Wir, D. Trump und die Einheit der Gegensätze

Von Bernhard Trautvetter.

Trump und die Einheit des Unvereinbaren

Antagonistische Widersprüche, etwa als das Aufeinandertreffen von Prozessen, die sich gegenseitig ausschließen, das gehört zum Alltäglichen einer Zeit, in der die Krisenmanager der Weltpolitik mit ihrem Latein immer sichtbarer am Ende sind und zugleich um das Vertrauen der Menschen ringen, die z.T. als Wählerschaft angesprochen werden, die sie zu verdummen versuchen, damit die Menschen nicht merken, was ihnen und dieser Welt durch die gegebenen Machtverhältnisse widerfährt.

Alles dafür tun, die Wasserstoffbombe nie einzusetzen, doch: Wofür produzieren wir sie denn?

Trump erklärt militärische Nuklearpotentiale für furchtbar und kündigt an, dass er als Präsident alles tun wolle, ihren Einsatz zu verhindern.

Er will zugleich die Option des Einsatzes von Nuklearbomben “nicht vom Tisch nehmen”, und er untermauert diese Position mit der Frage ‘Warum stellen wir sie sonst her?’. Das Interview mit dieser Position findet man bei Youtube (ab Minute 6). In diesem Interview bezeichnet Trump die NATO als obsolet. Gegenüber, was B. Obama in Athen verlautbarte: “Ich bin zuversichtlich, dass so, wie Amerikas Bekenntnis zur transatlantischen Allianz sieben Jahrzehnte gehalten hat – unter demokratischen und republikanischen Präsidenten – dass dieses Bekenntnis auch in Zukunft gelten wird” (…) “Das gilt auch für unser Versprechen und unsere Bündnisverpflichtung, jeden Verbündeten zu verteidigen”.

Rassismus des Präsidenten aller Amerikaner

Trump möchte nach Worten, die er als Sieger der landesweiten Wahlen am 9. November 2016 äußerte, der Präsident aller Amerikaner sein; versöhnliche Worte nach so ganz anderen, in denen er z.B. Rassismus begünstigt hatte, etwa als er über Latinos sagte:

“Sie bringen Drogen, Verbrechen, Vergewaltiger (…)”. Trump hatte in einem NBC-Interview gesagt, dass >>illegale Immigranten<< “gehen müssen”. Familien würden nicht auseinandergerissen, “aber sie müssen gehen”. So will er z.B., dass alle in den USA straffällig gewordenen Ausländer in die Länder, aus denen sie gekommen sind, zurückgeschickt werden. Wie sich straffällig definiert, das fängt bei Kleinst-Gesetzesverstößen an. Der Rassismus im Polizeiwesen der USA, der schon zu heftigsten Unruhen gegen Ungerechtigkeit geführt hat, hat eine lange Tradition: Angela Davis hat dazu schon vor einigen Jahrzehnten gearbeitet: Bespiele überfüllter Gefängnisse, in denen vor allem farbige Bürger oft ohne rechtsstaatliche Verfahren überwiegegend weißen Aufsehern und deren Brutalität gegenüberstehen. Beispiel: Der Spiegel-Titel machte in dieser Ausgabe 1971 mit der Frage auf: “Faschismus in Amerika?”. Auch die Regelung, wonach in den USA geborene Kinder >illegaler< Immigranten per Geburt im Land die Staatsbürgerschaft erhalten, will Donald Trump abschaffen.

Inzwischen kommen auch hierzu Erklärungen des Zurückruderns vom designierten Präsidenten, wenn er etwa die Ausschaffung dieser Menschen auf einen Bruchteil der Gesamtgruppe beschränken will. Anfangs ging es seinen Worten zufolge um 11 Millionen Menschen.

Rassismus untergräbt Demokratie auch außerhalb der USA

Angesichts des Rassismus Trumps wundert es nicht, wenn die AfD Berlin postet: “Wir sind Präsident!” .

Der Landesvorsitzende Pazderski macht sich zwar diesen Spruch von der Website nicht zu eigen, betont aber, Trump sei auf dem richtigen Weg.

Trumps Chefstratege wird der ultrarechte Steve Bannon. Seine Internet-Site >>Breitbart<< ist bei der Themenauswahl und vor allem in den Kommentaren von Hass-Ausbrüchen durchzogen und immer wieder rassistisch, homophob, gewaltverherrlichend. Der frühere “Breitbart”-Redakteur Ben Shapiro, der die Seite im Streit verließ, konstatiert: “Trump hat keine Grundwerte, und ich glaube nicht, dass Steve welche hat.”

