Scheitert die US-Strategie „Win in Complex World 2020-2040“?
Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.
Die aktuelle Situation im Rahmen des sogenannten Iran-Kriegs 2026 lässt sich auch nach 11 Tagen kaum objektiv abbilden. Die Lage auf beiden Kriegsschauplätzen ist angespannt, dümpelt auf hohem Niveau vor sich hin, eskaliert im Moment nicht weiter in neue Großoffensiven und bleibt in der Golfregion auf Luftangriffe, Drohnenoperationen und die Unterbrechung der Öllieferkette in der Straße von Hormus sowie weitgehend auf negative Auswirkungen auf benachbarte Regionen (sogenannte regionale Spillover-Effekte) beschränkt.
Aktuelle Fronten in der Golfregion
USA und Israel führen weiterhin massive Luftschläge gegen iranische Ziele durch, darunter Revolutionsgarden-Hauptquartiere, Raketenproduktion und Marineeinrichtungen – mit über 6.500 abgeworfenen Bomben seit Kriegsbeginn; Iran meldet über 1.200–1.300 Tote. Beide Angaben wurden bisher nicht unabhängig verifiziert. (1)
Auf die US/IS-Angriffe kontert der Iran mit Raketen auf Israel (Sirenen in Tel Aviv), Drohnen auf US-Basen im Irak/Kuwait und ballistischen Versuchen gegen NATO-Ziele in der Türkei wie Incirlik, die angeblich abgefangen wurden; Teheran beansprucht Kontrolle über die Straße von Hormus. (2) Auf iranischer Seite weitet sich der Konflikt auf Proxys aus: Hisbollah, Huthis und proiranische Milizen im Irak sind aktiv, während Kurden im Nordirak neutral bleiben und keine klaren Kämpfe führen. (3)
Der chinesische Militärphilosoph Sun Tzu (5. Jhdt. vor Chr.) und die aktuelle Berichterstattung
Der chinesische General wirkte während der Frühlings- und Herbstperiode (ca. 770–476 v. Chr.) im östlichen Zhou-Reich, als China in kriegführende Staaten zerfallen war.
Sun Tzu hinterließ mit "Die Kunst des Krieges" (4) ein absolutes Meisterwerk – kurz, präzise und sehr wirkungsvoll –, das weit über militärische Strategien hinausgeht. Ein zeitloses Werk über Führung und kluges Handeln. Die Lehren sind überraschend aktuell und lassen sich nicht nur auf Krieg, sondern auch auf Alltag, Beruf und Entscheidungen übertragen und sind heute genauso relevant wie damals.
In seinem Werk betonte Sun Tzu mehrfach die zentrale Rolle von Täuschung und Propaganda als strategische Mittel im Krieg und empfahl, Schwäche vorzutäuschen (wie der Iran am 28. Februar 2026?), wenn man stark ist, und Stärke zu zeigen, wenn man schwach ist. Die Kontrolle des Feindes über seine Wahrnehmungen und Überzeugungen sei entscheidend, um ihn zu täuschen und seinen Widerstand zu brechen. Die Propaganda sah er als ein Werkzeug, den Gegner zu verwirren, Fehleinschätzungen zu provozieren und so strategische Vorteile zu gewinnen.
Für ihn beruhte die gesamte Kriegsführung auf Täuschung, der Sieg hänge oft davon ab, wie gut man den Feind glauben machen kann, was nicht real ist, um ihn zu manipulieren und kampfunfähig zu machen. (5) Sun Tzu sah den Krieg nicht primär als physische Konfrontation, sondern als geistiges Ringen, bei dem es darum geht, den Feind zu destabilisieren und seine Entschlossenheit zu schwächen – idealerweise ohne eine blutige Schlacht. Die beste Form des Sieges ist laut Sun Tzu, den Widerstand des Gegners ohne direkten Kampf zu brechen. (6) Demzufolge sei "der weise Krieger der, der Kriege vermeidet."
Vor diesem Hintergrund ist eine unparteiische, an der Wahrheit orientierte Analyse schwer möglich. Es muss zwischen den Zeilen gelesen werden, wobei Analysten, die sich in der Vergangenheit durch Objektivität ausgezeichnet haben, stärker gewichtet werden.
