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Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit | Von Lars Ebert

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit | Von Lars Ebert

Ein Meinungsbeitrag von Lars Ebert.

Die Menschen im Widerstand vereint das Ziel, sich gegen Machtkonzentration zu wehren und diese Welt möglichst zu einem besseren Ort zu machen. Oft wird dabei aber nicht an einem Strick gezogen. Hier geht es um ein lehrreiches Beispiel, wie Streit Kooperation verhindert – und wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte.

Bei dem Beispiel handelt es sich um eine bemerkenswerte Diskussion auf apolut: „Livestream: Bühne, Waffe, Fassade – Wie Migration zur Projektionsfläche wird“. Es ist ein Streitgespräch zwischen Paul Brandenburg, B-Lash, Tariq Hübsch und Kayvan Soufi-Siavash – Jens Lehrich moderiert. https://apolut.net/livestream-buhne-waffe-fassade-wie-migration-zur-projektionsflache-wird-aufzeichnung-vom-07-08-2025/

Es geht hauptsächlich um die Frage, wie der Kriminalität auf deutschen Straßen begegnet werden kann. Und ob der Islam oder arabisch-türkische Migranten aus Deutschland entfernt werden sollten.

Der Mut von apolut, dieses heiße Eisen mit aller Gegensätzlichkeit anzufassen, verdient zunächst Respekt. Aber ehrlich gesagt war ich über die Heftigkeit des Streits und dem Fehlen einer guten Streitkultur – zuhören, ausreden lassen, der Moderation folgen – sehr erschrocken. Es gab minutenlange Phasen, in denen drei Sprecher durcheinander geredet haben.

Jeder hat seinen Standpunkt vehement verteidigt – fast als ginge es um sein Leben – und am Schluss hatten alle Beteiligten auf Nachfrage die gleichen Überzeugungen wie zu Beginn der fast zweistündigen Diskussion. Soweit meine – subjektive – Wahrnehmung.

Nun meine Gedanken dazu: Alle Beteiligten sind sehr intelligente, gebildete, kritische, redegewandte und engagierte Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit diese Erde zu einem besseren, menschlicheren Ort machen wollen, und für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Aber einen wesentlichen Aspekt des Menschseins haben sie nicht oder nur sehr rudimentär gezeigt: Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Ich hätte mich sehr über persönliche Worte gefreut. Zum Beispiel: „Ich habe eine fast erwachsene Tochter und habe Angst um ihre Sicherheit.“

Es drehte sich in der ganzen Diskussion um ein „Außen“: Die Migranten, der Islam, die Politiker, die Öffentlichkeit, die Medien, der Diskussionspartner etc. Und die Probleme – die wohl kaum jemand bestreitet – sollten im „Außen“ gelöst werden. Natürlich müssten wir in Deutschland und weltweit dringend einige Rahmenbedingungen ändern, vor allem zur Vermeidung von Machtkonzentration.

Hier geht es mir aber um die Frage, wie man menschliche Konflikte lösen kann. Und das nicht nur aus Harmoniesucht, sondern weil Zusammenhalt unabdingbar für den Widerstand ist – und für eine positive Gestaltung der Zukunft. In dieser Diskussion auf apolut ist die Konfliktlösung offenbar nicht gelungen.

Es gibt aber viele gute Ansätze, zum Beispiel die „Gewaltfreie Kommunikation (GFK)“. Der Name ist unglücklich, es müsste eigentlich „Bedürfnisorientierte Kommunikation“ oder ähnlich heißen. Jeder Mensch auf der Welt kennt beispielsweise die Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbstbestimmung oder Wertschätzung. Unsere Bedürfnisse sind universell. Deshalb fördert es das Verständnis, wenn ich sie offenlege. Wenn ich sage: „Ich habe das Bedürfnis nach Sicherheit“, wird das niemand bestreiten. Im Idealfall wird dann mit einem anderen Bedürfnis geantwortet, etwa: „Ich habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit“. Beide Bedürfnisse sind berechtigt.

Manchmal sind mir selbst meine Bedürfnisse nicht klar. Dann helfen mir meine Gefühle. Ein Gefühl von Angst etwa deutet auf das Bedürfnis nach Sicherheit hin. Deshalb habe ich zu Beginn auf die Wichtigkeit von Gefühlen und Bedürfnissen hingewiesen.

