Zwei Gedichte zum Tod von John Lennon

Von Bernhard Trautvetter.

Am 8.Dezember 1980 erschoss ein Mann, der sich später deshalb als Verrückten bezeichnete, ein Niemand, der wenigstens als Mörder in die Geschichte eingehen wollte, John Lennon, der sich selbst als politisch Linker bezeichnet hatte, von dem solche Lieder stammen, wie “Working Class Hero”, “The Luck of the Irish”. “Woman is the Nigger of the World”, “Give Peace a Chance” und das Lied für die sozialistisch-kommunistische Vision “Imagine”, sowie “Power to the Peoople”, und auch so sensible selbstkritische Lieder wie “Jealous Guy”, “God” und “How” John fehlt uns jetzt schon seit über dreieinhalb Jahrzehnten.

Ich habe für ihn und die geneigten LeserInnen zwei Texte  geschrieben. Er hätte gewollt, dass ich zu den Lebenden spreche, und nun nicht mehr stattdessen zu ihm.

 

Stell’ Dir ’mal vor…

Stell’ Dir ’mal vor…
…Menschen sprechen, und sie sagen wirklich Worte
Ja, sie hören einander dabei auch noch wirklich zu…
…Menschen bewegen sich
und es geschieht wirklich etwas in dieser verrückten Welt…
…Menschen lieben Menschen, und sie interessieren sich aufrichtig
für einander ganz und gar mit von Begeisterung beseeltem Leib
…und schließlich ist kein Mensch mehr einem anderen
insgeheim oder offen ein Mittel für einem Zweck

Stell’ Dir ’mal vor…
…die Menschen öffnen sich der Erkenntnis,
der eigene Bauchnabel ist nicht der Nabel der Welt
sie nebeln sich nicht mehr mit Rauchrausch ein und Scheuklappen fallen einfach ab
…das um sich schlagende Kind erlebt die Liebe, an die es nicht mehr zu glauben wagt
…Menschliche Blicke treffen menschliche Augen und die beiden sehen einander
so, wie sie lebendig sind, in die Seele der Welt

Stell’ Dir ’mal vor…
…menschliches Wissen nützt dem Frieden, allen Menschen und der Natur dieser Welt
…die Götter der anderen sind Teil des Lebens im Ganzen, so wie das Du im Ich des Wir

Stell’ Dir ’mal vor…
…wir lebten in einer aufregend fruchtbaren Welt
der Natur auf Mutter Erde, jedes Kind hat eine Bleibe
und jedes Wort hat heute schon ehrlich Gewicht

 

SINNVOLL LEBEN

Wenn Seelen
selbstvergessen
alles um sich herum
sein lassen
im Wandels des Wandels
Einfluss nehmen
alles geben
der asketische Eros
der Zusammenspiels
von Hier
und Unendlichkeit
im Augenblick
unseres Wandels
durch den Raum
der Zeit,
die mir noch geblieben ist
lebendig zu leben

Fotohinweis: wikimedia.commons.org, Author:User:Creator22, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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