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T2COM – Transformation der US-Militärbefehlskette | Von Wolfgang Effenberger

T2COM – Transformation der US-Militärbefehlskette | Von Wolfgang Effenberger

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger. 

Nach über 50 Jahren wurde am 2. Oktober 2025 der US-Befehlsbereich "Training and Doctrine Command" (TRADOC) mit dem "Army Futures Command" (AFC) unter einem einheitlichen Kommando zusammenführt, dem neuen Befehlsbereich "United States Army Transformation an Training Command" (T2COM) mit Sitz in Austin /Texas.

Strategische Kette – von der Transformation zu T2COM:

Transformation kein politischer Prozess, sondern militärisch inspirierter Operationsplan:

"Transformation" hat sich im politischen Vokabular der letzten Jahre zu einer Leitformel verdichtet und kein Feld ausgelassen:

  • digitale Transformation der Verwaltung und der Wirtschaft,
  • grüne Transformation von Energie‑, Mobilitäts‑ und Produktionssystemen,
  • Sicherheits‑Transformation von Polizei, Militär und Nachrichtendiensten, demnächst die
  • Transformation des Gesundheits‑, Bildungs‑ oder Finanzwesens.

Transformation erscheint dabei nie als Option, sondern immer als Notwendigkeit: als zeitkritische Aufgabe, die "wissenschaftlich geboten", "alternativlos", "systemrelevant" ist – wer zögert, gefährdet angeblich Wohlstand, Sicherheit, Klima oder Gesundheit.

In dieser Rhetorik zeigt sich der technokratische Kern der Gegenwart.

Man definiert ein Zielbild ("klimaneutral", "resilient", "digital souverän"), erstellt dazu Fahrplan und Straßenkarte und legt die Verantwortlichkeiten fest.

Mensch und Gesellschaft erscheinen in diesem Raster als Systeme, die optimiert, gehärtet, effizienter gemacht werden sollen – nicht als historisch gewachsene, widersprüchliche, konflikthafte Gebilde, die verstanden, befragt, kritisiert werden müssen. So dominieren militärische Begriffe die Sprache der Transformation: Lagebild, Bedrohungsanalyse, Zieldefinition, Ressourcenzuteilung, Exekution, Monitoring. Was im militärischen Kontext auf Feind und Schlachtfeld bezogen war, richtet sich nun auf Infrastrukturen, Verhaltensweisen, Normen, Bewusstsein. Wer sich dem Transformationsplan entzieht, ist ein Störfaktor im System. Die Logik des Krieges – Identifizieren, Rationalisieren, Neutralisieren – dringt in das Herz der Gesellschaft vor, allerdings in der Sprache von Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit.

So verschränken sich Transformation und Technokratie: Der Operationsplan ersetzt die Debatte, das Zielbild ersetzt den Streit um Ziele, das Projekt ersetzt die Politik. Öffentlichkeit darf nur noch über Tempo, nicht mehr über Richtung reden; Expertengremien definieren, was als realistisch, verantwortbar, „wissenschaftlich fundiert“ gilt. In dieser Konfiguration wird Transformation zur zentralen Technik des Omniwar: Sie verwandelt Krieg in Modernisierung und Disziplinierung in Fortschritt; die schrittweise Unterwerfung unter technokratische Protokolle, wird interpretiert als Rettung und Notwendigkeit.

Die "Große Transformation" (Industrie 4.0/5.0) treibt den Transhumanismus voran: eine Mensch-Maschine-Verschmelzung über KI, Nanotech und Neuralinks. Sie zielt auf "posthumane" Soldaten – angstfrei, superintelligent, cyborgartig. Dazu hat das US-Verteidigungsministerium eine Behörde geschaffen, die "Defense Advanced Research Projects Agency" (DARPA) (dt. etwa Behörde für Forschungsprojekte der Verteidigung) Das jährliche Budget belief sich 2013 auf etwa vier Milliarden US-Dollar. (1)

Aufgrund ihrer Erfolge bei der Entwicklung innovativer Techniken fungiert DARPA als Vorbild für zahlreiche Transfereinrichtungen mit missionsorientierter Spitzenforschung innerhalb und außerhalb der USA. Es geht um menschliche Entgrenzung, und Optimierung durch Technik, wo Biologie als Schwäche gesehen wird. (2) 

Transhumanismus Teil eines globalen technokratischen Projekts im Zeitraum 2020–2050

Transhumanismus – eine langfristige militärische Operation – ist eine philosophische Bewegung und Ideologie, die die Überwindung biologischer, kognitiver und physischer Grenzen des Menschen durch Technologie anstrebt. Er propagiert die Verbesserung des Menschen („Human Enhancement“) mithilfe von Nanotechnologie, KI, Biotechnologie und Neurotechnik, später auch die mögliche Verschmelzung von Bewusstsein und Maschine (z. B. „Mind Upload“). (3) 

Mit dieser Idee wird der Übergang von der menschlichen zur "posthumanen" Existenzform angestrebt. Sowohl von Technikoptimisten wie auch von scharfen Kritikern wird der Transhumanismus als eine „gefährliche Idee“ beschrieben, die sich vom klassischen Menschenbild verabschiedet hat. (4) Das dürfte den trunkenen, Gott spielenden Kriegsstrategen völlig gleichgültig sein. Sie sehen nur den vordergründigen Sieg über einen Gegner, letztlich ist es der Mensch. Bei einem umfassenden Einsatz von Transhumanismus und Technokratie könnte der moderne Krieg das Ende aller Dinge bedeuten.

Menschliche Optimierung für Krieg und Kontrolle

Im Frühjahr 2021 stellte die Abteilung Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC, Zentrum für Entwicklung, Konzepte und Doktrinen) des britischen Verteidigungsministeriums und das Amt für Wehrplanung der Bundeswehr die gemeinsame Studie "Human Augmentation. The Dawn of a New Paradigm" (Menschliche Optimierung. Der Beginn eines neuen Paradigmas) vor. Dabei gehe es darum, „wie sich neue Technologien wie Gentechnik, Bioinformatik und die Möglichkeit von Gehirn-Computer-Schnittstellen auf die Zukunft der Gesellschaft, der Sicherheit und der Verteidigung auswirken könnten“.

