Wir weigern uns, Feinde zu sein

Von Rüdiger Lenz, Nichtkampf-Prinzip.

Es folgt ein kurzes Beispiel, das sie dazu verführen soll, im Autor einen Feind zu sehen. Sein sie bitte nicht erschrocken, P.E.A.C.E.

“Ich weiß, dass alle, die das hier lesen, bescheuerte Idioten sind, Langweiler und Ignoranten sind, wahrscheinlich antisemitisches Denken bevorzugen und rassistische Schweine sind. Und wenn euch und ganz besonders Ihnen ein „Homo“ entgegen kommt, dann würden sie ihm am liebsten einen Stahlträger in seinen Arsch rammen! Sie sind ein Scheißkerl und am besten wäre es gewesen, ihr Vater hätte Ihr Samenpaket bloß auf den Ofen…!” Beispiel ENDE.

Puhh, das war heftig und sie wissen ja, ich habe hier nur ein konfrontatives Beispiel zum Besten gegeben, damit sie ein Feindbildgefühl zum Autor bekommen. Ich denke natürlich nicht so über sie oder irgendjemanden. Und jetzt kommt der Aha-Effekt – falls sie ihn noch nicht kennen.

Wenn sie diesen Müll annehmen, also meine Beleidigungstirade quasi aufsaugen, dann bin ich jetzt ihr Feind. Nehmen sie diesen Müll nicht an und sie sagen sich stattdessen: „Was will der denn von mir, der weiß ja nichts über mich und überhaupt: nichts davon entspricht meiner Realität, meines Gewordenseins und ich bin ein ganz anderer Mensch.“

Wenn sie das verinnerlichen und verstanden haben, wenn sie begriffen haben, dass eben der andere, nämlich der, der ihnen diese Dinge an den Latz knallt, dass dieser Jemand nur eine Projektionsfläche benötigt, um seine Interessen durchzusetzen, dann werden sie sich hüten, sein Feind sein zu wollen.

Sie werden sein Feind übrigens nur, wenn sie diese Projektionsfläche verteidigen, sich mit dieser Projektionsfläche auseinandersetzen und sich dabei gegen den Verursacher ihres Ärgers, beispielsweise mich, behaupten. Sie füttern meine Destruktivität (arge Beleidigung) mit jeder Handlung, die sie nun gegen meine Projektion erheben. Darauf ist meine Feindbildkonstruktion vorbereitet und ich werfe nun mein Wutnetz über sie. Kompliziert? Nicht wirklich.

Hingegen, wenn sie das verstehen, dann haben sie zum ersten Mal etwas ganz wesentliches in der Hand, um dagegen anzugehen. Denn ab jetzt fallen sie nicht mehr in die „personale“ Feindbildfalle (Fremdaggression) hinein und sie werden, mit etwas Übung und Geduld, keine Feindbilder mehr in ihren Geist einlagern und damit auch keine Feindbildpflege mehr betreiben. Das war Lektion Eins: weigere Dich, deinem Nächsten ein Feind zu sein.

Dies ist tatsächlich eine Übung für Gewaltstraftäter, die sie sehr häufig eintrainieren müssen. Und in den Prüfungen dazu, den so genannte „Provokationstests“, dann beweisen müssen, dass sie dazu in der Lage sind, in der Provokation, die auch heftig sein kann, keinen Feind zu sehen und damit keine destruktive Antwort zu geben. Was Täter in entsprechenden Trainingstherapien erlenen und beherrschen müssen, dass sollte für sie, den KenFM-User, doch auch erlernbar sein. Oder etwa nicht?

Lektion Zwei: Medienkompetenz.
Von überall her hören sie, dass dieser oder jener und welcher ein Schurke sei, ein neuer Hitler, einer von der Sorte, der schon morgen die ganze Welt in Brand und Asche verwandeln will. Alle erzählen sich das und jeder schüttelt besorgt den Kopf. „Haltet ihn auf!“, ruft es aus allen Gazetten und in allen Fernseh- und Radiokanälen wird berichtet, dass der besorgte Präsident, die Streitkräfte und Verbündeten dem Bösling den Garaus machen müssen. In Schulen werden Zettel verteilt, im Unterricht über den Bösling geredet: Menschenrechte und Demokratie seien schließlich ein hohes Gut und wer es wagt, diese anzugreifen, dem folgt die Stärke der ganzen Welt: „STOPPT PUTIN!“, heißt in Wahrheit: „Putin ist ab jetzt Dein Feind“. Weigere Dich nicht, Putin Deinen Erzfeind zu nennen. Sage das der ganzen Welt: „Putin ist ein neuer Hitler, ein Feind der ganzen lieben braven Restwelt!“

