«, den weltweiten »Green New Deal« oder den »Great Reset« vorzubringen. Es gibt keine Debatte mit ihnen. Was sie bereits getan haben, sagt genügend, wie sehr es ausgeschlossen ist, sie mehr tun zu lassen. Wenn wir sie länger gewähren lassen, werden sie letztlich die Photosynthese patentieren. Wir müssen sie einfach loswerden.

Die Frage ist nicht die nach dem Übergang, sondern die nach ihrem Verschwinden. Dass der Motor jeder Revolution zunächst Rache ist, erschien in den Augen der Sozialdemokratie immer als Skandal. So hat die Linke immer ihre besten Kräfte verärgert. Und hat sie unaufhörlich in die Arme des Faschismus getrieben. Und das ist der Fehler all derer, die beim Lockdown 2020 glaubten, von der Menschheit beauftragt worden zu sein, lächerliche Pläne für die »Welt danach« aufzustellen. Wer glaubt, dass man für eine Revolution das Programm der zukünftigen Welt in der Tasche haben muss, täuscht sich grob. Die ganze Geschichte zeigt, dass sie sich immer getäuscht haben.

Die Kathedrale von Chartres wurde ohne Plan gebaut

(…) Diese große Kurve zu nehmen, egal wie schnell, ist jedoch der einzige nicht morbide Weg. Mit unseren in die Vergangenheit gerichteten Augen wird also auch in der Gegenwart der Konflikt zwischen zwei Zukünften ausgespielt. Es ist ein Kampf der Titanen im Maßstab unserer einzelnen und winzigen Existenzen. Auf der einen Seite steht das Projekt der universellen Kontrolle, der Beherrschung des Unbeherrschbaren, auf der anderen die Akzeptanz des zufälligen, prozesshaften und wuchernden Charakters des Lebens. Das gegnerische Projekt ist aussichtslos, aber es ist mit erprobten Strategien, gigantischen Mitteln und einem fanatischen Willen bewaffnet.

Angesichts dessen reicht desertieren nicht. Es ist ein Krieg. Ein Krieg erfordert Strategien, Rollenverteilung und den Einsatz von materiellen und subjektiven Ressourcen.

Es ist jedoch ein Paradox, das aktive strategische Äußerungen haben, dass ihre öffentliche Formulierung als solche ihrer praktischen Umsetzung widerspricht. Am Ende dieses bescheidenen Manifests stehen wir also vor etwas, das wie eine logische Aporie aussieht. Eine revolutionäre Strategie öffentlich zu machen und sie nicht umsetzen zu können oder keine zu formulieren und sich damit abzufinden, Feststellungen, Analysen und Geschichten darzulegen. Wenn wir es ernst meinen, können wir nicht mit etwas anderem schließen als mit Überlegungen zur Methode, zur Methode beim Aufbau von Kräften, die die notwendigen Strategien entwickeln, tragen und handhaben können.

Die erste Überlegung bezieht sich auf die Frage des öffentlichen Raums und der Öffentlichkeit. Ein altes Vorurteil besagt, dass Handeln, »politisches« Handeln – denn so nennt man die Konfrontation zwischen zwei unvereinbaren Weltentwürfen – gleichbedeutend sei mit öffentlichem Handeln. Diese Idee ist gestorben. Der gleiche Mann, der die ägyptische Revolution von 2011 auslöste, indem er im Fernsehen unter Tränen von den Folterungen berichtete, die er gerade über sich ergehen lassen musste, Wael Ghonim, stimmte dem bereits im Jahr 2015 zu. Er, der Computeringenieur von Google, dessen Facebook-Seite den Arabischen Frühling ausgelöst haben soll, gibt zu, dass so etwas heute nicht mehr passieren könnte. Innerhalb von zehn Jahren haben die Machthaber den Rückstand aufgeholt. Sie haben diese Bedrohung weitgehend neutralisiert. Sie haben sie sogar zu einem Instrument der Kontrolle, der Erfassung, der Steuerung und der Unterdrückung gewendet.

Wie eine ägyptische Bloggerin 2016 schrieb: »Die sozialen Medien werden immer wieder wegen ihrer Rolle im Arabischen Frühling, insbesondere in der ägyptischen Revolution, in den Vordergrund gestellt. Nun, ich denke, es ist an der Zeit, der ganzen Welt zu sagen, dass die sozialen Medien auch dabei sind, den Arabischen Frühling zu töten.« (Zeinobia, »Egyptian chronicles: Egypt’s Internet Trolls: The Union«)

Wenn man dann noch die jüngsten Enthüllungen über die Pegasus-Software der israelischen Firma NSO hinzunimmt, wird nur allzu deutlich, dass der politische Aktivismus per Smartphone unter keinem guten Stern steht. Doch gerade in die sozialen Netzwerke hat sich im Wesentlichen die politische und vorpolitische Arena verlagert. Hier werden Gesten und Worte zu Ereignissen – oder auch nicht. Hier werden die Kriege um Einfluss geführt. Es wäre falsch zu glauben, dass man daraus eine aktive Kraft aufbauen kann.

Die sozialen Medien sind nur noch ein einfacher Kriegsschauplatz, auf dem kurze Ausflüge unternommen und vorübergehende Breschen geschlagen werden können, und zwar von Kräften, die anderswo und auf andere Weise aufgebaut wurden. Und wo, mehr als je, alles gewusst wird. Das Licht der aktuellen Öffentlichkeit verdunkelt alles. Sich ihnen auszusetzen bedeutet, seine Position für nichts anzuzeigen. Dort kann keine Wahrheit mehr ans Licht kommen. Kaum, wenn, dann nur in Ausnahmefällen, kann dort die Lüge zerschmettert werden. Kritik reduziert sich im kybernetischen Regime auf eine einfache Rückkopplungsschleife, auf eine Funktion zur Stabilisierung des Systems.

Es könnte sein, dass die traditionelle physische Demonstration selbst, die davon ausgeht, dass das Auftreten einer großen Zahl von Menschen im öffentlichen Raum allein schon eine politische Geste darstellt, eine veraltete Form ist. Das legt die Ohnmacht – abgesehen davon, dass man sich dort weniger allein als zu Hause fühlt – der Demonstrationen gegen den »Gesundheitspass« oder die Wiederholung der Samstagszüge der Gelbwesten nach dem anfänglichen aufständischen Moment nahe.

Eine weitere schlechte Nachricht ist, dass der Glaube, man könne eine »Bewegung« aufbauen, wahrscheinlich ebenfalls überholt ist. Zumindest behauptet das der amerikanisch-iranische Soziologe Asef Bayat, wenn er die arabischen Revolutionen als »Nicht-Bewegungen« analysiert, die eine »Politik der Präsenz« zum Ausdruck bringen, in der das Leben selbst politisch ist, in der es nicht darum geht, sich auf irgendeine diskursive und demonstrative Höhe zu erheben, um wer weiß welche politischen Würden zu erlangen, von denen ein immer zweifelhaftes Prestige ausgeht.

