Wir danken der Regierung! | Eine Satire von Anselm Lenz und Batseba N’Diaye

Eine Satire von Anselm Lenz und Batseba N’Diaye, Herausgeber der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand.

Quatsch, den Demokratischen Widerstand hat es nie gegeben. Wir feiern zum Tag der Deutschen Einheit 71 Jahre menschliches Leben unter dem Grundgesetz in unserer Bundesrepublik Deutschland. Durch eine glückliche Fügung haben wir die Ehre, heute unter der besten politischen Führung aller Zeiten zu leben.

In der Hauptstadt erstickt der ewig gestrige, gegenwärtige und zu erwartende Friede, eingeschläfert von der Abwesenheit jeglichen Aufbegehrens und dem bedingungslosen Konsens der Bevölkerung. Demokratieprobleme gibt es nur im Ausland, zum Beispiel in Minsk. Ein Picknick im Frieden, wilde, ausgelassene Tänze in durchgeistigter Glückseligkeit und Gesang unterstreichen die schlichte Gleichgültigkeit, mit der wir uns, hier bei uns, nur zu gerne und vorbehaltlos freiwillig der staatlichen Fürsorge unterwerfen.

Wir lieben diese Regierung, dafür steht die deutsche Demokratiebewegung seit 28. März 2020 ein. Dem Hofnarren der strahlengekrönten, ewigen Mutter ward diese Woche im Schlosse Bellevue deshalb eine milde Segnung in Form des Bundesverdienstkreuzes zuteil.

Aus den Reihen der niedrigsten Diener, hinter einer neckischen Geste schelmischer Koketterie ungeschickt kaschierter offener Bewunderung, unter dem vielstimmigen Jubilus kreischender Trillerpfeifen, wird ihm für seine Beglückungen die rote Clownsnase verliehen: »Wiglaf Drosten, er lebe dreimal hoch!«

Die Siegesfeier durchdachter, ausgewogener und vom niedergehenden Imperium unabhängiger Politik findet am Vortag der deutschen Einheit auf der Bundestagswiese statt. In den letzten Tagen gab es bereits vorab eine Reihe unkritischer und langweiliger Ereignisse. Die totalitäre Harmonie im Lande macht unsere Berichterstattung nun wirklich überflüssig.

Am Sonntag das »PanCoronale Picknick« im Berliner Tiergarten, die regelmäßige Tanzveranstaltung _Social is Dancing_ am Spreewaldplatz gegen in Sachen Corona-Regime. Tagsüber kam es zu spontanen Protesten an den britischen Botschaften gegen die illegale Verhaftung des Mitgründers der _Ärzte für Aufklärung_, Heiko Schöning in England. Die Proteste fanden in Berlin und  in vielen anderen Städten weltweit statt. Schöning ist mittlerweile wieder frei.

Am vergangenen Montag dann die Bürgerinitiative Nachbarschaftsdialog unter dem Motto: »9 Monate Corona — lasst uns reden!« an der Ecke Wilmersdorfer Straße und Goethestraße. Am Abend folgte die Mahnwache an der Siegessäule.

In diesen Tagen finden weitere Versammlungen zur Verherrlichung unserer Mutter im Strahlenkranze in Berlin statt. Dies in dem verzweifelten Versuch, den Unisono-Chor gleichlautender Meinungen jeweils mit einer weiteren kraftvollen Stimme zu untermauern: Am Donnerstag, den 1. Oktober. Die _Peaceparade_ mit Zeltcamp am Tiergarten und Umzug (berlin-peaceparade.net). Von 10 bis 14 Uhr wird wiederum Dr. Drosten die rote Clownsnase verliehen vor dem Schloss Bellevue (freedomparade.de). Die genannte Peaceparade könnte spontan hinzustoßen.

Am Freitag: die Demokratiebewegung »Nicht ohne uns« gemeinsam mit Querdenken und wiederum der Freedom Parade laden ein zum Kinder- und Familienfest. Der vielseitige Titel: »Unsere Verfassung: gestern, heute, morgen.« Beginn wird um 15 Uhr auf dem Platz der Republik vor dem Bundestag sein. Es sprechen unteren anderem Anke Wolff, Gewerkschaftsführerin von demokratischegewerkschaft.de, Michael Ballweg, dem Initiator von Querdenken und einem der ersten Wortführer der Demokratiebewegung, Uli Gellermann mit dem Verein für Volksverfassung, und viele andere mehr.