Ab dato hörst Du nichts anderes mehr als: „Putin ist eine Gefahr für den gesamten Weltfrieden“. Was heißt: Putin zahlt nicht mehr in Dollarnoten, Putin hat etwas ganz anderem seine Ziele untergeordnet, als es die westliche Welt für opportun hält. Vor allem hat dieser feind andere Ideen, was seine Finanzwirtschaft betrifft. Alle erzählen das weiter und überall diskutieren die Menschen, wie böse Putin ist und vor allem schon immer war.

Diese vielen Menschen sind hineingetappt in die Feindbildfalle. Streng genommen glauben und meinen sie, aber wissen tun sie nichts. Gar nichts. Sie kennen Putin nicht, aber sie vertrauen den Medien voll und ganz. Sie glauben, dass die Medien die Wahrheit diesbezüglich erklären und sie meinen über sich selbst, sie wüssten schon irgendwie, was die Wahrheit ist. Aber was wissen sie? Das ist die entscheidende Frage: WAS WEIßT DU WIRKLICH?

Wer sich selbst einmal diese drei Fragen im Zusammenhang mit echtem Wissen und Erfahrungswissen gestellt hat, dem wird unweigerlich ein Licht aufgehen: Ich weiß ja gar nichts über Putin, denn ich bin ihm nie begegnet. Ich MEINE hingegen aber, dass die Medien schon die Wahrheit diesbezüglich schreiben und senden und ich GLAUBE den ganzen Darstellungen, die ich von den vielen Journalisten erfahren habe. Mit WISSEN jedoch hat das aber nichts zu tun. Es ist reiner Glaube der auf Vertrauen beruht. Auf die nie verbriefte Absprache, dass die Medien das Immunsystem der Demokratie sei und sich die Medien dem Ausbau dieses Immunsystems in dieser und aller Demokratien verschrieben haben. Das die Medien im ganz großen Stil (es gibt Ausnahmen!) unser Vertrauen missbrauchen und immer mehr missbrauchen, dass sie allen möglichen Viren und Bakterien Einlass gewähren, ja sogar einladen und ihnen Zugang zu allem möglichem Parasitismus (NSA) geben, ist hinlänglich bekannt; dank Internet, der einzigen NOCH freien Zone demokratischen Auslebens.

Und jetzt sind wir mitten drin in der Manipulation. Ich spreche hier von der Selbstmanipulation. Aber ich will mal nicht zu kritisch sein. Sprechen wir weiterhin von der Manipulation der Medien, die uns in Feindbilder hineinlügt, um Interessen in einer Mehrheit der Menschen einzuschleusen, die sie ohne Feindbilder gar niemals hätten oder dazu einwilligen würden: einem „Krieg gegen Russland“ oder „Repressalien gegen Russland“ oder „Ausgrenzung aus den unterschiedlichen Bündnissen gegen Russland“. Feindbilder sind mediale Fließbänder, vermittels derer den Menschen alles Mögliche gerechtfertigt wird, damit die Konstrukteure derlei Bilder deren Interessen lancieren können. Feindbilder unterliegen also einer sozio-ökonomischen wie auch einer medial-militärischen Mimikry. Und hier kann wirklich nur der Dümmste davon ausgehen, dass dies alles ohne psychologische Verschleierung und Manipulation von statten geht.