Der Iran-Konflikt eskalierte Ende Februar 2026 mit israelisch-US-amerikanischen Angriffen auf iranische Atomanlagen und Militärziele (z. B. Natanz). Darauf antwortete der Iran mit einem massiven Raketen- und Drohnen-Gegenschlag auf Israel (Haifa und Tel Aviv) sowie auf US-Basen in Jordanien, Irak, Kuwait (z. B. Ali-Al-Salem), Bahrain (z. B. Juffair), Katar (Al-Udeid), Saudi-Arabien (Prince Sultan) und die VAE (Al-Dhafra). Es wurden zivile Ziele wie Flughäfen (z. B. in Aserbaidschan/Nachitschewan), Häfen (z. B. Dschabal Ali in Dubai, Ra's Tanura in Saudi-Arabien) und Wahrzeichen (z. B. Hotels in Dubai, Türme in Bahrain) getroffen.
Mantrahaft wiederholten USA und Israel die Botschaft, dass fast alle (99%) iranischen Raketen oder Drohnen abgefangen werden konnten, nur minimale Schäden an US-Basen wurden bisher zugegeben.
Irans Angriffe auf die US-THAAD-Basen sind von verschiedenen Seiten bestätigt
Das hochmoderne US-Raketen-Abwehrsystem THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) fängt ballistische Raketen in ihrer Endphase ab – also beim Wiedereintritt in die Atmosphäre oder kurz davor.
Jede der 8 Batterien umfasst 6 mobile Abschussfahrzeuge mit je 8 kinetischen Lenkflugkörpern (keine Sprengköpfe), die Ziele durch pure Aufprallenergie zerstören; Reichweite 150–200 km, Flughöhe bis 150 km (exoatmosphärisch).
Ein AN/TPY-2-Radar (Kosten: ca. 500–1 Mrd. USD pro Einheit), erkennt und verfolgt Raketenstarts in Echtzeit über 1.000+ km und leitet Feuerlösungen für THAAD und verbundene Systeme (Patriot, Aegis). (7) Dazu integriert das Feuerleitsystem Daten mit BMDS-Netzwerk (Ballistic Missile Defense System) für mehrschichtige Abwehr. (8)
THAAD schützt strategische Ziele wie Stützpunkte, Städte oder Flotten (z. B. Fünfte Flotte Bahrain) vor Kurz-/Mittelstreckenraketen (SRBM/IRBM) und bietet begrenzten Schutz vor ICBMs; es ergänzt niedrigere Systeme wie Patriot (Endphase niedrig) und obere wie Aegis SM-3 (Mittelphase).
Es sind nur 8 Batterien weltweit verfügbar (USA, VAE, Saudi-Arabien, Südkorea); die Produktion ist langsam (Lockheed Martin: 11–12 Abfangraketen/Jahr), die Radars extrem teuer und wartungsintensiv – die Zerstörung eines AN/TPY-2 lähmt damit ganze Abwehrnetze im Golf. (9)
Sieben von den insgesamt acht THAAD-Batterien sind einsatzbereit. Zwei Systeme stehen in Israel, eines in Südkorea, eines in Guam. Damit bleiben drei Batterien, um den Rest der Welt abzudecken: den indopazifischen Raum, den Golf und die kontinentalen Vereinigten Staaten selbst.
Und nun wurden vier THAAD-Radarsysteme, die unersetzlichen Nervenzentren, die die Batterien funktionsfähig machen, auf der Arabischen Halbinsel getroffen: Prince Sultan, Al Ruwais, Abu Dhabi, Muwaffaq Salti. Ohne ihr AN/TPY-2-Radar kann eine THAAD-Batterie keine Ziele bekämpfen.
Diese Katastrophenmeldung für USA und Israel wurde zunächst heruntergespielt.
