Hormuz öffnet - und schließt wieder innerhalb von 24 Stunden. Indische Handelsschiffe werden beschossen, der Waffenstillstand läuft in vier Tagen aus, und Trump nennt den Krieg in Las Vegas einen „kleinen Umweg." Deutschland unterzeichnet den größten Drohnen-Deal Europas mit der Ukraine - während deutsche Bauteile nachweislich in russischen Drohnen stecken. Ungarn wählt mit historischer Beteiligung - und die EU jubelt schneller als die Auszählung endet. Im Südlibanon stehen die Bulldozer. In El-Fasher schweigt die Welt. Der Radar zeigt, was auf dem Schirm ist.
Geopolitik-Radar vom 13. – 19. April 2026
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
HORMUZ: ÖFFNUNG UND SCHLIESSEN INNERHALB VON 24 STUNDEN - ÖLPREIS AUF ACHTERBAHN (17.-18. April 2026)
Am 17. April erklärt Außenminister Araghchi die Straße von Hormuz für „alle Handelsschiffe vollständig offen" - im Rahmen des Israel-Libanon-Waffenstillstands. Die Ölmärkte reagieren sofort: Brent fällt um 9 Prozent auf 90 Dollar. Mehr als ein Dutzend Schiffe passieren die Meerenge. Weniger als 24 Stunden später schließt die IRGC-Marine Hormuz wieder - mit klarer Begründung: Solange die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen nicht aufheben, bleibt die Meerenge gesperrt. Außenministerium und Revolutionsgarden sprechen erkennbar nicht mit einer Stimme. Wer die Meerenge kontrolliert, entscheidet nicht in Teheran.
IRGC BESCHIESST INDISCHE HANDELSSCHIFFE - DRITTSTAATEN ERSTMALS DIREKT IM FEUER (18.-19. April 2026)
Der bislang schwerste Vorfall seit Beginn des Waffenstillstands: Iranische Revolutionsgarden beschießen am 18. und 19. April zwei indische Handelsschiffe in der Straße von Hormuz - darunter den VLCC Sanmar Herald, der vorab eine iranische Durchfahrtsgenehmigung erhalten hatte. Neu-Delhi bestellt den iranischen Botschafter ein. Trump beruft eine Kabinettssitzung im Situation Room ein. Frankreich und Großbritannien kündigen eine gemeinsame multinationale Navigationsmission für Hormuz an - ohne US-Mandat, ohne NATO-Rahmen. Zum ersten Mal sind Drittstaaten direkt von iranischem Beschuss betroffen. Der Konflikt hat eine neue Eskalationsschwelle überschritten.
WAFFENSTILLSTAND LÄUFT MITTWOCH AUS - TRUMP: „VIELLEICHT VERLÄNGERE ICH NICHT" (17.-19. April 2026)
Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran endet am 22. April. Trump auf Air Force One: „Vielleicht verlängere ich nicht - dann haben wir eine Blockade und müssen leider wieder anfangen, Bomben zu werfen." Mediatorenstaaten Pakistan, Türkei und Ägypten berichten von einer grundsätzlichen Einigung zur Verlängerung - Washington und Teheran bestätigen das nicht offiziell. Vance in Georgia: „Ich glaube, wir haben einen großen Deal vor uns. Der Ball liegt bei Iran." Vier Tage bleiben.
URANABGABE KATEGORISCH AUSGESCHLOSSEN - VERHANDLUNGSGRABEN BLEIBT STRUKTURELL (18. April 2026)
Trump behauptet wiederholt öffentlich, Iran werde sein angereichertes Uran abgeben. Außenamtssprecher Baghaei: „Angereichertes Uran ist uns so heilig wie iranischer Boden - es wird unter keinen Umständen transferiert." Araghchi: „Niemand hat das Recht, uns vorzuschreiben, was wir besitzen dürfen." Der konkrete Verhandlungsstand laut CNN: Die USA boten ein 20-jähriges Moratorium an, Iran konterte mit 5 Jahren. Der Abstand ist nicht taktisch - er ist strukturell.
