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China-Abkehr kostet Billionen | Von Thomas Röper

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Ist das „De-Risking“, also die wirtschaftliche Abkopplung der EU von China, überhaupt realistisch?

Nicht beachtet von den Medien wurde veröffentlicht, was die vom Westen geplante Abkopplung von China wegen der angeblichen Abhängigkeit von Peking tatsächlich kosten würde. Da stellt sich die generelle Frage, wie realistisch diese Ideen sind.

Ein Standpunkt von Thomas Röper.

In der TASS hat eine Expertin sich aktuelle Berechnungen darüber angeschaut, was die vom Westen geplante Abkopplung von China wegen der angeblichen Abhängigkeit von Peking tatsächlich kosten würde. Das Ergebnis sind astronomische 23,6 Billionen US-Dollar bis 2050, also fast eine Billion US-Dollar pro Jahr, wobei der Löwenanteil auf die EU entfällt.

Mit anderen Worten: Wenn die EU diese Pläne umsetzen will, und danach sieht es aus, wird sie sich auf die Suche nach sehr viel zusätzlichem Geld machen müssen. Und das tut sie bereits, denn in Brüssel wird über die Erhebung eigener Steuern durch die EU gesprochen und es werden bereits Pläne ausgearbeitet, wie die EU an die Ersparnisse der Europäer kommen kann, um sie in die gewollten Bahnen zu lenken.

Da das Thema hochbrisant ist, habe ich den Artikel aus der TASS übersetzt, denn auch wenn er auf den ersten Blick sehr trocken wirkt, enthält er Sprengstoff, über den die Medien nicht berichten.

Beginn der Übersetzung:

Scheidung von China: Woher soll Europa das Geld nehmen, das es nicht hat?

Xenia Bondarenko, Professorin am Lehrstuhl für Weltwirtschaft der Fakultät für Weltwirtschaft und Politik der Nationalen Forschungsuniversität für Wirtschaft und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, darüber, ob eine echte Entkopplung von China möglich ist.

Als ich die Zahl von 23,6 Billionen US-Dollar zum ersten Mal sah, glaubte ich es nicht, denn sie klang zu sehr nach der abstrakten „Verschuldung der größten Länder der Welt“, die vor zehn Jahren in den Schlagzeilen stand. Aber nein: Genau so viel wird die „Beendigung der Abhängigkeit von China“ in kritischen Sektoren die USA und die europäischen Länder laut Berechnungen der Beratungssparte von EY-Parthenon bis 2050 kosten. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das zusätzlichen Investitionen von rund 940 Milliarden US-Dollar.

Dieser Prozess, die wirtschaftliche Trennung und Unabhängigkeit der Märkte voneinander, wird als Entkopplung (decoupling) bezeichnet.

Wenn die Wünsche nicht zu den Möglichkeiten passen

Die Financial Times bezieht sich auf diese Studie und liefert folgende Aufschlüsselung: 58 Prozent der Summe (13,7 Billionen US-Dollar über 25 Jahre bzw. 550 Milliarden US-Dollar jährlich) entfallen auf die USA, 39 Prozent (9,1 Billionen US-Dollar bzw. 360 Milliarden US-Dollar jährlich) auf die Eurozone und lediglich 3 Prozent (insgesamt 800 Milliarden US-Dollar bzw. 32 Milliarden US-Dollar jährlich) auf Großbritannien.

Die Analysten von EY-Parthenon betrachten dabei ausschließlich die Eurozone und nicht die gesamte EU (also ohne Tschechien, Dänemark, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden, die den Euro nicht eingeführt haben). Das hat zwei Gründe. Erstens orientieren sie sich bei ihren Berechnungen an den Währungs- und Finanzblöcken und nicht an den politischen Grenzen, den Verantwortungsbereichen der Zentralbanken (der Federal Reserve, der EZB und der Bank of England), und verknüpfen den Entkopplungseffekt mit Inflation und Zinssätzen. Zweitens bildet die Eurozone das Rückgrat der EU-Wirtschaft (die 21 Länder erwirtschaften rund 85 Prozent des BIP), sodass die Fehlermarge für das Gesamtbild minimal ist.

In dieser Analyse trenne ich die Eurozone von der EU, betrachte aber aus Budgetgründen die gesamte EU, was sinnvoller ist.