Bewegungen beruhen auf einem gemeinsamen Sich-losreißen, Nicht-Bewegungen auf einer gemeinsamen Präsenz. Wenn es auch etwas unbestreitbar Politisches hat, wenn man sich bei dieser oder jener Einrichtung weigert, den »Gesundheitspass « zu kontrollieren, so steht die Umsetzung dieser Weigerung oft im Widerspruch zu ihrer Bekanntmachung, wenn man nicht riskieren will, dass die Bar durch eine Razzia der Polizei vernichtet wird, welche sich für diese Frechheit rächen will – wie es im Herbst 2021 im 20. Arrondissement von Paris geschah.

Die Scheidung also von Politik und Öffentlichkeit. Angesichts der vielen Unwahrheiten, zu denen ihre Gleichsetzung im Laufe der Jahrhunderte geführt hat, ist das eigentlich eine ziemlich gute Nachricht. Wir sind in solchen historischen Umständen, in denen diejenigen, die revolutionär handeln wollen, sich davor hüten müssen, dies auch zu zeigen, und diejenigen, die sich als Revolutionäre bezeichnen, damit nur beweisen, dass sie aufgegeben haben, es tatsächlich zu sein.

Die zweite Überlegung, die sich aus der vorherigen ergibt, ist die Notwendigkeit, sich die Kunst der Verschwörung wieder anzueignen. Die ersten Formen der Arbeiterorganisation im 19. Jahrhundert waren konspirativ. Doch der ideologische Sieg des Marxismus, der sich ganz auf seine Strategie der Eroberung der Macht durch Wahlen und sein Werk der wissenschaftlichen Bewusstseinsbildung konzentrierte, hatte zur Folge, dass die notwendigerweise konspirative Dimension jeder konsequenten subversiven Aktivität verdrängt wurde. In Wirklichkeit verschwand diese Dimension nie, aber man musste sie verleugnen. Lenin nahm ohne Kenntnis und unter Missbilligung des Zentralkomitees seiner eigenen Partei das Geld aus Raubüberfällen entgegen, mit dem er sich finanzierte.

Man muss sich nur die entscheidende Rolle des Untergrundkämpfers Jean Jérôme in der Geschichte der Kommunistischen Partei Frankreichs nach 1945 ansehen, um zu erkennen, dass die öffentlichen Hierarchien selten der tatsächlichen Macht entsprechen. (…)

Mehr denn je ist man in diesen Zeiten entweder Teil des Problems oder Teil der Lösung. Und mehr denn je ist Verschwörung Teil der Lösung. Konspiration, nicht als Mätzchen und Geheimnistuerei derer, die anderen signalisieren wollen, dass sie dazugehören, sondern als ethische Kontinuität, die den wahrhaftigen Beziehungen zwischen Wesen innewohnt, als absolute Barriere für die kybernetische Erfassung dieser Beziehungen. Nur von diesem Boden aus können der Mut und die Entschlossenheit entspringen, nicht länger die äußeren Vorschriften und Regeln der Welt der Kosmokraten zu befolgen. »Das ›Gute‹ des Widerstands […]: Das war diese große geteilte Seele. […] Wir waren etwa zwanzig, die mit offener Seele lebten« (Jacques Lusseyran, Das wiedergefundene Licht, 1953).

Das »Gute« der Gelbwesten waren die tagsüber demonstrativ besetzten Kreisverkehre und die nachts diskret kaputtgemachten Radarfallen. Die einzige notorische Schwäche konspirativer Aktivitäten ist die Flanke, die sie der Infiltration bietet. Angesichts dessen ist das Heilmittel die Vervielfachung der Verschwörungen – dass es so viele gibt und dass sie so vielfältig und weit verbreitet sind, dass keine von ihnen so entscheidend sein kann, dass ihre Unterwanderung den Untergang aller bedeutet. Victor Serge bemerkte seinerzeit, dass »es keine Kraft auf der Welt gibt, die die revolutionäre Flut eindämmen kann, wenn sie anschwillt, und dass alle Polizeitechniken, wie machiavellistisch, wissenschaftlich und verbrecherisch sie auch sein mögen, so gut wie machtlos sind« (Was jeder über staatliche Repression wissen sollte, 1925). (…)

Dritte Überlegung: Wenn Verschwörung bedeutet, einen gemeinsamen Geist zu teilen, dann können wir uns nicht an das polizeiliche Regime der etablierten Identitäten halten. Es ist offensichtlich für die Herren dieser Welt die wichtigste Technik zur Zerstreuung der gegnerischen Kräfte und damit zur Aufrechterhaltung der Ordnung, für ihre wasserdichte Separierung zu sorgen. »Frauen« gegen »Männer«, «Europäer« gegen »Muslime«, »Bauern« gegen »Stadtbobos«, »Intersektionale« gegen »Cis-Gender«, »Radikale« gegen »Moderate« und warum nicht auch »Antivalidisten« gegen »Validisten« – es wird unermüdlich und methodisch an der Zwietracht gearbeitet, damit jeder an seinem Platz bleibt.

Ein System, dass bar jeglicher Prinzipien ist, beschuldigt die, die sich begegnen, unaufhörlich, sich selbst zu verraten. Diese Erpressung ist lachhaft. (…) »Schön wie ein schmutziger Aufstand«, sagte ein Graffiti von Samstag, dem 24. November 2018, auf den Champs-Élysées. Predigten der Reinlichkeit waren immer schon die Signatur der großen Korrupten. Alle Gewerkschaften des schlechten historischen Gewissens, die ihr aktivistisches Kapital daraus ziehen, dass sie im Namen der Unterdrückten sprechen, die sie schon lange nicht mehr sind, und auf dem Grund christlicher Schuld, die im Herzen jedes Linken schlummert, herumwerkeln, sind zu den Agenten der Ordnung zu zählen. Sie ziehen daraus übrigens erhebliche symbolische Gewinne.

Die Freude der Verschwörung ist die Freude der Begegnung, der Entdeckung von Brüdern und Schwestern, selbst dort , wo man es am wenigsten erwartet hätte. Soziale Kategorien sind nicht real. Real an ihnen ist nur die Hartnäckigkeit, sie durchzusetzen und sich ihnen anzupassen. Sie zu benutzen, um die Einzigartigkeit von Menschen zu leugnen und ihre eigene Art, mit ihnen umzugehen, mit Füßen zu treten, ist entweder niederträchtig oder ungehobelt, oder beides. Die Welt besteht aus Prozessen und Beziehungen, nicht aus Subjekten und Prädikaten.

In Paris strömen wir am zweiten Samstag der Gelbwesten in Massen die Champs-Élysées hinunter. Wir wollen natürlich auf den Élysée-Palast marschieren. Eine Linie mobiler Gendarmen hindert uns daran. Eine Marseillaise erklingt. Sie ist an die Adresse der Behelmten gerichtet. Sie sagt ihnen ganz unbefangen: »Kommt schon Jungs, kommt mit uns. Lasst uns durch. Wechselt die Seiten. Wir sitzen im gleichen Boot.« Natürlich ist das eine kindliche Illusion, auf die ein Cumulonimbus aus Tränengas antwortet. Wir laufen auseinander. Einige speien. Alle weinen.

