US-Hilfe nicht erwünscht

Heimliche US-Invasion Iraks schreitet voran. Reaktion arabischer Jugendlicher. Schuss vor den Bug US-amerikanischer Propagandisten.

Von Rainer Rupp.

Das Pentagon hat im letzten Jahr jede mögliche politische Ablenkung, national und international, dazu genutzt, wieder klammheimlich eine wachsende Zahl von „boots on the ground“, also US-Kampftruppen in den Irak zu verlegen. Zuerst waren es nur einige „Ausbilder“, angeblich um die irakischen Soldaten hinter der Front im Kampf gegen ISIS zu unterstützen. Dann wurde bekannt, dass die „US-Berater“ auch selbst zu den Waffen griffen und eigene Kampfaufträge durchführten.

Anfang Februar dieses Jahres räumte der US-Kriegsminister Ash Carter auf hartnäckige Fragen von US-Medien ein, dass die Zahl der US-„Stiefel auf irakischem Boden“ bereits auf 3.700 Mann angewachsen war, zumeist Kampfeinheiten aus Elitesoldaten.

Rechnet man die Zahl der uniformierten Logistiker und Versorgungseinheiten dazu, dann konnte man schon damals fast von einer US-Militärpräsenz in Divisionsstärke sprechen. Damit drängt sich die Frage auf, ob die Obama-Administration unter dem Vorwand der Bekämpfung von ISIS nicht mit einer neuen Intervention, bzw. Besatzung des Irak begonnen hat. Dieser Verdacht scheint durch die Entwicklungen seither bestätigt zu werden.

Am 20. März hat das Pentagon erklärt, dass noch mehr US-Kampftruppen in den Irak geschickt würden, nachdem Tage zuvor bei einem ISIS Angriff ein US-Marinesoldat getötet und etliche seiner Kameraden schwer verletzt worden waren. Fast fünf Jahre nachdem die irakische Regierung den Abzug der US-Soldaten erzwungen hatte, könnte es Washington mit seiner erneuten, diesmal heimlichen Invasion doch noch gelingen, sich den wirtschaftlich und geo-strategisch lukrativen Preis Irak unter die Nägel zu reißen.

Allerdings trifft die erneute Anwesenheit von US-Truppen auf wenig Gegenliebe in der irakischen Bevölkerung. Dies geht aus einer gerade veröffentlichten Umfrage(1) hervor, die das US-Außenministerium in Auftrag gegeben hatte.

Ziel der Umfrage war es zu bewerten, wie gut die US-Botschaft in Bagdad die sechste von neun Richtlinien des Weißen Hauses umgesetzt hatte, nämlich den Widerstand in der irakischen Bevölkerung gegen ISIS auszubauen, insbesondere „die wahre Nature“ dieser Terrorgruppe zu beleuchten. Nach der Studie zu urteilen, brauchten die Iraker dafür jedoch keine US-amerikanischen „Lehrer”.

Die Iraker „lehnen ISIS, seine Ziele und Taktik durchgehend ab, ohne signifikante Unterschiede zwischen den religiösen Sekten und ethnischen Gruppen”, heißt es in der Auswertung der Umfrage. Allerdings stellt sie auch fest, dass 40% aller Iraker glauben, dass die Vereinigten Staaten hinter ISIS stecken. Sie gehen davon aus, dass die USA “den Irak destabilisieren, um seine natürlichen Ressourcen zu kontrollieren.”

Weiterer 33% der befragten Iraker, glauben dass die Vereinigten Staaten “Terrorismus im allgemeinen unterstützten und ISIS speziell.” – Damit ist das Ergebnis der Studie ein Schuss vor den Bug der Propagandisten in Washington, die den kriminellen, mit abenteuerlichen Lügen rechtfertigten, militärischen Überfall der USA auf Irak – mit wahrscheinlich über 1 Million Toten – immer noch als heroische Tat zur Verbreitung von Menschenrechten und Demokratie verherrlichen.

Eine zweite Studie(2) scheint die in Irak gewonnen Erkenntnisse zu bestätigen, dass nämlich in allen arabischen Ländern, wo die USA militärische „Demokratie-Hilfe“ leisten oder geleistet haben, die großen Mehrzahl der arabischen Jugend in den Vereinigten Staaten ihren Widersacher sieht. Die Studie wurde von der Organisation Asda’a Burson-Marsteller (Arabische Jugend-Gesellschaft) mit dem vorrangigen Ziel durchgeführt, Erkenntnisse über die “Einstellungen arabischer Jugendlichen in 16 Ländern im Nahen Osten und Nordafrika” zu gewinnen.

Dazu wurden vom 11. Januar bis 22. Februar 2016 insgesamt 3.500 persönliche Befragungen mit arabischen Männern und Frauen in der Altersgruppe von 18 bis 24 gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass 93% der Iraker, 82% der Jemeniten, 81% der Palästinenser und 57% der Libanesen die Vereinigten Staaten als Feind ansehen. In den Ländern Nordafrikas und in den arabischen Feudalstaaten am Persischen Golf stehen die Jugendlichen den USA jedoch immer noch mehrheitlich positiv gegenüber.

Quellen:
(1) https://oig.state.gov/system/files/isp-i-16-10.pdf
Titel: OIG Office of Inspections, Evaluation of Embassy Baghdad’s Implementation of Line of Effort 6 in the President’s Strategy to Counter ISIL: Exposing ISIL’s True Nature, March 2016

(2) http://www.arabyouthsurvey.com/en/about
Titel : Presenting evidence-based insights into the hopes, fears and aspirations of Arab youth.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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