So sind 550 Milliarden US-Dollar jährlich für die USA eine enorme Summe, aber durchaus „verdaubar“. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa den Investitionen amerikanischer Technologieunternehmen in den Bau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur im Jahr 2025. Bei einem BIP von 30,8 Billionen US-Dollar und Staatsausgaben von 11,6 Billionen US-Dollar wird die Initiative die Amerikaner in den nächsten sechs Jahren 1,4 bis 1,8 Prozent des BIP und etwa 4 bis 5 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben kosten (basierend auf den IWF-Prognosen für makroökonomische Indikatoren bis 2031 vom April) und anschließend sinken (Basiseffekt). In Großbritannien sind die Verpflichtungen weniger ambitioniert: Die zusätzlichen Ausgaben werden jährlich 0,6 bis 0,9 Prozent des BIP bzw. 1,4 bis 1,8 Prozent der Haushaltsausgaben betragen.

Die Staatshaushalte beider Länder stehen aufgrund von Defiziten und steigenden Verteidigungsausgaben unter Druck, können aber durch die Koordinierung der Interessen der Regierungen noch bis zu einem gewissen Grad angepasst werden. Darüber hinaus wird die Regierung – und das ist meiner Ansicht nach eine der unvermeidlichen Optionen zur Entkopplung von China – einen Teil der Kosten freiwillig-verpflichtend auf die Wirtschaft abwälzen.

Doch in der Eurozone ist die Situation grundlegend anders. Die europäischen Länder haben es historisch schwer, sich darauf zu einigen, welche Länder, welche konkreten Projekte und welche Standorte die Kosten für die Schwächung des chinesischen Einflusses tragen sollen. Und das trotz ihrer beträchtlichen Wirtschaftskraft. Im Jahr 2025 betrug die Bruttoinlandsproduktivität der Eurozone 18 Billionen US-Dollar (die der EU insgesamt 21,2 Billionen US-Dollar), die konsolidierten Haushaltsausgaben beliefen sich auf 9 Billionen (10,5 Billionen US-Dollar für die gesamte EU). Der aktuelle mittelfristige Finanzierungsbedarf entspricht zusätzlichen 1,3 bis 2,0 Prozent des BIP und satten 3 bis 4 Prozent der Haushaltsausgaben. Und hier stellt sich mir, als jemandem, der die Verhandlungen über den EU-Haushalt seit vielen Jahren verfolgt, eine entscheidende Frage: Woher und wie genau will Brüssel dieses Geld nehmen?

Die Antwort, die ich in den aktuellen Dokumenten und Stellungnahmen sehe, besteht aus vier recht unangenehmen Szenarien, keines von ihnen erscheint schmerzlos.

Zahlen werden nicht die Unternehmen, sondern die Verbraucher

Die erste und offensichtlichste Einnahmequelle ist die Ausweitung der Eigenmittel der EU. Gemeint sind europaweite Steuern, die direkt in den Haushalt der EU fließen und die nationalen Finanzministerien umgehen.

Um das wachsende Defizit im Entwurf des EU-Haushalts für 2028–2034 (dem mehrjährigen Finanzrahmen) zu decken, werden regelmäßig verschiedene Ideen diskutiert: eine Tabaksteuer, Steuern auf Online-Wetten, auf Kryptotransaktionen und auf digitale Dienstleistungen für Großkonzerne wie Google, Amazon und Meta. Von all diesen Maßnahmen wurde bisher nur eine umgesetzt. Mit Wirkung zum 1. Juli 2026 hat die EU einen einheitlichen Zoll von 3 Euro auf preiswerte Waren aus ausländischen Online-Shops eingeführt und damit die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro abgeschafft. Das ist ein direkter Schlag für die chinesischen Giganten Temu, AliExpress und Shein. Alle anderen fiskalischen Maßnahmen existieren bisher nur auf dem Papier. So auch die Finanztransaktionssteuer, über die in Brüssel seit Anfang der 2010er-Jahre gesprochen wird, die aber nicht europaweit eingeführt werden konnte.