UNGARN: ORBAN NACH 16 JAHREN ABGEWÄHLT - TISZA MIT ZWEIDRITTELMEHRHEIT (12. April 2026)
Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent - der höchsten seit der Demokratisierung Ungarns - gewinnt Peter Magyars TISZA-Partei mit 53,1 Prozent und 138 von 199 Parlamentssitzen. Fidesz stürzt auf 55 Sitze ab. Orbán räumt die Niederlage ein. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: „Ungarn hat Europa gewählt." Magyar kündigte an, als erstes gegen Korruption vorzugehen, die eingefrorenen EU-Gelder freizubekommen und Ungarns Position in EU und NATO zu stärken. Orbáns Blockade des 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine dürfte damit enden.
MERZ UND SELENSKYJ: 4-MILLIARDEN-EURO-RÜSTUNGSPAKET UND DROHNEN-JOINT-VENTURE (14. April 2026)
Bei den ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit über 20 Jahren unterzeichnen Berlin und Kiew zehn Abkommen. Das Verteidigungspaket umfasst mehrere hundert Patriot-Raketen, 36 IRIS-T-Startgeräte, 300 Millionen Euro für Deep-Strike-Fähigkeiten und ein gemeinsames Joint Venture zur Produktion von zunächst 5.000 KI-gestützten Drohnen. Selenskyj nennt es „den größten Drohnen-Deal dieser Art in Europa." Merz: „Russland sollte das ernst nehmen." Deutschland verpflichtet sich, aktiv die Rückkehr ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter aus Deutschland zu fördern.
TRUMP-ZÖLLE: 104 PROZENT AUF CHINESISCHE WAREN AB 14. APRIL - CHINA KÜNDIGT GEGENMASSNAHMEN AN (14. April 2026)
Ab dem 14. April gelten Zölle von 104 Prozent auf chinesische Importe in die USA - das Ergebnis gestapelter Eskalationsstufen: bestehende Abgaben aus Trumps erster Amtszeit, Liberation-Day-Zölle vom April 2025, plus 50 Prozent Strafaufschlag, weil China die Gegenzölle nicht zurücknahm. Die 104 Prozent gelten nicht für alles: Halbleiter, Pharmazeutika und kritische Mineralien sind ausgenommen - ausgerechnet jene Bereiche, in denen die USA am stärksten von China abhängig sind. Peking kündigt Vergeltungsmaßnahmen an. Das Trump-Xi-Treffen ist für Mitte Mai in Peking geplant.
SUDAN: BERLINER KONFERENZ OHNE ERGEBNIS - UN SPRECHEN VON GENOZID (15. April 2026)
Am dritten Jahrestag des Sudankrieges tagen in Berlin Vertreter Deutschlands, der AU, Frankreichs, der EU, Großbritanniens und der USA. Das Ergebnis: keine humanitäre Waffenruhe, keine konkreten Maßnahmen. Eine UN-Untersuchungskommission hatte im Februar festgestellt, dass das Vorgehen der Rapid Support Forces in El-Fasher die Merkmale eines Genozids trägt - gezielte Tötungen der Zaghawa- und Fur-Gemeinschaften, sexuelle Gewalt, erzwungenes Verschwinden. Die VAE beliefern die RSF nachweislich mit Waffen. Die Trump-Administration hat den sudanesischen Ableger der Muslimbruderschaft als Terrororganisation eingestuft - was faktisch die RSF stärkt.
ISRAEL-LIBANON: 10-TAGE-WAFFENSTILLSTAND - ERSTE VERLETZUNG NOCH AM SELBEN ABEND (16.–17. April 2026)
Trump verkündet am 16. April einen 10-tägigen Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon, in Kraft seit 21:00 GMT. Noch am selben Abend: Verletzungen durch israelische Streitkräfte laut libanesischer Armee. Ein französischer UNIFIL-Soldat kommt ums Leben. Israel erklärt Bint Jbeil als kurz vor dem Fall und gibt Befehl zur Ausdehnung der Sicherheitszone. Netanyahu: „Wir werden nicht abziehen." Die Bulldozer südlich des Litani stehen. Die letzte Brücke über den Litani wurde zuvor gesprengt - der Süden ist faktisch isoliert.
US NAVY BESTÄTIGT VERLUST VON MQ-4C TRITON - 240 MILLIONEN DOLLAR, URSACHE OFFEN (9. April 2026, bestätigt 15. April)
Die US Navy bestätigt offiziell: Am 9. April stürzte eine MQ-4C Triton-Aufklärungsdrohne über dem Persischen Golf ab - klassifiziert als „Class A Mishap", Schadenswert über 2 Millionen Dollar laut Klassifikation, tatsächlicher Marktwert der Drohne: 238 bis 243 Millionen Dollar. Der Transponder sendete nacheinander Code 7400 (Kontaktverlust), dann Code 7700 (Notfall), dann kein Signal mehr. Abschuss, technischer Defekt oder elektronische Kriegsführung - alles bleibt offen. Die ISR-Kapazität in einem der umkämpftesten Seegebiete der Welt ist damit geschwächt.
