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Beide F-15E-Piloten gerettet – Rettungsoperation legt Grenzen der US-Luftüberlegenheit offen

Beide F-15E-Piloten gerettet – Rettungsoperation legt Grenzen der US-Luftüberlegenheit offen

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

In der Nacht zum 06. April hat die US-Armee beide Besatzungsmitglieder des am 03. April über dem Iran abgeschossenen F-15E Strike Eagle gerettet. US-Präsident Trump verkündete auf Truth Social kurz nach Mitternacht: „WE GOT HIM! Das US-Militär hat in den vergangenen Stunden eine der kühnsten Rettungsoperationen in der Geschichte der Vereinigten Staaten durchgeführt." Der zweite Besatzungsoffizier - ein Colonel - sei schwer verletzt, werde aber überleben. Trump bezeichnete die Operation als „Ostermirak­el".

Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute steckt im Detail.

Was die Rettungsoperation kostet

Die Operation war militärisch spektakulär - und teuer. Nach übereinstimmenden US-Berichten umfasste sie Dutzende Flugzeuge, hunderte Spezialkräfte und eine temporäre Landebasis auf iranischem Territorium. Dabei verloren die USA nach aktuellem Stand folgende Flugzeuge und Hubschrauber:

1 F-15E Strike Eagle - abgeschossen, beide Besatzungsmitglieder gerettet. 1 A-10 Warthog - durch iranisches Feuer getroffen, Pilot ejektierte über Kuwaitischem Luftraum, sicher gerettet, Flugzeug zerstört. 2 MC-130J Combat King II Transportflugzeuge - landeten auf einer verlassenen Airstrip im Inneren Irans, erlitten technische Defekte und konnten nicht wieder starten. US-Kräfte sprengten sie vor Ort, um iranischen Zugriff zu verhindern. Mindestens 2 UH-60 Black Hawk Hubschrauber - durch Beschuss beschädigt oder zerstört; Videoaufnahmen iranischer Staatsmedien zeigen mindestens einen am Boden. Dazu kommen nach Berichten des Military Watch Magazine 2 MQ-9 Drohnen sowie eine israelische Hermes-900-Aufklärungsdrohne.

Der IRGC erklärte seinerseits, zwei C-130 und zwei Black Hawks seien zerstört worden - eine Darstellung, die sich mit US-Angaben weitgehend deckt, bei der jedoch die Frage offenbleibt, ob die Zerstörung durch iranische Einwirkung oder durch US-Kräfte selbst erfolgte.

In der Summe kommt Military Watch Magazine auf 10 verlorene US-Flugzeuge und einen israelischen. Rechnet man den E-3 AWACS hinzu, der am 27. März auf dem Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien durch einen iranischen Angriff am Boden zerstört wurde, liegt die Gesamtzahl der Flugzeugverluste der Koalition seit Kriegsbeginn noch höher.

Was das über Luftüberlegenheit aussagt

Zwei Tage vor dem F-15E-Abschuss erklärte Trump in einer Fernsehansprache: „Sie haben keine Flugabwehr. Ihr Radar ist zu 100 Prozent vernichtet. Wir sind als Militärmacht nicht aufzuhalten." Der britische Luftmachtsanalyst Justin Bronk vom Royal United Services Institute formulierte es sachlicher: Vollständige Luftüberlegenheit ohne Bodentruppen, die ein Territorium der Größe Irans kontrollieren, sei physikalisch nicht erreichbar. Was die USA haben, ist Luftüberlegenheit mit verbleibendem Restrisiko - operativ ein wesentlicher Unterschied.

Die CIA ergänzte die militärische Komponente der Rettung um eine Täuschungsoperation: Vor dem finalen Zugriff streute sie gezielt in Iran die Information, der Vermisste sei bereits gefunden und werde am Boden exfiltriert - um iranische Suchkräfte vom tatsächlichen Standort abzulenken. Ein US-Regierungsvertreter beschrieb gegenüber Axios die Suche als „die ultimative Nadel im Heuhaufen - aber in diesem Fall war es ein tapferer amerikanischer Soldat in einer Bergspalte, unsichtbar für jeden außer den Fähigkeiten der CIA."

Einordnung

Dass beide Besatzungsmitglieder lebend zurückkehren, ist militärisch und menschlich ein Erfolg. Dass die Operation dafür mehrere Flugzeuge und Hubschrauber kostete, eine CIA-Täuschungskampagne erforderte, eine temporäre Basis auf feindlichem Territorium einschloss und sieben Stunden dauerte - das ist ebenfalls ein dokumentierter Befund.

Beides gehört zusammen. Der Leser zieht seine eigenen Schlüsse.

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Michael Hollister
 war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

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Bildquelle: Roman Sigaev / shutterstock

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Quellenliste

CBS News — Zweiter F-15E-Besatzungsoffizier gerettet, US-Behörden bestätigen

CNN — Vermisstes Besatzungsmitglied durch US-Kräfte gerettet, Trump verkündet Erfolg

Al Jazeera — US-Pilot aus abgeschossenem F-15E im Iran gerettet: Was wir wissen

PBS NewsHour — Was über die Rettung der zwei US-Flieger im Iran bekannt ist

The War Zone — F-15E-Waffensystemoffizier im Iran gerettet

Axios — Rettung des zweiten F-15E-Besatzungsmitglieds, CIA-Täuschungskampagne

Time — Wie ein US-Flieger aus einer Bergspalte im Iran gerettet wurde

Washington Post — US-Militär und CIA koordinieren Hochrisiko-Rettungsmission im Iran

Military Watch Magazine — USA verlieren zehn Flugzeuge bei Rettung des F-15E-Piloten


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Michael Hollister


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