Die NATO-Militärs sehen in Human Augmentation „den Beginn einer neuen Ära strategischer Vorteile mit möglichen Auswirkungen auf das gesamte Spektrum der Streitkräfteentwicklung“ und weisen auf ausgereifte Technologien hin, z. B. personalisierte Ernährung, Wearables und Exoskelette." Unter Wearables sind Computertechnologien zu verstehen, die am Kopf oder am Körper getragen werden; sie sind Teil des "Internets der Dinge" und sollen die Tätigkeit in der realen Welt durch (Zusatz-)Informationen, Auswertungen und Anweisungen unterstützen. Dazu liefern die Computer eine erweiterte Wirklichkeit mithilfe von Daten aus der Außenwelt, die über Smartphones und Datenbrillen angezeigt und in die Texte und Bilder eingeblendet werden. Anwendungsfelder sind Produktion und Logistik genauso wie polizeiliche und militärische Operationen.“ (5) 

Die britisch-deutsche Militärstudie verweist auch auf weitere Technologien der Zukunft, „die ein größeres Potenzial versprechen, wie Gentechnik und Gehirn-Computer-Schnittstellen“. lm Vorwort schreiben die Generalmajore Darrell Amison und Wolfgang Gaebelein, „dass der Bereich der Human Augmentation das Potenzial hat, Gesellschaft, Sicherheit und Verteidigung in den nächsten 30 Jahren zu verändern. Wir müssen jetzt damit beginnen, die Auswirkungen dieser Veränderungen zu verstehen und sie zu unserem Vorteil zu gestalten, bevor sie uns aufgedrängt werden …Unsere potenziellen Gegner werden nicht den gleichen ethischen und rechtlichen Überlegungen unterliegen wie wir, und sie entwickeln bereits Fähigkeiten zur Human Augmentation. Unsere große Herausforderung wird darin bestehen, uns auf diesem Gebiet einen Vorteil zu verschaffen, ohne die Werte und Freiheiten zu gefährden, die unsere Lebensweise untermauern.“ Hier ist sie wieder, die militärische Logik des linearen Denkens und die damit einhergehende Überheblichkeit bezüglich des eigenen ethisch-moralischen Handelns. Wie immer werden die Tugenden der westlichen Wertegemeinschaft bemüht, ohne zu hinterfragen, ob auch danach gehandelt wird, und ohne die Realität wahrzunehmen: illegale Kriege, Völkerrechtsbrüche, Folter usw.

Endziel dürfte die Verchippung und damit die totale Versklavung des Großteils der Menschheit sein. Wenn nur ein Bruchteil der hierfür verbrauchten finanziellen und geistigen Mittel in die Friedenssicherung einfließen könnte, sähe die Welt vermutlich anders aus. (6)

Innerhalb dieses Zeitfensters wird erwartet, dass die klassische liberale Demokratie systematisch durch technologische und verschachtelte Governance-Formen ersetzt wird, die sich als „wissenschaftliche Technokratie“ legitimieren. (7)

Transhumanismus als militärische und geheimdienstliche Operation 

In kritischen Analysen wird Transhumanismus nicht nur als technophiles Zukunftsprojekt, sondern als ein langfristiges, strategisch geplantes Projekt militärischer und geheimdienstlicher Art interpretiert. Die These lautet, dass staatliche Eliten und Geheimdienste vor allem der USA und anderer Machtzentren Transhumanismus als ein „getarntes militärisches Projekt“ nutzen, um menschliche Körper und Bewusstsein in ein globales technokontextuelles Kontrollsystem zu integrieren. (8)

Insbesondere die so genannte Omnikrieg-Analyse (Omniwar) beschreibt Transhumanismus als Bestandteil eines globalen „technokratischen Putsches“, in dem Krieg nicht nur militärisch, sondern auch in der Technologie, Medizin, Biologie und Psychologie geführt wird. Die Krise der Jahre 2020–2022 (z. B. die „Covid‑19“‑Pandemie) wird hier als psychologische und technologische Operation interpretiert, um die Öffentlichkeit für die technokratisch‑transhumanistische Neuordnung zu konditionieren. (9)

Auf der Webseite des WEF heißt es in einem Artikel vom September 2022 wörtlich:

„COVID-19 war eine Bewährungsprobe für die soziale Verantwortung – Milliarden von Bürgern weltweit haben sich auf eine Vielzahl unvorstellbarer Einschränkungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit eingelassen.“ (10)

Die Interpretation einiger namhafter Kritiker der Coronamaßnahmen, dass es sich bei dem globalen Pandemiemanagement um eine quasi militärische Gehorsamsübung gehandelt hat, scheint also nicht so abwegig zu sein.

Zeitrahmen: Umsetzungsplan 2020–2050 

Ausgehend von kritischen Strategieanalysen wird ein Zeitrahmen von etwa 2020 bis 2050 als operative Schaffungsspanne für das globale technokratische und transhumanistische Projekt angegeben: (11) 

2020–2030:

Durchsetzung digitaler und biomedizinischer Infrastrukturen, Massendigitalisierung personaler Daten, Aufbau von „Smart Cities“, verstärkte Automatisierung und KI‑Integration, sowie die Etablierung von „Human Enhancement“ als Medizin- und Sicherheitsmodell. (12)

Laut offiziellen Militärforschungsberichten sollen bis etwa 2030 „bionische“ Mensch-Maschine-Systeme einsatzbereit sein, die die klassischen Grenzen zwischen Mensch und Technik aufheben. (13)

2030–2040:

Verschmelzung von Mensch und Maschine in sensiblen Bereichen (Arbeit, Sicherheit, Medizin), Ausbau autonomer Systeme, fortschreitende Personalisierung und Konditionierung über Algorithmen, erste Schritte zur massenfähigen Integration von KI‑Infrastrukturen in das neurobiologische System. (14)

Das Militär am Ziel: Soldaten sind hinsichtlich körperlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit über die natürlichen Grenzen hinaus optimiert.