Inzwischen wird die Kernaussage – dass der Iran bei seinem Angriff gezielt die „Kommunikations- und Koordinationsschicht“ der US‑Raketenabwehr (SATCOM, Radome, AN/TPY‑2 und andere Radarsysteme) an mehreren Golf‑Standorten gleichzeitig getroffen hat – von öffentlich zugänglichen Quellen weitgehend gestützt. (10)
Die New York Times berichtet, dass Iran gleichzeitig mehrere US‑Standorte in Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi‑Arabien und in den VAE angegriffen hat, und stützt sich dabei auf kommerzielle Satellitenbilder (Planet, Maxar/Airbus). (11)
Genannt werden u.a. das Hauptquartier der US‑Fünften Flotte in Manama (Naval Support Activity Bahrain), Al Udeid Air Base (Katar), Camp Arifjan und Ali Al Salem (Kuwait), Prince Sultan Air Base (Saudi-Arabien) sowie Anlagen bei Al Ruwais und Al Dhafra in den VAE. (12)
Die Times spricht von „damage near vital equipment“ und zerstörten oder schwer beschädigten Strukturen in unmittelbarer Nähe von Kommunikations‑ und Radar‑Infrastruktur, betont aber, dass der genaue technische Funktionsstatus vieler Systeme nicht unabhängig verifiziert werden kann. (13)
Mehrere Berichte konkretisieren, welche Anlagen getroffen wurden, und dass es sich überwiegend um Kommunikations‑ und Radar‑Knoten handelt. (14)
Bei der US‑Basis in Manama (Al‑Jufair, Naval Support Activity Bahrain) wurden mindestens zwei Radome zerstört, in denen laut US‑Presse AN/GSC‑52B‑SATCOM‑Terminals untergebracht waren. (15)
Auch andere Quellen sprechen von zerstörten „satellite communications terminals“ am Hauptquartier der Fünften Flotte. (16)
Auch Al Udeid, zentraler Luftwaffen‑Hub der USA im Golf, wurde Ziel von Raketen‑ und Drohnenangriffen; Analysen sprechen von Schäden in Bereichen, in denen ein großes AN/FPS‑132‑Frühwarnradar und weitere Langstrecken‑Sensorik vermutet werden. (17)
Für eine direkte, irreparable Zerstörung des AN/FPS‑132 geben Fachquellen aber eine gewisse Unsicherheit an, weil die Bildlage nicht in allen Details eindeutig ist. (18)
Mehrere Radome in Camp Arifjan wurden zerstört, und Strukturen mit Bezug zu SATCOM‑Systemen in Ali Al Salem weisen deutliche Treffer‑ und Brandschäden auf. (19)
Diese Standorte sind wichtige logistische und Führungszentren der US‑Armee im Golf. (20)
Am Prince Sultan Air Base wurden Anlagen in einem Bereich getroffen, in dem zuvor u.a. ein mobiles AN/TPY‑2‑Radar eingesetzt worden war. (21)
Vereinigte Arabische Emirate – Al Dhafra, Al Ruwais:
Berichte nennen Schäden an militärischer Infrastruktur bei Al Ruwais und Al Dhafra, wo US‑Luftstreitkräfte stationiert und US‑Radar‑/Kommunikationseinrichtungen integriert sind. (22)
Verschiedene Fachberichte halten ausdrücklich fest, dass Iran mehrfach Radome und SATCOM‑Terminals angegriffen hat, etwa Radome mit AN/GSC‑52B‑SATCOM in Bahrain und mehrere Radome in Camp Arifjan. (23)
Auch bei Ali Al Salem, Prince Sultan und in den VAE liegen Hinweise vor, dass Bereiche mit SATCOM‑‑ bzw. Radar‑Infrastruktur getroffen wurden, obwohl der genaue technische Schaden (totaler Ausfall vs. zeitweise Beeinträchtigung) nicht im Detail bekannt ist. (24)
NDTV und andere internationale Medien sprechen von gezielten Angriffen auf AN/TPY‑2‑Stellungen, die als „Augen“ des THAAD‑Netzwerks gelten, und zeigen Satellitenbilder, die beschädigte Radar‑Sites in Jordanien, Katar, den Emiraten, Saudi‑Arabien, Bahrain und Kuwait verorten.