Eine Viertelstunde später, nachdem sich die Giftwolke verflüchtigt hatte, drängte sich die gleiche Menge erneut gegen dieselbe Linie von Gendarmen. Eine zweite Marseillaise erhebt sich, nur dass diese hier sagen will: »Mit eurem Blut werden wir unsere Furchen tränken. Ihr seid räudige Hunde. Wir werden euch fressen.« Ein feiner Abgrund trennt diese beiden Lieder. Es kommt auf die Art und Weise an. Eine Marseillaise ist nicht zwangsläufig eine Marseillaise. Wie ein Bella Ciao nicht zwangsläufig ein Bella Ciao ist. Selbst ein Regierungsfunktionär ist nicht zwangsläufig ein Regierungsfunktionär. Nichts gleicht dem anderen.

Hätte man sich zu Beginn der Résistance daran gehalten, wer katholisch und wer protestantisch, wer kommunistisch und wer anarchistisch, wer französisch und wer armenisch, wer republikanisch und wer monarchistisch, wer Arbeiter und wer Akademiker ist, hätte man Mut zu nichts gehabt. Tatsächlich halten die prekären Barrieren des Ichs den gemeinsam eingegangenen Risiken kaum stand. Erst in der Praxis, in der Bewährung, zeigt sich, mit wem man sich zusammentun kann und wen man fernhalten sollte. Entscheidend ist, dass man nicht zulässt, dass unbemerkt ein De Gaulle auftaucht und behauptet, die Gesamtheit der Konspiration zu repräsentieren.

Unsere Zeit ist ausgesprochen reichhaltig an solchen regungslosen Deserteuren, die bis hinein ins Herz des gegnerischen Apparats wohnen. Nichts hält mehr. Überall gibt es potenzielle Snowdens. Aber die versteckten Gerechten tragen kein Abzeichen. Man muss das Risiko eingehen, ihnen zu begegnen, enttäuscht oder entzückt zu sein. Es hat keinen Sinn, Maquisarden und Marranen gegeneinander auszuspielen. Es gibt überall Deserteure im Geiste. Das Wichtigste ist, dass es gelingt, das soziale Eis zu brechen. Die Bedingungen für die Möglichkeit einer Kommunikation von Seele zu Seele zu stellen.

Kurz gesagt, es schaffen, einander zu begegnen. Und somit eine konspirative Ebene bilden, die sich immer weiter ausdehnt, verzweigt, komplexer wird, sich vertieft. Vor allem der Versuchung widerstehen, sich in einer Gruppe zu verschließen, in einer Einheit, die sich ihrerseits von außen begreift. Gruppen sind nur dazu gut, das zu verraten, wofür sie gegründet wurden.

Mit Maquis also.

Mit Hochburgen.

Mit entscheidenden Begegnungen.

Mit Methode, Hartnäckigkeit und Umsicht.

Mit verlässlichen Verbündeten.

Einem Zustand, der sowohl diasporisch als auch konzentriert ist.

Mit gewagten Angriffen auf logische Ziele.

Und der Gewissheit, dass wir das endlich siegreiche Leben sind.

»Das Konspirationistische Manifest« ist am 21. Dezember 2022 in deutscher Originalübersetzung im Verlagshaus Sodenkamp & Lenz Berlin erschienen. (1)

Quelle

(1) Am besten im einzelnen Buchladen oder direkt via demokratischerwiderstand.de/buecher und sodenkamplenz.de

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Ground Picture/ shutterstock

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Kommentare (33)

33 Kommentare zu: “Das konspirative Manifest | Von Anonym

  1. said.salasar sagt:

    @iDog
    Mein Englisch ist nicht sehr gut. Kannst Du mir netterweise verraten wo ich
    "Der Fluch der Spieltheorie: Warum es in Ihrem Eigeninteresse liegt, die Spielregeln über Bord zu werfen."
    finden kann? Das Netz spuckt nichts aus
    vielen Dank said

  2. E.B.M. sagt:

    SEHR SCHADE, ANO.NYM.

    Diejenigen, die ES gelesen haben – verstehen es NichT – und Diejenigen, die es betrifft – lesen NichT…

    Wir sind ICH. Ich mache KEINE "rE-VOLUTION". Du und Ich – sind über-all- das SysTEM wird brechen. Jeden TAG ein kleines Stück mehr.
    Widerstand, Boykott, Verlangsamen, Behindern, Chaos stiften, Oben ausbremsen, Unten helfen und zupacken, Diskutieren-durch-irritieren…

    Schau' dich um – überall – du bist ich, ich bin WIR… unsere Fragen(!) liest du überall… DAS MACHT WÜTEND!

    GEMEIN_sam, aus RaChE, fuer die Ahnen, aber gegen die Ahnungslosigkeit.

    Geschwister im Geiste – UNSICHTBAR – das ZIEL ist der Weg.

    ………….

    Die WAHRE BOTSCHAFT erkennt man "zwischen den Zeilen"!!!

    …daher…weiter MACHEN(!)…

    >einfach machen(!!)<

    [E.B.M.] …

  3. „Es gibt nur noch den menschenfeindlichen Apparat einerseits und uns, das Volk, andererseits, nichts anderes.“