Dazu gehören: (15)

  • pharmakologische Leistungssteigerung: (z. B. durch Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Wachsamkeitsmittel wie Amphetamin-Derivate, um Soldaten tagelang einsatzfähig zu halten), (16)
  • sensorische und kognitive Optimierung: (z. B. durch Drogen oder Trainingssysteme, die Reaktionsgeschwindigkeit, Multitasking oder Stressresistenz erhöhen), (17)
  • genetische und biotechnologische Optimierung: (z. B. Thermotoleranz, verbesserte Immunabwehr, verkürzte Regenerationszeiten, sogar Schmerzresistenz oder reduzierte emotionale Belastung), (18)
  • implantierbare Systeme und Brain–Computer-Interfaces, die die Verbindung zwischen Gehirn und Waffen-, Steuerungs- oder Kommunikationssystemen ermöglichen. (19)

2040–2050:

Erreichen der technokratischen „Normalität“, in der die Unterscheidung von Mensch und Maschine praktisch verschwindet; Posthumanisierung setzt ein, entweder über Bio‑KI‑Schnittstellen, Klon‑Ansätze oder bewusstseinsbasierte Digitalisierung, innerhalb eines globalen Kontrollrahmens. (20)

Innerhalb dieses Zeitfensters wird erwartet, dass die klassische liberale Demokratie systematisch durch technologische und verschachtelte Governance-Formen ersetzt wird, die sich als „wissenschaftliche Technokratie“ legitimieren. (21)

Kognitive Kriegführung: der Kampf um die Köpfe

Die klassische psychologische Kriegführung diente zunächst dem Zweck, das Militär oder die Zivilbevölkerung des Gegners zu manipulieren und zu schwächen. Eine solche "kognitive Kriegsführung" (Cognitive Warfare) zielt heute nicht nur auf den Feind ab: Der Kampf um die Köpfe der Menschen soll nun gleichermaßen auf dem eigenen Territorium stattfinden, wie es aus verschiedenen Nato-Dokumenten hervorgeht: beginnend mit dem Thesenpapier "Nato’s Sixth Domain of Operations" [das sechste Einsatzgebiet der Nato] von September 2020.

In diesem Thesen-Papier – es entstand im Auftrag der NATO-Denkfabrik "Innovation Hub" (IH) ) in Norfolk/Virginia – wird unter anderem von einer „ständigen Erosion der Moral der Bevölkerung“ in den Nato-Staaten ausgegangen, welche dazu führe, dass sich die Öffentlichkeit in Nato-Staaten zunehmend „nach den Plänen … unserer Widersacher verhält“. Deshalb müsse die Nato schnell handeln, um hier die Initiative zurückzugewinnen. Wenig später, im Januar 2021, veröffentlichte IH eine weitere Abhandlung namens "Kognitive Kriegführung", in der es heißt:

„Kognitive Kriegführung ist möglicherweise das fehlende Element, das den Übergang vom militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld zu einem dauerhaften politischen Erfolg ermöglicht. Das Einsatzgebiet Mensch könnte durchaus das entscheidende sein […] Die ersten fünf Einsatzgebiete Land, Wasser, Luft, Weltraum und Cyberspace können taktische und operative Siege bringen, doch nur das Einsatzgebiet Mensch vermag den endgültigen und vollständigen Sieg herbeizuführen“.

Im Anschluss hieran veranstaltete die NATO im Juni 2021 ein wissenschaftliches Symposium zur psychologischen Kriegführung. Im Vorwort des später publizierten Tagungsbandes «Kognitive Kriegführung: Die Zukunft der kognitiven Dominanz» betont der französische Luftwaffengeneral André Lanata, wie wichtig es sei, „die Schwächen der menschlichen Natur auszunutzen» und in diesem Zusammenhang auch die Neurowissenschaften zur Waffe zu machen.

Dabei solle zweigleisig gefahren werden, so der französische Vizeverteidigungsminister Eric Autellet in seinem nachfolgenden Beitrag: „Was unseren Feind betrifft, so müssen wir in der Lage sein, den Verstand unserer Gegner zu ‹lesen›, um ihre Reaktionen vorweg zu ergründen. Wenn nötig, müssen wir in die Gehirne unserer Gegner ‹eindringen› können, um sie zu beeinflussen und dazu zu bringen, in unserem Sinn zu handeln. Was unsere Freunde betrifft (und auch uns selbst), so müssen wir in der Lage sein, unsere Gehirne zu schützen und unsere kognitiven Fähigkeiten des Verstehens und der Entscheidungsfähigkeit zu verbessern.“

Dem folgte im Oktober 2021 die Ausschreibung eines Innovationswettbewerbs zum Thema "Kognitive Kriegführung neutralisieren" durch das Canadian Special Operations Forces Command und die IHub, wobei der Innovationsmanager der Denkfabrik, François du Cluzel, diese Aufgabenstellung als „eines der heissesten Themen für die Nato im Moment“ bezeichnete.

Zum Gewinner wurde im Dezember 2021 das US-Unternehmen Veriphix gekürt, das eine "Plattform für Verhaltensdynamik" entwickelt hatte, deren Zweck darin besteht, „unterbewusste Motivationen zu messen und zu stärken, um Menschen zu Ideen, Produkten und Überzeugungen zu bewegen“. Den zweiten Platz belegte ein Team namens Recognite mit seinem Verfahren zur Erkennung «schädlicher kognitiver Beeinflussung, um eine effektive Intervention zu initiieren“. 

Wie derartige psychologische Eingriffe aussehen können, zeigte sich beispielsweise nach dem Beginn des Ukrainekrieges. Das Parlament der EU, die gemeinsam mit der Nato das "Europäische Exzellenzzentrum für die Abwehr hybrider Gefahren" in Helsinki unterhält, nahm am 9. März 2022 einen Beschlussentwurf seines „Sonderausschusses zur Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der Europäischen Union» an. Damit wurde eine «Expertengruppe zur Bekämpfung von Desinformation und zur Förderung der digitalen Kompetenz durch Bildung und Ausbildung“ ins Leben gerufen, die sich "unter anderem auf kritisches Denken, die Ausbildung von Lehrern, Prebunking [vorbeugende Abwehr von 'Fehlinformationen'], Entlarvung und Faktenüberprüfung sowie das Engagement von Schülern konzentrieren" soll.