Natürlich bezahlen am Ende die normalen Europäer für die Steuererhöhungen, da die Unternehmen die Kosten an die Verbraucher weitergeben. Außerdem gilt, je breiter die Steuerbasis wird, desto mehr sinkt durch Ausnahmen, Lobbyarbeit und Kapitalflucht in andere Jurisdiktionen die Möglichkeit zur Eintreibung der Steuern. Den jährlichen Bedarf von 360 Milliarden Dollar mit diesen Maßnahmen zu decken, ist unmöglich. Im besten Fall werden sie einige Dutzend Milliarden Euro einbringen, was angesichts der Kosten der Entkopplung nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Der EU-Haushalt als politisches Schlachtfeld

Die zweite Einnahmequelle sind die direkten Beiträge der Mitgliedstaaten. Sie bilden die Grundlage der Einnahmen des gemeinsamen Haushalts der EU-27. Und hier beginnt die pure Politik: Die Verhandlungen über den Haushalt 2028–2034 haben den Block bereits in zwei Lager gespalten, wobei deren wirtschaftliche Widersprüche tief in der Struktur der EU verwurzelt sind.

Auf der einen Seite sind die sogenannten „Sparsamen“ (frugals), angeführt von Deutschland, den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Sie bestehen auf einer Reduzierung des Appetits der EU und sind kategorisch gegen jegliche Mehrausgaben. Auf der anderen Seite steht eine Koalition der 16 südlichen und östlichen Länder, die sich selbst als „Freunde des Zusammenhalts“ (friends of cohesion) bezeichnen. Diese Länder, angeführt von Polen, Italien und Spanien, fordern eine Erhöhung der Mittel für regionale Entwicklungsprogramme.

Meiner Ansicht nach ist diese Spaltung das größte praktische Risiko für die Idee der Unabhängigkeit von China. Der wohlhabendere Norden sieht sich als Hauptsponsor und will die Ambitionen anderer Länder weiter zu subventionieren, reduzieren. Das führt zu einem Paradoxon: Die wichtigsten Profite der Entkopplung entfallen auf die künftigen Produktionszentren für Chips und Batterien wie Deutschland und Frankreich. Süd- und Osteuropa sind weitaus mehr daran interessiert, Mittel zur Unterstützung ihrer gefährdeten Industrien (einschließlich der Landwirtschaft) zu sichern, als Brüssels abstrakte technologische Souveränität zu finanzieren. Zudem erhalten sie seit Jahren Direktinvestitionen und Billigwaren aus Peking (wenn auch nach den am 1. Juli eingeführten Zöllen nicht mehr ganz so billig).

Unter diesen Umständen wird jeder Versuch, die nationalen Beiträge zur Bekämpfung des chinesischen Einflusses deutlich zu erhöhen, auf ein Veto oder langwieriges Feilschen stoßen. Die Verhandlungen über den EU-Haushalt ziehen sich über Jahre hin, und der Kompromiss bleibt am Ende stets weit hinter den ursprünglichen Zielen zurück.

Kredite aufnehmen oder in die Pensionskassen greifen

Die dritte Option ist die Finanzierung durch Schulden. Einen Präzedenzfall gibt es schon: das Antikrisenpaket NextGenEU, als die EU zum ersten Mal in ihrer Geschichte in eigener Regie einen Kredit am Markt aufgenommen hat. Die Logik ist dieselbe: Da die Staatshaushalte überlastet sind und Steuererhöhungen politisch brisant (und ineffektiv) sind, bleibt als einzige Option die Kreditaufnahme.

Da eine ewige Erhöhung der staatlichen Investitionen bei hohen Zinsen gefährlich ist, hört man in Brüssel immer öfter die Idee, privates Kapital anzuziehen. Gemeint ist dabei vor allem das „lange Geld“ von Pensions- und Versicherungsfonds. Dieses Geld soll über Mechanismen wie die Spar- und Investitionsunion (Savings and Investments Union, SIU) eingesetzt werden. Brüssel versucht, europäische Ersparnisse innerhalb der EU zu halten und zu verhindern, dass sie auf den amerikanischen Markt fließen.

Ich halte diese Idee für recht realistisch, aber gleichzeitig für extrem riskant.

Der Realismus liegt darin, dass europäische Pensionsfonds tatsächlich Billionen von Euro angesammelt haben, von denen ein Teil ohne sofortige Steuererhöhungen in die Infrastruktur fließen könnte. Das würde jedoch einen neuen politischen Kampf auslösen. Es bräuchte Gesetzesänderungen, gegen die sich einige Länder vehement wehren würden. Mehr als 60 Prozent der Pensionsersparnisse der EU sind in nur drei Ländern konzentriert, den Niederlanden, Dänemark und Schweden.

