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Betrachtungen am Rande des Nervenzusammenbruchs | Von Dirk C. Fleck

Betrachtungen am Rande des Nervenzusammenbruchs | Von Dirk C. Fleck

Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.

„Wenn es einen Menschen gäbe, der wagte, alles zu sagen, was er von dieser Welt gedacht hat, bliebe ihm kein Quadratmeter mehr, um sich darauf zu behaupten. Wenn ein solcher Mensch erscheint, stürzt sich die Welt auf ihn und bricht ihm das Rückgrat. Immer ist da zu viel verfaulte Menschheit, als dass ein Mensch aufblühen könnte.“ – Henry Miller

Ich traue ihnen nicht, den geistigen Kleingärtnern, die uns über den Gartenzaun hinweg ansprechen, die charmant plaudernd, lustvoll verführend und virtuos argumentierend ihr gescheitertes Leben als Offenbarung verhökern. Sie wollen einem den Tand ihres Wissens andrehen, wo man doch unbeschwert weitergehen möchte. Am liebsten hetzten sie die Hunde auf einen, wenn es nur nicht dem guten Ruf schaden würde.

Für all jene, die ihre Sehnsüchte bewahrt haben, denen Friede mehr ist als ein beständiges Zittern vor dem großen Knall, ist die augenblickliche Situation unerträglich geworden.

Ich bin ein Resonanzboden inmitten des großen Schweigens.

Es gibt ein Leben außerhalb des geopolitischen Ränkespiels, dem die alternativen Medien so gerne analytisch auf den Grund gehen, obwohl es unsere Seelen immer mehr zu vergiften droht. Nehmen wir es wieder wahr, denn es braucht über den riesigen Misthaufen, den das Giersystem permanent produziert, weder weitere Informationen noch Aufklärung – wir wissen doch seit Jahrhunderten, nach welchen Gesetzen menschen- und naturverachtende Systeme funktionieren.

In jedem von uns steckt ein gewaltiges Potential an Liebe und Empathie, steckt die Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander. Warum legen wir es nicht frei, warum bekennen wir uns nicht zu unserer wahren Natur? Warum bringen wir uns im Alltag nicht ein? So wie wir sind. Wir sind keine Marionetten des Kapitals, wir sind nicht dazu da, einem todkranken Wirtschaftssystem durch den Ausverkauf unserer Ressourcen das Leben zu verlängern.

Die Unbewussten gehören immer zur Mehrheit und dieses Wissen reicht ihnen, um ihrer Arroganz und ihrem Zynismus lustvoll freien Lauf zu lassen.

Wo sind wir bloß gelandet? Faschismus im rosa Kleidchen – widerlich, beängstigend und gefährlich.

Die europäische Kultur ist von dem Gedanken geprägt, dass Kraft dazu da ist, für oder gegen etwas angewendet zu werden. Das ist falsch. Kraft zu haben bedeutet, voll und ganz gegenwärtig zu sein.

Vielleicht sollten wir alle mal die Klappe halten und uns auf das beschränken, was im Alltag an Sprache benötig wird: "Ölwechsel und waschen, bitte!“ – "Reich mir mal das Salz." – "Hast du meine Brille gesehen?" Ich befürchte allerdings, dass 99 Prozent der Menschen diese Art des Innehaltens keine zehn Minuten aushalten. Sie würden es als Wettbewerb begreifen, ähnlich wie das Luft anhalten (Wer hält am längsten durch?), anstatt es als das zu sehen, was es sein sollte: die Freilegung unserer Wahrnehmungsfähigkeiten.

Erst wenn unsere Zeit abgelaufen ist und es ans Sterben geht, wohlmöglich erst in der Sekunde, wenn unser Atem reißt, wenn wir loslassen müssen und keine Möglichkeit mehr besteht, sich ins vertraute Leben zurück zu beißen, erst dann erkennen wir unsere Defizite, die unsere persönliche Geschichte geprägt haben. Erst dann sind wir empfänglich für die Wahrheit, die wir so grandios verpasst haben.

Der eigentliche Irrtum besteht darin, dass wir die Anhäufung von Daten mit Wissen verwechseln. Je mehr wir aber in Erfahrung bringen, desto weniger sind die Ergebnisse wert. Unsere Datenbanken blähen sich ins Ungeheuerliche. Alle fünf Jahre verdoppelt sich das Weltwissen. Die Informationsflut führt jedoch nicht zu mehr Aufklärung, sondern zu mehr Zynismus und Gleichgültigkeit.

Wir haben Jahrzehnte lang in unser Wohnzimmer uriniert. Anstatt aber unsere Lebensweise zu hinterfragen, diskutierten wir lieber über die Saugfähigkeit des Teppichs.

Ich erinnere mich an einen Slogan der Fleischindustrie, der Anfang der Neunzigerjahre auf Deutschlands Litfaßsäulen prangte. Ein saftiges, rohes Steak auf weißem Grund, darunter der Satz: »Wenn es frischer wäre, würde es Muh machen«

Es ist nicht leicht, den Steinschlägen eines kollabierenden Wirtschaftssystems zu entkommen. Aber vermutlich braucht es diese Steinschläge, vermutlich braucht es diese Verletzungen und Härten, damit sich die Menschen wieder daran erinnern, dass ihr Leben unter der Decke der Zivilisation erstickt wird, einer Zivilisation, die keinerlei Verbindung zu den Mysterien der Schöpfung zulässt.

Die Tatsache, dass wir endlich sind, wird nicht etwa als Chance begriffen, den uns geschenkten Augenblick zu lieben und zu leben, sondern dient dazu, uns ausschließlich mit »Erdarbeiten« zu beschäftigen. Wir errichten einen Wall aus Il- lusionen um die Wahrheit der eigenen Endlichkeit, hinter dem wir dann in Angst verharren. Als ängstliche Verfügungsmasse, die keinen Sinn mehr für die Schweinereien entwickelt, die ihr unverblümt zugefügt werden. Die eine Lüge nach der anderen wie Glückspillen schluckt, die nie erprobt wurden.

Unserer pornografischen Epoche liegt eine Entwicklung zugrunde, die sich in der Menschheitsgeschichte von Anfang an aufgebaut hat und die wie ein reißender Strom über alle hu- manistischen Ideale hinweggefegt ist. An seinen Ufern liegen die Leichen unzähliger Mahnwesen, die der Schlammlawine unserer Zivilisation zum Opfer gefallen sind.

Wie kann man sich inmitten dieses „Weltfestes des Todes“ (Thomas Mann), das heute besonders lärmend begangen wird, behaupten, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen?

Solange wir unsere wahre Natur verleugnen, solange wir nicht mehr die Sprache des Herzens sprechen und uns stattdessen in mörderischer Konkurrenz gegenseitig die Zeit stehlen, um schließlich als willfährige Erfüllungsgehilfen einer gut organisierten, über die nötigen Narkotika verfügenden Eliten zu enden, werden wir miteinander nie frei sein

Ich bin ein Senkblei in der Schwerelosigkeit, das sich auf den Grund aller Dinge setzen möchte und sich doch nur in endloser Finsternis verliert. Ich kann mich nicht einmal mehr an der Zeit festhalten.

Ich habe ein Problem mit dem Begriff WIR. Ich kann mich keinem WIR mehr zugehörig fühlen. Ich gönne mir den Luxus, bei MIR zu bleiben.

Das Thema Mensch ist durch. Ich habe mich seiner entledigt. Die daraus resultierende Leere ist zu meiner Geliebten geworden, wir beide tun uns nichts. Alles außerhalb dieser Leere ist gefährlich.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: xalien / shutterstock


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