Das geschah „in der Erwägung, dass Vorbeugung und proaktive Massnahmen, einschließlich Prebunking, weit aus wirksamer sind als die anschließende Überprüfung von Fakten und Widerlegung von Behauptungen, die eine geringere Reichweite haben als die ursprüngliche Desinformation“. Das zweifach erwähnte Prebunking ist das Gegenteil von Debunking, dem klassischen Fakten-Check zur Kennzeichnung von Falschinformationen. Hier geht es darum, Personen dergestalt mental zu präparieren, dass sie bestimmte Nachrichten bereits für falsch halten, bevor sie überhaupt damit konfrontiert werden. Dabei ziehen Debunking-Experten wie Sander van der Linden von der University of Cambridge Parallelen zu Schutzimpfungen: Der Mensch erhält „eine abgeschwächte (Mikro-)Dosis von Fehlinformationen, die eine präventive Widerlegung oder Vorverurteilung der erwarteten irreführenden Argumente oder Überzeugungstechniken enthält“.

Eine solche "Impfung" können auch deutsche Schüler durch das von der East StratCom Task Force des Europäischen Auswärtigen Dienstes und der NATO empfohlene Lernspiel "Fake it to Make it" (Fälsche es bis du es schaffst) erhalten. Dieses wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung übersetzt und für den Einsatz im Unterricht aufbereitet. Allerdings stießen die genannten Entscheidungen der EU auch auf Kritik. So äußerte die irische EU-Parlamentsabgeordnete Clare Daly, man übertreibe die Gefahr einer Beeinflussung der eigenen Bevölkerung durch Russland und China, um „abweichende Meinungen […] zu stigmatisieren und Gründe für Einschränkungen der Meinungsfreiheit und anderer Grundrechte zu schaffen“. (22)

Omniwars: der "allgegenwärtigen Krieg" – vom Zellkern bis Stratosphäre (23)

Im Omniwar-Konzept von David A. Hughes (24) dienen Smart-Technologien und biodigitale Systeme als zentrale Waffen, die den menschlichen Körper, Geist und Alltag durchdringen, um Kontrolle zu etablieren. (25) Hughes führt das Konzept in seinen 2024 erschienenen Werken ein und entwickelt es dort als analytisches Modell eines verdeckten, allgegenwärtigen Krieges.

In seinem Buch "Covid-19, Psychological Operations, and the War for Technocracy" (26) argumentiert er, dass die Pandemie seit 2020 den "Omniwar" als dritten Weltkrieg einleitete – einen totalen Konflikt um Technokratie, der Kognition, Gesellschaft und Biologie durchdringt. (27) In "Wall Street, the Nazis, and the Crimes of the Deep State" (2024) stellt er den Omniwar-Kontext in einen historischen Rahmen (z. B. Eugenik, Nationalsozialismus).

In Vorträgen und Substack-Artikeln prägte Hughes den Begriff "Omniwar" weiter und nutzt ihn als Werkzeug zur Erklärung globaler Technokratie-Offensiven – eng verwandt mit kognitiver Kriegsführung und T2COMs Transformationslogik. (28)

In "Omniwars" ist laut Hughes die Unsichtbarkeit (Stealth-Charakter) die größte Waffe: Die Öffentlichkeit realisiert weder Feind noch Angriffe, da auf alltägliche Systeme (Nahrung, Technik, Gesundheit) eingewirkt wird. Ziel ist eine unter Elite-Kontrolle stehende "Technokratie" mit vollständiger biodigitaler Konvergenz. (29) Hughes will mit seinem Omniwar-Modell den verdeckten Weltkrieg III einer transnationalen Elite gegen die Menschheit beschreiben und sieht in den Angriffen (COVID, 5G, KI) eine koordinierte Elite-Offensive zur Technokratie-Etablierung. (30) Mittels einer Kommunikationsplattform zur Verbindung des menschlichen Körpers mit zukünftigen 6G-Netzen (Internet of Bio-Nano-Things - IoBNT), Neuralinks und Neurotech läuft bereits der Weltkrieg III – asymptotisch und irreversibel. Ein biodigitales Kontrollnetz wird errichtet, das Gedanken, Verhalten und Sterblichkeit steuert und die Menschheit versklaven wird. In diesem Gesamtkomplex wird dann die Kognitive Kriegführung als Kernwaffe benutzt.

Laut Hughes geriet das bestehende Kontrollsystem (Kapitalismus + Überwachungsstaat) 2019 in eine Krise. 2020 wurde die "Plandemie" als Trigger für Revolution von oben (Great Reset) benutzt: Technokratie als Nachfolgemodell mit zentraler Planwirtschaft via Smart-Technik, wobei das Akronym SMART (Speed, Mobility, Accuracy, Reliability, Technology) Omniwar operationalisierbar macht: Jede Domäne wird „smart“ (schnell, beweglich, präzise) für Elite-Kontrolle. So sind für Hughes zivile Smart-Geräte bereits SMART-military-kompatibel und somit Trojaner für die Technokratie. 

Demokratie-Narrativ als Tarnkappe des Omniwar

Demokratie ist in der Ordnung des "Omniwar" weniger eine Regierungsform als eine Sprache, in der wir uns Freiheit versprechen, Beteiligung, Gleichheit an der Urne, öffentliche Debatte. Doch je mehr die Verfahren intakt bleiben – Wahlen, Parlamente, Talkshows, Beteiligungsformate –, desto leichter übersehen wir, dass die wirklichen Hebel der Macht sich schrittweise verlagert haben: in Gremien, Agenturen, Zentralbanken, Standardisierungsorganisationen, Sicherheitsapparate, in technische Infrastrukturen und Algorithmen.

Die Instrumente der Verwaltung führen uns Schritt für Schritt aus der politischen in eine technische Existenz. Was formal als Ausdruck des Volkswillens erscheint, ist faktisch häufig die nachträgliche Legitimation von Entscheidungen, die längst in Expertengruppen, Ausschüssen, Plattform‑Governance‑Boards, Rating‑Agenturen und transnationalen Regimen gefällt wurden. Wo der Handlungsspielraum dieser Instanzen als „Sachzwang“ codiert ist, wird das demokratische Ritual zur Softpower‑Technologie: Es erzeugt Zustimmung zu Prozessen, die dem Zugriff der Bürger weitgehend entzogen sind.