Die Website öffnet den User*innen auch die Selbst-Überprüfung, ob sie ‚strategische Denker‘ sind mithilfe eines Militär-Spiels, das damit für die User*innen beginnt, dass sie sich erst einmal einen Namen als Commander zu geben haben.

Militarismus, Nationalismus (America first), militärisches Denken, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, eine Mischung, die nun weltweit ausgreift: „In den vergangenen Wochen hat das rechtspopulistische Medium Breitbart verstärkt Aufmerksamkeit genossen (…). Mit dem Sieg Trumps will das Medium nun in den USA expandieren, außerdem soll es bald Niederlassungen in Europa geben, wie Chefredakteur Alexander Marlow der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Bereits im August hatte die US-Nachrichtenseite Politico von den Plänen berichtet, die nun konkret sind. Marlow sprach von Standorten in Deutschland und Frankreich. Redakteur Milo Yiannopoulos habe sich bereits mit Produzenten getroffen, um eine neue TV-Show zu planen. Der Journalist war wegen seiner Bemerkungen über Muslime, Aktivisten von Black Lives Matter und Feministen scharf kritisiert worden. Zudem wurde Yiannopoulos von Twitter gelöscht, nachdem er Schauspielerin Leslie Jones rassistisch und sexistisch beleidigt hatte.“ (Die Zeit, 10.11.2016, s. Zeit-online)

Wir erleben hier eine Entwicklung, die an die Zeit Berlusconi erinnert: Der superreiche Medienmogul bewegte sich als vermeintlich starker Mann über den Gesetzen, kontrollierte nicht nur sein Medienimperium, sondern immer mehr auch staatliche Sender wie RAI und befand sich im Bündnis mit Neofaschisten.

Unser Lebensraum auf der Erde hat keine Zeit für zur Schau gestellte Dummheit

Donald Trump glaubt nicht an den Klimawandel, wie er sagte, und er begründete es so: “Wetter ändert sich nun mal. Es gibt Stürme und Regen und es gibt schöne Tage.” (laut CNN + n-tv vom 25.9.2015). Es geht bei der Klimakatastrophe um Wüstenausdehnung, Polkappen- und Gletscherschmelze, ungewöhnliche Wetterkatastrophen wie Hurrikane als signifikant zunehmende Ereignisse u.a. durch die Zunahme der Ozean-Temperatur und der Wasserverdunstung. Das Verniedlichen ist ein Lächerlichmachen der Kritiker. Es kommt bar jeder Wissenschaftsbezüge aus, offeriert einfache Lösungen und birgt die Gefahr in sich, dass die Menschheit den vielleicht noch vor uns liegenden ökologischen Point of no return verpasst, den Punkt, ab dem es keinen Notausgang für die Menschheit auf Erden gibt.

Zusammenwachsen von staatlichen Elite-Angehörigen, ökonomischem Reichtum, Medienmacht, Militarismus

Die Demokrat*innen sind weltweit herausgefordert, die Widersprüche in der Klasse der Kapitalmogule (Reichtum und Medienmacht) und ihrer Zu-Arbeiter in Politik und anderen mit der Macht verwandten Sphären der Gesellschaft aufzudecken und zu nutzen, wie das auch mit Trumps Worten zur NATO schon begonnen hat.

Und wir sind gefordert, alternative Medien weiter auszubauen und das Netz nicht den Feinden der Menschheit zu überlassen, sondern für das Leben zu nutzen. Dafür sind Seiten wie diese hier, die Nachdenkseiten und andere unverzichtbar.

Wir wissen: „Ein scharfer Verstand ohne ein weiches Herz ist kalt und lässt Leben in ständigem Winter erstarren (…)“, Martin Luther King.

Wir stehen vor der Verantwortung, unsere Beiträge einzubringen auf Seiten des Lebens, das die globalen und zeitlichen Horizonte mit dem Hier und Jetzt verbindet: Was ich jetzt (nicht) tue, wirkt sich vielleicht über die aktuellen Horizonte letztlich weltweit und über die zeitlichen Horizonte auf mögliche Nachfahren unserer Generation aus. Das ist die Basis, die von der Ehrfurcht vor dem Leben ausgehend klar hat: Die Menschheit mag verschiedene Heimatländer, Kulturen und Überzeugungen haben. Sie hat nur eine gemeinsame Zukunft oder keine. Das Leben will, dass Leben überlebt. Dafür lebt es. So hat es sich bisher durch alle Antagonismen, Verrücktheiten, heiße und eisige Zeiten bis zu unserer Zeit hin entwickelt. Bis zu uns.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

Fotohinweis: wikimedia.commons.org, Author: Transition 2017, Lizenz CC BY 4.0

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