    Wer kennt heute noch das "Kommunistische Manifest" (1. Ausgabe 1848) von Karl Marx und Joseph Engels?
    Friedrich Engels 28.6.1883 im Vorwort zur Ausgabe in 1883:
    "Der durchgehende Grundgedanke des ›Manifestes‹:
    – daß die ökonomische Produktion und die aus ihr mit Notwendigkeit folgende gesellschaftliche Gliederung einer jeden Geschichtsepoche die Grundlage bildet für die politische und intellektuelle Geschichte dieser Epoche;
    – daß demgemäß (seit Auflösung des uralten Gemeinbesitzes an Grund und Boden) die ganze Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen ist, Kämpfen zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden, beherrschten und herrschenden Klassen auf verschiedenen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung;
    – daß dieser Kampf aber jetzt eine Stufe erreicht hat, wo die ausgebeutete und unterdrückte Klasse (das Proletariat) sich nicht mehr von der sie ausbeutenden und unterdrückenden Klasse (der Bourgeoisie) befreien kann, ohne zugleich die ganze Gesellschaft für immer von Ausbeutung, Unterdrückung und Klassenkämpfen zu befreien
    – dieser Grundgedanke gehört einzig und ausschließlich Marx an.“
    Nun, heute gibt es diese beiden Klassen weltweit schärfer und vermeintlich ausschließlicher denn je:
    Heute ist über 90 % der Bevölkerung sozioökonomisch dem „Proletariat“ zuzurechnen, knapp 10% dem Mittelstand (Händler, Bauern (beide oft nur noch „Lohnunternehmer“), Anwälte, Ärzte, Beamte, Kommandoführer von Großkonzernen wie CEO`s, …) und 0,1 % der „Bourgoisie“ oder „Gutmenschentum“ im „Neusprech“.
    Klassenzugehörigkeit bestimmt sich sozioökonomisch nach der Stellung im und zum Produktionsprozess: Eigentümer oder Nichteigentümer im klassischen Kapitalismus (letztlich Verfügungsgewalt oder Nichtverfügungsgewalt) von Produktionsmitteln im weitesten Sinne, aber nicht das eigene Auto oder Einfamilienhaus) und nicht nach individuellem Bewusstsein wie Werthaltung, kulturelle Prägung, Bildungsabschluss etc. – kurz Milieuzugehörigkeit.
    Während zur Zeit von Marx und Engels immerhin noch mehr als 50 % Bauern waren (heute nur noch 1%) und das Proletariat eine Minderheit war, so ist ihre Prophezeiung der Herausbildung von nur noch zwei Klassen prinzipiell richtig gewesen, wenn sie auch zeitlich völlig daneben lag
    Im Realsozialismus bestanden und bestehen diese Klassen natürlich auch als „„Nomenklatura“ und die anderen“ und im heutigen China ist das letztlich auch nicht anders, wenn man genau hinsieht:
    Es geht letztlich um die tatsächliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, ist sie basisdemokratisch organisiert oder autoritär von einer Minderheit ausgeübt.
    Solange es intern faschistoid organisierte Großkonzerne gibt, die sich zum weltweiten „supranationalem technokratischen Korporatismus“ zusammentun, solange die tatsächlich produktiv Arbeitenden im Produktionsprozess also nicht die tatsächliche Verfügungsgewalt haben, solange wird es Tyrannei und Disruption geben, solange wird der Massenmord (Krieg, Genozid,…) als extremste Form des Verteilungskampfes zwischen „moralisch wertfreien“ also skrupellosen Machteliten bestehen bleiben.
    Die Demokratisierung der Wirtschaft ist die Basis für jede weitegehende echte Demokratisierung in der Gesellschaft.
    ———–
    Man sollte es lesen und daraus lernen, was falsch und was richtig ist, was heute noch gilt und was nicht:
    Manifest der Kommunistischen Partei oder kurz
    „Das Kommunistische Manifest“
    https://ia801704.us.archive.org/30/items/manifest-der-kommunistischen-pa-karl-marx/Manifest%20der%20Kommunistischen%20Pa%20-%20Karl%20Marx.pdf

  4. ulfmartin sagt:

    Journalistisch korrekt wäre es gewesen, darauf hinzuweisen, dass es sich um die ZWEITE deutsche Übersetzung des «Konspirationistischen Minafests» handelt, diesmal von einem Verlag.

    Die ERSTE Übersetzung ist schon seit Anfang August 2022 sowohl online als auch im Druck auf den Seiten der magazinredaktion punkt tk erhältlich und hat, in dieser Fassung schon einiges an Rezeption erfahren, z.B. durch die Andreas Urban, «Realitätsverlust und suizidale Drift» oder Hendrik Wallat, «Das progressive Ticket». Beide beschäftigen sich mit dem «Pandemischen Nervenzusammenbruch» (ein weiterer Text von Urban/Uhnrast) des Coronawahns und dem Totalausfall weiter Teile der kritischen Intelligenz.

    • ulfmartin sagt:

      Man darf hier Links posten? Hier der Dirketverweis auf das KoMa:

      http://magazinredaktion.tk/konspiration/inhalt.php

    • ulfmartin sagt:

      Lesungen des KoMa hat es übrigens ebenfalls schon gegeben: am 28. August 2022 in der Schankwirtschaft Laidak, Berlin-Neukölln; und am 14. Okt. 2022 in Leipzig [1].

      [1] http://magazinredaktion.tk/corona95.php
      [2] http://magazinredaktion.tk/chemie.php

    • _hog sagt:

      Moin, #ulfmartin, ist Ihr Post eine absichtliche Irrefuehrung?
      oder sind Sie einfach Unkundig?

      Das kommunistische Manifest oder richtiger
      "Manifest der kommunistischen Partei"

      von Marx und Engels

      beschäftigt sich in keinster Weise mit der Corona-Frage, sondern ausschliesslich mit der Frage der Umgestaltung der gesellschaftlichen Bedingungen hin zu einer Teilhabe bw. Uebernahme des Proletariats am gesellschaftlich erarbeiteten Vermögen.

      mfG

    • ulfmartin sagt:

      @_hog: ??? – Im Artikel und meinem Kommentar geht es um das 2022 anonym auf Französisch bei Seuil erschienene «Konspirationistische Manifest». Das kann man ebenfalls «KoMa» abkürzen, wenn der Zusammenhang klar ist, was er sein sollte.

    • _hog sagt:

      Entschuldigung, #ulfmartin, ich war der irrigen Annahme, Ihr Post bezöge sich auf #rolftheus.
      Werde wohl meine Sinne schärfen muessen!

      mfG

    • iDog sagt:

      Lieber ulfmartin,
      Ob "Koma" die passenste Abkürzung für irgend ein Manifest sein kann, lasse ich erstmal offen. Muss ja jeder selber entscheiden.
      Ansonsten haben sie natürlich recht, wenn Sie auf die erste Übersetzung des Textes hinweisen. Ob es von einem Verlag, der einen Text übersetzt und herausgibt, aber verlangt werden kann, dass er auch auf vorherige Versionen hinzuweisen hat, ist eher fraglich. Wichtig bleibt doch nur, dass der sehr lesenswerte Text verbreitet wird und, sagen wir, so oft wie möglich verlegt und auch beworben wird. Finden Sie nicht auch?

      Was ihre Aussage zum Verstummen der "kritischen Intelligenz" angeht, kann ich nur bedingt Ihrer Beurteilung folgen. Sicher gab es einige "Köpfe", die den selben "total" verloren haben. Aber kann es nicht auch sein, dass durch das politische Debakel der letzten 3 Jahre erst bemerkt werden konnten wer wirklich zur "kritischen Intelligenz" zu zählen ist und wer vorher nur so getan hat als ob oder von anderen fälschlicherweise dafür gehalten oder hochgejubelt wurde.
      Und ist es unter denm Gesichtspunkt nicht bemerkenswert konsequent, dass gerade ein so zugespitzter Text wie der des Manifests anonym veröffentlicht wird?
      mit demokratischen Grüßen

  5. Ursprung sagt:

    Anonym sind wir hier alle. Und somit frei.
    Erbaulich oder wurscht.
    Lebend.

    Leben (an Land) ist in jedem Baum: sichtbar, fuehlbar, authentisch. Weiss jeder nistende Vogel in ihm, jeder nagende Wurm, jeder zirkukierende Saft, das Harz, jedes Blatt, jeder zweibeinige Umarmer. Jede Maus und Ameise. Plus alle Entsprechungen in der See. Der Stein zwischen seinen Wurzeln oder wo am Strand weiss es nicht.
    Der lebt ja auch nicht mehr.

    Lebendig sein heisst fuehlen , dass es Leben gibt.
    Z.B. dort, wo grad kein Stein (mehr) liegt. Also auch hier im Forum, anonym oder nicht.