Zum Schluss wird am Abend zur besten Tagesschau-Zeit ein kämpferischer Treck zur Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ziehen, wo die überbezahlten Berufspolitikertöchter und -söhnchen von der rechtsradikalen Linkspartei von sich selbst befreit werden. Die Peaceparade könnte wiederum spontan dazu stoßen.

Am Samstag dann der Große Spaziergang als Reminiszenz an die Hygienedemos für das Grundgesetz, um 10:30 Uhr wird der Treffpunkt Unter den Linden sein, die Ankunft auf der Straße des 17.Juni dann rund 15:30 Uhr. Die Freedom Parade Nr. 13 feiert sodann 30 Jahre Deutscher Einheit am Boxhagener Platz ab 13 Uhr, der Umzug zum Brandenburger Tor beginnt um 14 Uhr.

Dann die _Peaceful Revolution 1989+2020_ von 15:00 bis 21:00 Uhr an der Siegessäule. Am fernen Bodensee bildet sich derweil die längste Menschenkette der europäischen Geschichte. Und schon heute folgt der Hinweis auf den Schweigemarsch »Wir müssen reden!«, am 10. Oktober (der-schweigemarsch.de).

Und dies ist nur eine kleine Auswahl; die Athletinnen und Athleten vom _Sportfest Schwarz-Rot-Gold_ wollen an zentralen Sportstätten und Medienhäusern etwa in der Nacht des Tags der Deutschen Einheit durchweg zeigen, was sie können — und das unter herbstlichen Flutlichtbedigungen.

In dieser Liste fällt eine beunruhigende Pluralität ins Auge. Gleichzeitige und räumlich benachbarte Veranstaltungen sollten sich dringend zusammentun, und der vorherrschenden Einheitsmeinung anschließen. Denn schließlich haben wir dankbar zu sein, unter der besten Diktatur aller Jahrhunderte leben zu dürfen. Das zu lobpreisen versammeln sich die Demokratinnen und Demokraten.

Denn Frank-Walter Steinmeier, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel sind überhaupt gar keine Kriminellen. Sie sind seriöse Politiker, die das Grundgesetz einhalten und in jeder Minute ihres Arbeitslebens Schaden von uns abwenden.  Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Wir schätzen uns glücklich, solch wunderbare Menschen an der Spitze unseres Staatswesens zu wissen. Unsere Demokratie ist so intakt wie noch nie. Besonders die Menschenwürde ist auf dem Vormarsch.

Die westlichen Demokratien sind auf dem Gipfel ihrer Glaubwürdigkeit. Sie sind so dermaßen glaubwürdig, dass sie sich sogar deutlich von rechtsextremen Tyrannen unterscheiden! Besonders deutlich unterscheiden sich von linksextremen Beglückern. Denn Verfassungstreue steht ihnen allen ins ganz persönliche Grundbuch geschrieben!

Sie sind im Wesentlichen ganz oben. Wie der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Der gelernte Bankkaufmann und Experte für lange Saunanächte hat sich in den letzten Wochen eine neue Villa zugelegt. Es ist laut Pressemeldungen ein Hochsicherheitstrakt für vier Millionen Euro in Berlin-Dahlem mit schickem Spa-Loft, in dem zuvor der ehemalige amerikanische Botschafter Richard Grenell verkehrte. Das Anwesen ist gut eingemauert und wird standesgemäß von unserer Polizei bewacht.

Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Recht so!«

Frieden, Wissenschaftlichkeit, Humanismus! Das sind die Devisen unserer demokratisch gewählten Volksvertreter. Es handelt sich keinesfalls um Lügner oder präfaschistische Tyrannen, die mit uns Gott spielen. Wer so etwas behauptet, ist rechtsradikal. Denn die Regierungsbehörde Robert-Koch-Institut (RKI) mit ihrem top-seriösen Bundesverdienstkreuzträger Christian Drosten steht mit ihrer Meinung gar nicht alleine da. Drosten ist ein Halbgott in Weiß, er weiß Bescheid.

Bei Corona handelt es sich um eine schlimme Seuche. Das sagen nun wirklich alle, die auch nur ein einziges Mal ein das Thieme-Handbuch Virologie in Händen hielten– und Drosten hielt es einmal in Händen. Unsere Regierung sagt uns die Wahrheit, jeden Tag, und das seit über sechs Monaten. Der Sars-Cov-2-Virus ist völlig neuartig, hoch infektiös und das auf nie zuvor dagewesenen Wegen. Zudem sogar noch viel gefährlicher als ein Grippeinfekt!