Erst in dieser Phase der Diskussion, wenn die Diskussionsteilnehmer Verständnis für einander haben, macht es Sinn, über Lösungsstrategien nachzudenken. Bei der apolut-Diskussion wurde aber direkt mit den Lösungsstrategien begonnen, ohne vorher über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Es wurde wiederholt auf „die Realität“ oder „die Fakten“ verwiesen. Das war für mich der Hauptgrund für ausbleibendes Verständnis oder eine Versöhnung untereinander.

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist nicht, noch schlauer oder redegewandter zu werden. Oder noch bessere Argumente und Zahlen für den eigenen Standpunkt zu haben. Oder noch mehr Menschen zu überzeugen, noch mehr Follower zu generieren, noch „besser“ oder attraktiver oder erfolgreicher zu werden.

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist die Fähigkeit und der tief empfundene Wunsch nach Verbindung. Nach liebender Verbindung. Wir alle kennen dieses Gefühl der Verbundenheit aus dem Mutterleib. Bewusst oder unbewusst suchen die meisten Menschen danach. Unterstützen wir uns doch gegenseitig dabei!

Anhang für psychologisch Interessierte: Warum es uns so schwerfällt, über unsere Gefühle zu sprechen

Ein Gefühl der Verbundenheit fängt mit der Beziehung zu meinem eigenen Körper, meinen Sinneseindrücken, meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen an. Diese Beziehung zu mir selbst ist die Vorbedingung einer guten Beziehung zu anderen Wesen.

Bei der Entwicklung dieser Beziehung zu mir selbst (und zu meinen ersten Beziehungspersonen) gab es bei fast allen von uns schon in der Kindheit Störungen. Unverständnis, Ablehnung, Strafe. Die Eltern oder andere Bezugspersonen können oft mit heftigen Gefühlen von Kindern nicht gut umgehen. Sie haben es nicht gelernt und sind überfordert.

Das Ziel ist nun nicht, sich sein Leben lang mit diesen Störungen zu beschäftigen. Aber eine Einsicht in die Zusammenhänge sind unumgänglich. Vor allem die Einsicht, dass ich als Kind hilflos und unschuldig war – nun aber nicht mehr hilflos bin. Wie viel Leid kam in diese Welt, weil Menschen sich in ihrer Kindheit geschworen haben, nie mehr Opfer zu sein – sondern lieber Täter.

Wenn ich meinen Körper, meine Gefühle und Bedürfnisse bewusst spüre und ernst nehme, kann ich vielleicht im nächsten Schritt diese Gefühle und Bedürfnisse äußern. Der Riesenvorteil ist: Alle Menschen auf diesem Planeten verstehen diese Sprache. Wenn ich mich unsicher fühle, wenn ich Angst habe, und das äußern kann, versteht das mein Gegenüber.

Das ist das Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation: Öffne dich und sprich über deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Wenn dann dein Gegenüber auch über seine Gefühle und Bedürfnisse sprechen kann, ist der Konflikt meist schon geklärt. Der letzte Schritt – die Strategie, die konkrete Lösung – ist dann in der Regel kein Problem mehr.

Ich wünsche uns allen die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse anzunehmen – und im nächsten Schritt zu äußern. Wenn ich mir wirklich mehr Lebenszufriedenheit wünsche, und dazu beitragen möchte, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen, reicht es deshalb nicht, immer mehr Wissen über Fakten und Probleme anzuhäufen (mRNA-Injektionen, Krieg, Migration, etc.).

Ich sollte mich auch mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Schattenseiten auseinandersetzen. Zum Glück gibt es in diesem Bereich viele großartige Gedanken von – zum Beispiel – Marshall B. Rosenberg, Hans Joachim Maaz, Christian Schubert, Bastian Barucker, Kerstin Chavent und vielen anderen.

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Lars Ebert ist Diplom-(Bio)Physiker mit langjähriger Berufserfahrung in Forschung, Medizin und IT. Er ist Fachbuchautor, Wissenschaftsjournalist (bei verschiedenen Alternativmedien), Dozent, Projektleiter und Gründer der Vernetzungsplattform Yunite.org. Er bietet unabhängige, wissenschaftliche Gesundheitsrecherchen an und betreibt einen Telegram-Kanal zu diesem Thema.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: AYO Production / shutterstock


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