Ein Fachartikel erwähnt zusätzlich mögliche Schäden an einem weiteren AN/TPY‑2 in der jordanischen Muwaffaq‑Salti‑Base, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass hierfür noch keine eindeutigen Bildbelege vorliegen. (25)
Formulierungen wie „SATCOM‑Terminals zerstört“, „Radome aufgebrochen“, „Satellitenschüsseln verschwunden“ und der Hinweis auf AN/TPY‑2‑basierte Raketenverfolgungs‑Infrastruktur entsprechen also im Kern der in diesen Analysen beschriebenen Zielwahl, sprachlich vielleicht etwas zugespitzt. (26)
Systematik der Angriffe
Sicherheitsanalysten betonen, dass Iran nicht nur „irgendwelche“ Gebäude, sondern besonders Knotenpunkte der US‑Kommando‑, Kommunikations‑ und Radarstruktur in mehreren Ländern gleichzeitig angegriffen hat (Bahrain, Kuwait, Katar, Saudi‑Arabien, VAE, teils darüber hinaus). (27)
Die Auswahl der Ziele – Radarsysteme, SATCOM‑Radome, zentrale Luftwaffen‑ und Flottenstützpunkte – wird in diesen Analysen als bewusstes Bestreben interpretiert, die integrierte US‑Luft‑ und Raketenabwehr zumindest temporär zu „blenden“ und zu entkoppeln und nicht nur einzelne Start‑ oder Abfangstellungen zu treffen. (28)
Formulierungen wie „teil eines Plans“ und „kommunikative/koordinative Schicht auseinandernehmen“ spiegeln somit die Einschätzung vieler Beobachter wider, auch wenn westliche Medien diese strategische Wirkung vorsichtiger formulieren und auf die begrenzte Datenlage verweisen. (29)
Die zugespitzte These, Iran habe „die Kommunikations‑ und Koordinationsschicht, die die amerikanische Raketenabwehr als einheitliches System funktionieren lässt, kartiert und dann Stützpunkt für Stützpunkt in fünf Ländern gleichzeitig auseinandergenommen“, ist also eine interpretierende Verdichtung, steht aber im Einklang mit dem Muster, das unabhängige Analysen aus den verfügbaren Satellitenbildern und Schadensberichten herauslesen. (30)
Bahrain: Naval Support Activity (Al-Jufair)
Zwei Radome wurden durch SHAHED-2-Drohnen zerstört; sie beherbergten laut US-Quellen AN/GSC-52B-SATCOM-Satellitenkommunikationssysteme. Satellitenbilder (Before/After) belegen strukturelle Schäden am Hauptquartier der Fünften Flotte in Manama, inklusive Rauchentwicklung und Einsatz von Rettungsteams; es gibt keine bestätigten Opferzahlen. (31)
Die Basis bleibt operativ, der Schaden betraf vor allem sensible Kommunikationsinfrastruktur.
Katar: Al Udeid Air Base
Das große AN/FPS-132-AESA-Frühwarn- und Langstrecken-Anti-Ballistic-Radar scheint getroffen worden zu sein, aber Satellitenbilder (Planet Labs, Maxar) zeigen Inkonsistenzen, die eine volle Bestätigung verhindern. (32) Schäden an einem strategischen Radarsite nördlich der Base (Al-Khor) sind durch Bilder von Planet Labs sichtbar; es handelt sich um eine 1-Milliarde-Dollar-Anlage für Raketenerkennung. (33) Die Base als CENTCOM-Forward-Headquarter blieb weitgehend funktionsfähig, mit minimalen strukturellen Ausfällen. (34)
Insgesamt ist inzwischen die Kernaussage des "Islander Report" vom 7. März 2026 mit dem Titel "Der Schutzschild ist weg – Iran zerstört vier THAAD-Systeme am Golf" (35) bestätigt:
Jordanien, Muwaffaq Salti Air Base
Verkohltes AN/TPY-2-Radar mit Trümmern; (36)
Saudi-Arabien, Prince Sultan Air Base
Rauch von verkohltem Zelt über AN/TPY-2-Antenne.