Demokratie als Tarnkappe des Omniwar stabilisiert die Fiktion, dass „wir“ gemeinsam entscheiden, während sich der Krieg – als permanente Optimierung, Überwachung, Risikosteuerung – in die Verwaltungslogik einschreibt. Die Ausweitung von Sicherheits‑, Gesundheits‑, Klima‑ oder Finanzregimen wird dann als demokratisch legitimierte Notwendigkeit erlebt. Widerspruch erscheint als Problem, das das System zu managen hat.

In dieser Konstellation ist Demokratie funktional umcodiert. Sie dient dazu, den Omniwar mit der Signatur freier Zustimmung zu versehen. Die eigentliche Entmachtung vollzieht sich dort, wo Bürger nicht mehr als politische Subjekte adressiert werden, sondern als zu steuernde Population: als Konsumenten, Nutzer, Risiken, Datenpunkte. Die Aufgabe kritischer Theorie besteht dann darin, hinter die demokratische Oberfläche zu blicken und die Stellen sichtbar zu machen, an denen die Sprache der Freiheit zur Infrastruktur eines kalten, technokratischen Kriegs gegen das Politische selbst geworden ist. 

„Transformation“ hat sich im politischen Vokabular der letzten Jahre zu einer Leitformel verdichtet und wird zur zentralen Technik des Omniwar: Der Krieg wandelt sich von einem außergewöhnlichen Ereignis zu einer Struktur der Weltordnung; einem Zustand, in dem Herrschaft als permanente Operation über Körper, Daten, Infrastrukturen und Bewusstsein organisiert ist. Es geht um die tiefen Muster eines Systems, das Konflikt, Kontrolle und Krisenmanagement in den Normalzustand integriert.

Technokratie wächst aus der Demokratie heraus: Schritt für Schritt verschieben sich Entscheidungszentren von Parlamenten zu Expertengremien, Standardsetzern und Regulierungsregimen. Gerade ihre scheinbare Sanftheit – die Abwesenheit von offenem Terror, die Sprache von Effizienz, Evidenz und Verantwortung – erweist sich als tödlich für das Politische: für Streit, Ungewissheit, echte Alternativen. 

Die Frage nach dem Menschenbild 

Im Kern stellt sich eine anthropologische Frage: Was bleibt vom Menschsein, wenn der „kalte Geist des Krieges“ die Schlüsselbegriffe unserer Gegenwart kolonisiert – Sicherheit, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Verantwortung? Wenn diese Begriffe nicht mehr Räume des gemeinsamen Nachdenkens eröffnen, sondern als Hebel dienen, um Verhalten zu steuern, Abweichung zu pathologisieren und Systeme zu optimieren? Die folgenden Kapitel verstehen sich als Einladung, hinter die Oberfläche dieser Begriffe zu sehen – und die Möglichkeit einer Ordnung zu denken, in der das Menschliche nicht mehr als Störgröße, sondern wieder als Ursprung des Politischen ernst genommen wird.

Im Omniwar wird klassische Hardpower – offene Repression, sichtbare Gewalt –nur dort eingesetzt, wo Softpower versagt; das bevorzugte Ziel ist es, Menschen zu erwünschten Optionen zu führen, indem Standardoptionen, Informationen oder Präsentation so gestaltet werden, dass das gewünschte Verhalten wahrscheinlicher wird (Nudging), ohne Zwang oder Verbote. Angepasstes ("vernünftiges") Verhalten soll auch mittels Bedrohlichkeits-Szenarien im Sicherheitsdiskurs sowie Gesundheits‑ und Klimapolitik erzeugt werden.

Äußerlich dominiert Selbstbestimmung, während die Entscheidungs-Parameter durch technokratische Regime vorgegeben werden (Standards, Datenregime, Ratings, Compliance‑Kriterien, Zugang zu Infrastrukturen); wer sich fügt, gilt als „verantwortungsbewusst“, wer abweicht, als „Gefährder“.

Omniwar zielt auf die Transformation des Menschen vom politischen Wesen (zoon politikon) zum verwalteten, optimierten, berechenbaren Datenträger.

Technokratische Instrumente (Digital‑IDs, Sozial‑ und Verhaltensscoring, Biometrie, KI‑gestützte Überwachung, Plattform‑Governance) greifen in existenzielle Bereiche ein: Körper, Mobilität, Kommunikation, finanzielle Teilhabe; Demokratie‑Rhetorik kaschiert, dass zentrale Lebensentscheidungen nicht mehr politisch, sondern technisch‑administrativ getroffen werden.

Unter Omniwar‑Bedingungen wird „Demokratie“ zur Softpower‑Marke, die Interventionspolitik, Regime‑Change‑Operationen, Sanktionsregime und Informationskrieg als „Förderung von Freiheit“ etikettiert – die eigentliche Funktion ist die Integration von Staaten und Bevölkerungen in technokratische Steuerungsnetze.

Im Inneren legitimiert sich der permanente Ausnahmezustand (Sicherheits‑, Pandemie‑, Klima‑, Finanzkrise) mit dem Versprechen, demokratische Ordnung zu „schützen“; faktisch verkehrt sich das Verhältnis: Demokratie schützt nun das System vor der Bevölkerung, nicht umgekehrt.

