STANDPUNKTE • Wo sollen wir anfangen?

Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Wir leben in einer kranken Gesellschaft wo die Verrückten die Blinden führen. Der sogenannte moderne Mensch ist fettleibig und kriegt schon beim Treppensteigen nicht genügend Luft, seine Haut ist unrein und er ist zudem süchtig nach allerlei Dingen. Er inhaliert täglich toxische Stoffe, trinkt giftige Substanzen und kriegt nach fünf Stunden Zuckerentzug schlechte Laune. Er hat regelmäßig Rückenschmerzen und Knieschmerzen, vorgezogene Schultern, Hammerzehe und einen unangenehmen Beckenschiefstand. 

Ein gesunder Gang ist nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Gesunde zwischenmenschliche Beziehungen werden immer seltener und Persönlichkeitsstörungen verschiedener Art häufen sich. Es gehört zwar zum Menschsein dazu, Grenzen zu überschreiten und irrationales Verhalten an den Tag zu legen. Selbst Schmerz und geistliche Verwirrung kann seinen Reiz haben. Aber wenn dies zur Normalität wird, hat der Mensch ein ernstzunehmendes Problem.

Selbstverständlich finden sich Ausnahmen, aber diese sind stark unterrepräsentiert. Die westliche Welt gilt als hochentwickelt und in hohem Grade technisiert. Eine Welt die die Beherrschung und Unterwerfung der Natur als Heilmittel preist aber nicht in der Lage ist grundlegende Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Der Mensch wird permanent überwacht und wird in naher Zukunft in einer bargeldlosen Gesellschaft zur biometrischen Gesichtserkennung gedrängt werden.

Man könnte so ewig weitermachen…

Der Status Quo ist derart schockierend, dass man schnell den Mut verliert und sich nur noch ins Private zurückzieht. Die gesellschaftlichen Probleme lösen sich aber nicht durch Untätigkeit in Luft auf und wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf. Der Mensch kann sich ein ständiges Jammern nicht mehr leisten. Wer sich aber entscheidet sein eigenes Leben schrittweise zu verändern, wird mit einem Zustand konfrontiert, der dem Menschen von Natur aus Probleme bereitet, die Isolation und die Einsamkeit. Der Mensch als soziales Wesen tut sich damit schwer aber es nützt leider wenig, in einer kranken Gesellschaft der Angepasste zu sein. 

Wir müssen selber denken und dann müssen wir selber handeln. Handeln ohne zu Denken ist gefährlich und Denken ohne zu Handeln führt zu nichts.

Fangen wir damit an, Verantwortung zu übernehmen und die kleinen veränderbaren Dinge in den Blick zu nehmen. Der Fokus sollte auf das gerichtet sein, was der Mensch Schritt für Schritt verbessern kann und auf die er unmittelbaren Einfluss hat. 

Das Konsumverhalten ist einer der wichtigsten und stärksten Machtmittel, die noch in der Hand der Bevölkerung liegt. Es sind nicht die Eliten, die mehrheitlich bei Großkonzernen ihr Geld lassen. Sie sind lieber Eigentümer als Kunden. In vielen Fällen ist es das Geld der Masse, die als Gewinnausschüttung nach Oben abfließt. Der Imperialismus ist überall sichtbar. 

Er findet sich auf dem Essteller, im Badezimmer, im Kühlschrank, an der Garderobe und im Schlafzimmer wieder. Der Mensch trägt den Imperialismus zur Schau und nimmt ihn tagtäglich in den Mund. Er sortiert gesellschaftskritische Bücher in Regale ein die von Unternehmen produziert werden, die kaum Steuern zahlen und zudem qualitativ mangelhafte Produkte verkaufen. Er bevorzugt neues zu kaufen, anstatt altes zu restaurieren. Ausgerechnet die Vermögenslosen, handeln am widersprüchlichsten. Die Kette von Kausalzusammenhängen wird bedauerlicherweise selten offengelegt. 

Unsere Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit verkürzt sich immer mehr und wir beschäftigen uns mit Belanglosigkeiten. Es macht keinen wesentlichen Unterschied ob wir Germany’s Next Topmodel angucken oder die Bundespressekonferenz um sich anschließend über die politische Farce zu echauffieren. Wir beschäftigen uns mit Ereignissen, die wir nicht ändern können und die uns keineswegs weiterhelfen. Solange wir damit beschäftigt sind, die alte Welt zu bekämpfen, anstatt diese zu ersetzen, werden wir keinen Schritt weiterkommen. 

Der Mensch hat die Chance mit den gegenwärtigen Kommunikationsmitteln, schnell und effektiv alternative Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Wir haben die Wahl. Wir können Kommentare fassen, die es uns gemeinsam ermöglichen in einen konstruktiven Diskurs über Lösungsvorschläge einzutreten. Wir können persönliche Anekdoten hinzufügen und zielgerichtet Vorurteile aus der Welt schaffen und auf wichtige Informationsquellen verweisen.

Der konstruktive Diskurs über unser alltägliches Konsumverhalten ist schon ein sehr wertvoller Schritt in die richtige Richtung. 

Tauschen wir uns aus. Abschließend ein Zitat von dem Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr: 

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 

Über diesen Satz lässt sich gut nachdenken, unabhängig davon ob man an Gott glaubt oder nicht.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: beeboys / Shutterstock

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