UKRAINE: GENF-GESPRÄCHE OHNE DURCHBRUCH - MERZ WARNT RUSSLAND (12.–17. April 2026)
Die Ukraine-Verhandlungen in Genf enden ohne Ergebnis. Moskau erklärt, den Dialog fortsetzen zu wollen, fordert aber weiterhin Gebietsabtretungen als Vorbedingung. Selenskyj baut den ukrainischen Sicherheitsapparat um - SBU-Chef Maljuk tritt zurück. Merz nach den Berliner Regierungskonsultationen: Russland habe „keine Chance, den Krieg zu gewinnen." Der informelle EU-Gipfel am 23. und 24. April wird Ukraine, Iran und den Mehrjährigen Finanzrahmen auf der Agenda haben - erstmals wird auch Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags als mögliches Thema gehandelt.
EUROPA ZIEHT ROTE LINIEN: BELGIEN, ITALIEN, MACRON-STARMER (14.–17. April 2026)
Drei Entwicklungen in einer Woche, die das westliche Bündnis strukturell beschreiben. Belgien beschlagnahmt britische Militärlieferungen an Israel am Flughafen Lüttich und leitet eine Strafverfolgung ein. Italien suspendiert das Verteidigungsabkommen mit Israel - Meloni, bislang Israels engste Verbündete in Europa, handelt nach dem IDF-Beschuss eines UNIFIL-Konvois mit Italienern an Bord. Trump zu Meloni im Corriere della Sera: „Ich bin schockiert über sie." Die EU-Bürgerinitiative zur Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens überschreitet eine Million Unterschriften.
Fokusthemen
Iran: Zwischen Taktik und Zeitspiel - vier Tage bis zur Entscheidung
Der Waffenstillstand läuft am 22. April aus. Was bleibt, ist ein Verhandlungsstand, den beide Seiten als inakzeptabel bezeichnen und trotzdem nicht verlassen wollen. Die USA fordern ein 20-jähriges Moratorium auf Urananreicherung plus Abgabe der vorhandenen Bestände. Iran bietet fünf Jahre und schließt jede Abgabe kategorisch aus. Das ist kein taktischer Abstand, der sich durch Formulierungskompromisse überbrücken lässt - das ist ein struktureller Widerspruch über die Frage, ob Iran das Recht auf zivile Nukleartechnik behält oder nicht.
Gleichzeitig zeigt die Hormuz-Entwicklung der letzten Woche, was hinter der Diplomatie operiert. Außenminister Araghchi öffnet die Meerenge - die IRGC-Marine schließt sie wieder. Parlamentspräsident Ghalibaf, Leiter der iranischen Verhandlungsdelegation in Islamabad, sagt öffentlich: „Ob die Straße offen oder geschlossen ist, entscheidet sich im Feld, nicht in sozialen Medien." Das ist keine Schwäche iranischer Führungsstruktur. Es ist Methode. Iran verhandelt auf mehreren Ebenen gleichzeitig - und behält sich die operative Eskalation als Druckmittel vor, während die Diplomaten reden.
Trump nennt den Krieg in Las Vegas einen „kleinen Umweg durch das reizende Land Iran." Wer die Gesamtarchitektur der US-Politik liest - Venezuela, Panama, die geplante China-Reise im Mai - erkennt das Muster: Iran ist kein Endziel, sondern ein Zwischenstopp. Teheran hat das verstanden. Und Teheran wartet. Die vollständige strategische Einbettung habe ich in der Follow-the-Oil-Serie und im aktuellen Iran-Update vom 19. April rekonstruiert.
Fragen:
- Verlängert Trump den Waffenstillstand - oder braucht er die Eskalation innenpolitisch?
- Wer in Teheran entscheidet tatsächlich über Hormuz - das Außenministerium oder die IRGC?
- Was bedeutet der Beschuss indischer Schiffe für Neu-Delhis künftige Positionierung?
- Wenn der Deal nicht kommt - was kommt dann?