Selbstentfremdung der Menschen durch Kappen der seelischen Wurzeln

Der größte Trugschluss der westlichen Gesellschaft besteht in dem Versprechen grenzenloser Freiheit. Dieses Versprechen ist der Kern der Ideologie des globalen Kapitalismus und macht den "American Way of Life" weltweit so attraktiv. Aus dem emanzipatorischen Impuls der europäischen Aufklärung, dass der Mensch seine Welt und sein Schicksal aktiv mitgestalten kann und soll, wurde in der deutschen Freiheitsphilosophie die Idee einer selbstbestimmten Gesellschaft, in der jedes Individuum Verantwortung für sich und die Allgemeinheit übernimmt – Freiheit hieß also immer auch Selbstbeschränkung und Anerkennung der durch die Natur und die Mitmenschen gesetzten Grenzen. In den angelsächsischen Ländern und besonders in den neu entstandenen USA wurde aus dem Freiheits-Impuls jedoch eine Art "Anything Goes" abgeleitet und die Durchsetzung egoistischer Ziele als Motor des gesellschaftlichen Erfolgs glorifiziert ("The Winner Takes it All"). Dieses Ziel, im gnadenlosen Konkurrenzkampf um jeden Preis immer der Sieger zu sein, trägt die amerikanische Wirtschafts- und Außenpolitik seit 150 Jahren. Und so hat sich eine Elite von "Siegern" nun auch den Kampf gegen die natürliche Ordnung der Dinge auf die Fahnen geschrieben.

Stellen wir uns einmal vor, dass die gesamte Weltbevölkerung mithilfe virtueller Mittel (Unterhaltungsindustrie, Sportspektakel, Social Media usw.) in eine lenkbare Masse verwandelt werden kann, in der Illusion individueller Freiheit und unter dem Leitbild absoluter persönlicher Ungebundenheit. Die neuen, "woken" Individuen leben zunehmend isoliert, distanzieren sich freiwillig von ihren kulturellen und familiären Wurzeln und werden so abhängig von künstlichen Zugehörigkeiten. Nicht die Ausbildung und bewusste Annahme der eigenen gewachsenen Identität, sondern willkürliche Attribute wie künstliche Haarfarbe, Tätowierungen oder sogar eine Geschlechtsumwandlung sollen die „erwünschte“ Identität ermöglichen. Nicht mehr Lebenserfahrung und eigenes inneres Empfinden prägen die äußere Haltung, sondern die Orientierung an übernommenen, vorgegebenen Bildern. All das zusammen mit den geschilderten Methoden des "Cognitive Warfare" nimmt den Menschen die natürliche Resilienz gegenüber der angestrebten Fernsteuerung und macht sie anfällig für Kompensation und Täuschung.

T2COM

Im Zusammenhang mit kognitiver Kriegführung und Omniwar transformiert T2COM die US-Strategie physisch, kognitiv und operational– der Mensch und seine Entscheidungsfindung bleiben zentral. (31)

Diese Entwicklung soll der aktuellen Modernisierung der US-Armee im Hinblick auf die bevorstehenden Aufgaben: "Win in a Complex World 2020-2040" (32) Rechnung tragen. 

T2COM integriert dies in die Gesellschaftsstruktur durch KI-gestützte Operationen von Zielerfassung (Satelliten/Swarm-Drohnen) bis zu narrativer Kontrolle – transhumane "Operators" lenken Omniwars kognitiv (33) und sorgen für die richtige Konditionierung der öffentlichen Meinung.

Der Ausspruch, "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", wird dem griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos zugeschrieben, einem Vorsokratiker, der um 500 v. Chr. lebte. Dieser Satz reflektiert die Idee, dass Konflikte und Kämpfe grundlegende Kräfte in der Entwicklung der Menschheit sind. In seinen Fragmenten beschreibt Heraklit den Krieg als eine universelle Kraft, die sowohl Zerstörung als auch Schöpfung hervorbringt. Er argumentiert, dass Widersprüche und Konflikte notwendig sind, um Veränderungen und Fortschritt zu ermöglichen. Der Krieg wird hier nicht nur als physischer Konflikt verstanden, sondern auch als Metapher für die ständigen Kämpfe und Spannungen im Leben und in der Natur. Die modernen Kriege mit der Möglichkeit der Vernichtung der ganzen Menschheit durch Atombomben, biologische oder chemische Waffen sind nun jedoch an einer Grenze angelangt, die aus dem Vater aller Dinge einen Zerstörer aller Dinge und des Lebens machen.

Angesichts der bevorstehenden Aufstellung nuklearbestückbarer hypersonischer Raketen und der militärischen Verwendung von Transhumanismus und KI sollte Heraklits Aussage dazu anregen, über die komplexen Beziehungen zwischen Konflikt, Wandel und menschlicher Entwicklung nachzudenken. (34)

Das Szenario einer Totalzerstörung war zu Heraklits Zeiten noch nicht denkbar, genauso wie transhumanistische Techniken, in denen menschliche Körper als Knoten ("Nodes"), als einzelner Punkte in einem größeren Netzwerk verstanden werden. Durch die Verbindungen der Punkte fließen z.B. Informationen, Signale, Stoffe oder Einflüsse – der Körper ist also nicht isoliert, sondern Teil eines Netzes aus technischen, biologischen oder sozialen Beziehungen. Dieses biodigitale Kontrollnetz ermöglicht Sklaverei – unsichtbar und allgegenwärtig. (35)

Damit wird der Mensch bzw. die menschliche Kognition zum zentralen militärischen Operationsraum, nicht mehr nur Territorium oder klassische Domänen (Land, Luft, See). (36)

Krieg/Konflikt gilt als dauerhafter Zustand mit fließender Grenze zwischen Frieden, Konkurrenz, Krise und offenem Krieg; es gibt keine klare Trennung mehr zwischen „Front“ und Hinterland. (37)

Informations- und Kommunikationstechnologien (digitale Netze, KI, Datenökonomien) sind zentrale Ermöglicher und Verstärker dieser Form der Kriegführung. So erlangt man einen strategischen Vorteil ohne offenen kinetischen Schlagabtausch, etwa durch Vorfeld‑Manipulation gesellschaftlicher und politischer Prozesse, (38) und die Grenze von zivil und militärisch löst auf, weil der gesamte gesellschaftliche Raum als potenzielles Schlachtfeld kognitiver bzw. allgegenwärtiger Operationen begriffen wird. (39)

Eine echte liberal‑demokratische Ordnung ist durch gezielte Angriffe auf Öffentlichkeit, Vertrauen und kollektive Sinnstiftung schnell ausgehöhlt und bleibt immer verwundbar. (40)

Daher ist es notwendig, Verteidigung nicht nur materiell, sondern als Schutz der mentalen und sozialen Resilienz von Individuen und Gesellschaften zu denken. (41)

Heute ist uns eine Erfahrung vertraut, die wir gar nicht mehr als Zumutung wahrnehmen: die Erfahrung, dass unsere Entscheidungen wie das pflichtgemäße Abarbeiten fremder Notwendigkeiten aussehen. Wir stimmen zu, weil „der Markt“ es verlangt, weil „die Sicherheit“ es gebietet, weil „die Wissenschaft“ es nahelegt, weil „das Klima“ keine Zeit mehr lässt. Was wir einst als Risiko des Urteilens und Handelns kannten, erscheint heute als Fehlerquelle in einem System, das möglichst reibungslos funktionieren soll.