  6. Epikureer sagt:

    Warum ist dieser Artikel anonym verfasst, obwohl er verdammt nach Anselm Lenz klingt? Genug Power und Wut zum Zerstören ist auf jeden Fall herauszuhören und ich denke es ist auch schlüssig, angsichts der zukünftigen Entwicklungen. Man kann jetzt guten Gewissens kräftig mitschieben um die Karre richtig in den Dreck zu bekommen. Ich persönlich sehe darin aber keinen Sinn, spätestens wenn in Frankreich der Bürgerkrieg ausbricht, packe ich meine Familie ein und verziehe mich irgendwo in die "Pampa" (außerhalb Mitteleuropas!). Aber jeder muss das tun, was er für sinnvoll hält. Auf jeden Fall muss es erstmal richtig krachen und lodern und hinterhältige Verschwörung ist immer gut um seine Gegner zu bekämpfen. Das sehen wir ja am aktuellen Erfolg der NWO Agenda. Die Städte werden kein guter Ort zum zu Überleben sein, dort ist schon jetzt nur noch Absterben und Niedergang zu finden.

    • _hog sagt:

      Moin, #Epikureer, Sie fragen:

      „Warum ist dieser Artikel anonym verfasst, obwohl er verdammt nach Anselm Lenz klingt?“

      Ich tat mich ebenso schwer mit einer Antwort; sah aber nun, dass der Kanal „demokratischer Widerstand“ umbenannt wurde in „Anonym“!

      Das ist fuer mich ein Hinweis auf Ihre richtige Fragestellung!
      Ein schaler Nachgeschmack bleibt, weil es fair wäre darauf hinzuweisen, dass sich zumindest der Kanalname geändert habe.

      mfG

  7. Sind hier Kommentare verschwunden?

    Und wenn ja, wäre es sehr demokratisch, wenn man hier einmal etwas von der Redaktion hören würden, oder wird man nur gefüttert?

    • _hog sagt:

      Moin, #Volker Djamani, meinen Sie diesen Kommentar?

      "Im Würgegriff der neuen Nihilisten | Von Milosz Matuschek"

      Der ist schon seit einigen Tagen nicht mehr abrufbar. Leider ohne Kommentar der Redaktion!

      mfG

    • iDog sagt:

      Ja , das stimmt, hier ist ein Kommentar entfernt worden, auf den ich hier :
      https://apolut.net/das-konspirative-manifest-von-anonym/#comment-255911
      gantwortet hatte.
      Der verschwundene Kommentar war ziehmlich Bannane, ist aus meiner Antwort aber durchaus rekonstruierbar.
      Warum er entfernt wurde ist unklar. Möglicherweise wurde der Inhlat als beleidigend für die anderen Teilnehmer bewertet.

    • @IDog
      Bei Ihren sehr fundierten Kommentaren konnte ich nicht ansatzweise etwas Beleidigendes ersehen. Da bewegt sich eher ein "Zivilist" in einer Grauzone.

  8. Kurt Arab sagt:

    Den ganzen Text des Manifests gehört, bleiben hier und da einige Fas-Inspirationen. Aber der Text ist viel zu lang, viel zu kompliziert geschrieben. Das ist doch kein Manifest, keine Handlungsanleitung. Der rote Faden muss mit viel Arbeit erarbeitet werden. Was wollen die Autoren sagen, wie soll ich es Gleichgesinnten im Aufzug zusammenfassen, wie darauf neugierig machen? Ich müsste es mehrmals lesen und Notizen machen. Das ist nicht hilfreich.

    • iDog sagt:

      Lieber Kurt Arab,
      Sie haben recht , der Text ist nicht das, was man landläufig unter einem Manifest versteht. Aber Sie haben meiner Meinung nach auch ein bisschen unrecht, denn ein Manifest ist nie eine direkte Handlungsanweisung. Viel eher ist es eine Art Absichtserklärung oder noch weiter gefasst eine Analyse , die beim Leser, d.h. im eigenen Denken zu bestimmten logischen oder empathischen Schlüssen und Konsequenzen führen soll. Und das hier Manifest genannte Buch ist schon so etwas in dieser Richtung.
      Was sie vielleicht nicht wissen oder zumindet nicht berücksichtigt haben, ist Folgendes: Der Text hier ist nur ein Ausszug aus dem letzten Kapitels eine ganzen Buches mit dem besagten Titel. Das Buch hat im Original 380 Seiten. Dieses letzte Kapitel erschließt sich alleinstehend vielleicht nicht auf Anhieb oder für jeden. Aber ich kann ihnen versichern, dass dieses letzte Kapitel glasklar ist, nach der Lektüre der vorangehenden Analyse des Status quo, die den Rest des Buches bestimmt, und das nicht zu unrecht, denn die zu analysierende, komplexe udn dynamische Gegenwart kann niemand auf ein paar wenigen Seiten kompromieren ohne Wesentliches auslassen zu müssen.
      Das ganze Werk zu lesen lohnt sich also in jedem Fall und falls Sie auf eine Art Handlungsanweisung bestehen, wird auch dieser Anspruch erfüllt werden, selbst in diesem letzten Kapitel, wenn man etwas genauer hinschaut.
      Was sagen sie hierzu ? :
      "Das Wichtigste ist, dass es gelingt, das soziale Eis zu brechen. Die Bedingungen für die Möglichkeit einer Kommunikation von Seele zu Seele zu stellen.
      Kurz gesagt, es schaffen, einander zu begegnen. Und somit eine konspirative Ebene bilden, die sich immer weiter ausdehnt, verzweigt, komplexer wird, sich vertieft. Vor allem der Versuchung widerstehen, sich in einer Gruppe zu verschließen, in einer Einheit, die sich ihrerseits von außen begreift."
      Oder hierzu?:
      "Wer glaubt, dass man für eine Revolution das Programm der zukünftigen Welt in der Tasche haben muss, täuscht sich grob. Die ganze Geschichte zeigt, dass sie ( die Programme) sich immer getäuscht haben."
      Oder hierzu?:
      "Und mehr denn je ist Verschwörung Teil der Lösung. Konspiration, nicht als Mätzchen und Geheimnistuerei derer, die anderen signalisieren wollen, dass sie dazugehören, sondern als ethische Kontinuität, die den wahrhaftigen Beziehungen zwischen Wesen innewohnt, als absolute Barriere für die kybernetische Erfassung dieser Beziehungen."