VAE, Al Ruwais
Direkte Treffer auf Radarfahrzeuge und Schutzgebäude; Wert pro Radar: 500 Mio. USD.
VAE, Al Dhafra/Abu Dhabi
Schwere Schäden an THAAD-Umgebung; mehrmalige Angriffe.
In weniger als zwei Wochen hat der Iran die USA etwa 25 % des gesamten THAAD-Abfangraketenvorrats verbrauchen lassen und nun das System blind gemacht. Er hat ihm die Augen genommen und die gesamte mehrschichtige Abwehr-Architektur in mehreren Einsatzgebieten operativ lahmgelegt.
Parallel dazu schloss der Iran zeitweise die Straße von Hormus, zunächst als Manöver der Revolutionsgarden (mehrere Stunden), später als vollständige Blockadeerklärung, was die USA als Angriff auf die globale Energieversorgung (Öl- und LNG-Transport) sehen. (37)
Zugleich eskalieren die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen im Roten Meer mit anhaltenden Schiffsangriffen, die internationale Handelsrouten bedrohen.
Irans Angriffe auf die wichtige Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline
Anfang März 2026 erklärten die Sicherheitsdienste in Aserbaidschan, dass ein mutmaßlicher iranischer Plan zur Sabotage der wichtigen Ölpipeline entdeckt wurde. Ziel soll u. a. die Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline gewesen sein. (38)
Gleichzeitig kam es laut Berichten zu iranischen Drohnenangriffen auf Ziele in Aserbaidschan (z. B. Flughafen Nakhchivan). (39) Unverzüglich warnten Analysten, dass eine Attacke auf diese Pipeline große Auswirkungen auf die Energieversorgung Israels und auf den globalen Ölmarkt hätte. (40)
Schätzungen zufolge stammen 40–60 % der israelischen Ölimporte aus Aserbaidschan. Ein großer Teil dieses Öls erreicht Israel über die BTC-Route und Tanker aus Ceyhan. Ein iranischer Angriff könnte nicht nur für Israels Energieversorgung dramatische Folgen haben, sondern auch die internationalen Ölpreise beeinflussen und die NATO-Staaten (über die Türkei) indirekt betreffen.
Georgien verurteilt die Angriffe scharf, betont Solidarität mit Baku und warnt vor regionaler Destabilisierung, ohne militärisch zu eskalieren. (41)
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte am 4. März 2026 in Brüssel, dass der Iran den "Krieg exportiert" – durch Lieferung der gleichen Drohnen, die Russland in der Ukraine einsetzt, nun auch im Golf-Konflikt. Kallas sagte: „Der Iran exportiert den Krieg und versucht, ihn auf so viele Länder wie möglich auszuweiten, um Chaos zu säen.“ (42) Sie betonte, dass die gleichen iranischen Drohnen (z. B. SHAHED-Typen) täglich Kiew angreifen und nun Golf-Staaten bedrohen.
Noch scheint die BTC-Infrastruktur zu funktionieren, doch die Drohkulisse treibt die Ölpreise und macht die Märkte nervös. (43)
Washington wurde im Vorfeld des Krieges gewarnt
Am 24. Februar 2026 erschien in Foreign Affairs mit dem wegweisenden Artikel "Why Iran Will Escalate" (44) eine wirklichkeitsnahe Prognose des ehemaligen NSC-Direktors für Iran und heutigen Fellow am Atlantic Council, Nate Swanson. Er schreibt, dass ein neuer US-Angriff auf Iran unter Präsident Donald Trump anders verlaufen wird als frühere Aktionen – diesmal mit erheblicher Eskalationsgefahr.
Swanson argumentiert, dass ein weiterer US‑Angriff auf Iran diesmal sehr wahrscheinlich zu einer Eskalation führen wird – anders als bei früheren Aktionen Trumps, die ohne große Folgen geblieben sind. Er begründet das vor allem mit der Mischung aus der inneren Schwäche des iranischen Regimes und dessen Überzeugung, dass die USA und Israel seine Raketenfähigkeit dauerhaft zerstören wollen.