In dieser Verschiebung zeigt sich die eigentliche Strategie der Unausweichlichkeit. Sie besteht darin, Alternativen nicht offen zu verbieten, sondern sie schrittweise vom Horizont des Denkbaren zu entfernen. Politik verwandelt sich in Krisenverwaltung, Konflikte werden zu Moderationsaufgaben, Entscheidungen sind bloß noch Vollzug: Sachzwang, Expertenrat, algorithmische Empfehlung. Krieg, Ausnahmezustand und „Management“ beginnen sich zu überlagern – der militärische Ausnahmezustand, der politische Notstand, die technokratische „Transformation“ bedienen sich derselben Sprache der Dringlichkeit und der gleichen Logik des „Wir können gar nicht anders“.

Wo aber Alternativen nur noch als Gefahr erscheinen – für die Stabilität der Märkte, für die Sicherheit der Bevölkerung, für die Gesundheit der Bevölkerung, für das Weltklima –, wird das Nein politisch enteignet. Die Zonen des Aushandelbaren schrumpfen; was bleibt, ist die Rolle des verantwortungsvollen Mitvollzugs. In dieser Rolle folgen wir einem Krieg, der nicht mehr erklärt werden muss, weil er als Verwaltung daherkommt. Die Strategie der Unausweichlichkeit ist der kalte Geist dieses Krieges: Er braucht keine Feinderklärung mehr, solange er als alternativlose Vernunft auftritt. Gezeugt wird dieser kalte Geist in den kriegs- und kapitalaffinen Thinktanks und dann von den Politikern in Doktrinen und von ehrgeizigen Planern in Strategiepapiere und Trainingsanweisungen für das Militär umgesetzt.

Krieg ist heute zu einer permanenten, multidimensionalen Operation geworden, die sich in den Körper einschreibt, in Datenflüsse, in Infrastrukturen, in das Bewusstsein. Was früher als Ausnahme galt – Mobilmachung, Ausnahmezustand, totale Erfassung – verschiebt sich in den Normalbetrieb: in Grenzkontrollen und Gesundheitsprotokolle, in Kredit‑Scorings und Sozialstatistiken, in Informationskampagnen und psychologische Operationen, die längst nicht mehr nur das Militär monopolisieren.

Völkerrecht und UN-Charta sind seit dem Angriff auf Restjugoslawien durch USA und NATO am 24. März 1999 obsolet geworden und von Washington durch eine nebulöse "regelbasierte internationale Ordnung" ersetzt worden, eine Formel für die Tarnung der kalten Durchsetzung von Herrschaftsinteressen.

In diesem technokratischen Regime muss das, was angegriffen wird, nicht mehr als Feind benannt werden; es genügt, es als Risiko, als Anomalie, als Störung zu klassifizieren. Krieg ohne Pathos, geführt im Namen von Effizienz, Sicherheit und Gesundheit: als Optimierung von Mobilität, als Schutz kritischer Infrastruktur, als Prävention von Radikalisierung, als Management von „Verhaltensrisiken“.

An die Stelle der alten Kriegserklärung tritt der Maßnahmenkatalog. Die Logik bleibt jedoch verwandt: Identifikation, Erfassung, Neutralisierung. Nur dass die Zielobjekte nicht mehr nur Truppenformationen oder militärische Anlagen sind, sondern Lebensstile, Kommunikationsmuster, Bewegungsprofile, ganze Bevölkerungssegmente. Der Feind ist nicht mehr der andere Staat, sondern das, was sich der Verwaltung entzieht – das Unberechenbare, das Nicht‑Konforme, das widerständige Subjekt.

In dieser Verschiebung erhält der Krieg eine neue Qualität: Er kann überall stattfinden, ohne als Krieg benannt zu werden. Er benötigt keine Frontlinie mehr, solange es eine Datenleitung gibt; keine Generalmobilmachung, solange die Population im Namen der Sicherheit sich selbst diszipliniert. Der kalte Geist des Krieges ist darum nicht das Donnern der Kanonen, sondern die scheinbar rationale, alternativlose Fortführung des Ausnahmezustands mit administrativen Mitteln. 

Technokratie als globales Rahmensystem

Technokratie bezeichnet eine Herrschaftsform, in der Technik und wissenschaftliche Rationalität die politische Ordnung bestimmen, oft unter dem Vorwand „technischer Sachzwänge“ statt politischer Entscheidungen. In der Schelsky’schen Tradition wird Technokratie als „technischer Staat“ gesehen, in dem legitime politische Auseinandersetzung durch vorgebliche technische Optimallösungen verdrängt wird. (42)

In der aktuellen Debatte wird von Kritikern argumentiert, dass Transhumanismus keine neutrale Technikidee ist, sondern eine Bewegung, die im Kern technokratische Strukturen befördert: Technologie wird nicht nur als Mittel, sondern als normatives Vorbild für Gesellschaft und Politik verstanden. Die zunehmende Digitalisierung, Algorithmisierung und Automatisierung werden als materielle Grundlage für ein globales Technokratiemodell gedeutet, in dem Menschen als „optimierbare Systeme“ funktionieren (43) 

Der Zusammenhang zwischen Transformation, Transhumanismus, kognitiver Kriegführung, Omniwars und T2COM ergibt sich aus einer militärisch-technologischen Agenda zur hybriden Kontrolle des Menschen – von physischer „Verbesserung“ zu geistiger Dominanz im All-Kriegsspektrum. 

