»Transatlantifa« droht Antifaschisten

Artikel von Susan Bonath.

Freidenker-Verband sagt Friedensveranstaltung aus Angst vor Angriffen ab.

Als »links« und »Antifas« getarnte Transatlantiker, die heute zumeist unter dem Label »Antinationale« firmieren (besser bekannt als »Antideutsche«, im Artikel als »Transatlantifa« bezeichnet) machen wieder mobil. Diesmal richtet sich ihr Hass gegen den Freidenker-Verband, der sich als antifaschistisch, antimilitaristisch und antikapitalistisch versteht. Wegen Gewaltdrohungen auf dem Internetportal »linksunten.indymedia.org«, wo jeder anonym schreiben kann, ließ der Verband jetzt seine »Berliner Runde« platzen, die am 9. März in der Hauptstadt unter dem Motto »Die drohende Kriegsgefahr und was wir dagegen tun können« geplant war. Es sei »unerträglich, die Diskussion wegen mit der SA geistesverwandten Gruppen absagen zu müssen«, erklärte dazu der Verbandsvorsitzende Klaus Hartmann. Künftig müsse man wohl über einen effektiven Schutz der Veranstalter und Besucher nachdenken.

Hintergrund ist, dass der Freidenker-Verband das Feindbild der Transatlantifa schlechthin als Inputgeber eingeladen hatte: Ken Jebsen. Der Betreiber der Plattform KenFM sollte Fragen für eine Diskussionsrunde anreißen. Geplant war laut Aufruf das Thema Friedensbewegung und was getan werden könne für deren Aufschwung. Zudem wollten sich die Protagonisten und Gäste über »Grundlinien der US-amerikanisch-deutschen Mobilisierung gegen Russland« austauschen. Gewünscht habe sich der Verband »eine streitbare und auf praktische Förderung der Friedensinitiativen gerichtete Diskussion«.

Auch diesmal ging die Transatlantifa vor, wie immer: Mit Verleumdungen, Lügen und aus dunklen Zeiten bekannten Kontaktschuld-Vorwürfen. Ihre Anhänger wiegelten in dem am 1. März auf »indymedia« veröffentlichten Aufruf dazu auf, die Veranstaltung zu verhindern. Darüber hinaus seien Drohbriefe eingegangen, berichteten die Veranstalter. Das von den angriffswütigen, bekennenden Pro-Imperialisten oft benutzte Schlagwort hieß erneut: »Querfront«. Historisch meint der Begriff den Versuch faschistischer Kräfte in den 30er Jahren, linke, wie Kommunisten oder Sozialdemokraten, für ihre Ziele zu vereinnahmen. Seit Jahren schreit die Transatlantifa Jebsen als »Querfrontler« und »Verschwörungstheoretiker« mehr oder weniger öffentlich nieder. Der Journalist biete »bekennenden Rechtsextremisten wie Jürgen Elsässer eine Bühne«, führten die Schreiber auch jetzt als Grund an.

Dies zeigt erstens, dass die Verfasser die Vergangenheitsform nicht beherrschen, denn die gemeinten öffentlichen Gespräche mit Elsässer liegen mehrere Jahre zurück. Zweitens hat sich Elsässer erst in der jüngeren Vergangenheit zu einem Rassisten entwickelt und vor allem in den letzten Monaten extrem radikalisiert, offensichtlich, um die Auflage seines zum AfD-Werbeblatt mutierten Monatshefts »Compact« zu steigern. Bis vor kurzem behauptete Elsässer sogar noch, ein »Linker« zu sein. Bis Januar 2009 hatte er für die linke Zeitung »Neues Deutschland« geschrieben. Davor war er als Autor und Redakteur für weitere linksgerichtete Blätter tätig, darunter »konkret« und die »junge Welt«. Anfang der 90er war Elsässer selbst, gemeinsam mit der Publizistin Jutta Ditfurth, in der damals jungen antideutschen Bewegung aktiv. Und drittens geht es beim politischen Journalismus darum, politische Entwicklungen zu verfolgen und darzustellen. Dazu gehören auch Meinungen, die der Journalist nicht teilt. Gesellschaftliche Zustände im Zusammenhang mit unterschiedlichen Ansichten zu verstehen, gelingt nur, wenn man Andersdenkende hört.

»Abbruchunternehmen der Linken« in Action

Die Freidenker befürchten zurecht gewaltsame Angriffe der linksgetarnten Schlägertrupps. Auch zu einer Filmvorführung im Berliner Kino Movimento am Freitagabend hatten sie eine Gegendemo angemeldet. In dem Streifen begleitet der Regisseur Dror Dayan einen jungen israelisch-jüdischen Friedensaktivisten bei seinen Aktionen mit Palästinensern. Das Kino erklärte, es gehe um die »innere Zerrissenheit der Linken in Israel«. Der Regisseur hatte angekündigt, seine Premiere in Deutschland mit politischen Gruppen zu eröffnen, die sich gegen die israelische Regierung wenden. Im Sprachrohr der Transatlantifa, der Wochenzeitung »Jungle World« wetterte am Donnerstag der Autor Arthur Buckow in einem Kommentar, es sei »schade«, dass Kritik an Israels politischer Linie nicht verboten sei. Die Filmemacher nannte er »Minnesänger der »Israeli Apartheit Week 2016«, die mit »der Sehnsucht nach Entjudung«, dem »Kitt linker und alternativer Milieus«, durch Deutschland tourten. Sein Aufruf: »Man müsste es den antiimperialistischen Kampañeros (…) nicht so leicht machen. Man könnte diese Zeitung auch einfach einmal zuschlagen und etwas tun.« Was genau getan werden sollte, ließ der Autor wohlwissend weg. Ob es am Freitag vor oder im Kino zu Gewaltattacken kam, war beim Schreiben des Artikels noch nicht klar.

Gewaltattacken verübten Anhänger der Transatlantifa bereits vor einem Jahr in Leipzig. Dort stellte die Autorin Susann Witt-Stahl an der Universität ihr Buch »Antifa heißt Luftangriff« vor, das sich mit dem Abdriften einst antifaschistischer Gruppen in US-imperialistische und prozionistische Ideologie befasst. Zunächst hätten die Angreifer Israelfahnen entrollt. Bier trinkend hätten sie Gäste und Autorin beschimpft und seien schließlich handgreiflich geworden, teilten die Veranstalter mit. Zum Schluss seien auch Flaschen geflogen. Auch im Dezember 2013 hatten Stoßtrupps dieses Spektrums eine Veranstaltung des Bundesarbeitskreises Antimilitarismus und Frieden (bakauf) unter dem Motto »Der Iran im Fadenkreuz westlicher Interessen« mit Stühlen und roher Gewalt attackiert. Begriffe wie »Nazis«, »Islamlistenversteher« und »Judenschlächter« seien gefallen, wie auf der Webseite des bakauf zu lesen ist. Aber auch auf Friedensdemonstrationen oder -mahnwachen war »das Abbruchunternehmen der Linken«, wie es der Kopf des antideutschen Zentralorgans »Bahamas«, Justus Wertmüller, in die Agenda des Blattes schrieb, in den letzten Monaten rege mit US- und Israelfähnchen, Hassgebrüll und Übergriffen zugange. Es geht gegen Antikapitalisten, soziale Protestbewegungen und Friedensaktionen. Und offenkundig lassen die Straßenkämpfer der NATO-Apologeten und Befürworter imperialistischer Kriege nicht locker. Der Freidenker-Verband ist nur eins von vielen Opfern dieser verkappten braunen Terroristen.

 

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

 

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