Weiter betonte Swanson, dass Irans Schwäche nicht zu mehr Kompromissbereitschaft, sondern zu geringeren Verhandlungsspielräumen führt; das Regime fürchte um sein Überleben und könne symbolische "Siege" Trumps innenpolitisch kaum verkaufen.
Die US‑Verhandlungsführung unter Trump sei oberflächlich und stark symbolorientiert (großer Deal, totale Aufgabe von Nuklearprogramm und Raketen), während Iran traditionell auf detaillierte, schrittweise Gegenleistungen setze; diese Diskrepanz blockiere jede Einigung.
Chamenei und die Führung hätten das Raketenprogramm als Fundament der eigenen Sicherheit und Macht gesehen; seine Aufgabe sei für sie faktisch nicht infrage gekommen, selbst unter massivem Druck.
Weil Israel und die USA das iranische Militär (Luftabwehr, Nuklearprogramm, Milizen) stark geschwächt haben und nun auch die Raketen bedrohen, glaube Teheran, es müsse härter und sichtbarer zurückschlagen, um weitere regelmäßige Angriffe abzuschrecken.
Trump verfolge gleichzeitig mehrere Ziele (Macht-Demonstration, innenpolitische Profilierung, Abgrenzung von Obama, angeblicher Schutz der iranischen Protestbewegung), ohne klare Priorität – das erhöhe das Risiko, im Fall einer Fehleinschätzung keinen Plan für die Eskalation zu haben.
Iran könne, statt einen großen Krieg zu suchen, gezielt eskalieren: etwa US‑Soldaten in der Region töten, Israel mit mehr Raketen beschießen oder die Energieversorgung und Schifffahrt im Nahen Osten stören (Straße von Hormuz, Angriffe über Huthi‑Verbündete, Infrastruktur der Golfstaaten).
Solche Schritte würden die USA innenpolitisch unter Druck setzen, da die Mehrheit der Amerikaner einen Iran‑Krieg ablehnt und steigende Ölpreise sowie US‑Opfer Trump geschadet hätten.
Insgesamt sieht der Autor Trump in einer selbstgebauten Falle: Er hat viele „Auswege“ ausgeschlagen, lässt sich von Falken antreiben und könnte, entgegen seinem Versprechen, "endlose Kriege" zu beenden, tiefer in einen teuren Konflikt mit Iran hineingezogen werden, als er beabsichtigt.
Colonel Douglas Macgregors zentrale Thesen
Der pensionierte US-Oberst und Kritiker der US-Außenpolitik Colonel Douglas Macgregor diskutierte mit Prof. Glenn Diesen (russisch-norwegischer Geopolitik-Experte) mehrmals im Februar/März 2026 die Eskalation im Iran-Krieg. Er prognostizierte dort explizit, dass der Iran siegen und überleben wird, während USA/Israel scheitern.
Macgregor sieht den Konflikt als US-/israelischen Fehltritt, da Iran einen "totalen Krieg" ums Überleben führt: "Iran wird kämpfen, bis wir aufgeben, zerstört sind oder sie nicht mehr können – sie haben den Heimvorteil."
Er argumentiert, USA/Israel hätten die iranische Widerstandsfähigkeit (Hyperschallraketen wie Schahab, Drohnen, Proxys, Hormus-Blockade) unterschätzt; Logistikprobleme (Munitionsmangel) würden den Westen langfristig schwächen. Iran müsse nur überleben – je länger der Krieg dauere, desto schwächer wirkten USA/Israel global, was BRICS (mit China/Russland) stärke; er prophezeit einen "neuen Nahen Osten", in dem Israel "nicht überleben" könnte.
Kontext der Interviews
26. Februar 2026 (vor dem Krieg): Macgregor warnte vor unvermeidbarem Krieg, Iran würde asymmetrisch siegen.
1./2. März 2026 (Kriegstag 2–3): Er analysierte erste iranische Treffer (27 US-Basen, Häfen) als Erfolg; USA seien "verpflichtet", aber logistisch überfordert; Iran als BRICS-Schlüsselspieler in Richtung einer multipolaren Weltordnung, wo Iran/Russland/China den Hegemonie-Wechsel beschleunigen.