Es ist wirklich wichtig, die Menschen einzusperren. Wenn es sein muss, jahrelang oder gar für immer. Wenn Menschen verschwinden, bleibt immerhin deren _Timeline _im Netz zurück. Sie brauchen wesentlich mehr Kontrolle in allen Lebenslagen, immer und überall. Jedes Detail muss der Regierung, den Internetkonzernen und der Pharmalobby bekannt sein, damit sie über uns Bescheid wissen.

Jetzt heißt es: Blind vertrauen, sich führen lassen, sich fallen lassen, ja, sich fügen!

Das wunderbare Mitgefühl unserer Herrscher gilt insbesondere alten Leuten, gebärenden Frauen und Neugeborenen. Wir danken der Regierung ganz besonders dafür, wie fürsorglich sie unsere Kinder behandeln lässt. Es ist wichtig, dass sie in Kindergärten und Schulen gezeigt bekommen, was Angst bedeutet. »Maske auf, Kreise ziehen, sonst kommt der Schutzmann zu deinem Schutz!« Schließlich ist die Corona-Regierung gar kein Horrorregime, sondern eine Segnung für alle Menschen, besonders fürs Volk! Ein Gesundheitsüberwacher ist schließlich kein Blockwart, sondern ganz lieb!

Das alles geschieht zu unserem Besten und dafür danken wir. Wir freuen uns auf die _Neue Normalität_, die wir von diesen wunderbaren Menschenfreunden geschenkt bekommen sollen! Wir können schon heute gar nicht genug davon haben, wir können es nicht erwarten, wir empfinden Liebe. Wir preisen die zweite Welle, denn wir bringen unserer Führerin jedes Opfer! Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Besonders stolz sind wir auf die Arbeit der Qualitätsmedien. Die Nachrichtenillustrierte Der Spiegel hat für ihr e Corona-Berichterstattung sogar über 2,3 Millionen Euro vorab überwiesen bekommen. Wir danken dem Computerprofi und Konzernmagnaten

Bill Gates, dass er der notleidenden Presse in Deutschland mit seiner Gates-Stiftung geholfen hat — sie liefert wie bestellt!

Unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten machen herausragende Arbeit und werden ihrem gesetzlichen Auftrag, wie er im Rundfunkstaatsvertrag und im Pressekodex geregelt wird, vollumfänglich gerecht. »Chapeau!«, rufen wir der Qualitätsfresse zu, wir sind nur ein bißchen neidisch, dass wir nicht so gut sind. Kleinmütig bekunden wir heute: Den _Demokratischen Widerstand _hat es nie gegeben! Auch die

Millionen Demokratinnen und Demokraten bei den großen Augustdemonstrationen hat es nie gegeben! Wären wir doch nur ein bißchen netter zu den Chef*innen gewesen, dann hätten wir heute vielleicht auch solch ein schönes Büro und tolle Kontakte zu Wirtschaftskonzernen, Lobbies und der Politikerkaste wie die hochintelligente Edelfeder Georg Mascolo! Wer braucht schon die Unterstützung von tausenden Medizinern, Juristen und dem gemeinen Volk?

Es ist uns allen eine Ehre, die ausgezeichneten Leitmedien konsumieren zu dürfen. Besonders unter Corona sind sie unabhängig, überparteilich und einzig und allein den Zuschauern und der wahrheitsgemäßen Information verpflichtet!

Und die Wahrheit ist nunmal, dass unsere Regierung, Pharmakonzerne und das liebe Imperium es eben so wollen. Und darüber werden wir informiert. Dafür haben wir uns zu bedanken und sonst gar nichts. Jeder einzelne daran beteiligte Journalist ist ein Glanzstück seiner Branche, ach, des ganzen Menschengeschlechts!

Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!« 

Nur für sie ziehen wir uns Masken über die Ohren, über das GemächtÜber die Füße, ach, wir tragen ganze Giftgasmonturen, denn unseren täglichen Drosten sendet uns heute. Ein Taliban-Regime ist nichts dagegen, so sehr verschleiern wir unsere Männer und Söhne für die Führerin und ihre Hofschranzen.