Deutschland rüstet auf - und beliefert beide Seiten
Am 14. April unterzeichnen Merz und Selenskyj das größte Drohnen-Joint-Venture, das Europa je gesehen hat. 5.000 KI-gestützte Drohnen, Patriot-Raketen, digitale Gefechtsdaten, 4 Milliarden Euro. Deutschland ist, wie Merz selbst betont, zum „wichtigsten bilateralen Partner der Ukraine" geworden. Der Bundeskanzler fordert von Selenskyj, ukrainische Männer aus Deutschland zurück an die Front zu schicken - und macht damit Deutschland zur aktiven Mobilisierungsinfrastruktur eines laufenden Krieges.
Was in dieser Nachricht fehlt, ist der zweite Teil derselben Geschichte. Seit Jahren sind Infineon-Transistoren, Bosch-Kraftstoffpumpen und Komponenten der Rheinmetall-Tochter Pierburg in russischen Geran-2-Drohnen nachgewiesen - denselben Drohnen, die ukrainische Kraftwerke zerstören. Die Lieferkette führt über China. Die Lücken im Sanktionsregime sind bekannt. Sie werden nicht geschlossen. Deutschland finanziert damit faktisch den Wiederaufbau einer Infrastruktur, die deutsche Chips - auf Umwegen - zerstören helfen.
Das Joint Venture mit der Ukraine ist die eine Seite. Die andere ist, dass deutsche Bauteile künftig nachweisbar in Drohnen beider Kriegsparteien stecken werden. Das ist kein Versehen - das ist das Ergebnis einer Industriepolitik, die Rüstungsexporte und Sanktionsdurchsetzung als getrennte Systeme behandelt. Für wen das funktioniert - und für wen nicht - habe ich im Artikel Deutsche Chips für russische Drohnen dokumentiert. Den größeren Rahmen - warum Deutschland diese Richtung einschlägt und wohin sie führt - zeigt Aufrüstung im Niedergang, der erste Teil einer neunteiligen Serie.
Fragen:
- Wer kontrolliert, wohin deutsche Drohnentechnologie nach dem Krieg weiterverbreitet wird?
- Liegt es im deutschen Interesse, diesen Krieg zu beenden - oder im Interesse der Rüstungsindustrie, dass er weitergeht?
- Wenn Merz sagt, Deutschland sei der wichtigste Partner der Ukraine - wessen Partner ist Deutschland dann beim Iran?
Ungarn hat gewählt - aber hat es frei gewählt?
Peter Magyar hat gewonnen. 53 Prozent, Zweidrittelmehrheit, höchste Wahlbeteiligung seit der Demokratisierung. Die EU jubelt. Orban räumt ein. Das Ergebnis ist eindeutig - die Fragen, die es aufwirft, sind es nicht.
Orbán hat in 16 Jahren eine Politik gemacht, die seine Stammwählerschaft verstand: Grenzen zu, keine Ukraine-Milliarden, kein Flüchtlingsstrom, keine Beteiligung an fremden Kriegen. Er hat dem EU-Parlament die Stirn geboten, von der Leyen persönlich düpiert, Sanktionen gegen Russland blockiert und einen Schwarzgeldtransit durch Ungarn öffentlich gemacht. Er war unbequem - für Brüssel, für Washington, für die transatlantische Ordnung. Nun ist er weg.
Was diese Wahl zu einem Fall für journalistische Nachfragen macht, ist nicht das Ergebnis allein - es ist das Muster, in das es fällt. Rumänien 2025: Ein EU-kritischer Kandidat gewinnt die erste Runde, das Verfassungsgericht annulliert die Wahl. Georgien: Ergebnis gegen EU-Kurs, Straßenproteste, OSZE-Mechanismus ausgelöst, Regierung unter Druck. Ungarn 2026: Historische Wahlbeteiligung, EU-freundlicher Sieger, sofortige Gratulation aus Brüssel. Der US-Repräsentantenhaus-Bericht, der auf 160 Seiten dokumentiert, wie die EU-Kommission Social-Media-Algorithmen zur Beeinflussung europäischer Wahlen eingesetzt hat, ist dabei keine Randnotiz. Die vollständige Dokumentation - acht Wahlen, gerichtsfeste Beweise, Primärquellen - findet sich hier: US-Anklage gegen EU-Regime.
Fragen:
- Warum stieg die Wahlbeteiligung auf einen historischen Höchststand in einem Land, das Orbáns Politik mehrheitlich unterstützte?
- Wer ist Magyar wirklich - Reformer oder systeminterne Alternative?