Das Risiko ist also, dass Pensionsfonds naturgemäß konservativ sind. Investitionen in den kompletten Umbau von Produktionsketten sind ein jahrzehntelanges Unterfangen mit ungewisser Rendite. Sollten Politiker die Fonds „freiwillig-verpflichtend“ in geopolitisch motivierte, aber unrentable Projekte investieren lassen, wären die Leidtragenden letztendlich die zukünftigen europäischen Rentner.

Die alten Zöpfe abschneiden: Kohäsion als Druckmittel

Die vierte, und derzeit wahrscheinlichste Möglichkeit ist die banale Umverteilung von Mitteln innerhalb des laufenden Haushalts. Vereinfacht gesagt: Es werden einige Posten gekürzt, um andere zu begünstigen.

Im Haushaltsentwurf für 2028–2034 kürzt Brüssel die Ausgaben für Kohäsionsfonds und regionale Entwicklung erheblich. Dafür werden die Mittel für Verteidigung und Raumfahrt gleich verfünffacht, die Ausgaben für Migrationsmanagement verdreifacht und auch die Unterstützung für den Energiesektor ausgeweitet. Das Dokument ist noch nicht formell verabschiedet, doch die Richtung ist klar: Das Geld für die neuen Prioritäten beschaffen die Beamten auf Kosten der gewohnten Unterstützung für ärmere EU-Mitgliedstaaten und ignorieren damit faktisch das Problem der innereuropäischen Ungleichheit.

Analysten von CaixaBank Research haben die Vorgänge treffend als eher politischen denn wirtschaftlichen Umbau bezeichnet. Ich führe diesen Gedanken weiter aus: Die Philosophie des europäischen Haushalts ändert sich vor unseren Augen. Es vollzieht sich ein Wandel von Solidarität und Angleichung der Lebensstandards hin zum geopolitischen Überleben. Dies ist keine neutrale technische Maßnahme, sondern eine konkrete strategische Entscheidung, für die Europa teuer bezahlen wird.

Nicht alles und nicht sofort

Zählt man alle vier Faktoren zusammen, ergibt sich folgendes Bild:

  • Die neuen Steuern werden bestenfalls einige Dutzend Milliarden Euro pro Jahr einbringen, also ein Vielfaches weniger als nötig.
  • Die Beiträge der Mitgliedstaaten werden aufgrund der Spaltung zwischen Nord und Südost in eine politische Sackgasse geraten.
  • Marktkredite, die durch Pensionsfonds gesichert sind, bergen aufgrund ihrer unvorhersehbaren Renditen Risiken.
  • Die Streichung alter Bestimmungen ist für die Bürokraten zwar der einfachste Weg, aber der zerstörerischste für die innereuropäische Solidarität (auf der das europäische Integrationsprojekt selbst beruht).

Dabei ist ein vollständiger Bruch mit China völlig unrealistisch. Peking bleibt mit einem Anteil von 22,3 Prozent an den Importen der größte Warenlieferant der EU, und diese Mengen wachsen weiter. Für Europa wird die Lage durch Inflationsrisiken, teure Kredite und fiskalischen Druck zusätzlich verschärft.

Wenn man berücksichtigt, mit welchem Knirschen die EU über den regulären Siebenjahreshaushalt verhandelt, ist es gelinde gesagt, naiv zu erwarten, dass sie jährlich zusätzliche 360 ​​Milliarden Dollar zur Bekämpfung des chinesischen Einflusses aufbringen wird. Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass die aufgebrachte Summe deutlich geringer ausfällt als angekündigt und dass die Ergebnisse lediglich partiell bleiben. Statt einem totalen Umbau der Märkte wird sich Brüssel auf den gezielten Schutz einiger weniger kritischer Sektoren beschränken: Halbleiter, Batterien und Seltene Erden.

Alles andere bleiben schöne Zahlen auf dem Papier der Consulting-Agenturen.

Ende der Übersetzung

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Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 24. Juli 2026 auf anti-spiegel.ru.

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Bild: Euro-Schiff mit gerissener Flagge sinken. Krisenkonzept.

Bildquelle: Elena Schweitzer / Shutterstock


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