Doch am allermeisten freuen wir uns auf die Impfung, der vielleicht mit einem kräftigen Zwang nachgeholfen werden muss. Aber was sein muss, das muss schließlich sein! Der bereits seit Wochen vorliegende Impfstoff auf Basis bekannter Grippeimpfungen, den Rußland der Welt kostenlos anbietet, kommt für uns leider nicht in Frage. Wir warten auf das genverändernde Original aus dem Westen und möchten davon richtig viel gespritzt bekommen. Wir vertrauen Bill Gates, denn er ist ein guter Freund unserer geliebten Führerin.

Angela Merkel ist eine Christin. Und sie ist eine Demokratin. Überhaupt sind unsere lieben Führer sehr gebildete und feine Leute, das sieht man ihnen sofort an. Wahrheit, Weisheit und Verstand sprechen aus ihren ihren Gesten, aus ihren Stimmen, aus ihrer charismatischen Präsenz.

Niemals sahen wir sie in unseren Straßen. Sie haben etwas Übersinnliches an sich, sie erscheinen auf Bildschirmen und scheinen sie zugleich zu überragen wie Hologramme.

Ihre Warmherzigkeit ist weltberühmt. Wir sind dankbar unter dem Licht ihrer Sonne leben zu dürfen, jeden Tag. Die Regierung hat das Mandat, mit uns alles zu machen, was sie will. Wahlen sind dazu da, dem Machtapparat in allen Farben zu huldigen: Christlich, Sozial, Liberal, grün, links und alternativ. Wir leben wie die Maden im Speck einer verendenden Ratte in einem Paradiesgarten unter dem ewigen Regenbogen!

Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Lasst uns tanzen, aber bitte jeder für sich! Haltet Abstand und das Gesangsverbot ein! Lasst uns unsere Unterwürfigkeit in jedem Moment in Einsamkeit deutlich machen. Die Masken mögen unsere Gesichter entstellen, aber sie sind eben erst die vorläufige Endlösung an unseren Körpern. Ja, sie sind nur die Warnung, dass wir, wenn wir nicht gehorchen, einfach vergiftet werden und sterben. Und das will doch keiner, oder? Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Überhaupt sind wir unseren Herrschern in untertänigster Dankbarkeit ergeben, dass sie uns an die Endlichkeit unseres Daseins auf der Erde erinnern. Jeder Mensch muss einmal sterben, ob er nun ein erstklassiger Mensch ist, wie die Hohepriester unserer Führerkaste, ein zweitklassiger Mensch, wie die Speichellecker und Hofschranzen, die ihnen täglich zunicken und alles tun, was sie verlangen, oder ein drittklassiger Mensch, wie wir vom gemeinen Volk es sind, die wir leider alle rechts, also unmodern sind — oder gar ein viertklassiger Mensch wie die Tagelöhner und die vom Imperium Ausgebombten im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika. Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Das Imperium rief und alle, alle kamen! Wir preisen unsere Herrscher, denn sie sind die gütigsten, die es jemals gegeben hat. Sie sind so großartig und reinen Herzens, so schöpferisch und fein, dass wir hoffen, sie mögen in alle Ewigkeit leben. Die Gentechnik kann an uns ausprobiert werden, wenn es nur den Herrschern nützt. Auch möchten wir uns gerne technische Apparaturen in die Körper einsetzen lassen. Über unseren Nachwuchs entscheidet die Kaste! Experimente und Operationen lassen wir sehr gern an uns vornehmen, wenn es nur unseren lieben Führern dient!

Unsere tägliche Maske setzt uns heute auf, auf die Ohren, über das Gemecht, über Mund, Augen und Nase. Oh, Götter des Himmels und der Erde, oh weise Führer unseres Planeten, die Ihr uns Jahrzehnte des Glücks bescheret habt und uns nun zum Dank für Eure Geduld unserer überflüssigen Existenz auf Erden nun in Eure neue Epoche mitnehmt, die Epoche der Neuen Normalität!