      Das sind nur 3 Beispiele, und die kann man durchaus auch als Handlungsanweisung lesen.:
      1: lass dich nicht als Konsum-Monade isolieren vor deinem Screen, sondern geh raus, um anderen "von Seele zu Seele" zu begegenen. Schon das ist heute "revolutionär" und hat Folgen.
      2. Glaube niemandem , der dir ein Programm für die Zukunft verkaufen möchte. Lass dich nicht auf Gruppen oder Parteien ein, lass dich nicht kategorisieren und kontrollieren, nicht bewerten oder beurteilen usw.
      3. Verschwöre dich also mit einzelnen realen Menschen deines Vertrauens und nicht mit virtuellen Gruppen in einer virtuellen Welt , die dich komplet konrolliert. Klartext : Schmeiß den Handy weg , cancel Facebook, Twitter, Telegramm,
      usw., sondern sei deiner Ethik und deinen humanistischen Werten treu … gehe kein Kompromisse ein.

      und das könnte man noch sehr lange fortsetzen.
      ich belass es aber mal dabei.
      demokratische Grüße

  9. iDog sagt:

    Süßer Kommentar, ehrlich.
    … und wenn ich der "Evil Overlord mit geheimen Plänen zur Erringung der Weltherrschaft" wäre und "wenig Angst vor den versammelten Clowns" hätte, bräuchte ich natürlich auch keine Zensur- oder andere Maßnahmen, die die Freiheiten der Clowns kontrolliert oder unterbindet, damit ich meinen Arsch aus der Schussliene halten kann.

    Lieber Zivilist, also entweder sind Sie ein ganz besonders begnadeter Einstein, oder Sie wollen die hier vielleicht mitlesenden Konspirationistinnen und Konspirationisten mal so richtig anfeuern, damit der "Evil Overlord" auch ohne Sauna ins schwitzen kommt.
    mit demokratischen Grüße

  10. iDog sagt:

    Lieber berndrath,
    Was Sie hier von sich geben erweckt den Anschein, als seien Sie beim Lesen des Artikels nicht über den 3. Absatz hinaus gekommen. Inhaltlich geht es nämlich doch eher um das Gegenteil von dem, was sie hier weiter unterstellen … anstatt tatsächlich die innere Einkehr zu suchen, um solche sinnleeren Clichees zu vermeiden.
    Und dieses Vermeiden ist sogar ganz einfach. Wenn mir solche "Mängel" bei einem Medium dermaßen aufstoßen, wie Ihnen hier angeblich, dann frequentiere ich es nicht. Auch das erklärt der Artikel, wenn auch indirekt, doch sehr schön.
    Aber wie es aussieht, sind Sie also eigentlich hier, um sich gerade zu echauffieren, n'est-ce pas? Sonst hätten Sie ja Ihren offensichtlichen Irrtum eingesehen und sich entschuldigt. Aber was machen Sie?
    Sie sagen an sich, dass es "zum Himmel stinke" ein französisches Buch weltbekannter Autoren in Deutsch zu veröffentlichen und diese Veröffentlichung mit einem Ausschnit daraus zu bewerben! Wer soll diesen Unsinn nachvollziehen können?
    Da fragt man sich sicher zurecht, ob Sie auch zu denen gehören, die dafür bezahlt werden, dass sie nichts verstehen.
    Alternativ dazu kommen vielleicht noch schlechte Drogen infrage. Oder haben Sie etwas gegen Franzosen?
    mit demokratischen Grüßen

    • berndraht sagt:

      werter IDog: Auch in La Douce France gibt es verschiedene Meinungen und Autoren. Nicht alle veröffentlichen anonym oder unter einem nom de plume. Ich habe meine Freude daran, dass ein Musiker mit algerischen Wurzeln sehr erfolgreich gegen die Hassprediger unterwegs ist. Das gilt auch für die Zugewanderten, die häufig aus den francophonen Ländern stammen, wo Frankreich einmal kolonialen Einfluss ausübte. Bei Live-Auftritten in ganz Frankreich, bei CGT Veranstaltungen, Aktionen und in der Wallonie erreicht HK mit seiner Musikergruppe Les Saltimbanks insgesamt sicher mehr Menschen als Monsieur merle printemps mit seinem anonymen Lob der Rache. Sie werden dem Text sicher folgen können und die anderlautende Botschaft verstehen:

      Rencontre avec HK et Les Saltimbanks sans haine, sans arme, sans violence
      https://www.youtube.com/watch?v=RSU5gIksYAI

    • iDog sagt:

      lieber berndrath,
      Sie weichen aus. Oder soll ich sagen, Sie springen übers Stöckchen?
      Natürlich, das weiß ich, haben Sie nichts gegen Franzosen, wenn die nur das sagen, was ihnen gefällt.
      Aber wäre es für Sie nicht aufschlussreicher, wenn Sie mal das hier vorgestellte Buch lesen würden.
      Denn gerade wenn sie behaupten, es sei für Sie inakzeptabel, muss es doch interessieren.
      Nur wer seinen "Feind" kennt und versteht hat ein Chance im standzuhalten.
      Aber Sie negieren die Position Anderesdenkender lieber und versuchen sie durch langweilige Allgemeinplätze und Schlimmeres zu diskreditieren. Damit haben Sie schon jetzt alle Optionen verspielt – sowohl die der Erkenntnis, als auch die der Urteilsfähigkeit. Sie degradieren sich damit freiwillig zur Verhandlunsgmasse derer, die politisch agieren und dynamisch weiterdenken.
      mit demokratischen Grüßen

  11. FrankeK002 sagt:

    Wer nicht in der DDR gelebt hat, kann sich nicht vorstellen, welche gravierenden Folgen es hatte, dass die Individualität des Einzelnen unterdrückt wurde.

    Mir wurde meine individuelle Persönlichkeit erst nach der sog. Wende nach und nach bekannt und bewusst, und die der anderen Menschen auch. Die Folge war schlimmstes Mobbing im ö.D. und in meinem sozialen Umfeld, wobei ich diesen Menschen nicht einmal einen Vorwurf machen kann, weil sie es aus Unwissenheit nicht besser wussten. Ich zähle mich zu den sog. Hochsensiblen, bin ein überlebendes Zwillingsmädchen, ein Kopf- und Gefühlsmensch in ausgeprägtem Maße mit vielen Stärken wie: ein hoher Gerechtigkeitssinn (Unrechtsbewusstsein), überdurchschnittliche Intelligenz, viel Energie und ein hohes Konzentrationsvermögen, eigenmotiviert, zielorientiert, Denken in größeren Zusammenhängen, subtile Wahrnehmung mit ausgeprägter Intuition, sensibel, sensitiv, sehr empathisch, verantwortungs- und pflichtbewusst, kreativ, mit einem ästhetischen Sinn für alles, was meine Sinnesorgane anregt, u.a.m. Trotz meiner sehr guten Leistungsergebnisse aufgrund dieser Stärken und Fähigkeiten wurde ich nach 27 Jahren aus dem ö.D. entfernt mit fadenscheinigen Begründungen, unwahrer Behauptungen und Lügen, ohne Zahlung einer Abfindung, aber dafür mittels Gewalt. Habe ich solch eine Behandlung verdient? Hat ein Mensch solch eine Behandlung/Misshandlung überhaupt verdient?

    Hören Sie alle bloß auf mit diesen Links- und Rechtsschubladen! Ich bin ein Mensch, der unmenschlich behandelt wurde wegen meiner realen (nicht mit Narzissmus zu verwechseln) Stärken, die, bevor die merkelsche Politik Einzug gehalten hatte (ca. ab 2009) noch gefragt, anerkannt und gefördert worden waren (übrigens von westdeutschen Führungskräften).
    Mein Fazit ist, dass die 90-er Jahre meine glücklichste Zeit waren, in denen ich in der sozialen Marktwirtschaft hatte leben dürfen…, in der ich mit meiner Familie relativ frei leben und meine individuelle Persönlichkeit hatte frei entfalten können.