- Was passiert mit dem Fidesz-Netzwerk, wenn die EU-Gelder fließen?
- Wäre diese Wahl auch als „demokratischer Durchbruch" gefeiert worden, wenn Magyar verloren hätte?
Südlibanon: Was nach dem Waffenstillstand vom Boden übrig bleibt
Trump verkündet eine 10-tägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Noch am selben Abend werden Verletzungen gemeldet. Ein französischer UNIFIL-Soldat stirbt. Die Bulldozer stehen südlich des Litani - sie stehen, nicht weil der Waffenstillstand gilt, sondern weil ihre Arbeit für diesen Abschnitt abgeschlossen ist.
Israel hat seit Beginn der Bodenoffensive im Südlibanon acht Brücken über den Litani gesprengt. Die letzte Brücke fiel in dieser Woche. Der Süden ist von der Versorgung abgeschnitten - nicht als Kriegsstrategie, sondern als Ergebnis einer Strategie, die über den Krieg hinausgeht. Israelische Soldaten haben öffentlich erklärt, was sie bauen, sei dauerhaft. Netanyahu hat gesagt, sie würden nicht abziehen. Und der Litani soll, so die Formulierung israelischer Regierungsvertreter, die natürliche Grenze sein.
Was kaum eine Schlagzeile findet: Während Diplomaten über Hormuz und Urananreicherung verhandeln, sprühten israelische Militärflugzeuge seit Februar 2026 Glyphosat in 20- bis 50-facher landwirtschaftlicher Konzentration über Feldern, Weideland und Olivenhainen in Südlibanon, Gaza und der syrischen Quneitra-Region aus. UNIFIL nannte die Operation inakzeptabel und als Verstoß gegen Resolution 1701. UN-Sprecher Dujarric: „Jede Aktivität israelischer Streitkräfte nördlich der Blue Line ist eine Verletzung dieser Resolution - nicht möglicherweise, nicht unter Umständen." Glyphosat in diesen Konzentrationen vernichtet nicht nur die aktuelle Ernte. Es vernichtet die Bodenorganismen, die jeden zukünftigen Wiederaufbau ermöglichen würden. Kein Waffenstillstand entgiftet einen Boden. Was hier entsteht, zielt nicht auf Sieg - es zielt auf Unbewohnbarkeit. Die vollständige Dokumentation mit Satellitenbildern, Laborberichten und UN-Primärquellen: Agronomische Kriegsführung.
Fragen:
- Wann endet ein Waffenstillstand, der auf der einen Seite noch am selben Abend gebrochen wird?
- Was bedeutet der Begriff „Sicherheitszone", wenn Dörfer eingeebnet und Böden vergiftet werden?
- Wird die multinationale Navigationsmission von Macron und Starmer die Frage der Libanon-Annexionsvorbereitung adressieren - oder ausklammern?
- Warum findet der systematische Einsatz von Herbiziden auf Zivilland keine vergleichbare internationale Aufmerksamkeit wie Raketenangriffe?
Sudan: Das System des Schweigens
Am 15. April, dem dritten Jahrestag des Sudankrieges, trafen sich in Berlin Deutschland, die Afrikanische Union, Frankreich, die EU, Großbritannien und die USA. Das Ergebnis: eine gemeinsame Erklärung, keine bindenden Maßnahmen, keine humanitäre Waffenruhe.
Was in El-Fasher zwischen Oktober und November 2025 geschah, ist durch eine UN-Untersuchungskommission dokumentiert: die RSF führte eine koordinierte Kampagne gegen nicht-arabische Bevölkerungsgruppen durch. Mehr als 6.000 Menschen wurden in 72 Stunden getötet. Gezielte Tötungen, Massenvergewaltigungen, erzwungenes Verschwinden. Die UN nennen es beim Namen: Genozid. Die Berliner Konferenz nannte keine Konsequenzen.
Was die Berliner Konferenz nicht thematisiert hat: Die Vereinigten Arabischen Emirate beliefern die RSF nachweislich mit Waffen - gut dokumentiert, international bekannt, nicht sanktioniert. Die Trump-Administration hat zeitgleich den sudanesischen Ableger der Muslimbruderschaft als Terrororganisation eingestuft - eine Maßnahme, die faktisch die RSF stärkt und die SAF schwächt. Wer die Interessen verfolgt, die hinter dieser Architektur des Schweigens stehen, findet dasselbe Muster, das sich durch Gaza zieht: Wer liefert die Waffen, wer kauft das Gold, wer sitzt als Friedensvermittler am Tisch, während seine Frachtflüge Munition liefern? Die vollständige Analyse: Sudan - Das vergessene Massaker. Und wer wissen will, wie diese Architektur im Detail funktioniert - dort, wo sie dokumentiert, forensisch belegt und gerichtsfest ist: Gaza - Made in the USA.