Damit sie an einen Feind glauben, wird ein mediales Muster abgespult und in ihren Kopf versucht, zu konditionieren (damit Wiederholung entstehen kann), das a) immer bei Ungläubigen und nach Wissen strebenden Menschen kognitive Dissonanz erzeugen soll und b) in der Mehrheitsmeinung nach Konformität und Anschluss der Mehrheitsmeinung trachten: die Schweigespirale setzt sich in Gang und die Mehrheitsmeinung wird festgezurrt. Der Konformitätsdruck (pluralistische Ignoranz) lenkt so das Verhalten und das zu diskutierende in der Masse fest. Kommen diese beiden Muster in Gang, dann spielt es unisono gar keine Rolle mehr, ob der jeweilige Sachverhalt logisch, wissenschaftlich überprüfbar oder schlichtweg als wahrhaftig erscheint. Selbst sein Gegenteil ist vollkommen egal, weil nämlich nun einzig das Gefühl, sozial nicht ausgegrenzt zu werden zählt. Die freie Meinung erstickt jetzt geradezu. Ja mehr noch. Jeder der von der Mehrheitsmeinung abweicht, läuft jetzt Gefahr, zum Blödian der Gesellschaft gebrandmarkt zu werden. Hier wird an der Stellschraube zur sozialen Ausgrenzung gedreht, die nicht erst mit dem Menschen auf die Bühne des Lebens Platz genommen. Es ist ein altes Säugetiererbe und so tief in uns Menschen verankert, dass wir oft Wahnsinn vor Vernunft setzen, nur um noch „dabei sein zu können“, Teil der Gemeinschaft bleiben. Hierin liegt auch der Grund verborgen, dass man solchen Menschen NICHT mit Logik, Vernunft oder Wissenschaft kommen kann. Einzig die eigene zurecht konstruierte Realität spielt jetzt eine Rolle. Sie verfällt nun in ein Eigenleben und blüht alle Unlogik aus, gegen die die Vernunft nicht ankommen wird. Fast drei Jahre Friedensbewegung haben mich dies bitter erleben lassen.

Feindbilder haben es so gesehen recht einfach, sich Generationen tief einzupflanzen, tradierte Muster zu bilden und mit Leichtigkeit wiedergeboren zu werden: Der böse Russe! Der böse Deutsche! Der böse Franzose! Der böse Brite! Der Nazi oder Antisemit usw.

Wege aus der Feindbildfalle.
Mir ist klar, dass hier auf KenFM sehr viele recht gut aufgeklärte Menschen lesen und schauen. Doch sind sie in der großen Mehrheit (also nicht alle!) in Sachen Psychologie intellektuell unterversorgt. Wenn nicht gar sogar sehr skeptisch gegenüber den „Geschwätzwissenschaften“, der Soziologie und Psychologie, eingestellt. Das muss nicht immer so bleiben. Denn: der Mensch kann so gut wie alles wissen. Wenn er hingegen dabei nichts über sich selbst weiß, dann weiß er…gar nichts!

Nehmen wir das Beispiel hier mit der Feindbildfalle. Warum tappen so viele in sie hinein? Gut, dass Putin nicht ihr Feind ist, das ist klar. Putin war nur ein zeitgerechtes Beispiel. Wer aber sind die Feinde, die sie vielleicht anstelle Putins haben? Merkel? Die US-Administration? Die ukrainische Regierung? Menschen die nicht ihrer Meinung sind und sogar gegen ihre Meinung ankämpfen? Waffenfirmen? Ihre geschiedene Ex oder ihr geschiedener Ex? Ihr Chef? Ihr Abteilungsleiter? Ihre Bank? Ihre „blöde“ Verwandtschaft? Der Nachbar…?

Ich sage jetzt mal etwas, was den meisten nicht gefallen wird, aber was wahr ist. Einfache Physik, einfache Psychologie des Vorteils. Werden sie es einsehen? Werden sie danach vielleicht handeln? Wer weiß.

Frage: Welche Eigenschaft haben Feindbilder eigentlich?

Sie haben die Eigenschaft, eine große Menge meiner Energie zu binden. Denn genau das tun sie. Ich fokussiere mich auf den Feind, sauge alles auf, was ihn angeht. Mache ihn genau dadurch stark in mir. Sie wissen ja: „Füttere nicht den bösen Wolf, denn dann wird genau dieser Wolf deiner werden. Füttere den guten Wolf, den lieben friedlichen Wolf.“ Stunden, Tage, gar Monate beschäftigt mich dieser Feind; vielleicht beschäftigen mich sogar mehrere Feinde? -Auh man, was für eine Energieverschwendung!-

Zeit ist Geld, sagt man und Geld ist Energie. Ein bisschen ist daran wahr. Denn was wäre, ich würde die Zeit, die ich dem Feindbild schenke, für mich, meinen Fortschritt und dem Wachstum meiner Familie schenken? Was, ich würde diese Zeit und Energie damit verbringen, meine kleine Welt so dermaßen in Ordnung zu bringen, dass ich sogar etwas davon verschenken könnte? Das heißt, wer sich mit Feindbildern beschäftigt, der verplempert eigene „Lebenszeit“. Ob das denen wohl bekannt ist, die ständig ihre Feindbilder mit einem hohen Maß an Aufmerksamkeit und Ressourcen pflegen? Ist es ihnen klar, dass Feindbildenergien Lebenszeitverschwendungen sind?