    • Kiristal sagt:

      >>Mein Fazit ist, dass die 90-er Jahre meine glücklichste Zeit waren

      Schön dass dich die Weltgeschichte ganz perönlich glücklich gemacht hat. Kleines schmutziges Geheimniss: der Westen war genauso plaite wie der Osten, nur wurde nochmal alles zusammengekratzt um den Leuten die Osterweiterung der Nato zu versüssen (und die Ereignisse damals als Sieg des Libarlismus darzustellen).

      Irgendwann 2000 fingen dann die ernsthaften Schwierigkeiten an mit 2008 als erstem Kollaps des Finanzsystems. 2019 der Zweite mit anschliessender Fake Pandemie, Fake Klimawandel, Fake alles.

  12. berndraht sagt:

    Am Sprachductus ist der Verleger Amsel Frühjahr leicht als Autor zu erkennen. Das Wort "Rache" und ein impliziter Aufruf zu Organisationsformen der Illegalität unterstreichen für mich, dass dem anonym schreibenden Autor Amsel Frühjahr nicht zu trauen ist, der sich selbst als Leader und Teil des Volksaufstandes aufspielt. Ich habe den bösen Verdacht, dass er den Widerstand zersetzen soll. Seine boulevardeske Zeitung ist dabei so undemokratisch und von elitärem Anspruch, dass es eigentlich jedem auffallen sollte. Aus diesen Gründen unterstütze ich die Plattform Apolut nicht länger und leite meinen finanziellen Beitrag stattdessen an andere Medien der Gegenöffentlichkeit. Dass Apolut und der Gründer von KenFM jetzt explizit dafür und den Autor Amsel Frühjahr werben, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Aber anders als 2011 gibt es heute eben eine Reihe von gut gemachten Alternativen, die mehr überzeugen. Auch von eher konservativer Seite z.B. den Kontrafunk. Nach meinem Eindruck kann das redaktionelle Konzept von Apolut im Ergebnis nicht überzeugen.

    • iDog sagt:

      leider daneben, lieber berndraht.
      Wie der Zufall so will, habe ich kürzlich das französische Original dieses Textes gelesen. Er ist tatsächliche ein übersetzter Ausschnitt aus dem anonym erschienen Buch "Manifeste conspirationniste". Dieses aber weist im Duktus darauf hin, dass es vom sogenannten "Comité invisible" geschrieben wurde, deren vorherigen drei Bücher ich ebenfalls gelesen haben, sowohl in Französisch als auch in Deutsch.
      Der Text ist also definitiv nicht von Anselm Lenz. Das ist sehr leicht zu beweisen.
      Und warum sollten Sie auch bezweifeln, dass es eine Übersetzung aus dem im Verlag "Éditions du Seuil" erschienen Buch ist? Sie hätten ja einfach nachschauen können, ob es stimmt.
      Ich frag mich also, wie Sie darauf kommen, hier so eine unhaltbare Behauptung überhaupt erst aufzustellen.
      Wollen Sie vielleicht jemanden des Fakes beschuldigen ohne auch nur nachgeprüft zu haben, um was es geht?
      Dies ist leider eine rhetorische Frage. Daher bedarf es auch keiner Antwort. Was klar ist, ist nun mal klar.
      Ich denke, Sie sollten in sich gehen und von weiterem Getue dieser Art absehen, damit sich nicht andere dafür schämen müssen. Sie, ganz persönlich, kennen offensichtlich keine Scham.
      Mit demokratischen Grüßen.

    • berndraht sagt:

      Le Merle Printemps zwitschert hier so penetrant etwas von Rache. Er singt implizit ein Lied auf den illegalen Untergrund. Ist das etwa nicht die Melodie, mit der die klandestinen Dienste unerfahrene Follower anlocken und um sich scharen? Als selbstgerechte Rächer der Entrechteten? Das stinkt zum Himmel. Sie dürfen aber gern dabei zur Hand gehen, wenn Sie das wünschenswert finden und nicht lassen können. Auch Merle Printemps darf als Bannerträger dabei mit entblößter Brust voranschreiten. Nur soll er nicht andere Menschen dazu in diese Falle locken. Dieser Art von Journalismus eine Bühne zu bieten und nicht kritisch zu konterkarieren, ist ein unverzeihliche Mangel bei Apolut. Das jedenfalls ist mein Eindruck, dem ich deutlich Ausdruck verleihen möchte.

    • Mike Ahrend sagt:

      OK, es ist also nicht von Anselm. Ich gebe offen zu, das war auch mein erster Gedanke.
      Ich erlebe hier immer wieder, wie sich Menschen in den Kommentaren mit, höchstwahrscheinlich, akademischem geisteswissenschaftlichem Hintergrund an den Feinheiten der Formulierungen abarbeiten. Das ist sehr schön, unsauber formuliertes muss auch aufgedeckt werden. Aber wie hilft der Bewegung so ein Text weiter?
      Ja, es gibt keine Bewegung als Ganzes. Genauso, wie im Text genannt, es keine Rechten oder linken als Ganzes gibt. Ein Ganzes würde ja auch das Ende des Systems bedeuten. Also wie hilft so ein Text den vielen, vielen Splittergruppen und Einzelpersonen, sich zu verbinden? Alle haben natürlich ihre eigene Perspektive auf die Dinge und damit ihre eigenen Erklärungen für Ursache und Wirkung allen Übels dieser Welt. Leider sind die meisten nicht in der Lage, diese Perspektive auch nur für einen Moment zu verlassen und sich und ihr Tun zu hinterfragen. Meine, nicht sehr erfreuliche Prognose ist, dass es letztendlich daran scheitern wird.
      Zu allem Überfluss dann so ein Pamphlet, dass höchstwahrscheinlich <1% der Leser vollständig erfassen wird.
      Oh Ihr Sprachgewaltigen, die Ihr mit im Alltag völlig unüblichen Fremdwörtern und Schachtelsätzen nur so um euch werft – ist das eure ganze Kunst? Ist das wirklich ALLES, was ihr drauf habt?
      Den gleichen Inhalt so geschrieben, das der Sinn erhalten bleibt aber nahezu jeder ihn versteht. Und sogar noch Spaß beim Lesen hat. Davor würde ich den Hut ziehen!

  13. rhabarbeer sagt:

    `Wir wollen uns rächen…` ???

    …ist in `unserer` Trauma-Therapie ein wesentlicher Hinweis darauf, daß das Wesentliche noch vor `uns` (und der eigenen Wahrnehmung) liegt.

    Hat dies vielleicht auch mit der weiteren Nichtwahrnehmung/Ausblendung der SELBST gewählten Rollen auf den unterschiedlichen `Ebenen` und `Seiten` zu tun, dessen `Besetzung` jedoch die alleinige Voraussetzung für die `normativ faktische` Wirkung eines BilanzierungsPRIVILEGs* in `unserer` VORfinanzierten UMVERTEILUNGswelt ist
    ?