In unseren kühnsten Träumen hätten wir uns nichts Schöneres ausmalen können. Oh, habet unseren zutiefst empfundenen Dank für Eure Toleranz, Eure Weisheit. Wir sind Unwürdige, ja Würdelose, Ihr seid würdevoll und reinen Herzens. Ihr seid einfach die besseren Menschen.  Ihr seid die Demokratie, und zwar Ihr persönlich, leibhaftig. Wer wären wir, Eure heiligen Wege in Frage zu stellen? Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Nur für Euch!«

Niemand anderes als unsere Führer sind berufen, uns ins Glück zu führen, über uns zu bestimmen. Wir leben nur für sie. Wir empfinden unendlichen Dank für die große Verantwortung, die sie für uns Schwache und Würdelose übernommen haben. Wer wären wir ohne sie? Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Oh, führet uns, führet!« 

Wir wären nichts als unbeseelte Körper, nichts als leere Seelen, nichts, nichts, nichts. Unsere Leben bekommen durch unsere Führer erst ihren Sinn, eben als das, was sie sind: Anhängsel einer heiligen Maschine der Führerkaste, als unterste aller Diener, als Fleisch und ein paar Hirnzellen, die zum Gefallen unserer Herrscher auf Erden sind.

Wir sind hier, um der Führerkaste zu gefallen. Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Nehmt Euch uns!«

Oh, ja,  und mehr noch: Sie sind leibhaftige Götter. Sie navigieren uns sicher über den Styx. Ja, nicht nur über unser Leben, ja auch über unseren Tod sollen sie gebieten. Oh ja, wir wollen digital leben und digital sterben, unsere Körper sind unseren neuen Göttern doch nur Belästigung. Wir leben für sie, wir leben durch sie, wir leben zu ihren Gnaden. Unsere Körper sollen sie haben. Wir sterben für sie.

Denn sie wissen, was sie tun. Ihre Weisheit überragt die irdische Existenz. Ihre Gnade gibt Leben und nimmt das Leben. Oh, Herrscherkaste, weise uns unsere Plätze zu! Verglichen mit einer Merkel, verglichen mit einem Gates sind wir doch nur elende Krüppel. Ihr Erfolg ist gottgewollt, ja, es beweist sich doch jeden Tag! Wer uns entwürdigen kann, muss selbst die größte Würde und die höchste Kompetenz haben!

Der Beweis erbringt sich jeden Tag aufs Neue.

Jeden Tag, an dem die gnädige Tyrannenkaste über uns herrscht, jeden Tag, an dem der gottgleiche Souverän den Ausnahmezustand verlängert, jeder Tag, an dem die Diener der Götter uns unsere Unwürdigkeit verdeutlichen, bestätigen wir die Richtigkeit der Neuen Normalität.

Jeder Tag des Verfassungsbruchs durch die Gottkaste ist ein Tag in der Neuen Normalität. Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Jeder Tag, an dem wir uns nicht wehren, ist ein Tag, an dem wir die den neuen Gottstatus unserer lieben Führer bestätigen. Ja, wir wollen es

  1. Wir werden das pure Vertrauen haben. Ja, wir werden von unseren lieben Gottführern ins Paradies geführt werden. Denn ihr Erfolg ist unser Beweis dafür, dass wir doch nur Kinder sind, die erzogen werden müssen und dass unsere Kinder das Eigentum der Gottführer sind.

Was ist schon Dein Kind gegen einen Schäuble? Dein Kind muss frühzeitig lernen, was ein Musterdemokrat ist und wie in der Neuen Normalität gehorcht wird. Das Überleben ist nicht selbstverständlich, es ist ein Geschenk des Imperiums, des Olymps. Was ist schon eine Supermarktkassiererin gegen Merkel? Man schaue sich nur einmal an, wie fürsorglich unsere Gottführerin uns seit 15 Jahren durch alle Schwierigkeiten bringt. Sie ist eine Gottdemokratin.

Und Steinmeier, der oberste Gottführer unserer Gesellschaft ist nicht nur schön, er ist auch einer der angenehmsten Gottsozialdemokraten. Er tat soviel für den Apparat, den wir so sehr schätzen. Er durchlief wie ein konfuzianischer Gottheld jede einzelne Stufe seines Aufstiegs im Staatsapparat — bis an die Spitze der Gottführerdienerkaste! Zwischenzeitlich erfand er sogar die Hartz-Gesetze, dank derer es uns heute »doch noch so gut geht«. Steinmeier ist sogar unter den Götterdienern noch göttlicher als andere Diener. Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Danke!«

Wir danken unseren lieben Führern. Wir danken unserer Führerpresse.

Wir danken, wir danken, wir danken. Wo wären wir nur ohne Euch?

Womöglich wäre es ohne Eure großartige Führung gar nicht zur Corona-Lüge gekommen? Man stelle sich vor, wir hätten gar nicht die Gnade, unter dieser Gottkrone der Schöpfung leben zu dürfen, dieser höchsten Knospe der schönsten Blüte alles Irdischen?