Jetzt wird es noch unbequemer! Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Menschen, die Feindbilder für unabdingbar halten und diese ständig pflegen, dass solche Menschen Feindbilder als Ersatzhandlungen für vergangenes Lebensglück pflegen. Nimmt man solchen den Glauben an Feindbilder weg und schenkt ihnen das dazu nötige Wissen aus der Psychologie, dann werden solche Menschen trotzdem an Feindbildern festhalten und sagen: „Alles Blödsinn, was Du da sagst.“

Feindbilder existieren nur aus einem einzigen Grund: Weil du an ihnen glaubst und oder an ihnen glauben willst. Feindbilder können zu Lebenslügen mutieren wenn sie Lücken im Leben stopfen, die nicht mit echten Handlungen für das eigene Leben gefüllt werden.

Wenn Feindbilder hauptsächlich über die Medien in unsere Köpfe eingepflanzt werden, dann ergibt sich daraus noch eine unbequeme Wahrheit: Es muss Medienleute en gros geben, die an Feindbilder glauben wollen wie der erzkonservative Katholik an den Herrgott, die Jungfrauengeburt und das Leiden als Lebenssinn des Diesseits.

Wer fest an etwas glaubt, dem passiert das, was man allgemeinhin eine selbst erfüllende Prophezeiung nennt. In der Psychologie gibt es ein sehr großes Forschungsfeld über den Placebo-Effekt (ich werde gefallen). Das sind selbst erfüllende Einbildungen, von denen ich einen festen Glauben habe, dass es sich so um die eingebildete Sache verhält, wie ich glaube. Aber es gibt auch den Nocebo-Effekt (ich werde schaden). Das ist der Glaube an etwas schrecklichen, schlimmen. An einen Nachteil, der mir ebenso in einer selbst erfüllenden Prophezeiung widerfährt, wie der Placebo-Effekt.

Wie heißt es noch in der Bibel? „Euch geschehe nach eurem Glauben“-Matthäus 9.29. Ohja! So funktioniert unser Gehirn. Die Geschichte lehrt uns, dass die Menschen zu jedem Glaube finden können, welchem man ihnen zu glauben vorgibt.

Wissensstau führt zu Frustaufbau.
Die meisten Menschen, die sich mit dem Leiden dieser Welt beschäftigen, beschäftigen sich mit den Strategien der Mächtigen. Mit Militärstrategien, Geheimdienstaktivitäten, mit Enthüllungen und Geschichtsschreibung. Sie beschäftigen sich nicht oder nur rudimentär mit der Psychologie. Für viele ist die Psychologie bloße „Sozialromantik“, ähnlich der Soziologie. Viele in Geostrategie eingefleischten Führern von Befreiungsbewegungen aller Art schüren oftmals genau ein solches Denken, indem sie ihre Schar einseitig davon überzeugen, das reine Hintergrundinformation oder Enthüllungsjournalismus einzig und allein die Fähigkeiten in sich bergen, den Menschen zum Andersein anzuregen. Das ist in den zahlreichen Bewegungen die größte aller Illusionen. Fast ebenbürtig der mächtigsten Illusionen der Eliten. Denn mehr als kognitive Veränderung kann und kommt dabei nicht heraus: Wissensstau. Was nicht heißen soll, dass die Informationen solchen (zumeist) Journalisten nicht sehr wichtig sind. Sie sind und bleiben ungeheuer wichtig! Aber sie können und werden den Menschen nicht im Verhalten verändern, so dass der Mensch sich ändert oder „die Welt sich ändert“. Auch diese Illusion hat rein gar nichts mit der Informationsfülle an sich zu tun. Sondern einzig damit, dass viel angestautes Wissen reine überkompensierte Energie ist. Und diese muss hinaus, mitgeteilt werden und sie wird mitgeteilt. Jedoch nicht als Ist-Zustand sondern als Information, die die schwierigste Nuss garantiert, knacken zu können. Doch sucht man diese Nussknacker oder nimmt sie beim Namen, so stellt man leicht fest, dass von ihnen die Nüsse nie geknackt worden sind mit solchen Methoden. Sie lüften Vorhänge! Und das in wunderbare Weise.