Fragen:
- Was braucht es, damit aus einer UN-Genozid-Feststellung internationale Konsequenzen folgen?
- Warum wurden weder SAF noch RSF zur Berliner Konferenz eingeladen?
- Wann wird die Rolle der VAE als Waffenlieferant der RSF Gegenstand diplomatischen Drucks - statt nur journalistischer Berichte?
- Ist das Schweigen der Weltgemeinschaft zu Sudan Versagen - oder Kalkül?
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Quellenverzeichnis
Iran - Verhandlungen und Hormuz
- Naval Today - Iranische Kanonenboote beschießen indische Schiffe in Hormuz, 18. April 2026: https://www.navaltoday.com/2026/04/18/iranian-gunboats-fire-on-indian-flagged-ships-in-strait-of-hormuz/
- NBC News Liveblog - Hormuz, indische Schiffe, Situation Room, 18.–19. April 2026: https://www.nbcnews.com/world/iran/live-blog/live-updates-iran-says-strait-hormuz-reverted-strict-control-blames-us-rcna340767
- PBS NewsHour - Iran schließt Hormuz wieder, 18. April 2026: https://www.pbs.org/newshour/world/irans-military-closes-strait-of-hormuz-again-citing-u-s-blockade
- CNN Live - Iran erklärt Hormuz offen, Ölpreise fallen 9%, 17. April 2026: https://edition.cnn.com/2026/04/17/world/live-news/iran-war-trump-lebanon-israel-ceasefire
- CNN - Verhandlungsstand 20 Jahre vs. 5 Jahre Moratorium, 13. April 2026: https://www.cnn.com/2026/04/13/politics/us-iran-meeting-potential-second-round
- Al Jazeera - Ghalibaf: „Sieben Lügen in einer Stunde", 18. April 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/4/16/no-date-set-for-us-iran-talks-as-pakistan-pushes-to-keep-diplomacy-alive
- Daily Post Nigeria - Iran: Uranabgabe kategorisch ausgeschlossen, 18. April 2026: https://dailypost.ng/2026/04/18/war-we-never-agreed-to-transfer-our-enriched-uranium-iran/
- Tagesspiegel/DPA - Trump Las Vegas: „Kleiner Umweg durch das reizende Land Iran", 17. April 2026: https://www.tagesspiegel.de
- Bloomberg - USA und Iran prüfen neue Gespräche, 14. April 2026: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-04-14/usa-und-iran-prufen-neue-gesprache-uber-waffenstillstand-kreise
Iran - Israel/Libanon
- Al Jazeera - Was wir über den Israel-Libanon-Waffenstillstand wissen, 17. April 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/4/17/what-we-know-about-the-israel-lebanon-ceasefire
- Middle East Eye - Belgien beschlagnahmt britische Militärlieferungen an Israel, 15. April 2026: https://www.middleeasteye.net/news/belgium-seizes-arms-shipment-sent-britain-israel
- Al Jazeera - Italien suspendiert Verteidigungsabkommen mit Israel, 14. April 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/4/14/italian-suspends-defence-agreement-with-israel
- UNIFIL Statement - Glyphosat-Einsatz Südlibanon, 2. Februar 2026: https://unifil.unmissions.org/en/press-releases/unifil-statement-2-february-2026
- Al Jazeera - Chemische Angriffe auf libanesische Felder, 4. Februar 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/2/4/health-crime-aoun-slams-israel-over-spraying-chemicals-in-south-lebanon
Iran - Militärisches
- The War Zone - US Navy bestätigt Verlust MQ-4C Triton, 9. April 2026: https://www.twz.com/air/navy-mq-4c-triton-surveillance-drone-crash-in-the-middle-east-finally-confirmed
- Military Times - Houthis, Bab al-Mandab: Bedrohungslage, 14. April 2026: https://www.militarytimes.com/news/pentagon-congress/2026/04/14/amid-focus-on-strait-of-hormuz-experts-sound-warning-on-yemens-houthis-and-red-sea/
Ungarn
- ZDF Heute - Magyar siegt, Orban räumt Niederlage ein, 13. April 2026: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/ungarn-wahl-parlament-orban-magyar-100.html
- ORF - TISZA holt Zweidrittelmehrheit, 12. April 2026: https://orf.at/stories/3426700/