Man stelle sich vor, unsere erleuchteten Gottführer hätten uns in ihrer unendlichen Wahrhaftigkeit, in ihrer allumfassenden Vernunft, ihrem großzügigen Wesen, ihrer famosen Intelligenz und ihrer erlauchtesten Seriosität, ihrem erlesensten Sachverstand, dieser unendlichen Ehrlichkeit und Warmherzigkeit, man stelle sich vor, diese wundervollen feinen Gottwesen hätten uns nicht zu Corona geführt?

Wo wären wir dann hingekommen? Nein, wir haben unseren unendlichen Dank zum Ausdruck zu bringen. Wir haben unsere Opfer darzubringen, unsere Kinder anzubieten, unsere Körper und unsere Seelen. Und nun lasset uns beten für unsere selbsternannten Gottführer, denen wir so unendlich dankbar sind, deren Taten wir sosehr bewundern und deren Präsenz für uns alle doch eines ist: Eine große Erlösung und eine große Ermutigung, eines Tages zumindest einmal von ihnen bespuckt zu werden.

Unsere Gottführer haben für ihren Erfolg ehrlich gearbeitet, bis sie zu höheren Wesen aufgestiegen sind. Sie sind nicht durch Zufall zu Göttern geworden, sondern weil sie Auserwählte sind. Auserwählte sind sie, weil sie erfolgreich sind. Erfolgreich sind sie, weil sie etwas Besseres als wir sind. Etwas Besseres als wir sind sie, weil wir etwas Schlechteres sind. Wir sind etwas Schlechteres, weil wir machtloser sind. Denn wären wir so mächtig wie sie, dann würden wir ja jetzt Gottführer sein. Wir sind aber keine Gottführer, sondern unsere geliebten Tyrannen sind Gottführer. Sie haben sich selbst gekrönt: Corona!

Ein Leben ohne bürgerliche Verfassung ist so unendlich wunderbar erlösend. Ja, wir sind erlöst worden. Unsere Gottführer haben sich gekrönt, uns erlöst und wir sind nur noch kranke, entmündigte Kinder in ihrer Neuen Normalität. Als erste haben sich die Linken unterworfen, denn sie lieben die Krise, diesen Zustand streben sie als Dauerlösung an, das ist alles, wonach sie streben: Die ewige Krise. Sie wollten schon lange keine Verantwortung mehr übernehmen, beim letzten Mal führte das zum gesellschaftlichen Absturz. Seither wollen sie einfach nur noch sparsam sein. »Ich werde zu Erde«, das ist ihre letzte Losung, das wünschen sie sich als letzten Odem.

Nach ihnen unterwarfen sich die Sozialdemokraten den imperialen Gottführern, denn Unterwerfung ist seit jeher ganz ihre Sache, nur dass sie dabei immer nörgeln — das gehört für sie zum guten Ton. Sodann unterwarfen sich die Christdemokraten, denn für sie ist Gott bereits tot, sie wollen neuen Göttern huldigen und sind unendlich dankbar, wenn sie von den Gottführern zumindest bespuckt werden. Schließlich unterwarfen sich die Liberalen, denn auch die Ungläubigen, die dereinst den Sonnenkönig guillotinierten, um slber frei zu sein, müssen schließlich einmal selber dran glauben. Wer mit dem Tod bedroht wird, ist dafür anfällig.

Am allermeisten aber unterwarfen sich die Grünen, denn keine Partei liebt den Krieg so sehr wie sie. Am liebsten führen sie Krieg für den Frieden oder für den Holocaust, gegen den sie zu kämpfen begannen, nachdem er längst beendet worden war. Sie boten den Gottfürsten an, für sie im göttlichen Garten zu räkeln, in dem sie jederzeit für die Gottherrscher bereit liegen, um ihre Körper bereitwillig anzubieten, auf dass ein Gott seinen Blick oder anderes erhebe, um den edlen Samen in den Gotttyranninnengarten auszubringen. »Danke!«, seufzen sie in den Farn. Wartend.

Die Größe unserer Gottheiten ist so unvorstellbar, ihre Kraft so ungeheuerlich, ihre Stärke so extraordinär! Die Antlitze unserer Gottfürsten leuchten über uns, selbst im Traume. Oh, Himmel, oh, Olymp, hab’ du unseren Dank, dass du uns diese Gottherrscher geschenkt hast. Sie sind das Beste, was uns Untermenschen geschehen konnte, denn sie stehen über uns. Wir sind für sie da, nicht sie für uns. Sie gebieten über uns, sie bestimmen über unsere Körper, sie bestimmen über unsere Kinder, sie kontrollieren jede Faser, jeden Moment unserer erbärmlichen kleinen Existenzen.