9. März 2026: Macgregors "Iran-Sieg"-These passt zu aktuellen Entwicklungen (abnehmende iranische Raketenintensität, aber anhaltende Hormus-Störung): Er sieht US-Auszug als wahrscheinliches Ende, ähnlich wie in Afghanistan. Kritiker nennen ihn "pro-russisch", doch seine Militäranalyse (Raketenreserven, keine Bodentruppen) wird in alternativen Kreisen zitiert.
Washingtoner Geheimdienst-Leak
Die Washington Post veröffentlichte nach den weniger erfreulichen Meldungen vom Golf-Kriegsschauplatz eine Analyse, die vor dem 28.Februar 2026 von den vier wichtigsten US-Geheimdiensten – der CIA, der Defense Intelligence Agency, dem Bureau of Intelligence and Research des Außenministeriums und der National Security Agency – im "National Intelligence Council" (NIC) entstanden war. (45)
In diesem unter der Leitung von Tulsi Gabbard stehenden Gremium kamen die vier Dienste zu dem Schluss, dass die iranische Klerika und das Militärestablishment auf die Ermordung des Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei reagieren würde, indem sie Protokolle befolgten, die die "Kontinuität der Macht" wahren sollen. (46)
Dieses gezielte Geheimdienst-Leak offenbart, dass der Krieg im Iran nicht gut läuft und der US-amerikanische Geheimdienst das Washington-Spiel beginnt:
"Gib mir nicht die Schuld, ich habe dich gewarnt, es nicht zu tun".
Neue Situation auf dem Kriegsschauplatz in der Ukraine
Anfang März 2026 meldeten westliche Medien (vor allem MSN) eine Patt-Situation mit ukrainischen Geländegewinnen im Süden und Osten sowie massive russische Drohnen-/Raketenangriffe auf Infrastruktur und Verlegungen russischer Eliteeinheiten als Reaktion. Seit Ende Februar 2026 habe die Ukraine erstmals netto mehr Boden zurückerobert (ca. 400 km²), z. B. 8 Siedlungen bei Oleksandriwka (Donezk) und Vorstöße Richtung Hulyaipole/Saporischschja; Russland habe Pokrowsk eingenommen, würde aber an mehreren Fronten verlieren.
Als Reaktion würde Russland Luftlandetruppen und Marineinfanterie aus dem Pokrowsk-Abschnitt in den Süden (Dnipropetrowsk/Saporischschja) verlegen, um Gegenoffensiven zu stoppen. Von den Hunderten von Shahed-Drohnen (480 am 6. März) plus ballistischen Raketen (Iskander, Oreschnik) würde die ukrainische Luftwaffe 70–90% abfangen und im Gegenzug russische Drohnenstarts und Schiffe (z. B. Noworossijsk) angreifen.
Die Ernennung von General Sergei Surowikin (oft "General Armageddon" genannt) zum neuen Oberbefehlshaber der "militärischen Spezialoperation" (SMO) scheint derartigen Rückschlüssen Nahrung gegeben zu haben, signalisiert aber in jedem Fall eine Eskalation und die Umstellung auf eine härtere Kriegsführung durch Russland.
Was sind die Signale der Ernennung?
Offensive-Planung: Surowikin steht für Großangriffe mit Drohnen, Raketen und Artillerie auf Energie-/Zivilziele, um die Ukraine wirtschaftlich zu zermürben – das passt zum russischen Ziel, bis Ende 2026 die Truppen in der Ukraine auf 800.000 Mann zu verstärken.
Signal der Härte inmitten des Iran-Kriegs: Nachdem der alten Befehlshaber Belusow keine spektakulären Erfolge (keine "schnelle Befreiung" der DPR) vorweisen konnte – eine kämpfende Truppe braucht Erfolge – ist dieser Schritt zugleich ein Signal an Washington, dass Moskau nun in die Eskalation des Kriegsgeschehens einsteigt.