Nichts was jemals in Kulturen oder Zivilisationen hervorgebracht wurde, haben Kulturen oder Zivilisationen jemals hervorgebracht. Immer waren es Menschen. Menschen erschaffen die menschliche Welt in Hülle und Fülle. MENSCHEN. Alles was Menschen je erschaffen haben, hat niemals den Anspruch eines einzigen Naturgesetzes. Doch MENSCHEN vollziehen allein durch ihren Glauben die Vorstellung, dass es so sei. Fakt aber ist und bleibt, dass die Realität der Menschen eine scheinbare Realität in einer konstruierten Wirklichkeit ohne absoluten Wahrheitsanspruch ist. Der clevere Trick der Altvorderen und der Glaube an ihre unverrückbare Wahrheit war es, der sie niederschreiben ließ, dass wir uns die Erde Untertan machen sollen und alle Geschöpfe einzig unserem Willen untergeordnet sind.

Sei des einen Teil und Du wirst sein Ganzes.
Das war der drohende Todesstoß der Spezies Mensch, der sie sich selbst zufügt, der so treffend und langsam unsere Zukunft bestimmen sollte, wie das Sterben eines Baumes oder, wie es Dirk C. Fleck mit seiner oft gestellten Frage anmahnt: „Was ist die Steigerung von Tod? Die Antwort lautet: ausgestorben.“ Stirbt der Mensch nicht nur. Stirbt er aus?

Nun sind wir am Ursprung aller Feindbilder angelangt. Gottes Wort und Gottes Deutung, Gottes Wille. Wen liebt Gott mehr? Schon sind wir bei Kain und Abel, der Urdeutung eines Feindbildes und dessen wahrhaftigste Deutung selbst. Der Liebe und dessen Entzugsmacht. Sobald ich jemanden mehr Liebe schenke und je mehr ich dabei den anderen dadurch abstrafe, meiner Liebe und Zugehörigkeit nicht würdig zu sein, desto intensiver bilde ich durch eben diese Auslese auch einen Feind. Haben mehrere dieses Feindbild so schweißt dasselbe Feindbild Massen zusammen – wenn man gleichzeitig diesen Massen einen Mangelhinweis offeriert! Feindbilder müssen also die Menschenrechte mit Füßen treten, die Demokratie verachten oder, was am häufigsten wirkt, die Religion ansprechen. Ich nenne das den „Moses-Komplex.“ Es geht dabei um die Auserwählung von Gott als Rechtsnorm und Wertefindung.

Feindbilder schweißen zusammen. Das ist deren Sinn. Sie sind der beste Schweißapparat für Zusammenhalt und Zugehörigkeit. Die Frage aber ist, für wen? Denn, um langsam zum Ende dieses Textes zu kommen, was steht denn alles zwischen dem Feind und dem Bild, dass ich mir zum Feindbild mache? Der Konkurrent, der Angreifer, der Kombattant, der Wettbewerber, der Streiter, der in allem andere Mensch selbst. Sind das alles unisono meine Feinde? Meine Feinde bestimme ich. Und ich kann mich so trainieren, dass ich begreife, dass all diese Menschen, die mir nichts Gutes oder gar Böses wollen, dass ich aus ihnen keine Feinde mache. Die Entscheidung dazu habe ich, weil ich sie treffen kann. Und damit habe ich etwas, was Angela Merkel uns allen vorenthält. Eine Alternative. Die habe ich nämlich immer!

„Wenn Du gegen einen Feind kämpfst, beobachte Dich dabei ganz genau. Was fühlst Du dabei, was erkennst Du dabei? Wo wohnt der Feind, den Du bekämpfst, während Du ihn bekämpfst? Selbst wenn Dein Nachbar Dein Feind ist, so blähst Du dieses Feindbild auf, sobald Du auf den Feind eingehst. Was Du in Dir nährst, das wirst Du werden. Nähre das Gute oder nähre das Böse. Nähre den Feind oder den Frieden. Das ist der Trick: Nähre immerfort des einen Teil und Du wirst sein Ganzes.“

Unsere Gehirne werden zu dem was wir tagtäglich, rund um die Uhr machen. Von vorgeburtlichen Ereignissen nicht ausgeschlossen entwickelt es sich zu dem, was wir am häufigsten Tun und was wir am intensivsten Fühlen. Wir alle sind die die wir sind nicht etwa deswegen, weil unsere Gene uns zu dem gemacht haben. Das ist altes und heute unhaltbares Wissen. Die Gene sind zu Beginn unserer Ontogenese nichts weiter als Gerüstlieferanten für die Struktur, ein Mensch werden zu können. Erst später kommen weitere Funktionen hinzu. Entscheidend aber ist, dass die Gene immer nur in Wechselwirkung mit der Umwelt schöpferisch tätig werden (Epigenetik) und für Veränderung durch Selbstgestaltung stehen (Willenssteuerung). Du bist auch dein Gestalter.