Die erschreckend visionäre Amazon-Serie „Fallout“

Die Amazon-Serie „Fallout“ zielt vor allem auf die satirisch-düstere Darstellung einer postapokalyptischen Welt nach einem Atomkrieg und integriert Elemente der Transformation (z. B. durch Ghuls (mutierte Überlebende einer nuklearen Apokalypse) und Mutationen) und des Transhumanismus (z. B. Vault-Experimente (44), künstliche Köpfe und Cyborgs), während kognitive Kriegführung und Omniwar subtiler als Propaganda, psychologische Experimente und Manipulationen vorkommen. Die Parallelen zur aktuellen Transhumanismus-Forschung sind verblüffend: Die Serie wirkt wie eine Vorbereitung auf die in den Omniwar-Zielen formulierte künftige Welt.

Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie „Die unterschätzte Macht“ (2022)

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1) Noah Shachtman: Darpa Dodges Obama Budget Death Ray, Keeps Its $2.8 Billion. In: Wired. 14. Februar 2012,

2) https://denkbar.substack.com/p/transhumanismus-ubermenschliche-fahigkeiten; Bynum, W F (2009). Savulescu, Julian; Bostrom, Nick (Hrsg.). "Sollten wir nach menschlicher Perfektion suchen?". BMJ: Britische Medizinische Zeitschrift. 339 (7712): 110. ISSN 0959-8138JSTOR 25672077

3) https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/transhumanismus-und-militaer/

4) https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/transhumanismus-die-cyborgisierung-des-menschen

5) Wolfgang Effenberger: Die unterschätzte Macht Von Geo- bis Biopoliti – Plutokrat transformieren die Welt. Hörh-Grenzhausen 2022, S. 241/ 42

6) https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/transhumanismus-die-cyborgisierung-des-menschen

7) https://www.nomos-shop.de/de/p/vom-transhumanismus-zum-technischen-staat-gr-978-3-8288-4423-0

8) https://www.technocracy.news/de/omniwar/

9) https://www.technocracy.news/de/omniwar/

10) https://www.weforum.org/stories/2022/09/my-carbon-an-approach-for-inclusive-and-sustainable-cities/

11) https://www.politik-kommunikation.de/politik/transhumanismus-der-neue-politiktrend/

12) https://www.politik-kommunikation.de/politik/transhumanismus-der-neue-politiktrend/

13) https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2020/08/MZ-2020-02-SINGER.pdf

14) https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/transhumanismus-und-militaer/

15) https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/transhumanismus-und-militaer/

16) https://wissenschaft-und-frieden.de/dossier/transhumanismus-und-militaer/

17) https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2020/08/MZ-2020-02-SINGER.pdf

18) https://www.futuremanagementgroup.com/lp/megatrends/subtrends/human-enhancement/

19) https://www.politik-kommunikation.de/politik/transhumanismus-der-neue-politiktrend/

20) https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/transhumanismus-die-cyborgisierung-des-menschen

21) https://www.nomos-shop.de/de/p/vom-transhumanismus-zum-technischen-staat-gr-978-3-8288-4423-0

22) https://hal.science/hal-03635872/document ; https://hal.science/hal-03635889/document

23) https://www.scribd.com/document/780778802/David-Hughes-Omniwar-Presentation

24) David A. Hughes ist ein Der britischer Politikwissenschaftler, der das Omniwar-Konzept entwickelt hat. David A. Hughes ist Autor des einflussreichen Werkes Omniwar: Exposing and Ending the Invisible Attack on Humanity, https://www.scribd.com/document/780778802/David-Hughes-Omniwar-Presentation-

25) https://www.scribd.com/document/780778802/David-Hughes-Omniwar-Presentation

26) Band 1, Palgrave Macmillan, 2024, ca. 391 Seiten)

27) https://www.springerprofessional.de/covid-19-psychological-operations-and-the-war-for-technocracy/26991184

28) https://emanuelprez.substack.com/p/omniwar-a-comprehensive-study-of

29) https://www.scribd.com/document/780778802/David-Hughes-Omniwar-Presentation

30) https://www.youtube.com/watch?v=fkNq7wHxNAU

31) https://oe.t2com.army.mil/ (Seite nicht aufrufbar)

32) https://www.army.mil/article/288779/turning_the_page_tradoc_inactivation_marks_new_chapter_in_army_transformation (Seite nicht aufrufbar)

33) https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5462700/9fa9e879fd06acabe4c52b30031a5267/ergebnispraesentation-ueber-den-krieg-der-zukunft-data.pdf

34) https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_heraklit_thema_krieg_zitat_12722.html

35) https://www.konjunktion.info/2025/07/omniwar-der-gezielt-gefuehrte-allgegenwaertige-krieg-gegen-die-menschheit/

36) https://www.konjunktion.info/2025/07/omniwar-der-gezielt-gefuehrte-allgegenwaertige-krieg-gegen-die-menschheit/

37) https://www.army.mil/t2com (Seite nicht abrufbar)

38) https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11565700/

39) https://www.konjunktion.info/2025/07/omniwar-der-gezielt-gefuehrte-allgegenwaertige-krieg-gegen-die-menschheit/

40) https://www.freitag.de/autoren/jan-opielka/krieg-beginnt-in-den-koepfen-jonas-toegels-kognitive-kriegsfuehrung

41) https://www.act.nato.int/article/cognitive-warfare-strengthening-and-defending-the-mind/

42) https://www.technocracy.news/de/omniwar/

43) https://www.vdivde-it.de/sites/default/files/document/strategische-vorausschau-transformation-2030.pdf

44) Vault-Experimente sind in Fallout geheime, oft grausame Tests, die Vault-Tec in den meisten ihrer Atombunker durchführte, um menschliches Verhalten unter Extrembedingungen zu studieren. Viele Experimente endeten in Massensterben, Mutationen oder Kannibalismus; sie enthüllen Vault-Tecs dunkle Agenda post-apokalyptischer Kontrolle.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Hybrider Krieg (Schlachtfeld und Netzwerk)
Bildquelle: metamorworks / shutterstock


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