Im Kontext des Iran-Kriegs könnte Surowikin in der Ukraine eine "Zweite Front" schaffen, die den Iran entlastet, indem er NATO-Ressourcen bindet – ohne Russland zu überfordern.
Am 11. März 2026 scheint die Frontlinie weitgehend stabil mit russischen Vorstößen im Osten, etwa nahe Pokrowsk in Donezk, wo Russland Gebiete gewinnt, während die Ukraine vereinzelt Dörfer wie Hruske oder Rubischne zurückerobert hat. Seit Ende Februar meldet die Ukraine erste territoriale Gewinne, doch keine umfassenden Erfolge im Süden und Osten. Russische Eliteeinheiten wurden nicht explizit als Reaktion auf ukrainische Gewinne bestätigt; stattdessen verlegt Kiew Reserven wie die Asow-Brigade.
Russland führt weiterhin massive Drohnen- und Raketenangriffe durch, mit Rekordzahlen wie über 800 Drohnen in einer Nacht gegen Kiew und Infrastruktur im gesamten Land, was Tote, Brände und Stromausfälle verursacht. Ziele sind Energieversorgung, Bahnanlagen und Städte wie Charkiw; die ukrainische Luftabwehr wehrt viele ab, doch die Einschläge häufen sich. Das ist also keine Patt-Situation, sondern eine eskalierende russische Offensive. (47)
Die Ukraine kontert mit Angriffen auf russische Drohnenbasen und baut die Flugabwehr aus, leidet aber unter anhaltenden russischen Bombardements auf Zivilinfrastruktur. Die Diplomatie stockt mit russischen Gebietsforderungen und NATO-Verhandlungen ohne Fortschritt. Insgesamt also eine Steigerung des russischen Drucks trotz bescheidener ukrainischer Verteidigungserfolge. (48)
Die Gesamtsituation im 6. Jahr von "Win in a Complex World 2020-2040" deutet darauf hin, dass die US-Planer recht gut im Zeitmanagement liegen. Der Krieg dürfte auf beiden Schauplätzen weitergehen und sich in Zukunft weiter ausweiten. Das angestrebte Ziel dürften die USA jedoch verfehlen. Nachdem sich der Pulverdampf gelegt und der Gefechstlärm verklungen ist, wird es keine unipolare Weltordnung, sondern eine mulipolare Friedensordnung geben.
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Anmerkungen und Quellen
Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022)
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1) https://www.marchanzeiger.ch/2026/03/05/drohnen-in-aserbaidschan-iran-krieg-weitet-sich-aus/
2) https://www.zeit.de/news/2026-03/05/neuer-raketenangriff-irans-auf-israel-sirenen-in-tel-aviv
4) Die neue moderne deutsche Übersetzung von „The Art of War“ (Übersetzt und kommentiert) – Timeless Lore Taschenbuch – 22. Dezember 2025
5) https://chinesische-weisheiten.com/40-sun-tzu-zitate/
6) https://chinesische-weisheiten.com/40-sun-tzu-zitate/
7) https://defence-network.com/us-raketenabwehr-thaad-unterstuetz-israel
8) https://missilethreat.csis.org/system/thaad/
10) https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
12) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
19) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook
20) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
22) https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
27) https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
28) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
29) https://en.sputniknews.africa/20260304/1083991141.html
30) https://www.solaceglobal.com/news/2026/03/06/iranian-attacks-gulf-security-outlook/
32) https://www.ynetnews.com/article/bybbtvpyzl
33) https://www.ynetnews.com/article/bybbtvpyzl
36) https://islanderreports.substack.com/p/the-shield-is-gone-iran-takes-out
37) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-strasse-hormus-usa-100.html
41) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-krieg-angriff-aserbaidschan-100.html
43) https://www.rferl.org/amp/azerbaijan-iran-plot-oil-pipeline-energy-attack-middle-east/33698209.html
46) https://archive.ph/vDsAU#selection-379.0-397.66
47) https://www.lpb-bw.de/chronik-ukrainekonflikt
48) Ebda.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Schachbrett
Bildquelle: Kunakorn Rassadornyindee / shutterstock
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