Ich finde das hat etwas Schöpferisches. Und wenn wir unsere Energien so lenken und die Disziplin dazu erübrigen, unserem wirklichen Wollen zu folgen, ihn zur Gestalt werden lassen – durch unablässiges Tun, immer und immer wieder, dann können wir Berge versetzen. Und nur so kommen wir aus den Fallen heraus, die uns die Mächtigen als Feindbilder einzupflanzen versuchen. Schauen wir ständig dorthin, zu den Feinden, dann werden wir Feinde bekommen und viel Energie an sie verschwenden, weil wir sie für eine reale Bedrohung halten. Feindbilder aber haben den Zweck, den Willen und die Handlungen machtvoller kranker Menschen zu legitimieren; und nur dafür sollst du dich missbrauchen lassen und an den Feind glauben. Angst ist das Geschäft und das Mittel des Glaubens an Feindbilder. Auf Dauer werden wir sogar davon unumstößlich überzeugt sein, dass Feinde zum Leben ganz und gar dazu gehören. Dem ist aber nicht so.

Feindbilder sind sehr gelungene Illusionen des Geistes. Feinde machen wir uns selbst indem wir ihnen eine zu hohe Aufmerksamkeit schenken. Eher ist es so, dass wer unumstößlich an Feindbilder glaubt, dass so jemand einer zu hohen Aufmerksamkeit auf etwas auf den Leim gegangen ist, für den dieser Glaube dann sogar etwas Lebenswichtiges darstellt. Wenn beispielsweise Menschen beruflich sehr stark eingebunden sind in ihrer Tätigkeit, sich mit Feindbildern zu beschäftigen, dann KANN dies zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung werden und Feindbilder werden dann als real in der Welt subsumiert. Ein Dagegensein wird dann automatisch als Feind wahrgenommen. In Wahrheit aber ist dieser Feind bloß einer anderen Auffassung von seiner Person und seines Standes in der Mitwelt. Man kann hier in der Psychologie von einem uns allen betreffenden Krankheitsbild des Geistes und der Seele sprechen, der Normopathie. Der Krankheit also, das für normal zu halten und daran festzuhalten, dass Feindbilder völlig normal sind und wir sie sogar primär in unserer Phylogenese benötigen. Das wir sie dann in unserer Ontogenese selbst erwecken, ist das schizoide daran.

Destruktive Energien, also auch Feindbilder, gleichen seelischen Sondermülldeponien. Wer keinen solchen Sondermüll zu produzieren versteht, wer ihn auch nicht anzunehmen versucht, der braucht auch nicht die Energien darauf zu verschwenden, sie irgendwie wieder loszuwerden. Für diesen Unfug ist die eigene Lebenszeit zu kurz und zu kostbar. Lieber sollten die Menschen diese Energie in ihr Lebensglück investieren, um ganz genau zu dem zu werden, was sie sich von der Welt und sich erhoffen. Feindbilder gleichen üblen Geistern in den Köpfen derer, die sich von ihnen verzehren lassen. Feindbilder sind vor allem eine Deoptimierung der eigenen emotionalen Intelligenz.

Fazit: Wenn du glaubst, dass du es weißt, so weißt du, dass du es glaubst, aber weißt gar nichts wirklich. Hingegen wenn du weißt, dass du glaubst, so glaubst du noch immer zu wissen, was du nicht wissen kannst. Entscheide dich also dafür zu wissen, dass Feindbilder keinen realen Bezug zu deiner Welt und zu deinem Wirken darin haben. Lass sie nicht in deine Welt. So wirst du frei sein von den Dämonen und Geistern derer, die dich davon überzeugen wollen, dass ein Leben ohne Feindbilder zu leben, einer unrealistischen Vorstellung entspringt. Von einem schlechten Psychologen sagt man, dass Klienten von ihm sein Weltbild übertragen bekommen. Kann man das nicht auch über schlechte Medien und schlechte Politiker sagen: das man deren Weltbildfeinde übernimmt?

Weigere dich einfach, selbst ein Feindbild für andere zu werden. Weigere dich, Feindbilder anzunehmen und schon wird daraus etwas mehr Friede: Wir weigern uns ganz generell, gegenseitige Feinde zu werden. Das wäre ein Schritt in eine bessere Welt.

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