    * https://pbs.twimg.com/media/FW5oCeoXgAIFRKU?format=jpg&name=medium

    An `wem` oder `was` sollte sich die `eigene Nase` rächen wollen … vielleicht eher es in Zukunft einfach sein lassen, den eigenen Selbstwert im Austausch gegen eine selbstakzeptierte `Schuldner-Rolle` aufzugeben
    ?

    …viele spieltheoretische Grüße in die Runde

    • iDog sagt:

      Hallo rhabarbeer,
      vielleicht sollten Sie mal einen Blick auf diesen lesenswerten Artikel werfen , ehe Sie sich "spieltheoretisch" ins Abseits manövrieren.
      Er heißt : "The Curse of Game Theory: Why It’s in Your Self-Interest to Exit the Rules of the Game".
      … und finden kann man ihn hier : https://cynthiachung.substack.com/p/the-curse-of-game-theory-why-its
      ( Auf deutsch übrigens: Der Fluch der Spieltheorie: Warum es in Ihrem Eigeninteresse liegt, die Spielregeln über Bord zu werfen.)
      Und falls von Ihnen nicht bemerkt : Genau davon handelt auch der Artikel, den sie hier kommentieren.
      mit demokratischen Grüßen

    • rhabarbeer sagt:

      Hallo iDog

      danke für deinen Hinweis!

      … leider! wird mir nicht wirklich dein Bezug darin zu meinem Kommentar klar.

      Vielleicht hast Du Lust, dies noch etwas zu `erweitern` …

      …und viele Grüße in die Runde

    • iDog sagt:

      Lieber Rhabarbeer,
      Ich gehe davon aus, das Sie den verlinkten Artikel gelesen haben.
      Ich habe auf ihn hingewiesen, weil Sie sich auf die Spieltheorie beziehen, die sich mit einem auf egoistischen Zielen basierenden Konkurrenzsystem, der sogenannten Marktwirtschaft beschäftigt hat. Dieser mathematische Versuch zu einer angeblich freien Entscheidungsdynamik innerhalb eines aber paradigmatisch begrenzten Systems muss als gescheitert angesehen werden. Man manövriert sich also mit den Aussagen der Spieltheorie ins Abseits, weil das darin proklamierte Nullsummenspiel theoretische Augenwischerei ist, die nichts mit der realen Welt zu tun hat. Mal ganz abgesehen davon, dass als längst bewiesen gilt, dass kooperatives, wirtschaftliches Verhalten (siehe Allmende) vorteilhafter für alle Beteiligten ist als eine Konkurrenzideologie. Dazu kommt in Bezug auf ihren Hinweis zur Geldentstehung noch, dass es sich in der sogenannten "freien Marktwirtschaft" ja gar nicht um ein (Finanz)-System handelt und nicht handeln kann, in dem eine freie Entscheidungsdynamik gibt. Nicht nur die Geldentstehung, bzw. das der kapitalistischen Konkurrenz notwendige Wachsen der Geldmenge, sondern auch das intellektuelle Konstrukt "Eigentumstitel" wäre da en Detail zu beleuchten, um die damit absolut gesetzte Kapitalherrschaft zu verstehen, und damit die Spieltheorie als opportune Ablenkung vom Wesentlichen oder bestenfalls als Lachnummer.
      Nicht dass Sie mich missverstehen, ich beziehe mich hier auf ihren "spieltheoretischen Gruß", den ich in etwa so einschätze wie meinen eigenen demokratischen. Ich bin von (basis)demokratischen Spielregeln überzeugt, Sie vielleicht von spieltheoretischen. Für den Fall, dass Sie den Grüß eher ironisch meinten, müssten Sie mich ja sowieso verstehen.
      Was nun Ihre Frage (An `wem` oder `was` sollte sich die `eigene Nase` rächen wollen) angeht ergibt sich Folgendes:
      Rache ist ein Terminus, der im Artikel oben ja ansatzweise erklärt wird. Ich möchte hinzufügen, dass jede Gesellschaft und jedes Rechtssystem diese berücksichtigt, wenn auch oft unter anderem Namen. Einmal heißt es zB. Vergeltung, mal Wiedergutmachung, aber meistens einfach nur Verurteilung und Bestrafung. Dass zB. in sehr vielen Staaten der Welt auf Mord die Todesstrafe steht, sollte Ihnen bekannt sein. Was ist das anderes als "Rache"? Nur, das Wort Rache hat heutzutage eine Konnotation von Illegalität, weil es nach Umgehung der Staatsgewalt, die das (Ver)Urteilen monopolisiert hat, riecht. Wem aber dient die Staatsgewalt heutzutage nachdem der Korporatismus, bzw. die Kapitalmacht diese aufgekauft hat? Eine rhetorische Frage.
      An wem oder was will man sich rächen? Im allgemeinen an den Verantwortlichen. An wem sonst? Der Verantwortlich für eine Untat soll bestraft werden, oder? Wer ist das? Ihr Hinweis auf die Geldentstehung oder die von vielen unfreiwillig per Geburt eingenommene Rolle des Schuldners scheint, oberflächlich betrachtet, dazu nicht weiter hilfreich zu sein, es sei denn, es gäbe ein Möglichkeit diesen Schuldendienst in jeder Form ad hoc und ohne Folgen zu verweigern. Gibt es diese Möglichkeit? Klar heißt es ganz richtig, man solle nicht um eine Lohnerhöhung kämpfen, sondern gegen Lohnarbeit an sich. Das tiäfe den Kern der Sache sicher ebenso wie ein Steuerboykott, ist aber nur theoretisch prima, praktisch jedoch nur sehr schwer realisierbar. Und das sollen nur Beispiele sein. Gerade aus dieser Lage heraus aber agiert ja der Text oben. Was gibt es, was wirklich praktikabel ist, welche Art des Widerstandes ist machbar, um das System in die Knie zu zwingen, auszutrocknen, sich zu "rächen"? Als Gesellschaften und Finanzsysteme noch nicht global etabliert waren, gab es immerhin noch die Möglichkeit einfach wegzugehen, wenn es einem irgendwo zu bunt wurde. Heute sind wir eher in einer Situation wie West- und Mitteleuropa unter der Okkupation durch den Faschismus – und das auch noch ohne Hoffnung auf eine rettende Kavallerie von Osten oder Westen … also werden wir auf anderen Wegen, vielleicht konspirationistisch, wie hier vorgeschlagen, die Verweigerung und den Boykott leben müssen – an sich jeder für sich eben nicht, wie auch immer, am Fortbestand des Systems teilhaben. Dazu allerdings muss man sich erlauben zu erkennen was das System noch am Leben erhält. Viel ist es nicht … aber leider gehört Gewalt dazu, wie unter der faschistischen Okkupation. Es wird ja im Text nicht ohne Grund auf die Résistance hingewiesen. Wir müssen aufpassen, dass nicht noch einmal die Verurteilung und Bestrafung der Verantwortlichen mit ein paar Bauernopfer in Schauprozessen substituiert wird.
      Mit demokratischen Grüßen

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