- taz - Historische Wende in Budapest, 12. April 2026: https://taz.de/Wahl-in-Ungarn/!6170093/
Deutschland/Ukraine
- Euronews - Berlin und Kiew: 4-Milliarden-Euro-Deal, Drohnen, Patriot, 14. April 2026: https://de.euronews.com/my-europe/2026/04/14/handel-daten-drohnen-raketen-abkommen-deutschland-ukraine
- RT DE - Merz verkündet strategische Partnerschaft mit der Ukraine, 14. April 2026: https://de.rt.com/inland/277141-merz-verkuendet-strategische-partnerschaft-mit/
Trump-Zölle/China
- Ad-hoc-News - Trump: 104-Prozent-Zölle auf chinesische Waren ab Montag, 14. April 2026: https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/trump-kuendigt-massive-zoelle-an-neue-104-prozent-abgaben-auf-chinesische/69133250
- Cicero - Trump-Xi-Gipfel Mitte Mai in Peking, 6. April 2026: https://www.cicero.de/aussenpolitik/gipfeltreffen-zwischen-xi-jinping-und-donald-trump
Sudan
- Human Rights Watch - Berliner Konferenz, Sudan, 14. April 2026: https://www.hrw.org/de/news/2026/04/14/sudan-staats-und-regierungschefs-muessen-bei-berliner-konferenz-gegen-anhaltende
- OHCHR - Sudan: Genozid-Merkmale in El-Fasher, Februar 2026: https://www.ohchr.org/en/press-releases/2026/02/sudan-evidence-el-fasher-reveals-genocidal-campaign-targeting-non-arab
- German-Foreign-Policy - Die Berliner Sudan-Konferenz, April 2026: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10364
Ukraine
- Euronews - Russland: Oster-Waffenstillstand, 10. April 2026: https://de.euronews.com/2026/04/10/russland-putin-orthodoxe-ostern-waffenstillstand-ukraine
- EU-Rat - Informeller EU-Gipfel 23./24. April 2026: https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2026/04/14/informal-meeting-of-heads-of-state-or-government-of-23-24-april-2026/
Eigene Analysen
- Michael Hollister - Update Iran-Krieg, 19. April 2026: [Link folgt]
- Michael Hollister - Update Iran-Krieg, 15. April 2026: https://michaelhollister.substack.com/p/update-usa-und-israel-greifen-iran-03c
- Michael Hollister - Flitzer: Die Doppelblockade von Hormuz: https://michaelhollister.substack.com/p/flitzer-die-doppelblockade-von-hormuz
- Michael Hollister - Folgt dem Öl, Teil 2 - Europa ohne Öl: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/12/folgt-dem-oel-teil-2-europa-ohne-oel/
- Michael Hollister - Folgt dem Öl, Teil 3 - Die Golfstaaten zwischen den Fronten: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/12/folgt-dem-oel-teil-3-die-golfstaaten-zwischen-den-fronten/
- Michael Hollister - Das Kamel hackt zurück, Teil 2: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/19/iran-das-kamel-hackt-zurueck-teil-2/
- Michael Hollister - Deutsche Chips für russische Drohnen: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/15/deutsche-chips-fuer-russische-drohnen/
- Michael Hollister - Aufrüstung im Niedergang (Serie, Teil 1): https://www.michael-hollister.com/de/2025/10/21/aufruestung-im-niedergang-warum-deutschland-und-die-eu-in-den-krieg-investieren/
- Michael Hollister - US-Anklage gegen EU-Regime: https://www.michael-hollister.com/de/2026/02/09/us-anklage-gegen-eu-regime/
- Michael Hollister - Sudan - Das vergessene Massaker: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/19/sudan-das-vergessene-massaker/
- Michael Hollister - Agronomische Kriegsführung: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/19/israel-agronomische-kriegsfuehrung/
- Michael Hollister - Gaza - Made in the USA, Teil 1: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/05/gaza-made-in-the-usa-teil-1/
- Michael Hollister - Gaza - Made in the USA, Teil 2: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/12/gaza-made-in-the-usa-teil-2/
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