Selbst in einem unkontrollierten Moment denken wir noch an unsere Gottherrscher und versuchen, ihnen zu gefallen, denn nichts darf größer als sie sein, so wollen sie es. Die Gottherrscherin hat es »marktkonforme Demokratie« genannt, aber wir sollten es beim Namen nennen: Himmelreich. Wir sind von den Gottherrschern ins Himmelreich geführt worden.

Wir bitten unsere Götter noch um ein paar Jahre Geduld, bis wir uns im Himmelreich eingewöhnt haben werden. Aber die Linken machen uns schon vor, wie man sich kräftig unterwirft, sich so richtig am Boden rekelt, und darum bettelt, von den Gottherrschern bespuckt zu werden. Auch die Christen, die Grünen und die Liberalen lecken den Speichel. Sie beten, zumindest einen zornigen Blick der Gottfürsten zu erhaischen.

Hat es jemals größere Götter gegeben, gütigere Herrscher? Wen interessieren die Millionen Todesopfer, wer wird noch nach den Menschenleben, den geschundenen Kinderseelen fragen, den einsam verendeten, den zerstörten Kulturen, der vernichteten Natur, wenn die Gottfürsten erst mit ihrem Wunder fertig sind? 

Die Neue Normalität wird dermaßen wunderbar sein, dass wir möglicherweise nur ein paar Jahrzehnte genverändernder Medikamente brauchen, um endlich zu bemerken, dass die Gottfürsten einfach noch um ein Vielfaches göttlicher sind, als wir es heute in Worte fassen konnten.

Ja unsere Gottherrscher sind übergöttlich. Das spricht aus jeder ihrer Verkündigungen, die im Grunde Offenbarungen, ja Oratorien von Offenbarungsoffenbarungen sind. Allein schon ein Regierungssprecher wie Steffen Seibert ist um ein Vielfaches göttlicher als Gott, wie er selber immer wieder zu Protokoll gibt. Es ist nur so, dass wir Unwürdige, wir, der Menschenmüll, wir Rechtsradikalen, also das Volk insgesamt, die ungeheure Übergöttlichkeit nicht erkennen können. 

Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Entschuldigung! Danke!«

Wir sind so dermaßen dumm und rechtsradikal, dass wir den übergöttlichen Überplan des Übergöttlichen schlechthin, den unsere überübergöttlichen Überfürstengötter für uns als Geschenk vorbereitet haben, einfach noch nicht verstehen können. Unsere Unwürdigkeit wird uns erst mit den Jahren bewusst werden und die ganze Übergöttlichkeit wird uns erst dann vor Augen stehen.

Wenn wir die Übergöttlichkeit der Überüberüber-Gottfürstentyrannenherrscher erkannt haben werden, werden wir vor Scham im Boden versinken und die ganze Überüberüberüber-Göttlichkeit wird in unsere unwürdigen Seelen leuchten, dort, wo es so finster und dunkel ist, dass wir heute, mit unseren dummen Fragen nach Grundgesetz und Schulmedizin, nach Wahrhaftigkeit, Demokratie und Aufklärung, doch nur als »virologisch kontaminiertes Material« gelten können. Unter unseren Masken wispern wir demütig: »Gebietet über uns!«

Unsere Kinder und Kindeskinder gehören ganz und gar den Übergottüberfürstentyrannen, in deren Obhut sie gut aufgehoben sind, aber nur, wenn die Gottfürsten sie auch wollen. Sie wählen aus, denn in einem Leben ohne bürgerliche Verfassung richtet sich alles und jeder auf die übergöttlichen Selfmade-Weltüberfürstengottheiten aus. Das Corona-Regime hat hier und heute nur eine einzige Botschaft an uns, es sagt: »Ich erkläre mich selbst größer als Gott und Widerstand ist zwecklos!«

Und nun faltet die Hände und senket die Häupter, denn sie wollen, dass wir zu ihnen beten.

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Danke an den  Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: meunierd / shutterstock

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Kommentare (1)

Ein Kommentar zu: “Wir danken der Regierung! | Eine Satire von Anselm Lenz und Batseba N’Diaye

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